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Archiv für die 'Probenberichte 2017' Kategorie

Weinerlebnisreise nach Franken vom 22. Bis 25.Juni 2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

19 Uhr am Donnerstag ging es für die meisten los: Abendessen à la carte im „Gasthaus Stern“ in Sulzfeld, einem Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert. Wir hatten noch immer Temperaturen um die 30°C, saßen aber sehr schön in einer weinumrankten Laube. Beendet wurde der Abend hier im Gasthaus mit gut gekühlten Qualitätsweinen aus Sulzfeld.

Sulzfeld am Main ist ein Weinort mit einer gut erhaltenen Befestigungsmauer mit 21 Türmen. Es hat auch sein spätmittelalterliches Ortsbild weitgehend bewahrt. Um den Ort herum sind die drei Weinlagen Sulzfelder Cyriakusberg, Sulzfelder Maustal und der Sulzfelder Sonnenberg. Der Ort wurde 2009 Landessieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Wir haben den Ort am nächsten Tag besichtigt.

Das erste Weingut wurde am Freitagmorgen besucht. Hugo Brennfleck vom gleichnamigen 400 Jahre alten Weingut begrüßte uns um 10.30 Uhr im Hof. Bei einem Rundgang mit ihm erfuhren wir viel über Gebäude, Keller und Ausbau der Weine. Die Familie hat sich entschlossen, trotz der Verkehrsprobleme mitten im Ort zu bleiben. Dazu wurden alle Gebäude saniert, restauriert und innen auch umgebaut. Das Kelterhaus wurde sehr modern auf der anderen Straßenseite neu gebaut. Für den gelungenen Umbau und die Erweiterung gab es mehrere Auszeichnungen.
In einer wunderschönen Degustationsstube haben wir dann 9 Weine kommentiert verkostet. Das 29ha große Gut hat Weingärten im Iphöfer Kalb und Kronsberg, im Escherndorfer Lump, Rödelseer Küchenmeister und in den Sulzfelder Lagen. Da 55% mir Silvaner bestückt sind, waren fast alle Weine von dieser Rebsorte und alle trocken ausgebaut. Die Böden sind entweder Keuper oder Muschelkalk.

Wein Nr. 1    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner, Kabinett trocken
Gleich mit einem „Paukenschlag“ begann unsere Probe mit diesem sehr trockenen und mineralischen Silvaner vom Keuper.
Wein Nr. 2    2016 Silvaner „ANNA-LENA®“, Kabinett trocken, benannt nach der ältesten Tochter
Ein sauberer, fruchtiger, aber durch die höhere Restsüße ein etwas gefälliger, glatter Silvaner.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Sonnenberg, „Blauer Silvaner“, trocken, eine Mutation des Grünen Silvaner
Ein klarer und im Gegensatz zum Gelben Silvaner sehr würzig-fruchtig mit guter Säure
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner „Keuper·S“,·trocken
Wieder ein salzig- mineralischer Silvaner vom Keuper, sehr dicht gut strukturierte und mit einer leichten Süße.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Maustal, Silvaner „Muschelkalk·S“·, trocken
Das Gegenstück vom Kalkboden, daher wieder recht fruchtig, aber auch sehr dicht.
Wein Nr. 6    2016 „JHB Silvaner·S“·, trocken, Spontangärung, benannt nach dem jüngsten Sohn, Johann Hugo
Ein klarer, fruchtiger Silvaner aus dem Doppelstückfass im Abgang ein Hauch Holz.
Wein, Nr.7    2014 JHB Silvaner·S·, trocken, Spontangärung
Ebenfalls aus dem Doppelstückfass, jahrgangsgemäß aber nicht ganz so elegant.
Wein Nr. 8    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner, „Alte Reben“
Dieser Wein ist eigentlich für die gehobene Gastronomieschiene gedacht. Glücklich wer diesen Wein im Restaurant bekommt! Ein dichter, gut strukturierter, fruchtiger Wein mit zarter Süße.
Neben Silvaner werden zu 20% Burgundersorten, 5% Müller-Thurgau, 5% Riesling und 15% Diverse angebaut. Daher zum Abschluss noch ein Riesling.
Wein Nr. 9    2016, Escherndorfer Lump, „Himmelsleiter“, Riesling, Großes Gewächs, trocken
Als Großes Gewächs kommt dieser Wein sehr dicht, aber auch etwas füllig daher mit einer, deutlichen Riesling-Säure.

Bei den 8 Silvanern hat man sehr gut die Bedeutung des Bodens bemerkt, die Weine vom Muschelkalk sind fruchtbetont, die Weine vom Keuper hingegen mineralisch, salzig.
Hugo Brennfleck hat mit dieser Präsentation die Messlatte für die weiteren Proben, die anstehen, sehr hoch gehängt!

Nach einem kleinen Mittagessen im Vinothek & Vinobistro der Winzerfamilie Luckert trafen wir uns im Weingut Luckert. Da der Name in diesem Ort von mehreren Familien geführt wird, hat dieses Weingut den Beinamen „Zehnthof“, denn sie erwarben in den 70’er Jahren den fürstbischöflichen Zehntkeller.
Ulrich, Wolfgang und Philipp Luckert bewirtschaften mit ihren Familien. rund 17 Hektar Weinberge in den Sulzfelder Lagen.
Der Sohn Philipp führte uns durch den Nachmittag. Im verwinkelten Keller liegen zu 95% Holzfässer (Stück-, Doppelstück- und Barriquefässer). Alle Weine werden im Holzfass ausgebaut oder liegen zumindest für einige Zeit darin. Neben 50% Silvaner werden 15% Riesling und 35% übrige Sorten, darunter auch beachtliche Rotweine, angebaut. Das Weingut ist Mitglied im VDP und im „Naturland-Verband“
Zurück aus dem Keller fand die Probe in der Eingangshalle mit dem großen Reliefbild von Sulzfeld und seinen Weinbergslagen statt.

Wein Nr. 1    2016 Sulzfelder Müller-Thurgau, trocken
Ein fruchtiger, recht runder Müller-Thurgau mit guter Säure und mehr Süße
Wein Nr. 2    2016 Sulzfelder Silvaner, trocken
Ein recht fruchtiger Silvaner, der gute Struktur, etwas Süße und viel Säure für einen Silvaner besitzt.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Roter Silvaner, trocken
Ein recht klarer Silvaner mit zarter Herbe und Süße, guter Säure, für uns war der Unterschied zum Gelben Silvaner nicht so groß.
Wein Nr. 4    2016 Sulzfelder Blauer Silvaner, trocken
Hier hatten wir einen fruchtigen, recht weichen und würzigen Silvaner vor uns, der bei leichterer Struktur etwas mehr Süße zeigte.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken
Ein recht fruchtiger, würziger und zart mineralischer Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner „Gelbkalk“, trocken
Dieser Silvaner hatte eine etwas verhaltene Frucht, war aber trotzdem recht dicht und nachhaltig.
Wein Nr. 7    2016 Sulzfelder Gelber Muskateller, trocken
Dieser Gelber Muskateller war recht fruchtiger, gehörte aber zu den etwas breiteren und stärker parfümierten Gelber Muskatellern. Im Gegensatz zu den Silvanern zeigte er auch mehr Süße.
Wein Nr. 8    2015 Sulzfelder Frühburgunder, trocken
Zum Abschluss ein Frühburgunder: Wenig fruchtig, leichterere Struktur, ein Ton nach Kirschmarmelade mit Nelken.
Wir hatte eine erstklassige Probe mit Weinen, denen man den Ausbau im Holzfass anmerkte, zudem dicht, wohl durch die geringen Erträge. Viele verschiedene Sorten konnten wie vergleichen, der Silvaner war aber in der Überzahl.

Für den Abend hat unser Weinbruder und Organisator ein Wirtshaus ausgesucht, das durch seine 4½ (von 5) Punkten bei Trip-Advisor überzeugte: der Michelskeller. Mehrere Telefonate, Mails und am selben Tag noch ein persönlicher Besuch haben es dann möglich gemacht, dass wir abends dort auf dem Platz speisen konnten. Die Weinkarte enthielt keine definierten Weine, sondern nur die Rebsorten mit der Angabe: Weine aus eigenen Anbaugebieten. Bei einem leckeren Flaschenbier warteten wir dann auf unser Essen. Da alles frisch zubereitet wurde, hatten die letzten um 21.30 Uhr ihren Teller vor sich. Halt! Nicht alle! 3 Bestellungen wurden vergessen. Eigentlich war der Koch zu diesem Zeitpunkt nur vorbeigekommen, um sich zu verabschieden. Also: noch mal Schürze umbinden und wieder an den Herd. So kamen die letzten drei doch noch zu ihrem Essen.

Am Samstagmorgen brachten uns mehrere Taxis zum ca. 12 km entfernten Weinort Rödelsee, genauer gesagt, zum Weingut Weltner.
Paul Weltner begrüßte uns und führte uns sogleich auf die von Wein umrankte Terrasse.  Während der Probe erzählte er vieles zu den Lagen und was er unter „Wein machen“ versteht.
Der VDP-Betrieb hat eine Gutsgröße von 11ha, Hauptrebsorte mit 60% ist der Sylvaner (wird im Weingut wirklich immer mit „y“ geschrieben), es folgen der Riesling mit14%, 8% Weißburgunder, 8%Scheurebe und 10 % Übrige, darunter auch Sauvignon.
Die Lagen sind im Rödelseer Küchenmeister, der insgesamt eine Rebfläche von 70ha hat, in der Rödelseer Schwanleite, und im Julius-Echter-Berg in Iphofen.
Paul Weltners Philosophie: Wenn man die Böden gesund hält, im Weinberg viel Handarbeit macht und rechtzeitig, nicht erst zum Zeitpunkt der Vollreife liest, ist der größte Teil der Arbeit schon getan. So entstehen schlanke aber doch komplexe Weine, die eine hohe Trinkfreude bescheren.

Wein Nr.1     2016 Sommer Cuvée, weiß, trocken
Eine Cuvée aus Sylvaner, Scheurebe und Müller-Thurgau vom Gipskeuper. Ein sauberer, fruchtiger, recht würziger Terrassenwein.
Wein Nr. 2    2016 Sylvaner Rödelsee,
Ein weicher, leicht erdig-mineralischer Silvaner mit Spur von Sponti-Noten
Wein Nr.3     2016 Rödelseer Küchenmeister Sylvaner, trocken
Sauberer, klarer, frischer, zart mineralischer Silvaner, der 4 – 8 Std. auf der Maische gestanden hatte und dadurch auch etwas mehr Struktur zeigte.
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Julius-Echter-Berg Sylvaner, trocken
Wieder vom Keuper und daher ein zart mineralischer, weicher, runder Silvaner. Er zeigte mehr Dichte, war aber noch etwas verschlossen.
Wein Nr. 5    2016 Julius-Echter-Berg Sylvaner „R“ Erste Lage nach VDP, trocken
Dieser Reserve-Wein hatte 12 Mon. auf der Vollhefe gelegen und präsentierte sich als, dichter, voller, nicht breiter, aber cremiger Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Rödelsee Weißer Burgunder, trocken
Hier hatte wir einen fruchtigen, Spur mineralischen Weissburgunder; der noch einen von Hauch Sponti-Noten zeigte.
Wein Nr.7     2016 Rödelseer Küchenmeister, Riesling, trocken
Ein fruchtiger, frischer, zart mineralischer Riesling.
Wein Nr. 8    2016 Rödelseer Küchenmeister Sauvignon Blanc, trocken
Vielleicht ein Exot für Franken, aber hier hatten wir einen frischen, fruchtigen, zart mineralische Sauvignon blanc mit, dezent grüner Frucht, der nicht wie ein Neuseeländer daherkam, sonst vollständig die mineralische Linie des Weinguts passte
Wieder einmal ging eine wunderbare Degustation zu Ende.

Nach dem Abschied brachten uns die Taxis ins von hier 20 km entfernte Frickenhausen.
In der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ haben wie im Gastgarten sehr lecker zu Mittag gegessen.
Hier fand anschließend auch die Weinprobe mit dem Weingut Bickel-Stumpf statt.
Melanie Stumpf-Kröger begrüßte uns und brachte vom nahe gelegenen Betrieb.
8 Weine mit. Nachdem sie den ersten Wein ausgeschenkt hat begann sie mit der spannenden Geschichte der Entstehung des VDP-Weingutes.
Mit einem VW-Käfer fuhr Reimund Stumpf zum ersten Mal 1971 von Thüngersheim nach Frickenhausen um seine neue Freundin Carmen Bickel zu besuchen. Nach der Hochzeit im Jahre 1976 verbanden sie die elterlichen Güter zum Weingut Bickel-Stumpf mit Stammsitz in Frickenhausen und Kellerei in Thüngersheim. Inzwischen liegt der Weinbau in den Händen der Kinder Melanie und Matthias Stumpf. In Frickenhausen findet man vor allem Muschelkalkböden, die Weine mit Schmelz liefern und in Thüngersheim hauptsächlich Buntsandstein, diese Weine sind eher mineralisch. Der Rebsortenspiegel umfasst 65% Silvaner, 15%Riesling und 10%Spätburgunder, zudem Müller-Thurgau, Scheurebe, Domina, Cabernet Dorsa, Portugieser, Blaufränkisch und ein neu gepflanzter Fränkischer Gemischter Satz. Die Weißweine werden in Edelstahltanks ausgebaut, so entstehen klassische, geradlinige Silvaner. Die junge Serie „twentysix“ besteht jeweils aus einem Medley der vielen verschiedenen Rebsorten und wird im Keller von den Kindern Melanie und Matthias kreiert.

Wein Nr.1     2016 Thüngersheimer Silvaner, „Buntsandstein“, trocken („Papas Wein“)
Ein fruchtiger, etwas zarterer, filigraner Silvaner von Buntsandstein und daher zarter als der Silvaner vom Muschelkalk
Wein Nr.2     2016 Frickenhäuser Silvaner, „Muschelkalk“, trocken („Mamas Wein“)
Dieser Silvaner präsentierte sich als dichter und fruchtiger Silvaner mit mehr Fülle als der Silvaner vom Buntsandstein.
Wein Nr.3     2016 Thüngersheimer Johannisberg Silvaner, trocken („Papas Wein“)
Wieder ein klarer, zart mineralischer, fruchtiger und eleganter Silvaner vom Buntsandstein mit feiner Säure.
Wein Nr.4     2016 Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner, trocken („Mamas Wein“)
Hier der fruchtige, dichte, aber auch elegante Silvaner aus einer sehr warmen Kalkstein-Lage, der trotzdem noch eine feine Säure hatte.
Wein Nr.5     2015 Frickenhäuser Kapellenberg, Mönchhof, „Großes Gewächs“
Als Großes Gewächs mit Maischestandzeit und Ausbau im 500 l-Fass. Es war ein fruchtiger, dichter, aber nicht fetter Silvaner mit deutlicher Säure und einem Hauch Vanille vom Holzfass.
Wein Nr.6     2016 Thüngersheimer Johannisberg Scheurebe, trocken
Eine dichte, fruchtige, aber nicht aufdringliche Scheurebe mit guter Säure, kaum erkennbar, dass sie spontanvergoren war.
Wein Nr.7     2016 Riesling, „Muschelkalk“, trocken
Und zum Abschluss noch einen Riesling, fränkisch trocken fruchtig mit deutlicher Riesling-Säure
Es hat Spaß gemacht, der Familiengeschichte zuzuhören, die Weine zu verkosten und die Unterschiede der beiden Terroirs zu riechen und zu schmecken. Nach der Verabschiedung fuhren wir wieder zurück nach Sulzfeld (ca. 8 km). Abends hatten wir das beste Essen der Tour, im Gasthaus „Zum goldenen Löwen“. Hier stimmte einfach alles, die Speisen, der Wein und die diversen anderen Getränke.
Eine etwas verkleinerte Truppe traf sich am nächsten Morgen in Würzburg an der Feste Marienberg um an einer Führung teilzunehmen.
Der Marienberg ist schon seit der späten Bronzezeit besiedelt. Dort befand sich im 8. Jh. wahrscheinlich ein Kastell mit einer Kirche, die 741 Bischofskirche wurde. Ab 1200 begann man mit dem Bau einer sehr großen Burg, die im Spätmittelalter und in der Renaissance ausgebaut und erweitert wurde. Nach der Zerstörung 1945 begann man bald mit dem Wiederaufbau, der bis 1990 dauerte.
Wir haben anschließend auch den1300 Quadratmeter große Fürstengarten besucht, von dem aus man einen wunderbaren Blick über die Stadt Würzburg hat.

Im Anschluss fuhren alle zum Weingut Reiss, das hatte nämlich an diesem Wochenende sein Hoffest. Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, begrüßte unsere Gruppe herzlich. Er war am 4. Mai bei uns in Köln zu Gast und hatte uns damals eingeladen. Nach den vielen vorhergegangenen Weinproben wurde nur noch wenig Wein probiert, aber sehr gut gegessen, sowohl bei den Mittagsangeboten als auch am Tortenbuffet.
Damit endete eine sehr interessante Weinerlebnisreise ins Maindreieck!

Ein sehr herzlicher Dank geht an die vier Winzer, Hugo Brennfleck, Philipp Luckert, Paul Weltner und Melanie Stumpf-Kröger. Sie haben alle, jeder auf seine individuelle Art und Weise Ihr Weingut und Ihre Weine sehr gut repräsentiert.
Wir danken auch der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ für die Breitstellung der Terrasse zur Weinprobe, und dem Gasthaus Stern“ in Sulzfeld. Hier gab es für uns immer einen Platz in Gastgarten, obwohl alles ausgebucht war und zu jeder Zeit gut gekühlte Flaschenweine.
Jetzt fehlt noch einer: Wilfried, wir danken Dir, das war wieder toll organisiert, und die Winzer sehr gut ausgesucht! Wie viele Telefonate, Mails und sogar Vorabreisen da wohl nötig waren? Ganz lieben Dank und bis zur nächsten Tour!
Verfasser: Käthe

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Weinprobe mit dem Weingut Glaser-Himmelstoß, Nordheim am 18.05.2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

Im Rahmen unserer Weinproben zum Jahresthema Franken konnten wir das Weingut Glaser Himmelstoss begrüßen, das von Herrn Wolfgang Glaser persönlich vorgestellt wurde.

Die Weingüter Hans Himmelstoss in Dettelbach und Siegfried Glaser in Nordheim wurden 1977 durch die Heirat von Monika Himmelstoss und Wolfgang Glaser zusammengelegt.
Heute befindet sich die gemeinsame Betriebsstätte mit dem Weinkeller in Nordheim, während die Gebäude in der Altstadt von Dettelbach für eine Vinothek und das Restaurant genutzt werden.

Rebfläche: 15ha, Jahresproduktion: ca.100.000 Flaschen
Rebsorten: 26% Silvaner, 25% Müller-Thurgau, 10% Riesling, 6% Spätburgunder, 33% übrige Sorten
Durchschnittsertrag: 45 hl/ha
Die Lagen des Weinguts befinden sich in den Gemeinden Nordheim, Sommerach und Dettelbach.

Das Grundgestein des Nordheimer Vögeleins ist der obere Muschelkalk. Dieser Fels besitzt eine Auflage von Sanden aus dem Fichtelgebirge. Die Hangausrichtung der Weinberge geht von Südwest bis Nordwest.
Der Sommeracher Katzenkopf grenzt an den Nordheimer Vögelein an. Dort liegt auf dem Gestein des oberen Muschelkalks eine Auflage aus Kalk- und Kalkmergel­gestein. Die Hangausrichtung der Weinberge ist Südsüdost bis Südwest
Der Dettelbacher Berg-Rondell ist ein klassischer Prallhang, der sich von Südsüdost nach Südsüdwest zieht. Die Reben stehen hier direkt auf dem mit Lehm versetzten Verwitterungsgestein des oberen Muschelkalks.

Durch diese unterschiedlichen Böden hat das Weingut die Möglichkeit sehr differenzierte Weine herzustellen.

Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Riesling brut, vom Weingut Oekonomierat Johann Geil, der von unserem Weinbruder Klaus Meurer anlässlich seines 50.Geburtstags gestiftet wurde.
Blasses Grüngold mit zarter Perlage, leicht vollreife Noten, recht cremig im Mund, ein gutes Gewicht für 12,0% Alkohol, frische Säure und harmonisch abgestimmt.

Der offizielle, fränkische Teil unsere Weinprobe startete mit einem 2016’er Dettelbacher Müller Thurgau von 50 Jahre alten Reben, die Muschelkalk stehen.
Während der einfachere Rivaner aus dem Trauben der ersten Lese mit Ganztrauben-Pressung und anschließend normaler Vergärung gewonnen wurde, wurden für diesen Wein die Trauben entbeert und bei 10 – 15°C vergoren. Für etwas mehr Struktur wurden noch mit 5% maischevergorenem Müller Thurgau verschnitten

So entstand ein dichter, würziger, aber auch zarter, nicht aufdringlicher Müller Thurgau mit dezenter Herbe.

Es folgten dann vier Silvaner aus unterschiedlichen Lagen und unterschiedlichen Methoden der Weinbereitung.

Bei Verkostungen mit guten weißen Burgundern oder auch Grüner Veltliner-Weinen aus der Wachau war im Weingut aufgefallen, dass die die eigenen Silvaner Schwächen beim Alterungsvermögen zeigten. So war z.B. bei vollreifen Silvaner-Trauben die stabilisierende Säure teilweise verloren gegangen. Um die Alterungsfähigkeit wieder zu verbessern, wurde daher mit (anteilig) maischevergorenen Weinen experimentiert, um so Tannine aus der Beerenhaut zu extrahieren und die Weine besser zu stabilisieren.

Unser erster Silvaner war der 2015’er Dettelbach Silvaner
Dieser Ortwein war „normal“ vergoren worden und zeigte sich als dichter, zart mineralischer und fruchtiger Silvaner ohne große Anspüche auf lange Lagerung

Eine Steigerung war dann der 2015’er Sommeracher Katzenkopf, eine Erste Lage nach VDP, vom Kalkmergel mit dünner Flugsandauflage, der nicht aus Grünem Silvaner, sondern aus Gelbem Silvaner gekeltert worden war und auch länger auf der Hefe gelegen hatte. Dadurch zeigte er mehr Dichte und Fülle bei guter Frucht und zart vollreife Noten.

Dann folgte der 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, ebenfalls eine Erste Lage nach VDP. Ein Grüner Silvaner aus Trauben, die von 50 Jahre alten Reben stammten, nach 24 Std. Maischestandzeit spontan vergoren und danach im Edelstahl weiter ausgebaut wurden.
Durch die Kraft der alten Reben hatte der Wein eine dichte, weiche Frucht, ebenfalls zart vollreife Noten und durch die längere Maischestandzeit eine leichte Herbe am Gaumen.

Den Abschluss macht dann ein ganz anderer Wein, der 2015’er Dettelbacher Silvaner, maischevergoren. Unter Trockeneiszugabe (um eine Oxidation zu verhindern) standen die Trauben 3 Wochen auf der Maische und wurden dann im kleinen, aber nicht getoasteten Holz ausgebaut.
Dadurch war ein ungewöhnlicher Silvaner entstanden, der eine sehr dichte, sehr trockene, aber weiche Frucht besaß und neben einer leichtern Herbe mit einer Spur Kräutertönen austrumpfte.

Neben der fränkischer Leitsorte Silvaner durfte der Riesling natürlich nicht fehlen

Zuerst verkosteten wir einen leicht restsüßer 2015‘er Nordheimer Riesling, Kabinett
Das war ein sauberer, fruchtiger Riesling im echten Kabinett-Stil, der ein feines Süße-Säure-Spiel zeigte. Unter den allgemeinen trockenen Weinen in Franken hätten wir diesen Reis-Stil nicht erwartet.

Als Steigerung folgte der trocken ausgebaute 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP.
Ein dichter, zart mineralischer, eleganter Riesling der auch eingefleischten Mosel-Liebhabern gefiel.

Eine Spezialität des Weingutes ist der Traminer. Hier konnten wir zwei trockene Weine probieren.

Als Ortswein war der 2016‘er Nordheimer Traminer im Edelstahl ausgebaut und dadurch recht fruchtig und frisch.
Der zweite Wein war dann der 2015‘er Nordheimer Traminer, der im Barrique vergoren war und während der Hefelagerung eine Battonage erfuhr.
Er zeigte mehr Kraft und Dichte und eine weichere, aber sehr zurückhaltende, dezente Traminerfrucht.

Zum Portfolio des Weinguts gehören auch Burgunderweine, von denen drei trocken Burgunder folgten:

Der 2015’er Nordheimer Weissburgunder „Denker“
war ein, dichter , eleganter  und weicher, Weissburgunder mit zart exotischen Noten und leichter Süße

Sein Pendant als Grauburgunder, der 2015’er Nordheimer Grauburgunder „Denker“
lag auf gleichem Qualitätsniveau: Ein dichter, recht fruchtiger Grauburgunder mit zarter Süße.

Ganz anders präsentierte sich dann der 2015’er Dettelbacher Grauburgunder, denn er war maischevergoren. Dadurch hatte er mehr Dichte und Struktur, war aber noch verschlossen und nicht so fruchtbetont. Ihm sollte man noch Zeit lassen zum Reifen lassen.

Quasi als „Nachtisch“ durften wir dann noch zwei edelsüße Weine probieren.

Der 2013’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP war eine Müller Thurgau-Beerenauslese, im Sauternes-Stil im Barrique vergoren und dadurch neben zarten Holztönen, mehr Alkohol zart vollreifen, süßsauren Noten, leichte Botrytis und sehr dezentes Holz zeigte.

Die Silvaner-Trockenbeerenauslese 2015’er Sommeracher Katzenkopf, Erste Lage nach VDP war dagegen klassisch vergoren und ausgebaut worden.
Eine dichte, fruchtige, fette Trockenbeerenauslese mit dezenter Süße und feiner, süßsaurer Frucht.

Damit waren entgültig am Ende unserer Probe angekommen, die uns einen guten Einblick in Weine des Weinguts gegeben hat. Die Probe war gleichzeitig ein hervorragendes Lehrstück, wie der Winzer aufgrund der Lage und der Ausbauart die Eigenschaften des Weines verändern kann. Dafür möchten wir uns bei Herrn Wolfgang Glaser bedanken und dass er sich trotz der dringend anstehenden Arbeiten im Weinberg doch die Zeit genommen hat, uns zu besuchen.

Verfasser: Dieter

2017_05_Weingut Glaser Himmelstoß Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Weingut Christian Reiss, Würzburg vom 04.05.2017

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, war persönlich anwesend um das Weingut und seine Weine vorzustellen.
Das Weingut wurde 1960 durch seinen Vater begründet, der mit diesem Jahrgang auch erstmalig selber abfüllte. Davor war gemischte Landwirtschaft betrieben worden. Er selbst ist ausgebildeter Weinbautechniker, hat schon in den 90er Jahren die Kellertechnik des Weinguts verantwortet und es ab 2003 vollständig vom Vater übernommen. Heute wird das Gut mit 3 Sternen im Gault Millau bewertet.
Das Weingut verfügt über 17,5 ha Rebfläche, die Rebsortenverteilung ist:
35 % Silvaner
15 % Müller-Thurgau
10 % Burgunderrebsorten
10 % Riesling
30 % verteilt auf viele andere Rebsorten wie Traminer, Scheurebe, Morio-Muskat, Bachus, Portugieser, Schwarzriesling, Spätburgunder
Die Böden sind größtenteils reine Muschelkalkböden, die besten Lagen der Würzburger Stein und der Randersackerer Pfülben.
Seine Zukunft sieht das Weingut verstärkt bei den Weißweinen. Besonders wichtig ist Christian Reiss die Fruchtigkeit seiner Weine. Er setzt den Großteil seines Weins nicht über den Handel sondern an Privatkunden ab und hat dazu jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen auf dem Weingut.

Zu den Weinen:
Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Silvaner brut, Methode Champenoise, gestiftet von unserer Weinschwester Petra Tenne anlässlich Ihres kurz zurückliegenden 60.Geburtstags.
Blasses Grüngold, zarte Perlage, noch etwas  hefige Zitrusfrucht, sehr cremig im Mund, viel Gewicht für 12,5% Alkohol, gute Säure, harmonisch abgestimmt, mittlere Länge.
Wein 1: 2016 Würzburger Stein Müller-Thurgau, Kabinett trocken
Ein mittels Ganztraubenpressung und Kaltvergärung zu 100 % mit Reinzuchthefen im Edelstahl erzeugter Wein.
Muskatig-süßliche Nase, traubige Frucht, rund im Mund, milde Säure, etwas dienende Restsüße, ein einfacher, unkomplizierter, gut gemachter Wein.
Wein 2: 2016 Würzburger Pfaffenberg Grauer Burgunder, Kabinett trocken
Ebenfalls mit Ganztraubenpressung erzeugt aber mit höherer Gärtemperatur.
Helles Grüngold, sehr primärfruchtige Nase, weiße Blüten, Nüsse, im Mund ganz trocken, gutes Gewicht, milde Säure, geradlinig, mittlere Länge.
Wein 3: 2016 Würzburger Pfaffenberg Spätburgunder Kabinett Blanc de noirs trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung  zu 10 % spontan vergoren.
Leichte Apricot-Farbe, traubig, erdbeerfruchtige Nase, gute Würze, schöne Säure, trocken, nicht viel Spiel, aber sauber und gut.
Wein 4: 2016 Veitshöchheimer Sonnenschein Riesling Kabinett trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung im Edelstahl kaltvergoren, war aber 2 Monate auf der Feinhefe im Holzfass
Helles Grüngold, sehr traubig-primäre, süßliche Nase, etwas Eiche (großes Holzfass), im Mund cremig, weinig, der Alkohol durch die Säure gut gepuffert, schöne Würze, gute Länge.
Wein 5: 2016 Randersackerer Pfülben Riesling Spätlese trocken
Erzeugt von 28 Jahre alten Reben mit einem Ertrag von 40 hl/ha, spontan vergoren, dabei bei 6,5 g RZ/l in der Gärung stehen geblieben, ca. 3 Monate im Holz, wurde erst dese Woche leicht filtriert und zurück in den Edelstahl gebracht, Fassmuster.
Der Wein wurde kontrovers beurteilt, auch Christian Reiss selbst sah ihn nach dem Schock des Umziehens momentan nicht in guter Trinkverfassung.
Reifendes Grüngold, gelbfruchtige, würzige, erdige Nase, im Mund sehr weich, trotz 7,9 g/l Säure relativ wenig Spiel, unruhig, die Elemente Süße, Säure und Alkohol stehen etwas nebeneinander.
Wein 6: 2016 Würzburger Pfaffenberg Traminer Spätlese trocken
Reifendes Grüngold, deutliches Rosen-Litschi-Aroma, sehr süßlich in der Nase, im Mund mit viel Gewicht, niederer Säure, etwas dienender Restsüße, leicht sättigend, nicht viel Länge
Wein 7: 2015 Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Spätlese „Holzfass“ trocken
Von diesem Wein wurden 30% für 10 Tage auf der Maische gelassen, anschließend, wie die restlichen 70 % spontan im Barrique vergoren.
Glänzendes Goldgelb, etwas Neuholz in der Nase, birnige, florale und kräuterige Noten, im Mund etwas Karamell- und Röstaromen, viel Fülle, weinige Säure, trotz des hohen Alkohol nicht brandig, aber wenig Silvaner-Typizität.
Wein 8: 2015 Würzburger Pfaffenberg Weißer Burgunder Spätlese Holzfass trocken
Für diesen Wein wurde starke Ertragsreduzierung mittels Traubenteilung im Frühjahr, grüner Lese im August und Vorlese duchgeführt, er wurde 6-12 h auf der Maische gelassen und anschließen in Barriques (davon 1/3 neu) spontan vergoren mit zweimal wöchentlicher Batonnage, und anschließendem BSA.
Dunkles Goldgelb, Nase deutlich vom Holz geprägt (eher vanillig als rauchig-röstig), etwas Anis, im Mund viel Gewicht, Alkohol durch Säure gut gepuffert, rund, weinig.
Wein 9: 2015 Silvaner Spätlese Amphore trocken
Dieser Wein wurde nach einer Woche Maischestandzeit in 250l Amphoren aus Kreta spontan vergoren und verblieb danach 9 Monate in der Amphore, wurde aber geschwefelt und filtriert (also kein klassischer Orange-Wein)
Dunkles Goldgelb, etwas rosinige Überreife und starke Karamellnote in der Nase, im Mund ganz trocken, niedere Säure, schwer aber nicht plump, allerdings sehr sattmachend.
Wein 10: 2016 Würzburger Pfaffenberg Scheurebe Kabinett
Mit Reinzuchthefen im Edelstahl bei 12-13 Grad Celsius vergoren, Gärstopp durch weitere Abkühlung.
Helles Grüngold, traubig, grünliche, grasige Aromen, im Mund zarte Süße, schöne Säure, leicht und gut
Wein 11: 2016 Thüngersheimer Scharlachberg Rieslaner Spätlese
Helles Grüngold, Nase nach Muskat und exotischen Früchten, schönes Süße-/Säurespiel, allerdings stehen diese Elemente derzeit noch etwas nebeneinander.
Wein 12: 2015 Randersackerer Pfülben Riesling Beerenauslese
Reifes Goldgelb, Nase nach Honig, exotischer Frucht, Nüsse, im Mund sehr süß, dürfte zur perfekten Harmonie noch mehr als die 8,6 g/l Säure haben, ölig, viel Geschmacksfülle, sehr lang.

Bruderschaftsmeister Dieter Ockelmann bedankte sich im Namen der Weinbruderschaft für die sehr gut zusammengestellte Probe und den kenntnisreichen und enthusiastischen Vortrag von Herrn Reiss mit einem Geschenk der Weinbruderschaft für seine Vinothek.

Verfasser: Bernd

2017_04_Weingut Reiss Probenergebnis

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Raritätenprobe mit Weinen vom Weingut J. B. Becker am 19.01.2017

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Bei unseren Verkostungen können wir normalerweise nur sehr junge Weine, meistens aus dem letzten Jahrgang verkosten, da die älteren Jahrgänge beim Winzer schon lange ausverkauft sind. Diese jungen, frisch gefüllten Weine sind in den besseren Qualitäten dann noch weit von ihrem Optimum entfernt. Deshalb wollten wir uns in einer Raritätenprobe an das Geschmackserlebnis herantasten, wie gut sich gereifte Wein entwickeln können.
Einer der wenigen Winzer, die noch gereifte Weine im Verkauf haben und das zu bezahlbaren Preisen, ist das Weingut H.J.Becker aus dem Rheingau.
Hans-Josef  Becker gilt als der Traditionalist unter den Rheingauer Winzern. Das Weingut hat sich auf die Rebsorten Riesling und Spätburgunder beschränkt und baut auf 11 ha im Umkreis von Walluf seine Reben biologisch an. Etwa 45.000 Flaschen werden pro Jahr produziert. Alle Weine werden spontan vergoren und reifen dann fast ein Jahr im großen Holzfass. (die Rotweine sogar bis zu 3 Jahren), d.h. die Herstellung findet immer noch auf die traditionelle Art statt. Da die Weine nicht für den schnellen Konsum gemacht sind, zeigen sich ihre Qualität und ihre Feinheiten erst nach längerer Reife.
Für unsere Raritäten-Verkostung hatten wie je einen Flight mit trocken und einen zweiten Flight mit restsüßen Rieslingsweinen vorgesehen, die aus den Jahrgängen von 1992 bis 2012 stammten.

Wir starteten mit den trocken Rieslingen und arbeiteten uns von den jüngeren zu den älteren Weinen vor. Alle diese trockenen Weine stammten aus der Lage Wallufer Walkenberg. Die Reben stehen hier auf einem nach Südwesten ausgerichtetem Hang auf tiefgründigem Lösslehm mit kiesigem Untergrund.

Die Probe begann mit dem 2012’er Riesling Wallufer Walkenberg. Während dieser Jahrgang bei anderen Winzern schon lange nicht mehr im Sortiment verfügbar ist und die einfacheren Weine auch schon ausgetrunken sein sollten, zeigte dieser Riesling noch viel Frische mit einem Hauch Reife und einer leichten Hanfnote. Da es unsere erster Wein war und dieser Weinstil für die Meisten ungewohnt war, schwankten die Einzelwertungen um 5 Punkte. (Normalerweise liegt die Schwankungsbreite bei 2,5 bis 3 Punkten)
Der nächste Wein, der 2010’er Riesling Wallufer Walkenberg. kam aus einem für die Winzer nicht einfachen Jahr, dass sich einerseits durch große Mineralik sowie Extraktwerte und andererseits durch hohe Säurewerte auszeichnete. Unser Riesling zeigte welch hohes Potential hier vorlag. Trotz seines Alters war er sehr klar und elegant mit einer leichten Citrusnote und frischer Säure. Allerdings wurde dieses extreme Geschmacksbild nicht von allen gewürdigt.
Beim 2009’er Riesling Wallufer Walkenberg war das dann einfacher, denn der Wein stammte aus einem warmen Jahr und zeigte sich deshalb viel weicher, runder und voller. Hier streuten die Einzelwertungen auch nur um 3,5 Punkte.
Ein Jahr älter war dann der 2008’er Riesling Wallufer Walkenberg, Alte Reben. Trotz seines Alters war er noch immer sehr klar, elegant und gradlinig mit feiner Säure und fester Struktur. Die Selektion aus alte Reben bewies uns, welche Qualität man aus den alten Rebstöcken erzeugen kann.
Der nächste Wein, der 2002’er Riesling Wallufer Walkenberg, war dann schon fast ein Methusalem. Für sein Alter war er aber noch erstaunlich frisch, fruchtig und fest strukturiert. Solche Raritäten zu verkosten ist ein Erlebnis, denn die meisten anderen Weißweine dieses Alters taugen nicht einmal mehr zum Kochen.
Noch einmal 10 Jahre älter war dann der 1992’er Riesling Wallufer Walkenberg. Auch er präsentierte sich noch recht frisch und hatte eine gute Struktur, aber er konnte seine leichten Reifenoten nicht verbergen und hatte auch schon etwas an Klarheit verloren. Das zeigte sich auch bei der Bewertung, denn er wurde um einen Punkt niedriger gewertet als der 2002’er. Für eine trockene Spätlese dieses Alters hatte er trotzdem eine erstaunliche Qualität.

Für die nächsten Spätlese-Weine, die jetzt alle Restsüße hatten, wechselten wir in die Lage Eltviller Sonnenberg, einer nach Süden ausgerichteten Lange. Die Böden bestehen hier aus Löss und Lösslehm mit teilweise kiesigen Einlagen, was den Weinen neben Fülle auch eine mineralische Säurestruktur verleiht.
Der 1992’er Riesling Eltviller Sonnenberg feinherb hatte durch den höheren Zuckergehalt sein Alter besser überstanden als sein trockenes Pendant. Eine zarte Reife, aber immer noch sehr klar und fruchtig.
Mit einem großen Jahrgangssprung kamen wir dann zum 2007’er Riesling Eltviller Sonnenberg. Ein Wein mit viel Frische, einer exotischen Note nach Ananas und nur zarter Reifenote.. Er wurde nur geringfügig besser benotet als der 1992’er, aber die Abweichung in den Einzelwertungen lag nur bei 3,5 Punkten.
Mit dem 2008’er Riesling Eltviller Sonnenberg folgte ein Wein aus einem klassischen Riesling-Jahr. Sehr dicht und fruchtig mit viel Säure und ausgewogener Süße. Er wurde etwas besser als sein Vorgänger bewertet, allerdings schwankten die Wertungen wieder extrem um 5 Punkte.
Der nächste Wein, der 2009’er Riesling Eltviller Sonnenberg kam aus einem wärmeren Jahr und war dadurch weicher, runder, fülliger allerdings aber auch weniger prägnant in der Säure. Er besaß nicht die brillante Frucht wie der 2008’er, aber aufgrund der weicheren, gefälligeren Art gefiel er den meisten besser und wurde deshalb höher bewertet.
Dann kam der 2010’er Riesling Eltviller Sonnenberg. Während beim trockenen Riesling viele Verkoster Schwierigkeit mit der höheren Säure hatten, erschien dieser Wein durch die höhere Restsüße deutlich weicher und runder. Gleichzeitig war er dicht, vielschichtig und elegant und zeigte ein sehr feines Süße-Säurespiel. Das verhalf ihm zu höchsten Bewertung des Abends. (Hieran kann man auch erkennen, warum die restsüßen Rieslingweine vom Rheingau vor dem ersten Weltkrieg eine so hohe Wertschätzung besaßen)
Nach diesem 2010’er Riesling hatte es der 2012’er Riesling Eltviller Sonnenberg schwer. Er war etwas breiter und fülliger, gefiel den meisten aber dennoch recht gut und wurde so der zweitbeste Riesling des Abends.
Damit war unsere Verkostung aber noch nicht beendet. Herr Becker hatte uns als Bonus noch einen 2009’er Spätburgunder Wallufer Walkenberg geschenkt.
Für einen deutschen Spätburgunder zeigte er sich sehr klar und frisch, ohne breite, vollreife, pflaumiger Noten. Diese Qualität hatte kaum einer erwartet und so bekam er die zweitbeste Bewertung bei gleichzeitig der kleinsten Abweichung der Einzelwertungen.

Damit endete ein Abend der hoffentlich unseren Horizont für gereifte Weine deutlich erweitert hat. Dass diese Weine nicht einfach zu probieren waren, zeigte sich daran, dass wir bei keiner anderen Probe so große Abweichungen zwischen den Einzelwertungen hatten. Vielleicht sollten wir deshalb Raritätenproben wiederholen, um zu zeigen, wie gut Riesling-Weine altern können.

Für die Moderation möchten wir unserem Weinbruder Bernd Kögler danken.

Verfasser: Dieter

2017_01_Raritätenprobe JB Becker Probenergebnis

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