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Archiv für die 'Probenberichte 2017' Kategorie

Weinprobe neue Appelationen im Roussillon am 14.12.2017

Erstellt von Dieter am 4. April 2018

Zum Abschluss des Probenjahres 2017 wurde es noch mal richtig warm, süß und Alkohol-lastig. Für die Leber also kein ausgesprochenes Vergnügen.
Die Assoziation vom südlichsten Frankreich und Wärme liegt mehr als nahe.

Eigentlich wundert man sich immer wieder, dass da Wein gedeihen kann. Wenig Regen, immer pralle Sonne, da können doch nur Rosinen wachsen . Weinanbau bei diesen Erträgen kann doch keinen Lebensunterhalt finanzieren.
Die bewirtschaften Anbauflächen zeigen dies auch. Waren es 1882 noch 76.000 ha Anbaufläche, sinkt diese Zahl seit 1935 kontinuierlich auf 22.151 ha. Die Kurve des Sinkflugs wird aber flacher.

Nach Languedoc also jetzt das Roussillon rund um die bekannte Stadt Perpignan. Einige Weinbrüder schnalzen schon im Vorfeld mit der Zunge. Schick, da ist ja Banjuls dabei. Diese Weine stehen für süß und Alkohol-lastig. Der Chronist muss hier direkt mitteilen, das ist nicht seine Welt. Voreingenommenheit nicht ausgeschlossen.
Und zu guter Letzt hat sich der Referent, unser Weinbruderschaftsmeister Dieter Ockelmann, auch noch die Freiheit herausgenommen, 15 statt der üblichen 12 Weine vorzustellen.
Vergnügen schmeckt aus Sicht des Chronisten anders. Und das vor Weihnachten.

Die Weinproduktion im Roussillon betrug 2015 auf einer Fläche von 22.151 ha etwa   850.000 hl und teilte sich in 4 Kategorien auf:
– Die trockenen AOP Weine, Durchschnittsertrag 2015: 36,4 hl/ha
– Die süßen AOP Weine (Doux Naturels), Durchschnittsertrag 2015: 21,1 hl/ha
– Die IGP Weine, Durchschnittsertrag 2015: 51,2 hl/ha
– Die Tafelweine (ohne indication géographique), Durchschnittsertrag 2015: 128 hl/ha
Auf die gesamte Fläche gesehen, liegt der Ertrag ja schon unter 40 hl / ha. Da kann man das Preisniveau der Weine schon ahnen.

Die AOC / AOP der trockenen Weine untergliedern sich in
–  Collioure (blanc, rosé, rouge) 410 ha à 18.040 hl, davon 53% Rot, 29% Rosé, 18% Weiß
–  Maury sec (rouge) 250 ha à  7.500 hl zu 100% Rotwein
–  Côtes du Roussillon (rouge) mit 5 Unterappellationen
–  Côtes du Roussillon Villages Caramany
–  Côtes du Roussillon Villages Latour de France
–  Côtes du Roussillon Villages Lesquerde
–  Côtes du Roussillon Villages Tautaval
–  Côtes du Roussillon Villages Les Apres

Seit 1977 gibt es die AOP Côtes du Roussillon mit 4.566 ha Fläche, die einen Ertrag von 147.135 hl liefert. (54% Rot-, 40% Rosé- und 6% Weißwein).
Die AOP Côtes du Roussillon Villages ist ebenfalls seit 1977 eigene Appellation und produziert auf einer Fläche von 1.751 ha gut 42.298 hl, ausschließlich Rotwein.

Die VDP / IGP der trockenen Weine untergliedert sich in
–  Côtes Catalanes (blanc, rosé, rouge)
–  Côte Vermeille (blanc, rosé, rouge) oder die allgemeine IGP d’Oc (blanc, rosé, rouge)
Die IGP Côtes Catalanes gibt es seit 2011. Auf einer Fläche von 3.756 ha werden 141.276 hl Wein (blanc, rosé, rouge) gekeltert.

Die AOC / AOP der süßen Weine untergliedern sich in
–  Riversaltes (Ambré, Grenat, Tuilé, Rosé, Hors d’Age, Rancio)
–  Maury (Blanc, Ambré, Grenat, Tuilé, Hors d’Age, Rancio)
–  Banyuls (Blanc, Rosé, Rimage, Ambré, Tuilé, Hors d’Age, Rancio)
–  Banyuls Grand Cru
–  Muscat de Rivesaltes

Damit genug des Vorgeplänkels der örtlichen Erkundung.
Nach den Ohren gab es jetzt was auf die Zunge bzw. den Gaumen.

  1. Der erste Wein des Abends, der „Fine Fleur“ aus dem Jahre 2014 von der Domaine La Toupie (14,5%), gehört zum AOP Côtes du Roussillon, war weiß. Das Weingut wurde 2012 in Pia gegründet und baut auf 10 ha Wein an. Der Wein besteht aus einem Cuvée der Sorten Grenache gris (49%), Grenache blanc (25%) sowie Macabeu (25%) und Carignan blanc (1%) . Leicht grünliche Reflexe schimmerten im Glas. Die Nase war zurückhaltend. Im Mund erzeugte er ein warmes Gefühl. Es bleib jedoch nichts Nachhaltiges bis auf leichte Bittertöne zurück.
  2. Der erste Rotwein (14,5%) des Abends, der „Bastide Miraflor“ aus dem Jahre 2013 (IGP Côtes Catalanes) wurde vom Weingut Domaine Lafage produziert.
    Das Weingut hat 1996 in Perpignan begonnen und baut auf 138 von 200 ha Fläche Wein an. Seit 2011 ist es ein IGP Weingut. Der Wein ist eine Cuvée aus den Sorten Syrah und Grenache. Er präsentiert sich mit einem tiefen Rot und einer klassischen Grenache Nase im Glas. Eingekochte Früchte sind auszumachen. Marmeladig im Mund mit einem feinen Früchtespiel. Leichte Bittertöne stören nicht.
  3. Dieser Wein stammt ebenfalls von dem in Pia ansässigen Domaine la Toupie. Er kommt diesmal aus der AOP Côtes du Roussillon Villages. Das 2014er Cuvee aus Grenache (50%), Syrah (20%), Carignan (15%) und Mourvedre (15%) bl eib bei 14,5% Alkohol stehen. Das tiefe Rot im Glas strömt mit Luft sehr würzig heraus und macht Lust auf den ersten Schluck. Im Mund ist eine feste Tanninstruktur zu erleben. Der Wein wirkt trotz des Alkoholgehalts filigran und hat Spiel. Der Abgang ist kurz. Das Preis- / Leistungs­­verhältnis überzeugt.
  4. Hechler & Bannier haben diesen Wein in der Umgebung von Perpignan im AOP Côtes du Roussillon Villages vergoren. Der Negociant von der Rhone gründet das Handelshaus 2002. Für das Cuvee aus 60% Grenache, 15% Mourvèdre und Syrah sowie 10 % Carignan kaufte der Händler die Trauben aus der AOP zusammen. Die B-Probe des Weins hatte Kork. Diese Meinung teilten nicht alle Anwesenden, aber die beiden Flaschen wiesen signifikante Unterschiede auf. Im Glas präsentierte sich der Wein sehr dunkel. Neben reifen Tönen war aber nicht viel da. Auch im Mund überzeugte er nicht.
  5. Der nächste Wein war ebenfalls sehr dunkel eingefärbt. In der Nase waren süßliche, marmeladige Noten mit Würze bemerkbar. Das 2015er Cuvee aus 34% Grenache, 33% Mourvèdre und 33% Syrah, AOP Côtes du Roussillon, wird vom Weingut Domaine Mas Cremat in Espira de l‘Agly produziert. 1990 gegründet, bewirtschaftet es gut 30 ha Fläche auf vorwiegend schwarzem Schiefer.  Im Mund überzeugt der Wein mit einer Schärfe aus Säure und Tannin. Trotz der eingekochten Früchte  und dem hohen Alkoholgehalt wirkt er elegant und hat Spiel.
  6. Ebenfalls aus 2015 stammt der „Occultum Lapidem“ des Weinguts Domaine Bila Haut aus Banyuls sur Mer, AOP Côtes du Roussillon Villages. Das Cuvee aus Grenache (40%), Syrah (50%), Carignan (10%) produzierte bei der Vergärung 15,5 % Alkohol. Angebaut wurden die Trauben auf 63 ha schwarzem und braunem Schiefer. Der tiefrote Wein wirkt im Glas kühl. Die Nase ist jedoch animierend durch eine intensive Würze. Im Mund ist die Kirsche schmeckbar, die Tannine deutlich spürbar. Er wirkt ein wenig  eindimensional, aber hat einen langen Abgang.
  7. Wieder dürfen wir einen 2010er probieren. Der „Saint Bart Vieilles Vignes“ wurde vom Weingut Clot de L’Oum vinifiziert. Das Cuvée aus Grenache, Syrah und Carignan erzeugt ein dichtes, dunkles Rot im Glas. Die klassische Cuvéenase wirkt ein wenig süßlich.  Reife Johannisbeere ist erkennbar. Im Mund wirkt er marmeladig und wirkt breit. Er zerfließt am Ende. Für ihn spricht jedoch die reife Note. Und dies alles bei 12.5% Alkohol, was sehr positiv bewertet wurde.
  8. Weiter geht es mit einem 2015er Rotwein aus dem nordwestlichen AOP Maury sec der Winzergenossenschaft  Les Vignerons de Maury.  Der „Tradition“  aus Grenache (80%) und Carignan (20%) wird auf  ca. 400 ha Fläche angebaut. Der Boden besteht überwiegend aus Schiefer. Die Nase ist zurückhaltend. Im Mund wirkt er kühl. Leichte beerige Frucht im Mund, aber sonst nichts. Fällt in die Klasse tut nicht weh.
  9. Der 2015er „Initial“, ebenfalls aus dem nordwestlichen AOP Maury sec , wird von der Domaine Mas Amiel erzeugt. 1999 wurde das Weingut gekauft.  Auf 170 ha Schieferboden angebaut, präsentiert sich die Mischung aus Grenache, Syrah und Carignan mit einer sehr würzigen, neugierig machenden Nase.  Im Mund sehr harmonisch und rund. Die feste Tanninstruktur und das schöne Frucht- / Säurespiel rufen nach dem zweiten Schluck. Die Süße aus 15% Alkohol schaden dem Gesamteindruck nicht.
  10. Immer noch im Jahr 2015. Der „Trigone rouge“ vom Weingut Domaine Le Soula wurde als Tafelwein im Gebiet der Côtes Fenouilledes erzeugt.  Er besteht aus 55% Syrah, 40% Carignan und 5% Grenache.  In der Probe mit dem Wein 7 das alkoholische Leichtgewicht mit 12% Alkohol. Der Wein wird auf 22 ha Granitboden, westlich von Maury, am Ende des Tals in 350 – 00 m Höhe von Gerard Gauby ausgebaut.  Das sehr dunkle Rot wirkt in Nase und Mund kühl. Der Syrah dominiert in der Nase.  Rauchige Note sind spürbar. Im Mund ist Pflaume schmeckbar. Der Wein ist adstringierend mit einer festen Tanninstruktur.  Wurde mit am höchsten bewertet.
  11. Der letzte trockene Wein stammt aus dem Jahr 2013. Der „Terre des Schistes“ wird im AOP Collioure vom Weingut Domaine de Mas Blanc produziert. Das Weingut ist seit 1639 im Familienbesitz. Die 25 ha Fläche liegen ganz tief südlich bei Banyuls. Das Cuvee mit 13% Alkohol aus 80% Grenache und je 10% Mourvédre und Syrah ist in der Nase zurück­haltend. Das sehr dunkle Rot wirkt im Mund weich und rund, harmonisch. Aber sonst leider wenig Spiel und Fülle.

Die letzten Weine hat der Chronist lediglich gerochen, nicht probiert. Der hohe Alkoholgehalt scheidet die Geister. Die Bepunktung spiegelt dann auch die subjektiven Geschmäcker wieder, er schmeckt oder eben nicht. Die Weine seien der Vollständigkeit halber aufgelistet.

  1. 2003 Banyuls Rimage von der Domaine Mas Blanc, 17% Alkohol, 95% Grenache, 5% Mourvédre. Wurde reduktiv ausgebaut.
  2. 1993 Rivesaltes „Ambre Vieux“ von der Genossenschaft Dom Brial aus Baixas, AOP Rivesaltes, 18% Alkohol. Grenache noir und Muscat. Rötliche, helle Farbe im Glas. Oxidativ, schöne Säurestruktur.
  3. Maury „Cuvee speciale, 10 Ans d’Age“ der Domaine Mas Amiel aus Maury, AOP Maury doux, 16% Alkohol, 90% Grenache noir, 5% Macabeu, 5% Carignan. Wurde oxidativ ausgebaut.
  4. 1996 AOP Banyuls Grand Cru „Mas de La Serra“ demi sec des Cellier des Templiers aus Banyuls, AOP Banyuls Grand Cru, 17% Alkohol. 75% Grenache noir, 25% Grenache gris.

Ein anstrengender Abend mit einer sehr weit gespreizten Vielfalt von Weinen. Wichtig, diese Wein mal im Glas zu haben und zu probieren. An den Referenten nochmals einen herzlichen für die Auswahl und Zusammenstellung der Wein.

Verfasser: Uwe

2017_12_Weinprobe neue Appellationen im Roussillon Probenergebnis

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Weinprobe Neue Appellationen im Languedoc am 16.11.2017

Erstellt von Dieter am 11. Januar 2018

Mit dem zweiten Teil unserer Südfrankreich-Proben sind wir im Languedoc angelangt. Die Region Languedoc-Roussillon ist mit  280.000 ha Frankreichs größte Weinbauregion ist. Hier wurden sehr lange einfache Massenweine hergestellt, vor allem aus der Sorte Aramon, die sehr ertragreich ist, aber nur einfache Weine liefert. Seit 1955 war diese Rebsorte nicht mehr als Qualitäts-Sorte anerkannt und durfte nicht mehr für AOC-Weine verwendet werden.  Durch die Ausrichtung auf Massenweine waren die Qualitätsanforderungen im Languedoc deutlich geringer als an der Rhone. Nachdem der Aramon  weitgehend gerodet wurde und auch der Anteil an Carignan zurückgefahren wurde, konnte 1960 die Coteaux du Languedoc als VDQS (Vin Délimité de Qualité Supérieure, deutsch: „Weine höherer Qualität aus begrenztem Anbaugebiet“) anerkannt werden. Fünfzehn Jahre später wurde das Gebiet eine eigene Regional-Appellation. Später wurden dann weitere Unterappellationen eingeführt, von denen wiederum einige in den letzten Jahren zu eigenen Appellationen aufgestiegen sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1945-1960:   Anerkennung zahlreicher VDQS im Languedoc (Faugères, Saint-Chinian, Pic Saint Loup usw.).

1960 :             Anerkennung der Coteaux du Languedoc als VDQS.

1985 :             Die Coteaux du Languedoc wird zu einer eigenen regionalen Appellation (AOC).

1988 :             Die Möglichkeit der Weißweinproduktion wird für die gesamte AOC anerkannt.

2003-2005 :  In der AOC Languedoc werden verschiedenen Unterappellationen eingeführt (AOC Languedoc-Grés de Montpellier, AOC Languedoc-Pézenas, AOC Languedoc St.Drezery…)

2007:              Die Coteaux du Languedoc wird erweitert und in AOC Languedoc umbenannt.

2011 :             Der AOC Languedoc Bereich wächst um 40 Gemeinden.

2011-2014:   Die Unterappellationen der AOC Languedoc Pic Saint Loup, La Clape und Terrasses du Larzac werden zu eigenen Appellationen.

Die Appellationen Im Languedoc:

Die Appellationen die fett gedruckt sind, sind mit Weinen in der Probe vertreten.

Languedoc-Cabrières Cabardès
Languedoc-Grés de Montpellier Clairette du Languedoc
Languedoc-La Méjanelle Corbières
Languedoc-Montpeyroux Corbières-Boutenac
Languedoc-Pézenas Faugères
Pic Saint Loup Fitou
Languedoc-Quatourze Limoux blanc
Languedoc-Saint Drézéry Limoux rouge
Languedoc-Saint-Christol Minervois
Languedoc-Saint-Georges-d’Orques Minervois-La Livinière
Languedoc-Saint-Saturnin Picpoul de Pinet
Languedoc-Sommières Saint-Chinian
La Clape Saint-Chinian Berlou
Terrasses du Larzac Saint-Chinian Roquebrun

Neben den trockenen Weine existieren noch 4 Appellationen für Süßweine:

Muscat de Lunel Muscat de Mireval
Muscat de Frontignan Muscat de Saint-Jean-de-Minervois

Die AOP (Appellation d’Origine Protégée) ist seit 1992 die Schutzbezeichnung, die die nationale Bezeichnung AOC (Appellation d’Origine Controlée) in Frankreich abgelöst hat. Vor 2002 als AOC klassifizierte Regionen dürfen aber ihre alte Bezeichnung weiter führen.

Nun zu den verkosteten Weinen:

1.        2013  Domaine Clavel, „Copa Santa“, AOP  Languedoc, (La Méjanelle)
Undurchdringliches Purpur, in der Nase knackige kühle schwarze Frucht, Pfeffer, etwas Ätherik, im Mund kernig, knackige Säure, Bestätigung der Nase, viel Struktur die den Alkohol gut puffert, im Moment noch etwas anstrengend und rustikal, braucht Zeit.

2.        2014  Chateau Puech-Haut, rouge, „Prestige“,  AOP Languedoc-St.Drezery
Dichtes, dunkles Purpur, sehr warme, etwas bananige und gekochte Frucht, Räucherspeck, Lakritze, Kaffee, im Mund süßliche, karamellige Frucht, weich, niedere Säure, viel Alkohol, etwas satt machend.

3.        2010  Mas du Soleilla, „Message personnel“,  AOP La Clape
Dichtes Rubin mit reifenden Rand, Nase nach Zedernholz, Feigen, Lakritze, Röstaromen, im Mund kraftvoll, rund schöne Säure, hat trotz des hohen Alkohols guten Trinkfluss.

4.        2015  Domaine La Grange, „Edition Castalides“, AOP Languedoc-Pezenas
Dichtes Purpur, schwarze Frucht, Teer etwas Pfeffer in der Nase, im Mund gute Straffheit, spürbares Tannin, geradlinig, noch etwas rau.

5.        2013  Mas Cal Demoura, „L’Infidele“,  AOP Terrasses de Larzac
Reifes, dichtes Rubin mit bräunlichem Rand, sämige, rauchige Frucht, etwas Garrigue, weißer Pfeffer, im Mund schöne Mineralität, spürbares Tannin, erstaunlich hohe Säure, wirkt leichter, straffer als die anderen Weine, viel Trinkigkeit trotz des hohen Alkohols.

6.        2010  Pas de L’Escalette, „Pas de D“,  AOP Terrasses de Larzac
Mittleres Rubin mit reifem Rand, etwas stechende, chemische Nase, Brettanomyces, wenig Frucht, Gewürze in der Nase, im Ansatz zunächst flach wirkend, dann kommt raues, eckiges Tannin, etwas widersprüchlicher Wein mit wenig Harmonie.

7.        2010  Mas Foulaquier,“Petit Duc“.  AOP Pic St.Loup
Helles, reifes Braunrot, etwas balsamische, pflaumige Nase, Zimt, Gewürze Räucherspeck, man denkt an Chateauneuf-du-Pape, im Mund rund, kraftvoll, hat Struktur und Fülle ohne mastig zu sein, gut gereift, harmonisch.

8.        2013  Domaine Les Grandes Costes, „Les Grandes Costes“,  AOP Pic St.Loup
Dunkles, reifendes Rubin mit bräunlichem Rand, schwarze Frucht, Teer, Lakritze, Kaffee, im Mund knackig, kernig, die Struktur lässt den hohen Alkohol unaufdringlich erscheinen, rund und ausgewogen.

9.        2014  Chateau Mansenoble, „Réserve du Chateau Mansenoble“, AOP Corbières
Reifendes, dichtes Rubin, pfeffrige, kirschige Nase, etwas mostige Frucht, Lorbeer, im Mund rund, weiches Tannin, gute Säure, durchaus harmonisch und trinkig, aber nicht viel Tiefgang.

10.      2013  Les Fusionels, „In Tempus“,  AOP Faugères
Reifendes, mittleres Rubin, Nase nach Räucherspeck, Pflaume, Teer, Pfeffer, Kräuter, schiefrig, verbrannt, im Mund viel Fülle, reichlich Alkohol, Bestätigung der Nase, rund, gut eingebundenes Tannin.

11.      2014  Domaine St.Antonin, „Magnoux“,  AOP Faugères
Jugendliches, dichtes Rubin, pfeffrige, rauchige Frucht, etwas Ätherik, im Mund, etwas raues Tannin, unruhig, leicht hohl trotz viel Kraft und Fülle, wenig Länge.

12.      2013  Domaine Bertrand Berge,  AOP Fitou
Undurchdringliches Schwarzrot, in die Nase kommt im ersten Moment ein mostiger Apfelton, später etwas Sauerkirsche, Röstaromen, Pfeffer, im Mund straffes Tannin, gute Säure, Alkohol gut gepuffert, anständig, aber die Aromatik in der Nase ist sehr ungewöhnlich.

13.      1998  Chateau Gres St.Paul,  AOP  Muscat de Lunel        
Reifes Goldgelb, in der Nase getrocknete Aprikosen, etwas Orangenblüten, Rosinen, Nüsse, Karamell, im Mund vor allen Süße und Schwere, niedere Säure, viel Alkohol, wenig Spiel und Finesse, schöne Nase, fällt im Mund aber ab.

Seitdem die Produktion  von billigen Massenweine in der Ebene weitgehend eingestellt worden ist und qualitätsorientiert Winzer das Potential alter Rebbestände in den Hanglagen nutzen, ist die Weinqualität deutlich gestiegen. Auch das Bestreben, mehr elegantere Weinen zu produzieren gehört dazu. Seit unserer letzten Verkostung vor 12 Jahren hat sich vieles positiv verändert.

Kurze Informationen zu den Winzern:

Domaine Pierre Clavel, AOP Languedoc( La Méjanelle )
Pierre Clavel, Assas   20 ha Rebfläche

Chateau Puech-Haut, AOP Languedoc-Saint Drézéry
Gérard Bru, St.Drezery,  ca. 100 ha Rebfläche

Mas du Soleilla, AOP La Clape
Peter Wildbolz, Narbonne, 22 ha Rebfläche

Domaine La Grange, AOP Languedoc-Pézenas
Rolf & Renate Freund, Gabian,  32 ha Rebfläche

Mas Cal Demoura, AOP Pic Saint Loup
Isabelle und Vincent Goumard, Jonquieres,  14 h Rebfläche

Domaine Pas de L’Escalette, AOP Pic Saint Loup
Julien Zernott und Delphine Rousseau, Poujols,  10 ha Rebfläche

Mas Foulaquier, AOP Terrasses du Larzac
Pierre Jequier, Claret,  15 ha Rebfläche

Domaine Les Grandes Costes, AOP Terrasses du Larzac
Jean-Christophe Granier, Vacquieres,  12 ha Rebfläche

Chateau Mansenoble, AOP Corbières
Guido & Marie-Annick Jansegers-De Witte, Moux,  36 ha Rebfläche

Domaine Les Fusionels,  AOP Faugères
Arielle und Jem Harris, Cabrerolles,  9 ha Rebfläche

Domaine St.Antonin,  AOP Faugères
Frédéric Albaret, Cabrerolles, La Liquiere, 26 ha Rebfläche

Domaine Bertrand Berge,  AOP Fitou
Jerome Bertand, Paziols, 33 ha Rebfläche

Chateau Gres St.Paul, AOP Muscat de Lunel
Jean-Philippe Servière, Lunel, 24 ha Rebfläche

Verfasser Allgemeiner Text: Dieter, Weinbeschreibungen: Bernd

2017_11_Neue Appellationen im Languedoc Probenergebnis

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Weinprobe neue Appellationen an der Rhone am 19.10.2017

Erstellt von Dieter am 11. Januar 2018

Nach den fränkischen Weinen standen für den Rest des Jahres die Proben mit südfranzösischen Weinen an. Unsere Probenserie begann mit der Süd-Rhône, der in Deutschland vielleicht bekanntesten Weinbauzone Südfrankreichs. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel an der Qualität verbessert. Viele unbekannte Gebiete wurden in die Appellation Côtes du Rhône Villages aufgenommen und viele aus der Appellation Côtes du Rhône Villages wurden zu eigenen Appellationen (Crus) aufgewertet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Daneben stehen die Regional-Appellationen in den Randgebieten um
die Côtes du Rhône wie z.B. Côtes du Ventoux, Côtes de Luberon

Seit 1936 gibt es eine regionale Appellation, die Côtes du Rhône, für das Gebiet im Tal, das inzwischen 171 Gemeinden umfasst. Im Osten schließen sich die Côtes du Ventoux an den Hängen um den Mt. Ventoux und südlich davon die Côtes de Luberon an den Hängen des Luberon-Massivs an. Im Kernbereich der Côtes du Rhône sind aufgrund höherer Qualitätsanforderungen 95 Orte in den Bereich der Côtes du Rhône Villages aufgenommen worden und von ihnen dürfen 17 zusätzlich noch ihren Ortsnamen anhängen. Neu aufgenommen in diese Gruppe wurde 2004 Plan de Dieu, (Wein Nr. 4), 2005 Sinargues (Wein Nr. 5). Seguret (Wein Nr. 6) ist seit 1967 unter den Villages-Weinen und steht vor dem Aufstieg der Weine mit eigener Appellation.

Die älteste Appellation („Cru“) seit 1935 ist Chateauneuf du Pape, dann folgten 1971 Gigondas (Wein Nr. 12) und 1990 Vacqueras (Wein Nr. 11). Nach 2000 wurde weiteren Côtes du Rhône Village Weinen der Status eines eigenen Crus für trockene Weine zuerkannt: 2005 Beaume de Venise, 2006 Vinsobres (Wein Nr. 7) und 2010 Rasteau (Wein Nr. 9, 10) und 2016 Cairanne (Wein Nr. 8).

Neben den Appellationen für trockene Weine gibt es noch je eine Appellation für Süßweine: seit 1944 Rasteau für süße Grenache-Wein und seit 1945 Beaume de Venise (Wein Nr. 13,14) für süße Muskat-Weine.

Eine sehr gute interaktive Übersicht der Rhône Weine gibt es unter http://www.Rhône-weine.com/de/appellation .

Unsere Probe startete mit je einem Wein der beiden östlichen Randbereichen und führte dann über Côtes du Rhône- und Côtes du Rhône Village-Weine zu den Orts-Appellationen:

1.        2015  Chateau La Canorgue,   AOP Côtes de Luberon
Jugendliches Purpur, in der Nase satte Frucht, Pfeffer, Gewürze, im Mund ganz trocken, pfeffrig, nicht zu fett, gute Struktur, Harmonie und Länge

2.        2015  Domaine de Fondrèche, „Cuvé e Persia“,  AOP Côtes du Ventoux,
Dunkles Purpur, saftige Frucht, viel süßliche Eichenholzwürze in Nase und Mund, straffes Tannin, viel Alkohol, etwas satt machend.

3.        2014  Domaine de Réméjeanne, „Les Chèvrefeuilles”,  AOP Côtes du Rhône
Jugendliches Rubin, sehr pfeffrig in Nase und Mund, leicht grün und unreif, wenig Kraft, wirkt etwas verwässert, eckig und rau, nicht viel Länge

4.        2014  Domaine Rose Dieu,   AOP Côtes du Rhône Villages Plan de Dieu
Mittleres Purpur etwas bananig in der Nase, auch Vanille, im Mund mehr Fülle als Wein Nr. 3, spürbar Tannin, etwas unruhig und rau.

5.        2014  Chapoutier, „Les Pentues“,  AOP Côtes du Rhône Villages  Sinargues
Reifes Rubin, kühle Frucht, Gewürze und Herbstlaub in der Nase, im Mund samtig, schöne Balance, burgundische Art, harmonisch, guter Trinkfluss.

6.        2015  Domaine de Creve Coeur,  AOP Côtes du Rhône Villages Séguret
Dunkles Purpur, in der Nase satte Feigenfrucht, blumig, etwas Pfeffer, im Mund noch super-raues Tannin, wuchtig, viel Alkohol, derzeit wenig Charme, muss reifen.

7.        2015  Domaine Stephane Usseglio, Vinsobres, „Vieilles Vignes“, AOP Vinsobres
Mittleres Purpur, gekochte Frucht in Nase und Mund, rund, weich, mollig, viel Alkohol, wenig Struktur und Spiel.

8.        2010  Domaine des Escaravailles, „Le Ventabren“,  AOP Côtes du Rhône Villages  Cairanne
Reifendes, dichtes Rubin, leicht balsamische Nase, pfeffrige Frucht, im Mund war die A-Flasche leicht prickelnd, als hätte der Wein nachgegoren (B-Flasche einwandfrei), gute Struktur, rund aber kernig, viel Alkohol.

9.        2012  Domaine Bressy Masson, „Paul Emile“,   AOP Rasteau
Reifendes, dichtes Purpur, komplexe Nase nach Feigen, Gewürzen, Gestein, weißer Pfeffer, im Mund schöne Frucht, etwa Pfeffer, viel Alkohol aber gut ausbalanciert.

10.      2011  Domaine les Aphillanthes, „1921“,  AOP Rasteau  
Reifendes, dichtes Rubin, Nase nach gekochten Früchten, Rumtopf, Herbstwald, im Mund sehr schwer, alkoholisch, mastig.

11.      2014  Domaine La Bouissière,  AOP Vacqueras
Reifendes, dichtes Rubin, pfeffrige Frucht in Nase und Mund, würzig, kernig auf der Zunge, gute Struktur, später auch Lavendelnoten.

12.      2013  Domaine Santa Duc, „Aux Lieux Dits“,  AOP Gigondas
Reifendes, dichtes Rubin, Nase nach Räucherspeck, Röstaromen, grüner Pfeffer, durchaus komplex, im Mund straff, kernig, würzig, noch rau, braucht Zeit.

Zum Abschluss folgten dann noch zwei Süßweine:

13.      2003  Beaume de Venise, „Carte d’Or“,  AOP Beaume de Venise doux
Leicht roséfarbener Bernstein, Nase nach Orangenblüten, Karamell, Apfel, Nüsse, Rosenwasser, im Mund vor allen Süße und Alkohol, wenig Spiel und Finesse

14.      1998  Beaume de Venise, „Carte d’Or“,  AOP Beaume de Venise doux
Dunkles Bernstein, Nase schon etwas gezehrt nach Karamell und Röstnoten, im Mund sehr süß, alkoholisch, satt machend.

Auch in Zukunft werden weitere Gebiete ihre Qualitätsanforderung zu erhöhen, um in der Qualitätspyramide weiter nach oben zu steigen. Vielleicht können wir in 5 Jahren diese Erfolge erneut in einer Probe feststellen.

Angaben zu den Winzern der verkosteten Weine

 Chateau La Canorgue,  „Côtes de Luberon“,
40 ha,  biologisch

Domaine de Fondreche,  „Côtes du Ventoux“,
40 ha, biologisch

Domaine de Réméjeanne, „Côtes du Rhône“,
38 ha,

Domaine Rose Dieu, „Côtes du Rhône Villages, Plan de Dieu“,
2,5 ha, Produktion seit 2002

Maison M.Chapoutier, „Côtes du Rhône Villages, Sinargues“,
350 ha über den ganzen Rhône Bereich und etwas im Roussillon, biodynamisch

Domaine de Crève Coeur, “Côtes Du Rhône Villages Seguret”,
6 ha, biodynamisch

Domaine Stephane Usseglio, (Raymond Usseglio), “Vinsobres”,
16 ha Chateauneuf du Pape, 5 ha Côtes du Rhône, 3 ha IGP,  biodynamisch

Domaine des Escaravailles, “Cairanne”,
65 ha, 7 ha Cairanne

Domaine Bressy Masson, “Rasteau”,
30 ha

Domaine les Aphillanthes, “Rasteau”,
37 ha, biodynamisch

Domaine La Bouissiere, „Vacqueras“,
16,6 ha, 9 ha Gigondas, 5 ha Beaumes de Venise, 2.6 ha Vacqueyras

Domaine Santa Duc, „Gigondas“,
26 ha, 12 ha Gigondas,

Cave de Beaume de Venise,
Die Cave de Beaume de Venise fusionierte 2014 mit der Cave de Vacqueras unter dem neuen Namen „Balma Vinitia“, 156 Mitglieder, 2/3 der Süßweinproduktion von Beaume de Venise

Weiterführende Informationen:

Zum Weinbaugebiet Rhône:                     http://www.Rhône-weine.com/de/
Informationen zu Rhône Winzern:            http://www.chateauneuf.dk/

Verfasser Allgemeiner Text: Dieter, Weinbeschreibungen: Bernd

2017_10_Rhone Probenergebnis

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Weinprobe Silvaner aus Randersacker am 14.09.2017

Erstellt von Dieter am 10. Januar 2018

Der Silvaner ist vom Typ her eine Rebsorte, die zwar weniger Fruchtigkeit zeigt, aber hervorragend das Terroir widerspiegeln kann (Terroir als Zusammenspiel von Boden, Microklima, Rebsorte und Winzer).
Daher hat unser Weinbruder Wilfried Schmitz eine Probe mit Silvaner-Weinen aus Randersacker von 5 verschiedenen Winzern und aus zwei sehr guten Lagen zusammengestellt, um zu zeigen, welchen Einfluss neben der Lage auch der Winzer hat.

Nach zwei Blauen Silvanern, als „exotischem“ Auftakt haben wir dann Weine der folgenden Lagen verkostet:

Randersackerer Sonnenstuhl

Die Lage wurde bereits im Jahre 1240 urkundlich erwähnt. Sie schließt die früheren Lagen „Hohes Roth“, „Rückersell“ und „Paradies“ mit ein.
Die nach Westsüdwesten bis Südwesten ausgerichteten Weinberge in Form eines Kegels in einer Höhe von 190 bis 280 Meter über NN haben 10 bis 60% Hangneigung. Die Lage umfasst 59 Hektar Rebfläche. Im steilsten Teil bestehen die oberen Bodenschichten aus tonigem Lehm, im Hangbereich ist dieser Lehm auch mit humosem Sand vermischt.

Randersackerer Marsberg

Der Name leitet sich nicht vom Planeten, sondern vom Wort „morsch“ auf Grund des dominierenden Gesteinsschutts ab.
Die nach Südwesten, Süden und Südsüdosten ausgerichteten Weinberge in 180 bis 290 Meter Höhe über NN haben 20 bis 65% Hangneigung. Die Lage umfasst 37 Hektar Rebfläche und zieht sich relativ weit in das Quertal des Jakobbachs. Die Böden bestehen aus extrem steinigem Muschelkalk.

Randersackerer Pfülben

Die Lage wurde bereits im Jahre 1329 unter dem Namen „Pfulwen“ (althochdeutsche „Kissen“) erwähnt, weil die Lage wie ein breites, dickes Kissen aussieht.
Die nach Südsüdwesten bis Süden ausgerichteten Weinberge in 185 bis 270 Meter Höhe über NN fallen steil zum hin Main ab und haben 30 bis 70% Hangneigung. Die Lage umfasst 19 Hektar Rebfläche. Durch die direkte Nähe zu Flussufer profitiert die Lage von der Licht- und Wärmereflexion des Mains.
Die Böden bestehen aus tiefgründigem skelettreichem, verwittertem Muschelkalkmergel mit tonigem Feinboden.

Randersackerer Ewig Leben

Der Weinberg gegenüber des Randersackerer Lämmerbergs wird aus der Historie heraus als Einzellage Ewig Leben bezeichnet und liegt somit im Kernbereich der Großlage. Sie beginnt östlich vom Ort Randersacker und zieht sich in nordöstliche Richtung entlang des Gerbrunner Grundes.
Die Bodenverhältnisse sind sehr unterschiedlich, es gibt Abschnitte mit hohem Lehmgehalt und dann wieder Bereiche mit Muschelkalk.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun zu unseren verkosteten Weinen:

2015  Blauer Silvaner, Weingut Wilhelm Arnold, Randersacker
E
in würziger, etwas runder, aber fülliger und etwas Spur breiterer Blauer Silvaner

2015  Blauer Silvaner, „Vom Alten Berg, Klassiker“, Weingut Trockene Schmitts, Randersacker
Ein klarer, fruchtiger, etwas herber Blauer Silvaner, etwas kantig und sehr trocken. Der Wein hat eine dichte Struktur, aber dadurch, dass er „knochentrocken“ ausgebaut ist, war er vielen zu kantig.

Danach konnten wir sechs Silvaner aus der Lage Randersackerer Sonnenstuhl verkosten:

2015  Randersackerer Sonnenstuhl, „Consequent“, Weingut Trockene Schmitts, Randersacker
Ein fruchtiger Silvaner mit weicherer, etwas überreifer Frucht und leichter Adstringenz im Abgang

2015  Randersackerer Sonnenstuhl, Weingut Stefan Bardorf, Randersacker
Ebenfalls ein sauberer, recht dichter, aber etwas breiterer Silvaner

2015  Randersackerer Sonnenstuhl, „Erste Lage“, Weingut Wilhelm Arnold, Randersacker
Durch etwas mehr Restsüße wirkte dieser Silvaner fruchtiger, ja recht saftig.

2015  Randersackerer Sonnenstuhl, „Erste Lage“, Weingut Störrlein & Krenig, Randersacker
Ein klarer, dichter, gradliniger Silvaner, gut strukturiert und mit sehr präziser Frucht, im Abgang zarte Herbe.

2015  Randersackerer Sonnenstuhl, „Erste Lage“, Weingut Schmitt’s Kinder, Randersacker
Wieder ein recht dichter, reifer Silvaner mit einem zarten Honigton und mehr adstringierender Herbe.

2015 Randersackerer Sonnenstuhl, „Consequent, Alte Reben“, Weingut Trockene Schmitts, Randersacker
Der zweite Wein dieses Weingutes aus dieser Lage zeigte mehr Charakter und gefiel deshalb deutlich besser: klar, fruchtig und mit mehr Dichte und zarter Herbe.

2012 Silvaner, „Ewig Leben“, Weingut Stefan Bardorf, Randersacker
Hier ist nicht ganz klar, ob der Wein aus der Großlage «Ewig Leben» stammt oder aus der Einzellage „Ewig Leben“ die gegenüber des Randersackerer Lämmerbergs liegt.
Ein fruchtiger Silvaner, der altersbedingt weicher, runder, ja fast etwas glatt wirkt und schon leichte Reife zeigt.

Mit vier Weinen aus der Lage Randersackerer Marsberg wurde die Probe fortgesetzt:

2014  Randersackerer Marsberg, „Alte Reben“, Weingut Stefan Bardorf, Randersacker
Für einen 2014’er Silvaner war er sehr sauber und fruchtig und jahrgangsbedingt mit etwas zarterer Struktur. Trotz des Jahrgangs wirkte recht glatt und rund.

2015  Randersackerer Marsberg, „Alte Reben“, Weingut Stefan Bardorf, Randersacker
Ein Jahr jünger zeigte sich dieser Silvaner klar und fruchtig, aber er wirkte noch etwas kantig und verschlossen, sodass er niedriger bewertet wurde als der 2014’er.

2015  Randersackerer Marsberg, „Sylvaner“, Weingut Störrlein & Krenig, Randersacker
Dieser Silvaner wusste mit zarter, etwas neutralerer aber dichter Frucht und leichter Mineralik zu gefallen.

2015  Randersackerer Marsberg, „Erste Lage“, Weingut Schmitt’s Kinder, Randersacker
Eine weitere Steigerung war dieser Silvaner: klar, fruchtig und recht elegant und gekonnt spielte er die Vorteile eines guten Silvaners aus.

2009  Randersackerer Pfülben, „Großes Gewächs“, Weingut Schmitt’s Kinder, Randersacker
Dieses „Große Gewächs“ war eine Spende unseres Referenten und stellte den krönenden Abschluss unserer Probe dar.
Ein dichter, vielschichtiger Silvaner mit zart vollreifen Noten, der immer noch Frische hatte und keine Altersnoten zeigte.

Mit dieser Probe haben wir unser diesjähriges deutsches Thema «Franken» abgeschlossen.

Unserem Weinbruder Wilfried Schmitz bleibt nur noch zu danken für die verschiedenen Proben, die er dafür zusammengestellt hat. Wir hatten dadurch die Gelegenheit neben anderen fränkischen Rebsorten vor Allem die Silvaner Rebe als «Königin de Weißweine» kennen und schätzen zu lernen.

Einige Daten zu den Weingütern:

Weingut Wilhelm Arnold
Bruno & Diana Arnold, Randersacker

11 ha Rebfläche, 80.000 Flaschen/Jahr
40% Silvaner, 15% Müller Thurgau, 10% Riesling
2 Sterne im Vinum Weinführer 2018

Weingut Stefan Badorf
Stefan Badorf, Randersacker

3 ha Rebfläche, 21.000 Flaschen/Jahr
25% Silvaner 35% Riesling
2 Sterne im Vinum Weinführer 2018

Weingut Schmitts Kinder
Karl, Martin & Renate Schmitt, Randersacker

14 ha Rebfläche, 100.00 Flaschen/Jahr
34% Silvaner, 14% Riesling, 12% Müller Thurgau, 8 % Spätburgunder
3,5 Sterne im Vinum Weinführer 2018

Weingut Trockene Schmitts
Paul und Bruno Schmitt, Randersacker

16 ha Rebfläche, 115.000 Flaschen/Jahr
40% Silvaner, 20% Müller Thurgau, 10% Riesling
3 Sterne im Vinum Weinführer 2018

Weingut Störrlein & Krenig
Armin Störrlein, Martin Krenig, Randersacker

12,5 ha Rebfläche, 90.000 Flaschen/Jahr
40% Silvaner, 10% Riesling, 10% Weissburgunder, 20% rote Sorten
3 Sterne im Vinum Weinführer 2018

Verfasser: Dieter

2017_09 Silvaner Randersacker Probenergebnis

 

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Weinprobe Ausbauarten von Silvaner-Weinen mit dem Silvaner Forums am 10.08.2017

Erstellt von Dieter am 10. Januar 2018

Für diese Probe konnten wir zwei Vertreter des Silvaner-Forums begrüßen: Herrn Steinmann als Vorsitzenden und Herrn Menger als Leiter des Silvaner Wettbewerbs, beide hervorragende Kenner des Silvaners. Herr Menger ist hauptberuflich Berater für den Weinbau in Mittelfranken und kennt dadurch auch alle Winzer.

Nun zum Silvaner: Die Rebe stammt aus dem Donauraum und ist eine natürliche Kreuzung aus Traminer x Weißer Österreicher. Im 17. Jahrhundert scheint er durch Zisterzienser­mönchen nach Franken gelangt zu sein. Im Casteller Archiv ist urkundlich nachgewiesen, dass erste Silvaner Reben von Obereisenheim nach Castell gebracht und dort am 10. April 1659 gepflanzt wurden.
Von dort aus ist er unter dem Namen „Franke“ weiter nach Westen an der Rhein vorge­drungen.

Bis in die 1960er Jahre war der Silvaner in Deutschland mit mehr als 30 % Flächenanteil die meistangebaute Rebsorte. Dann wurde er von Neuzüchtungen, vor allem vom Müller-Thurgau vom ersten Platz verdrängt. Als Verschnittpartner, um sauren Riesling trinkbar zu machen, war er durch Ertragsbegrenzungen beim Riesling und durch den Klimawandel auch nicht mehr erforderlich. So ging sein Bestand kontinuierlich zurück. Eine Ausnahme machten Franken und Rheinhessen, denn hier bemühte man sich durch gezielte Quali­tätsverbesserung den Silvaner wieder zu fördern.

1998 wurde deshalb das Silvaner Forum als eine überregionale Initiative für den Silvaner gegründet. Unter anderem wird alle 2 Jahre ein Wettbewerb um den Internationalen Preis des Silvaner Forums ausgeschrieben. Dieser Wettbewerb wird in 5 Kategorien ausgeschrieben, um die verschiedenen Silvaner Typen besser darstellen zu können.

Kategorie Basic:                       leichte, frische Silvaner mit max. 12,5% vol. Gesamtalkohol

Kategorie Premium:                 hochwertige, kraftvolle Silvaner mit ausgeprägter Sortenstruktur, z.B. reduktiver Ausbau im Edelstahl
oder im großen  Holzfass

Kategorie Solitär:                     individuelle, herausfordernde Silvaner mit Reifepotenzial; solitär durch Ausbau im Barrique, durch
Maischegärung usw.

Kategorie Nobel:                      Edelsüße Silvaner-Dessertweine.

Kategorie Gereifte Silvaner: Weine, die 10 Jahre und älter sind.

Der Erfolg hat sich vor allem in Franken schon gezeigt, denn die bestockte Fläche ist wieder gestiegen und der Silvaner wird inzwischen als „autochthone Rebsorte“ Frankens angesehen. Viele Flächen wurden in letzter Zeit wieder mit Silvaner Reben neu bestockt. Die Klimaerwärmung hat auch ihren Teil dazu beigetragen, da der Silvaner  inzwischen auch an den kühleren Standorten reift wird, die früher nur mit Müller-Thurgau bestockt werden konnten.

Für Herrn Menger ist die Silvaner Rebe die „Königin der Weißweine“. Sie hat eine elastische Beerenhaut und ist dadurch gut an die Klimaveränderung angepasst. So kommt sie einerseits mit großer Hitze und andererseits auch mit deutlichen Niederschlägen gut zureht. Durch die feste, elastische Schale ist  allerdingsdie Saftausbeute schlechter als z.B. beim Riesling. Durch eine leichte Maischegärung kann die Saftausbeute wieder etwas verbessert werden, Gelichzeitig führt diese Maßnahmen dazu, das der Weine zarte, seidige Tannine bekommt, die die etwas verhaltenere Frucht und die weichere Säure beim Silvaner kompensieren.
Auch die Langlebigkeit wird dadurch erhöht, auch wenn immer noch einige Leute behauptet wird, dass der Silvaner jung getrunken werden muss.

Nun zu unserer Probe:

Da unsere beiden Referenten noch im Stau auf der Autobahn steckten haben wir zur Überbrückung einen fränkischen Sekt, den 2012  „Pinot Cuvee“, brut vom Weingut Glaser-Himmelstoß aus Nordheim verkostet.
Ein sauberer, zart herber Sekt aus Weissburgunder und Schwarzriesling mit einer  etwas breiteren, vollreifen Frucht und zarte Hefenoten.

Dann waren auch unsere Referenten eingetroffen. Als besondere Überraschung hatten sie vier Siegerweine des gerade beendeten Silvaner Cups 2017 mitgebracht.

Aus der Kategorie Basis-Weine war  das das 2016  Sommerhäuser Ölspiel vom Weingut Christoph Steinmann aus Sommerhausen.
Ein fruchtiger, gradliniger, zart herber Silvaner, harmonisch. sehr elegant und trotzdem dichte Struktur. Ein toller „Basiswein“, da macht das Trinken Spaß !

Aus der  Kategorie Premium-Weine der 2012  Eppelsheimer Felsen vom Weingut H.& B. Russbach aus Eppelsheim.
Ein dichter, voller, recht würziger, etwas fülliger und vollreifer Silvaner, der seine rheinhessische Heimat nicht verleugnen kann.

Aus der Kategorie Solitär-Weine der 2009  Frickenheimer Kapellenberg vom  Weingut Meintzinger aus Frickenhausen.
Ein dichter, voller Silvaner mit zarter Herbe und einer Spur Medizinton, aber gut gealtert.

Aus der zusätzlichen Kategorie International konnten wir den 2016  Eisacktaler Sylvaner, „Aristos“ von der  Eisacktaler Kellerei aus  Klausen (Südtirol) verkosten.
Ein dichter, Spur üppiger, voller Silvaner, der auch eine Spur alkoholischer wirkte. Sicher ein Ausdruck der Herkunft, denn das Eisacktal ist für Südtirol eines der kühlsten Anbaugebiete, aber doch wärmer als Franken oder Rheinhessen in Deutschland.

Dann folgten in zweiten Flight zwei Weine aus dem gleichen Most mit 99° Oechsle, aber mit unterschiedlichem Ausbau:

Der 2016  Thüngersheimer Scharlachberg, „Explore ! 1“  der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim. Bei diesem Wein war der Most klar filtriert und dann im Edelstahl mit  einer frankentypischen Reinzuchthefe vergoren worden. Anschließend erfolgte die Lagerung auf der Feinhefe bis März.
Hier hatten wir einen spritzigen, fruchtigen und harmonischen Silvaner vor uns.

Bei seinem Gegenstück, dem 2016  Thüngersheimer Scharlachberg, „Explore ! 2“ der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim war dagegen der Most nur grob filtriert worden und dann bei 18°C mit einer weniger fruchtbetonenden Hefe im Edelstahl vergoren worden. Danach erfolgte Battonage (Aufrühren der Hefe)  und ebenfalls Lagerung auf der Feinhefe bis Ende März.
Dieser Wein war dementsprechend etwas weniger fruchtig, aber dafür würziger, leicht cremig und zeigte mehr Fülle.

Im dritten Flight wurden dann zwei Silvaner von unterschiedliche Böden aber gleicher Ausbauart gegeneinander gestellt:

Der 2016  Iphöfer Kronsberg, 1.Lage  vom Juliusspital in Würzburg stammt vom Gipskeuper.
Ein klarer, zarter, eleganter, mineralischer Silvaner, der vom Gipskeuper etwas mehr Bitterton hatte.

Die Reben für den 2016  Würzburger Stein, 1.Lage, ebenfalls vom  Juliusspital in Würzburg, stehen dagegen auf Muschelkalk.
Auch dieser Wein ein klarer, dichter, voller Silvaner, der vielleicht von der wärmeren Muschelkalkböden etwas mehr Reife und Fülle zeigte.

Beide Weine waren eindeutige Vertreter für die Quaälität der 1.Lage.

Der Silvaner ist relativ mutationsanfällig, so dass ähnlich zu den Burgundern farblich unterschiedliche Varianten enstanden sind. Im Unterschied zum Grünen Silvaner, der „offiziellen“ Rebsorte, bringen sie stärker gelb gefärbte Trauben (Gelber Silvaner), rötliche Trauben (Roter Silvaner) oder  rötlich-blaue Trauben (Blauer Silvaner)  hervor.

Im vierten Flight folgten daher zwei dieser Spielarten:

2016  Sulzfelder Blauer Silvaner vom  Zehnthof Luckert in Sulzfeld

Ein fruchtiger, weicher und recht würziger straffer Silvaner mit etwas kräftigerer Säure als beim Grünen Silvaner. Die kräftigere Säure kann aber auch dadurch bedingt sein kann, dass der Wein von jüngeren Rebstöcken stammt. Der Blaue Silvaner hat auch eine offizielle Sorten-Zulassung.

2016  Sulzfelder Roter Silvaner ebenfalls vom  Zehnthof Luckert in Sulzfeld

Ein klarer, fruchtiger Silvaner mit zart herbem Tannin und präsenter Frucht, der aber nicht so würzig wie der Blaue Silvaner war.

Im letzen Flight konnten wir dann zwei Weine mit besonderem Ausbau verkosten: In diesem Fall durch Maischegärung und beim ersten Wein noch zusätzlich durch Ausbau in der Amphore.

Der 2015  „Challlenge ! Amphora K“ der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, wurde in der Amphore maischevergoren und danach unfiltriert abgefüllt. Deshalb war er leicht trüb und hatte durch die Maischegärung eine deutlich dunklere, gelbe Farbe sowie eine kräftige Apfel- und Kräuterwürze mit leicht medizinischen Anklängen. Die bekannten Fruchtnoten des Silvaners waren hier sehr zurückhaltend und durch oxidativen Apfel-Noten überdeckt. Ein typischer Orange-Wein. Dadurch fand er nicht bei allen Verkosten Anklang.

Der zweite Wein, der 2012  Silvaner „Concord“ vom Weingut Artur Steinmann aus Sommerhausen war ebenfalls maischevergoren. Hier war aber das vollreife, sehr gesunde Lesegut sehr schonend, ohne stärker oxidative Belastung auf der Maische vergoren und dann im großen Holzfass ausgebaut worden.

Durch die schonende Maischegärung hatten wir hier einen dichten, immer noch recht fruchtigen Silvaner mit zarter, seidiger Herbe und breitem Rückgrat. Dieser Wein zeigte immer noch große Frische.

Damit endete unsere Exkursion ins Reich der „Königin der Weine“. Dank unserer Referenten konnten wir einen sehr gut ausgewählten Querschnitt an Silvanerweinen verkosten, uns einen Einblick in das gaben, was ein guter Silvaner sein kann. Er wer nicht schon durch die vorherigen Proben und unsere Weinreise nach Franken zum Liebhaber des Silvaner geworden war, der mußte es nach dieser Verkostung sein.

Wir möchten unseren Referenten ganz herzlich danken, dass sie sich der Mühe unterzogen haben, trotz Verkehrsstau auf der Autobahn zu uns zu kommen und uns diese Silvanerweine zu präsentieren.

Verfasser: Dieter

2017_08_Weinprobe Silvanerweine und Ausbauarten mit dem Silvaner Forum Probenergebnis

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Weinprobe mit Rosé-Weinen aus der Provence am 20.07.2017

Erstellt von Dieter am 25. August 2017

Unser ausländisches Thema ist dieses Jahr Südfrankreich und was bot sich da besser an als eine Rosé-Probe im Sommer mit Weinen aus der Provence, dem typischen Rosé-Gebiet Frankreichs. Frankreich ist weltweit das Land mit der prozentual höchsten Rosé-Produktion und auch mit dem größten Eigenverbrauch an Rosé-Weinen. Von 1990 bis 2013 ist ihr Anteil in Frankreich von ca. 10% auf 30% angestiegen und mehr als ein Drittel aller französischen Roséweine stammen aus der Provence.  Entsprechend hoch ist dort der Anteil an der Produktion mit fast 90%.

Als die EU erlauben wollte, Rosé-Weine auch aus weißen Trauben durch Anfärben mit Rotweinen zu produzieren, kam aus der Provence der lautstärkste Protest, sodass dieser Vorschlag wieder in den Schubladen der Brüsseler Bürokratie verschwand.

In der Provence darf Rosé-Wein nur aus Rotwein hergestellt werden: Durch direktes Abpressen der Trauben, durch Abpressen nach einer kurzen Maischstandzeit oder durch das Saignée-Verfahren, bei dem den Trauben für die Rotweinherstellung ein heller Vorlaufmost abgenommen wird. (allerdings darf ein kleiner Anteil an weißen Trauben ebenfalls dem Most zugegeben werden.)‘
Die wichtigsten Rebsorten für Rosé sind Cinsault, Grenache, Mourvédre, Syrah und Tibouren.
Unsere Probe begann mit zwei IGT-Weinen aus der Camargue (die formal schon zum Languedoc und nicht zur Provence gehört)

Nr.1    2015’er Rosé „Tete de Cuvee, Grain de Gris“ der Domaine Listel war ein einfacher, schlichter Rosé, den das eine Jahr Reife nicht positiv verändert hatte, denn im Hintergrund tauchten schon muffige, dumpfe Töne auf und der Wein hatte seine Frische bereits verloren. ( 13,09 Punkte) Listel gehört zur Gruppe Vranken Pommery und produziert eher LEH-Qualität.

Nr. 2   2016’er Rosé „Mas Mellot“ der Domaine le Pive konnte ebenfalls nicht begeistern. Er war auch etwas dumpf und hatte deutliche Bittertöne, konnte aber als 2016’er mit etwas mehr Frische punkten. ( 13,44 Punkte) Die Domaine le Pive gehört zur Gruppe Jeanjean, die in Südfrankreich mehrere Weingüter besitzt.

Nr. 3   2016’er Rosé „M“ vom Chateau Minuty  Dieser Wein war in unserer Verkostung der erste AOP-Wein, aus der Appellation Cotes de Provence und kommt aus dem Hinterland von St.Tropez. Ein einfacher, aber sauberer Rosé mit leichten Eisbonbon-Tönen. ( 13,53 Punkte) Das Weingut verarbeitet zugekaufte Trauben und ist in der französischen Gastronomie stark vertreten.

Nr. 4   2016’er Rosé „Le Galantine“ der Domaine le Galantine. aus der Appellation Bandol.  Die Rotweine dieser Appellation haben sehr einen hohen Mourvedre-Anteil, was auch für die Roséweine gilt. Der Wein war recht dicht und fruchtig, aber durch den hohen Alkoholgehalt von 13,5% wirkte er auch etwas brandig. Dennoch wurde er recht gut bewertet. (14,66 Punkte)

Zwei Rosés der Domaine Jas d’Esclan (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten Chateau Jas d’Esclan) schlossen sich an.

Nr. 5   2016’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé besteht aus den vier Rebsorten Grenache 50%, Syrah 25%, Cinsault 15%, Tibouren 10%. Diese Basis-Qualität konnte sich geschmacklich kaum von den Vorgängern absetzen. (13,84 Punkte)

Nr.6    2016’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé „Coeur de Loup“ Dieser Wein war als Selektionswein deutlich dichter und voller, hatte aber auch einen etwas störenden Bitterton. Dennoch konnte er die vorherigen Weine in der Bewertung übertreffen. (14,66 Punkte)

Nr.7    2016’er Sainte Aix, Domaine de la Grand Seouves Rosé „Aix“ war der einzige Rosé aus der westlich gelegenen Appellation Aix en Provence. Seit Jahren ist er einer der weltweit bekanntesten Roséweine. Bei uns konnte er geschmacklich nicht ganz überzeugen. ( 14,09 Punkte) Warum für diesen Wein eine eigene Flasche mit eingeprägten „Aix“, aber als Verschluss aber ein einfacher Presskorken verwendet wird, ist bei einem Wein der mittleren Preisklasse (12 €) nicht ganz verständlich.

Nr. 8   2016’er Chateau de Roquefort, „Rosé Corail“ bestand aus den fünf Rebsorten Grenache, Syrah, Cinsault, Carignan, Vermentino (Rolle). Hier ging es qualitativ wieder aufwärts: Eine klare, saubere Frucht mit zarter Herbe und guter Struktur. (14,66 Punkte)

Nr.9.   2016’er St.André de Figuerère, Rosé „Premiere“, war wieder ein von der Mourvèdre-Traube geprägter Wein. Er zeigte sich sauber und klar in der Frucht, wirkte am Gaumen aber etwas blass und es fehlte ihm etwas an Länge. (14,06 Punkte) So konnte er gegenüber seinem Vorgänger nicht ganz mithalten.

Nr.10  2015’er Chateau Les Valentines, Rosé wird der von der Cinsault-Traube geprägt (Cinsault 50%, Grenache 30%, Syrah 10%). Als 2015’er hatte er schon Frische verloren und war insgesamt zwar sauber, aber recht neutral in der Frucht. (13,38 Punkte)

Nr.11  2016’er Chateau Jas d’Esclans, Rosé „Whispering Angles“ Dieser Wein kommt nicht von der Domaine sondern vom Chateau Jas d’Esclans und wird durch Grenache von bis zu 90 Jahre alten Reben dominiert. Im Mund Schwarze Johannisbeere und eine angenehme Kräuternote. (14,25 Punkte). Das Weingut wurde 2006 von Sacha Lychine (Chtaeau Prieuré-Lichine in Margaux) übernommen mit dem Anspruch, den besten Rosé der Welt zu produzieren. Der Name „Whisperig Angels“ steht für eine moderne Weinlinie im „Neue-Welt-Stil“. Die höhere Qualitätsanspruch zeigte sich auch daran, dass es der erste Wein unserer Verkostung war, dem man einen ordentlichen Naturkorken gegönnt hatte.

Nr.12. 2015’er Chateau Miraval, Rosé „Miraval“, Dieser Wein ist bekannt geworden als der Promi-Wein von Brad Pitt und Angelina Jolie. Bei dem Bekanntheitsgrad dieses (ehemaligen) Pärchens ist zu befürchten, dass außer viel Marketing-Geschrei nichts Herausragendes herauskommt, aber glücklicherweise wird der Wein von der Familie Perrin vom Chateau Beaucastel in Chateauneuf du Pape gemacht, die das Gut nach der Trennung der beiden auch übernommen hat.

Einerseits ein sauberer, recht fruchtiger, kräutriger, zart herber Rosé, andererseits aber etwas international und glatt. Als 2015’er zeigte er schon Reifenoten, und ist eigentlich zu teuer für diese Qualität (14,00 Punkte).

Nr. 13 2015’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé „Cuvee de Loup“,
der dritte Wein dieses Weinguts fiel etwas aus dem Rahmen, denn der Rosé wurde für 2 Monate im Barrique ausgebaut. Entsprechend hoch ging es bei der Diskussion her, ob ein Rosé im Barrique ausgebaut werden sollte. Wer den sehr dezenten Holzton mochte, fand hier einen interessanten Rosé vor (14,25 Punkte).

Nr.14  2016’er Les Vignobles Gueissard, Rosé war eine Zugabe unseres Weinbruders Wilfried anlässlich seines Geburtstags (und daher ohne Wertung). Ein Wein aus der Appellation Bandol und somit Mourvèdre-geprägt (Mourvèdre 50%, Grenache 35%, Cinsault 15%).

Ganz anders als die vorherigen Rosés war er sehr fruchtig, würzig, mit interessanten Geschmacksnoten und somit ein guter Abschluss der Probe.

Unser Referent hat sich bemüht, einen repräsentativen Querschnitt über die Rosé-Weine der Provence zusammen zu stellen. Leider ist das bei uns in Deutschland nicht so einfach, da hier nur relativ wenige Rosés aus der Provence vertrieben werden, die meistens auch noch von größeren Handelsmarken stammen (wie die Nr. 1) und von denen auch nicht immer die jüngsten Jahrgänge vorhanden sind. Denn das hat die Probe gezeigt: die meisten dieser Wein altern recht schnell und die Produzenten scheinen sich auch nicht viel Mühe zu geben, um das zu verhindern. Nur die Weine 11 bis 13 hatten einen Naturkorken, alle anderen besaßen einen einfachen Presskorken, ja zwei der Weine waren sogar mit einem geschäumten Kunststoffkorken verschlossen, der kaum noch eingesetzt wird, da dieser Korken sehr Sauerstoff-durchlässig ist. So verlieren die Weine nach einem halben bis einem Jahr schon deutlich an Frucht und bekommen oxidierte Noten.

Der Trend zum Roséweine steigt seit Jahren, wenn man aber unsere Bewertungen ansieht, war die Begeisterung nicht ganz so hoch.
Da aber das Jahresthema Südfrankreich lautet, musste unbedingt auch eine Rosé-Probe dabei sein, um den Wein-Horizont zu erweitern. Und diesen Überblick zu vermitteln,  ist unserem Referenten sehr gut gelungen.

Verfasser:  Dieter

2017_07_Roséweine aus der Provence Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Staatlichen Hofkeller, Würzburg am 29.06.2017

Erstellt von Dieter am 25. August 2017

Eine repräsentative Probe zusammenzustellen von einem Weingut, das seit 1128 existiert und zurzeit 120 ha Reben besitzt, ist nicht einfach. Eben aufgrund der zu vielen Möglichkeiten, die Zahl von etwa 100 Weinen in jedem Jahr bringt.
Dem Weingutsleiter Herrn von den Benken ist es aber perfekt gelungen.  Die Begrenzung auf die zwei wichtigsten Sorten, also Riesling und Silvaner, die wir durch verschiedene VDP-Qualitätsstufen verkosten konnten, und dabei ausschließlich in der trockenen Geschmacksrichtung, fand bei der Weinbruderschaft Zustimmung. Und mit Ausnahme der Weine 8 und 12, die aus dem Jahrgang 2015er waren, haben wir den Jahrgang 2016 kennengelernt.
Besonders interessant und lehrreich war die Möglichkeit, Weine von den verschiedenen Bodenarten in den entsprechenden Terroirs zu vergleichen. Dafür einen besonderen Dank an Herrn von den Benken!
Die erste Bewertung ist die des Verfassers, die zweite ist die Durchschnittsnote aller Verkostungsteilnehmer.

Gutsweinweine
Der erste Flight waren zwei Gutsweinweine, beide jeweils Cuvees von jungen Reben aus den Randersackerer (Marsberg) und Würzburger (Stein/Leiste) Lagen.

Nr. 1.              2016   Silvaner   ( 13,5 / 13,83 Punkte)

Blasses Strohgelb
In der Nase einfach und in der Sorte nicht ganz definiert, Edelstahl-Tank Ausbau, leichte süßliche Note. Auf der Zunge interessanter, frisch mit leichtem Säure-Biss, auch mit leichter Süße und nicht definierter Frucht.

Nr. 2.              2016   Riesling   ( 14,5 / 13,80 Punkte)
Blasses Strohgelb
Zurückhaltend mit interessanten herben Kräuter-Noten, leicht, mineralisch, riecht „trocken“.
Im Geschmack harmonisch mit leichter Süße, irgendwie „saftig-trocken“, Kabinett-Charakter, sehr leicht und positiv-süffig“, im Abgang herbe Noten, die an Kerner oder Müller-Thurgau erinnern.
Sehr gut gemachter Wein in seiner Klasse.

Ortsweine
Die zwei Ortsweine waren aus den Würzburger (Stein) Lagen, von jungen Reben.

Nr. 3.  2016  Würzburger Silvaner    ( 15 / 14,73 Punkte)
                       ( 15 / 14,73 Punkte)
Sehr blasses Strohgelb mit grünen Reflexen
Sehr schöne saubere Nase, eindeutig Silvaner in kalkig-mineralischer Ausprägung, leichte Gemüse (Spinat?) Note.
Am Gaumen leicht, harmonisch mit schöner Säure und zurückhaltender Frucht, alles ist klar bei dem Wein.

Nr. 4.              2016 Würzburger Riesling    ( 15 / 14,73 Punkte)
Etwas kräftigere Farbe als die Weine davor, gelb.
Am Anfang relativ verschlossen, reifere Frucht aber auch die Frische ist da.
Geschmack: leicht, fruchtig-frisch, etwas Pfirsich, erdig, mineralisch, sauber, fränkisch.
Später öffnet sich der Wein mit schöner exotischer (Ananas) Frucht, Mirabelle.
Man spürt einen guten Jahrgang.

Silvaner „Erste Lage“ nach VDP“ (3er Flight)
Vielleicht der interessantester Flight der Probe
Wir konnten drei Erste Lage-Weine aus den drei entferntesten Gebieten, aus dem Norden vom Main-Viereck, dem Norden vom Main-Dreieck und bei dem Wein Nr. 6 aus der östlichsten Ecke des Rebenbestandes. Dabei waren die feinen Unterschiede schön zu spüren, die uns verschiedene Bodenqualitäten gegeben haben.

Nr. 5.              2016 Hörsteiner Abtsberg   (Im Norden vom Main-Viereck, vom Urgestein)  ( 16,5 / 16,10 Punkte)
Blasses Strohgelb
Tief, zurückhaltend, mineralisch, Zitrone.
Am Gaumen auch mineralisch-salzig und trocken, würzig mit langem Abgang, aber leicht und konzentriert. Schöne Säure, harmonisch mit einer leicht wilden“ Note.
Ein Wein mit Charakter, der sein Ursprung (Urgestein-Granit, Basalt) schön darstellt.

Nr. 6.              2016 Handthaler Stollberg (eine von den östlichsten Lagen, vom Keuper)  (   16,5 / 15,87 Punkte)
Blass-grünlich,
Auch interessant, leichte animalische Note, reifere Frucht, lang,
am Gaumen viel Mineral (Gips ?), auch wieder salzig, sehr viel Extrakt, Zitrone; langer Abgang.
Wieder ein Wein mit Charakter, der ohne „Schminke“ gemacht wurde.

Nr. 7.              2016     Hammelburger Trautlestal     (Im Norden vom Main-Dreieck vom Muschelkalk)  ( 16 / 15,57 Punkte)
Etwas reifere Farbe, gelb-grünlich.
Von den drei Weinen der, der am meisten offen ist, viel (süße) Zitrone, exotische Frucht.
Am Gaumen fruchtig-würzig, mit erdigen Noten.
Auch ein typischer Terroir-Silvaner mit Charakter.

Silvaner „Erste Lage“ nach VDP“ aus Würzburg und Randersacker (3er Flight)
Der nächste Flight brachte drei Weine, die die gleiche hohe Qualität der letzten Gruppe hatten, wenn auch eventuell nicht so spannend. Es war aber interessant, drei Weine von dem gleichen Boden (Muschelkalk) von drei verschiedenen (bei Weinen 9 und 10 benachbarten) Lagen zu vergleichen.

Nr. 8.              2015 Randersacker Teufelskeller      ( 16,5 / 15,77 Punkte)
 Schönes blasses Gelb
Schöne reife Fruchtnoten, am Anfang etwas matt, Holz, mineralisch, leichte animalische Note; man würde den Wein älter einschätzen.
Geschmack: intensiv, würzig, kräftige Säure, mineralisch, trocken, leicht robust, wirkt jünger als in der Nase. Mit der Zeit spürt man den hohen Alkohol (13,5%) nicht als störend.
Nr. 9.              2016 Würzburger Innere Leiste   (  16,5 / 15,97 Punkte)
Blasses Strohgelb, grünlich, schön
Nase: schön fruchtig-kalkig, leichte Gemüse-Note (Erbsen), frisch, Mirabelle.
Geschmack: auch frisch, trocken, mit viel Extrakt, cremig, schöner Apfel, langer „kalkiger“ Abgang.
Ein karger und charaktervoller Wein.

Nr. 10.            2016 Würzburger Schloßberg (Lage im Alleinbesitz)  ( 16 / 16,20 Punkte)
Grünliches Strohgelb, etwas kräftiger.
Ähnliche Aromatik, wieder Kalk, mineralisch, klarer Silvaner
Konzentriert, cremig, leichte animalische Note, trocken und leicht.
Noch jung.

In dem letzten Flight haben wir die Gelegenheit gehabt, zwei Weine aus der Parade-Lage Würzburger Stein zu verkosten. Leider stammte der Riesling aus 2015 (Fehler beim Versand), sodass ein direkter Vergleich mit dem 2016’er Silvaner nicht möglich war, aber anderseits gut, da sich der 2015‘er Riesling aus der Sicht des Verfassers als ein großer Wein (auch wegen der zusätzlichen Reife) gezeigt hat.

Nr. 11.            2016 Würzburger Stein Silvaner „Erste Lage“ nach VDP“  ( 16,5 / 16,60 Punkte)
Kräftigeres Strohgelb
In Der Nase zuerst zurückhaltend, aber vornehm, mineralisch (Kalk), würzig, mit feiner Birne.
Am Gaumen sehr trocken, auch kalkig, leicht, harmonisch; im Abgang weißer Pfeffer.
Sehr charaktervoller Wein, natürlich noch zu jung.

Nr. 12.            2015 Würzburger Stein Riesling „Erste Lage“ nach VDP“  ( 18 / 16,57 Punkte)
Reiferes, glänzendes, schönes Gelb
Nase kräftig, komplex, reife (leicht überreife) Frucht, leicht Botrytis, tief, konzentriert, altes (schönes) Holz, sehr lang; Zitronenschale, danach Kräuter (Salbei, erinnert an Hustenbonbon).
Am Gaumen erstaunlich konzentriert und kräftig, dabei immer klar; schöne Aprikose, leicht phenolisch (Maischestandzeit?), sehr, sehr langer Abgang.
Sehr mächtiger, charaktervoller Wein aus einem tollen Jahrgang, der als gutes Beispiel für einen erstklassigen Franken-Riesling steht.
Es war eine hochwertige und sehr interessante Weinprobe, die auch die Einmaligkeit der Stadt Würzburg als Wein-Metropole unterstreicht und den Staatlichen Hofkeller unter den hochklassigen Nachbarn-Weingütern auf gleiche Ebene setzt.

Verfasser: Ceca

2017_06_Staatlicher Hofkeller Probenergebnis

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Weinerlebnisreise nach Franken vom 22. Bis 25.Juni 2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

19 Uhr am Donnerstag ging es für die meisten los: Abendessen à la carte im „Gasthaus Stern“ in Sulzfeld, einem Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert. Wir hatten noch immer Temperaturen um die 30°C, saßen aber sehr schön in einer weinumrankten Laube. Beendet wurde der Abend hier im Gasthaus mit gut gekühlten Qualitätsweinen aus Sulzfeld.

Sulzfeld am Main ist ein Weinort mit einer gut erhaltenen Befestigungsmauer mit 21 Türmen. Es hat auch sein spätmittelalterliches Ortsbild weitgehend bewahrt. Um den Ort herum sind die drei Weinlagen Sulzfelder Cyriakusberg, Sulzfelder Maustal und der Sulzfelder Sonnenberg. Der Ort wurde 2009 Landessieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Wir haben den Ort am nächsten Tag besichtigt.

Das erste Weingut wurde am Freitagmorgen besucht. Hugo Brennfleck vom gleichnamigen 400 Jahre alten Weingut begrüßte uns um 10.30 Uhr im Hof. Bei einem Rundgang mit ihm erfuhren wir viel über Gebäude, Keller und Ausbau der Weine. Die Familie hat sich entschlossen, trotz der Verkehrsprobleme mitten im Ort zu bleiben. Dazu wurden alle Gebäude saniert, restauriert und innen auch umgebaut. Das Kelterhaus wurde sehr modern auf der anderen Straßenseite neu gebaut. Für den gelungenen Umbau und die Erweiterung gab es mehrere Auszeichnungen.
In einer wunderschönen Degustationsstube haben wir dann 9 Weine kommentiert verkostet. Das 29ha große Gut hat Weingärten im Iphöfer Kalb und Kronsberg, im Escherndorfer Lump, Rödelseer Küchenmeister und in den Sulzfelder Lagen. Da 55% mir Silvaner bestückt sind, waren fast alle Weine von dieser Rebsorte und alle trocken ausgebaut. Die Böden sind entweder Keuper oder Muschelkalk.

Wein Nr. 1    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner, Kabinett trocken
Gleich mit einem „Paukenschlag“ begann unsere Probe mit diesem sehr trockenen und mineralischen Silvaner vom Keuper.
Wein Nr. 2    2016 Silvaner „ANNA-LENA®“, Kabinett trocken, benannt nach der ältesten Tochter
Ein sauberer, fruchtiger, aber durch die höhere Restsüße ein etwas gefälliger, glatter Silvaner.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Sonnenberg, „Blauer Silvaner“, trocken, eine Mutation des Grünen Silvaner
Ein klarer und im Gegensatz zum Gelben Silvaner sehr würzig-fruchtig mit guter Säure
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Kronsberg, Silvaner „Keuper·S“,·trocken
Wieder ein salzig- mineralischer Silvaner vom Keuper, sehr dicht gut strukturierte und mit einer leichten Süße.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Maustal, Silvaner „Muschelkalk·S“·, trocken
Das Gegenstück vom Kalkboden, daher wieder recht fruchtig, aber auch sehr dicht.
Wein Nr. 6    2016 „JHB Silvaner·S“·, trocken, Spontangärung, benannt nach dem jüngsten Sohn, Johann Hugo
Ein klarer, fruchtiger Silvaner aus dem Doppelstückfass im Abgang ein Hauch Holz.
Wein, Nr.7    2014 JHB Silvaner·S·, trocken, Spontangärung
Ebenfalls aus dem Doppelstückfass, jahrgangsgemäß aber nicht ganz so elegant.
Wein Nr. 8    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner, „Alte Reben“
Dieser Wein ist eigentlich für die gehobene Gastronomieschiene gedacht. Glücklich wer diesen Wein im Restaurant bekommt! Ein dichter, gut strukturierter, fruchtiger Wein mit zarter Süße.
Neben Silvaner werden zu 20% Burgundersorten, 5% Müller-Thurgau, 5% Riesling und 15% Diverse angebaut. Daher zum Abschluss noch ein Riesling.
Wein Nr. 9    2016, Escherndorfer Lump, „Himmelsleiter“, Riesling, Großes Gewächs, trocken
Als Großes Gewächs kommt dieser Wein sehr dicht, aber auch etwas füllig daher mit einer, deutlichen Riesling-Säure.

Bei den 8 Silvanern hat man sehr gut die Bedeutung des Bodens bemerkt, die Weine vom Muschelkalk sind fruchtbetont, die Weine vom Keuper hingegen mineralisch, salzig.
Hugo Brennfleck hat mit dieser Präsentation die Messlatte für die weiteren Proben, die anstehen, sehr hoch gehängt!

Nach einem kleinen Mittagessen im Vinothek & Vinobistro der Winzerfamilie Luckert trafen wir uns im Weingut Luckert. Da der Name in diesem Ort von mehreren Familien geführt wird, hat dieses Weingut den Beinamen „Zehnthof“, denn sie erwarben in den 70’er Jahren den fürstbischöflichen Zehntkeller.
Ulrich, Wolfgang und Philipp Luckert bewirtschaften mit ihren Familien. rund 17 Hektar Weinberge in den Sulzfelder Lagen.
Der Sohn Philipp führte uns durch den Nachmittag. Im verwinkelten Keller liegen zu 95% Holzfässer (Stück-, Doppelstück- und Barriquefässer). Alle Weine werden im Holzfass ausgebaut oder liegen zumindest für einige Zeit darin. Neben 50% Silvaner werden 15% Riesling und 35% übrige Sorten, darunter auch beachtliche Rotweine, angebaut. Das Weingut ist Mitglied im VDP und im „Naturland-Verband“
Zurück aus dem Keller fand die Probe in der Eingangshalle mit dem großen Reliefbild von Sulzfeld und seinen Weinbergslagen statt.

Wein Nr. 1    2016 Sulzfelder Müller-Thurgau, trocken
Ein fruchtiger, recht runder Müller-Thurgau mit guter Säure und mehr Süße
Wein Nr. 2    2016 Sulzfelder Silvaner, trocken
Ein recht fruchtiger Silvaner, der gute Struktur, etwas Süße und viel Säure für einen Silvaner besitzt.
Wein Nr. 3    2016 Sulzfelder Roter Silvaner, trocken
Ein recht klarer Silvaner mit zarter Herbe und Süße, guter Säure, für uns war der Unterschied zum Gelben Silvaner nicht so groß.
Wein Nr. 4    2016 Sulzfelder Blauer Silvaner, trocken
Hier hatten wir einen fruchtigen, recht weichen und würzigen Silvaner vor uns, der bei leichterer Struktur etwas mehr Süße zeigte.
Wein Nr. 5    2016 Sulzfelder Silvaner „Alte Reben“ trocken
Ein recht fruchtiger, würziger und zart mineralischer Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Sulzfelder Sonnenberg, Silvaner „Gelbkalk“, trocken
Dieser Silvaner hatte eine etwas verhaltene Frucht, war aber trotzdem recht dicht und nachhaltig.
Wein Nr. 7    2016 Sulzfelder Gelber Muskateller, trocken
Dieser Gelber Muskateller war recht fruchtiger, gehörte aber zu den etwas breiteren und stärker parfümierten Gelber Muskatellern. Im Gegensatz zu den Silvanern zeigte er auch mehr Süße.
Wein Nr. 8    2015 Sulzfelder Frühburgunder, trocken
Zum Abschluss ein Frühburgunder: Wenig fruchtig, leichterere Struktur, ein Ton nach Kirschmarmelade mit Nelken.
Wir hatte eine erstklassige Probe mit Weinen, denen man den Ausbau im Holzfass anmerkte, zudem dicht, wohl durch die geringen Erträge. Viele verschiedene Sorten konnten wie vergleichen, der Silvaner war aber in der Überzahl.

Für den Abend hat unser Weinbruder und Organisator ein Wirtshaus ausgesucht, das durch seine 4½ (von 5) Punkten bei Trip-Advisor überzeugte: der Michelskeller. Mehrere Telefonate, Mails und am selben Tag noch ein persönlicher Besuch haben es dann möglich gemacht, dass wir abends dort auf dem Platz speisen konnten. Die Weinkarte enthielt keine definierten Weine, sondern nur die Rebsorten mit der Angabe: Weine aus eigenen Anbaugebieten. Bei einem leckeren Flaschenbier warteten wir dann auf unser Essen. Da alles frisch zubereitet wurde, hatten die letzten um 21.30 Uhr ihren Teller vor sich. Halt! Nicht alle! 3 Bestellungen wurden vergessen. Eigentlich war der Koch zu diesem Zeitpunkt nur vorbeigekommen, um sich zu verabschieden. Also: noch mal Schürze umbinden und wieder an den Herd. So kamen die letzten drei doch noch zu ihrem Essen.

Am Samstagmorgen brachten uns mehrere Taxis zum ca. 12 km entfernten Weinort Rödelsee, genauer gesagt, zum Weingut Weltner.
Paul Weltner begrüßte uns und führte uns sogleich auf die von Wein umrankte Terrasse.  Während der Probe erzählte er vieles zu den Lagen und was er unter „Wein machen“ versteht.
Der VDP-Betrieb hat eine Gutsgröße von 11ha, Hauptrebsorte mit 60% ist der Sylvaner (wird im Weingut wirklich immer mit „y“ geschrieben), es folgen der Riesling mit14%, 8% Weißburgunder, 8%Scheurebe und 10 % Übrige, darunter auch Sauvignon.
Die Lagen sind im Rödelseer Küchenmeister, der insgesamt eine Rebfläche von 70ha hat, in der Rödelseer Schwanleite, und im Julius-Echter-Berg in Iphofen.
Paul Weltners Philosophie: Wenn man die Böden gesund hält, im Weinberg viel Handarbeit macht und rechtzeitig, nicht erst zum Zeitpunkt der Vollreife liest, ist der größte Teil der Arbeit schon getan. So entstehen schlanke aber doch komplexe Weine, die eine hohe Trinkfreude bescheren.

Wein Nr.1     2016 Sommer Cuvée, weiß, trocken
Eine Cuvée aus Sylvaner, Scheurebe und Müller-Thurgau vom Gipskeuper. Ein sauberer, fruchtiger, recht würziger Terrassenwein.
Wein Nr. 2    2016 Sylvaner Rödelsee,
Ein weicher, leicht erdig-mineralischer Silvaner mit Spur von Sponti-Noten
Wein Nr.3     2016 Rödelseer Küchenmeister Sylvaner, trocken
Sauberer, klarer, frischer, zart mineralischer Silvaner, der 4 – 8 Std. auf der Maische gestanden hatte und dadurch auch etwas mehr Struktur zeigte.
Wein Nr. 4    2016 Iphöfer Julius-Echter-Berg Sylvaner, trocken
Wieder vom Keuper und daher ein zart mineralischer, weicher, runder Silvaner. Er zeigte mehr Dichte, war aber noch etwas verschlossen.
Wein Nr. 5    2016 Julius-Echter-Berg Sylvaner „R“ Erste Lage nach VDP, trocken
Dieser Reserve-Wein hatte 12 Mon. auf der Vollhefe gelegen und präsentierte sich als, dichter, voller, nicht breiter, aber cremiger Silvaner.
Wein Nr. 6    2016 Rödelsee Weißer Burgunder, trocken
Hier hatte wir einen fruchtigen, Spur mineralischen Weissburgunder; der noch einen von Hauch Sponti-Noten zeigte.
Wein Nr.7     2016 Rödelseer Küchenmeister, Riesling, trocken
Ein fruchtiger, frischer, zart mineralischer Riesling.
Wein Nr. 8    2016 Rödelseer Küchenmeister Sauvignon Blanc, trocken
Vielleicht ein Exot für Franken, aber hier hatten wir einen frischen, fruchtigen, zart mineralische Sauvignon blanc mit, dezent grüner Frucht, der nicht wie ein Neuseeländer daherkam, sonst vollständig die mineralische Linie des Weinguts passte
Wieder einmal ging eine wunderbare Degustation zu Ende.

Nach dem Abschied brachten uns die Taxis ins von hier 20 km entfernte Frickenhausen.
In der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ haben wie im Gastgarten sehr lecker zu Mittag gegessen.
Hier fand anschließend auch die Weinprobe mit dem Weingut Bickel-Stumpf statt.
Melanie Stumpf-Kröger begrüßte uns und brachte vom nahe gelegenen Betrieb.
8 Weine mit. Nachdem sie den ersten Wein ausgeschenkt hat begann sie mit der spannenden Geschichte der Entstehung des VDP-Weingutes.
Mit einem VW-Käfer fuhr Reimund Stumpf zum ersten Mal 1971 von Thüngersheim nach Frickenhausen um seine neue Freundin Carmen Bickel zu besuchen. Nach der Hochzeit im Jahre 1976 verbanden sie die elterlichen Güter zum Weingut Bickel-Stumpf mit Stammsitz in Frickenhausen und Kellerei in Thüngersheim. Inzwischen liegt der Weinbau in den Händen der Kinder Melanie und Matthias Stumpf. In Frickenhausen findet man vor allem Muschelkalkböden, die Weine mit Schmelz liefern und in Thüngersheim hauptsächlich Buntsandstein, diese Weine sind eher mineralisch. Der Rebsortenspiegel umfasst 65% Silvaner, 15%Riesling und 10%Spätburgunder, zudem Müller-Thurgau, Scheurebe, Domina, Cabernet Dorsa, Portugieser, Blaufränkisch und ein neu gepflanzter Fränkischer Gemischter Satz. Die Weißweine werden in Edelstahltanks ausgebaut, so entstehen klassische, geradlinige Silvaner. Die junge Serie „twentysix“ besteht jeweils aus einem Medley der vielen verschiedenen Rebsorten und wird im Keller von den Kindern Melanie und Matthias kreiert.

Wein Nr.1     2016 Thüngersheimer Silvaner, „Buntsandstein“, trocken („Papas Wein“)
Ein fruchtiger, etwas zarterer, filigraner Silvaner von Buntsandstein und daher zarter als der Silvaner vom Muschelkalk
Wein Nr.2     2016 Frickenhäuser Silvaner, „Muschelkalk“, trocken („Mamas Wein“)
Dieser Silvaner präsentierte sich als dichter und fruchtiger Silvaner mit mehr Fülle als der Silvaner vom Buntsandstein.
Wein Nr.3     2016 Thüngersheimer Johannisberg Silvaner, trocken („Papas Wein“)
Wieder ein klarer, zart mineralischer, fruchtiger und eleganter Silvaner vom Buntsandstein mit feiner Säure.
Wein Nr.4     2016 Frickenhäuser Kapellenberg Silvaner, trocken („Mamas Wein“)
Hier der fruchtige, dichte, aber auch elegante Silvaner aus einer sehr warmen Kalkstein-Lage, der trotzdem noch eine feine Säure hatte.
Wein Nr.5     2015 Frickenhäuser Kapellenberg, Mönchhof, „Großes Gewächs“
Als Großes Gewächs mit Maischestandzeit und Ausbau im 500 l-Fass. Es war ein fruchtiger, dichter, aber nicht fetter Silvaner mit deutlicher Säure und einem Hauch Vanille vom Holzfass.
Wein Nr.6     2016 Thüngersheimer Johannisberg Scheurebe, trocken
Eine dichte, fruchtige, aber nicht aufdringliche Scheurebe mit guter Säure, kaum erkennbar, dass sie spontanvergoren war.
Wein Nr.7     2016 Riesling, „Muschelkalk“, trocken
Und zum Abschluss noch einen Riesling, fränkisch trocken fruchtig mit deutlicher Riesling-Säure
Es hat Spaß gemacht, der Familiengeschichte zuzuhören, die Weine zu verkosten und die Unterschiede der beiden Terroirs zu riechen und zu schmecken. Nach der Verabschiedung fuhren wir wieder zurück nach Sulzfeld (ca. 8 km). Abends hatten wir das beste Essen der Tour, im Gasthaus „Zum goldenen Löwen“. Hier stimmte einfach alles, die Speisen, der Wein und die diversen anderen Getränke.
Eine etwas verkleinerte Truppe traf sich am nächsten Morgen in Würzburg an der Feste Marienberg um an einer Führung teilzunehmen.
Der Marienberg ist schon seit der späten Bronzezeit besiedelt. Dort befand sich im 8. Jh. wahrscheinlich ein Kastell mit einer Kirche, die 741 Bischofskirche wurde. Ab 1200 begann man mit dem Bau einer sehr großen Burg, die im Spätmittelalter und in der Renaissance ausgebaut und erweitert wurde. Nach der Zerstörung 1945 begann man bald mit dem Wiederaufbau, der bis 1990 dauerte.
Wir haben anschließend auch den1300 Quadratmeter große Fürstengarten besucht, von dem aus man einen wunderbaren Blick über die Stadt Würzburg hat.

Im Anschluss fuhren alle zum Weingut Reiss, das hatte nämlich an diesem Wochenende sein Hoffest. Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, begrüßte unsere Gruppe herzlich. Er war am 4. Mai bei uns in Köln zu Gast und hatte uns damals eingeladen. Nach den vielen vorhergegangenen Weinproben wurde nur noch wenig Wein probiert, aber sehr gut gegessen, sowohl bei den Mittagsangeboten als auch am Tortenbuffet.
Damit endete eine sehr interessante Weinerlebnisreise ins Maindreieck!

Ein sehr herzlicher Dank geht an die vier Winzer, Hugo Brennfleck, Philipp Luckert, Paul Weltner und Melanie Stumpf-Kröger. Sie haben alle, jeder auf seine individuelle Art und Weise Ihr Weingut und Ihre Weine sehr gut repräsentiert.
Wir danken auch der „Fränkischen Weinstube Ehrbar“ für die Breitstellung der Terrasse zur Weinprobe, und dem Gasthaus Stern“ in Sulzfeld. Hier gab es für uns immer einen Platz in Gastgarten, obwohl alles ausgebucht war und zu jeder Zeit gut gekühlte Flaschenweine.
Jetzt fehlt noch einer: Wilfried, wir danken Dir, das war wieder toll organisiert, und die Winzer sehr gut ausgesucht! Wie viele Telefonate, Mails und sogar Vorabreisen da wohl nötig waren? Ganz lieben Dank und bis zur nächsten Tour!
Verfasser: Käthe

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Weinprobe mit dem Weingut Glaser-Himmelstoß, Nordheim am 18.05.2017

Erstellt von Dieter am 19. Juli 2017

Im Rahmen unserer Weinproben zum Jahresthema Franken konnten wir das Weingut Glaser Himmelstoss begrüßen, das von Herrn Wolfgang Glaser persönlich vorgestellt wurde.

Die Weingüter Hans Himmelstoss in Dettelbach und Siegfried Glaser in Nordheim wurden 1977 durch die Heirat von Monika Himmelstoss und Wolfgang Glaser zusammengelegt.
Heute befindet sich die gemeinsame Betriebsstätte mit dem Weinkeller in Nordheim, während die Gebäude in der Altstadt von Dettelbach für eine Vinothek und das Restaurant genutzt werden.

Rebfläche: 15ha, Jahresproduktion: ca.100.000 Flaschen
Rebsorten: 26% Silvaner, 25% Müller-Thurgau, 10% Riesling, 6% Spätburgunder, 33% übrige Sorten
Durchschnittsertrag: 45 hl/ha
Die Lagen des Weinguts befinden sich in den Gemeinden Nordheim, Sommerach und Dettelbach.

Das Grundgestein des Nordheimer Vögeleins ist der obere Muschelkalk. Dieser Fels besitzt eine Auflage von Sanden aus dem Fichtelgebirge. Die Hangausrichtung der Weinberge geht von Südwest bis Nordwest.
Der Sommeracher Katzenkopf grenzt an den Nordheimer Vögelein an. Dort liegt auf dem Gestein des oberen Muschelkalks eine Auflage aus Kalk- und Kalkmergel­gestein. Die Hangausrichtung der Weinberge ist Südsüdost bis Südwest
Der Dettelbacher Berg-Rondell ist ein klassischer Prallhang, der sich von Südsüdost nach Südsüdwest zieht. Die Reben stehen hier direkt auf dem mit Lehm versetzten Verwitterungsgestein des oberen Muschelkalks.

Durch diese unterschiedlichen Böden hat das Weingut die Möglichkeit sehr differenzierte Weine herzustellen.

Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Riesling brut, vom Weingut Oekonomierat Johann Geil, der von unserem Weinbruder Klaus Meurer anlässlich seines 50.Geburtstags gestiftet wurde.
Blasses Grüngold mit zarter Perlage, leicht vollreife Noten, recht cremig im Mund, ein gutes Gewicht für 12,0% Alkohol, frische Säure und harmonisch abgestimmt.

Der offizielle, fränkische Teil unsere Weinprobe startete mit einem 2016’er Dettelbacher Müller Thurgau von 50 Jahre alten Reben, die Muschelkalk stehen.
Während der einfachere Rivaner aus dem Trauben der ersten Lese mit Ganztrauben-Pressung und anschließend normaler Vergärung gewonnen wurde, wurden für diesen Wein die Trauben entbeert und bei 10 – 15°C vergoren. Für etwas mehr Struktur wurden noch mit 5% maischevergorenem Müller Thurgau verschnitten

So entstand ein dichter, würziger, aber auch zarter, nicht aufdringlicher Müller Thurgau mit dezenter Herbe.

Es folgten dann vier Silvaner aus unterschiedlichen Lagen und unterschiedlichen Methoden der Weinbereitung.

Bei Verkostungen mit guten weißen Burgundern oder auch Grüner Veltliner-Weinen aus der Wachau war im Weingut aufgefallen, dass die die eigenen Silvaner Schwächen beim Alterungsvermögen zeigten. So war z.B. bei vollreifen Silvaner-Trauben die stabilisierende Säure teilweise verloren gegangen. Um die Alterungsfähigkeit wieder zu verbessern, wurde daher mit (anteilig) maischevergorenen Weinen experimentiert, um so Tannine aus der Beerenhaut zu extrahieren und die Weine besser zu stabilisieren.

Unser erster Silvaner war der 2015’er Dettelbach Silvaner
Dieser Ortwein war „normal“ vergoren worden und zeigte sich als dichter, zart mineralischer und fruchtiger Silvaner ohne große Anspüche auf lange Lagerung

Eine Steigerung war dann der 2015’er Sommeracher Katzenkopf, eine Erste Lage nach VDP, vom Kalkmergel mit dünner Flugsandauflage, der nicht aus Grünem Silvaner, sondern aus Gelbem Silvaner gekeltert worden war und auch länger auf der Hefe gelegen hatte. Dadurch zeigte er mehr Dichte und Fülle bei guter Frucht und zart vollreife Noten.

Dann folgte der 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, ebenfalls eine Erste Lage nach VDP. Ein Grüner Silvaner aus Trauben, die von 50 Jahre alten Reben stammten, nach 24 Std. Maischestandzeit spontan vergoren und danach im Edelstahl weiter ausgebaut wurden.
Durch die Kraft der alten Reben hatte der Wein eine dichte, weiche Frucht, ebenfalls zart vollreife Noten und durch die längere Maischestandzeit eine leichte Herbe am Gaumen.

Den Abschluss macht dann ein ganz anderer Wein, der 2015’er Dettelbacher Silvaner, maischevergoren. Unter Trockeneiszugabe (um eine Oxidation zu verhindern) standen die Trauben 3 Wochen auf der Maische und wurden dann im kleinen, aber nicht getoasteten Holz ausgebaut.
Dadurch war ein ungewöhnlicher Silvaner entstanden, der eine sehr dichte, sehr trockene, aber weiche Frucht besaß und neben einer leichtern Herbe mit einer Spur Kräutertönen austrumpfte.

Neben der fränkischer Leitsorte Silvaner durfte der Riesling natürlich nicht fehlen

Zuerst verkosteten wir einen leicht restsüßer 2015‘er Nordheimer Riesling, Kabinett
Das war ein sauberer, fruchtiger Riesling im echten Kabinett-Stil, der ein feines Süße-Säure-Spiel zeigte. Unter den allgemeinen trockenen Weinen in Franken hätten wir diesen Reis-Stil nicht erwartet.

Als Steigerung folgte der trocken ausgebaute 2015’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP.
Ein dichter, zart mineralischer, eleganter Riesling der auch eingefleischten Mosel-Liebhabern gefiel.

Eine Spezialität des Weingutes ist der Traminer. Hier konnten wir zwei trockene Weine probieren.

Als Ortswein war der 2016‘er Nordheimer Traminer im Edelstahl ausgebaut und dadurch recht fruchtig und frisch.
Der zweite Wein war dann der 2015‘er Nordheimer Traminer, der im Barrique vergoren war und während der Hefelagerung eine Battonage erfuhr.
Er zeigte mehr Kraft und Dichte und eine weichere, aber sehr zurückhaltende, dezente Traminerfrucht.

Zum Portfolio des Weinguts gehören auch Burgunderweine, von denen drei trocken Burgunder folgten:

Der 2015’er Nordheimer Weissburgunder „Denker“
war ein, dichter , eleganter  und weicher, Weissburgunder mit zart exotischen Noten und leichter Süße

Sein Pendant als Grauburgunder, der 2015’er Nordheimer Grauburgunder „Denker“
lag auf gleichem Qualitätsniveau: Ein dichter, recht fruchtiger Grauburgunder mit zarter Süße.

Ganz anders präsentierte sich dann der 2015’er Dettelbacher Grauburgunder, denn er war maischevergoren. Dadurch hatte er mehr Dichte und Struktur, war aber noch verschlossen und nicht so fruchtbetont. Ihm sollte man noch Zeit lassen zum Reifen lassen.

Quasi als „Nachtisch“ durften wir dann noch zwei edelsüße Weine probieren.

Der 2013’er Dettelbacher Berg Rondell, Erste Lage nach VDP war eine Müller Thurgau-Beerenauslese, im Sauternes-Stil im Barrique vergoren und dadurch neben zarten Holztönen, mehr Alkohol zart vollreifen, süßsauren Noten, leichte Botrytis und sehr dezentes Holz zeigte.

Die Silvaner-Trockenbeerenauslese 2015’er Sommeracher Katzenkopf, Erste Lage nach VDP war dagegen klassisch vergoren und ausgebaut worden.
Eine dichte, fruchtige, fette Trockenbeerenauslese mit dezenter Süße und feiner, süßsaurer Frucht.

Damit waren entgültig am Ende unserer Probe angekommen, die uns einen guten Einblick in Weine des Weinguts gegeben hat. Die Probe war gleichzeitig ein hervorragendes Lehrstück, wie der Winzer aufgrund der Lage und der Ausbauart die Eigenschaften des Weines verändern kann. Dafür möchten wir uns bei Herrn Wolfgang Glaser bedanken und dass er sich trotz der dringend anstehenden Arbeiten im Weinberg doch die Zeit genommen hat, uns zu besuchen.

Verfasser: Dieter

2017_05_Weingut Glaser Himmelstoß Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Weingut Christian Reiss, Würzburg vom 04.05.2017

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Christian Reiss, Eigentümer des Weinguts, war persönlich anwesend um das Weingut und seine Weine vorzustellen.
Das Weingut wurde 1960 durch seinen Vater begründet, der mit diesem Jahrgang auch erstmalig selber abfüllte. Davor war gemischte Landwirtschaft betrieben worden. Er selbst ist ausgebildeter Weinbautechniker, hat schon in den 90er Jahren die Kellertechnik des Weinguts verantwortet und es ab 2003 vollständig vom Vater übernommen. Heute wird das Gut mit 3 Sternen im Gault Millau bewertet.
Das Weingut verfügt über 17,5 ha Rebfläche, die Rebsortenverteilung ist:
35 % Silvaner
15 % Müller-Thurgau
10 % Burgunderrebsorten
10 % Riesling
30 % verteilt auf viele andere Rebsorten wie Traminer, Scheurebe, Morio-Muskat, Bachus, Portugieser, Schwarzriesling, Spätburgunder
Die Böden sind größtenteils reine Muschelkalkböden, die besten Lagen der Würzburger Stein und der Randersackerer Pfülben.
Seine Zukunft sieht das Weingut verstärkt bei den Weißweinen. Besonders wichtig ist Christian Reiss die Fruchtigkeit seiner Weine. Er setzt den Großteil seines Weins nicht über den Handel sondern an Privatkunden ab und hat dazu jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen auf dem Weingut.

Zu den Weinen:
Die Probe begann mit einem (nicht bewerteten) 2014 Sekt Silvaner brut, Methode Champenoise, gestiftet von unserer Weinschwester Petra Tenne anlässlich Ihres kurz zurückliegenden 60.Geburtstags.
Blasses Grüngold, zarte Perlage, noch etwas  hefige Zitrusfrucht, sehr cremig im Mund, viel Gewicht für 12,5% Alkohol, gute Säure, harmonisch abgestimmt, mittlere Länge.
Wein 1: 2016 Würzburger Stein Müller-Thurgau, Kabinett trocken
Ein mittels Ganztraubenpressung und Kaltvergärung zu 100 % mit Reinzuchthefen im Edelstahl erzeugter Wein.
Muskatig-süßliche Nase, traubige Frucht, rund im Mund, milde Säure, etwas dienende Restsüße, ein einfacher, unkomplizierter, gut gemachter Wein.
Wein 2: 2016 Würzburger Pfaffenberg Grauer Burgunder, Kabinett trocken
Ebenfalls mit Ganztraubenpressung erzeugt aber mit höherer Gärtemperatur.
Helles Grüngold, sehr primärfruchtige Nase, weiße Blüten, Nüsse, im Mund ganz trocken, gutes Gewicht, milde Säure, geradlinig, mittlere Länge.
Wein 3: 2016 Würzburger Pfaffenberg Spätburgunder Kabinett Blanc de noirs trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung  zu 10 % spontan vergoren.
Leichte Apricot-Farbe, traubig, erdbeerfruchtige Nase, gute Würze, schöne Säure, trocken, nicht viel Spiel, aber sauber und gut.
Wein 4: 2016 Veitshöchheimer Sonnenschein Riesling Kabinett trocken
Dieser Wein wurde nach Ganztraubenpressung im Edelstahl kaltvergoren, war aber 2 Monate auf der Feinhefe im Holzfass
Helles Grüngold, sehr traubig-primäre, süßliche Nase, etwas Eiche (großes Holzfass), im Mund cremig, weinig, der Alkohol durch die Säure gut gepuffert, schöne Würze, gute Länge.
Wein 5: 2016 Randersackerer Pfülben Riesling Spätlese trocken
Erzeugt von 28 Jahre alten Reben mit einem Ertrag von 40 hl/ha, spontan vergoren, dabei bei 6,5 g RZ/l in der Gärung stehen geblieben, ca. 3 Monate im Holz, wurde erst dese Woche leicht filtriert und zurück in den Edelstahl gebracht, Fassmuster.
Der Wein wurde kontrovers beurteilt, auch Christian Reiss selbst sah ihn nach dem Schock des Umziehens momentan nicht in guter Trinkverfassung.
Reifendes Grüngold, gelbfruchtige, würzige, erdige Nase, im Mund sehr weich, trotz 7,9 g/l Säure relativ wenig Spiel, unruhig, die Elemente Süße, Säure und Alkohol stehen etwas nebeneinander.
Wein 6: 2016 Würzburger Pfaffenberg Traminer Spätlese trocken
Reifendes Grüngold, deutliches Rosen-Litschi-Aroma, sehr süßlich in der Nase, im Mund mit viel Gewicht, niederer Säure, etwas dienender Restsüße, leicht sättigend, nicht viel Länge
Wein 7: 2015 Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner Spätlese „Holzfass“ trocken
Von diesem Wein wurden 30% für 10 Tage auf der Maische gelassen, anschließend, wie die restlichen 70 % spontan im Barrique vergoren.
Glänzendes Goldgelb, etwas Neuholz in der Nase, birnige, florale und kräuterige Noten, im Mund etwas Karamell- und Röstaromen, viel Fülle, weinige Säure, trotz des hohen Alkohol nicht brandig, aber wenig Silvaner-Typizität.
Wein 8: 2015 Würzburger Pfaffenberg Weißer Burgunder Spätlese Holzfass trocken
Für diesen Wein wurde starke Ertragsreduzierung mittels Traubenteilung im Frühjahr, grüner Lese im August und Vorlese duchgeführt, er wurde 6-12 h auf der Maische gelassen und anschließen in Barriques (davon 1/3 neu) spontan vergoren mit zweimal wöchentlicher Batonnage, und anschließendem BSA.
Dunkles Goldgelb, Nase deutlich vom Holz geprägt (eher vanillig als rauchig-röstig), etwas Anis, im Mund viel Gewicht, Alkohol durch Säure gut gepuffert, rund, weinig.
Wein 9: 2015 Silvaner Spätlese Amphore trocken
Dieser Wein wurde nach einer Woche Maischestandzeit in 250l Amphoren aus Kreta spontan vergoren und verblieb danach 9 Monate in der Amphore, wurde aber geschwefelt und filtriert (also kein klassischer Orange-Wein)
Dunkles Goldgelb, etwas rosinige Überreife und starke Karamellnote in der Nase, im Mund ganz trocken, niedere Säure, schwer aber nicht plump, allerdings sehr sattmachend.
Wein 10: 2016 Würzburger Pfaffenberg Scheurebe Kabinett
Mit Reinzuchthefen im Edelstahl bei 12-13 Grad Celsius vergoren, Gärstopp durch weitere Abkühlung.
Helles Grüngold, traubig, grünliche, grasige Aromen, im Mund zarte Süße, schöne Säure, leicht und gut
Wein 11: 2016 Thüngersheimer Scharlachberg Rieslaner Spätlese
Helles Grüngold, Nase nach Muskat und exotischen Früchten, schönes Süße-/Säurespiel, allerdings stehen diese Elemente derzeit noch etwas nebeneinander.
Wein 12: 2015 Randersackerer Pfülben Riesling Beerenauslese
Reifes Goldgelb, Nase nach Honig, exotischer Frucht, Nüsse, im Mund sehr süß, dürfte zur perfekten Harmonie noch mehr als die 8,6 g/l Säure haben, ölig, viel Geschmacksfülle, sehr lang.

Bruderschaftsmeister Dieter Ockelmann bedankte sich im Namen der Weinbruderschaft für die sehr gut zusammengestellte Probe und den kenntnisreichen und enthusiastischen Vortrag von Herrn Reiss mit einem Geschenk der Weinbruderschaft für seine Vinothek.

Verfasser: Bernd

2017_04_Weingut Reiss Probenergebnis

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