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Archiv für die 'Probenberichte' Kategorie

Weinerlebnisreise nach Franken vom 22. Bis 25.Juni 2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

19 Uhr am Donnerstag ging es für die meisten los: Abendessen à la carte im „Gasthaus Stern“ in Sulzfeld, einem Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert. Wir hatten noch immer Temperaturen um die 30°C, saßen aber sehr schön in einer weinumrankten Laube. Beendet wurde der Abend hier im Gasthaus mit gut gekühlten Qualitätsweinen aus Sulzfeld.

Sulzfeld am Main ist ein Weinort mit einer gut erhaltenen Befestigungsmauer mit 21 Türmen. Es hat auch sein spätmittelalterliches Ortsbild weitgehend bewahrt. Um den Ort herum sind die drei Weinlagen Sulzfelder Cyriakusberg, Sulzfelder Maustal und der Sulzfelder Sonnenberg. Der Ort wurde 2009 Landessieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Wir haben den Ort am nächsten Tag besichtigt.

Das erste Weingut wurde am Freitagmorgen besucht. Hugo Brennfleck vom gleichnamigen 400 Jahre alten Weingut begrüßte uns um 10.30 Uhr im Hof. Bei einem Rundgang mit ihm erfuhren wir viel über Gebäude, Keller und Ausbau der Weine. Die Familie hat sich entschlossen, trotz der Verkehrsprobleme mitten im Ort zu bleiben. Dazu wurden alle Gebäude saniert, restauriert und innen auch umgebaut. Das Kelterhaus wurde sehr modern auf der anderen Straßenseite neu gebaut. Für den gelungenen Umbau und die Erweiterung gab es mehrere Auszeichnungen.
In einer wunderschönen Degustationsstube haben wir dann 9 Weine kommentiert verkostet. Das 29ha große Gut hat Weingärten im Iphöfer Kalb und Kronsberg, im Escherndorfer Lump, Rödelseer Küchenmeister und in den Sulzfelder Lagen. Da 55% mir Silvaner bestückt sind, waren fast alle Weine von dieser Rebsorte und alle trocken ausgebaut. Die Böden sind entweder Keuper oder Muschelkalk.

Wein Nr. 1    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner, Kabinett trocken
Gleich mit einem „Paukenschlag“ begann unsere Probe mit diesem sehr trockenen und mineralischen Silvaner vom Keuper.
Wein Nr. 2    2016 Silvaner „ANNA-LENA®“, Kabinett trocken, benannt nach der ältesten Tochter
Ein sauberer, fruchtiger, aber durch die höhere Restsüße ein etwas gefälliger, glatter Silvaner.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Sonnenberg, „Blauer Silvaner“, trocken, eine Mutation des Grünen Silvaner
Ein klarer und im Gegensatz zum Gelben Silvaner sehr würzig-fruchtig mit guter Säure
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner „Keuper·S“,·trocken
Wieder ein salzig- mineralischer Silvaner vom Keuper, sehr dicht gut strukturierte und mit einer leichten Süße.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Maustal, Silvaner „Muschelkalk·S“·, trocken
Das Gegenstück vom Kalkboden, daher wieder recht fruchtig, aber auch sehr dicht.
Wein Nr. 6    2016 „JHB Silvaner·S“·, trocken, Spontangärung, benannt nach dem jüngsten Sohn, Johann Hugo
Ein klarer, fruchtiger Silvaner aus dem Doppelstückfass im Abgang ein Hauch Holz.
Wein, Nr.7    2014 JHB Silvaner·S·, trocken, Spontangärung
Ebenfalls aus dem Doppelstückfass, jahrgangsgemäß aber nicht ganz so elegant.
Wein Nr. 8    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner, „Alte Reben“
Dieser Wein ist eigentlich für die gehobene Gastronomieschiene gedacht. Glücklich wer diesen Wein im Restaurant bekommt! Ein dichter, gut strukturierter, fruchtiger Wein mit zarter Süße.
Neben Silvaner werden zu 20% Burgundersorten, 5% Müller-Thurgau, 5% Riesling und 15% Diverse angebaut. Daher zum Abschluss noch ein Riesling.
Wein Nr. 9    2016, Escherndorfer Lump, „Himmelsleiter“, Riesling, Großes Gewächs, trocken
Als Großes Gewächs kommt dieser Wein sehr dicht, aber auch etwas füllig daher mit einer, deutlichen Riesling-Säure.

Bei den 8 Silvanern hat man sehr gut die Bedeutung des Bodens bemerkt, die Weine vom Muschelkalk sind fruchtbetont, die Weine vom Keuper hingegen mineralisch, salzig.
Hugo Brennfleck hat mit dieser Präsentation die Messlatte für die weiteren Proben, die anstehen, sehr hoch gehängt!

Nach einem kleinen Mittagessen im Vinothek & Vinobistro der Winzerfamilie Luckert trafen wir uns im Weingut Luckert. Da der Name in diesem Ort von mehreren Familien geführt wird, hat dieses Weingut den Beinamen „Zehnthof“, denn sie erwarben in den 70’er Jahren den fürstbischöflichen Zehntkeller.
Ulrich, Wolfgang und Philipp Luckert bewirtschaften mit ihren Familien. rund 17 Hektar Weinberge in den Sulzfelder Lagen.
Der Sohn Philipp führte uns durch den Nachmittag. Im verwinkelten Keller liegen zu 95% Holzfässer (Stück-, Doppelstück- und Barriquefässer). Alle Weine werden im Holzfass ausgebaut oder liegen zumindest für einige Zeit darin. Neben 50% Silvaner werden 15% Riesling und 35% übrige Sorten, darunter auch beachtliche Rotweine, angebaut. Das Weingut ist Mitglied im VDP und im „Naturland-Verband“
Zurück aus dem Keller fand die Probe in der Eingangshalle mit dem großen Reliefbild von Sulzfeld und seinen Weinbergslagen statt.

Wein Nr. 1    2016 Sulzfelder Müller-Thurgau, trocken
Ein fruchtiger, recht runder Müller-Thurgau mit guter Säure und mehr Süße
Wein Nr. 2    2016 Sulzfelder Silvaner, trocken
Ein recht fruchtiger Silvaner, der gute Struktur, etwas Süße und viel Säure für einen Silvaner besitzt.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Roter Silvaner, trocken
Ein recht klarer Silvaner mit zarter Herbe und Süße, guter Säure, für uns war der Unterschied zum Gelben Silvaner nicht so groß.
Wein Nr. 4    2016 Sulzfelder Blauer Silvaner, trocken
Hier hatten wir einen fruchtigen, recht weichen und würzigen Silvaner vor uns, der bei leichterer Struktur etwas mehr Süße zeigte.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken
Ein recht fruchtiger, würziger und zart mineralischer Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner „Gelbkalk“, trocken
Dieser Silvaner hatte eine etwas verhaltene Frucht, war aber trotzdem recht dicht und nachhaltig.
Wein Nr. 7    2016 Sulzfelder Gelber Muskateller, trocken
Dieser Gelber Muskateller war recht fruchtiger, gehörte aber zu den etwas breiteren und stärker parfümierten Gelber Muskatellern. Im Gegensatz zu den Silvanern zeigte er auch mehr Süße.
Wein Nr. 8    2015 Sulzfelder Frühburgunder, trocken
Zum Abschluss ein Frühburgunder: Wenig fruchtig, leichterere Struktur, ein Ton nach Kirschmarmelade mit Nelken.
Wir hatte eine erstklassige Probe mit Weinen, denen man den Ausbau im Holzfass anmerkte, zudem dicht, wohl durch die geringen Erträge. Viele verschiedene Sorten konnten wie vergleichen, der Silvaner war aber in der Überzahl.

Für den Abend hat unser Weinbruder und Organisator ein Wirtshaus ausgesucht, das durch seine 4½ (von 5) Punkten bei Trip-Advisor überzeugte: der Michelskeller. Mehrere Telefonate, Mails und am selben Tag noch ein persönlicher Besuch haben es dann möglich gemacht, dass wir abends dort auf dem Platz speisen konnten. Die Weinkarte enthielt keine definierten Weine, sondern nur die Rebsorten mit der Angabe: Weine aus eigenen Anbaugebieten. Bei einem leckeren Flaschenbier warteten wir dann auf unser Essen. Da alles frisch zubereitet wurde, hatten die letzten um 21.30 Uhr ihren Teller vor sich. Halt! Nicht alle! 3 Bestellungen wurden vergessen. Eigentlich war der Koch zu diesem Zeitpunkt nur vorbeigekommen, um sich zu verabschieden. Also: noch mal Schürze umbinden und wieder an den Herd. So kamen die letzten drei doch noch zu ihrem Essen.

Am Samstagmorgen brachten uns mehrere Taxis zum ca. 12 km entfernten Weinort Rödelsee, genauer gesagt, zum Weingut Weltner.
Paul Weltner begrüßte uns und führte uns sogleich auf die von Wein umrankte Terrasse.  Während der Probe erzählte er vieles zu den Lagen und was er unter „Wein machen“ versteht.
Der VDP-Betrieb hat eine Gutsgröße von 11ha, Hauptrebsorte mit 60% ist der Sylvaner (wird im Weingut wirklich immer mit „y“ geschrieben), es folgen der Riesling mit14%, 8% Weißburgunder, 8%Scheurebe und 10 % Übrige, darunter auch Sauvignon.
Die Lagen sind im Rödelseer Küchenmeister, der insgesamt eine Rebfläche von 70ha hat, in der Rödelseer Schwanleite, und im Julius-Echter-Berg in Iphofen.
Paul Weltners Philosophie: Wenn man die Böden gesund hält, im Weinberg viel Handarbeit macht und rechtzeitig, nicht erst zum Zeitpunkt der Vollreife liest, ist der größte Teil der Arbeit schon getan. So entstehen schlanke aber doch komplexe Weine, die eine hohe Trinkfreude bescheren.

Wein Nr.1     2016 Sommer Cuvée, weiß, trocken
Eine Cuvée aus Sylvaner, Scheurebe und Müller-Thurgau vom Gipskeuper. Ein sauberer, fruchtiger, recht würziger Terrassenwein.
Wein Nr. 2    2016 Sylvaner Rödelsee,
Ein weicher, leicht erdig-mineralischer Silvaner mit Spur von Sponti-Noten
Wein Nr.3     2016 Rödelseer Küchenmeister Sylvaner, trocken
Sauberer, klarer, frischer, zart mineralischer Silvaner, der 4 – 8 Std. auf der Maische gestanden hatte und dadurch auch etwas mehr Struktur zeigte.
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Julius-Echter-Berg Sylvaner, trocken
Wieder vom Keuper und daher ein zart mineralischer, weicher, runder Silvaner. Er zeigte mehr Dichte, war aber noch etwas verschlossen.
Wein Nr. 5    2016 Julius-Echter-Berg Sylvaner „R“ Erste Lage nach VDP, trocken
Dieser Reserve-Wein hatte 12 Mon. auf der Vollhefe gelegen und präsentierte sich als, dichter, voller, nicht breiter, aber cremiger Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Rödelsee Weißer Burgunder, trocken
Hier hatte wir einen fruchtigen, Spur mineralischen Weissburgunder; der noch einen von Hauch Sponti-Noten zeigte.
Wein Nr.7     2016 Rödelseer Küchenmeister, Riesling, trocken
Ein fruchtiger, frischer, zart mineralischer Riesling.
Wein Nr. 8    2016 Rödelseer Küchenmeister Sauvignon Blanc, trocken
Vielleicht ein Exot für Franken, aber hier hatten wir einen frischen, fruchtigen, zart mineralische Sauvignon blanc mit, dezent grüner Frucht, der nicht wie ein Neuseeländer daherkam, sonst vollständig die mineralische Linie des Weinguts passte
Wieder einmal ging eine wunderbare Degustation zu Ende.

Nach dem Abschied brachten uns die Taxis ins von hier 20 km entfernte Frickenhausen.
In der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ haben wie im Gastgarten sehr lecker zu Mittag gegessen.
Hier fand anschließend auch die Weinprobe mit dem Weingut Bickel-Stumpf statt.
Melanie Stumpf-Kröger begrüßte uns und brachte vom nahe gelegenen Betrieb.
8 Weine mit. Nachdem sie den ersten Wein ausgeschenkt hat begann sie mit der spannenden Geschichte der Entstehung des VDP-Weingutes.
Mit einem VW-Käfer fuhr Reimund Stumpf zum ersten Mal 1971 von Thüngersheim nach Frickenhausen um seine neue Freundin Carmen Bickel zu besuchen. Nach der Hochzeit im Jahre 1976 verbanden sie die elterlichen Güter zum Weingut Bickel-Stumpf mit Stammsitz in Frickenhausen und Kellerei in Thüngersheim. Inzwischen liegt der Weinbau in den Händen der Kinder Melanie und Matthias Stumpf. In Frickenhausen findet man vor allem Muschelkalkböden, die Weine mit Schmelz liefern und in Thüngersheim hauptsächlich Buntsandstein, diese Weine sind eher mineralisch. Der Rebsortenspiegel umfasst 65% Silvaner, 15%Riesling und 10%Spätburgunder, zudem Müller-Thurgau, Scheurebe, Domina, Cabernet Dorsa, Portugieser, Blaufränkisch und ein neu gepflanzter Fränkischer Gemischter Satz. Die Weißweine werden in Edelstahltanks ausgebaut, so entstehen klassische, geradlinige Silvaner. Die junge Serie „twentysix“ besteht jeweils aus einem Medley der vielen verschiedenen Rebsorten und wird im Keller von den Kindern Melanie und Matthias kreiert.

Wein Nr.1     2016 Thüngersheimer Silvaner, „Buntsandstein“, trocken („Papas Wein“)
Ein fruchtiger, etwas zarterer, filigraner Silvaner von Buntsandstein und daher zarter als der Silvaner vom Muschelkalk
Wein Nr.2     2016 Frickenhäuser Silvaner, „Muschelkalk“, trocken („Mamas Wein“)
Dieser Silvaner präsentierte sich als dichter und fruchtiger Silvaner mit mehr Fülle als der Silvaner vom Buntsandstein.
Wein Nr.3     2016 Thüngersheimer Johannisberg Silvaner, trocken („Papas Wein“)
Wieder ein klarer, zart mineralischer, fruchtiger und eleganter Silvaner vom Buntsandstein mit feiner Säure.
Wein Nr.4     2016 Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner, trocken („Mamas Wein“)
Hier der fruchtige, dichte, aber auch elegante Silvaner aus einer sehr warmen Kalkstein-Lage, der trotzdem noch eine feine Säure hatte.
Wein Nr.5     2015 Frickenhäuser Kapellenberg, Mönchhof, „Großes Gewächs“
Als Großes Gewächs mit Maischestandzeit und Ausbau im 500 l-Fass. Es war ein fruchtiger, dichter, aber nicht fetter Silvaner mit deutlicher Säure und einem Hauch Vanille vom Holzfass.
Wein Nr.6     2016 Thüngersheimer Johannisberg Scheurebe, trocken
Eine dichte, fruchtige, aber nicht aufdringliche Scheurebe mit guter Säure, kaum erkennbar, dass sie spontanvergoren war.
Wein Nr.7     2016 Riesling, „Muschelkalk“, trocken
Und zum Abschluss noch einen Riesling, fränkisch trocken fruchtig mit deutlicher Riesling-Säure
Es hat Spaß gemacht, der Familiengeschichte zuzuhören, die Weine zu verkosten und die Unterschiede der beiden Terroirs zu riechen und zu schmecken. Nach der Verabschiedung fuhren wir wieder zurück nach Sulzfeld (ca. 8 km). Abends hatten wir das beste Essen der Tour, im Gasthaus „Zum goldenen Löwen“. Hier stimmte einfach alles, die Speisen, der Wein und die diversen anderen Getränke.
Eine etwas verkleinerte Truppe traf sich am nächsten Morgen in Würzburg an der Feste Marienberg um an einer Führung teilzunehmen.
Der Marienberg ist schon seit der späten Bronzezeit besiedelt. Dort befand sich im 8. Jh. wahrscheinlich ein Kastell mit einer Kirche, die 741 Bischofskirche wurde. Ab 1200 begann man mit dem Bau einer sehr großen Burg, die im Spätmittelalter und in der Renaissance ausgebaut und erweitert wurde. Nach der Zerstörung 1945 begann man bald mit dem Wiederaufbau, der bis 1990 dauerte.
Wir haben anschließend auch den1300 Quadratmeter große Fürstengarten besucht, von dem aus man einen wunderbaren Blick über die Stadt Würzburg hat.

Im Anschluss fuhren alle zum Weingut Reiss, das hatte nämlich an diesem Wochenende sein Hoffest. Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, begrüßte unsere Gruppe herzlich. Er war am 4. Mai bei uns in Köln zu Gast und hatte uns damals eingeladen. Nach den vielen vorhergegangenen Weinproben wurde nur noch wenig Wein probiert, aber sehr gut gegessen, sowohl bei den Mittagsangeboten als auch am Tortenbuffet.
Damit endete eine sehr interessante Weinerlebnisreise ins Maindreieck!

Ein sehr herzlicher Dank geht an die vier Winzer, Hugo Brennfleck, Philipp Luckert, Paul Weltner und Melanie Stumpf-Kröger. Sie haben alle, jeder auf seine individuelle Art und Weise Ihr Weingut und Ihre Weine sehr gut repräsentiert.
Wir danken auch der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ für die Breitstellung der Terrasse zur Weinprobe, und dem Gasthaus Stern“ in Sulzfeld. Hier gab es für uns immer einen Platz in Gastgarten, obwohl alles ausgebucht war und zu jeder Zeit gut gekühlte Flaschenweine.
Jetzt fehlt noch einer: Wilfried, wir danken Dir, das war wieder toll organisiert, und die Winzer sehr gut ausgesucht! Wie viele Telefonate, Mails und sogar Vorabreisen da wohl nötig waren? Ganz lieben Dank und bis zur nächsten Tour!
Verfasser: Käthe

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Weinprobe mit dem Weingut Glaser-Himmelstoß, Nordheim am 18.05.2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

Im Rahmen unserer Weinproben zum Jahresthema Franken konnten wir das Weingut Glaser Himmelstoss begrüßen, das von Herrn Wolfgang Glaser persönlich vorgestellt wurde.

Die Weingüter Hans Himmelstoss in Dettelbach und Siegfried Glaser in Nordheim wurden 1977 durch die Heirat von Monika Himmelstoss und Wolfgang Glaser zusammengelegt.
Heute befindet sich die gemeinsame Betriebsstätte mit dem Weinkeller in Nordheim, während die Gebäude in der Altstadt von Dettelbach für eine Vinothek und das Restaurant genutzt werden.

Rebfläche: 15ha, Jahresproduktion: ca.100.000 Flaschen
Rebsorten: 26% Silvaner, 25% Müller-Thurgau, 10% Riesling, 6% Spätburgunder, 33% übrige Sorten
Durchschnittsertrag: 45 hl/ha
Die Lagen des Weinguts befinden sich in den Gemeinden Nordheim, Sommerach und Dettelbach.

Das Grundgestein des Nordheimer Vögeleins ist der obere Muschelkalk. Dieser Fels besitzt eine Auflage von Sanden aus dem Fichtelgebirge. Die Hangausrichtung der Weinberge geht von Südwest bis Nordwest.
Der Sommeracher Katzenkopf grenzt an den Nordheimer Vögelein an. Dort liegt auf dem Gestein des oberen Muschelkalks eine Auflage aus Kalk- und Kalkmergel­gestein. Die Hangausrichtung der Weinberge ist Südsüdost bis Südwest
Der Dettelbacher Berg-Rondell ist ein klassischer Prallhang, der sich von Südsüdost nach Südsüdwest zieht. Die Reben stehen hier direkt auf dem mit Lehm versetzten Verwitterungsgestein des oberen Muschelkalks.

Durch diese unterschiedlichen Böden hat das Weingut die Möglichkeit sehr differenzierte Weine herzustellen.

Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Riesling brut, vom Weingut Oekonomierat Johann Geil, der von unserem Weinbruder Klaus Meurer anlässlich seines 50.Geburtstags gestiftet wurde.
Blasses Grüngold mit zarter Perlage, leicht vollreife Noten, recht cremig im Mund, ein gutes Gewicht für 12,0% Alkohol, frische Säure und harmonisch abgestimmt.

Der offizielle, fränkische Teil unsere Weinprobe startete mit einem 2016’er Dettelbacher Müller Thurgau von 50 Jahre alten Reben, die Muschelkalk stehen.
Während der einfachere Rivaner aus dem Trauben der ersten Lese mit Ganztrauben-Pressung und anschließend normaler Vergärung gewonnen wurde, wurden für diesen Wein die Trauben entbeert und bei 10 – 15°C vergoren. Für etwas mehr Struktur wurden noch mit 5% maischevergorenem Müller Thurgau verschnitten

So entstand ein dichter, würziger, aber auch zarter, nicht aufdringlicher Müller Thurgau mit dezenter Herbe.

Es folgten dann vier Silvaner aus unterschiedlichen Lagen und unterschiedlichen Methoden der Weinbereitung.

Bei Verkostungen mit guten weißen Burgundern oder auch Grüner Veltliner-Weinen aus der Wachau war im Weingut aufgefallen, dass die die eigenen Silvaner Schwächen beim Alterungsvermögen zeigten. So war z.B. bei vollreifen Silvaner-Trauben die stabilisierende Säure teilweise verloren gegangen. Um die Alterungsfähigkeit wieder zu verbessern, wurde daher mit (anteilig) maischevergorenen Weinen experimentiert, um so Tannine aus der Beerenhaut zu extrahieren und die Weine besser zu stabilisieren.

Unser erster Silvaner war der 2015’er Dettelbach Silvaner
Dieser Ortwein war „normal“ vergoren worden und zeigte sich als dichter, zart mineralischer und fruchtiger Silvaner ohne große Anspüche auf lange Lagerung

Eine Steigerung war dann der 2015’er Sommeracher Katzenkopf, eine Erste Lage nach VDP, vom Kalkmergel mit dünner Flugsandauflage, der nicht aus Grünem Silvaner, sondern aus Gelbem Silvaner gekeltert worden war und auch länger auf der Hefe gelegen hatte. Dadurch zeigte er mehr Dichte und Fülle bei guter Frucht und zart vollreife Noten.

Dann folgte der 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, ebenfalls eine Erste Lage nach VDP. Ein Grüner Silvaner aus Trauben, die von 50 Jahre alten Reben stammten, nach 24 Std. Maischestandzeit spontan vergoren und danach im Edelstahl weiter ausgebaut wurden.
Durch die Kraft der alten Reben hatte der Wein eine dichte, weiche Frucht, ebenfalls zart vollreife Noten und durch die längere Maischestandzeit eine leichte Herbe am Gaumen.

Den Abschluss macht dann ein ganz anderer Wein, der 2015’er Dettelbacher Silvaner, maischevergoren. Unter Trockeneiszugabe (um eine Oxidation zu verhindern) standen die Trauben 3 Wochen auf der Maische und wurden dann im kleinen, aber nicht getoasteten Holz ausgebaut.
Dadurch war ein ungewöhnlicher Silvaner entstanden, der eine sehr dichte, sehr trockene, aber weiche Frucht besaß und neben einer leichtern Herbe mit einer Spur Kräutertönen austrumpfte.

Neben der fränkischer Leitsorte Silvaner durfte der Riesling natürlich nicht fehlen

Zuerst verkosteten wir einen leicht restsüßer 2015‘er Nordheimer Riesling, Kabinett
Das war ein sauberer, fruchtiger Riesling im echten Kabinett-Stil, der ein feines Süße-Säure-Spiel zeigte. Unter den allgemeinen trockenen Weinen in Franken hätten wir diesen Reis-Stil nicht erwartet.

Als Steigerung folgte der trocken ausgebaute 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP.
Ein dichter, zart mineralischer, eleganter Riesling der auch eingefleischten Mosel-Liebhabern gefiel.

Eine Spezialität des Weingutes ist der Traminer. Hier konnten wir zwei trockene Weine probieren.

Als Ortswein war der 2016‘er Nordheimer Traminer im Edelstahl ausgebaut und dadurch recht fruchtig und frisch.
Der zweite Wein war dann der 2015‘er Nordheimer Traminer, der im Barrique vergoren war und während der Hefelagerung eine Battonage erfuhr.
Er zeigte mehr Kraft und Dichte und eine weichere, aber sehr zurückhaltende, dezente Traminerfrucht.

Zum Portfolio des Weinguts gehören auch Burgunderweine, von denen drei trocken Burgunder folgten:

Der 2015’er Nordheimer Weissburgunder „Denker“
war ein, dichter , eleganter  und weicher, Weissburgunder mit zart exotischen Noten und leichter Süße

Sein Pendant als Grauburgunder, der 2015’er Nordheimer Grauburgunder „Denker“
lag auf gleichem Qualitätsniveau: Ein dichter, recht fruchtiger Grauburgunder mit zarter Süße.

Ganz anders präsentierte sich dann der 2015’er Dettelbacher Grauburgunder, denn er war maischevergoren. Dadurch hatte er mehr Dichte und Struktur, war aber noch verschlossen und nicht so fruchtbetont. Ihm sollte man noch Zeit lassen zum Reifen lassen.

Quasi als „Nachtisch“ durften wir dann noch zwei edelsüße Weine probieren.

Der 2013’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP war eine Müller Thurgau-Beerenauslese, im Sauternes-Stil im Barrique vergoren und dadurch neben zarten Holztönen, mehr Alkohol zart vollreifen, süßsauren Noten, leichte Botrytis und sehr dezentes Holz zeigte.

Die Silvaner-Trockenbeerenauslese 2015’er Sommeracher Katzenkopf, Erste Lage nach VDP war dagegen klassisch vergoren und ausgebaut worden.
Eine dichte, fruchtige, fette Trockenbeerenauslese mit dezenter Süße und feiner, süßsaurer Frucht.

Damit waren entgültig am Ende unserer Probe angekommen, die uns einen guten Einblick in Weine des Weinguts gegeben hat. Die Probe war gleichzeitig ein hervorragendes Lehrstück, wie der Winzer aufgrund der Lage und der Ausbauart die Eigenschaften des Weines verändern kann. Dafür möchten wir uns bei Herrn Wolfgang Glaser bedanken und dass er sich trotz der dringend anstehenden Arbeiten im Weinberg doch die Zeit genommen hat, uns zu besuchen.

Verfasser: Dieter

2017_05_Weingut Glaser Himmelstoß Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Weingut Christian Reiss, Würzburg vom 04.05.2017

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, war persönlich anwesend um das Weingut und seine Weine vorzustellen.
Das Weingut wurde 1960 durch seinen Vater begründet, der mit diesem Jahrgang auch erstmalig selber abfüllte. Davor war gemischte Landwirtschaft betrieben worden. Er selbst ist ausgebildeter Weinbautechniker, hat schon in den 90er Jahren die Kellertechnik des Weinguts verantwortet und es ab 2003 vollständig vom Vater übernommen. Heute wird das Gut mit 3 Sternen im Gault Millau bewertet.
Das Weingut verfügt über 17,5 ha Rebfläche, die Rebsortenverteilung ist:
35 % Silvaner
15 % Müller-Thurgau
10 % Burgunderrebsorten
10 % Riesling
30 % verteilt auf viele andere Rebsorten wie Traminer, Scheurebe, Morio-Muskat, Bachus, Portugieser, Schwarzriesling, Spätburgunder
Die Böden sind größtenteils reine Muschelkalkböden, die besten Lagen der Würzburger Stein und der Randersackerer Pfülben.
Seine Zukunft sieht das Weingut verstärkt bei den Weißweinen. Besonders wichtig ist Christian Reiss die Fruchtigkeit seiner Weine. Er setzt den Großteil seines Weins nicht über den Handel sondern an Privatkunden ab und hat dazu jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen auf dem Weingut.

Zu den Weinen:
Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Silvaner brut, Methode Champenoise, gestiftet von unserer Weinschwester Petra Tenne anlässlich Ihres kurz zurückliegenden 60.Geburtstags.
Blasses Grüngold, zarte Perlage, noch etwas  hefige Zitrusfrucht, sehr cremig im Mund, viel Gewicht für 12,5% Alkohol, gute Säure, harmonisch abgestimmt, mittlere Länge.
Wein 1: 2016 Würzburger Stein Müller-Thurgau, Kabinett trocken
Ein mittels Ganztraubenpressung und Kaltvergärung zu 100 % mit Reinzuchthefen im Edelstahl erzeugter Wein.
Muskatig-süßliche Nase, traubige Frucht, rund im Mund, milde Säure, etwas dienende Restsüße, ein einfacher, unkomplizierter, gut gemachter Wein.
Wein 2: 2016 Würzburger Pfaffenberg Grauer Burgunder, Kabinett trocken
Ebenfalls mit Ganztraubenpressung erzeugt aber mit höherer Gärtemperatur.
Helles Grüngold, sehr primärfruchtige Nase, weiße Blüten, Nüsse, im Mund ganz trocken, gutes Gewicht, milde Säure, geradlinig, mittlere Länge.
Wein 3: 2016 Würzburger Pfaffenberg Spätburgunder Kabinett Blanc de noirs trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung  zu 10 % spontan vergoren.
Leichte Apricot-Farbe, traubig, erdbeerfruchtige Nase, gute Würze, schöne Säure, trocken, nicht viel Spiel, aber sauber und gut.
Wein 4: 2016 Veitshöchheimer Sonnenschein Riesling Kabinett trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung im Edelstahl kaltvergoren, war aber 2 Monate auf der Feinhefe im Holzfass
Helles Grüngold, sehr traubig-primäre, süßliche Nase, etwas Eiche (großes Holzfass), im Mund cremig, weinig, der Alkohol durch die Säure gut gepuffert, schöne Würze, gute Länge.
Wein 5: 2016 Randersackerer Pfülben Riesling Spätlese trocken
Erzeugt von 28 Jahre alten Reben mit einem Ertrag von 40 hl/ha, spontan vergoren, dabei bei 6,5 g RZ/l in der Gärung stehen geblieben, ca. 3 Monate im Holz, wurde erst dese Woche leicht filtriert und zurück in den Edelstahl gebracht, Fassmuster.
Der Wein wurde kontrovers beurteilt, auch Christian Reiss selbst sah ihn nach dem Schock des Umziehens momentan nicht in guter Trinkverfassung.
Reifendes Grüngold, gelbfruchtige, würzige, erdige Nase, im Mund sehr weich, trotz 7,9 g/l Säure relativ wenig Spiel, unruhig, die Elemente Süße, Säure und Alkohol stehen etwas nebeneinander.
Wein 6: 2016 Würzburger Pfaffenberg Traminer Spätlese trocken
Reifendes Grüngold, deutliches Rosen-Litschi-Aroma, sehr süßlich in der Nase, im Mund mit viel Gewicht, niederer Säure, etwas dienender Restsüße, leicht sättigend, nicht viel Länge
Wein 7: 2015 Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Spätlese „Holzfass“ trocken
Von diesem Wein wurden 30% für 10 Tage auf der Maische gelassen, anschließend, wie die restlichen 70 % spontan im Barrique vergoren.
Glänzendes Goldgelb, etwas Neuholz in der Nase, birnige, florale und kräuterige Noten, im Mund etwas Karamell- und Röstaromen, viel Fülle, weinige Säure, trotz des hohen Alkohol nicht brandig, aber wenig Silvaner-Typizität.
Wein 8: 2015 Würzburger Pfaffenberg Weißer Burgunder Spätlese Holzfass trocken
Für diesen Wein wurde starke Ertragsreduzierung mittels Traubenteilung im Frühjahr, grüner Lese im August und Vorlese duchgeführt, er wurde 6-12 h auf der Maische gelassen und anschließen in Barriques (davon 1/3 neu) spontan vergoren mit zweimal wöchentlicher Batonnage, und anschließendem BSA.
Dunkles Goldgelb, Nase deutlich vom Holz geprägt (eher vanillig als rauchig-röstig), etwas Anis, im Mund viel Gewicht, Alkohol durch Säure gut gepuffert, rund, weinig.
Wein 9: 2015 Silvaner Spätlese Amphore trocken
Dieser Wein wurde nach einer Woche Maischestandzeit in 250l Amphoren aus Kreta spontan vergoren und verblieb danach 9 Monate in der Amphore, wurde aber geschwefelt und filtriert (also kein klassischer Orange-Wein)
Dunkles Goldgelb, etwas rosinige Überreife und starke Karamellnote in der Nase, im Mund ganz trocken, niedere Säure, schwer aber nicht plump, allerdings sehr sattmachend.
Wein 10: 2016 Würzburger Pfaffenberg Scheurebe Kabinett
Mit Reinzuchthefen im Edelstahl bei 12-13 Grad Celsius vergoren, Gärstopp durch weitere Abkühlung.
Helles Grüngold, traubig, grünliche, grasige Aromen, im Mund zarte Süße, schöne Säure, leicht und gut
Wein 11: 2016 Thüngersheimer Scharlachberg Rieslaner Spätlese
Helles Grüngold, Nase nach Muskat und exotischen Früchten, schönes Süße-/Säurespiel, allerdings stehen diese Elemente derzeit noch etwas nebeneinander.
Wein 12: 2015 Randersackerer Pfülben Riesling Beerenauslese
Reifes Goldgelb, Nase nach Honig, exotischer Frucht, Nüsse, im Mund sehr süß, dürfte zur perfekten Harmonie noch mehr als die 8,6 g/l Säure haben, ölig, viel Geschmacksfülle, sehr lang.

Bruderschaftsmeister Dieter Ockelmann bedankte sich im Namen der Weinbruderschaft für die sehr gut zusammengestellte Probe und den kenntnisreichen und enthusiastischen Vortrag von Herrn Reiss mit einem Geschenk der Weinbruderschaft für seine Vinothek.

Verfasser: Bernd

2017_04_Weingut Reiss Probenergebnis

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Raritätenprobe mit Weinen vom Weingut J. B. Becker am 19.01.2017

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Bei unseren Verkostungen können wir normalerweise nur sehr junge Weine, meistens aus dem letzten Jahrgang verkosten, da die älteren Jahrgänge beim Winzer schon lange ausverkauft sind. Diese jungen, frisch gefüllten Weine sind in den besseren Qualitäten dann noch weit von ihrem Optimum entfernt. Deshalb wollten wir uns in einer Raritätenprobe an das Geschmackserlebnis herantasten, wie gut sich gereifte Wein entwickeln können.
Einer der wenigen Winzer, die noch gereifte Weine im Verkauf haben und das zu bezahlbaren Preisen, ist das Weingut H.J.Becker aus dem Rheingau.
Hans-Josef  Becker gilt als der Traditionalist unter den Rheingauer Winzern. Das Weingut hat sich auf die Rebsorten Riesling und Spätburgunder beschränkt und baut auf 11 ha im Umkreis von Walluf seine Reben biologisch an. Etwa 45.000 Flaschen werden pro Jahr produziert. Alle Weine werden spontan vergoren und reifen dann fast ein Jahr im großen Holzfass. (die Rotweine sogar bis zu 3 Jahren), d.h. die Herstellung findet immer noch auf die traditionelle Art statt. Da die Weine nicht für den schnellen Konsum gemacht sind, zeigen sich ihre Qualität und ihre Feinheiten erst nach längerer Reife.
Für unsere Raritäten-Verkostung hatten wie je einen Flight mit trocken und einen zweiten Flight mit restsüßen Rieslingsweinen vorgesehen, die aus den Jahrgängen von 1992 bis 2012 stammten.

Wir starteten mit den trocken Rieslingen und arbeiteten uns von den jüngeren zu den älteren Weinen vor. Alle diese trockenen Weine stammten aus der Lage Wallufer Walkenberg. Die Reben stehen hier auf einem nach Südwesten ausgerichtetem Hang auf tiefgründigem Lösslehm mit kiesigem Untergrund.

Die Probe begann mit dem 2012’er Riesling Wallufer Walkenberg. Während dieser Jahrgang bei anderen Winzern schon lange nicht mehr im Sortiment verfügbar ist und die einfacheren Weine auch schon ausgetrunken sein sollten, zeigte dieser Riesling noch viel Frische mit einem Hauch Reife und einer leichten Hanfnote. Da es unsere erster Wein war und dieser Weinstil für die Meisten ungewohnt war, schwankten die Einzelwertungen um 5 Punkte. (Normalerweise liegt die Schwankungsbreite bei 2,5 bis 3 Punkten)
Der nächste Wein, der 2010’er Riesling Wallufer Walkenberg. kam aus einem für die Winzer nicht einfachen Jahr, dass sich einerseits durch große Mineralik sowie Extraktwerte und andererseits durch hohe Säurewerte auszeichnete. Unser Riesling zeigte welch hohes Potential hier vorlag. Trotz seines Alters war er sehr klar und elegant mit einer leichten Citrusnote und frischer Säure. Allerdings wurde dieses extreme Geschmacksbild nicht von allen gewürdigt.
Beim 2009’er Riesling Wallufer Walkenberg war das dann einfacher, denn der Wein stammte aus einem warmen Jahr und zeigte sich deshalb viel weicher, runder und voller. Hier streuten die Einzelwertungen auch nur um 3,5 Punkte.
Ein Jahr älter war dann der 2008’er Riesling Wallufer Walkenberg, Alte Reben. Trotz seines Alters war er noch immer sehr klar, elegant und gradlinig mit feiner Säure und fester Struktur. Die Selektion aus alte Reben bewies uns, welche Qualität man aus den alten Rebstöcken erzeugen kann.
Der nächste Wein, der 2002’er Riesling Wallufer Walkenberg, war dann schon fast ein Methusalem. Für sein Alter war er aber noch erstaunlich frisch, fruchtig und fest strukturiert. Solche Raritäten zu verkosten ist ein Erlebnis, denn die meisten anderen Weißweine dieses Alters taugen nicht einmal mehr zum Kochen.
Noch einmal 10 Jahre älter war dann der 1992’er Riesling Wallufer Walkenberg. Auch er präsentierte sich noch recht frisch und hatte eine gute Struktur, aber er konnte seine leichten Reifenoten nicht verbergen und hatte auch schon etwas an Klarheit verloren. Das zeigte sich auch bei der Bewertung, denn er wurde um einen Punkt niedriger gewertet als der 2002’er. Für eine trockene Spätlese dieses Alters hatte er trotzdem eine erstaunliche Qualität.

Für die nächsten Spätlese-Weine, die jetzt alle Restsüße hatten, wechselten wir in die Lage Eltviller Sonnenberg, einer nach Süden ausgerichteten Lange. Die Böden bestehen hier aus Löss und Lösslehm mit teilweise kiesigen Einlagen, was den Weinen neben Fülle auch eine mineralische Säurestruktur verleiht.
Der 1992’er Riesling Eltviller Sonnenberg feinherb hatte durch den höheren Zuckergehalt sein Alter besser überstanden als sein trockenes Pendant. Eine zarte Reife, aber immer noch sehr klar und fruchtig.
Mit einem großen Jahrgangssprung kamen wir dann zum 2007’er Riesling Eltviller Sonnenberg. Ein Wein mit viel Frische, einer exotischen Note nach Ananas und nur zarter Reifenote.. Er wurde nur geringfügig besser benotet als der 1992’er, aber die Abweichung in den Einzelwertungen lag nur bei 3,5 Punkten.
Mit dem 2008’er Riesling Eltviller Sonnenberg folgte ein Wein aus einem klassischen Riesling-Jahr. Sehr dicht und fruchtig mit viel Säure und ausgewogener Süße. Er wurde etwas besser als sein Vorgänger bewertet, allerdings schwankten die Wertungen wieder extrem um 5 Punkte.
Der nächste Wein, der 2009’er Riesling Eltviller Sonnenberg kam aus einem wärmeren Jahr und war dadurch weicher, runder, fülliger allerdings aber auch weniger prägnant in der Säure. Er besaß nicht die brillante Frucht wie der 2008’er, aber aufgrund der weicheren, gefälligeren Art gefiel er den meisten besser und wurde deshalb höher bewertet.
Dann kam der 2010’er Riesling Eltviller Sonnenberg. Während beim trockenen Riesling viele Verkoster Schwierigkeit mit der höheren Säure hatten, erschien dieser Wein durch die höhere Restsüße deutlich weicher und runder. Gleichzeitig war er dicht, vielschichtig und elegant und zeigte ein sehr feines Süße-Säurespiel. Das verhalf ihm zu höchsten Bewertung des Abends. (Hieran kann man auch erkennen, warum die restsüßen Rieslingweine vom Rheingau vor dem ersten Weltkrieg eine so hohe Wertschätzung besaßen)
Nach diesem 2010’er Riesling hatte es der 2012’er Riesling Eltviller Sonnenberg schwer. Er war etwas breiter und fülliger, gefiel den meisten aber dennoch recht gut und wurde so der zweitbeste Riesling des Abends.
Damit war unsere Verkostung aber noch nicht beendet. Herr Becker hatte uns als Bonus noch einen 2009’er Spätburgunder Wallufer Walkenberg geschenkt.
Für einen deutschen Spätburgunder zeigte er sich sehr klar und frisch, ohne breite, vollreife, pflaumiger Noten. Diese Qualität hatte kaum einer erwartet und so bekam er die zweitbeste Bewertung bei gleichzeitig der kleinsten Abweichung der Einzelwertungen.

Damit endete ein Abend der hoffentlich unseren Horizont für gereifte Weine deutlich erweitert hat. Dass diese Weine nicht einfach zu probieren waren, zeigte sich daran, dass wir bei keiner anderen Probe so große Abweichungen zwischen den Einzelwertungen hatten. Vielleicht sollten wir deshalb Raritätenproben wiederholen, um zu zeigen, wie gut Riesling-Weine altern können.

Für die Moderation möchten wir unserem Weinbruder Bernd Kögler danken.

Verfasser: Dieter

2017_01_Raritätenprobe JB Becker Probenergebnis

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Weinprobe Sizilien am 15.12.2016

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Das regionale Landwirtschafts-Institut IRVOS unterteilt die Insel mit ihren kleinen Weinbauinseln Lipari, Salina oder Pantelleria in 17 Territorien.
Doch sind dies namentlich nicht die DOP-Weinbaugebiete, sondern übergeordnete, geografische Bezeichnungen wie Terre Sicane oder Nebrodi. Das Ganze lässt sich in einem ersten Schritt auf drei kulturell, landschaftlich, historisch und produktionstechnisch maßgebliche Weinwelten reduzieren:
den Westen mit den Orten Palermo, Trapani, Marsala
den Südwesten mit Agrigento, Menfi, Noto, Syracusa
und den Osten mit Messina und dem Etnagebiet.

Auf alle Regionalgebiete näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Proben­berichts sprengen.

Karte der Weinanbaugebiete
(mit freundlicher Genehmigung von Weinwelten,  http://www.wein-welten.com)

 

 

 

 

 

 

Die Rebfläche wird in einer Quelle mit ca. 200.000 ha (d.h. Weintrauben 179.000 ha, Tafeltrauben & Rosinen 21.000 ha), in einer anderen mit 112.700 ha angegeben. Diese Diskrepanzen sind uns auch schon bei anderen italienischen Weinbaugebieten begegnet.
Auf jeden Fall ist die Rebfläche grösser bzw. erheblich grösser als die von ganz Deutschland (ca. 102.000 ha).
Die Gesamt-Produktion wir mit ca. 10 Mio. hl angegeben, das entspricht in etwa der deutschen Weinproduktion (10-Jahresmittel 9,25 Mio hl)
Sizilien ist mit der Insel Pantelleria und den Liparischen Inseln die größte Weinanbauregion Italiens. Der Anteil an der italienischen Weinproduktion beträgt ca. 15 %.
Jahrzehntelang wurde hauptsächlich Menge produziert, aber immer mehr Winzer erkennen das Potenzial Ihrer Weine und setzen auf Qualität statt Quantität. Da das Geschäft mit den anonymen Massenweinen zusammengebrochen ist, setzt die neue Generation auf Qualität.
Meist sind die Weingüter in Familienbesitz, neben Wein werden oft auch Oliven angebaut und nicht selten gehören auch Schafe und Ziegen zu einer Azienda. Heute sind die Söhne und Töchter der Weinerzeuger gut ausgebildet, hoch motiviert und wollen zurecht beweisen, dass Sie im Gegensatz zu Ihren Vätern auch Spitzenweine produzieren können – seit Juli 2005 gibt es sogar den ersten DOCG-klassifizierten Wein auf Sizilien. Noch sind DOC-Weine aber eher selten (nur ca. 3 % der Gesamt-Rebfläche), zudem ist diese Auszeichnung für die „Jungen“ kein Muss, da IGT Weine in Italien aus einen sehr guten Ruf genießen.
Es gibt derzeit
1 DOCG Gebiet
23 DOC/DOP Gebiete, darunter auch die DOP „Sicilia“ in allen Regionalgebieten
7 IGT Weine

Rebsorten auf Sizilien
Trotz des heißen und trockenen Klimas auf Sizilien gibt es deutlich mehr Weißwein als Rotwein. Dafür ist der Marsala verantwortlich, der den sizilianischen Weinmarkt historisch dominierte. Seit Mitte der 1990er Jahre ist jedoch der Rotweinanteil gewachsen, auch weil die einheimischen und neu angekommenen Weingüter internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gepflanzt haben. Diese Neupflanzungen befinden sich fast alle im Inselwesten in Reichweite der Hauptstadt Palermo.
Die bekannteste und beliebteste Rebsorte ist der Nero d’Avola. Zahlreiche andere traditionelle oder autochthone Rebsorten wie Zibibbo, Catarratto, Grillo, Frappato, Perricone, Carricante oder Inzolia werden heute unter ihrem Namen ausgebaut und sind zusammen mit der Nennung der bekannter werdenden Anbaugebiete (z.B. Etna) Symbol für die Vielfalt der Weinregion Sizilien.
An nicht sizilianischen Sorten bringen vor allem der aus der Toskana stammende Trebbiano sowie der französische Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon gute Resultate bzw. wertet die heimischen Tropfen auf.
Eine Klasse für sich sind die sizilianischen Dessertweine, allen voran der berühmte Marsala. Der Moscato, der Passito di Noto und der Malvasia di Lipari sind ebenfalls süße Weine, die in einem aufwendigen Herstellungsverfahren gewonnen werden.
Weißweine:
Bei Weißwein ist Catarratto wegen des reichen Ertrags die wichtigste Rebsorte. Aus ihr werden frische, oftmals aber etwas neutrale Weine gekeltert.
Von Bedeutung sind zudem die süßen, aromatischen Inzolia und Grillo – die klassischen Trauben für den Marsala.
Catarratto
Vor allem die Briten förderten den Aufstieg des in der Regel aufgespriteten Süßweins Marsala.
Dieser Run ist schon lange vorbei, die Traube Catarratto, der Hauptbestandteil des Weins, aber noch immer in Massen vorhanden. Viele Winzer bauen mittlerweile trockene Weine an.
Von der Sorte Catarratto etwa gibt es große, ertragreiche Anbauflächen. Sizilien, insbesondere die DOC-Region Etna, erzeugt mehr davon als die Weißweinregionen Südtirol, Trentino und Friaul zusammen. Aktuelle statistische Erhebungen gibt es nicht. Nach Schätzungen stehen etwa 40.000 Hektar unter Catarratto-Reben.
Mit Hilfe der kühlen, der Frucht dienlichen Gärung ergibt der Catarratto einen fruchtigen Weißwein.
Grillo
Recht gut hingegen verträgt die ehemalige Marsala-Rebsorte Grillo die Hitze, wes­halb dieser als trockener Weißwein von einigen Kellereien erfolgreich im Markt positioniert werden konnte. Andere Weingüter arbeiten lieber mit Insolia (Synonym Ansonica) oder dem Grecanico. Ein einheitliches Bild von sizilianischen Weißweinen existiert aber nicht – außer dass sie aus einer heißen Erde stammen.
Inzolia
Die weiße Rebsorte Inzolia oder auch Ansonica stammt aus Sizilien, von wo sie auch nach Sardinien und in die Toskana gelangte. Heute wird die Weißweinrebe unter der Bezeichnung Inzolia in Sizilien und unter dem Namen Ansonica in der Toskana angebaut.
Typischerweise ergibt sie Sorte trockene, aromatische Weine mit schöner Nussnote. Da es den Weinen manchmal an Säure mangelt, werden sie gerne als Verschnitt­partner verwendet, vor allem Cuvées mit Catarratto Bianco sind äußerst beliebt. Aber auch im Verschnitt mit Grillo macht sie eine gute Figur.

Rotweine

Nerello
ist die rote Traube des Ätna. Da sie sehr helle, würzige Weine mit viel Gerbstoff ergibt, kommt sie nur selten sortenrein in die Flasche.
Frappato
wird hauptsächlich im Südosten angebaut und ist die Grundlage für bouquetreiche Tropfen.
Alicante
ist eine aus Spanien stammende Rebsorte. Er hat nach der Reifung eine rubinrote Farbe mit violett bis granatroten Reflexen, einen Duft von reifen roten Früchten und Gewürzen und einen Nachgeschmack nach Mandeln.
Etna Rosso
Schon die griechischen Einwanderer bauten an den Hängen des Vulkans Wein an. Die landwirtschaftlichen Prioritäten verschoben sich dann aber in der Neuzeit zu Ungunsten des Weinanbaus am Ätna.
Klimabedingt setzt man für Rotweine auf die Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio, die hier traditionell beheimatet sind, auch nur hier wachsen und sich den harten Bedingungen angepasst haben.
Außerhalb von Sizilien ist der Etna Rosso noch wenig bekannt. Das liegt daran, dass nur einige Betriebe auf hochwertigen Flaschenwein setzen und somit nur kleine Mengen auf den Markt kommen.
Nero d’Avola
Bis Ende des letzten Jahrhunderts wurde Nero d’Avola auf Sizilien fast ausschließlich als einfacher Verschnittwein gekeltert, der vor allem möglichst viel Ertrag liefern sollte.
Die Erfolgsstory des Nero d’Avola begann Anfang der 1990er Jahre, als die neu erblühte sizilianische Weinszene das Potenzial der heimischen Rebsorten entdeckte. Nero d’Avola wird oft im Verschnitt mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah aber zunehmend auch sortenrein ausgebaut.
Der Wein ist meist tiefdunkel (daher der Name „Nero=Schwarzer“) und konzentriert, ohne dass ihm die notwendige Säure fehlt. Besonders um Avola und die Barockstadt Noto herum und in der weiteren Region versprühen die Weine Aromen von Kirschen, Brombeeren, Pflaumen. Dazu gesellt sich eine mediterrane Kräuterwürze, auch ein wenig Pfeffer. Der Wein ist auch leicht gekühlt bei hochsommerlichen Temperaturen ein Genuss.
Cerasuolo di Vittoria
In der Nähe von Ragusa und der Stadt Vittoria wird der Cerasuolo di Vittoria (der einzige DOCG) erzeugt – benannt nach der kirschroten Farbe des jungen Weins. Er ist ein aparter, fruchtbetonter Rotwein mit einem angenehmen Säurespiel.
Erzeugt wird er aus den Rebsorten Nero d’Avola (mind. 50…70 %) und Frappato (höchstens 30…50 %). Besonders der Frappato verleiht diesem Wein mit seiner präsenten Säure ein ansprechendes Fruchtspiel und die Eleganz, an der es so manchen Rotweinen des Südens mangelt.

Wir konnten in unserer Probe folgende Weine verkosten:
1 Spumante,
1 Blanc de Noir,
3 Weissweine,
7 Rotweine und
1 Marsala.

Um damit in etwa das Spektrum der sizilianischen Weine abzudecken wurden die wichtigsten autochthonen Rebsorten der weißen und roten Weine Siziliens vor­gestellt.

Da wir die Rebsorten nicht kannten, war eine Aussage, ob ein Wein „typisch“ war, nicht möglich, auch wenn gelegentlich als Verschnittpartner bei den Weißweinen Chardonnay und bei den Roten Syrah auftaucht. Den Marsala (Nr. 13) bewerteten wir in dieser Probe nicht, da uns jeder Vergleich fehlte.

Wein Nr. 1:    Feudi die Bardonaro Jolie “, Spumante, extra dry (ohne Jahrgang)
Casa Vinicola Firriato, Pacco
Rebsorten:    Grillo, Inzolfa, Zibibo
Der Schaumwein präsentierte sich neutral und gefällig ohne besondere Fruchtigkeit.
Die Wertungen lagen zwischen 13,0 und 17,0 Punkte, klafften also mit 4 Punkten Unterschied ziemlich weit auseinander und ergaben einen Mittelwert von 14,26 Punkten.
Zum Weingut:  Casa Vinicola Firriato: 300 Hektar Land, davon 200 Hektar bestockt mit besten Rebanlagen.

Wein Nr. 2:   2015 „Bianco di Morgante”, IGP
Morgante Soc.Agr, Grotte, Agrigento
Rebsorte:      Nero d’Avola
Dieser Blanc de Noir, (ital. Bianco del Uve Nero) war etwas belanglos mit wenig Frucht.
Bei Wertungen zwischen 12,5 bis 14,5 Punkten waren wir uns ziemlich einig, was statistisch zu einem Mittelwert von 13,76 Punkten führte.
Zum Weingut:  Rebfläche: 52 Hektar, Jahresproduktion: ca. 310.000 Flaschen, Konventioneller Anbau

Wein Nr. 3:    2015 „Regaleali Bianco “, Sicilia DOC
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorten:    Inzolia (38%), Grecanico (30%), Cataratto (19%), Chardonnay (13%)
Ein Wein mit schöner, leichter Säure (“Kabinett-Typ”), etwas Citrus-Noten und zarterer Frucht.
Auch hier lagen wir in unseren Wertungen zwischen 13,0 und 15,0 Punkten recht nah zusammen. Im Durchschnitt ergaben sich 13,87 Punkte.
Zum Weingut:  Tasca d’Almerita ist ein 460 ha großes sizilianisches Weinbauimperium im Familienbesitz mit Sitz in Sclafani Bagni, das 1830 von Lucio Tasca gegründet wurde.

Wein Nr. 4:    2015 „Angimbé“, IGT
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorten:    70% Inzolia, 30% Chardonnay
Verblüffenderweise wies der kräftige und füllige Wein grasige Sauvignon-blanc –Noten auf.
Mit 2,5 Punkten Differenz lagen wir auch hier bei Wertungen zwischen 13,5 und 16,0 Punkten noch ziemlich beieinander, wobei als Schnitt 14,66 Punkte herauskamen.
Zum Weingut: Aktuell erstreckt sich das Imperium Cusumano auf stolze 517 ha eigener Weinberge und produziert zwei Weinlinien:.
eine Basis-Linie mit Mono-Rebsortenweine, aus autochthonen Rebsorten hergestellt und auf Fruchtigkeit vinifiziert (Alcano Insolia, Nero D’Avola, Merlot, Syrah),
und eine zweite Linie der Lagenweine, die – durch die alten Namen inspiriert, nach den verschiedenen Weinbergen benannt wurden (Angimbé, Jale, Benuara, Sagana, Noa Cubia).

Wein Nr. 5:    2015 „Cavallo delle Fate “, Grillo Sicilia, DOC
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorte:      100% Grillo
Dieser Wein mit recht angenehmer Nase wurde ähnlich wie sein Vorgänger bewertet.
Die Wertungen lagen zwischen13,0 und 15,0 Punkten schwerpunktmässig eher am oberen Wert, sodass sich auch hier 14,66 Punkte ergaben.
Zum Weingut:  siehe Nr. 3

Wein Nr. 6:    2015 „Etna “
Planeta, Cantina Feudo di Mezzo, Castiglione (CA), DOC
Rebsorte:      Carricante
Ausbau:         Barrique und Edelstahl
Der letzte Weißwein der Probe zeigte Mineralik und leichte Räucheraromen bei wenig Säure.
Er wurde kontrovers mit Werten zwischen 11,0 und 16,0 Punkte, also einer Kluft von 5,0 Punkten Differenz bewertet. Man mag derartige Geschmacksnoten oder nicht. Das wurde hier ganz offensichtlich. Daher sagt der Durchschnittswert von 14,71 Punkten in diesem Fall relativ wenig aus.
Zum Weingut:  Die Familie Planeta blickt seit 1500 im Gebiet zwischen Sambuca di Sicilia und Menfi auf eine lange Tradition in der Landwirtschaft zurück, die durch 17 Generationen hindurch vererbt wurde. Ihre Familienkellerei Planeta betreibt sechs Weingüter mit 363 h Rebflächen.
Mit dem nächsten Wein kamen wir zu den Rotweinen:

Wein Nr. 7:    2013 „Regalali Nero d’Avola”, IGT
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorte:      100% Nero d’Avola
Ausbau:         In Eichenholzfässern aus Slowenien zu 30 hl und 60 hl, und 5% der Fässer aus französischer Eiche Allier und Tronçais zu 300 l im zweiten Durchlauf für 6 – 8 Monate; in der Flasche für etwa 2 Monate
Bei schöner Fruchtnase präsentierten sich die Tannine etwas kantig.
Das führte mit 3,5 Punkten zu stärkerem Auseinanderklaffen der Einzelwertungen zwischen12,5 und immerhin 16,0 Punkten, was einen Schnitt von 14,24 Punkten ergab.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 3

Wein Nr. 8:    2014 „Benuara “, IGT
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorten:    70% Nero d’Avola, 30% Syrah
Ausbau:         Malolaktische Gärung im Edelstahl, Reifung 80% im Edelstahl, 20% in großen Holzfässern
In der Nase recht zurückhaltend präsentiert sich diese Cuvée mit adstringierenden Tanninen, was wohl auch der Grund für die mit 4,5 Punkten ziemlich weit auseinanderklaffenden Wertungen zwischen 12,0 und 16,5 Punkten war. Den Durchschnittswert mit 14,79 Punkten muss man unter diesem Gesichtspunkt sehen.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 4

Wein Nr. 9:    2015 „Il Passo “, IGT
Vigneti Zabù srl, Sambuca di Sicilia (AG)
Rebsorten:    Nerello Mascalese (85%), Nero d’Avola (15%)
Ausbau         Die hoch reifen Trauben werden eingemaischt und nach ca. 15 Tagen Maischegärung gekeltert. Danach reift der Wein für 6 Monate in kleinen Barrique-Fässern. Nach weiteren 3-4 Monaten kommt er in die Flasche.
Der Il Passo Nerello Mascalese Nero d’Avola leuchtet mit einem purpurroten fast schwarzen Kern im Glas. Neutral in der Nase, aber mit Frucht im Mund verkostete sich dieser Barriquewein.
Er war insgesamt gefälliger, was zu einer gleichmässigeren Wertung mit nur 2,5 Punkten Abweichung zwischen 14 und 17 Punkten bei einem Durchschnitt von 15,47 Punkten führte. 17 Punkte war die höchste Bewertung der Probe, den auch die Weine Nr. 11 und 12 erreichten.
Zum Weingut: Es befindet sich im West-Teil der Insel, in der Provinz Agrigento in der Gemeinde Sambuca di Sicilia, nahe des Lago Arancio und umfasst etwa 30 ha.

Wein Nr. 10: 2014 „Alta Mora Etna Rosso“, DOC
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorte:      Nerello Mascalese
Etwas alkoholbetont zeigte sich dieser Rebsortenwein. Er verkraftet das Barrique besser als sein Vorgänger. Auch er wurde ziemlich homogen mit nur 2 Punkten Differenz zw. 14,5 und 16,5 Punkten mit einem Mittelwert von 15,42 Punkten bewertet.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 4

Wein Nr. 11: 2012 „Impari “, IGT
Vigneti Zabù srl, Sambuca di Sicilia (AG)
Rebsorte:      Nero d’Avola
Ein Wein mit Fülle und Kraft, leichter Alkoholsüße, etwas dick, mit Gewürznoten und war 8 Monate im Barrique. Kein Wunder, dass hier die Meinungen auseinandergingen.
Einige lehnten ihn fast ab und gaben nur 12,5 Punkte, andere griffen zu 17,0 Punkten (also 4,5 Punkte Unterschied), weil sie diese Weinart mögen. Im Durchschnitt ergab das 15,68 Punkte.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 9

Wein Nr. 12: 2015 „Don Antonio“; DOC
Morgante Soc.Agr., Grotte, Agrigento
Rebsorte:      Nero d’Avola
Ausbau:          Der Most bleibt für 20 Tage auf der Maische. Danach wird der Nero D´Avola für 12 Monate in 225 L Fässern ausgebaut, gefolgt von weiteren 12 Monaten in der Flasche.
Der letzte Rotwein der Probe zeigt uns eine betörende Nase. Auch er war von einer großen Fülle geprägt, zusätzlich gerundet durch 12 Monate im Barrique, das gut eingebunden war.
Hier waren die Unterschiede in der Bepunktung nicht so stark wir beim Vorgängerwein.
14,0 Punkte als Unterwert und 17,0 Punkte als Oberwert, also nur 3 Punkte Unterschied, zeigten, dass er eigentlich fast allen gefiel. Dennoch ergab sich nur ein mit 15,76 Punkten unwesentlich höherer Durchschnittwert.
Zum Weingut:  siehe unter Nr. 2

Wein Nr. 13: “Marsala Fine I.P.” ( ohne Jahrgang)
Carlo Pellegrino & C. S.p.A., Marsala (TP)
Rebsorte       Grillo, Cataratto, Inzolia
Ausbau:        Ein Jahr im Eichenholzfass gelagert.
Marsala war über 200 Jahre lang einer der berühmtesten Weine Siziliens. Er wurde in jüngerer Zeit immer weniger nachgefragt, sodass sein Fortbestand gefährdet war. Bisher gibt es wenig Anzeichen, dass sich der Absatz dieses aufgespriteten Weins mit 17 Vol. % Alkohol erholt.
Dieser Marsala war der krönende Abschluss unserer Probe.
Wie oben schon gesagt, wurde er nicht bewertet. Es wäre sicherlich reizvoll, ihn mit anderen vergleichbaren angereicherten Weinen wie Portwein, Madeira oder Sherry sowie franz. Vins doux naturelles zu verkosten. Für uns sicher eine Herausforderung.
Wie auch bei der Kalabrien-Kampanien-Probe zeigt diese Sizilien-Probe, dass süditalienische Weine für uns ein schwieriges Terrain sind, da sie unserem gewohnten Geschmacksbild nicht unbedingt entsprechen. Man mag sie oder mag sie nicht. Anders sind Wertungsdifferenzen von bis zu 5 Punkten nicht zu erklären. Bei Verkostungen deutscher Weine sind es selten mehr als 2 manchmal 3 Punkte Unterschied in den Wertungen der einzelnen Teilnehmer.
Die oft blumigen Weinbeschreibungen der Händler und Produzenten konnten wir nicht immer nachvollziehen.

Verfasser: Wilfried

2016_12_Sizilien Probenergebnis

 

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Weinprobe mit dem Weingut Matthias Müller, Spay am 19.05.2016

Erstellt von Dieter am 15. Dezember 2016

Bei unserem Thema Mittelrhein haben wir uns sehr gefreut, dass Matthias Müller persönlich gekommen ist, um seine Weine vorzustellen.
Weingut Matthias Müller Eingang
Das Weingut hat eine etwas 300 Jahre alte Geschichte und auch Zeiten erlebt, wo die Weine vom Mittelrhein noch hoch angesehen waren.
Wie damals üblich war das Weingut ein Gemischtbetrieb, der damals besonders mit dem Anbau der Mittelrhein-Kirschen sein Geld verdiente. Durch die billigere Konkurrenz aus Italien oder der Türkei, lohnte sich Ende der 70‘er bis Anfang der 80‘er Jahre der Anbau nicht mehr und man stellte komplett auf Weinbau um. Ende der 70‘er Jahre hatte das Weingut 2,5 bis 3 ha Rebfläche, die dann kontinuierlich erweitert wurde. Anfang der 90’er Jahre war die Fläche auf etwa 9 ha gestiegen, heute liegt sie bei ca. 19 ha, alles in schwer zu bearbeitenden Steillagen. Die meisten Rebanlagen sind im Bopparder Hamm mit den Einzellagen Engelstein, Feuerberg, Mandelstein und Ohlenberg. Vor 7 bis 8 Jahren konnten dann auch noch mit dem Engehöller Goldemund und Bernstein, so wie dem Oberdiebacher Fürstenberg Lagen im Süden von Boppard erworben werden. 1999 hat Matthias Müller das Weingut von seinen Eltern übernommen und wird inzwischen von seinem Sohn Johannes, der in Geisenheim studiert, unterstützt. 2007 wurde das Weingut in den VDP aufgenommen und 2012 kürte der Weinführer Gault Millau Matthias Müller zum Winzer des Jahres. Er ist der einzige Winzer am Mittelrhein, den der Weinführer mit 4 Trauben auszeichnet. 2012 war noch ein weiterer Erfolg zu vermelden: der Kellerneubau mit Kelteranlage, Flaschenlager und moderner Vinothek konnte in Betrieb genommen werden.
Bopparder Hamm
Da in den Steillagen etwa 700 Std / ha Arbeitsaufwand für die Bearbeitung notwendig sind, hat das Weingut viele maschinelle Arbeiten an einen Lohnunternehmer ausgelagert. So z.B. die intensive Laubarbeit, um die Traubenzone schon frühzeitig zu entblättern und die Trauben abzuhärten.
Der Rebsortenspiegel besteht zu 90% aus Riesling, daneben sind noch Burgundersorten vorhanden:  6% Grauburgunder, 2% Weissburgunder und 2% Spätburgunder, letzterer wird aber nur als Blanc de Noir ausgebaut. Dem Most werden 6 – 10 Std. Maischestandzeit gegönnt, die Basisqualitäten werden dann mit Reinzuchthefe, die hochwertigeren Weine spontan vergoren. Der Restzucker der trockenen Weine wird mit 6 – 8 g/l an der oberen Grenze gehalten, um die Säure zu puffern und die Frucht herauszustellen. Bei den feinherben Weinen liegt der Restzucker bei etwas mehr als dem doppelten Säurewert.

Nun zu den verkosteten Weinen:

1          2015 Riesling „Rheinschiefer“, QW, trocken
Dieser Wein ist der trockene Gutswein der mit Lebendigkeit und mineralischer Fruchtigkeit, mit viel Pfirsich und Grapefruit und einer feinen Säure besticht. Ein idealer Sommerwein mit einem sehr guten Preis / Leistungsverhältnis .

2          2015 Weissburgunder Bopparder Hamm, QW, trocken
Weissburgunder ist neu im Rebsortiment und 2014 war die erste Ernte. Der Wein ist fruchtig und saftig, und stellt in der Säure das weichere Gegenstück zum Riesling das. Ausgebaut wurde er nur im Stahl

3          2015 Riesling   Bopparder Hamm, Alte Reben, QW, trocken
Hier hatten wir einen dichten, eleganten, zart mineralischen und sehr exotischen Riesling vor uns von etwa 40 Jahre alte Reben. Durch das höhere Alter und die dadurch tieferen Wurzeln sind die Rebstöcke nicht so empfindlich für Trockenstreß, können mehr Mineralien aus dem Boden aufnehmen und bringen fast jedes Jahr das gleiche Mostgewicht. Leider kam es durch ESCA zu etwas 10% Ausfall bei den Reben.

4          2015 Riesling   Bopparder Hamm Mandelstein,   „Riesling S“, QW, trocken
Ein fruchtiger, eleganter, zart mineralischer Riesling der sich etwas runderer, weicherer als die alten Reben gibt. Die Reben stehen auf fein verwittertem Schiefer mit eingelagerten Kiesel-Gallen. Das „S“ im Namen steht für die Spätlese-Qualität des Leseguts.
MM Steilstück
5          2015 Riesling   Bopparder Hamm, „Steilstück“, QW, trocken
Im Gegensatz zu den anderen Riesling-Weinen wirkt er etwas kantiger, zeigt mehr Säure und einen Hauch Spontan-Vergärungsnoten. Er ist noch recht verschlossen, hat aber ein gutes Potential und braucht sicher nur mehr Zeit zum Reifen.
Die Trauben stammen aus sehr steilem Weinberg, (daher der Name Steilstück) und der Wein ist teilweise spontanvergoren. Im letzten Jahr hieß er noch “Steil vor Lage“. Da die Weinkontrolle Probleme mit dem Wortspiel hatte, musste der neue Wein einen neuen unverfänglicheren Namen bekommen.
 

6          2015 Riesling Bopparder Hamm Ohlenberg,   „Riesling S, Edition MM“, QW, trocken
Ein langer Name für einen Riesling, aber die Edition MM verdient ihn, denn sie ist immer der beste trockene Riesling des Jahrgangs, sozusagen der “kleine Bruder” vom Großen Gewächs nach VDP. Dieser Wein braucht sich vor keinem Großen Gewächs zu verstecken. Ein dichter, zart mineralischer, eleganter und harmonischer Riesling mit einem sensationell günstigen Preis für diese Qualität..

Drei feinherbe Weine folgten. Bei ihnen liegt der Restzucker bei etwa dem doppelten Säurewert, sodass die Süße die Säure gut kompensieren und so zum Trinken animiert.

7          2015 Riesling   Bopparder Hamm, QW, feinherb
Der erste Vertreter dieser Gruppe, der ein etwas herberes Bukett, aber auch eine runde, saftige Frucht mit zarter Süße zeigte

8          2015 Riesling Schloss Fürstenberg, Spätlese, feinherb
Es war der einzige Wein aus dieser Lage. Durch den anderen Boden und dadurch, dass es sich hier um einen kleinbeerige Riesling-Klon handelt, hat der Wein eine deutlich andere Aromatik und zeigt auch mehr Finessen als der feinherbe Riesling aus dem Bopparder Hamm.
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9          2015 Riesling Bopparder Hamm Mandelstein,  „Edition MM“, Spätlese  feinherb
Auch bei den feinherben Weinen kennzeichnet „Edition MM“ immer den besten feinherben Riesling des Jahrgangs. Ein dichter, voller aber auch eleganter, weicher Riesling mit dezenter Süße, der erst nach längerer Reife alle Feinheiten freigeben wird.

Zu Abschluss konnten wir dann noch einige fruchtsüße Weine verkosten:

10       2015 Riesling   Bopparder Hamm Engelstein, Kabinett
So wie man sich einen fruchtsüßen Riesling als Kabinett vorstellt, ein fruchtiger, eleganter, weicher Riesling mit mehr Süße und wenig Alkohol.

11       2015 Riesling   Bopparder Hamm Mandelstein, Spätlese
Auch dieser Riesling war so, wie man sich eine typische fruchtsüße Spätlese vorstellt, er zeigte mehr Dichte und Fülle als der Kabinett, eine sehr zarte Botrytis und dezente Süße Ein vielschichtiger saftiger Riesling mit gutem Süße- / Säurespiel.

12       2015 Riesling   Bopparder Hamm Feuerlay, Auslese
Jetzt kamen wir noch eine Qualitätsstufe höher, zu den Auslesen. Auch dies war ein dichter, voller aber auch recht eleganter und filigraner Riesling mit zarter Botrytis und dezenter Süße, die mit der Säure einen guten Gegenspieler hat.

13       2010   Riesling   Bopparder Hamm Feuerlay, Auslese
Zum Abschluß gab es außer der Reihe noch diese Auslese aus dem Bestand des Bruderschaftsmeisters  Das war ein dichter, eleganter Riesling mit leichten Hanfnoten, zarter Reife und sehr angenehmem Süße- / Säurespiel. Dieser Wein war 2011 ein wahres Schnäppchen, denn es war eine abgewertete Beerenauslese zum Preis einer Auslese.

Damit ging ein hochinteressanter Abend zu Ende, wofür wir Matthias Müller nochmals danken möchten, dass er sich die Zeit genommen hat, uns die Weine vorzustellen.
Wer im nächsten Jahr im Mai Zeit hat, sollte sich vom 11.-14.05. 2017 die Jahrgangspräsentation des Weingutes in der neuen Vinothek gönnen. Es lohnt sich!

Für nähere Informationen zum Weingut : http://www.weingut-matthiasmueller.de/
Weitere Informationen über das Anbaugebiet Mittelrhein finden sich unter http://www.mittelrhein-weinfuehrer.de/

Verfasser: Dieter

PS  Leider konnte der Bericht erst jetzt, nach einem halben Jahr veröffentlich werden. Dafür möchten wir uns bei Matthias Müller entschuldigen.
Der vorgesehene Verfasser hatte leider trotz vielfacher Mahnungen nie den Bericht erstellt und immer neue Entschuldigungen, warum er noch nicht fertiggestellt sei.

2016_05_Weingut Matthias Müller: Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Bio-Weingut Maibachfarm, Ahrweiler am 17.11.2016

Erstellt von Dieter am 6. Dezember 2016

Zum Abschluss unseres diesjährigen Ahrprogramms konnten wir Alexander Weber vom Weingut Maibachfarm begrüßen. Das Weingut wurde 1998 als biologisch arbeitender Betrieb gegründet. In der Anfangsphase wurden im gesamten Ahrtal Flächen zusammengekauft, sehr viel Geld in einen neuen Keller für die Traubenverarbeitung und in einen Barrique-Keller investiert.
2002 gab es dann den ersten Wein. Alles was bio und gut war, wurde gemacht, so z.B. Ziegenkäse aus eigener Käserei, denn neben dem Weingut wurde auch noch eine biologisch arbeitende Landwirtschaft betrieben.
2009 kam dann der große Knall, der Gutsverwalter wurde wegen Veruntreuung entlassen und kam vor Gericht, 2012 erfolgte seine Verurteilung. In dem darauffolgenden Chaos wurde ein neuer Verwalter eingestellt, der aber auch nicht lang blieb und dann kam letztendlich 2013 Alexander Weber als Verwalter und Kellermeister. Er hatte seit Kindheit Kontakt zum Weinbau, da er aus einer Winzerfamilie, die an die Genossenschaft abliefert, kommt. Nach dem Abitur absolvierte er ein Praktikum beim Weingut Meyer Näkel und begann dann ein Studium in Geisenheim. Noch vor dem Abschluss bekam er das Angebot, Betriebsleiter und Kellermeister beim Weingut Maibachfarm zu werden. (Trotz  Doppelbelastung hat er auch sein Studium ordnungsgemäß abgeschlossen.)
Nach dem großen Knall musste das Weingut auf sinnvolle Teile reduziert werden, um wieder rentabel zu arbeiten. Die Käserei wurde eingestellt, das Weingut von ca. 15 ha auf 9,5 ha verkleinert. Dabei konzentrierte man sich auf die rentabler zu bewirtschaftenden Weinberge, die immer noch weit verstreut zwischen Dernau und Heimersheim liegen Auch die Vielfalt der einzelnen Weinetiketten wurde reduziert. Es gibt inzwischen drei Qualitätsstufen, die Gutsweine (Ausbau im Fuder- oder Stückfass), die Ortsweine in denen die kleinen, besseren Lagen aus Ahrweiler verarbeitet sind (sie kommen für ca. 10 Monate in Barriques in Zweit- und Drittbelegung) und dann die Lagenweine, die für 12 – 13 Monte im neuen Holz ausgebaut werden.
Die Flaschenabfüllung erfolgt durch einen Lohnabfüller. In der Landwirtschaft sind 5 Personen fest angestellt, im Weinbau 2 Personen sowie bis zu 8 Zeitarbeiter aus Polen.
Die Kunden sind fast nur Endverbraucher, daneben gibt es noch etwas Fachhandel. Zur Vermarktung stehen neben dem Verkauf in der Maibachfarm noch ein Ladengeschäft in Ahrweiler und der Online-Shop zu Verfügung. Seit drei Jahren ist das Weingut auch auf der Prowein vertreten.

Für unsere Probe begannen wir mit den Weißweinen, Wie bei den anderen Ahr-Weingütern sind auch hier Weißweine in der Sommerzeit sehr gefragt.

Das 2015er Cuvee Blanc, aus Müller-Thurgau, Riesling und Grauburgunder bewies sich als ordentlicher, sauberer und fruchtiger Schoppenwein.
Dann folgte der 2015’er Grauburgunder, der zu einem Drittel im gebrauchten Barriques und zu zwei Drittel im Edelstahl ausgebaut worden war. Ein gut strukturierter, fruchtiger Grauburgunder mit einer zarten Herbe.
Als letzter Weißwein probierten wir das 2015’er Ahrweiler Grauburgunder und Chardonnay-Cuvée. Der Chardonnay war erst 2012 gepflanzt worden und konnte 2015 zum ersten Mal geerntet werden. Da er in das Segment der Ortsweine eingereiht ist, wurde er auch im neuen Barrique ausgebaut. Er zeigt eine kräftige Frucht und trotz der neuen Barriques nur ein dezentes Holz.
Die beiden letzten Weine waren bereits im Mai ausverkauft.

Mit den Rotweinen ging es weiter. Auch hier gibt es ein Cuvee, in dem die Nicht-Burgundersorten Dornfelder, Regent und Portugieser mit Spätburgunder verschnitten sind.
Das 2014‘ er Cuvee Rot zeigt eigentlich schöne Rotweinnoten und ein würziges Bukett, aber in der Frucht und im Tannin konnte das Cuvee den Jahrgang 2014 nicht kaschieren: ein etwas kantiger Wein mit krautigen Noten und einem unreifen, grünen Tannin, was vielleicht auch dem Regent-Anteil geschuldet ist.
Der nachfolgende  2014’er Frühburgunder demonstrierte, dass der Jahrgang speziell bei dieser frühreifen Rebsorte sehr schwierig war. Auf der einen Seite Fäulnisprobleme, auf der anderen Seite unreife, etwas grüne Tannine, das schlug natürlich auch auf den Wein durch. (fast alle Frühburgunder an der Ahr hatten in diesem Jahrgang das gleiche Problem, was wir auch bei anderen Erzeugern feststellen konnten)
Die wahre Qualität konnte dagegen der 2013’er Frühburgunder beweisen. Ein sauberer, runder, saftiger Wein mit weichem, reifem Tannin, so wie ein Frühburgunder sein sollte. Die Bewertung fiel auch deutliche 1,25 Punkte höher aus.
Es folgten die Spätburgunder.
Der 2014’er Spätburgunder konnte natürlich das Jahr auch nicht verheimlichen, aber durch die spätere Reife der Spätburgunder-Trauben blieben hier die negativen Auswirkungen viel geringer als beim Frühburgunder. Auch wenn der Wein etwas kantig war und eine Spur grüne, stumpfere Tannine zeigte, war er insgesamt doch deutlich klarer als der Frühburgunder. Entsprechend war auch unsere Wertung deutlich höher. Ausgebaut wurde er für 9 Monate im gebrauchten Holz (4-6 Jahre alt), Stückfass bzw. Fuderfass. Um die Frucht zu unterstützen, hat man dem Spätburgunder einen etwas höheren Restzucker gelassen.
Wir kamen dann zu den Ortweinen die als Lagencuvees aus den steilen bis hängigen Lagen Ahrweiler Rosenthal, Forstberg, Daubhaus und Silberberg stammen. Hier dominieren Lehm, Löß und Sand die Böden. Der Ausbau erfolgte für 10 Monate in Barriques in 2-3. Belegung.
Der 2013’er Ahrweiler Spätburgunder konnte aufgrund der gesunden Trauben nach leichter Kühlung vergoren werden und es entstand ein fruchtiger, eleganter Spätburgunder mit feiner Säure und zartem Holz.
Da das Lesegut beim 2014’er Ahrweiler Spätburgunder nicht so gesund war wie 2013, musste dagegen wärmer vergoren werden, um die Entstehung flüchtige Säure zu vermeiden. Auch hier hatten wir einen dichten, vollen Spätburgunder, der erstaunlicherweise etwas höher bewertet wurde als der 2013‘er.
Und weiter ging es mit der Kategorie der Lagenweine. Die Walporzheimer Lagen Alte Domlay, Pfaffenberg und Domlay werden zu den Walporzheimer Terrassen zusammengefasst. Nach 10 -15% Saftabzug werden die Trauben für 5 Tage kaltmazeriert und dann 7 -11 Tage  bei 31-32°C vergoren. Der Ausbau erfolgt für 12 -13 Monate in neuen Barrique, abgefüllt wird ohne Filtration.
Der 2014’er Spätburgunder „Terrassen“ präsentierte sich dicht und fruchtig, aber auch jahrgangsbedingt noch etwas kantig mit härterem Tannin. Im Vergleich zu den Guts- und Ortsweinen war hier die Qualität für einen 2014‘er Spätburgunder erstaunlich hoch.
Der 2013’er Spätburgunder „Terrassen“ zeigte dann, was diese Lagen können, wenn der Jahrgang mitspielt: Ein dichter, fast etwas fülliger, weicher Spätburgunder mit einem festeren Tannin. Das wäre der beste Wein des Abends geworden, wenn, ja wenn nicht noch der 2014’er Ahrweiler Silberberg gekommen wäre. Das war die beste Selektion aus dem Problemjahrgang 2014: ein dichter runder, vielschichtiger Wein, noch etwas kantig und ungeschliffen, aber er präsentierte sich so wie ein Spätburgunder sein soll. Daher wurde er unangefochten der höchstbewertete Wein des Abends. (und wir waren mit dieser Bewertung nicht allein, denn bei der AWC Vinenna 2015 war er der drittbeste Spätburgunder !)
Damit ging ein interessanter Probenabend zu Ende. Unser Referent Alexander Weber hat uns demonstriert, dass die ungeordnete Periode der Maibachfarm glücklicherweise vorbei ist und es nun wieder stetig aufwärts gehen sollte .
Als biologisch arbeitendes Weingut hat es die Maibachfarm in 2014 natürlich besonders schwer gehabt, reife und gesunde Trauben zu ernten. Mit viel Aufwand und Mühe wurde das Beste aus dem Jahrgang herausgeholt, was möglich war und die 2013’er bzw. 2015’er Wein zeigten, wozu das Weingut in der Lage ist, wenn das Wetter mitspielt.

Für die Präsentation möchten wir uns ganz herzlich bei Alexander Weber bedanken.

Verfasser: Dieter

2016_11 Bio-Weingut Maibachfarm: Auswertung

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Weinprobe Kampanien und Kalabrien am 27.10.2016

Erstellt von Dieter am 1. Dezember 2016

Als bei der Festlegung des Probenprogramms für 2016 Süditalien beschlossen wurde, meldete sich der Chronist und Probenverantwortliche leichtsinnigerweise für das Gebiet Kalabrien.
Ein erstes Suchen nach kalabrischen Weinen bei Fachhändlern in Köln war ernüchternd.
Da war nicht viel. Auch im Internet wurde er nicht wirklich fündig, um eine interessante Probe mit 12 Weinen bei limitiertem Budget zusammenstellen zu können.
So wurde auf Antrag beschlossen, eine Probe mit Weißweinen aus Kampanien, die der Chronist noch sehr positiv in Erinnerung hatte, und Rotweinen aus Kalabrien zusammen zustellen. Dabei blieb dann leider der berühmteste kampanische Wein, der überragende Rotwein Taurasi außen vor.
Weißweine aus Kampanien
Bereits im antiken Rom wurde Kampanien für seine feinen Weine geschätzt und mit viel Lob bedacht. In der am Tyrrhenischen Meer rund um die Hafenstadt Neapel gelegenen Region gedeihen die Reben in mediterranem Klima auf Vulkan und Schwemmlandböden bestens. Kampanien profitiert vom reichen Erbe an einheimischen (=autochthonen) Rebsorten. Südlich von Neapel liegt die Lacryma Christi DOC (Anm.: wir verzichteten darauf, einen Wein davon in die Probe zu nehmen). Weiter nordöstlich wird rund um Avellino aus der Fiano-Traube der beste Weißwein Kampaniens gekeltert. Und von etwas weiter nördlich kommt sein Rivale Greco di Tufo (Quelle: superiore.de)
Außerdem wurde die dritte bekannte Weißweinsorte Falanghina vorgestellt, aus der in der Antike der bekannte Falerner gekeltert worden sein soll.
Die Rebfläche soll ca. 30.000 ha umfassen bei einer Gesamtproduktion von 183 Mio. Litern, davon 77,6 Mio. Liter Weißwein. Die Anbaufläche stellt ca. 4,1% der gesamten Rebfläche Italiens dar. Kritische Anmerkungen zu den Rebflächenangaben s.u. unter Kalabrien.
Wir haben uns auf zwei Weingüter konzentriert:
1.         Mastroberardino
Ohne den Einsatz der Familie Mastroberardino wären wahrscheinlich viele der alten Rebsorten Kampaniens nach dem 2.Weltkrieg ausgestorben. Durch ihren außergewöhnlichen Einsatz für Forschung und Anbau lebten z.B. die Rebsorten Fiano, Greco und Falanghina, die wir heute probieren konnten, wieder auf. Das Gut gilt als Bewahrer der Biodiversität.
Das in Atripalda (Irpinien) nahe der Provinzstadt Avellino gelegene, 1878 gegründete Weingut verfügt über 200 ha Rebfläche und füllt 2 Mio. Flaschen jährlich ab. Mittlerweile liegt die Zentrale de Weinhauses im Park Radici Resort di Mirabella auf 400 m Höhe, wo auch die Forschungslabors angesiedelt sind, außerdem ein Wellnesscenter, ein Golf Club und die größte zusammenhängende Rebfläche Irpiniens.
2.         Terre Stregate
Die Azienda Terre Stregate der Familie Iacobucci liegt in der malerisch im Telsina-Tal gelegenen Gemeinde Guardia Sanframondi, Provinz Bennevento (früheres Herzogtum der Langobarden, nach denen die Lombardei benannt ist) im Anbaugebiet Sannio, dessen alter Name Samnium ist. Rom führte 3 Kriege gegen die Samniten, die griechischer Herkunft sein sollen. Sie sollen Nachfahren den Sabbiner sein, die durch den „Raub der Sabbinerinnen“ den meisten Lateinschülern bekannt sein sollten. Wir sind also auch hier auf historischem Gebiet.
Schon der Urgroßvater des heutigen Besitzers hat auf seinem Landwirtschaftsbetrieb Wein erzeugt. Später konzentrierte man sich ganz auf die Olivenölherstellung. Erst 2004 wurde die Produktion von Qualitätsweinen von Weinbergen an den Hängen der Monti del Malese wiederaufgenommen. Bei den Weißweinen widmet man sich besonders der Falanghina-Traube, die in den vergangenen 80 Jahren in Benevent eine Große Blütezeit erlebt hat.
Die Rebfläche umfasst 20 ha bei einer Produktion von 50.000 Flaschen.
Rebsorten der Weißweine Kampaniens.
Falanghina
Falanghina ist eine Weißweinsorte, die wahrscheinlich griechischen Ursprungs ist. Sie verdankt ihren Namen dem antiken Weinbausystem „phalange“ (lat.) , d.h. an den Pfahl gebunden. Ein Synonym ist heute noch „Falerno“ (s.o. Falerner). Durch moderne Kellertechnik ist es heute möglich, die süßsäuerlichen Töne des Fruchtfleisches besser zu erhalten. Sie ist u.a. in den DOC/DOP-Gebieten Sannio und auch Capri vertreten.
Fiano
Fiano ist eine sehr alte autochthone Rebsorte, Sie wurde schon von den Römern kultiviert, die sie wegen ihrer Großen Anziehungskraft auf Bienen (lat. Apis) auch Vitis apiana nannten.
Sie erbringt aromatische, würzige Weißweine mit einem Honig- und Nussbouquet und sind lange lagerfähig. Aus der Rebsorte werden z.B. der DOC/DOP Wein Sannio und der DOCG Wein Fiano die Avellino hergestellt, die wir beide vorstellen.
Greco (Bianco)
Die Greco-Traube zählt ebenfalls zu den autochthonen süditalienischen Rebsorten. Auch sie wurde schon von den Römern kultiviert. Der Name Greco weist wider auf griechischen Ursprung hin. Aus ihr werden unter anderem die unten vorgestellten Weine Greco di Tufo DOCG und und der Greco del Sannio DOP hergestellt.
Alle Weißweine haben wir von superiore.de bezogen.
Der Alkoholgehalt aller Wein liegt bei 13 Vol.-%. bis auf No. 1, der 13,5 Vol.-% aufweist.
Säure und Restzuckerwerte lagen uns nur für 2 Weine vor.

Wein No.1:   „Morabianca“ Falanghina Irpina DOC 2015,  Mastoberardino
Der Wein wurde aus 100% Falanghina gekeltert und im Edelstahl ausgebaut
Superiore.de: Schöne Blumigkeit und ein Duft von Ananas und Pfirsich, Salbei und Thymian, leicht mineralisch. Der Name Irpina weist auf das Erzeugungsgebiet hin.
Nicht alle Probanden konnten diese Beschreibung nachvollziehen, wie die Wertungen zwischen 12,5 und 14,5 Punkten, also 2 Punkte Unterschied, bei einem Durchschnitt von 13,45  Punkten zeigte.
Morabianca 2014  erreichte im Gambero Rosso immerhin 2 Gläser und wurde von Parker u.a. zw. 88 und 92 Punkten ( also 16,0 –17,3 Punkte im 100er Schema) bewertet, eine Wertung, die wir nicht annähernd nachvollziehen konnten.
Die starke Differenz zwischen schlechtester und bester Bewertung zog sich durch die ganze Probe, ebenso wie wir die hohen Wertungen der Weinführer nie erreichten.

Wein No. 2:    „Svelato“ Falanghina del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Falanghina, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut.
Superiore.de: Goldgelber Falanghina mit grünlich schimmernden Reflexen und angenehm frischem Ginsterduft. mit ausgewogener Säure und Aromen von Granatapfel und zarten Blumennoten…. „Svelato- offen und unverhüllt wie der (ital.) Name es ankündigt.
Immerhin kamen wir bei diesem Wein, dem der Gambero Rosso den höchsten Status eines 3-Gläser-Weins einräumt, auf 14,02 Punkte im Schnitt, bei einer Varianz von sogar 3 Punkten (12,5 – 15,5 Punkte).
Offenbar lag auch er nicht Erfahrungsspektrum deutscher Weißweinfreunde.

Wein No. 3:    „Genius Loci“ Fiano del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Fiano, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut
Superiore.de:..ein frischer, raffinierter, terroirtypischer Fiana del Sannio. Duftet würzig nach Salbei und Wiesenblumen, komplex im Gaumen mit feiner Frucht und guter Länge.
Auch er mit immerhin 2-Gläsern im Gambero Rosso bewertet erhielt bei uns 14,30 Punkte im Schnitt bei einer Streuung zw. 13,5 und 15,5 Punkten.

Wein No.4:     „Aurora“ Greco del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Greco, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut
Der letzte Wein von Terre Stregate in unserer Probe.
Auch dieser Wein lag in der Bewertung mit durchschittlich 14,23 Punkten und 2 Punkten Differenz (13-15 Punkte) im bisherigen Rahmen.

Wein No. 5:    „Novaserra“ Greco di Tufo DOCG 2014,  Mastroberardino
100% Greco,  Edelstahlausbau.
Superiore.de:..Bouquet von Gelben Pfirsichen und Anis, reife aber doch unheimlich frische Frucht am Gaumen…. Im langen Finale finden wir einen Hauch von Karamell.
Wir konnten hier 2 Grecos von verschiedenen Erzeugern nebeneinander probieren
Der Restzucker von 0,8 g/l und die Säure von 7 g/l war vielen doch zu anstrengend.
Es wurde sogar teilweise reklamiert, dass eine der Flaschen fehlerhaft sei.
Mit 13,75 Punkten erreichte dieser Wein die zweitschlechteste Wertung des Abends, wobei volle 4 Punkte zwischen der niedrigsten (11,5 Punkte) und höchsten (15,50 Punkte) Wertung lagen. Dieser teuerste Weißwein der Probe wurde wieder von allen Weinführern recht hoch bewertet (2 Gläser, 89 – 92 = 16,3 –17,3 Punkte in unserem 20er-Schema).

Wein No. 6:    „Radici“ Fiano di Avellino DOCG 2014,  Mastroberardino
100% Fiano, Edelstahlausbau.
Zu diesem Wein haben sich Robert Parker und James Suckling geäußert.
Hier der knappere Kommentar des letzteren (aus dem Englischen):
Dies ist ein sehr dichter Weißer mit grünen Papayas, Limonen und Mineral. Voller Körper, sehr knackig und lebhafte Säure. langes, knackiges Finale.
Wenn man den Kommentar von Parker und superiore.de liest, die ich hier nicht im Detail zitieren möchte, hört sich das ganz anders an.
Geschmack ist wohl doch sehr relativ, auch unter Experten.
Der Fiano di Avellino gilt als d e r   klassische Weißwein Kampaniens.
Hier gefiel der mit 1,1, g/l Restzucker und 6 g/l Säure analysierten Wein doch deutlich.
besser. Es kamen immerhin 14,61 Punkte durchschnittlich zustande und die Varianz hielt sich mit 2,5 Punkten auch in Grenzen ( 13,0 –15,5 Punkte). Die Wertung liegt aber erneut weit von Parker/Suckling entfernt, die umgerechnet 16,7/ 17,7  Punkte gaben.
Als Fazit ist festzuhalten, dass wir uns bei Weißweinen mit anderen Geschmacksnoten wie bei Weinen aus Deutschland und Österreich gewohnt sehr schwer tun.

Rotweine aus Kalabrien
Kalabrien ist das südlichste Weinanbaugebiet auf dem italienischen Festland und ist gleichzeitig eines der ältesten. Schon um 1000 v. Chr. Gründeten griechische Siedler von Sizilien aus hier und in Kalabrien erste Siedlungen und nannten das Gebiet Oinotria, was soviel wie Weinland bedeutet. Gleichzeitig führten sie noch heute bekannte Reben wie die rote Gaglioppo ein, aus der die meisten der von uns probierten Weine gekeltert wurden.
Im Westen ist die Stiefelspitze Italiens vom Tyrrhenischen und im Osten und Süden vom Ionischen Meer begrenzt.
Wenn man versucht, etwas über die Größe des Weinanbaugebiets herauszufinden, findet man ein Wirrwarr von Angaben. Da wird von 35.000 ha gesprochen, von denen aber nur rd. 1/3 unter Ertrag steht aber auch von 13.500 ha, was dem ungefähr entsprechen würde, aber es wird auch die verblüffend genaue Zahl von 24.339 ha aber auch nur 12.716 ha genannt.
Sei es drum, es womöglich ein Anzeichen für die immer noch geringe Wertschätzung des Qualitätsweinbaus in Kalabrien.
Der Weinbau ging in Kalabrien durch Abwanderung qualifizierter Winzer in die USA und nach Italien stark zurück. Seit Ende des 2.Weltkrieges verkam das Gebiet mehr und mehr zum Erzeuger billiger, roter Verschnittweine (90% der Weine), die oft den Weg nach Norden fanden, um dort leichteren Konsumweinen aufzuhelfen. Mittlerweile beginnt sich die Region aber Zug um Zug zu erholen. Fand man in älteren Weinführern nur wenige Qualitätsweinproduzenten, wobei Librandi weit vor allen anderen genannt wurde, sind es mittlerweile ein paar mehr. Die Zeitschrift MERUM stellte bei einer aktuellen Probe fest, dass die besten Weine nach wie vor nur von zwei Weinerzeugern stammen: Librandi und mit Abstrichen Statti. Dazu haben wir uns noch an zwei weitere, nicht so bekannte Weingüter herangewagt.
Die Weine von diesen vier Weingütern mussten wir uns bei drei Lieferanten zusammensuchen.
1.         Librandi
Über den Weinbau Kalabriens zu berichten, bedeutete lange Zeit, vor allem über eine einzige Kellerei zu sprechen: Librandi. Doch inzwischen gibt es immer mehr gründlich arbeitende Winzerbetriebe, die niveauvolle regionaltypische Weine erzeugen und dabei vor allem auf antike einheimische Rebsorten zurückgreifen. Das dem so ist, können wir Nicodemo Librandi verdanken, denn er hat die bedeutensten dieser Rebsorten – etwa Gaglioppo, Magliocco und Mantinoca zu neuem Leben erweckt und anderen Weinbauern vorgemacht, welche hohen Qualitäten in diesen Trauben stecken. (superiore.de).
Das Weingut befindet sich in Cirò Marina nahe der Ferienanlage Punta Alice. Librandi betreibt mehrere Versuchsweingärten, in denen die uralten kalabrischen Rebsorten kultiviert werden.
Das Gut umfasst 232 ha Weingärten und füllt ca. 2,2 Mio.Flaschen Wein ab.
Das Mikroklima ist bestimmt durch das milde Wetter der ionischen Küste und frische Brise aus den Bergen.
2.         Statti
Die Familie des Barons Statti lebt seit 1700 auf den denselben 500 ha Land.  Dabei beträgt die Anbaufläche für Oliven 300 ha (eigene Ölmühle), die Rebfläche 100 ha (andere Angabe: lediglich 35 ha, 300.000 Fl.); der Rest wird für Zitrusfrüchte, Viehzucht (800 Kühe) und Gründüngung verwendet. außerdem wird noch Weintourismus mit Weinkursen angeboten.
In den letzten 15 Jahren wurden keine Kosten und Mühen gescheut, das Weingut zu modernisieren. Es wird ein breites Spektrum von internationalen und einheimischen Sorten angebaut. Letztere werden zum Schluss bis Mitte Oktober gelesen.
Der Komplex befindet sich in Lamezia Terme an der Autobahn Salerno – Reggio Calabria.
Originellerweise sind in der Internetseite die GPS Koordinaten angegeben.
3.         iGreco
Der Name der Fattoria Greco in Cariati, die ihre Weine unter dem Markennamen „iGreco“ (Die Grecos, 7 Kinder der Familie) vermarktet, erinnert wieder an die Griechen (Magna Graecia), die den Oliven und Weinanbau nach Kalabrien brachten.
Die Familie ist schon seit Generationen im Olivenanbau und der Traubenproduktion tätig.
Die neuere Geschichte von iGreco als selbstvermarktendes Weingut beginnt erst in den 1960ern mit dem Bau eine Ölmühle und Kellerei in Cariati. Das Motto des Hauses ist für Öl und Wein „sensa della Calabria/the sense of Calabria“.
Man bietet auch Agritourismus an und unterhält auch ein Öl- und Weinmuseum.
Cariati ist ein modernes Seebad mit einer historischen und geschichtsträchtigen Altstadt.
Das Weingut liegt im Cirò DOC-Gebiet wie auch Librandi.
Die Familie Greco ist heute im Besitz von mehreren hundert Hektar Olivenhainen und einem großzügig angelegten Weingut mit Weinbergen in Cirò, Cirò Marina, Crucoli, Scala Coeli, Camagliatello Silano, Terravecchio und schlussendlich Cariati, wo sich neben der erwähnten Ölpresse auch die Kellerei und die Verkaufsräume befinden.
Die Grösse der Rebfläche war nicht zu ermittleln.
4.         Ferrocinto
Im Nordosten von Kalabrien liegen am östlichen Rand des Pollino-Nationalparks die Weinberge der Tenuta Ferrocinto in Castrovillari. Die Lage genau in der Mitte der italienischen Stiefelspitze, ungefähr gleich weit vom tyrrhenischen Meer im Westen und dem ionischen Meer im Osten schaffen ein ideales Mikroklima mit heißen Tagen und kühlen Nächten. Die ersten Reben wurden bereits 1855 angepflanzt. Im Jahr 2003 wurde das Weingut den modernsten önologischen Verfahren angepasst. Die Weinberge liegen durchschnittlich auf 450m über N.N.
Die Ton- und Kalkböden sind besonders reich an Kalium und die konstante Sonneneinstrahlung sorgt für ideale organoleptische Eigenschaften der Trauben.
Die Größe des Weingutes wird mit 123 ha für Wein und Öl angegeben, andere Quellen berichten von 130 ha nur für Weinberge.
Rebsorten der verkosteten kalabrischen Rotweine
Wir haben fast ausschließlich reinsortige Weine aus authochtonen Rebsorten ausgewählt.
Lediglich Wein No. 11 ist eine Cuvee von Gaglioppo mit Cabernet Sauvignon.
Magliocco
Magliocco oder genauer Magliocco Canino ist eine uralte autochthone Rebsorte, die offenbar ausschließlich in Kalabrien auf nur noch ca.1.500 angebaut wird. Es soll kleinste Bestände auch in der Schweiz geben ( ca. 10 ha).
Sie wird häufig mit der Gaglioppo verschnitten.
Es besteht Unklarheit, ob die Magliocco Canino mit der sehr seltenen Rebsorte Magliocco Dolce (nur 87 ha) identisch ist, aus der nur das Weingut Librandi den hochklassigen  reinsortigen Wein „Magno Megonio“ (s. Wein No. 10) keltert.
Sie ergibt tanninreiche Weine
Gaglioppo
Die Rebsorte soll schon von den Griechen in vorrömischer Zeit eingeführt worden sein.
Sie wird auf rd. 7.000 ha angebaut, auch in den Abruzzen, den Marken und in Umbrien (s. Bemerkungen oben zu den Anbauflächen) und ist auf jeden Fall die wichtigste rote Rebsorte Kalabriens.
Die Sorte gedeiht hervorragend in trockenem Klima und erreicht einen hohen Zuckergehalt und damit hohe Alkoholgrade. Die Weine sind robust und selten subtil. Bei entsprechender Behandlung hat sie jedoch einiges Potential.
Es besteht Unklarheit ob Magliocco mit Galioppo oder gar der Aglianico-Traube verwandt ist.
Nero di Calabria oder Calabrese
In Sizilien heißt diese Rebsorte Nero d’Avola („Principe Siciliano“) und ist dort eine der Hauptqualitätsweinsorten.(ca. 18.000 ha). Vom Namen „Calabrese“ her wird vermutet, dass die Rebsorte aus Kalbarien stammt, obwohl sie in Kalabrien wenig angebaut wird.
Sie hat Fülle und Haltbarkeit und ist gut für den Holzfassausbau geeignet.
Wir werden dieser Rebsorte in unserer Sizilienprobe im Dezember wieder begegnen.

Wein No. 7:    Magliocco 2014,   Ferrocinto
100% Magliocco, Mazeration 24-36 Std. Maischegärung, 10 Mon. Edelstahlausbau mit Mikrooxydation
13 Vol.-% Alkohol, 5,1 g/l Restzucker, 3,3 g/l Säure
Nach einer ersten Vorverkostung waren Zweifel aufgekommen, ob man diesen Wein in die Probe nehmen sollte. Er ist von einfacher Qualität und verliert mit Luft nach relativ kurzer Zeit.
Offenbar fand er dennoch Gnade bei unseren Verkostern, was immerhin eine Höchstpunkt-zahl von 15 Punkten bezeugt. Die niedrigste Wertung lag bei 13 Punkten und der Durchschnitt bei 13,82 Punkten. Er war gefällig, aber   die Beschreibung eines Anbieters „delikat mit Anklängen von Erdbeeren und Sauerkirschen“  war nur teilweise nachvollziehbar.

Wein No. 8:    Catà Gaglioppo Rosso 2013 IGT Calabria Biologico,  IGrecco
100% Gaglioppo, Mazeration 12 Tage, Gärung im Edelstahl, malolaktische Gärung in Barriques, Ausbau 6 Monate in Barriques, 13,5 Vol.-% Alkohol, 5,5 g/l Restzucker, 5,5 g/l Säure
Die Reben wuchsen in einem 5.000 Stock pro ha dicht bepflanzten Weinberg von 15 ha Größe auf 100m Meereshöhe im Cirò-Gebiet.
Rote Früchte und die Vanille vom Barriqueausbau charakterisieren diesen Wein. Dennoch wurde er von einigen mit nur 13,0, in der Spitze jedoch mit 15,5 Punkten bewertet, aber insgesamt im Durchschnitt 0,5 Punkte höher als der Vorgänger, also mit 14,32 Punkten bewertet.

Wein No. 9: Gaglioppo Calabria IGT 2014,  Statti
100% Gaglioppo, 13 Vol.-% Alkohol, traditionelle Maischgärung bei 22 – 26°C
über 7 Tage, Ausbau 3 Monate in Edelstahl
Der Wein weist Spiel auf mit Noten von Sauerkirschen, Pfeffer und roten Früchten.
Lt. Angaben soll er eine Lagerfähigkeit bis 2020 haben.
Bei der Wertung auch hier das gleiche Bild: Wertungen zwischen 13 und immerhin 16 Punkten bei einem Durchschnitt von 14,48 Punkten.
Bei Parker war der Wein mit 90 Punkten im 100er Schema ( = 16,7 Pkte.) bewertet, der Gambero Rosso zeichnete ihn mit 2 Gläsern aus.

Wein No.10,  „Duca San felice“, Cirò Rosso Riserva DOC 2012,  Librandi
100% Gaglioppo, 36 Monate Ausbau im Edelstahl, 14,6 Vol.-% Alkohol
„Von Granatsplittern durchsetztes Rubinrot, das Bouquet intensiv und konzentriert, im Geschmack zeigt sich der erfreulich kraftvolle Extrakt mit schön ausgewogenen Holztönen. Ein hervorragend vinifizierter Cirò, wie ihn der wahre Freund italienischer Weine liebt“
(superiore.de)
Wo bei einem angeblich reinen Edelstahlausbau die Holztöne herkommen sollen, ist etwas schleierhaft. Wir haben sie jedenfalls nicht so gespürt.
Auch hier war offenbar der eine oder andere nicht gerade „der wahre Freund italienischer Weine“, jedenfalls kam auch hier als niedrigste Wertung mal wieder die 13, aber als Spitze auch die 16,5, was einen Durchschnitt von 15 Punkten ergab.

Wein No. 11,  Arvino Calabria IGT 2012,  Statti
60% Gaglioppo mit 40% Cabernet Sauvignon, traditionelle Maischgärung bei 22 – 26°C
über 15 Tage, Ausbau 12 Monate in frz. Barriques und 6 Monate auf der Flasche.
Arvino ist im kalabrischen Dialekt die Bezeichnung für Gaglioppo, der hier gut mit der internationalen Sorte Cabernet Sauvignon harmoniert.
„Diese elegante, charaktervolle Komposition offenbart ein komplexes Aroma von reifen Früchten und einem Hauch von schwarzem Pfeffer und Gewürzen“ (Belvini.de)
Obwohl wir uns hier dem internationalen Geschmack durch die (gelungene) Abrundung mit Cabernet Sauvignon etwas mehr annäherten, klaffte eine Differenz von 4,5 Punkten (zw. 12,50 –als niedrigste Wertung für einen Rotwein in der Probe und 17,0 ) bei der Wertung besonders weit auseinander.

Wein No. 12,  „Magno Megonio” Rosso Val di Nieto IGT 2013,  Librandi
100% Magliocco Dolce (eine bessere Spielart der Magliocco Canino, s.o.), Ertrag 65 Quintals = 40 hl/ha, temperaturgesteuerte Vergärung in Edelstahl mit 15 tägiger Mazeration, Ausbau 16 Monate in Allier-Barriques sowie 6 Monate auf der Flasche, 14,5 Vol.-% Alkohol, 1,0 g/l Restzucker, 4,9 g/l Säure
„„Für Liebhaber autochthoner Weine: Maulbeer-und Pfeffernoten im Duft, am Gaumen kompakt, ausgewogen, Säure und Tannin gut ausbalanciert, lang mir Aromen von reifen Himbeeren und Honig. Ein verführerisch eleganter Wein aus der Magliocco-Traube“
(belvini.de)
Andere Beschreibungen sind noch enthusiastischer.
Dieser Wein gilt als einer der besten süditalienischen Weine und hat die begehrte Auszeichnung mit 3 Gläsern im Gambero Rosso erhalten. Bei seinem ersten Erscheinen galt er als Sensation.
Dennoch gefiel er dem einen oder anderen nicht, was sich in einer Wertung mit 13 Punkten ausdrückte. Liebhaber solcher italienischen Weine gaben bis zu 17,5 Punkte für diesen Wein,
was sich in einem Durschnitt von 15,14 Punkten niederschlug.
Italienische Kritiker gaben 17,0 bis 17,3 Punkte.

Wein No. 13 „Masino“ Nero di Calabria IGT  2014,  iGrecco
100 % Nero di Calabria oder Calabrese (=Nero d’Avola, s.o.), 5,400 Stöcke pro ha, Mazeration auf den Schalen 16-18 Tage, Vergärung in Edelstahl, mololaktische Gärung und Reifung in Barriques sowie 6 Monate auf der Flasche. 14 Vol.-% Alkohol, Restzucker 5,5, g/l, Saure 5,5, g/l.
Dieser tiefrote Wein weist balsamische Noten auf und Aromen von Waldbeere und schwarzen Kirschen. Im Geschmack füllig und saftig mit delikaten Tanninen.
Bei den Wertungen kamen diesmal 14 Punkte als niedrigste und 17,5 Punkte als höchste Wertung heraus.
Fazit:
Fast alle Weine wiesen für einige von uns unbekannte Geschmacksbilder auf.
Nicht umsonst beschränken sich autochthone Rebsorten auf meist eng umrissene Gebiete und haben keinen Siegeszug rund um die Welt gemacht wir Cabernet Sauvignon, Syrah, Chardonnay & Co.
Sowohl bei den Weißen wie bei den roten Weinen waren für den einen oder anderen zu viel fremde Noten im Spiel, die zu niedrigen Werten, fast Ablehnungen führten.
Bei den Weißen war wohl immer den Vergleich mit den deutschen Weißweinen im Hinterkopf, bei den Rotweinen wohl die eleganten französischen Weine oder auch moderne internationale Weine aber auch deutsche Spätburgunder.
Offensichtlich konnten nur Teilnehmer, die sich auf die Besonderheiten italienischer Weine auch aus dem Süden eingelassen haben, diese auch schätzen.

Verfasser: Wilfried

2016_10_Weinprobe Kampanien und Kalabrien Auswertung

 

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Weinprobe Apulien und Basilikate am 19.09.2016

Erstellt von Dieter am 26. Oktober 2016

Bei unserem zweiten Termin italienischer Weingebiete hatten wir eine sehr interessante Verkostung aus zwei benachbarten Gebieten, die aber sehr unterschiedlich sind

Puglia und Basilikata

Puglia (Apulien) hat mit 100.000 ha eine der  größten bestockten Flächen Italiens (oft wird Apulien auch „Weinkeller Italiens“ genannt), während die Basilikata mit 10.000ha die drittkleinste Fläche Italiens hat.
In der Weinproduktion sticht Puglia ebenfalls mit riesigen Mengen hervor, der Ertrag liegt manchmal bei mehr als 100 hl/ha (!), während in der Basilikata der Ertrag mit 24hl/ha deutlich kleiner ist und nur vom Aosta-Tal unterboten wird.
Gemeinsam ist beiden Gebieten, dass hier zum größten Teil Rotweine produziert werden, die oft aus interessanten autochthonen Sorten wie Primitivo, Negroamaro und Nero di Troia (Puglia)  und Aglianico  (Basilikata) bestehen. Weine aus diesen Rebsorten wurden in der Probe vorgestellt.
Zur hohen Qualität der Probe trug bei, dass nur DOC-Weine präsentiert wurden, sie machen in Puglia nur 5% der gesamten Weinproduktion aus. Außerdem zeigte sich eine generelle Qualitätssteigerung, die vor etwa 20 Jahren bei traditionsreichen und vielen neuen qualitätsorientierten Weingütern und Kellereien begann und bis heute anhält.

Die Weine der Probe:

Angegeben sind die Benotungen des Verfassers und der Durchschnitt aller Verkoster der Probe

1.         Basilikata,   2014 Haus Pipoli bianco,  Vigneti Del Vulture
aus Greco und Fiano,  14,0 / 14,05 Punkte

Stroh-gelb, blass, aber nicht jugendlich (mit Reifenuancen)
Riecht „trocken“, zurückhaltend, herb mit Blüten- und Mandelaromen, bisschen matt, wenn auch nicht müde (ähnelt einem Welschriesling)
Am Gaumen dann auch trocken, aber mit einer lebendiger, überraschender Säure, frisch, harmonisch, fruchtig-blumig, sogar saftig. Im Geschmack  besser.

2.         Basilikata,   2013 Haus Pipoli rosso,  Vigneti Del Vulture
             aus Aglianico, 14,5 / 14,10 Punkte

Kräftiges, dichtes, jugendliches Purpurrot, schmaler Rand.
Riecht „weinig“, mineralisch, herb (Rappen?) im etwas kälteren Zustand. Ähnelt sogar einem Cabernet Franc (Loire); zeigt auch Veilchennoten, Brombeeren.
Am Gaumen dann saftig, mit viel Stoff und feinen Tanninen. Relativ viel unvergorener Zucker (stört ein wenig). Mit der Zeit (und Temperatur) kommen schöne Gewürznoten (Zimt) und ein gut dosiertes Barrique dazu.
Ein stimmiger, überzeugender Wein im Aglianico-Einstiegssegment.

3.         Puglia,   2013 Rupicolo,  Az. Vinicola Rivera
             aus Montepulciano, Nero di Troia und Cabernet Sauvignon, 14,0 / 14,15 Punkte

Etwas reifere und nicht so intensive Farbe wie der Wein davor.
Riecht auch „leichter“ mit floralen Noten (von der Nero di Troia?)
Der erste Eindruck ist leicht süßlich mit viel (staubigem) Tannin, erdig.
Einerseits robuster, aber mit 12,5% Alkohol angenehm leicht.
(Wird von den anderen Verkostern besser bewertet)

4.         Puglia,   2010 Vigna Pedale,  Torrevento
             aus Nero di Troia,    15,5 / 14,95 Punkte

Schönes Dunkelrot, jugendlich mit feinem Rand.
Nase sehr interessant: blumige (Veilchen-) Note, herb-fruchtig, verschiedene dunkle Beeren.
Am Gaumen dann sehr harmonisch, würzig, glatte Tannine, mit schöner Fruchtsüße.
Ein interessanter,  stimmiger und sehr gut gemachter Wein (Nero di Troia !), mit gutem Zeitpunkt der Reife.

5.         Puglia,   2012 Bolonero,  Torrevento
             aus Nero di Troia und Aglianico, 14,5 / 14,65 Punkte

Etwas dichter in der Farbe, aber nicht so schön wie der Wein davor.
Nase süßlich, Gewürze, leicht parfümiert, nicht besonders fein, eher „gemacht“.
Am Gaumen auch süßlich, aber harmonisch mit Spiel von Würze und Wärme.

6.         Basilikata,  2010 Teodosio,  Az. Agricola Basilisco
             aus Aglianico, 16,0 / 15,75 Punkte

Schönes, dichtes Rot
Riecht “dicht”, würzig, Trockenobst, später süßlich-animalische Note, überreife Frucht (nicht „astrein“)
Am Gaumen viel Fruchtsüße, aber kräftige Tannine und Säure (Aglianico !)
Konzentrierter, interessanter Wein mit Charakter, der wegen seiner Jugend noch nicht ganz stimmig wirkt. Typischer, noch junger Aglianico.

7.         Basilikata,   2006 Guadarra,  Bisceglia
             aus Aglianico,  17,0 / 15,25 Punkte

Dichtes, leicht trübes, helleres Rot, das Reife andeutet.
Sehr würzig, altes (schönes) Holz, viel Trockenobst (Feigen, Datteln), eingelegte Sauerkirsche, leicht Liebstöckel. Überraschende, kühlende Menthol-Note, die neben dem süßlichen Trockenobst für Spannung sorgt.
An Gaumen wieder schöne Gewürze (Zimt, Gewürznelken) und Haselnüsse. Viel Stoff, bei viel Tannin sehr samtig (Aglianico-Reife !)  Auf dem Höhepunkt.
(Bei einigen Verkostern eigentlich über dem Zenit, bzw. schon am Anfang des Zerfalls. Ein Wein der abhängig von der Herangehensweise des Verkosters polarisiert)
Im Vergleich zu Nr. 6 ein schönes Beispiel, wie ein Aglianico mit 10 Jahre Reife zu seiner Weichheit und Samtigkeit kommt.
Ein „mürber“, reifer Wein mit Charme und Charakter.

8.         Puglia,   2009 Il Falcone,  Az. Vinicola Rivera
              aus Nero di Troia, Montepulciano, 16,5 / 16,20 Punkte

Sehr schönes Rubinrot mit „reifem“ Rand.
Riecht gleichzeitig „warm“, weich-sahnig  und herb-blumig mit klaren Veilchen-Noten (Nero di Troia!)
Sehr harmonisch mit feiner Frucht, glatten Tanninen und zurückhaltenden Barriquearomen.
Ein absolut stimmiger, sehr gut gemachter Wein und erster Wein der Probe mit deutlicher Eleganz.
Gutes Beispiel für die Qualität der Castel del Monte Paradesorte Nero di Troia.

9.         Puglia,   2012 Cinque Autoctoni,  Vigneti del Salento
            aus Montepulciano, Primitivo, Sangiovese, Negroamaro, Malvasia Nera,
16,5 / 16,25 Punkte

Sehr dichtes, jugendliches, dunkles Purpurrot, mit viel Glyzerin-„Tränen“ am Glasrand.
Trockenobst, süßlich, Vanille, Puderzucker.
Erstaunlich viel Extrakt/Stoff am Gaumen. Gewürze (Nelken), süßliche, tolle Frucht die man „kauen“ kann. Sehr viel Tannine, die sehr fein, wenn auch jung sind. Karamell-Sahne-Bonbon.
Ein noch zu junger Wein, der von allem (zu)viel hat und Richtung eigene Karikatur tendiert.
(Kontrovers benotet, was zu verstehen ist je nachdem, ob man den Stil des Weines oder die „reine“ Weinqualität beurteilt)

10.      Puglia,   2012 Sessantanni,  Feudi di San Marzano
            aus Primitivo, 16,0 / 16,60 Punkte

Dicht, fast Schwarz.
Nase: schöne schwarze Kirsche, riecht „weich“, wieder Puderzucker, Gewürze, sehr überzeugend und sauber.
Erstaunliche Kraft, saftig, fleischig, viel schöne Frucht. Säure, die ein bisschen abgetrennt steht (zugegeben?) Abgang lang, Rosinen, sehr süß, nicht nur wegen des hohen Alkohols, sondern auch wegen der Restsüße.
Ein modern gemachter, überzeugender, mächtiger Wein, also typisch Primitivo aus Puglia in der oberen Klasse. Noch jung.

11.      Puglia,   2012 “F”,  Feudi di San Marzano
           aus Negroamaro, 16,5 / 16,65 Punkte

Dicht, auch fast Schwarz, dünner Rand, aber etwas reifer in der Farbe als der Primitivo.
Auch sehr würzig, konzentriert, feine Frucht, deutlich Teer, saftig, Barrique, kräftige Säure, Gewürze.
Mehr Tannin als der Primitivo, Zedernholz.
Auch hier ein typischer, mächtiger Wein aus einer sehr interessanten Sorte, der aber, wie auch die beiden Weine davor, schon bei dem zweiten Glas satt macht.

12.      Basilikata,   2010 Il Sigillo,  Cantine del Notaio,
            aus Aglianico,  17,0 / 16,95 Punkte

Sehr schönes dunkles Rot, klarer Rand.
Nase geradlinig, durchdringend, frisch und sehr mineralisch (auch Teer), Säure schon angedeutet.
Sauber, interessant; Sauerkirsche, Walderdbeeren, Mispeln, lang, tief, konzentriert, sogar irgendwie verschlossen.
Am Gaumen  sirupartig, geschmolzener Stein, wieder kräftig Teer, Barrique. Viel Tannin und Säure (typisch für Aglianico), sehr konzentriert. Kräftiger, langer Abgang, wieder Mispeln.
Ein mächtiger Wein, typisch Aglianico, der  in seiner Jugend noch ohne Eleganz dasteht, der aber viel Potenzial für die Zukunft verspricht.

Verfasser: Ceca

2016_09_Weinprobe Apulien und Basilikata Auswertung

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Weinprobe Ökologischer Weinbau mit Weinen aus dem Weingut Dr.Kauer, Bacharach

Erstellt von Dieter am 26. Oktober 2016

Unsere diesjährige „Technikprobe“ konnte erst in den Semesterferien der Hochschule Geisenheim stattfinden, da Dr.Kauer, Professor für Ökologischen Weinbau an der „Weinuniversität“ erst dann Zeit dafür hatte. Außerdem  betreibt er ein Weingut in Bacharach und ist langjähriger Vorsitzender der „Weinzunft Bacharach Zechgesellschaft Anno 1328 zu Bacharach und Steeg“ und hat dadurch Verständnis für den Weinbildungshunger unserer Weinbruderschaft.

An den Anfang möchten wir die Erklärung des Weingutes auf seiner Homepage zum Thema „Ökologischer Weinbau“ stellen:

„Als wir 1982 gestartet sind, war eines von Anfang an klar: Bioweinbau soll es sei, ohne Wenn und Aber. Richtlinien gab es noch keine, aber die Richtung war klar. Von daher ist Bio-weinbau für uns eine Selbstverständlichkeit. Unser Engagement gilt dabei insbesondere dem Steillagenweinbau.
Der Boden und das Bodenleben sind unser höchstes Gut und die Grundlage für die Qualität der Trauben und Weine. Darum sind während der Winterperiode alle unsere Weinberge mit der natürlichen Standortflora begrünt. Im Frühjahr lockern wir jede zweite Rebgasse auf, um da Bodenleben und die Mineralisation anzuregen. Hierdurch versorgen wir die Reben mit Nährstoffen und verringern auch die zeitweise Wasserkonkurrenz zwischen Reben und Begrünung in den Sommermonaten. Bei Bedarf füttern wir das Bodenleben und unsere Reben zusätzlich mit organischen Materialien. Auch im ökologischen Weinbau müssen beim Anbau von klassischen Rebsorten, wie dem Riesling, Rebschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Zum Schutz der Trauben vor den eingeschleppten Mehltaupilzen setzen wir Gesteinsmehle, Algenextrakte, Backpulver sowie in kleinen Mengen Schwefel und Kupfer ein. Unser Betrieb wird jährlich im Rahmen der EU-BioVerordnung und den ECOVIN Richtlinien zertifiziert. Mit dem Jahrgang 2012 wird die Verwendung des EU BioLogos verpflichtend. Sie finden daher, neben dem ECOVIN Zeichen auch das EU-Gemeinschaftslogo für biologisch erzeugte Produkte auf unseren Etiketten“

Mit diesem Statement ist schon alles Wesentliche zum Ökoweinbau gesagt. Dr. Kauer führte uns jedoch seine einzelnen Elemente anhand seiner umfangreichen Studienunterlagen visuell per Beamer näher aus.

Der Ökoweinbau ist ein Bewirtschaftungssystem.
Heute findet man in unseren Weinbergen den integrierten (konventionellen) Weinbau einerseits und den Ökologischen/ biologischen Weinbau andererseits, letzteren mit einem Anteil von 8-10 % der Rebfläche. Eine Variante ist der biologisch-dynamische Weinbau, der auf dem anthroposophisch-ganzheitlichen Weltbild  von Rudolf Steiner beruht. Die kosmischen Einwirkungen beispielsweise der Mondphasen  können wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, auch nicht die spirituellen Wirkung von biodynamischen Präparaten wie Hornmist und Kräuterpräparaten. Hierfür stehen „Demeter“ und das „Biodyvin“-Label.
Andere deutsche Bio-Anbauverbände sind heute neben ECOVIN z.B. Bioland oder Naturland.

Zum Thema Boden und Bodenleben führte er aus, dass bei der Begrünung  (nicht übertreiben!) ein hohe Biodiversität angestrebt wird mit bis zu 30 Mischungspartnern (u.a. Leguminosen, die Stickstoff in den Boden bringen) und tierische Nützlinge unterstützen. Beim integrierten Weinbau  dominiert dagegen oft „Sportplatzrasen“.
Offene Rebgassen werden mit Holzhäcksel oder Stroh abgedeckt.  Es werden keine Herbizide, auch nicht im Stockbereich, und keine Mineraldünger eingesetzt. Bei Kompost wird kein Kompost aus unbekannten Quellen (z.B. grüne/braune Tonne) verwendet. Ggf. wird bei Trockenheit die Gründüngung gewalzt, um die Pflanzen absterben zu lassen.
Beim Pflanzenschutz muss jedoch mangels Alternativen Kupfersulfat eingesetzt werden. Es wird i.d.R. in 10 Gaben á 300 g/ha (gemessen als reines Kupfer) ausgebracht, also 3 kg pro Jahr. 2016 werden wegen des Peronosperadrucks, der durch die feuchte Witterung ausgelöst wurde, jedoch aufs Jahr gerechnet 4 kg verwendet werden. Viele Winzer, speziell Ökowinzer rechnen 2016 mit hohen Ernteausfällen. Vergleichsweise wurde  in den 20er- und 30er-Jahren 40-50 kg Kupfer pro ha ausgebracht.
Im Keller wird im ökologischen genauso wie im integrierten Weinbau gearbeitet, d.h. Ziel ist die Einschränkung auf die notwendigsten Maßnahmen und Reduzierung von Schwefel.

Bei all diesen Informationen kam dennoch der Wein nicht zu kurz.

Das Weingut Dr.Kauer hat 3,5 ha im Ertrag, davon 95 % Riesling und 5 % Spätburgunder, letzterer nur für Rosé und Sekt. Ziel ist es, das Weingut auf 6 ha zu bringen, damit die mögliche Nachfolgerin das Weingut wirtschaftlich erfolgreich weiterführen kann.
Die Weinberge liegen bedingt durch die Neugründung 1982 ohne Weinbergsbesitz etwas verstreut in Bacharach (Kloster Fürstental, Wolfshöhle), Oberwesel (Oelsberg) und Oberdiebach (Fürstenberg).

Wir konnten einen Sekt und 12 Rieslinge probieren, darunter einen halbtrockenen 2001er.

Wenn man sich die Durchschnittswertungen betrachtet, fällt auf, dass die Punktung vom trockenen Gutswein, über (echte) Kabinetts bis zur Spätlese sich sehr homogen zwischen guten 14,07 und 15,76 bewegt. Lediglich die edelsüße Auslese zum Schluss lag mit 16,33 Punkten darüber.

Wir konnten eine Kollektion verkosten, von der man sagen kann: So muss Riesling schmecken.

Im Einzelnen:

1.         Spätburgunder Rosé Sekt  brut, 2013, Traditionelle Flaschengärung.

Der feinperlige  Sekt wurde im Weingut selbst abgerüttelt und lag bei 10 g. Restzucker.
Bei relativ geringer Schwankungsbreite bewerteten wir den Sekt im Schnitt mit 14,45 Punkten.

2.         2015  Dr. Kauer Riesling Qualitätswein, trocken,.

Der Gutswein, von Dr. Kauer als „Visitenkarte des Betriebs“ bezeichnet,
war ein sauberer, typischer und frischer Riesling.
Wir werteten ihn im Schnitt mit 14,07 Punkten.
Die Kabinettweine insbesondere im trockenen und halbtrockenen (feinherben) Bereich liegen dem Weingut besonders am Herzen. Ziel ist, munter machende, anregende Weine mit moderatem Alkoholgehalte zwischen.10,5 bis 11,5 Vol.% zu erzeugen.

Bei den ersten beiden Kabinettweinen Weinen konnten wir einen Jahrgangsvergleich machen:
3.         2015  Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, trocken, ( 11 % Alk.) und
4.
         2014  Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, trocken,  ( 11 % Alk.)
Beides echte Kabinettweine mit geringem Alkohol, leichtem Körper aber genügend Substanz. Die Nr. 4 schmeckte jahrgangsbedingt gereifter.
Die Wertungen lagen bei 14,61 Punkten für die Nr. 3 und 14,24 Punkten für die Nr. 4, was eigentlich typisch für den Vergleich dieser beiden Jahrgänge ist.

5.       2015 Bacharacher Wolfhöhle Riesling Kabinett, trocken ( 11,5 Alk.)
Ein weiterer typischer Kabinett, etwas kräftiger und mineralischer als Kloster Fürstental 2015 (Nr.3). Wir griffen mit 14,93 Punkten etwas höher.

Die Spätlesen bezeichnet Dr. Kauer als wahre „Terroiristen“, da sie die Herkunft besonders eindrucksvoll widerspiegeln. Die Lese erfolgt erst gegen Ende des Herbstes weit nach den Kabinetten, was der Aromaausprägung besonders dienlich ist. Sie liegen zwischen Mäßigen 11,5 und 13,0% Alkohol bei den trockenen Weinen.
Wir konnten 2 Lagen gegeneinander verkosten:

6.         2015  Oberweseler Oelsberg Riesling Spätlese, trocken und
7.         2015 Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Spätlese, trocken

Beide mit praktisch identischen Alkohol-, Restzucker- und Säurewerten und mit 15,67 bzw. 15,65 Punkten fast identischer Wertung.
Der Oelsberg wies eine deutliche Mineralik und nicht so kräftig schmeckende Säure auf, der Fürstenberg war dafür schmelziger.
Der Oelsberg liegt an einem südorientierten Prallhang des Rheins und gilt als eine der besten Lagen. Er ist früh trinkreif.
Verblüffender weise gingen die individuellen Wertungen bei diesen Weinen deutlicher auseinander, als bei den Kabinettweinen. Es könnte an der mineralischen Note liegen, die dem einen oder anderen nicht so zusagt.

Damit verließen wir die trockenen  Wein und probierten jetzt drei feinherbe Weine. Dabei kam wieder einmal die Diskussion zum Thema „feinherb“ auf.

8.       2015, Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, feinherb

Der Wein ist bei der Spontangärung bei 22,3 g / l Restzucker stehengeblieben und weist nur 11,0 Vol% Alkohol auf. Die dezente Süße war schön eingebunden. Mit 14,89 Punkten im Durchschnitt lag er auf dem Level der anderen Kabinetts.

9.       2015 Oberweseler Oelsberg Riesling Spätlese, feinherb
.

Auch dieser Wein ein typischer feinherber Wein mit 20,7 g/l Restzucker, aber deutlich fülliger als sein  Vorgänger. Er lag mit 15,28 Punkten im Bereich der beiden trockenen Spätlesen.
10.     2011 Bacharacher Wolfshöhle Riesling Kabinett, feinherb

Ein schöner und  gereifter Wein mit 23,0 g/l Restzucker, bei dem die Wertungen dennoch weit auseinander gingen. Im Schnitt kamen 15,63 Punkte heraus, wobei er einigen Weinbrüder durchaus auch 16,5 und 17,0 Punkte wert war.

Mit den nächsten beiden Weinen konnten wir gut jung und (schon sehr) alt vergleichen:

11.       2015  Oberdiebacher Fürstenberg Riesling Kabinett und
12.       2001 Oberdiebacher Fürstenberg Riesling Spätlese

Der Oberdiebacher Fürstenberg ist besonders für fruchtige Weine geeignet.
Der 2015er wies 33,2 g/l Restzucker auf und erhielt selbst von uns Trocken-Trinkern 15,28 Punkte.
Beim 15 Jahre alten 2001 gingen die Meinungen weit auseinander, da er einen leichten Petrolton aufwies. Von untrinkbar (und nicht bewertbar) bis wunderschön gereift (17,5 Punkte) gingen hier die Meinungen. Im Schnitt reichte es zu 15,76 Punkten.

Ein rarer edelsüßer Dessertwein machte den Abschluss:

13.      2015 Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Auslese edelsüß.

Ein edelsüßer Wein wie er sein soll. Er wurde mit 102°Ö geerntet. Mit 16,33 Punkten erreichte er verdient die Höchstpunktzahl des Abends.

Als Resümee kann festgehalten werden: ein sehr informativer Abend mit dennoch hohem Genusspotential.

Verfasser: Wilfried

2016_08_Weingut Dr. Randolf Kauer Probenergebnis

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