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Erstellt von webmaster am Montag 29. Dezember 2008

Die Ziele der Bruderschaft

  • Vermehrung des Wissens um den Wein
  • Pflege und Förderung der Weinkultur
  • Eintreten für die Ehrlichkeit und Sauberkeit des Weins
  • Mittler zwischen Produzent und Konsument
  • Einsatz für den deutschen Wein in den angrenzenden Ländern
  • Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Weinbruderschaften

Schnupperangebot für Weinfreunde

Sollten Sie mehr über uns wissen wollen, dann haben Sie die Möglichkeit, bei einer unserer nächsten Veranstaltungen einen der “3 Schnupperplätze für Nichtmitglieder” (Unkostenbeitrag: 20 Euro) zu belegen. Unser Angebot richtet sich an alle Damen und Herren > 18 Jahre. Anmeldungen bitte über unser Kontaktformular auf der Seite “Kontakt“. Bitte nennen Sie uns Ihren Namen, wie wir Sie erreichen können und die Veranstaltung (ausgenommen Sonderveranstaltungen) an der Sie teilnehmen wollen. Wir freuen uns auf Sie.

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08.07.2010 Südwestfrankreich

Erstellt von beyer am Sonntag 18. Juli 2010

Probe vom 8. Juli 2010 – Südwestfrankreich

Endlich Sommer – 34°– aber leider für unsere heutige Probe etwas zu heiß. Dank unseres Kellermeisters konnten die Weine jedoch ausgezeichnet gekühlt probiert werden.

 

Das Anbaugebiet Südwestfrankreich liegt etwas abseits, birgt aber eine Reihe von spannenden Entdeckungen sowohl bezogen auf die Winzer als auch auf die hier angebauten Rebsorten.

Geografisch lässt sich die Region als Dreieck beschreiben, gelegen im Norden der Pyrenäen, südöstlich des Bordeaux und im Osten von Toulouse begrenzt. Bei 50.000 ha Anbaufläche mit 18 Appellationen und 22 Landwein-Regionen gibt es ca. 100 verschiedene, vorrangig autochthone Rebsorten - deshalb auch als „Rebsortenmuseum Frankreichs“ bezeichnet. Jährlich werden hier 1,8 Mio. hl Weißwein und 1,6 Mio. hl Rotwein produziert; 30% entfallen dabei auf AOC Anbaugebiete, 45 % auf Landweine und 25 % auf Tafelweine.

Bei den Weißweinen ist es vor allem eine Frische und Mineralität, die man aus anderen Regionen Frankreichs so kaum kennt. Rebsorten wie Mauzac, Odenc, Verdanel oder Gros Manseng mögen unbekannt sein, die Weine, die sie liefern, sind höchst eigenständig, nicht alltäglich und in besonderem Maße originell, und haben deshalb Aufmerksamkeit verdient.

 

Den Rotweinen des Südwestens ist eine spezifische Gerbstoffstruktur gemein (dies ist sicher auch eine Frage des „Mögens“), die massiver und dominanter erscheint, als in anderen Regionen Frankreichs. Das kühle Klima und karge Böden sorgen, in Verbindung mit den entsprechenden alten, angestammten lokalen Rebsorten wie Tannat, Malbec, Duras, Fer Savadou (Braucol) etc. für ungestümen Tanninreichtum, den zu zügeln nur wenigen Spitzenbetrieben gelingt. Es sind allesamt keine Weine für den schnellen Konsum, sondern Langläufer, die Geduld brauchen, auch insofern sind sie alles andere als zeitgemäß. Die Geduld aber belohnen sie mit facettenreichem Reichtum an Aromen.

 

Vorgestellt wurden die Anbaugebiete Cahors, Gaillac, Côtes du Marmandis und Gascogne mit dem Madiran. 

 

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Der erste Wein, ein Mousseux, kam aus dem Gaillac im Departement des Tarn gelegen. Es gehört zu den ältesten Weinbaugebieten Frankreichs, die Anbaufläche beträgt fast 4.000 ha mit einem Ertrag von 160.000 hl – davon 65% Rotwein. Um das komplexe Gefüge und die Eigenart des Gaillac’s zu verstehen, muss man wissen, dass in dieser relativ kleinen Region eine Vielfalt zu finden ist an Lagen, Rebsorten, Macharten und auch verschiedenen Böden - am linken Ufer dominieren karge und steinige Böden, auf denen Rotweine wachsen; das rechte Ufer besteht von Sandstein und Mergel bis zu Granit- und Kalkboden, auf denen Weiß- und Rotweine wachsen.

Der Erzeuger des Mousseux Brut Mas Pignou, die Domaine Mas Pignou von Jaques et Bernard Auque ist seit 5 Generationen im Familienbesitz. Bernard Auque hat hier aus 100% Mauzac von 50 Jahre alten Reben, mit auf 45 hl/ha begrenzter Erntemenge, einen feinperligen, frischen Mousseux mit Noten von grünem Apfel aber auch Honig- und Birnentönen produduziert, der lang am Gaumen bleibt.

Die Rebsorte Mauzac stammt aus der Region Gaillac und es gibt diese in verschiedenen Varianten - s. auch Wein Nr. 5.

Der hier vorgestellt Mousseux wurde dabei nach der gaillac’schen Schaumwein MÉTHODE Ancestrale hergestellt. Bei dieser Methode findet eine Tankgärung statt. Einmal angesetzt und abgefüllt besteht keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen. Im Gegensatz zu traditionell hergestellten Schaumweinen, die eine zweistufige Verarbeitung erfahren, bei der in Stufe Zwei noch einmal regulierend eingegriffen werden kann und nachgezuckert wird, muss die angesammelte Süße der Trauben hier ausreichen. Eins ist dabei sicher, keine andere Methode gewährt besser den Erhalt der Aromen und des Eigencharakters der Trauben als diese.

 

Mit dem Wein Nr. 2, einem Colombard von der Côtes de Gascogne, betreten wir die Gascogne. Zur Gascogne gehören zusätzliche Appellationen, z.B. das Madiran, das wir mit dem nächsten Wein dann besuchen werden.

Die Gascogne ist eine historische Provinz und hat ihren Namen von den Vasconen, einem iberischen Volk, das ungefähr im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Pyrenäen überschritt und hier siedelte. Im Hundertjährigen Krieg war die Gascogne ein Schlachtfeld, auf dem die Heere Frankreichs und Englands sich maßen.

Der 1336 unterzeichnete Vertrag von Bretigny bestätigte die absolute Herrschaft Englands über diese Provinz, aus der die fremden Eindringlinge sich erst mehr als ein Jahrhundert später (1453) zurückzogen.

Die Erzeuger dieses Weines Janine und Gilles Baumann von der Domaine de Cassagnoles gehören zu den Wegbereitern des trockenen, fruchtbetonten, sortenreinen Colombard und verstehen es, ihm Jahr um Jahr erneut sein sympathisches Profil zu geben.

Es gefällt dieser Sorte auf den sehr kalkreichen Hochplateaus und den der Sonne zugewandten Hängen des Gers. Es finden sich frische, an Zitrus- und exotische Früchte erinnernde Aromen, die aber leider noch etwas grasig grün wirkten, wie bei unreif geernteten Trauben. Der 2009er bekam eine Bronze-Medaille beim Concours Général de Paris 2010 verliehen.

Zur Rebsorte Colombard ist noch festzuhalten, dass diese eine Kreuzung aus den Rebsorten Gouais Blanc x Chenin Blanc ist und ursprünglich in der Region Cognac eine wichtige Rolle spielte. Die weltweite Rebfläche liegt bei ca. 40.000 ha. In Frankreich wird Colombard auf ca. 7.700 ha kultiviert (2007).

 

Mit dem Wein Nr. 3 wechselten wir in das Gebiet Madiran; es umfasst kapp 1.300 ha bei einem Ertrag von 61.700 hl. Das Gebiet ist eigentlich bekannt für seine Rotweine, aber zunächst gab es einen Weißwein, eine Cuvée aus Gros Maseng und Sauvignon zu verkosten.

Bekanntester Winzer dieses Gebietes ist zweifellos Alain Brumont, der “Entdecker dieses Terroirs” und auch Werber für dieses Terroir, mit seinen Weingütern Château Montus, Château Bouscassé und der Domaine Berthoumieu.

Die vorgestellte Cuvée präsentierte sich facettenreich und ausdrucksstark mit Noten von Äpfeln, Melonen und Zitrusfrüchten; frisch und fruchtgeprägt, mit präsenter, schön eingebundener Säure.

Die Rebsorten Manseng, “Gros Manseng” und “Petit Manseng”, sind typische baskische Rebsorten. Der Gros Manseng wird hauptsächlich für trockenen Weißweine, der Petit Manseng wird fast ausschließlich für Süßweine verwendet.

 

Mit dem Wein Nr. 4 probierten wir einen Wein der Côtes du Marmandais, deren Weine starke Parallelen zum Bordeaux aufweisen. Die Côtes du Marmandais liegt südlich der Appellation Bergerac zu beiden Seiten der Garonne in direkter Verlängerung der Bordeaux-Appellationen Entre Deux Mers und Graves mit einer Rebfläche von ca. 1.300 ha und einem Ertrag von fast 67.500 hl.

Obwohl hier in erster Linie Rotweine (s. auch Wein Nr. 08) und Roséweine erzeugt werden (97%), begannen wir mit dem auch für diese Gegend repräsentativen Sémillon.

Stéphanie Roussel, die aus der Normandie stammt, entdeckte während ihres Jurastudiums in Caen die Liebe zum Wein, eröffnete zunächst eine Weinbar in Bordeaux und entschied dann, vom Verkäufer zum Produzenten zu wechseln. Sie erwarb die Domaine Lassole, mit alten Rebbestand und produziert streng nach biodynamischen Prinzipen. Ihr Sémillon ist duftig und mineralisch mit feinen, blumigen Noten. Nicht die Zustimmung der Teilnehmer fand der Geschmack basierend auf dem leicht oxydativen Ausbau. So erinnerte der Wein eher an Sherry oder Madeira.

 

Wir kehrten in das Gaillac und zu einem Mauzac zurück. Dieser Mauzac VertWein Nr. 5 - ist eine der 7 Untersorten des Mauzac, die nach der Farbe der Beeren als gelber, grüner, rosa, rötlicher oder schwarzer Mauzac bezeichnet werden. Er ist robust und wenig frostempfindlich. Der Mauzac liefert einen aromatischen und recht körperreichen Weißwein, der sich nach der Abfüllung trotz seines niedrigen Säuregehalts einige Jahre lang verbessert. Im Jahr 2007 wurde in Frankreich eine bestockte Rebfläche von 2.077 Hektar erhoben.

Erzeuger sind Robert et Bernard Plageoles von der Domaine Plageoles, die nur sortenreine Weine, 16 Stück an der Zahl herstellen. Wein wird dort bereits seit 1805 produziert, nunmehr in der sechsten Generation.

Hier war wieder unser Kellermeister gefragt, den Wein trotz der Sommerhitze bei besonders kühler Temperatur zu servieren, was ihm hervorragend gelang, und so konnte der Wein seine Aromen - deutliche Apfelnote mit Nebenaromen von grüner Zitrone und Linde – voll entfalten.

 

Mit der Nr. 6 probierten wir eine weitere Spezialität des Gaillac, die Rebsorte Odenc und dies von einem Winzer Patrice Lescarret, von Domaine de Causse Marines, der zu den drei exzentrischen „enfants terribles“ des Gaillac gehört. Er ist ausgebildeter Oenologe und war lange Zeit in Prüfungskommissionen auf Weinconcours tätig und sagt heute darüber: “Der überwiegende Teil der Verkostungen sind eine Farce oder das Niveau der Tester ist lächerlich…”. Er bewirtschaftet seine Flächen biodynamisch.

Wir beurteilten den Odenc als aromatisch, vollmundig harmonisch, mit Anklängen von Zitrusfrüchten und Gewürzen im Hintergrund. Der Wein wird auf 30 hl / ha begrenzt und wird naturvergoren, ohne Hefezusätze in uralten Eichenfässern ausgebaut.

 

Zum Abschluss der vorgestellten Weißweine wurde mit Wein Nr. 7, einem Verdanel, wieder eine der autochthonen Reben des Gaillac präsentiert. Die Erzeuger Robert et Bernard Plageoles hatten wir bereits beim Wein Nr. 5, als Repräsentanten für sortenrein ausgebaute Weine kennengelernt. Ein recht ungewohnter Wein mit heftigen Aromen; ein grüner Wein sowohl im Sinne von noch jungen Reben wie auch im Sinne des Aromas, mit Affinität zu Gras und Sauerampfer .

 

 

Nun kamen die echten – temperaturbedingten – Herausforderungen: die Rotweine. Gern hätten wir die Weine, die ja alle etwas mehr Zeit zur Entwicklung und Reife und dem Abbau der kräftigen Tannine benötigen, dekantiert, was sich aber auf Grund des Wetters verbot. Also blieb nur „Sturzdekantieren“, eine Methode, die sicher verhinderte, dass sich die Rotweine in ihrem optimalen Zustand zeigten.

 

Wir begannen (Nr. 8) mit einer Cuvée Petit Lassolle (2004) von der Côtes du Marmandais der Domaine Lassole von Stéphanie Roussel, von der wir schon den Sémillon kenngelernt hatten. Die Cuvée der Rebsorten: Merlot, Cabernet-Sauvignon, Cabernet-Franc, Syrah, und weiteren, wieder ein ungewohnter Wein mit heftigen Aromen, zeichnet sich durch ein erstaunlich günstiges Preis- / Leistungsverhältnis aus. Eine besondere Empfehlung wurde ihm von dem Weinkritiker Helmut Gote zuteil.

 

Mit den Weinen Nr. 9 und Nr. 10 betraten wir nun das Cahors. Das nach der Stadt Cahors benannte Anbaugebiet im Südwesten Frankreichs hat seit 1971 den Status einer AOC. Der traditionelle Wein von Cahors ist ein körperreicher und langlebiger Rotwein mit tiefdunkler Farbe. Wein wird hier schon seit der Besetzung durch die Römer um ca. 50 v.Chr. angebaut. Der Befall der Reblaus sowie schwere Fröste im Jahr 1956 sorgten jedoch fast für das Aus des Weinbaus. Heute sind wieder 4.050 ha mit Reben bestockt und es werden ca. 155.500 hl Wein produziert.

 

Der Wein Nr. 9 - 80 % Cot (Malbec), 20 % Merlot – stammt von ca. 30 Jahre alten Reben und reifte in alten Eichenfässern. Der Cot bestimmt dabei die Richtung und wird vom Merlot abgerundet. Es ist ein einfach strukturierter aber voller Wein, der für einen Cahors erstaunlich wenig Tannin zeigt. Dieser Cahorswein ist im letzten Jahr vom amerikanischen Winespectator zu den 100 Besten der Welt gezählt worden.

Erzeugt wird dieser Wein vom Clos La Coutale, von Philippe Bernède & Fils. Die Familie Bernède ist eine der wenigen Winzerfamilien, die seit dem 19. Jahrhundert die Anbauregion des Cahors entscheidend mitgeprägt hat. Bereits im Jahr 1895 wurde der 1894er Cahors, Clos La Coutale auf dem Concours Général Agricole in Paris mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.

 

Mit der Nr. 10, einem reinsortigen Malbec „Le Sid” aus dem Jahr 2002, ebenfalls von 30 Jahre alten Rebstöcken und auf roten tonhaltigen Böden gewachsen, setzten wird die Probe fort. Erzeuger ist die Domaine Cosse-Maisonneuve mit Mathieu Cosse und Catherine Maisonneuve. Die junge Domaine, 1999 von Catherine Maisonneuve und dem ehemaligen Rugby-Profi Mathieu Cosse gegründet (inzwischen beide diplomierte Önologen, die in Frankreich Kultstatus genießen), widmen sich der Malbec-Traube auf neue Art und Weise und setzten damit neue Maßstäbe im Cahors. Catherine Maisonneuve und Mathieu Cosse sehen in der Biodynamik die notwendige Voraussetzung für Qualität und setzen kompromisslos auf aufwendige Handarbeit im Weinberg und auf Minimalintervention im Keller. Den Weinen geben sie die Namen nach den verschiedenen Lagen.

Der “Le Sid” wurde von Hand eingemaischt und hat danach 14 - 18 Monate in neuen Barriques gelegen. Ein kraftvoller Wein, mächtig und dicht zugleich, von großer Komplexität und Mineralität. Noten von roten und schwarzen Früchten und facettenreiche Gewürznuancen bleiben lang am Gaumen.

 

Wir kehrten noch einmal zur Domaine von Alain Brumont, s. auch Wein Nr. 3, zurück und wollten von ihm zwei Cuvées der Jahre 2007 (Nr. 11) und 2006 (Nr. 12) vergleichen. Die Cuvées setzen sich aus 50 % Tannat, 30% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc zusammen. Es zeigten sich körperreiche Weine mit großer Konzentration, Aromen von dunklen Früchten aber auch leicht animalischen Noten. Dabei konnte festgestellt werden, dass, wie zu erwarten, das Jahr zusätzlicher Reife dem 2006er mehr Fülle und Tiefe gebracht hat.

Zur Rebe Tannat, die aus den Pyrenäen stammt, sei noch erwähnt, dass sie genetisch mit der Sorte Malbec verwandt ist. Die Trauben reifen spät und haben einen hohen Säureanteil, was dann zu einer langen Lagerfähigkeit führt.

 

Auch von der Domaine de Causse Marines mit Patrice Lescarret (s. Nr. 6) probierten wir noch einen Roten dieses Erzeugers, einen Duras (Nr. 13), wiederum eine sehr alte Rebsorte und aus dem Gaillac. Der Duras ist eine auch heute noch ausschließlich in Südwestfrankreich angebaute Rebsorte. Sie bevorzugt leichte sandige oder kalkhaltige Böden und ist früh reif. Der vorgestellte Wein zeigte die sortentypischen Gewürznoten begleitet von dichten roten Beerenfrüchten mit Anklängen von frischem Waldboden und fand großen Anklang, was sich auch in der Benotung zeigte.

 

Nicht versäumt werden sollte auch die Rebsorte Braucol, hier Fer Servadou genannt, vorzustellen. Zunächst mit der Nr. 14, von der Domaine Plageoles, die wir schon bei den Weinen Nr. 5 – dem Mauzac vert - und Nr. 7 – einem Verdanel – kennenlernt hatten. Die Rebsorte Braucol, mit ziemlicher Sicherheit aus dem Süd-Westen Frankreichs stammend, ist von granatroter Farbe und zeigt innerhalb eines Jahres mehrere Gesichter. Die anfängliche Betonung von Frucht wird zunehmend von Kraft ergänzt; es obliegt dem individuellen Geschmack zu sagen was besser ist. Der Wein zeigte Aromen von roten Früchten, speziell Cassis und ansatzweise etwas Lakritz.

 

Der zweite Braucol, Wein Nr. 15, Florentin, wurde von der Domaine du Moulin von Nicolas Hirrisou erzeugt. Die Domaine befindet sich im gleitenden Übergang von einer auf die nächste Generation. Im kalifornischen Nappa Vallay ließ sich Nicolas Hirrisou in der Kunst des Weinmachens schulen, ist zugleich offen für Neuerungen und Traditionen im Weinanbau, und sein roter „Florentin“ bezeugt das mit jedem Schluck.

Vor uns stand ein reiner Braucol, im Eichenfass gelagert, mit starkem Rückschnitt, von Hand verlesen und limitiert auf 3.600 Flaschen in Subskription. Die Trauben des Braucols werden von beiden Seiten des Tarn verarbeitet, die auf völlig unterschiedlichen Böden stehen. Dabei sollen die Reben der südlichen Schotterfelder die Kraft und Finesse einbringen und die von den nördlichen Ton-Kalkböden die Aromendichte.

Mit dem Florentin ist innerhalb von 7 Jahren ein überzeugender Beweis geliefert worden, dass hier nicht nur das Handwerk beherrscht wird. Dies wird auch außerhalb der Domaine und des Gaillacs gewürdigt und so sammelte er in den vergangenen Jahrzehnten Goldmedaillen und Preise – u.a.:

·         Ténor de l’année sur le guide Hubert avec le millésime 2003.

·         Classé chef d’oeuvre de vigneron par la revue des vins de France avec le millésime 2005.

·         Concours des grands vins de France de Macon: Médailles d’or: millésimes 2006 et 2008 Médaille d’argent: millésime 2007

Dem Urteil, hier einen harmonischen, vollmundigen und dichten Wein mit würziger Frucht von Kirschen, Brombeeren und Cassis im Glas zu haben, der auch lang anhaltend am Gaumen verblieb, konnten wir uns nur anschließen.

 

Zum Abschluss wurde verkostet, wie sich ein Wein, ein Tannat aus dem Madiran, nach 20 Jahren entwickelt hatte. Der Wein, ein Madiran Vielles Vignes, Nr. 16, erzeugt von der Domaine Capmartin, von Guy Capmartin Maumusson.

Guy Capmartin, wuchs auf der elterlichen Domaine auf, die damals zu den ersten gehörte, die im Madiran auf Flasche füllten, um sie ab Hof zu verkaufen. Mitte der achtziger Jahre, als die Renaissance des Madiran begann, hatte auch er das Bedürfnis, sich mit Qualität zu beschäftigen. Er verfügt heute über rund 8 ha, auf denen er Rotweine produziert und dabei zeigen möchte, zu welchem Niveau ein authentischer Madiran fähig ist. Es ist ein großer Madiran, unverfälscht, nicht glattgebügelt, urwüchsig und wild, aber gekonnt gezähmt.

 

 

Auch zum Schluss nochmals „Danke“ an den Kellermeister, der es bei all diesen schweißtreibenden Tätigkeiten geschafft hat, uns die Weine so zu präsentieren, dass diese sich uns trotz der hohen Temperaturen noch optimal erschlossen.

 

 

Verfasserin: Carla Beyer

 

Probenergebnis 8.7.2010 Südwestfrankreich (PDF)

 

 

 

 

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10.06.2010 Winzereigenossenschaft Divino aus Nordheim

Erstellt von beyer am Sonntag 20. Juni 2010

Probe vom 10. Juni 2010 – Divino Nordheim

 

Nach den Vorstellungen der Weine aus Würzburg von unserem Schatzmeister Axel Daub, der Weine des Weingutes Brennfleck vom Winzer Hugo Brennfleck und der Weine des Weingutes Rudolf May vom Winzer Rudolf May, die bei uns mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem hohen Qualitätsstandard überzeugten, waren wir nun gespannt auf unsere 4. Frankenweinprobe: die Präsentation der Weine der Divino Nordheim.

 

Herr Norbert Glaser, früher selbst Winzer und heute Weinfachberater Qualitätsmanagement der Divino Norheim, unterstützt seit 1994 die Winzergenossenschaft. Er berichtete über die Entwicklung der Winzergenossenschaft und er gab uns einen umfangreichen Einblick in Entwicklung und Stand des Qualitätsverständnisses. Heute gehören 200 Winzer mit ca. 1.200 unterschiedlichen Parzellen zur Winzergenossenschaft.

 

Die Winzergenossenschaft Nordheim wurde bereits 1951 von 52 Winzern gegründet. Nach Jahren reicher Erntemengen aber rückläufiger Nachfrage und auch zunehmender ausländischer Weinangebote, wurde 1997 das für Franken einzigartige Pilotprojekt „FRANKEN-FASCINATION“ gestartet. Hinter diesem Namen stand und steht der Anspruch, mit kompromissloser Qualitätsoptimierung in Weinberg und Keller außergewöhnliche und unverwechselbare Weine zu erzeugen. Damals ließen sich 18 Mitgliedswinzer dafür begeistern, durch Triebkorrekturen, Entlaubungsarbeiten und gezielte, konsequente Ausdünnung der Trauben am Rebstock ein Minimum an Ertrag (weniger als ein Drittel der damals üblichen Erntemenge!) nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern bewusst anzustreben, um eine bedeutend höhere Qualität zu erreichen.

 

Mit Beginn des neuen Jahrtausends, vor allem aber beflügelt durch erste, teils spektakuläre Erfolge mit dieser „neuen“ Weinqualität „FRANKEN-FASCINATION“ begann mit großer Zuversicht und viel Optimismus die Planung der neuen Weinerlebniswelt und 2001 / 2002 wurde die Gesamtplanung des neuen DIVINO-Konzeptes verabschiedet. Dabei wurden die bewährten Methoden der traditionellen Weinbaukunst verantwortungsbewusst mit modernen An- und Ausbaumaßnahmen verbunden. Mit der konsequenten Überwachung und Bonitierung aller Parzellen und einer deutlichen Begrenzung der Erntemenge werden anerkannt hohe Weinqualitäten erzeugt.

 

Angeboten werden drei Weinmarken, die Weine mit individuellem Charakter und Geschmacksprofil vereinen:

·         Juventa: Frische, feinfruchtige Weine mit jugendlicher Finesse. Weine, wie geschaffen für einen heiteren Sommerabend.

·         Franconia: Eine zeitgemäße Interpretation der klassischen fränkischen Rebsorten, gewachsen auf den Muschelkalkböden der Weininsel, geprägt von unverwechselbarem Geschmack.

·          Divino: Große und elegante Weine, internationale Rebsorten, im Rotweinbereich durch behutsamen Einsatz von Barrique-Fässern ausgebaut.

 

Die konsequente Qualitätsarbeit der DIVINO Nordheim wurde 2010 mit der Auszeichnung:

WINZER-GENOSSENSCHAFT DES JAHRES 2010, der begehrten Wein-Plus Auszeichnung, belohnt. 

 

Mit den ersten beiden Weinen, einem Riesling (1) und ein Sauvignon Blanc (2) aus dem Jahr 2009, wurde die Linie JUVENTA vorgestellt. Beide Weine sind Lagencuvées, gewachsen auf den typischen Muschelkalkböden entlang des Maines und werden in der Bordeauxflasche angeboten. Der Riesling stellte sich recht gefällig dar, er füllt den Gaumen, ließ aber die für den Riesling typische Säure vermissen. Beim Sauvignon Blanc fiel der Kommentar ‚nicht typisch, nicht knackig genug‘, was sich aber aus der Zielgruppe der Weine der Linie JUVENTA erklären und nachvollziehen lässt.

Spannend wurde der Vergleich dreier Müller-Thurgau der Serie FRANCONIA aus der Lage Nord-heimer Vögelein, alle 3 trockene Spätlesen der Jahre 2009 (3), 2008 (4) und 2007 (5) mit für Weißweine recht hohen Alkoholgehalten von 13 - 14 Vol%. Der Wein aus dem Jahr 2009 zeigt sich frisch mit Melonen- und Birnenaromen in der Nase; der Alkoholgehalt war durch die Säure von 5,5 g/l gut eingebunden. Bei dem 2008er dominierten Ananas- und Apfeltöne und es zeigte sich wieder einmal, dass man sich für das Verkosten etwas mehr Zeit lassen sollten, denn im Glas für die Nase und dann für den Gaumen fand eine positive Veränderung von zunächst noch etwas stumpfen Tönen zu einem ausgewogenen, runden Geschmack statt. Von Norbert Glaser kam für diese Weine auch die Empfehlung, größere bauchigere Gläser zur Verkostung zu verwenden. Der 2007er kam schließlich recht cremig daher. Die bessere Einbindung des Alkoholgehaltes führte Norbert Glaser auf die Lagerung im Holz, den biologische Säureabbau (BSA), das spätere Abfüllen und eine längere Flaschenreife zurück. 

 

Wir setzten die Probe mit dem Vergleich zweier Silvaner der Serie FRANCONIA, einem Kabinett aus dem Jahr 2009 (6) und einer Spätlese aus dem Jahr 2008 (7), fort. Der Kabinett war im 600 l- Fass gereift und kam zwar nicht silvanertypisch, aber mit schöner Struktur und etwas cremig daher. Der 2008er war in frischem Holz gereift und zeigte noch leichte Holztöne; dieser Wein hat mit Sicherheit noch Entwicklungspotential.

 

Die Weine 8 und 9 stellen zwei Riesling Spätlesen der Jahre 2007 und 2009, ebenfalls aus der Lage Nordheimer Vögelein der Linie FRANCONIA vor. Der 2009er überzeugte mit einer ausgewogenen Struktur, bei dem 2007er dominierte die Restsüße ohne unangenehm vordergründig zu sein. Beide Weine waren im Holzfass ausgebaut und es entspann sich eine grundsätzliche Diskussion diese Weine – Rieslingweine - im Holzfass auszubauen oder nicht. Das Ergebnis lässt sich kurz zusammenfassen: einige mögen dies, andere nicht.

 

Während die Linie FRANCONIA in der typischen Bocksbeutelflasche abgefüllt wird, wird die Linie DIVINO, mit der wir die Probe fortsetzten, in der Burgunderflasche abgefüllt. Wir probierten zunächst zwei Weiße Burgunder der Jahre 2008 (10) und 2007 (11). Auch hier überraschte der für Weißburgunder nicht typische hohe Alkoholgehalt, der sich auch im nicht so typischen Weißburgunder-Geschmack ausdrückte und bei einer Blindprobe eher auf einen Grauburgunder hätte schließen lassen.

 

Mit der Proben 12 und 13 wurden zwei Chardonnays, ebenfalls aus der Linie FRANCONIA, aus den Jahren 2008 (12) und 2007 (13) präsentiert. Beide Weine waren im neuen Holzfass ausgebaut, was sich mit angenehmen Vanilletönen sowohl in der Nase wie auch im Gaumen zeigte und großen Zuspruch der Teilnehmer fand. Es gab auch Zustimmung zum Kommentar von Norbert Glaser: ,In diesem Weinen baden zu können‘!

 

Zum Abschluss der Probe kehrten wird zur Linie FRANCONIA, diesmal in 0,5 l-Flaschen, zurück. Mit der Nummer 14 lernten wir eine Rieslaner Auslese aus dem Jahr 2007 und mit der Nummer 15 einen Silvaner Eiswein aus dem Jahr 2003, wieder aus der Lage Nordheimer Vögelein, kennen. Bei dem Rieslaner dominierten Honigtöne aber auch Rosinen und Zitrusfruchtigkeit. Der Eiswein war am 22.01.2004 geerntet und überzeugte mit gut eingebauter Säure und Nussigkeit und empfahl sich als hervorragender Begleiter zu verschiedensten Desserts.

 

Die Ausgeglichenheit der vorgestellten Weine zeigte sich auch in den ausgeglichenen Bewertungen. Über alle 4 Franken Proben hinweg ist ein sehr positives Resümee zu ziehen und es bleibt spannend, die weitere Entwicklung de Anbaugebietes zu verfolgen.

 

Verfasserin: Carla Beyer

 

Probenergebnis 10.06.2010 Divino Nordheim (PDF)

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20.05.2010 Weingut Rudolf May aus Retzstadt

Erstellt von beyer am Sonntag 20. Juni 2010

Franken, die dritte Probe – diesmal zum Monat passend mit dem Weingut Rudolf May.

 

Rudolf May hat  1999 seinen sicheren Job als Techniker in Veitshöchsheim an den Nagel gehängt und den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Seitdem ist das Weingut von ca. 2.5 ha auf heute 12,6 ha (eigene und gepachtete) Betriebsfläche gewachsen und füllt  inzwischen ca. 100.000 Flaschen pro Jahr ab.
Der Rebspiegel des Weinguts ist untypisch für Franken mit 52% Silvaner, 25% Burgundersorten, 8% Riesling, 8% Müller Thurgau und 7% sonstigen Rebsorten.

Der größte Teil der der Weinbergsfläche liegt in der Lage Retzstadter Langenberg, daneben auch etwas im der Lage Retzstadter Benediktusberg  und Stettener Stein.

Sehr konsequent ist das Sortiment in 5 Klassen eingeteilt, die sich in Rebschnitt, Ertrag und Ausbau unterscheiden:

 

-       die Gutsweine                     typische Frucht der Rebsorte, 50 -80 hl/ha Ertrag und   

                                                    mit Reinzuchthefen vergoren.

-       die Serie Kalkmineral          mit stärker mineralischer Frucht, 55 -60 hl/ha Ertrag       

                                                    und spontan vergoren.

-       die Serie Wellenkalk           mit noch stärkerer Mineralik und noch geringerem        

                                                    Ertrag, ebenfalls spontan vergoren. Der Name kommt           

                                                    vom der geologischen Kalksteinformation die als  

                                                    erste Schicht über dem Sandstein liegt.

-       die Spitzenserie Recis        bei der der Ertrag noch weiter reduziert wird. Der           

                                                    Name kommt vom lateinischen Namen „Recis“ für       

                                                    Retzstadt, was gleichzeitig auch zurückgezogen      

                                                    bedeutet und somit sinnbildlich für den niedrigeren            

                                                    Ertrag steht.

-       die edelsüßen Weine          bei denen naturgemäß nur sehr geringe Erträge erzielt            

                                                   werden.



Den Anfang der Probe machte ein Müller Thurgau der Serie „Frank & Frei“, ein sauberer, runder, leicht trinkbarer Wein – so wie die Frank & Frei Serie konzeptiert ist.

Dann ein Silvaner als Gutswein, aus der ersten Qualitätsstufe, ein sauberer, fruchtiger und frischer Alltagswein, sehr trocken und mit etwas mehr Säure.

 

Der zweite Silvaner, den wir verkosteten, kam aus der nächsten Qualitätsstufe „Kalkmineral“ und stammt aus der Lage Retzstadter Langenberg. Erwartungsgemäß zeigte er mehr Dichte als der Gutswein und eine zarte Mineralik.

 

Eine weitere Steigerung brachte dann der Silvaner der Serie „Wellenkalk“, der deutlich nachhaltiger war und bei dem die Eigenschaften der Serie Kalkmineral noch stärker ausgeprägt waren.

 

Als Abschluss der Silvaner probierten wir den 2008’er Silvaner „Recis“ aus der Spitzenserie, der der bestbewertete, trocken Wein des Abends wurde. Dichte, vollreife, mineralische Frucht, trotzdem zeigte er sich elegant und mit einem Potential, das ein langes Leben verspricht. So sollte ein guter Silvaner sein. Dieser Meinung war auch die Zeitschrift „Feinschmecker“, die den Wein zum besten Silvaner des Jahres 2008 kürte.

 

Auch wenn etwas mehr als die Hälfte der Weinbergsfläche mit Silvaner bestockt ist, versteht sich Rudolf May genauso gut auch auf die anderen Rebsorten:

 

Für den Weißburgunder stand exemplarisch der „Kalkmineral“, ein exotischer, dichter Wein mit gut integrierter Fruchtsäure. Die Reben sind ca. 15 Jahre alt und wachsen in sehr steilen Lagen. Nur goldgelbe, vollreife Trauben wurden für diesen Wein verwendet.

 

Der 8% Rieslings-Anteil wurde durch drei Weine in nicht minder hoher Qualität vertreten.

 

Der Riesling „Kalkmineral“ zeigte sich bereits dicht, sehr trocken und mit gut integrierter Säure.

 

Der Riesling „Recis“ aus dem Jahrgang 2007 kam mit leichtem Botrytis-Anteil und etwas höherem Restzucker, der ihn harmonischer macht. Auch die Fruchtsäure war gut eingebunden und im Gegensatz zu vielen anderen Rieslingen dieses Jahrgangs wies er noch keine Alterstöne auf, ja der Riesling konnte sogar noch an der Luft sich positiv verändern. 

 

Trotz der Philosophie, die Weine trocken auszubauen, konnten wir auch einen fein­herben Riesling der Serie „Wellenkalk“ probieren. Bei der Spontanvergärung war er im halbtrockenen Bereich bei 16,3 g/l Restzucker hängen geblieben so kam er als feinherber Wein in das Sortiment.

Der Restzucker machte ihn runder und weicher, ohne ihm den Charakter zu nehmen. Ein interessanter Wein, der sogar unserer Mosel-Fraktion Freude machte.

 

Keine Weißprobe ohne edelsüßen Wein. Wir konnten eine Rieslaner-Beerenauslese der Lage Retzstadter Langenberg mit 154 g/l Restzucker und 10,1 g/l Fruchtsäure verkosten. Ein dichter, eleganter, fruchtig-exotischer Wein mit viel Süße, der durch die hohe Säure nicht breit und pappig wirkt und entsprechend sehr gut bewertet wurde.

 

Und nicht nur die Produktion von Weißweinen sondern auch die von Rotweinen beherrscht Rudolf May.

 

Der erste Rotwein war ein Spätburgunder, ein 2008’er der Serie „Wellenkalk“ aus dem Retz­stadter Langenberg. Der Ertrag wurde auf ca. 40 hl/ha begrenzt, durch Rückschnitt auf 6 -8 Trauben pro Stock, die zusätzlich noch geteilt wurden. Der Ausbau erfolgte nach der Maischegärung im Holzfass. Ein runder, klarer, typsicher Spätburgunder.

 

Als Abschluss und Krönung der Probe, verkosteten wir einen 2007’er Spätburgunder der Spitzenserie „Recis“, aus der Lage „Retzstadter Benediktusberg“. Die Reben sind zwar jünger, aber sie stehen auf einem sehr steinigen Boden. Der Ertrag wurde auf gerade einmal 30 hl/ha reduziert. Er zeigte sich im Glas dicht, klar und vielschichtig, mit den typischen Burgunder-Tönen, noch deutlich vom Holz geprägt, aber mit so guter Struktur, dass bei Lagerung den Wein nur gewinnen kann.

 

Im Laufe des Abends kam Rudolf May immer mehr aus sicher heraus und über­zeugte uns voll­ständig von seiner Qualitätsphilosophie – und konnte das auch durch die hohe Qualität seiner Weine untermauern. Rundum eine interessante und gelungene Weinprobe.

 

 

Verfasser: Dieter Ockelmann

 

 

Probenergebnis 20.05.2010: Weingut Rudolf May (PDF)

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15.04.2010 Weingut Hugo Brennfleck aus Sulzfeld

Erstellt von beyer am Montag 26. April 2010

Probe vom 15.04.2010 mit dem Weingut Hugo Brennfleck

 

Der Winzer Hugo Brennfleck begann mit einer ehrfurchtgebietenden Mitteilung: Die Familie betreibt Weinbau seit dreizehn Generationen (die 14. ist im Vormarsch). Ebenso beeindruckend der Ort des Geschehens: Ein100415-brennfleck-foto-p10100311 500 Jahre alter Gutshof mit Gewölbekellern im fränkischen Sulzfeld, ein pittoresker mittelalterlicher Weinort, 2009 mit dem Titel „schönster Ort Bayerns“ geehrt. Die zauberhafte Idylle darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Produktion von anständigem oder gar hochklassigem Wein moderne Kellertechnik erfordert. Deshalb steht neben dem Gutshof ein „postmodern“ genanntes Kelterhaus, dass zum Beispiel ein stressförderndes Pumpen des Traubengutes durch Ausnutzen der Schwerkraft unnötig werden lässt.

Der Schwerpunkt im Traubensortiment liegt nach guter alter Tradition im Silvaner. Und das nicht nur quantitativ (angebaut auf über 50 % der Rebfläche), sondern wie ein Blick auf die Bepunktung zeigt, auch hinsichtlich der Güte. Die weiteren Eintragungen im Sortenspiegel sind: Müller-Thurgau, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder und als „ Exoten“ die Scheu- und Huxelrebe. Rote Rebsorten: Spätburgunder, Dornfelder und die frankentypische Domina. Das Weingut besitzt Lagen am Maindreieck und im Steigerwald - am Steilhang des Escherndorfer Lump, in Sulzfeld, Iphofen und Rödelsee. Es gibt 18ha eigene Weinberge, erweitert durch Bewirtschaftungsverträge auf insgesamt 30ha.

Der erste Wein war ein nichtangereicherter QBA (12,5 alc) aus der traditionellen Rebsorte Müller-Thurgau, ein Erzeugnis der 1996 gegründeten Winzergruppe „Frank und Frei“, der Brennfleck angehört. Ziel der Gruppe war und ist die Verbesserung des Müller-Thurgau – Weins, wesentlich verbunden mit einer Änderung der überkommenen Stilistik. Statt des breiten, „altfränkischem“ Tons ein schlanker, rassiger, säure -und fruchtbetonter Typ. Interessant auch wie das damalige Qualitätsmerkmal – der zarte Muskatton im Abgang – heute eher als Fehlton gewertet wird und einer nachhaltigen Fruchtigkeit gewichen ist. Erzielt wird der modernere Stil durch geringere Erträge, selektive, zeitgenaue Lese, Kaltvergärung und Verwendung spezieller Hefen. Eine besondere Maßnahme wurde uns noch von Hugo Brennfleck mitgeteilt: Die Entblätterung des Laubes wurde je nach geographischem Sonnenstand vorgenommen, sodass auf Strahlungsdauer und -intensität Rücksicht genommen werden konnte. Der von „Frank und Frei“ herausgegebene Wein soll von möglichst gleichbleibendem Stil sein, daher wird er mehrfach intern verkostet – im Falle des Weins Nummer 1 fünfmal -, sodann muss eine mindestens 75 prozentige Zustimmung erfolgen; der Wein der Gruppe erhält grundsätzlich kein Prädikat.

Der Wein Nummer 2 (auf Keuper gewachsen) war herzhaft, knackig, sortentypisch und ausgesprochen mineralisch. Zur Zeit steigt die Nachfrage nach Weinen mit betonter Mineralik, sie kann übrigens durch spezielle Hefen gesteigert werden. Der Anteil Wein – zu Äpfelsäure beträgt 50/50 und ist sicher auch ein Grund für die Rassigkeit des Weins. Nummer 3, auf Muschelkalk gewachsen, besaß weniger Mineralik und eine vergleichsweise weiche Säure (WS/AS 70/30). Nur der Vorlauf goldgelber, entrappter Beeren wurde verwendet. Die Meinungen hierzu waren geteilt (wiewohl die hohe Qualität nicht in Zweifel gezogen wurde). „Nicht so spannend“ meinten die einen, während die anderen die lebendige Fülle und Komplexität betonten. Der nächste Wein, der erste der beiden Silvaner Spätlesen, stammt aus der besten Lage des Weingutes. Tiefgründiger Boden aus grauem Keuper, das Lesegut des Jahrgangs 09 zeigte sich besonders gut (wen wundert`s), die Beeren von goldgelber Farbe. Die harmonische Säure verband sich mit einem ausgeprägten Kräuterton, die starke Mineralität offenbarte sich als wohlschmeckender Salzton.

Es folgte die zweite Silvaner Spätlese, ein eleganter, intensiver Wein, ebenfalls auf grauem Keuper gewachsen. Die Intensität ist gefördert worden mittels einer Mengenreduzierung auf 35 -55 hl /ha, bewirkt durch einen speziellen Rebschnitt.

Nummer 6: Ein in SO Lage gewachsener, einfacher, dank der Gunst des Jahrgangs aber durchaus kräftiger Riesling. Bei Nummer 7 handelte es sich ebenfalls um einen Riesling, diesmal jedoch Spätlese und ein Jahr älter. Neben einer guten Säure (Wert 7,0) schmeckten wir salzige Mineralität, über einen deutlichen Honigton konnte sich die Reife nicht verbergen. Etwas Belüftung tat ihm gut.

Der nachfolgende Riesling war wieder aus Jahrgang 09, bei sehr geringem Ertrag (40hl/ha) und hohem Mostgewicht (110° OE) präsentierte er sich im Alkohol geschmacklich etwas zu stark (15). Nunmehr folgte aus dem jungen Cyriakusberg (Kalkfelsen mit Löss – Lehm Auflage) ein schlanker Weißburgunder mit geringem Extraktwert. Vorteil der Lage: Stark windig, daher geringe Fäulnisgefahr. Aus der gleichen Lage verkosteten wir einen Grauburgunder, er besaß einen deutlich höheren Extrakt, stellte sich etwas fülliger dar, ließ jedoch für manch einen mehr Vollmundigkeit und Schmelz erwarten.

Die Weißweine werden grundsätzlich im Stahltank ausgebaut, Spontanvergärung wird vorzugsweise beim Riesling angewandt, seine höhere Säure verringert das Risiko.

 

100415-probe-brennfleck-21Zum Schluss erwarteten uns zwei Rotweine, eine frankentypische Domina (meistens angebaut wegen der intensiven Farbe) im großen Holzfass ausgebaut mit einem Anteil von 4% Barrique. Daher wurde der recht strenge geradlinige Geschmack unterlegt mit einem Hauch Vanille.

Es gab im Anschluss eine kurze, kontroverse Diskussion über Bedeutung und Wert dieser Rebsorte.

Die Probe wurde beendet mit einer Cuvée aus Domina und Spätburgunder (5 Fässer Domina, 3 Fässer Spätburgunder). Sie lagerten 12-14 Monate hintereinander in fränkischer und französischer Eiche. Wenn auch die Bewertung recht ordentlich war, so gingen doch die Ansichten über die Einordnung dieser eigenwilligen Cuvée auseinander.

 

Als Resümee kann festgehalten werden: Insgesamt war die Begeisterung über das Ergebnis der Ausbauart des Silvaners groß und die Spannbreite in der Bepunktung diesmal gering (vielleicht hat die berechtigte Schelte meines Kollegen im letzten Protokoll ihre Wirkung getan).

 

Verfasser: Lothar Grellmann

 

 

Probenergebnis 15.04.2010: Weingut Hugo Brennfleck (PDF)

 

 

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Externe Veranstaltungen

Erstellt von ockelmann am Mittwoch 21. April 2010

Termine 2010


Stand: 15. April 2010

27. - 28.03.2010 Kölner Weinmesse (Sa 12:00-20:00, So 12:00-18:00)
www.koelnwein.com
08. - 12.04.2010 VINITALY, Verona
www.vinitaly.com

17.04.2010 Loire Direkt, FUB, Filiale Siegburg
23. - 25.04.2010 Pfälzer Wein- und Sektmesse, Bad Dürkheim (Salierhalle)
www.pfaelzer-weinmesse.de
23.04. - 02.05.2010 Rheingauer Schlemmerwochen
25.04.2010 „Mittelrheinischer Weinfrühling”, Bopparder Hamm
02.05.2010 Wein im Schloss, Koblenz (11:00-17:00, Fachbesucher ab 9:00)
www.wein-im-schloss.de
08.05.2010 Hausmesse Kölner Weinkeller  (11:00 - 16:00)
09.05.2010 Kulinarisches Weinerlebnis mit Wanderung, Leutesdorf
13. - 24.05.2010 Kölner Weinwoche
13. - 15.05.2010 Bozener Weinkost
www.weinkost.it,
15.05.2010 4. Jungweinprobeim Grandhotel Schloss Bensberg
www.jungweinprobe.de
20. - 21.05.2010 Südtiroler Blauburgundertage in Neumarkt und Montan
www.blauburgunder.it
22. - 24.05.2010 Weinmarkt der Ahr, Ahrweiler (Sa ab 14:00, So + Mo ab 11:00)
29.05.2010 Mittelrheinische Weinmesse, Bacharach
29.05.2010 Jungweinprobe 2009,  FUB, Filiale Siegburg
29. - 31.05.2010 VieVinum, Internationales Weinfest in der Hofburg in Wien
www.vievinum.at
04. - 07.06.2010 Weintage der Südlichen Weinstraße, Landau
12. - 13.06.2010 Weinpräsentation am Roten Hang, Nierstein
13.06.2010 „Mittelrhein Off Road” mit der Jungwinzervereinigung „Gipfelstürmer”
von Königswinter zum Drachenfels 10-18 Uhr
http://www.gipfelstuermer-mittelrhein.de,
04.07.2010 Jahrgangspräsentation der VDP Betriebe Ahr, Nahe und Rhein­-hessen, Mainz (Rheingoldhalle; 12:00 - 16:00 Uhr; 20,00 €)
www.vdp.de
13. - 22.08.2010 Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden
www.rheingau-taunus-info.de
20.08.2009 Jahrgangspräsentation Selection Rheinhessen, Mainz
(Handwerkskammer Rheinhessen; 17:00 - 20:00 Uhr)
02. - 05.09.2010 Treffen der deutschsprachigen Weinbruderschaften in Würzburg
03. - 04.11.2010 Die Großen Lagenweine: Burgund und Deutschland
Kölner Weinkeller, (Fr. 16:00 - 20:00, Sa 11:00 - 16:00)
11.09.2010 Erste und Große Gewächse Deutschland,  FUB, Filiale Siegburg
29. - 31.10.2010 Weinforum Rheinhessen, Mainz (Museum für Antike Schifffahrt;
Fr 15:00 - 21:00, Sa 14:00 - 21:00, So 11:00 - 18:00)
www.weinforum-rheinhessen.de
20.11.2010 Burgund,  FUB, Filiale Siegburg
27. - 28.11.2010 15. Weinforum Mittelrhein / Ahr im LandesMuseum Bonn
Sa, So von 13:00 - 18:00 Uhr
info@mittelrhein-wein.com
27.- 29.03.2011 ProWein, Düsseldorf
www.prowein.de
07. - 11.04.2011 VINITALY, Verona
www.vinitaly.com

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11.03.2010 Weine aus Würzburg

Erstellt von beyer am Mittwoch 7. April 2010

Weine aus Würzburg – Probe vom 11.03.2010

 

Als Einstiegsprobe zu unserem diesjährigen Themenschwerpunkt „Fränkische Weine“ präsentierte uns unser Schatzmeister Axel Daub eine vergleichende Silvanerprobe von den 4 in Würzburg ansässigen wichtigsten Weingütern, nämlich dem Bürgerspital, dem Juliusspital, dem Staatlichen Hofkeller und dem Weingut am Stein der Familie Knoll.

 

Ganz durchgängig vergleichbar konnte diese Probe jedoch nicht angelegt werden, da nicht jeder der Betriebe einen Silvaner als „Großes Gewächs“ im Sortiment hatte und so zum guten Schluss doch noch ein Riesling ins Rennen ging. Hierzu nachher mehr.

 

Auch beim Jahrgang mussten zweimal Zugeständnisse gemacht werden und zwar bezeichnenderweise beim Staatlichen Hofkeller, der im Spätlesebereich und bei den „Großen Gewächsen“ seine 2008er Weine noch nicht abgefüllt hatte. Hier kamen zwei Weine aus 2007 zur Anstellung.

 

Auch war es schwierig, wie Axel Daub erläuterte, von jedem Betrieb einen aus derselben Einzellage stammenden gleichwertigen Wein derselben Qualitätsstufe zu finden. So konkurrierten in der Qualitätsstufe Kabinett drei Weine aus der Einzellage „Am Stein“ mit zwei Weinen jeweils aus der Einzellage „Innere Leiste“ und „Abtsleite“, was den Vergleich aber nicht uninteressant machte. Im Gegenteil.

 

Bei den Spätlesen begegneten uns gar drei Silvaner aus ganz unterschiedlichen Lagen, nämlich dem „Stein“, der „Inneren Leiste“ und dem „Pfaffenberg“.

 

Diese sollten anschließend noch getoppt werden durch vier „Große Gewächse“, von denen nun wirklich drei aus ein und derselben Lage, dem „Würzburger Stein“, stammten – nur der Letzte, der Riesling nicht. Siehe oben! Dieser kam aus der Einzellage „Innere Leiste“.

 

Welches Weingut würde uns wohl mit seiner Vorstellung von einem typischen Silvaner überzeugen können? Würde es vielleicht einer der leichteren Kabinettweine sein?

Obwohl: zwei der fünf Kabinettweine kamen schließlich auch schon mit 13% Vol. Alkohol daher. Und auch bei den anderen Kabinettweinen war sicher die ein oder andere abgestufte Spätlese darunter.

Oder können doch nur die „Großen Gewächse“ überzeugen?

 

Zu den Weingütern selbst sind allerdings auch noch ein paar Anmerkungen erforderlich, denn schließlich haben wir es hier beim Bürgerspital, beim Juliusspital und beim Staatlichen Hofkeller mit drei Giganten des deutschen Weinbaus zu tun.

 

Beim „Weingut Bürgerspital zum Heiligen Geist“ –so heißt es genau- handelt es sich mit 110 ha immerhin um das viertgrößte Weingut Deutschlands. Gegründet 1316 durch eine private Stiftung des Würzburger Patriziers Johann von Steren, der sein Anwesen in der Semmelstraße 2 für die Aufnahme von Pflegebedürftigen, von an Gebrechen Leidenden und von hungernden Armen -alle mussten christlichen Glaubens sein- öffnete. Zunächst „Neues Spital“ genannt, hieß es ab dem 16. Jahrhundert „Bürgerspital zum Heiligen Geist“. Die Schenkung von Weinbergen an das Stift ist bereits seit 1321 beurkundet, wobei zunächst noch für den eigenen Bedarf produziert wurde. Doch schon bald konnte das Stift mit den Reberträgen, den Erträgen aus der sonstigen Landwirtschaft und den Erträgen aus Vermögensverwaltungen seine wohltätigen Unternehmungen finanzieren.

 

850 Seniorinnen und Senioren leben heute in neun bürgerspitälischen Wohn- und Pflegeheimen. Sie lassen sich betreuen, pflegen und geriatrisch therapieren und täglich wird ihnen noch heute ¼ ltr Wein zugestanden.

 

Der Rebsortenspiegel dieses Weingutes setzt sich wie folgt zusammen: 33% Riesling, 29% Silvaner, 12% Müller-Thurgau, 6% Kerner, 4% Bacchus und 15% weiße und rote Burgundersorten (1% sonstige). Von den 110ha liegen allein 28ha in der Top-Einzellage „Würzburger Stein“ (Muschelkalk-/Gipskeuperboden). Der Durchschnittsertrag beläuft sich auf 61 hl/ha und die Produktion auf ca. 850.000 Flaschen. Da dieses Weingut schon früher als „primus inter pares“ unter den Würzburger Weingütern gehandelt wurde, waren wir besonders gespannt, ob die Weine auch heute noch diesem hohen Anspruch gerecht würden, zumal bei den Weinen aus 2007 –zwar nicht in der Spitze, aber bei den einfacheren Gewächsen- von der Weinöffentlichkeit ein paar Durchhänger festgestellt wurden.

 

Denn große Konkurrenz in weinbaulicher Hinsicht ist dem Bürgerspital durch das Weingut Juliusspitals erwachsen, mit 172 ha Rebfläche noch größer als das Bürgerspital und damit eines der größten Weingüter Deutschlands. Die Grundsteinlegung des Stifts geschah laut Urkunde vom 12.03.1576 durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Reiner Zufall, dass wir genau einen Tag vor diesem „Geburtstag“ u.a. mit Weinen des Juliusspitals unsere Probe von Weinen aus Würzburg abgehalten haben; immerhin schon 434 Jahre nach Gründung des Spitals. Man wird nachdenklich bei solchen Zeitzahlen… .

 

Heute, in Form einer Stiftung des öffentl. Rechts mit dem gleichen Widmungszweck wie das Bürgerspital, betreibt das Juliusspital neben dem Weinbau auch noch anderweitig Landwirtschaft auf ca. 1000 ha und besitzt zudem noch 3.500 ha Wald. Um beim Rebbau zu bleiben: der Sortenspiegel des Weingutes setzt sich hier wie folgt zusammen: 43% Silvaner, 20% Riesling, 17% Müller-Thurgau, 4% Spätburgunder, 16% sonstige Rebsorten. Der jährliche Durchschnittsertrag liegt bei 63 hl/ha und die Produktion bei ca. 1 Mill Flaschen. Die Böden der Weinberge bestehen je nach Einzellage aus Muschelkalk bzw. Gipskeuper (s.o. Bürgerspital), sowie aus Buntsandstein und humosem Lehm.

 

Zu den weiteren großen Weingütern aus Würzburg muss man auf jeden Fall den Staatlichen Hofkeller Würzburg zählen, zumal es sich hier um das älteste Weingut Deutschlands handelt. Hier passt der Superlativ, geht doch die Entstehung des Weinkellers auf das Jahr 1128 zurück, in dem der amtierende Erzbischof Embricho als Gegengabe zu einer Schenkung seinerseits in den Besitz eines Hofes und von „Weinbergen am Stenbach“ kam. Über die Säkularisierung (1814: „Königlich Bayrischer Hofkeller“) und das Ende der Monarchie (1918) wandelte sich das Anwesen zum „Staatlichen Hofkeller Würzburg“. Mit 120 ha Rebfläche gehört dieses Weingut sicherlich heute zu den ganz Grossen in Deutschland, zumal 1952 darin noch die Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt Veitshöchheim mit der Bayr. Hauptstelle für Rebenzüchtung und das Staatsweingut aufgegangen sind.

 

Der eigentliche Weinkeller befindet sich unterhalb des Würzburger Residenzschlosses -Stichworte: Balthasar Neumann (Treppenaufgang); Tiepolo (Fresken); Weltkulturerbe seit 1981 – und hat einen Holzfasslagerraum für ca. 600.000 ltr Dabei umfasst er eine Gesamtgrundfläche von 4557 qm. Auch bei diesem Weingut dürfen wir nicht den Rebspiegel vergessen, der sich wie folgt zusammensetzt: 27% Silvaner, 25% Riesling, 15% Müller-Thurgau, 9% Spätburgunder, 5% Rieslaner, 4% Domina und 15% sonstige Sorten. der Boden seiner Einzellagen umfasst Urgestein, roter Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Löss und Terrassensande des Mains. Der Durchschnittsertrag. liegt bei 60 hl/ha und die Jahresproduktion bei ca. 850.000 Flaschen.

 

Der „Kleinste“ im Bunde mit seinen hier angestellten Weinen war schließlich das „Weingut Am Stein“ der Familie Knoll. Mit „nur“ 24 ha Rebfläche kann es wirklich als klein bezeichnet werden im Vergleich zu den drei anderen Weingütern. Ursprünglich als Küferei gegründet (1890), wandelte der Betrieb sich im Laufe der Jahre in einen Winzerbetrieb um und bewirtschaftet seine Rebberge seit 1981 nach den Richtlinien zur Erzeugung ökologischer Trauben. Zitat: „Wir unterstützen die Biodiversität, indem wir eine Vielfalt von Begleit-Pflanzen wieder in unseren Weinbergen ansäen. Dadurch besiedeln mehr Nützlinge den Weingarten und die Bodenfruchtbarkeit wird gefördert. Dies erzeugt eine harmonisierende und belebende Wirkung auf die Lebensprozesse im Boden und in den Pflanzen. Die Vitalität der Reben wird gestärkt. Sie sind dadurch resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten. Das biologische Gleichgewicht im Weinberg stellt sich ein. Und diese harmonische Balance zeigt sich auch im Wein.“Der Rebspiegel dieses Weingutes sieht wie folgt aus: 28% Silvaner, 18% Müller-Thurgau, 15% Riesling 12% Spätburgunder, 8% Grauburgunder, 8% Scheurebe, 6% Weissburgunder und 5% sonstige Rebsorten. Der Durchschnittsertrag beträgt 64 hl/ha und die Produktion liegt bei ca. 190.000 Flaschen.

 

  

Neben der Mitgliedschaft im VdP, was auf alle vier hier vorgestellten Weingüter zutrifft, ist das Weingut Am Stein auch noch Mitglied in der Winzervereinigung „Frank und Frei“, die sich besonders einem neuen Erscheinungsbild des Müller-Thurgau verschrieben haben.

 

 

Heute ging es uns allerdings um den Silvaner als vergleichbare Rebsorte und so starteten wir mit den ersten 2 Kabinettweinen im Glas, einem „Würzburger Stein“ vom Bürgerspital und einem Silvaner aus derselben Lage vom Weingut Am Stein, beide aus dem Jahr 2008.

 

Beim ersten Wein hatten die meisten Teilnehmer nicht unbedingt den Eindruck, dass dieser Wein zu den sog. fränkisch-trockenen Weinen gehörte, obwohl nach der Analyse dieser Tropfen mit nur 3,5 g/RZ daher kam. Bei nur 5,9 g/S bescheinigten ihm viele Teilnehmer eine gewisse Cremigkeit und vom Gesamteindruck her tauchte schon hier zum ersten Mal die Frage nach einer abgestuften Spätlese auf. Analytisch mit nur 11,5% Alk ausgestattet, hätte man diesen Wein eher als sog. Leichtwein eingestuft und er wäre somit zumindest von daher als Kabinettwein anzusehen gewesen. Aber wir trinken ja nicht die Analyse…..

 

Demgegenüber stand ein schöner duftiger und im Abgang fruchtbetonter (weiße Früchte; Apfel, Birne) und mineralischer (Feuerstein) Silvaner vom Weingut Am Stein im Glas. Ausgebaut im Stahltank, hatte er seine Frische bewahrt und kam sogar etwas reduktiv rüber; kaltvergoren? War es vielleicht auch die unterschiedliche Verschlussart der Flaschen –der erste mit klassischem Korken der zweite mit Glasverschluss- die hier eine unterschiedliche Entwicklung der Weine in der Flasche andeutete? Schließlich hatten beide Weine ja schon ein Jahr auf der Flasche hinter sich.

Als Single passierte der Silvaner vom Staatlichen Hofkeller die Runde. Er überraschte gegenüber den Vorgängern mit mehr Biss, wurde aber im Glas zunehmend glatter und runder und präsentierte sich außerdem mit etwas weniger Mineralik als die vorangegangen Weine. Analytisch besaß dieser Wein zwar die bisher höchste Säure von 6,3 g/ltr, im Gegenzug allerdings auch den höchsten Restzuckergehalt von 6,0 g.

 

An dieser Stelle erstirbt die –nachträgliche- Weinansprache für das Probenprotokoll schon in der Feder… .

 

Denn bei diesen ersten 3 Weinen deutete sich an, wie sehr die Einschätzung der Weine unter den Teilnehmern auseinander driftete. Schwankungen bis zu 3 Punkten wurden bereits jetzt ausgemacht - und es kam noch schlimmer! War den einen der Wein zu duftig, ja parfümiert, straften andere ihn ab weil: zu cremig, alkoholisch süß, sättigend. Es ging hin und her. Bei drei weiteren Weinen lagen die Unterschiede in den Punkten bei 3,5, bei 7 weiteren Weinen betrug der Unterschied zwischen 2,5 und 3 Punkten und den Vogel schoss das „Große Gewächs“ Riesling, Jhg. 2008, aus der Lage „Würzburger Innere Leiste“ vom Weingut Am Stein ab, bei dem eine Punktedifferenz von sage und schreibe 5 Punkten festgehalten wurde, eine Differenz, die seit Protokollierung unserer Proben noch nie ausgemacht wurde – die Fälle mal ausgenommen, in denen jemand einen Wein überhaupt nicht bewertete, weil er mit diesem Wein mangels Erfahrung nichts anfangen konnte.

 

Lag es vielleicht an dem fränkischen Silvanertypus, der von uns nicht richtig eingeschätzt wurde oder was war der Grund für die starken Bewertungsunterschiede? Vielleicht sind wir zu sehr am Rheinhessen Silvaner ausgerichtet. Sicher nicht am „RS“, aber wir erinnern uns vielleicht noch an die vor Jahren stattgefundene Vergleichsprobe von Selektionsweinen mit Silvaner zwischen Rheinhessen und Franken, gesponsert vom Silvaner-Forum. Auch hier ging –wenn auch nur knapp- der Rheinhessen-Silvaner als Sieger aus dem Verkostung hervor… .

 

Die 5-Punkte-Differenz –auch wenn sie an einer Einzelbewertung aufgehängt werden muß- ist fast nicht hinzunehmen, bei aller Wertschätzung des Betroffenen. Aber das Gesamtproblem bei der Benotung in dieser Probe wird dadurch nicht besser, wenn wir diesen absoluten Ausreißer unberücksichtigt lassen. Denn auch dann bestand bei diesem „Großen Gewächs“ immer noch eine Punktedifferenz von ganzen 3,5 Punkten.

 

Gehen wir alle noch einmal in uns und lernen wir den Umgang mit fränkischen Weinen im Allgemeinen und mit fränkischem Silvaner im Besonderen im Laufe dieses Jahres. Schon bei der nächsten Probe mit einem Gastwinzer darf uns dies nicht noch einmal passieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für die kommenden Tage eine umfangreiche Vermehrung der sensorischen und theoretischen Weinkenntnisse – sei es auf der ProWein oder auch privat zuhause-, auf dass Herr Hugo Brennfleck mit guten Eindrücken ins Frankenland zurückkehren kann.

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Wer dennoch rückblickend die Weinansprache noch einmal vor seinem geistigen Auge revuepassieren lassen möchte, der vergleiche doch bitte mal seine eigenen Notizen mit den Anmerkungen aus den von Axel Daub so fleißig zusammengestellten Unterlagen, in denen zu fast jedem Wein eine Anmerkung –sei es vom Erzeuger selbst, der Presse oder anderen Dritten- zu finden ist.

 

Deckungsgleich?..Oder: „Paßt scho!“……

 

Vielleicht sollten wir noch nachtragen, dass die Weine Nr. 4 und 5 –beides Weine des Juliusspitals- wenigstens nach dem Preis-Genuss-Verhältnis einhellig die Nase vorne hatten, egal wie die Einzelbewertungen jetzt ausgefallen waren. Damit und auch im Folgenden wurde die Frage (s.o.) beantwortet, wer denn heute als der „primus inter pares“ unter den Würzburger Weinbaubetrieben anzusehen ist.

 

PS: Lieber Axel, gib nicht auf!

 

 

Verfasser: Wolfgang Klug

 

 

 

Probenergebnis 11.03.2010: Weine aus Würzburg (PDF)

 

 

 

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14.01.2010 Silvanerprobe mit dem Winzer Joachim Heger

Erstellt von ockelmann am Dienstag 26. Januar 2010

Wir befinden uns im Jahre 2010. Ganz Baden ist bewachsen von Burgunder- und Riesling-Reben. Ganz Baden ? Nein ! Das von unbeugsamen Winzern bevölkerte Dorf Ihringen im Kaiserstuhl hört nicht auf, diesen „neumodischen” Rebsorten Wider­stand zu leisten und hält eisern am Silvaner fest. Und einer ihrer Häuptlinge ist Joachim Hegerix.
Das klingt nach Asterix und Obelix und weniger nach einer Weinprobe. Aber an die­sem Abend ist der Winzer Joachim Heger trotz Schnee und Eis zu uns gekom­men, um uns zu zeigen, welches Potential in dieser - inzwischen etwas verkannten -Rebsorte steckt.

So war keinem von uns bekannt, dass die Gemeinde Ihringen immer noch die größte Anbaufläche an Silvaner in Deutschland hat und dass die dortige Winzergenossen­schaft der größte deutsche Silvaner-Erzeuger ist. Der Ruf des Silvaners hat sicher in der Vergangenheit gelitten, da er lange als Verschnitt-Komponente dazu diente, saurem Riesling die schlimmste Säure zu nehmen und ihm wenig Eigenständigkeit zugebilligt wurde..

In Franken und Rheinhessen haben intensive Bemühungen der dortigen Winzer inzwischen dazu geführt, dass sich sein Ruf verbessert hat, in Gesamt-Baden ist das nicht unbedingt der Fall. Er ist hier nicht so stark verbreitet und hat mit Riesling und den Burgunderreben eine sehr starke Konkurrenz. Um das wenigstens im Kleinen zu ändern, war Joachim Heger zu uns gekommen.heger011

Die Rebsorte bietet am Kaiserstuhl recht gleichmäßige Qualität über gute und schlechte Jahre, aber einfach ist sie trotzdem nicht. Sie braucht gute, nicht zu leichte Lagen, die aus­reichend Nährstoffe bieten, aber auch gut entwässert sind, da die Reben sonst zu Chlorose neigen. Wenn die Rebe - später als die meisten anderen Rebsorten - sich doch noch entscheidet, eine Laubwand auszubilden, erfordert sie intensive Laubarbeit, damit die Erträge nicht zu hoch werden und ärgert den Winzer danach durch vermehrte Bildung von Geiztrieben. Und dann will sie auch noch lange reifen, wenn ihre Weine nicht unreife, grasige Töne bekommen sollen.

Aber genug der Theorie, schließlich muss der Wein auf der Zunge seine Qualitäten zeigen.

Unsere Probe begann mit zwei Silvanern aus der Basis-Linie „Oktav” vom Weinhaus Heger. Für diese Linie werden neben eigenen Trauben auch die von Vertragswinzern bezogen. Sie stammen von Lössböden aus der Lage Ihringer Fohrenberg.

Der 2007′er zeigte sich schon reifer, runder, der 2008′er dagegen konnte durch Frucht und Frische punkten. Mit 6,5 g/l besitzt er für einen Silvaner eine recht hohe - aber angenehme - Fruchtsäure.

Dagegen standen zwei Silvaner Kabinettweine vom Ihringer Winklerberg der Winzer­genossenschaft. Da die Reben dort seit der Flurbereinigung in den siebziger Jahren stehen, sind ihre Erträge niedriger und die Mineralität ist höher, was beides der Qualität gut tut.

Hier gefiel der 2007′er durch eine recht runde, harmonische Art, während der  2008′er einen unsauberen Esterton zeigte.

Nach der Basis-Qualität kamen wir zu den „Parade-Silvanern” aus dem  Ihringer Winklerberg und Achkarrer Schlossberg. Beides sind Kernlagen und wurden glücklicherweise in den siebziger Jahren nicht mehr flurbereinigt. Die Rebstöcke stehen hier in steilen Terrassen auf Vulkangestein.heger05

Den Auftakt machten zwei Kabinett-Weine vom Ihringer Winklerberg aus der alten Kernlage Bönischberg.

Der 2007′er wurde mit wilden Hefen in 600l-Fässern vergoren, und zeigt sich jetzt schon recht abgerundet. Der 2008′er wurde dagegen mit Reinzuchthefen und im großen Holzfass ausgebaut. Er wirkte etwas klarer und frischer. Die Meinungen, welcher Wein sich besser präsentiert, waren diesmal uneinheitlich. Allerdings fand der 2007′er etwas mehr Befürworter.

Dann kam eine 2008′er „3-Sterne-Spätlese” vom Winklerberg. Die drei Sterne stehen hier als Kennzeichnung für alte Reben. Dieser Weinberg wurde 1962 bepflanzt und in der Parzelle, aus der die Trauben stammen, hat der Weinberg 55% Steigung.  Noch etwas jung mit leichten Bittertönen, zeigte er sich aber als komplexer, mine­ralischer Silvaner. Ein Spitzenwein, den wir in dieser Qualität nicht  erwartet hatten.

Wer gedacht hatte, solch ein Silvaner lässt sich nicht übertreffen, der wurde jetzt positiv überrascht. Das schaffte die nachfolgende 2008′er „3-Sterne-Spätlese” vom Achkarrer Schlossberg. In dieser Parzelle  sind die Reben noch älter: 1949 gepflanzt und damit aus dem ältesten Weinberg Badens.

Eine derartige Mineralik, Dichte und Komplexität war erstaunlich. Anfangs noch ver­schlossen, öffnete er sich an der Luft immer stärker. Das war der Top-Wein des Abends.

Der ein Jahr ältere 2007′er Achkarrer Schlossberg zeigte ebenfalls diese ausge­präg­te Mineralik und Komplexität. Im Vergleich zum 2008′er war schon sehr ab­ge­rundet und reifer und kam nicht ganz an die Komplexität und Mineralität des 2007′er heran.

heger04 Bedauerlicherweise werden   das  die letzten Jahrgänge bleiben. Durch den Befall vieler Weinstöcke in dieser Parzelle mit der Pilzerkrankung „Esca” traten so starke Ausfälle im Weinberg auf, dass eine sinnvolle Bewirtschaftung nicht mehr möglich war und der Weinberg deshalb gerodet werden musste.

Den Beweis, dass Silvaner gut altern können, blieb uns Joachim Heger nicht schuldig. Der 2003′er Silvaner aus dem Ihringer Winklerberg (die „normale” Spätlese und kein „Dreisterne” Wein) präsentierte sich erstaunlich schlank und keinesfalls fett und breit. Alterstöne waren nicht zu erkennen. Für den Problemjahrgang 2003, der in Baden sehr oft fette, breite und alkohollastige Weine hervorgebracht  hat, ein erstaunliches Ergebnis.

Und man kann Silvaner auch mit Restsüße ausbauen:

Die 2004′er Spätlese vom Achkarrer Schlossberg sollte eigentlich trocken vergoren werden, ist aber bei 11,7 g Restzucker/l  stehen geblieben. Ein leicht süßer, recht dichter Silvaner, der aber nicht an die Finesse und Struktur der vorher­ge­hen­den trockenen Weine herankam.

Der letzte Wein war eine 2001′er  Spätlese aus der gleichen Lage, diesmal gezielt restsüß vergoren und mit 26 g/l Restzucker deutlich süßer, konnte die „Trocken-Fraktion” nicht so überzeugen, während die „Süßfraktion” diesen Wein sehr hoch bewertete.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ihringer Winzer weiter unbeirrt an ihrem Silvaner fest­halten und nicht ihre Reben dem modernen Trend zu Burgundersorten opfern. Es wäre ein Verlust für die Geschmacksvielfalt der badischen Weine. heger02

Als im Vorfeld bekannt wurde, dass in dieser Probe nur Silvaner - und nur von einem Winzer -  vorgestellt werden sollten, haben viele gefragt, ob das nicht langweilig sei. Nach der Probe sind diese Stimmen verstummt. Allein die Paarung zwischen den jun­­­gen, frischeren 2008′er und den reiferen, runderen und weicheren 2007′er Sil­vanern brachte Spannung in die Probe, und die großen Unterschiede der Lagen taten ihr übriges dazu.

Für uns war dieser Abend ein sehr gelungener Probenauftakt des Jahres 2010. Die nachfolgenden Referenten werden es schwer haben, mit dieser Probe gleich­zu­zie­hen.

Verfasser: Dieter Ockelmann

Probenergebnis: 14.01.2010 Silvaner (pdf)

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Chronik 2009

Erstellt von beyer am Freitag 18. Dezember 2009

15.Januar 2009 – Technikprobe mit dem Oenologen Frank John

Höhere Gewalt im Januar 2008 hinderte Herrn John an der Durchführung der geplanten Probe „Fehler im Wein“. Diese konnte nunmehr mit einem Jahr Verspätung anhand vieler –anonymer- Beispielfälle eindrucksvoll nachgeholt werden. Die Probe kam so gut bei den Mitgliedern an, dass eine Wiederholung – mit anderen beispielhaften Fehlern - unbedingt erwünscht ist. Schon aus Trainingsgründen, denn zugegeben, viele der uns vorgeführten Weinfehler hätten wir ohne seine sachkundigen Hintergrundinformationen gar nicht erkannt! Ein Lehrstück in Sachen Weinsensorik!

 

 

12.Februar 2009 – Jahreshauptversammlung mit Wahlen

Bei großer Teilnehmerzahl lag der Schwerpunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung auf der Wahl des neuen Vorstands. Der Bruderschaftsmeister, Dr. Dieter Ockelmann, wie auch sein 1.Stellvertreter Wolfgang Klug und seine 2.Stellvertreterin Carla Beyer konnten sich
über stabile Mehrheitsverhältnisse freuen. Ohne Probleme fand auch der Wechsel im Amt des Schatzmeisters statt, bei dem Axel Daub wohlgeordnete Verhältnisse von seinem Vorgänger Paul Mangasser übernehmen konnte.

Die Weinbruderschaft zu Köln möchte sich an dieser Stelle noch einmal für die jahrelange vorbildliche Buchführung bei dir bedanken, lieber Paul.

Nicht unerwähnt lassen möchten wir noch die Wiederwahl von Jörg Kleimeyer als altem und neuem Kellermeister, sowie die neue Zusammensetzung des Beirats mit Helmut Dippold, Dr. Lothar Grellmann und Uwe Lommertin.

 

 

12.März 2009 – Die Leitsorte Sangiovese in der Toskana

Seit langer Zeit wurde erstmals wieder die Toskana-Fraktion bedient! Aber davon hatten alle etwas, denn es war eine sehr spannende Probe, die uns eines gelehrt hat: wenn es um das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Toskanaweinen geht, sollte man immer ein Auge auf die Rossi di Montalcino werfen, denn: mehr Weingenuß fürs Geld als bei den Chianti Classici. Deshalb war nicht überraschend: ganz oben in dieser Probe stand der große Bruder der Rosso, ein Brunello di Montalcino, ein Elixir von Rotwein!

 

 

16.April 2009 – Luxemburger Mosel-Probe mit dem Weingut Krier-Bisenius

Bei diesem Probentitel kommt beim Chronisten immer noch die Erinnerung an eine der Weinkulturreisen mit dem größten Spaßfaktor hoch! Stichwort: Schiffstour auf der Mosel – aber nur mit Inge Müller! Kann nur an den Weinen gelegen haben, die wir verkosteten. So auch jetzt wieder, dargeboten durch einen kompetenten Winzer in sehr kurzweiliger Form; eine Probe, die sehr gut ankam. Muss also doch auch an den Menschen liegen, die dort am Strom wohnen. Doch nicht zu vergessen: der unaufhaltsame Aufstieg der Moselgewächse am luxemburgischen Moselufer!

 

 

14.Mai 2009 – Weingut Adolf Jung aus Enkirch

Im Zusammenhang mit unserem Schwerpunktthema Mosel hatten wir Besuch aus Enkirch von Herrn Heiner Kalbfuß, Inhaber des Weinguts Adolf Jung. Mit diesem für uns bisher unbekannten Vertreter aus der Riege der Moselwinzer erfüllten wir auch einmal den Wunsch derjenigen Weinschwestern und Weinbrüder, die nicht nur Weine von sattsam bekannten Winzern verkosten möchten. Wie so häufig war es auch hier die ehrliche, unverfälschte Art des Winzers, die uns seine Weine vor dem Hintergrund des Terroir-Gedankens erschlossen hat. Ferner hat uns dieser Besuch gezeigt hat, dass auch in der zweiten Reihe der Winzergilde an der Mosel Erzeuger zu finden sind, deren Weine zu verkosten absolut spannend sein kann.

 

 

04.Juni 2009 – Große Gewächse (i.w.S.) des Bernkasteler Rings

Kontrastprogramm also im Juni: fast nur große Namen! Nicht dass wir Namenstrinker wären, aber bei den „Großen Gewächsen“ und ihren gleichwertigen Pendants kommt man an den Topwinzern nicht vorbei. Viele von Ihnen - ca. 34 - sind Mitglied im Bernkasteler Ring. Hans-Bernd Pütz aus der Geschäftsleitung des Rings traute sich an diesem Abend, uns hiervon eine repräsentative Auswahl zu vorzustellen. Ein gleichbleibend hohes Niveau aller Weine war das Resultat, nachzulesen in unserer Benotungsliste. Einziger „Wermutstropfen“: es fehlte die sonst durch die unterschiedlichen Qualitäten erzeugte Gemütsachterbahn. Aber man kann doch auch mal einen ganzen Abend nur gute Weine trinken, oder? Was ist falsch daran…?……Richtig!

 

 

20./21.Juni 2009 – Weinkulturreise an die Mosel

An dieses vollgespickte Wochenende erinnern wir uns gerne, abwechslungsreich, informativ - und anstrengend. Weniger, weil wir viel gelaufen wären, nein, da war Petrus vor! Aber dafür verlagerte sich die „Arbeit“ zunehmend auf die Verkostungen (wie im Weingut Dr. Uli Stein), von denen jedoch beinahe eine ausgefallen wäre (bei C.H. Berres). Nicht zu vergessen: das Sektgut St. Laurentius, Theo Haart und das Weingut Clüsserath-Eifel. Entspannung pur gab es dafür auf der Terrasse des Hotel-Restaurants „Zur Traube“ in Ürzig, als wir bei einem sonnigen Intermezzo unser Mittagessen am Sonntag (!) einnehmen konnten. Mit vielen eingekauften Flaschen ging es mit Verspätung nach Hause. Einmal tief durchatmen und eine Mütze Schlaf nehmen im Bus……..Wochenenden können doch so schön sein………

 

 

02.Juli 2009 – Weingut Carl Loewen aus Leiwen zu Gast bei uns

Man kann es vorwegnehmen: eine der besten Rieslingproben die wir je in unseren Räumen veranstaltet haben! Man schaue sich die Punktung an! Und das bei 100% Luftfeuchtigkeit und tropischen Temperaturen im Probenraum. Lob an den Kellermeister, der es fertig brachte, die Weine unter diesen widrigen Umständen so gut gekühlt ins Glas zu bringen! Für jeden Rieslingfreund sei an dieser Stelle die Lektüre des Probenprotokolls zur Pflicht erhoben. Mehr Riesling geht nicht. Kompliment an Herrn Loewen.

 

 

20.August 2009 – Weiß und Rot aus Latium

Halb rot, halb weiß – so war denn auch die Probe von Paul Mangasser zusammengesetzt, obwohl im Anbau dieser Region der Weißwein mit ca. 80% dominiert. Da bahnte sich hinter Paul’s Rücken wahrscheinlich wieder eine „rote Sensation“ an (Was die Entdeckung von guten Weinen angeht, hat Paul eine Nase wie ein italienisches Trüffelschwein !!) In der Tat waren es die Roten „Ferro e Seta“ des Weingutes Villa Simone - das schon mit einem überdurchschnittlichen Frascati auftrumpfte - und der Kultwein „Dithyrambus“ vom Weingut Marco Carpineti. Eine spannende Probe, die aber auch polarisierte.

 

 

17.September 2009 – Südtirol mit Sauvignon Blanc und Lagrein

Noch einmal sechs Weiß- und sechs Rotweine, kenntnisreich zusammengetragen von unserem Bruderschaftsmeister, der diese Probe moderierte. Sauvignon Blanc als internationale und zur Zeit im Trend liegende Rebsorte gegenübergestellt der autochtonen roten Sorte Lagrein, eine interessante Blockbildung. Während allgemein mit den Sauvignonweinen bei der Verkostung wie selbstverständlich umgegangen wurde, hatte der Chronist den Eindruck, dass der Lagrein doch für viel Probanden Neuland darstellte, zumindest in dieser von Dieter Ockelmann gezeigten Ausbauvielfalt. Auch hier lohnt sich ein Blick in unsere Punktung, die uns zeigt, aus Lagrein kann man richtig guten „Stoff“ machen!

 

 

08.Oktober 2009 – Mosel: „Die Leichtigkeit des Weins“

Unser Moselaner Alfons Kollmann hatte sich der Mühe unterzogen, exemplarische Vertreter von der deutschen Obermosel bis zur Mündung in den Rhein für diese Probe anzustellen. Eine gelungene Veranstaltung, wie man hörte. Leider war der Chronist an diesem Probentermin verhindert, doch ein Blick in die Punktung bestätigt ihm die hohe Qualität der Weine: bereits der zweite Wein erhält die Durchschnittsnote 15,38 und von da an ging es nur noch bergauf. Der Titel der Probe kündigt schon an, was hier im Vordergrund stand: der spritzige mit Frucht-Säure-Spiel versehene typische Moselriesling, möglichst noch mit mäßigem Alkoholgehalt. Alles in allem eine bei den Probanden lang nachwirkende Probe

 

 

12.November 2009 – Aufsteiger-Weingut Becker-Steinhauer aus Mülheim/Mosel

Ja, da haben wir aber mal wieder die richtige Nase gehabt: kaum ist der Winzer durch die Tür, wird seine neue Jahrgangskollektion für 2008 im neuen Gault-Millau mit der dritten Traube belohnt! Weine, die die Handschrift ihres Erzeugers und das Terroir ihrer Lagen in sich tragen. „…….großartige trockene Rieslinge mit Dichte und Nachhaltigkeit,….., fruchtige Spät- und Auslesen, die sich immer mehr der Gebietsspitze nähern….“ (Zitat Ende) Was soll man dem noch hinzufügen? Wir erwarten mit Spannung seinen 2009er Jahrgang.

Dranbleiben!

 

 

10.Dezember 2009 – Weine aus dem Piemont

Wie schon so oft in den vergangenen Jahren, war auch diesmal wieder der Tag der großen Rotweine gekommen. Unser Bruderschaftsmeister, Dr. Dieter Ockelmann, hatte aus einem seiner Lieblingsurlaubsziele, das jedes Jahr mindestens einmal von ihm und seiner Käthe „heimgesucht“ wird, ein paar ausgefallene Vertreter von Dolcetto, Barbera, Barbaresco und Barolo für uns mitgebracht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Einjustieren der Geschmackspapillen, was sich in sehr unterschiedlichen Bewertungen niederschlug, kamen wir schlussendlich doch noch zu einem harmonischen Urteilsniveau für diese ausgezeichneten Rotweine, die am Anfang von einem weißen Arneis und zum Abschluss von einem Moscato d’Asti „Vendemmia Tardiva“ der Cascina Fonda eingerahmt wurden, letzterer in einer Qualität, wie man ihn hier in Deutschland nichtfinden kann. Danke, Dieter für diese Lehrstunde über das Piemont!

 

 

Damit schließt sich das Jahr 2009 für den Chronisten, dem an dieser Stelle nur noch übrig beleibt, allen hilfreichen Händen vor und hinter den Kulissen für Ihre Unterstützung zur Durchführung des Jahresprogramms 2009 zu danken - und darauf hoffend, dass sich in den Reihen der Mitglieder auch weiterhin genügend hilfreiche Hände finden werden, die bereit sind, bei der Realisierung des aktuellen Jahresprogramms mitzuwirken.

 

 

Chronist: Wolfgang Klug

 

 

Allen Mitgliedern, Weinfreundinnen und Weinfreunden unserer Weinbruderschaft wünschen wir frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010,

verbunden mit den besten Wünschen für Ihre Familien.

 

Weinbruderschaft zu Köln e.V.

Der Vorstand

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10.12.2009 - Piemont

Erstellt von beyer am Donnerstag 3. Dezember 2009

Wie so oft in den vergangenen Jahren war die Dezemberprobe großen Rotweinen vorbehalten. Und da Italien als Schwerpunktthema für ausländische Weine in diesem Jahr vorgegeben war, lohnte es sich, einmal einen Blick auf die großen Weine des Piemonts zu werfen. Nicht umsonst wird schließlich der Barolo als der König der Rotweine bezeichnet.

 

Unser Bruderschaftsmeister, Dr. Dieter Ockelmann, hatte die schwierige Aufgabe übernommen, uns einen repräsentativen Querschnitt an piemonteser Weinen zu präsentieren. Schwierig insofern, weil doch möglichst alle wichtigen roten Rebsorten vertreten sein sollten (Dolcetto, Babera und Nebbiolo), ferner wenigstens einer der wenigen qualitativ besseren Weißweine, wie z.B. der Arneis aus dem Roero-Gebiet. Schließlich sollte es auch noch etwas Prickelndes sein: ein Moscato d’Asti der besseren Art, als man ihn hier bei uns landläufig im Handel bekommt.

 

Alle diese von Dieter sich selbst auferlegten Vorgaben hat er mit Bravour erfüllt, beginnend mit dem Arneis der Az. Agr. Carlo Deltetto aus dem Jahrgang 2008 mit Sitz im Ort Canale. Dieser Wein – ein von Dieter und seiner Käthe bei den jährlichen Piemontbesuchen als Apero getrunkener Einstiegswein- konnte auch uns mit seiner –jahrgangsspezifischen- säurebetonten Frische verführen und öffnete unsere Geschmackspapillen für die kommenden Roten. Welchen Stellenwert die Weine aus dieser Rebsorte im Piemont einnehmen, kann man vielleicht ablesen anhand der Synonyme, die es für diese Rebsorte gibt, nämlich u.a. Nebbiolo Bianco. Liebhaber dieses Weines nennen ihn sogar den „Barolo Bianco“. Dabei wäre er beinahe ausgestorben, nachdem er vor langer Zeit nur noch als süßer „Passito“ hergestellt wurde oder den dunklen Baroloweinen als Verschnittpartner dienen durfte. Einmal mehr steht die Weinwelt bei dem Winzer Bruno Giacoso in der Schuld, weil er dafür gesorgt hat, dass dieser Weißwein heute wieder einen wichtigen Stellenwert einnimmt und auf ca. 575 ha vertreten ist, und das, obwohl er relativ ertragsarm und damit nicht unbedingt des Winzers Liebling ist.

 

Dann aber ging es los mit den Rotweinen. Wir stiegen ein mit einem Dolcetto di Dogliano „Vigna Tecc“ von der Poderi Luigi Einaudi Srl. aus dem Jahr 2006. Mit 35 ha Rebfläche gehört dieser Erzeuger zu den größeren der in dieser Verkostungsrunde kennen gelernten Winzer. Diesem gefälligen fruchtig-frischen Dolcetto folgten noch zwei weitere Dolcetti aus dem Jahrgang 2003 und zwar von der Cascina Flino aus Diano d’Alba, einem kleinen Erzeuger mit nur 3,5 ha bewirtschafteter Fläche, der seine Wirtschaftlichkeit nur durch Traubenzukauf aufrechterhalten kann, sowie ein Dolcetto „Sori Le Cecche“ von der Az.Agr. Le Cecche, Besitzer Jan Debryne, ein holländischer Quereinsteiger. Das erst in 2001 gegründete Weingut mit 5 ha Rebfläche produziert im Jahresdurchschnitt ca. 30.000 Flaschen. Beide Vertreter ihrer Sorte belegten eindeutig, dass die Piemonteser keine Rotweine für „Weicheier“ produzieren: sehr adstringierende, harte Tannine, die die Schleimhäute im Mund reizten. Da braucht der Wein noch etwas Reifezeit, auch wenn doch schon leichte Schokoladentöne erkennbar waren, die auf eine weichere Zukunft hoffen ließen. Beide Weine waren noch sehr verschlossen.

 

Dann stiegen wir auch schon um auf Barbera. Nach einem 2004er Barbera „ Flin“ von der Cascina Flino, Besitzer Paolo Monte in Diano d’Alba, der nicht so ganz überzeugen konnte (einerseits „schöne Nase“, „Gewürznoten“, andererseits „Nagellackton“) folgte ein eher harmonischer Vertreter aus dem Jahr 2003 von der Az.Agr. Giacomo Vico, einem im Roerogebiet - wieder in Canale - ansässigem Weingut. Mit diesem Wein überschritten wir erstmals die 15 Punkte Durchschnittsnote, weil er ganz sicher auch den Jahrgangsbonus mit ins Glas brachte. Ein schöner runder Stoff.

 

Zurück in das 20. Jahrhundert: wir tranken nun einen 1999er Barbera „Naunda“ von der Az.Agr. Bric Cenciurio, Besitzer Fiorella Pittatore und Carlo Sacchetto. Hier nun merkte man schon sein vergleichsweise hohes Alter. Er war schon etwas gezehrt. Eine deutliche Altersnote war erkennbar. Eine große Zukunft hatte dieser Wein nicht mehr, was man sogar im Glas verfolgen konnte. Aber auch für solche Weine gibt es Liebhaber und so verwundert es nicht, dass dieser Wein im Durchschnitt sogar noch besser bewertet wurde als der Vorgängerwein.

 

Daran anschließend wandten wir uns nun der Nebbiolotraube zu, vertreten durch einen Nebbiolo d’Alba „Tardiss“ aus 2003 von der Az.Agr. Fratelli Abrigo, aus Diano d’Alba. An diesem Wein wurde auch die Diskussion in unserer Runde über die Traditionalisten und die Modernen unter den Winzern aufgehängt. Nicht dass es zu einer Fraktionsbildung gekommen wäre, nein, Dieter klärte lediglich diejenigen auf, die über die unterschiedlichen Ausbaumethoden noch nicht so informiert waren. Damit konnte jeder für sich entscheiden, welche Ausbauart ihm entgegen kommt.

 

Es folgte noch ein Langhe Nebbiolo „Perbarco“ von der Cantina Vietti in Castiglione Faletto aus dem Jahr 2005. Bei diesem Wein handelte es sich um einen der einfacheren Weine aus dem Hause Vietti, der dennoch zu beeindrucken wusste. Noch sehr jung und frisch im Eindruck. Dekantieren tat ihm gut, die Tannine wurden unter der Sauerstoffzufuhr etwas aufgebrochen, der Wein wurde weicher, ja man kann sagen: er war bereit zum Kauen. Wenn man es denn so ausdrücken möchte: ein schöner einfacher Nebbiolo, bei dem man ins Schwelgen und Erzählen kommen konnte. So war es nicht verwunderlich, dass an dieser Stelle Käthe und Dieter Anekdoten und Histörchen von ihren Urlaubsfahrten in das Piemont zum Besten gaben.

 

Die letzten 3 Rotweine bedeuteten noch einmal Arbeit, aber eine, der man sich gerne unterzieht, wenn es um das Goutieren edler Rotweine geht, denn jetzt ging es um

- einen Barolo –„Coste di Rose“ aus 2004, nochmals vom Weingut Bric Cenciurio (s. o.)

- einen Barbaresco -„duemillecinque“ (Jahrgang 2005) von der Az.Agr.Albino Rocca und

- einen Nebbiolo aus dem Roero, -„Rocche d’Ampsej“ 2003 von der Az.Agr. Matteo Correggia, abermals mit Sitz in Canale. Das muss ein begnadetes Fleckchen Erde da oben im Norden des Roero sein.

Da hatten der Barolo und der Barbaresco schon gut mit Körper und Dichte beeindruckt und ein entsprechend gutes Punktekonto angehäuft, kommt doch noch ein Nebbiolo aus dem Roero daher und straft alle Vorgänger ab! Das war der Knaller, voll, fast breit –was ja beim Rotwein nichts Negatives ist - komplex, Amarenakirschenaroma (Stichwort „Ferrero“ machte die Runde), äußerst nachhaltig am Gaumen mit langem Abgang. „Ein sinnlicher Wein“ sagte jemand der Teilnehmer. Das traf es exakt!

 

Jetzt konnten wir eigentlich nur noch „abhängen“ und zwar bei einem erfrischenden Gläschen Moscato d’Asti. Man möchte doch so gerne seine eigenen Vorurteile pflegen. So schauten die meisten in unserer Runde erst einmal skeptisch der Flasche entgegen, die da auf sie zukam. Aber unser Bruderschaftsmeister, durch viele Piemontreisen gestärkt, wusste, was sich gehört und so hatten wir schließlich eine „Vendemmia Tardiva“ von einem Moscato d’Asti (Gelber Muskateller) im Glas, eine Fruchtbombe die gut gekühlt auch den stärksten durch Tannin geschrumpelten Gaumen wieder glättete. Ich muss es zugeben: einer meiner liebsten Süßweine (Schaumweine inklusive), für mich unverzichtbar bei fruchtbetonten Desserts. Ein Genuss und eine Erfrischung zugleich. Zum Mitschreiben: ein Produkt der Cascina Fonda der Brüder Marco und Massimo Barbero in Mango.

Diesen Schaumwein haben wir zwar nicht bewertet. Ich kann deshalb nur für mich sprechen: lecker! Blumenstrauß, Fruchtbombe, ohne pappige Süße!

 

Das war unsere letzte Probe in 2009. Dieter sei Dank für die Moderation und Käthe hat sicher auch auf den Reisen ihren Anteil an der Beschaffungslogistik geleistet, da bin ich mir sicher. Auch dafür herzlichen Dank.

 

Und wer jetzt vergessen hat, was wir denn eigentlich am Jahresanfang gemacht haben, dem empfehle ich die Lektüre der Jahreschronik, die bei Bedarf durch Links zu den einzelnen Probenberichten wiederum vervollständigt werden kann.

 

Auf geht’s ins neue Jahresprogramm für 2010!

 

 

Verfasser: Wolfgang Klug

 

Probenergebnis 10.12.2009: Piemont (PDF)

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12.11.2009 - Weingut Becker-Steinhauer aus Mülheim/Mosel

Erstellt von beyer am Montag 28. September 2009

 Als wir unser Jahresprogramm für 2009 zusammenstellten, kam von Uwe Lommertin der Hinweis auf das oben genannte Weingut, das Herr Karsten Becker nunmehr in der achten Generation als Weinbaubetrieb führt.

 

Aufsteigerweingut! Ja wer sagt denn sowas? Die weitere Vorausplanung dieses Probentermins ließ mich dann aber auch mal in die einschlägigen Veröffentlichungen in Buch und Presse schauen und siehe da, es gab eindeutige Hinweise auf eine solche Charakterisierung des Weinguts. Während der Weinguide Gault-Millau sich bei der Einschätzung der Jahrgangskollektionen von 2003 bis 2005 von dem Wort „gelungen” zu dem Adjektiv „eindrucksvoll“ steigert, führt Eichelmann mit seiner Beschreibung des Jahrgangs 2005 mit den Worten „enorm kraftvoll, üppig“ über 2006 mit einem kurzen prägnanten Verweis: „keine Ausfälle“ hin zum Jahrgang 2007 mit der Beschreibung „leicht unruhige Art, aber konzentriert, rassig“ und vergibt dafür 3 ½ von 5 möglichen Sternen an dieses Weingut. Das verspricht doch einiges für die Zukunft. Umso gespannter dürfen wir sein, wie der Jahrgang 2008 von der Weinöffentlichkeit aufgenommen wird.

 

Einige der 2008er konnten wir denn auch in unserer Probe verkosten, nachdem die Probenfolge zunächst einmal mit einem Riesling-Sekt Brut eröffnet wurde, ohne Jahrgangsangabe zwar, aber -wie Herr Becker mitteilte- aus Grundweinen des Jahrgangs 2007 mit einem Öchslegehalt von 85-90°. Alle Schritte der Versektung bis hin zur Abfüllung wurden durch einen Lohnversekter auf dem Hof des Weinguts vorgenommen. Dabei lag der Sekt 18 Monate auf der Hefe und bedankte sich für diese lange Ruhezeit mit einem sehr feinen Mousseux im Glas, einer enormen Explosion der Bläschen im Mund bei gleichzeitiger Freigabe eines Aromas von Pfirsich und reifen Hefenoten. Ein unglaublich runder, eleganter Sekt, dem es gut getan hat, dass er für die zweite Gärung mit einer auf 24 g/RZ aufgesüßten Dosage aus demselben Grundwein ausgestattet wurde,

Davon hätte der Chronist gerne noch ein zweites Glas genossen….

Ich glaube: hab ich auch!

 

Während der zweite Wein ausgeschenkt wurde, gingen die ersten Fragen zum aktuellen Jahrgang 2009 bei Herrn Becker ein. Für ihn ist es ein mengenmäßig eher kleiner Jahrgang, mit hohem Peronospora-Risiko im Sommer, mit zu erwartender Säure bei den Rieslingen von knapp unter 10 °/oo (vor der Vergärung, entspricht in etwa 7°/oo beim fertigen Wein.) und vergleichbar sicherlich mit dem Jahrgang 2001. Herr Becker sieht sein eigentliches Problem in der Erntemenge, bei der er in 2009 mit erheblichen Einbußen rechnen muss.

 

Von diesen dunklen Gedankenwolken weg brachte uns der folgende Wein, nämlich der einzige im Weingut erzeugte Rotwein, ein 2007er Spätburgunder QW mit dem Attribut „Unfiltriert“ versehen. Entrappte Beeren mit 100° Oe kamen für diesen Rotwein für 3 Wochen in die offene Maischegärung (Bütten), Ausbau des Weines dann in kleinen Holzfässern, nämlich bordelaiser Barriques als Zweitbelegung und Abstich des Weines alle 3 Monate zwecks Umfüllung in ein weiters Barrique. Das Ganze findet 18 Monate statt, bevor er auf die Flasche kommt. Herr Becker setzt in diesem Zusammenhang auf französische Klone, die zwar etwas anfälliger für Botrytis sind, was aber durch rechtzeitiges und gezieltes Eingreifen in den Griff zu bekommen sei. Die Begeisterung über diesen Rotwein hielt sich etwas in Grenzen, wie man auch an der durchschnittlichen Bewertung erkennen kann. Zwar handelte es sich bei diesem Wein um ein sauberes Produkt mit wirklich nachvollziehbaren Spätburgundernoten, doch er ging eher als Leichtgewicht durch, trotz Barriqueausbau, heiter, beschwingt, ohne den Spätburgunderfreund in irgendeiner Form zu fordern.

 

An dieser Stelle könnte man die alte Diskussion über die Notwendigkeit von Rotweinen aus dem Moseltal wieder anzetteln. Ist aber müßig, da der Rotweinanbau in diesem Gebiet historisch belegt ist und eigentlich nur die Frage offen bleibt, ob der Winzer gute und sehr gute Anbauflächen dem Riesling vorenthalten will, weil er sie mit Spätburgunder bepflanzt, wohl wissend, dass der Spätburgunder bei seinen hohen Anforderungen an die Bodenqualität ebensolche Flächen braucht, damit etwas Anständiges aus ihm hervorgeht.

 

Als Drittes wurden wir mit einem 2008er Chardonnay QW konfrontiert. Ein Wein, der bei ca. 3000 Flaschen im Jahr nicht die wichtige Umsatzrolle im Weingut spielt und 1994 zum ersten Mal in den Handel kam. Auch an der Mosel reift er voll aus, wächst dort auf Devonschieferboden und ist im Jahr 2008 langsam spontanvergoren, weil die Gärzeit in eine Jahreskälteperiode fiel. Dieser Wein ist eine Vorliebe von Herrn Becker, der ein Praktikum in Chablis gemacht hat und deshalb offen bekannte, dass er auch heute noch den Chardonnay nachpflanzen würde, falls ihm entsprechend geeignete Flächen zur Verfügung stehen würden.

 

Aber nun ging es los mit Riesling, einem Veldenzer Kirchberg Kabinett trocken aus dem Jahre 2008. Bei 3 g/RZ und 6,9 g/L Säure sowie 11,5% Alc. erwischte uns der erste Riesling wie eine Keule: absolut knackig, aber versehen mit Pfirsichnoten. Hätte man bei diesen Analysewerten so nicht erwartet, ist aber wohl auch etwas den beiden Vorgängerweinen geschuldet. Zur Lage: diese hat die gleiche Ausrichtung wie die Wehlener Sonnenuhr (Süd-West), liegt aber geographisch einen Bergrücken südlicher von dieser und ist mit einer wasserführenden Unterschicht versehen.

 

Es folgte ein 2008er Riesling aus derselben Lage, jedoch als QW, auf dem Etikett mit dem Zusatz „1890“ versehen. Das Jahr 1890 ist das Entstehungsjahr des derzeit genutzten Gutshauses an der Hauptstrasse in Mülheim, gegenüber dem Anwesen des Richtershof, der wiederum eine sehr gute Adresse für kulinarische Höhenflüge nach einer angenehmen Weinprobe im Hause Becker-Steinhauer ist. Man muss dazu nur die Straße überqueren!

 

Zurück zum Wein: trotz 2-monatiger längerer Gärphase (in 3000 Ltr.-Fässern) als sein Vorgängerwein in dieser Probenfolge liegt dieser Wein etwas höher im Restzuckergehalt (7 g/Ltr.) bei etwa gleicher Säure. Statt Pfirsicharoma begegnete uns hier das Aroma einer Grapefruit, leicht verdeckt allerdings noch durch Hefenoten aufgrund der bis in den April hinein dauernden Gärung. Überhaupt zeigte sich dieser Wein doch eher verschlossen, so dass man ihm ruhig noch ein halbes Jahr zur Entwicklung geben sollte.

 

Herr Becker ließ an dieser Stelle auch die Flaschenverschlussproblematik anklingen. Naturkork oder Plastikkork oder Schraubverschluss? Die Zahlen sprechen für sich und für die Philosophie des Hauses: Herr Becker benutzt derzeit den Schraubverschluss – mit innen liegendem Alu-Plättchen in der Schraubkapsel - bei 70% seiner erzeugten Weine, Tendenz steigend. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse der ersten Langzeitbeobachtungen. Erst dann wird man auch eine Aussage machen können, wie groß oder klein der Einfluss dieser Verschlussart auf das Lagerpotenzial der Weine ist.

 

Als nächster Wein kam ein 2008er Zeltinger Schlossberg Spätlese trocken mit dem Hinweis „Die Steinmauer“ auf dem Etikett. Dieser aus einer ehemaligen Veldenzer Einzellage stammende Wein, aufgegangen in der Lage Zeltinger Schlossberg, stammt dem Volksmund nach von einer durch eine Steinmauer abgestützte und hinter ihr mit Schieferbruch auf Fels aufgeschütteten Parzelle, die dem Wein eine rauchige Note von Feuerstein verleiht. Diese Note war auch noch im Glas nach zu vollziehen, begleitet allerdings auch noch von Noten der Spontanvergärung. Trotzdem ließ die Würze dieses Rieslings erahnen, welches Potential in diesem Wein steckte, die ihn zu einem langlebigen Vertreter seiner Art macht.

 

Weiter ging es mit einem 2007er Veldenzer Kirchberg herb, Alte Reben. Im Gegensatz zu der gesetzlich vorgegeben Definition, wonach ein Alter von 20 Jahren ausreicht, um die Bezeichnung „Alte Reben“ auf dem Etikett verwenden zu dürfen, liegt das Alter dieser Reben im Weingut Becker-Steinhauer bei über 70 Jahren. Es handelt sich hier um wurzelechte Stöcke, die im Jahre 1937 gepflanzt wurden und in dieser Parzelle noch zu 70% aus dem Erstbestand stammen. Dieser Wein liegt mit 8 g/RZ am oberen Bereich der Geschmacksrichtung trocken, was noch unterstützt wurde durch die in diesem Falle für einen Riesling geringe Säure von nur 5,9 g/Ltr.

 

Er hatte denn auch zu kämpfen mit dem parallel laufenden Wein aus dem Jahr 2008, einer Veldenzer Carlsberg Spätlese, feinherb, die mit 18g/RZ und einer knackigen Säure von 8,8 g/Ltr. zu gefallen wusste. Aus dieser Kleinstlage, die man geschickt aus allen bisherigen Flurbereinigungen heraushalten konnte und der man in Burgund das zusätzliche Attribut eines Weinbergs „en clos“ verleihen würde -denn er ist mit einer Mauer umfriedet und im Weinberg selbst befindet sich auch noch ein bauliches Kleinod: ein altes Weinbergshäuschen- stammen sehr komplexe Weine, was mit dem Wein vor uns im Glas bewiesen werden konnte. Herr Becker gab zu, dass der 2007er ein eher reifer Jahrgangsvertreter war. Beim 2008er dagegen musste er bis in den November hinein kämpfen, bis das Traubengut seinen Vorstellungen und Ansprüchen gerecht wurde. Erst dann waren 90° Oechsle zusammengekommen, die ihm im Ergebnis diesen klassischen Moselriesling in die Flasche brachten. Dieser Wein war ein Genuss!

 

Vor dem einzigen aktuellen milden Vertreter und den edelsüßen Weinen mussten wir dann erst einmal eine „Testphase“ durchmachen, denn es folgten zwei sehr gereifte Weine und zwar einmal ein 1982er Veldenzer Kirchberg Spätlese und ein 1994er Brauneberger Juffer Auslese. Ich gebe zu: als die Flaschen vor der Probe bei mir eintrafen, habe ich erst einmal gestutzt und gedacht: na, hoffentlich geht das gut! Aber siehe da: auch wenn wir es bei dem 1982er mit zwei unterschiedlichen Entwicklungen in der Flasche zu tun hatten (A- und B-Flasche), so war doch die bessere von den beiden in einem überraschend guten Zustand, was Herr Becker damit erklärte, dass dieser Wein eben von sehr steinigem Boden auf Devonschiefer stammt, der mineralisch sauer ist und mit hohen pH-Werten aufwartet und so dem Wein eine große Langlebigkeit verleiht. Die Flaschen hatten noch keinen Korkwechsel mitgemacht und auch mit der Füllhöhe war alles noch in Ordnung.

 

Noch eindrucksvoller trat der 1994er Wein auf. Bei einem Lesegut mit 100° Oechsle konnte er locker als Auslese durchgehen und brachte zudem eine erfrischende Säure von 9 g/Ltr. mit. Diese Säure ließ den Wein leben und auch heute noch einen vitalen Eindruck machen, auch wenn eine leichte Firne zu erkennen war. Diese trat aber nur sehr zurückhaltend in Erscheinung, so dass sie nicht störte. Der Wein hatte ganz einfach Charme und Brillanz, klar bis auf den Grund.

 

Die nun folgenden zwei Weine mit deutlicher Restsüße spalteten die Weinfans. Es handelte sich um einen 2008er Veldenzer Carlsberg Riesling Spätlese und einem 2006er Veldenzer Kirchberg Riesling Auslese/2 Sterne.

Der 2008er wusste mit 80g/RZ und 9 g/S durch ein schönes Frucht-Säure-Spiel zu beeindrucken, obwohl vielen Probanden zum wiederholten Male die „Spontinote“ in die Nase stieg und sie so von einer höheren Bewertung abhielt, wohl wissend, dass sich diese Note erfahrungsgemäß nach einem halben bis ¾-Jahr verflüchtigt oder man rückt dem Wein heute schon mit viel Belüftungstechnik zu Leibe. Da wir aber die Weine nach ihrem Ist-Zustand beurteilen, muss man diesen Einwand wohl akzeptieren.

Wem dieser Wein nicht so gefiel, der durfte sich dann am nächsten Wein, dem 2006er, erfreuen. Wieder mal ein Wein, den sich Herr Becker „erarbeiten“ musste, denn 2006 war ein Botrytisjahr mit nassem Herbst, die Beeren platzten und man konnte förmlich zusehen, wie am Stock die Erntemenge zum Teufel ging. Rasches Handeln war angesagt, denn die täglichen Mengenverluste lagen bei 8-10%. Dennoch gelang es ihm, einen Wein mit knapp unter 130 g/RZ und 7,5 g/S auf die Flasche zu bringen, bei dem nun wiederum eine andere Fraktion der Weinfreunde von lediglich vordergründiger Süße sprach.

 

Und die 2 Sterne auf dem Etikett? Lediglich eine Kennzeichnungsmethode für den Restzuckergehalt:

2 Sterne = mind. 100g/RZ

3 Sterne = über 130 g/RZ

 

Egal, wer welche Vorbehalte gegen welchen der beiden restsüßen Weine auch hatte: beide erhielten die bis dahin höchste Benotung in dieser Probenfolge. Zwei wirklich gelungene Vertreter der restsüßen Geschmacksrichtung.

 

Doch dann machte die Nummer 13 die Runde. Es wurde etwas stiller im Raum, obwohl die Zeit schon fortgeschritten war und die Probanden dann eher umgekehrt reagieren. Das war der krönende Abschluss: eine 2007er Veldenzer Kirchberg Riesling Beerenauslese mit 240 g/RZ und 11 g/S!

Alle haben diesen Wein mit seinen Honigtönen, Marzipannoten und Kernobstanklängen genossen. Ein Wein als Elixier mit extremem Lagerpotential von geschätzten 50 bis 80 Jahren (Originalton Karsten Becker). Und da sagt doch sein Erzeuger so nebenbei –als ob er das empfangene Lob herunterspielen wollte- : der war in diesem Jahr doch leicht zu produzieren!!! - Hallo?? Das tat der guten Benotung aber keinen Abbruch, denn das Produkt sprach für sich selbst! Konsequenz: höchste Benotung des Tages für diesen „Hammerwein“!

 

 

Und als ob wir es mit unserer Probe heraufbeschworen hätten:

Während ich diese Zeilen schreibe, schickt mir Herr Becker als E-Mail einen Auszug aus dem Weinguide Gault-Millau 2010, seit 20.11. im Buchhandel erhältlich, von mir aber noch nicht eingesehen, und was sehe ich da:

 

Herr Becker hat seine dritte Traube bekommen!!!

 

Herzlichen Glückwunsch Herr Becker!

 

Das war ja mal wieder ein Volltreffer. Jedes Jahr gerne wieder.

 

 

Verfasser: Wolfgang Klug

 

 

Probenergebnis 12.11.2009: Weingut Becker Steinhauer (PDF)

 

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