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Archiv für die 'Probenberichte 2013' Kategorie

19.12.2013 Weinprobe Blaufränkisch aus dem Burgenland

Erstellt von Dieter am 19. Januar 2014

Blaufränkischprobe mit Weinen aus dem Burgenland –

und einem „blinden“ Piraten

Die Teilweinanbaugebiete des Burgenlandes

Burgenland                                                             13.840 ha

Neusiedlersee                                                          7.649 ha

Neusiedlersee Hügelland / Leithaberg               3.576 ha

Mittelburgenland                                                      2.117 ha

Südburgenland / Eisenberg                                    498 ha

Charakteristika eines Blaufränkisch: Kirsche, Brombeere, Fruchtfülle, gutes Tannin, Kräuterwürze, Suppenkräuter, Gemüsebrühe, teilweise Pfeffer, Erdigkeit, gutes Tannin.

1. Weingut Gernot Heinrich,     Gols ***** / ****

99% rot,   1% weiß    60 ha / 105 ha

Bio, bekannt für Gabarinza, Salzberg

Gruppe Pannobile

Gernot Heinrich zählt zu den besten Rotweinwinzern. Es ist toll, was der Golser Jahr für Jahr sowohl in der Tiefe als auch in der Breite herausbringt. Genau das zeichnet den Pannobile-Winzer aus und das lässt einen bei Heinrich-Weinen gut aufgehoben wissen. Bei den klassischen Geschichten wie Zweigelt und St. Laurent ist es der frucht­betonte Trinkspaß, der in jedem Schluck steckt. An der Spitze wiederum zeigt Heinrich mit seinen Top-Cuvées Gabarinza und Salzberg, welches Potenzial Gols zu bieten hat. Seit einiger Zeit macht Heinrich auch ausgedehnte Wanderungen am be­nachbarten Leithaberg mit vielversprechenden Ergebnissen, vor allem im weißen Burgunderbereich schwappt viel Spannendes vom Leithaberg ins Heinrich-Sortiment.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch (Basiswein); straff, grün, hart und kurz; gebrauchtes Barrique?;

2. Weingut Leo Hillinger,    Jois *** / **

60% rot, 40% weis  50 ha / 100 ha

In Umstellung auf Bio

Die Optimierung beim Weingartenmanagement und im Keller trägt bei Hillinger schmeck­bar Früchte. Verantwortlich für den merkbaren Qualitätsanstieg ist ein ein-gespieltes und hoch motiviertes Team. „2012 war durchaus eine Herausforderung, nicht unbedingt wegen der Trockenheit, sondern weil sich die übliche Lese­reihen­folge bei den Sorten verschoben hat“, so Kellermeister Edgar Brutler. Im umfang­reichen Sortiment überrascht schon der „normale“ Veltliner heuer mit ungewohnter Vitalität, mit der exotischen Cuvée Hill 2 aus den Sorten Chardonnay und Sauvignon betritt man hochwertige, frankophile Gefilde. Qualitative Steigerungen sind beim „Hillside“ zu bemerken, das liegt wohl auch daran, dass die Merlotpartien nun deut­lich besser zur Geltung kommen; überhaupt ist bei den Roten ein gewisses Fein­tuning bemerkbar, so zum Beispiel dank geringerer Maischebewegung. Bester Rot­wein im Sortiment ist derzeit der Cabernet Sauvignon, ein ungemein saftiges, tannin­betontes Exemplar mit beachtlichem Potenzial. Wenn es der Jahrgang zulässt, keltert das Weingut auch Süßweine: der mit gut 33 °KMW gelesene Traminer-Eiswein steht besonders prächtig da. Hillinger Weine gibt es im Handel und natürlich in den Flagship-Stores, es empfiehlt sich aber durchaus ein Ab-Hof-Einkauf im Stamm­haus in Jois, denn der in den Hang versenkte architektonisch ansprechende Gebäudekomplex mit prächtigen Blickachsen ist immer einen Besuch wert.

Getrunken: 2010er Blaufränkisch; bei seinem Spagat zwischen Top-Cuvées und Kaufhausweinen hatten wir hier wohl die zweite Kategorie im Glas; glatt, beliebig, gefällig, etwas süß

3. Weingut Hans & Anita Nittnaus,     Gols **** / ****

90% rot,  10% weiss  44 ha / 36 ha

Bio, Mitbegründer Gruppe Pannobile, Leithaberg

Hans Nittnaus gilt als der Sir in der burgenländischen Winzerelite. Der ruhige und stets hilfsbereite Golser Winzer ist nicht nur Pannobile-Namensspender und nach wie vor tatkräftiges Mitglied der erfolgreichen Golser Winzergruppe, sondern er setzt seit ein paar Jahren seine Fußspuren zunehmend gekonnt auch auf den benachbarten Leithaberg – und wie! Sein Blaufränkisch 2011 von dort ist heuer bei der Top-Wein-Verkostung mit fünf Sternen geadelt worden – der Wein zeigt sich bereits jetzt gut antrinkbar, hat aber enorme Kraft für ein langes Leben. Überhaupt steht bei Nittnaus‘ Weinen immer Eleganz vor übertriebener Mächtigkeit – was man vor allem bei seinem Pannobile schön schmecken kann. Die bekannte Rotweincuvée vereint übrigens die zwei wichtigsten Rotweinsorten im Weingut und in der Region: Zweigelt und Blaufränkisch. Nittnaus‘ ganz großes Aushängeschild ist der Comondor: Von der Top-Rotwein-Cuvée, die wie der Pannobile den Winzer seit mehr als 20 Jahren be­gleitet, ist aktuell der Jahrgang 2009 am Markt.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Kalk und Schiefer“; auf diesem Boden ist ein interessanter, mineralisch kühler Wein gewachsen, insgesamt elegant.

4. Weingut Marcus Altenburger,     Jois, ***  / ***

80% rot, 15% weiss, 5% edelsüß     / 75% rot, 25% weiss      11 ha

Markus Altenburger präsentiert die bis jetzt beste Serie, die er je gemacht hat. Vor­gezeichnet war der Weg zum Winzer freilich nicht, denn wenn man aus einer altein­gesessenen Winzerfamilie stammt, dann zieht es einen nicht automatisch in die Wein­branche. So hat er auch zuerst einmal internationale Wirtschaftsbeziehungen studiert. Dann folgten aber schon das Schloss Halbturn, damals noch unter Carlo Wolf, und der Entschluss, selber Weine zu keltern. Altenburger verfolgt einen sehr traditionellen Ansatz der Weinbereitung, einmaischen in offenen Bottichen, Spontan­gärung und möglichst lange Hefelagerung sind Eckpunkte der Vinifikation. Auffällig ist die gewonnene Stilsicherheit bei den Weißweinen, vor allem der Jungenberg ist in seiner bodengeprägten, eleganten Art ein echtes Aushängeschild. Hervorragend und noch dazu preiswert: der Neuburger, den Markus Altenburger dieses Jahr wieder als Reserve abfüllt. Blaufränkisch ist das Herzblut des Winzers, schon preiswerte Weine, wie der Ried Satz, überzeugen mit Eigenständigkeit und Trinkvergnügen, von den sechs verkosteten Varianten bestechen Gritschenberg und Jungenberg ganz beson­ders.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch; riecht oxydativ, reif etwas kompottig;

5. Weingut Josef Leberl,     Großhöflein, *** / ***

90.000 Fl. 74% rot, 25% weiss, 1% edelsüß      17 + 5 ha

Nach dem Tod von Gerald Leberl im Vorjahr hat Bruder Alexander den Keller über­nommen. Leberl-Weine zeichnen sich durch die ruhige Handschrift und ein gutes Alterungspotenzial aus; Grundstein für die Struktur und Finesse der Weine sind natürlich die Spitzenlagen am Leithaberg und seinen Ausläufern, aber auch der elegante Holzeinsatz, den Familie Leberl mittlerweile perfektioniert, trägt dazu bei. Schon der Chardonnay Reisbühel ist sehr gelungen, einer der individuellsten Weiß­weine bisher. Bei den Rotweinen gibt es kleine stilistische Optimierungen, so wird die Maischestandzeit – zum Beispiel beim Zweigelt – etwas zurückgefahren. Das Blau­fränkischsortiment wird heuer wieder von einem lagenreinen Satz ergänzt, ein ver­gleichsweise zugängiger Wein, der ungemein saftige Kollege vom Fölligberg ist wieder ein echter Preisknüller. Stilistisch markant herausgearbeitet wirkt der kühl­rauchige Blaufränkisch Reisbühel, der gewohnt pikantmineralische Glorienstein be­schließt das Quartett dann auf tollem Niveau, das Potenzial des 2009ers sollte er locker erreichen. Bester Wein des Betriebs ist heuer der Peccatum, der 2011er wird sich in die Riege der besten Jahrgänge dieser Cuvée stellen. Beachtlich ist auch der schlicht als Cabernet Sauvignon Merlot betitelte Blend. Der qualitativen Kontinuität des Weinguts setzen wir heuer die dritte Krone auf.

Getrunken: 2008er Blaufränkisch „Reisbühel“; Note von Cabernet Sauvignon, runder Wein mit wahrnehmbarer hoher Säure, etwas unharmonisch; Entwicklung abwarten.

6. Weingut Feiler Artinger,    Rust ***** / ****

150.000 Fl, 55% rot, 30% weiß, 15% edelsüß  29 ha

bekannt für edelsüße Weine

Die harmonische wie unaufgeregte Art, mit der Familie Feiler Lese und Bereitung der Jungweine abwickelt, hat in einer ebenso ausgewogenen Weinserie ihren verdienten Niederschlag gefunden. Das gilt bereits für die Weißweine, die 2012 etwas pointierter und kerniger ausgefallen sind als ihre unmittelbaren Vorgänger aus 2011; dies trifft insbesondere auf den mit nussiger Würze und zarter Orangenfrucht glänzenden Neu­burger zu. Aus dem Jahr 2011 gefällt der saftige, vom Holz bloß dezent unter­stützte Gustav. Einen erfreulichen Ausblick auf 2012 hat der pfeffrige und nervige Zweigelt aus diesem Jahr bereits freigegeben. Im großen Rotweinjahr 2011 beweisen bei­spielsweise der Blaufränkische von der Riede Umriss und der Zweigelt & more die Vorzüge ihrer jeweiligen Rebsorte und Herkunft und verstehen beide, dunkelbeerigen Fruchtreichtum mit dichtem Körperbau zu verbinden. In besonderem Maße trifft dies auch auf den Pinot Noir vom Gertberg zu, der so rauchig und pikant wie selten zuvor ausgefallen ist und auch Substanz sowie Länge für die prononcierte Reifung besitzen sollte. An der Spitze steht unverändert der balancierte Bordeaux-Blend, der nunmehr als Cabernet Sauvignon Merlot tituliert wurde, weil sich die mit 999 beginnende „Jahres­bezeichnung“ auf Dauer als zu irreführend herausgestellt hat. Als Primus inter Pares kann wieder der extraktsüße und vor rotbeeriger Frucht nur so strotzende Solitaire gelten, der auch für einen stark Blaufränkischbetonten Blend beispielhaften Fruchtcharme und frühe Balance in die Waagschale legt.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Umriss“; stimmiger Wein, der alle Eigenschaften der Vorgängerweine in sich vereinte.

7. Weinbau Ernst Triebaumer,     Rust **** / ****

100.000 Fl. 75% rot, 20% weiß, 5% edelsüß              20 ha

bekannt für Blaufränkisch Marienthal

Die Rolle des sommerlichen Aperitifs wird im weitläufigen Sortiment der Familie Triebaumer wieder einmal dem schneidigen Rosé sowie dem traubigen und schlan­ken Muskateller zugewiesen; schon etwas darüber hinaus gehen der vitale Sau­vignon von der Ried Vogelsang, aber auch die etwas reduktive Ruster Variante des Veltliners. Bei den Chardonnays stehen einander wieder das klassische, im Stahltank ausgebaute Format sowie die unter der Riedbezeichnung Pandkräften laufende Barrique-Variante gegenüber, die beide recht muskulös und druckvoll ausgefallen sind. Für einen erfreulichen roten Ausblick auf den Jahrgang 2012 sorgt der fokus­sierte und engmaschige Blaufränkische Gmärk, für einen ebenso angenehmen Rückblick auf den – ja nicht unproblematischen – Jahrgang 2010 der straffe und Himbeerfruchtige Pinot Noir. Aus dem großen Rotweinjahr 2011 ist dem Quartett der Premium­-Roten schon in ihrer Jugend hohe Klasse zu attestieren. Diese realisiert bereits der Blaufränkische vom Oberen Wald, dessen Aromenbogen weit aus­schwingt, aber auch der Maulwurf, der ja bekanntlich die jüngeren, sozusagen zweit­besten Anteile der Ried Mariental enthält, gleitet höchst geschmeidig und ausdrucks­voll über den Gaumen. So gut wie selten zuvor ist diesmal der Bordeaux-Blend aus­gefallen, dessen suggestives Duftspiel vom dichten Körperbau bestens ergänzt wird, während der schon legendäre Blaufränkische aus der Lage Mariental bei aller Sub­stanz wieder primär durch feine Linienführung und Eleganz überzeugt und zu einem der größten Exponenten der letzten Jahre heranreifen sollte.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Oberer Wald“; Salonsiegerwein, dunkle Früchte, auch Schattenmorellen, wärmeres und weicheres Tannin als bisher; etwas vanillig. Gegenpol: „…aus dem Gleichgewicht …“

8. Weingut Josef & Anna Hufnagel,     Neckenmarkt

82% rot, 18% weiß,   8 ha

Kleines Weingut, das vor 2 Jahren den Landessieger Blaufränkisch stellte;

Getrunken: 2009er Neckenmarkter Blaufränkisch „Nyek“; ausgewogen und nicht vom Holz erschlagen. Gegenmeinungen: stumpf in der Nase, Fruchtaromaansätze, die aber vom Tannin überdeckt werden; wieder einmal Cab.-Sauvignonanklänge, reife Tannine und kurzer Nachhall.

9) Weingut Juliana & Georg Wieder,     Neckenmarkt ** / **

52.000 Fl., 95% rot, 5% weiß    30 ha    Vereinigung Vitikult

Georg Wieder ist ein naturverbundener Winzer. Er praktiziert naturnahen Weinbau, verzichtet aber bewusst auf eine Zertifizierung als Bio-Betrieb. Bei kritischen Wit­terungsbedingungen habe man so größere Freiheiten, um die gewohnt hohe Qualität zu halten, meint er pragmatisch. Mit dem Zweigelt Selektion hat er einen neuen Wein im Programm. Nicht dass sein Sortiment zu klein wäre, ganz im Gegenteil. Aber die Traubenselektion aus den ältesten Anlagen sei so vielversprechend gewesen, dass sie förmlich nach getrennter Vinifikation verlangt habe. Es kam ein offener Holzgär-ständer zum Einsatz. Ausschließlich in guten Jahren soll es diesen Wein geben. Das Weingut verfügt über ausgezeichnete Lagen in Neckenmarkt. Den Schwerpunkt bil­det ganz klar der Blaufränkisch. In den V-MAX kommt die Auslese der besten Trau­ben. Dieser Blaufränkisch wird nur in Top-Jahren vinifiziert.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Kohlenberg“; tolle Nase, fleischig am Gaumen, schokoladiges Tannin, allerdings nicht so dicht wie Nr.: 5.

10. Weingut Franz Weninger,    Horitschon

28ha + 22 ha in Ungarn (Balf) – Bio

Ein Meilenstein in der Betriebsgeschichte war im Jahr 1996 der Erwerb einer rund einen Hektar umfassenden Rebfläche in der Riede Dürrau. Binnen Kurzem verhalf Weninger dieser Lage zu einem Renommee, wie man es bis dahin im Ort nicht für möglich gehalten hatte. Längst gilt Weningers Blaufränkisch Dürrau als einer der besten Weine Österreichs. Heute ist das Weingut Weninger einer der wirtschafts­mächtigsten Weinbaubetriebe des Mittelburgenlandes. Sowohl dem Weingut in Horitschon als auch jenem im ungarischen Ort Balf bei Sopron steht seit Kurzem Juniorchef Franz Reinhard Weninger als Betriebsleiter vor; Franz Weninger steht ihm als Seniorpartner zur Seite. Dem Blaufränkisch Dürrau wird nun noch mehr Lagerzeit gegönnt als ehedem, weshalb der 2011er Dürrau erst im nächstjährigen Vinaria-Guide aufscheinen wird. Einer der bisherigen Zweitweine, namentlich der Blau­frän­kisch „Alte Reben“, ist ab sofort nicht mehr im Sortiment. Der Großteil der Trauben für diesen Wein stammte aus der Riede Kirchholz.

Getrunken: 2009er Hotitschoner Blaufränkisch „Ried Hochäcker“; ebenfalls fleischig, dicht, konzentriert mit hohem Extrakt – aber nicht fett!

11. Weingut Haus Iby     Horitschon, *** / ***

100% rot,   35 ha / 30 ha  – Bio

Im Jahr 2006 hat die Familie Iby ihren Betrieb auf naturnahe Bewirtschaftung umge­stellt. Mittlerweile hat sich dieser Schritt als absolut richtig erwiesen. Die Reben ha­ben eine beachtliche Vitalität entwickelt, und die Weine sind harmonischer als früher. „Wenn man biologisch unterwegs ist, sind das Bodenmanagement und das Blatt-Frucht-Verhältnis besonders wichtig“, erklärt Anton Iby. Man könne aber die Reb­stöcke nicht sich selbst überlassen. „Bio soll keine Religion sein, im Bioanbau gibt es kein love & peace.“ Das heißt, der Winzer führt einen ständigen Kampf mit den Ele­menten. Durch penibles Beobachten der Natur kann man die Eingriffe des Menschen jedoch auf einem vernünftigen Niveau halten. Die Ibys nennen diese Strategie „mini­male Intervention“. Im Interesse einer sicheren Gärung wird ein eigener Hefeansatz verwendet, was sich auch auf den Herkunftscharakter der Weine positiv auswirkt.

Getrunken: Horitschoner Blaufränkisch“Chevalier“ Reserve; kurz und bündig formuliert: der Schönste an diesem Abend, was sich auch in der Punktung nieder­schlug. Von da an ging es wieder bergab….

12. Weingut Mathias Jalits,     Badersdorf

10,5 ha  80% rot, 20% weiss

Nach Hotelfachausbildung Ausbildung an der Weinfachschule in Eisenstadt.

Die­ses inzwischen wohletablierte Badersdorfer Familienweingut mit ange­schlos­senem Gasthaus wird von Mathias Jalits geleitet, der – unterstützt von seinen Eltern Anna und Alfred Jalits – mittlerweile gut elf Hektar Weingärten bewirtschaftet; be­merkenswert, bedenkt man, dass der „Doch-nicht-Gastronom“ 2001, als er begann, gerade ein Hektar zur Verfügung hatte. Nach seinem Schwenk von der Koch- und Kellnerlehre zum Weinbau, seiner Absolvierung von Weinbauschule und einer Praxis bei Paul Kerschbaum, widmete sich der überaus engagierte und dynamische Baders­dorfer ganz dem Wein. Eben diese Eigenschaften führten zweifellos auch dazu, dass Mathias Jalits im vergangenen Jahr zum neuen Obmann des Vereins Eisenberg DAC gewählt wurde. Die Jalits’schen Rebflächen befinden sich mehrheitlich am Eisen­berg, vor allem in der Ried Szapary, zu einem kleinen Teil aber auch am Csaterberg sowie seit heuer auch rund ein Hektar am nahe gelegenen Hannersberg. Zwar domi­niert mit ca. 70 Prozent Anteil der gebietstypische Blaufränkisch, jedoch gibt es eine Reihe weiterer Rotweine wie Zweigelt und Pinot Noir, in guten Jahrgängen teils auch Cabernet und Merlot, als Cuvée auch noch den Steinberg; daneben natürlich noch den obligaten Welschriesling sowie einen Uhudler-Frizzante. Mathias Jalits fabriziert kräftige, gerbstoffbetonte Rotweine mit frischem, klarem Fruchtausdruck, denen Luft guttut. Als archetypischer Gebietsvertreter tut sich immer der Blaufränkisch Szapary hervor, als Topwein gilt der mächtige Diabas.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Szapary“ Reserva; ganz typischer Blau­frän­kisch mit fast allen oben erwähnten Charakteristika: kraitig, Gemüsebrühe, grün, pfeffrig, mal keine Röstaromen vom Holz, mehr Mineralität und schlanker als die Vorgängerweine; Gegenmeinung: Kirsche, aber stumpf am Gaumen und „indifferente Gemüsebrühe.

13. Weingut Uwe Schiefer     Welgersdorf *** / ****

48.000 Fl.  95% rot, 5%    13 ha

Uwe Schiefer hatte sich einst vor allem mit dem Blaufränkisch Reihburg, der bei Vinaria-Bewerben Kontinuität auf Top-Niveau bewies, einen Namen gemacht. Im aktuellen Sortiment wird man diesen Wein indes vergebens suchen, weil ihm Schie­fer nun noch mehr Reifezeit gönnen will als ehedem. In den vergangenen Jahren er­schien der Blaufränkisch Szapary mitunter dem Reihburg sogar ebenbürtig. Beide Weine kommen vom Eisenberg, der Szapary ist immer geradliniger, aber dennoch hochelegant. Im aktuellen 2011er-Jahrgang präsentiert sich der Szapary um eine Spur warmfruchtiger, als man es von ihm gewohnt ist; er bringt – bei beachtlichem Tiefgang – reichlich Würze zur Geltung. Immer noch ein Geheimtipp im gehobenen Segment ist der vergleichsweise preisgünstige Blaufränkisch Pala, ein finessen­reicher und zugleich druckvoller Wein mit mineralischer Prägung und bestechendem Trinkfluss. Ein traumhafter Klassik-Wein, der seine ohnedies hochstehenden Vor­gänger noch um einiges übertrifft, ist der 2012er-Blaufränkisch Südburgenland, er kratzt schon verdächtig an der 4-Sterne-Marke.

Getrunken: 2010er Blaufränkisch „Eisenberg“; nur das Stichwort „Mineralität“ ist hängen geblieben; andere Verkostungsanmerkungen der Probenteilnehmer sind untergegangen wegen heißer Debatte über Verkostungskriterien im Allgemeinen

14. Weingut St.Antony     Nierstein,      ***

26 ha

1758 wird die erste Eisenhütte des Ruhrgebietes angeblasen. Heute auch als „Wiege der Ruhrindustrie“ bekannt. Als zu Zeiten des 1. Weltkriegs große Mengen Kalk für die Eisenproduktion benötigt werden, kauft die neue Besitzerin der Eisenhütte – die Gute-Hoffnungs-Hütte (GHH) – eine Kalksteingrube im Süden Niersteins, samt um­liegenden Weingärten – das heutige Weingut.

Nach dem Krieg wird Kalk uninteressant und die Basis für die neue Zukunft wird ge­legt. Erst jetzt wird der „Rotliegende“ interessant, da sein Boden aus Ton und Verwit­terungssandstein für Wein höchst wertvoll ist. Das Ergebnis ist von so erstaunlicher Qualität, dass die Firma sich zur Selbstbewirtschaftung entschließt. 1920 wird der erste offizielle Wein abgefüllt und schnell von den Mitarbeitern schätzen ge­lernt. 1955 wird die Kalksteingrube verkauft und der Erlös in das Weingut investiert. Modernisierungen und Zukauf von Spitzenlagen steigern die Qualität der Weine, die mehr und mehr Freunde finden. 1982 kommen weitere Toplagen hinzu. Im Jahr 1986 bekommt das Weingut seinen traditionsreichen Namen „St. Antony“ und eine neue Eigentümerin: die MAN. Viel wird in Qualität und Lagen investiert. Das Weingut erarbeitet sich einen Stammplatz unter den besten 100 Weingütern Deutschlands und wird Mitglied des Vereins der Prädikatsweingüter VDP.

Im November 2005 verkauft die MAN das Weingut. Familie Meyer, die neuen  Besitzer, setzen vermehrt auf die absoluten Spitzen des Roten Hangs: die Steillagen der berühmten Weinlagen Pettenthal, Ölberg , Hipping und Orbel. Ertragsreiche Plateaulagen wurden gegen arbeitsaufwendige Steillagen getauscht. Ab dem Jahr 2006 übernimmt Felix Peters die Geschäftsführung von St. Antony. Er arbeitet ehrgeizig an dem Ziel, die Weine von St. Antony an die Spitze zu bringen. Die jüngsten Weine belegen dies eindrucksvoll. Die Leidenschaft für Spitzenweine auf St. Antony ist für jedermann spürbar. Daher darf man äußerst gespannt sein, was uns das Weingut in Zukunft noch präsentieren wird.

Getrunken: 2011er Blaufränkisch; vom Rotliegenden, vorhandene Riesling-Reben wurden umge­pfropft auf Blaufränkisch, da die Lage für Riesling zu warm ist. Ein tolles Ergebnis, das sich nicht zu verstecken braucht. Zitat: der Wein atmet Kühle (!)!…und steckt viele Lemberger aus Württemberg weg. Dieser Pirat wurde nicht erkannt! Und das Weingut hat ihn als Blaufränkisch bezeichnet, um den Unterschied zu den meisten Lembergern heraus zu stellen.

Anmerkung: Die Texte zu den Weingütern, seien sie vollständig oder in Auszügen,) sind ausnahmslos Zitate aus dem Vinaria Weinguide2013/2014; LW Werbe und Verlags GmbH, Krems. Ausgenommen ist hiervon der Text zum Weingut St. Antony/Rheinhessen. Alle Angaben zu den Weingütern ohne Gewähr. Die Bewertung der Weingüter nach Falstaff bzw. Vinaria.

Chronist: Wolfgang Klug

probenergebnis-der-weinprobe-blaufrankisch-aus-dem-burgenland-vom-19122013-als-pdf

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14.11.2013 Weinprobe Weißweine aus der Steiermark

Erstellt von Dieter am 10. Dezember 2013

Die Steirische Weissweinszene,

durchforstet und aufgehellt von

Dr. Dieter Ockelmann

„Tu felix Austria….“, so möchte man ausrufen angesichts der schönen Natur, der Wein-Kulturlandschaft und…..na, ehrlich gesagt auch wegen der Heurigen, die dort unter der Bezeichnung „Strauße“ geführt werden. Nach dem, was unser Bruderschaftsmeister uns an Informationen zur Verfügung gestellt hat, gibt es wohl kaum ein Weingut, das keine Strauße nebenher unterhält. Wie schön für den Weinfreund, der sich auf seinem Weg durch die Steiermark darauf verlassen kann, fast überall einen guten Tropfen und eine entsprechend gute Essensbegleitung zu finden.

Aber für unsere Weinprobe mal abgewandelt formuliert :„die Götter haben bekanntlich vor den Genuss das Wissen darüber“ gestellt. Also wurden erst einmal ein paar Informationen über die Steiermark als Weinland von Dieter obligatorisch vorangesetzt.

Eigentlich haben wir es mit drei Anbaugebieten zu tun: der West- (432 ha), der Süd- (1.739 ha) und der Süd-Oststeiermark (1.110 ha) . Zu den Anbauflächen (vorstehend lt. Vinaria-Weinguide 2013/2014) sind auch völlig andere Angaben zu finden (West-St.: ca. 500 ha; Süd-St.: 2.340 ha; Süd-Ost-St.: 1.400 ha Rebfläche). Wie diese Diskrepanzen zustande kommen, ist schier unverständlich, obwohl es bei beiden Angaben um die Größe der Rebanbauflächen geht.

Beginnen wir ganz im Westen der Steiermark, dem flächenmäßig kleinsten Anbaugebiet mit der von dort bekanntesten Rebsorte, der Blauen Wildbacher-Traube, von der eigentlich so niemand weiß, wo sie herkommt, somit also authentisch, autochton ist für die Weststeiermark. Ein Versuch, diese Rebsorte auch in den übrigen steirischen Anbaugebieten zuzulassen, hat nicht den erhofften Erfolg gebracht, so dass Anbauflächen heute dort nur noch rudimentär zu finden sind. Zudem ist sie auch noch vielseitig verwendbar, denn sie liefert einerseits den rassig säurebetonten stillen Roséwein, bekannt unter dem Namen „Schilcher“, der wiederum gleichzeitig als Basiswein genutzt wird für die prickelnde Variante als „Frizzante“ oder auch als Sekt, beide Varianten sehr gut geeignet als Aperitifgetränke abseits der üblichen Prosecci- oder Aperol- und Hugo-Trends. Mit diesen Schilcher-Produkten kann man noch Überraschungseffekte auf die Gesichter der Gäste zaubern und so werden sie auch unter den Weinfreunden hier im Lande immer mehr wahrgenommen.

Darüberhinaus kann die Blaue Wildbacher neuerdings auch  -bei entsprechender Behandlung durch den Winzer-  Lieferant von kraftvollen und tanninbetonten Rotweinen sein, natürlich nur nach dem Durchlaufen eines entsprechenden Säureabbaus in einer malolaktischen Fermentation, die dann sogar Weine für den Ausbau in kleinen Barriquefässern liefert. In dieser Form -als Rotwein also- darf er dann auch mal eine rote Cuvèe mit unterschiedlichen Anteilen veredeln oder nur unterstützen.

Alles in allem also ein spannendes Thema, dem man unbedingt seine Aufmerksamkeit widmen sollte (hier schreibt ein Schilcher-Fan; merkt man’s?).

Aber die weststeirischen Winzer setzen natürlich nicht nur auf die Wildbacherrebe sondern erzielen seit langem schon gute Ergebnisse auf dem Gebiet der aromatischen Weißweine wie dem Sauvignon Blanc und dem Gelben Muskateller.

Zu den Weinlagen ist noch anzumerken, dass sich diese in einem schmalen Band .bis zu einer Höhe von 600 m an den Ausläufern der Koralpe und des Reinischkogels entlang ziehen, bis sie im Süden an die slowenische Grenze stoßen. Die Ausrichtung der Einzellagen insgesamt bewirkt tagsüber eine sehr gute Erwärmung der Böden, die allerdings im Gegenzug mit relativ hohen Niederschlägen zu kämpfen haben. Überwiegend Gneis und Schieferurgestein bilden den Untergrund für die Reben.

Es war nur die logische Konsequenz aus dem gerade Geschilderten, dass Dieter uns als erstes einen „Schilcher Frizzante“ -ohne Jahrgang- des Weinproduzenten Reiterer zum Verkosten vorsetzte, der zwar das Herz des Chronisten erfreute, nicht so sehr dagegen die Herzen der übrigen Probenteilnehmer, wie man schließlich der Punktung entnehmen konnte. Mit durchschnittlich 13,5 Punkten landete dieser Aparatif denn auch am unteren Ende der Bewertungsskala an diesem Abend. Stichworte zu diesem Frizzante: Brause, Gummibärchen, Bonbon…..Nun gut, die Säure war wohl auch Schuld, aber dennoch konnte man Aromaspuren von Cassis und Himbeeren wahrnehmen, am Gaumen unterlegt von Brennessel- und Paprikanoten und natürlich einer rassigen, frischen Säure. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für einen Aperitifwein, dessen Funktion es ja auch sein soll, den Appetit anzuregen. Vorschlag zur Güte von Seiten eines Probenteilnehmers:  als  „blanc  de  noir“ -Verschnitt-

wein mit anderen Weißweinen cuvéetieren! Gute Idee!

Das war aber dann auch schon der einzige Wein bzw. Sekt aus der Weststeiermark, den Dieter uns gönnte.

Auf dem Weg Richtung Osten streift man zunächst die Süd-Steiermark, von wo das oft beschworene „österreichische Weinwunder“ nach der Krise in der Mitte der 1980er Jahre seinen Ausgang genommen hatte. Der Ehrgeiz und das Können vieler Jungwinzer in führenden Betrieben war die Keimzelle für dieses Wunder, das sich, lokal gesehen, wohl in dem sogenannten „magischen Viereck“ von Gamlitz, Ehrenhausen, Spielfeld und Ratsch versteckt hielt. Trockene, fruchtbetonte Weine, die anfangs noch von einer kurzen Lagerfähigkeit gezeichnet waren, waren zunächst das Ergebnis dieser Wende hin zu einem neuen Weintypus. Doch mit der Zeit hat sich das Potential dieser Weine durch späte Lese der Trauben bei gleichzeitiger Beachtung des Säuregehalts enorm verbessert und gewandelt, was besonders dem Sauvignon Blanc (hier: Leitsorte) und dem Morillion (Synonym für Chardonnay) zu Gute kam, bis hin zu Weinen, die sogar zum Ausbau im großen Holzfass oder auch im Barrique geeignet waren.

Geblieben ist die Liebe der Winzer zu Aromasorten wie dem Muskateller (belegt durch zunehmende Anpflanzungen) oder dem Traminer, die gerade im trockenen Geschmacksbereich den Weinfreund zu einem weiteren Glas animieren können. Nicht vergessen darf man darüber hinaus den Welschriesling, der immer noch anbauflächenmäßig die größte Rolle spielt und als Lieferant für leichte, spritzige Sommerweine dient.

Der vorwiegend in den -sehr- steilen Einzellagen vorherrschende Schieferboden wird noch ergänzt um Sandböden bis hin zu Mergel- und Muschelkalkböden. Feuchtwarmes, mediterranes Klima fördert den Vegetationsverlauf und kühle Nächte sorgen für eine reichhaltige, nuancenreiche Aromatik in den hier erzeugten Weinen.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass die gebietsübergreifende, allerdings relativ kleine- Winzervereinigung „Steirische Klassik“ (7 Winzer) von 5 südsteirischen Mitgliedern „beherrscht“ wird, die sich selbst als STK-Winzer bezeichnen (Steirische Terroir- und Klassikwinzer) und die ihre Toplagen auch als „Erste STK-Lage“ bzw. „Große STK-Lage“ kennzeichnen.

Weiter gen Osten erreicht man schließlich die Süd-Oststeiermark. Zu Beginn ein Zitat aus dem Vinaria Wein-Guide, das alles und zutreffend zur landschaftlichen Gliederung dieses Anbaugebietes aussagt:

„Die Süd-Oststeiermark ist eigentlich ein Sammelbegriff für eine Reihe von Weinbauinseln, die für österreichische Begriffe relativ weit voneinander entfernt sind und auch in puncto Bodenbeschaffenheit und Kleinklima wenig miteinander zu tun haben.“ (Zitatende). Will man überhaupt ein Zentrum des Weinbaus hier ausmachen, dann in dem Gebiet um Klöch, St. Anna am Aigen, Kapfenstein und Straden.

Hinzu kommt noch eine in dieser Region vorherrschende kleinbetriebliche Struktur der Weinbaubetriebe (Stichwort: Nebenerwerbswinzer), die deshalb auch nicht so deutlich am „österreichischen Weinwunder“ in den 1980er Jahren partizipiert haben. Ein weiterer Grund mag auch darin liegen, dass damals wie heute noch ein erheblicher Teil der Weinproduktion über die hier sehr zahlreich vorhandenen Straußen vermarktet wird

Hauptrebsorten sind in diesem Teil der Steiermark der Welschriesling, Weiß- und Grauburgunder, Traminer und vor allem ganz im Osten die Leitsorte Zweigelt, ergänzt durch weitere internationale rote Sorten. Die Reben wachsen vielfach auf vulkanischen Böden, wie zum Beispiel auf Basalt (siehe die vielen hier vorhandenen vulkanischen Bergkegel), aber auch auf Sand Lehm und Verwitterungsgestein. Klimatisch ist dieses Gebiet an der Grenze vom trockenen pannonischen zum feuchtwarmen Mittelmeerklima angesiedelt.

Bei all diesen Referenzpunkten ist es nicht verwunderlich, wenn in dieser Anbaugegend Weine mit ganz unterschiedlichen Charakteren erzeugt werden, was uns später noch bei der Verkostung der Weine auffallen sollte.

Damit ging es aber auch dann los mit der Probe.

Im zweiten Durchgang -nach dem Schilcher Frizzante- gab es einen 2011er Gelber Muskateller „Hochkittenberg“ vom Weingut Manfred Tement in Berghausen (Süd-St.). Nach dem Schilcher machte diese Spezialität des Hauses Tement einen sehr breiten Eindruck, weil er gegenüber dem Schilcher eher säurearm erschien. Auch sein Abgang war nicht unbedingt von Länge gekennzeichnet. Allerdings schlugen ihn einige Probenteilnehmer aufgrund seiner Aromatik ebenfalls als Aperitifweinalternative vor.

Das Weingut Tement ist zum Beispiel Mitgliedsbetrieb in der „Steirischen Klassik“ und gehört damit -nicht nur in dieser Region- zu den Vorzeigebetrieben des Österreichischen Weinbaus. Vater Manfred und Sohn Armin bewirtschaften den Betrieb gemeinsam und erzeugen von ca 80 ha Gesamtfläche etwa 97% Weiß- und nur 3% Rotwein. Neu in diesem Betrieb ist die Einführung der Qualitätslinie „Gutswein“ als Wein aus garantiert nicht zugekauftem Traubengut. Darüber stehen nun die sog. „Dorfweine“. (Unsere VdP-Pyramide lässt grüßen…). Lange Hefestandzeiten, neuerliche Ertragsreduzierung und z.B. Traubenteilung bei Muskateller und Burgundersorten sind weitere Eckpfeiler der Qualitätsphilosophie dieses Betriebes.

Als nächster Wein folgte ein 2011er Gelber Muskateller „Hochsulz“ vom Weingut Dreisiebner Stammhaus in Sulztal, dem Teil der Südsteiermark mit den steilsten Lagen. Dieser im Vergleich zu Tement relativ kleine Betrieb (20 ha mit 90% Weiß und 10% Rot) überraschte uns mit einem Muskateller mit einer burgundischen Note und wir trafen ihn zu einem sehr guten Trinkzeitpunkt an. Der Wein hatte Länge, die auch von einer leichten Holznote getragen wurde und er erzeugte dadurch auch ein angenehmes Trinkgefühl. Bei der schreibenden Zunft wird dieser Wein auch als straff, engmaschig und tiefreichend beschrieben, vielleicht nicht zuletzt, weil dieser Wein vom Alkohol her (13,5% Alc) eher eine Ausnahme im Angebot dieses Weinguts darstellt, denn „moderate Alkoholgrade bei vollständigem Genuss“ ist Bestandteil der Betriebsphilosphie dieses Weinguts.

Im nächsten Durchgang traf ein 2010er Weißburgunder „Grassnitzberg“ vom Weingut Walter Skoff in Gamlitz (Süd-St.) auf einen 2011er Morillon vom Weingut Posch aus Spielfeld (Süd-Ostst.).

Während dem Morillon einerseits reife Exotenfruchtnoten, z.B. von der Banane, attestiert wurden und er eigentlich insgesamt etwas breit und voll mit unterlegter Holznote beeindruckte, merkte eine andere Fraktion an, dass sie es für schwierig halte, diesen Wein als Morillon, sprich Chardonnay, in einer Blindprobe zu identifizieren, weil er einen Hauch von Traminertnoten in seinem Geschmacksspektrum enthalte.

Dagegen stand der ein Jahr ältere aber irgendwie frischere und animierendere Weissburgunder von Skoff, der trotz Holzeinsatz schlank und ansprechend den Gaumen kitzelte. Das Weingut Skoff firmiert nunmehr als „Skoff Original“, wohl auch zur Abgrenzung vom Weingut Peter Skoff, das ebenfalls in Gamlitz ansässig ist. Im Weingut Skoff Original werden 80 Ha bewirtschaftet, die sich in 93% weiße und 7% rote Reben aufteilen. Auch hier ist ein zielstrebiges Vater-Sohn-Gespann in der Betriebsleitung tätig, das auf ein eigenständiges aber zuverlässiges Team hinter sich zurückgreifen kann. Im Zentrum der Betriebsphilosophie steht vorrangig eine extrem lange Hefestandzeit im Keller und im Falle der Ausdehnung von Anbauflächen ist der Blick ausschließlich auf Toplagen ausgerichtet.

Ein ausgeprägtes Qualitätsstreben ist auch beim Weingut Posch festzustellen. Die beiden Weingüter zu vergleichen, kommt einem jedoch vor wie eine Gegenüberstellung von David und Goliath, wobei die Rolle des David hier dem Betrieb der Familie Posch mit 6 ha Anbaufläche zufällt.

Auf dem Hof hat inzwischen die zweite Generation mit Andreas Posch als Weinbau- und Kellermeister das Sagen, der sich viel von Hightech im Keller verspricht und Holzfässer bis hin zum Barrique nicht nur für den Ausbau von Rotweinen vorgesehen hat. Schonende Pressung der Trauben mit einer pneumatischen Presse ist dabei für ihn ebenso selbstverständlich wie penible Messungen der Wein-Eckwerte im Zusammenhang mit einer akribischen Dokumentation der Qualitätsentwicklung. Stichwort: Tradition und Moderne.

Es folgten schließlich die Weine aus der Abteilung Sauvignon Blanc, der Leitsorte der Steiermark, weshalb Dieter uns mit sage und schreibe 5 Vertretern, alle aus dem Jahrgang 2011, konfrontierte. Wir begannen den Reigen mit 2 Beispielen aus der Südsteiermark, einmal ein Sauvignon Blanc „Klassik“ vom Weingut Primus in Spielfeld (Süd-St.) und daneben einen Sauvignon Blanc „Junfernhang“ vom Weingut Peter Skoff aus Gamlitz (Süd-St.; nicht zu verwechseln mit dem oben erwähnten Weingut Walter Skoff).

Die Bezeichnung „Klassik“ beim Sauvignon vom Weingut Primus hat nichts zu tun mit der „Steirischen Klassik“ (siehe oben), sondern ist eine im „wilden Gebrauch“ und der Beliebigkeit der Winzer gesetzte Bezeichnung für eine Qualitätslinie innerhalb des Weinguts und kann sich deshalb je nach Winzer unterschiedlich in der Qualitätsvorstellung des Betriebes ansiedeln. Wer den höherwertigen Klassikbegriff sucht, der muss sich an die Winzer der „Steirischen Klassik“ halten, wenn er denn mit sicherer Hand einen Topwein erstehen möchte. Aber dennoch gefiel auch bei diesem Klassikniveau der hier angestellte Sauvignon besonders durch seine nasale Typizität: die allgemein bei diesen Weinen wahrnehmbare grüne Nase war hier gut ausgeprägt, verbunden mit einer wunderbaren Frische am Gaumen.

Dem gegenüber stand ein cremiger, nussiger Wein vom Weingut Peter Skoff, der weder anfangs im Glas noch bei längerem Kontakt mit der Luft sich einfach nicht zu einem Sauvignon hin entwickeln wollte. Er brachte wenig Säure mit (BSA??) und hinterließ in dieser Konsequenz nur einen flüchtig kurzen Eindruck am Gaumen, wenn auch nicht unangenehm, so doch nicht als Sauvignon Blanc, wie man aus der Runde der Probenteilnehmer hören konnte.

Hinter diesen beiden Weinen stehen einmal das Weingut Primus und dahinter die Familie Polz mit den Verantwortlichen Christian Polz (Absolvent der HTL-Kloster Neuburg) mit der Kompetenz für Kellertechnik und Ausbau der Weine sowie Thomas Polz, zuständig für Anbau, Pflanzenschutz und schließlich den Verkauf. Beide sind bemüht, unter der Klassiklinie Weine mit „fruchtigem, duftigem und trockenem“ Geschmacksbild durch Vergärung in temperaturgesteuerten Edelstahltanks zu produzieren. Bei den höherwertigen Lagenweinen versuchen sie durch deutlich mehr Fülle, Fruchtcharme und brillianter Mineralik, wie sie aus den Toplagen Grassnitzberg und Zieregg mitgebracht werden, zu überzeugen.

Zum anderen zeichnet beim zweiten Weingut in diesem Durchlauf die Familie Peter Skoff, vertreten durch den Vater und seine beiden Söhne verantwortlich. Die ausnahmslos beste Lage des Gutes hat denn auch Zugang in die volle Bezeichnung des Weingutsnamen geschafft, nämlich „Domaine Kranachberg Peter Skoff“. Von hier stammen die unverwechselbaren Traminer, Muskateller und Sauvignon Blancs, letzterer auch in vielen eigenständig ausgebauten Schattierungen.

Danach folgten noch vor der Punktevergabe in einem Rutsch die drei letzten Sauvignons, zum einen der Sauvignon „Steirische Klassik“ des Weingutes Neumeister in Straden (Süd-Ostst.), der Sauvignon Blanc „Grassnitzberg“ von Walter Skoff (siehe oben) und schließlich der Sauvignon Blanc „Lubekogel“ vom Weingut Tschermonegg aus Glanz (Süd-St.).

Beim Weingut Neumeister handelt es sich mal wieder um einen der Vorzeigebetriebe in der Süd-Oststeiermark und ist, wie man es nicht anders erwarten kann, Mitglied des Winzerverbundes „Steirische Klassik“. Christoph Neumeisters Credo gilt schon seit Jahren der Spontanvergärung für alle seine Weine und er verlässt sich ansonsten auf die Traubenqualität aus seinen Toplagen Saziani, Moarfeitl und Klausen, was er insbesondere mit seinen Burgundern und dem Sauvignon Blanc unter Beweis stellt. Die Bepflanzung seiner ca 35 ha teilt sich im Übrigen auf in 92% Weißwein- und 8% Rotweinstöcke. Seinen Einstiegs-Sauvignon in die „Steirische Klassik“ genossen wir unaufgeregt und für diese Rebsorte ganz typisch in der Nase und am Gaumen, mit Noten von Stachelbeere und Paprika und kam damit bei den Probenteilnehmern gut an, denn mit diesem Wein durchstießen wir an diesem Abend erstmals die Durchschnittsnote von 15 Punkten. Das ist sicher noch steigerungsfähig durch den Genuss seiner Weine aus der Qualitätstufe „Erste Steirische Klassik“ (Lage Klausen) bzw. „Große Steirische Klassik“ (Lage Moarfeitl).

Den Sauvignon Blanc vom Weingut Walter Skoff (Skoff Original s.o.) empfanden wir nach dem Neumeister-Wein eher als einen dichten, mit fester Struktur ausgestatteten Essensbegleiter, zumal er auch noch von einer feinen Holznote unterstützt wurde. Andere Stimmen in der Verkostungsrunde kritisierten ihn mit „zuwenig oder gar keinem Spiel“ bei seinem Auftritt am Gaumen. Insgesamt lag er tatsächlich in der Gesamtwertung etwas hinter dem Wein von Neumeister.

Schließlich kamen wir zum dritten Wein in diesem Triumvirat, dem Sauvignon Blanc „Lubekogel“ des Weinguts Tschermonegg, auf dem Erwin Tschermonegg verantwortlich ist. Die 30 ha Anbaufläche teilen sich hier 97% weiße Reben und 3% rote Reben auf. Da dieses Anwesen relativ hoch gelegen ist, hat das Weingut häufig mit Hagelproblemen zu kämpfen. Erleichterung verschaffen hier Hagelschutznetze, die Erwin Tschermonegg auch im Sommer über den Stöcken belässt, deren Traubenbeschattung jedoch der physiologischen Reife seiner Trauben nichts antut, insbesondere in heißen Jahren. Eine Besonderheit ist von diesem Betrieb noch zu vermelden, nämlich fast der gesamte Ertrag an „Rotem“ Muskateller in 2012 ging in die Sektproduktion für einen ansprechend duftigen und sortentypischen (dezente Holunderblütennoten) Winzersekt, der sehr trinkanimierend sein soll. Sollte man mal verkosten….doch wir hatten es hier mit einem Sauvignon Blanc zu tun, der uns dicht, fast breit, den Mund füllte und uns darüber hinaus mit einer spürbaren Restsüße überraschte. Kam diese vom Alkohol (14%) ? Musste die Gärung vorzeitig gestoppt werden, um in der alkoholische Gradation nicht noch höher zu steigen ? Auch diesen Wein kategorisierten wir eher als Essensbegleiter denn als Solo-Wein, zumal er nach einem einleitend guten Versprechen in der Nase und am Gaumen relativ schnell satt machte.

Dennoch schlugen ihm unsere Herzen entgegen, denn nach der Punktung war er von den letzten 5 verkosteten Sauvignons der Beste. Glückwunsch!

Als nächstes: nochmals ein Wein von der Familie Tschermonegg: einen 2010er Traminer „Trio“, eine Cuvée aus drei Spielarten des Traminers (Roter und Gelber Traminer sowie Gewürztraminer), die sehr zu gefallen wusste. Für den Chronisten ein „Aha-Erlebnis“ weil: noch nie getrunken, da diese Aromasorten in seiner Weinwelt eigentlich nur als Exoten existieren, dieser Wein aber zugestandenermaßen dennoch als ein harmonisches Gesamtergebnis von ihm wahrgenommen wurde. An dem Durchschnittsergebnis der Punktung von 15,15 war er denn auch mit runden 15 Punkten beteiligt.

Der vorletzte Wein, ein 2008er Gelber Traminer „Röhrl“ stammte mal wieder von einem „Winzling“ als Weinbaubetrieb, nämlich von dem Weingut Gießauf-Nell aus Klöch (Süd-Ostst.). Die Anbaufläche von 6 ha teilt sich auf in 95% weiß und 5% rot. Josef Nell, der hier verantwortlich zeichnet, könnte man auch den Traminerspezialisten nennen, denn die Traminerspielarten machen bei ihm 50% der weißen Rebsorten aus. Schon seit langem, so dass man fast schon von traditionell sprechen kann, bewegen sich seine Traminerweine im Geschmacksbereich halbtrocken, die zartduftig in der Nase sind (Rosenaroma), dann aber wieder cremig, saftig mit gut integrierter Restsüße am Gaumen beeindrucken. Auch eher keine Soloweine, sondern als Begleiter eines passenden Essens. Dieser hier anstehende Wein allerdings hatte deutliche Botrytisnoten, die das Sortenaroma überlagerten und deshalb nicht von allen Probenteilnehmern ohne kritische Anmerkungen hingenommen wurde.

Den Abschluss bildete schließlich ein Klöcher Gewürztraminer „Exquisit“, ebenfalls aus dem Jahrgang 2008, vom Weingut Wonisch in Klöch, ebenfalls restsüß ausgebaut und mit 44g/RZ deutlich im milden Geschmacksbereich angesiedelt. Dennoch kam dieser Wein bei den Probenteilnehmern sehr gut an, obwohl vereinzelt schon mal die Frage auftauchte, wo denn die Gewürztraminernote geblieben sei? Über das Weingut selbst stehen keine Kennzeichnungsdaten zur Verfügung, weshalb an dieser Stelle ein Zitat aus der Google-Welt herhalten soll:

„….Im Herzen der malerischen Klöcher Weinberge entfaltet das Zusammenspiel südoststeirischer Gastlichkeit mit mildem Klima, der Mystik der vulkanischen Böden und einer einzigartigen Landschaft die ganze Kraft von Harmonie und Ruhe – Weingut Wonisch

Der vulkanische Boden und das milde Klima geben unseren Weinen die besondere Reife und Qualität. Unsere Weine erlangen eine duftig-zarte, bukettreiche und elegante Rasse. Denn die Trauben werden sortenrein gelesen, gerebelt, gepresst, vorgeklärt und langsam vergoren…..“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer einem nochmaligen herzlichen Dank an Dieter Ockelmann für seine kompetente Auswahl und Präsentation der Weine.

Verfasser: Wolfgang Klug

Probenergebnis der Weinprobe „Weißweine aus der Steiermark“ vom 14.11.2013 (als pdf)

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10.10.2013 Weinprobe Grüne Veltliner von der Donau

Erstellt von Dieter am 22. November 2013

Die Donau-Region ist die Heimat für Österreichs Parade-Weißwein, den Grünen Veltliner. Aufgrund des klimatischen Wechselspiels von kühler Luft aus der Alpenregion und dem Waldviertel, warmer trockener Luft aus dem östlichen pannonischen Raum und des mäßigenden Einfluss der Donau,  bieten sich für Weißweine wie den Grünen Veltliner und auch den Riesling sehr günstige Bedingungen, Die warmen, trockenen Sommer fördern die Reife, während die kühleren Luftströmungen, die vor allem im Spätsommer und Herbst abends auftreten, die Aromabildung unterstützen und den Säureabbau verhindern. Die Auswirkungen der kühlen Luft aus der Alpenregion sind im weiter östlich an der Donau gelegenen Carnuntum und in der weiter südlichen gelegenen Themenregion (früher als „Südbahn“ bezeichnet) schwächer und der Einfluss des pannonischen Klimas ist stärker geprägt. Dort wachsen überwiegend Rotweine (Zweigelt bzw. Spätburgunder und St.Laurent) ebenso wie im südöstlich angrenzenden Burgenland.

Wir haben uns für die Probe auf den Grüner Veltliner beschränkt, da er  an der Donau die besten Ergebnisse bringt und werden uns vom Waldviertel im Osten bis zur Wachau im Westen vorarbeiten.

Hier folgt eine kurze Übersicht über die Weinbaugebiete:

Das Weinviertel ist das größte Anbaugebiet in Niederösterreich. Es belegt von den 27.128 ha  selbst 13.356 ha, davon ist etwas die Hälfte ( 6.200 ha) mit Grünem Veltliner bestockt. Es ist eine Region in der Wälder, Ackerbau und Weinbau sich abwechseln. Weinbau wird vor allem an drei Stellen betrieben: Nördlich von Wien um die Orte Wolkersdorf und Mannersdorf,  weiter im Nordosten um die Orte Wilfersdorf und Poydorf und im Nordwesten um die Orte Retz und Hollabrun. Früher wurden hier überwiegend einfache Schoppenweine und Heurige produziert. 2002 wurde das Gebiet für den Grünen Veltliner als erstes in den Rang der kontrollierten Ursprungsbezeichung DAC (Districtus Austriacus Controllatus) erhoben und seitdem sind die Weinqualitäten deutlich gestiegen.

Weiter die Donau aufwärts schließt sich der Wagram an, 2007 von „Donauland“ in „Wagram“ umbenannt. Auf 2.450 ha stehen die Reben überwiegend auf massiven Lössterrassen. Eine regionale Spezialität ist hier der Rote Veltliner ( der nicht mit dem Grünen Veltliner verwandt ist).

Die gegenüberliegende Seite der Donau um Klosterneuburg zählt ebenfalls zum Wagram.

Österreichs jüngstes Weinbaugebiet, das Traisental, zieht sich auf 790 ha südöstlich von Krems entlang der Trais bis nach St.Pölten hin. Das Gebiet hat mit 62% den höchsten Anteil an Grünem Veltliner in Österreich. 1995 wurde das Gebiet als Weinbauregion anerkannt, 2006 kam die Einstufung als DAC für Grüner Veltliner und Riesling hinzu.

Gegenüber, auf der nördlichen Seite der Donau, liegt das Kamptal. Es umfasst 3.802 ha. Die Böden variieren von Sandstein mit vulkanischen Anteilen im Norden bis zu Löß- und Lehmterrassen im Süden an der Donau. Eine der bekanntesten Lagen ist der Heiligenstein, die größte Weinbaugemeinde und Zentrum der Region ist Langenlois. 2008 kam es für Grünen Veltliner und den Riesling zur Einstufung als DAC.

Weiter im Westen schließt sich das kleinere Kremstal (2.243 ha) an. Die Böden variieren von Löß im Südosten (von Rohrendorf bis Krems) bis zu Gneisschotter mit Löß im Westen und Südwesten (um den Ort Stein bzw. Göttweig).  Das Gebiet Kremstal reicht auf die andere Seite der Donau bis Göttweig.

Die Wachau bildet mit 1.350 ha den Abschluss des Weinbaus im Westen. Hier stehen die Reben auf Gneisschotter- und Löss-Böden. Die meisten Lagen liegen direkt an der Donau. Im Gegensatz zu den anderen Gebieten hat die Wachau eine eigene Klassifikation, die auch von einem eigenen Schutz-Konsortium überwacht wird. Die Klassifikation reicht von der Steinfeder (bis 11,5% Alk.) für leichte Weine über das kräftigere Federspiel (11,5% bis 12.5% Alk) bis zum dichten und fülligen, vollreifen Smaragd (über 12,5% Alk.)

Nun zu unseren verkosteten Weinen:

Wir starteten im Weinviertel mit einem 2010’er  Grüner Veltliner „Ried Hunds­leiten“ vom Weingut Pfaffl. Da beim Zusammenstellen der Probe die 2011’er einen weniger interessanten Eindruck hinterlassen hatten, wurde dieser 2010’er ausgewählt, der sich in dieser Probe noch deutlich besser entwickelt hat, als erwartet: Ein dichter, klarer, gut strukturierter und immer noch sehr frischer Grüner Veltliner.  Für den Chronisten und einige Weinbrüder war es einer der besten Weine des Abends.

Weiter ging es mit zwei Weinen in den Wagram: Der 2011’er Grüner Veltliner „Der Ott“ vom gleichnamigen Weingut war ein dichter, runder, vollreifer Grüner Veltliner mit leichter Süße. Im Weingut steht er für die gehobene Mittelklasse der Weine. Vielen war dieser Wein etwas zu schwergewichtig.

Der zweite Wein aus dem Wagram, ein 2011’er Grüner Veltliner „Scheiben, 1.Lage“ vom Weingut Leth zeigte sich dagegen etwas schlanker und fruchtiger. Das verhalf ihm zu einer besseren Bewertung.

Ein Sprung auf die andere Seite der Donau ins Traisental brachte uns einen 2011’er Grüner Veltliner „Alte Setzen“, DAC Reserve vom Weingut Markus Huber. Der noch nicht sehr bekannte Winzer präsentierte uns einen sehr mineralischen, dichten Grüner Veltliner, der sich vor den Weinen weitaus bekannterer Winzer nicht verstecken muss

Vier Weine sollten das Kamptal repräsentieren, zwei „normale“ DAC-Weine und zwei DAC Reserve-Weine.

Der 2011’er Grüner Veltliner Kammerner Heiligenstein vom Weingut Hirsch war ein gradliniger, sehr mineralischer Grüner Veltliner, wurde aber wegen dieser ausgeprägten Gradlinigkeit von den meisten Verkostern nicht so sehr geschätzt.

Der 2011’er Grüner Veltliner „Vogelsang“ vom Weingut Bründlmayer gefiel schon besser. Trotz des bekannten Winzers schaffte er es nur  in das Mittelfeld.

Ein 2011’er Grüner Veltliner „Terrassen“ als DAC-Reserve vom Weingut Loimer zeigte sich als dichter, Spur fülliger Wein, mit leichter Honignote. Auch er schaffte es nur in das Mittelfeld.

Der letzte Wein aus dem Kamptal, der 2011’er Grüner Veltliner Strasser Hasel, Alte Reben“, vom Weingut Allram war ebenfalls eine DAC-Reserve. Obwohl er noch etwas reduktiv in der Nase war, besaß er eine klare, gradlinige und zart mineralische Frucht und wurde deshalb zum zweitbesten Wein des Abends gekürt.

Mit zwei DAC-Weinen und einer DAC-Reserve ging es weiter nach Westen in das Kremstal.

Den Anfang machte der 2011’er Grüner Veltliner Senftenberger Piri, Privat, 1.Lage, vom Weingut Nigl, der eine dichte, aber auch etwas herbere Frucht zeigte, was nicht allen gefiel.

Dann folgte der 2011’er Grüner Veltliner Ried Höhlgraben vom Weingut Malat. Dieser Wein kam von der anderen Seite der Donau aus Palt.  Er präsentierte sich etwas fülliger, mit weicherer Säure und konnte sich so vor den Senftenberger Piri setzen.

Als vorletzten Wein des Abends konnten wir den 2011’er Grüner Veltliner Kremser Sandgrube, eine DAC-Reserve vom Weingut Türk verkosten. Ein dichter, sauberer, runder und weicherer Wein mit zarter Süße. Obwohl er als DAC-Reserve eingestuft  war, wirkte er nicht fett oder breit. Das wurde von allen honoriert und man wählte ihn zum Sieger des Abends.

Als  Abschluss der Weinreise durfte natürlich ein Wein aus der Wachau nicht fehlen. Der 2011’er Grüner Veltliner Loibener Kreuteles vom Weingut Emmerich Knoll war ein klarer, mineralischer, recht dichter und trotzdem sehr eleganter Wein, ein typischer Grüner Veltliner der Qualitätsstufe Federspiel. Nach dem dichten und vollen Grüner Veltliner vom Weingut Türk hatte es dieser zartere Wein naturgemäß schwer. Und obwohl er von einer kleinen Minderheit zum besten Wein des Abends gekürt wurde, reichte es insgesamt nur zum dritten Platz.

Viele der Anwesenden taten sich mit den hohen Qualitäten der Grünen Veltliner  etwas schwer, sie  vermissten das bekannte „Pfefferl“. Aber bei  hochwertigen Grüner Veltlinern ist diese Pfeffrigkeit nicht mehr so deutlich ausgeprägt und auch das zusätzliche Jahr Reifezeit hat sie weiter reduziert.

Dennoch hat die Probe sicher vermittelt, wie groß die Vielfalt der Grünen Veltliner ist und warum es die Rebsorte Österreichs ist.

Verfasser: Dieter Ockelmann

Probenergebnis der Weinprobe „grüne Veltliner von der Donau“ am 10.10.2013 (als pdf)

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12.09.2013 Blindprobe Sauvignon Blanc – weltweit

Erstellt von Dieter am 17. Oktober 2013

Liebe Weinschwestern, liebe Weinbrüder,

am 12.09. gab es die Wiederholung eines wunderbaren Films im Kolpinghaus:

„Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“

von Alexander Kluge, ausgezeichnet mit der „Goldenen Weinpresse“ 1968 auf der Biennale in Venedig……….

Spaß beiseite, was war das denn gestern Abend? Ich dachte immer, ich kenne Sauvignon Blanc, aber was Dieter uns hier vorgesetzt hatte, das entfernte sich gleich zu Anfang der Probe immer mehr von dem, was ich so als Referenzwein dieser Rebsorte abgespeichert hatte.

Um es vorweg zu nehmen: eine hoch interessante Probe, die wohl fast alle Ausbauarten eines Sauvignon Blanc (SB) abdeckte, von unserem Präses mit Kennerschaft und Bedacht zusammengestellt. Es machte ihm allerdings auch sichtlich Spaß, uns während der Probe ständig an der Nase herum zu führen.

Gleich zu Beginn kam die Verunsicherung auf: diese beiden Sauvignons könnten aus Deutschland stammen. Aber niemand kam offen aus der Deckung um seine Vermutung kund zu tun. Nach zaghafter Diskussion über diese Weine mussten wir uns belehren lassen, dass es sich um zwei neuseeländer Weine handelte, also dem Vorzeigeland für Sauvigon Blanc. Es handelte sich einmal um einen 2011er Dusky Sounds Sauvignon blanc aus dem Waipara-Tal in der Appellation Marlborough, die ganz besonders bekannt ist für seine hohen Qualitäten des SAUVIGNON BLANC.

Zum anderen handelte es sich um einen 2012er Wingspan Sauvignon blanc, erzeugt von den Woollaston Estates aus Reben von den Parzellen in den Waimea Plains nahe der Stadt Nelson am Nordzipfel der Südinsel. Beide Weine brauchten viel Luft um ihren u.a. vom reduktiven Ausbau stammenden „Stinker“ im Glas los zu werden. Wie überhaupt rückblickend die Empfehlung ausgesprochen werden könnte, viele von den an diesem Abend verkosteten Weine vor dem Genuss zu dekantieren. Aber mit etwas Geduld reichte auch die Luftzufuhr im kreisenden Glas.

Als nächstes überraschte uns Dieter mit einem Südafrikaner aus dem Jahrgang 2011, einem Sauvignon Blanc vom Weingut Vergelegen aus der Küstenregion Somerset West, der allerdings sowas von Mufftönen und oxydativen Noten hatte, das man fast schon an einen fehlerhaften Wein denken konnte. Selbst Dieter musste zugeben, dass er von der Entwicklung dieses Weines  (aus seinem eigenen Keller) überrascht worden sei, denn bei einer Probe im letzten Jahr habe er diese Töne noch nicht gehabt.

Dieser Wein lief single, während die beiden nächsten Weine als Pärchen zu probieren waren. Nach nutzlosem Herumraten erlöste uns Dieter mit dem Hinweis, dass diese Weine aus einem weiteren Kernland der Sauvignon Blanc-Erzeugung stammten. Damit war die Herkunft schon eher zu bestimmen, nämlich aus Frankreich und zwar von der Loire mit ihren Leitweinen Sancerre und Pouilly Fumés.

Beim ersten Wein handelte es sich tatsächlich um einen Sancerre mit der Bezeichnung „Cuvée G.C.“ und zwar vom Weinhaus Jean Max Roger S.A.S. in Bué. Weine dieser Art kannte man – irgendwie. Schon mal getrunken, sagten uns die Zunge und der Gaumen…..aber was war denn der zweite Wein für ein Vertreter dieser Rebsorte? Der war aber nun wirklich fehlerhaft, oder?……… Oder sollte das so sein? Schon die Flaschenaufmachung ließ uns stutzen: Kronkorkenverschluss auf dickwandiger Flasche? Beim Verkosten wurde schon eine zweite Gärung auf der Flasche vermutet, jedoch fehlte das Kohlendioxyd, das man erwartet hätte. Es war also doch ein Stillwein – aber vielleicht doch auch fehlerhaft. Dieter musste aufklären: ein 2007er Tafelwein des biodynamischen Weingutes Domaine des Maisons Brûlées, gelegen im Seitental der Cher bei Pouillé, vermarktet unter der Bezeichnung „Poussière de Lune“ (Mondstaub). Auf 9 ha Ertragsfläche erzielt dieses Weingut nur 15 hl/ha und verkauft diese Weine zwischen 11,- und 15,- Euro p/Fl. Geht das wirtschaftlich überhaupt?

Dieser Wein erinnerte fatal an die Loire-Probe des Weinhauses Fegers & Berts von vor ein paar Jahren, als damals uns allen schon klar gemacht wurde, dass das Loiretal voller eigenwilliger Winzerköpfe ist, die kreativ, innovativ und aber auch dickschädelig agieren. Jeder macht sein eigenes Ding, auch wenn es am Markt nicht unbedingt erfolgreich ist.

Wir hatten hier einen biodynamisch erzeugten Naturwein im engsten Sinne im Glas. So gut wie kein Schwefel im Wein und es findet auch keine Schönung des Weins statt.

Zitat zum 2007er: „….dessen Wechselspiel zwischen Reduktion und Reifenoten auf der einen Seite und frischer Säure und Zitrusnoten auf der anderen hinführt zu einem langen feinen Abgang…“

Eine Aussage, der ich nur im ersten Teil der Formulierung zustimmen kann. Was aber den langen, feinen Abgang betrifft, so kann ich dem nicht folgen und habe eher den Eindruck eines dumpfen fehlerhaften Gesamtergebnisses gehabt, nicht harmonisch und auch nicht ansprechend. Aber das Ergebnis muß ja jeder für sich einordnen.

Wie schön konnte uns Dieter dann mit dem nächsten Wein so richtig aufs Glatteis führen. Ein Wein, dem die meisten etwas mehr Restsüße attestierten, aber im Gegensatz zum Vorgänger harmonisch im Auftritt der Aromen, gerne ein Gläschen mehr, bitte! Und was war das jetzt? Man höre und staune: eine 2012er Scheurebe ,QW, vom Lucashof aus Forst in der Pfalz! Geht doch! Die Scheurebe könnte unser „deutscher Sauvignon“ sein. Es gibt sie schon sehr lange und wer von den Winzern zugewartet hat, kann heute beim Sauvignon-Blanc-Trend mit diesen Weinen dagegen halten. Dasselbe gilt für Scheureben aus dem Frankenland, bei denen eine oft vorhandene leicht erdige Note zusammen mit noch mehr Mineralität die Nähe zum Sauvignon Blanc nur noch mehr bestätigt.

Dieter, du Schlickefänger! Ein Pirat also!

Eine neue Herausforderung stand auf dem Probentisch: wieder ein Pärchen zum unmittelbaren Vergleich. Während beim ersten Wein nur der Stinker in der Nase einen bleibenden Eindruck hinterließ und hinter dem Stinker am Gaumen nicht viel nachkam („2011er Sauvignon Blanc der „Domaine Ciringa“ unter der Bezeichnung „Fosilni Breg“ aus der slowenischen Steiermark; Inhaber: Tement !!), wußte der zweite Wein dieses Pärchens hinter dem Stinker in der Nase am Gaumen doch noch zu überraschen (auch 2011er Sauvignon Blanc von Erwin Sabati, Leutschach/österr. Steiermark). Ein Wein vom Schieferboden mit Lehmauflage. Schöne Mineralität! Das lass ich mir gefallen.

-Zwischenfrage: müssen die alle so riechen kurz nach Öffnung der Flaschen? Mir ist das bei Sauvignon Blanc vorher nie so stark begegnet oder aufgefallen.-

Noch besser: der folgende Wein, ebenfalls ein Steiermärker Sauvignon Blanc, aber diesmal auch wieder von einem biodynamischen, Demeter zertifizierten Weingut, nämlich Sepp und Maria Muster, ebenfalls aus Leutschach. Dieser Sauvignon Blanc war reif und mollig, mit Körper und viel Druck, kein Wunder, denn es handelte sich um einen 2008er mit noch deutlicher Säure für noch längeres Reifepotential. Ein schöner Wein seiner Art!

Wieder folgte eine kalte Dusche für unsere Verkostungsrunde. Ratlose Gesichter erst, dann aber doch eine Idee aus der Runde: könnte ja mal wieder ein Deutscher sein. Der andere Deutsche war ja kein Sauvignon Blanc sondern eine Scheurebe. Also war die Option Sauvignon Blanc aus Deutschland noch offen. (Rein taktische Überlegungen also) In der Tat handelte es sich hier um einen echten Sauvignon Blanc aus der Pfalz und zwar einen 2011er QW vom Weingut Knipser. Die Reben: hagelgeschädigt, dann aber die Trauben einen Tag später gelesen und dadurch insgesamt zu früh, mit vielen grünen Noten, unreifer Eindruck, grasig, sehr zitrusbetont. Knipser selbst hat dies eingestanden -läßt sich auch wirklich nicht leugnen-, macht deshalb aber auch nicht so richtig Spass zum Trinken. Frage: muss ich einen solchen Wein, der so nicht überzeugen kann, unbedingt (reinsortig) abfüllen und auf den Markt bringen?…..Und mit 11,- Euro ist er ja auch nicht geschenkt? Wir blieben in der Runde gespalten zurück.

Dem gegenüber stand ein weiterer Sauvignon Blanc aus der Pfalz, ein Wein, den viele von uns kennen mussten, nämlich der „Sauvignon Blanc I“ vom Weingut von Winning. Noch gar nicht so lange her, dass wir diesen Wein im Glase hatten. Deshalb wurde er auch -nach kurzen Unterstützungshinweisen seitens Dieter- schnell erkannt. Unverkennbar der Einfluss des Holzes beim Ausbau des Weins in schwach, mit Niedertemperatur getoasteten Barriques. Eine wunderbare, den Wein leicht unterstützende, Holznote gibt diesem Wein Volumen und Körper.

Die beiden letzten Weine standen zur Verkostung bereit…..wir hatten noch keine Italiener auf der Zunge. Das musste es doch jetzt wirklich sein, oder? Und woher können eigentlich konkurrenzfähige Sauvignon Blancs nur kommen?………..Richtig! Südtirol! Beim ersten Wein dieses letzten Pärchens lag eines der Wiedererkennungsmerkmale auf bzw. in der Hand, nämlich die ungewöhnlich dicke und schwere Flasche, also musste es ein Sauvignon Blanc Winkl sein, diesmal auch aus dem Jahr 2011 von der Kellergenossenschaft Terlan. Wuchtig, druckvoll, ein Genusswein, das Holz nicht zu kräftig, nur unterstützend, mein persönlicher Favorit.

Zumindest gleichwertig, wenn nicht noch besser: der letzte Vertreter seiner Art, ein 2010er Sauvignon Blanc aus der Qualitätslinie „Castel Giovanelli“ von der Kellereigenossenschaft Kaltern. Durch seine ein Jahr längere Reife noch molliger und voller am Gaumen mit noch dezenterer Holznote, zupackend und standfest. Aufgrund des Preisunterschiedes würde ich mich persönlich für den „Winkl“ entscheiden.

Zwei herrlich versöhnende Exemplare einer Rebsorte, die ich so in dieser Vielfalt noch nicht verkostet habe, die aber meine Aufmerksamkeit für diese Rebsorte neu belebt haben. (Ich werde jetzt noch mehr auf die Nase achten!…..Versprochen!)

Dank an Dieter für diesen beeindruckenden Überblick!

Verfasser: Wolfgang Klug

Probenergebnis der Blindprobe Sauvignon blanc am 12.09.2013 (als pdf)

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13.08.2013 Weinprobe mit den Weingütern Gies-Düppel und Weinhof Scheu als Vertreter der Südpfalz Connexion

Erstellt von Dieter am 17. Oktober 2013

Anfangs belächelt als eine schmalbrüstige Kopie der Winzergruppierung „Fünf Freunde“ hat sich die Südpfalz Connexion, die sich ebenfalls aus fünf Winzern zusammensetzt, in den letzten Jahren zu einer festen und qualitativ sehr anspruchsvollen Größe entwickelt.

Die fünf Winzer sind:

SVEN LEINER | Weingut Jürgen Leiner, Ilbesheim,

http://www.weingut-leiner.de/

BORIS KRANZ | Weingut Kranz, Ilbesheim,

http://www.weingut-kranz.de/

PETER SIENER | Weingut Siener, Birkweiler,

http://www.weingutsiener.de/

VOLKER GIES | Weingut Gies-Düppel, Birkweiler,

http://www.gies-dueppel.de/

KLAUS SCHEU | Weinhof Scheu, Schweigen-Rechtenbach,
http://www.weinhof-scheu.de/

Kennen gelernt haben sich die fünf Winzer 1999 auf den Weintagen in Landau. Schnell erkannten sie, dass sie die gleichen Interessen verfolgen: Verbesserung der Qualität ihrer Weine und des Images der Südpfalz! So saßen sie nächtelang zusammen, probierten und diskutierten und die Freundschaft unter ihnen festigte sich. Nach ungefähr einem Jahr wurde ihnen klar, dass sie gemeinsam als Gruppe etwas bewegen können und müssen. So stellten sie sich das erste Mal im Juli 2000 auf der „Viniètè unter den Burgen“ unter dem Namen Südpfalz Connexion vor. Die Individualität jedes Einzelnen zeichnet sie aus und lässt sich in der Gruppe erst so richtig vorantreiben und demonstrieren. Herzstück der Südpfalz Connexion ist ein gemeinsam erzeugter Wein – der Gräfenhauser Edelburgunder.

Weingut Jürgen Leiner

Das in den 70er Jahren gegründete Weingut liegt im Ortskern von Ilbesheim am Fuß der Kleinen Kalmit. Der Inhaber Sven Leiner bewirtschaftet derzeit 14,5 ha Rebfläche, die sich auf Weinberge in Ilbesheim, dem benachbarten Arzberg sowie Göcklingen verteilen.

Sven Leiner gehört zu den ‚jungen Wilden‘ in der Südpfalz. Seine Experimentierfreudigkeit bringt ausdrucksstarke Kreszenzen hervor, die in ihrer Stilistik im Einzelfall auch schon einmal unterschiedliche Beurteilung erfahren können.

Der Rebsortenspiegel weist im Weißweinbereich aktuell 24% Riesling, 13% Weiß- und 17% Grauburgunder, 6% Chardonnay sowie weiterhin Gewürztraminer, im Rotweinbereich insbesondere 10% Spätburgunder, aber auch Dornfelder und, völlig atypisch, Tempranillo aus.

Pro Jahr werden rd. 80.000 Flaschen Wein produziert.

Die Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet. Nach Vorselektion wird das Basissegment mit Vollernter, die höheren Qualitäten werden unter starker Selektion mit Handlese eingebracht. 2011 ist der Betrieb Demeter beigetreten.

Weingut Kranz

In der traditionsreichen Familie wird bereits seit vielen Generationen Weinbau betrieben, aber erst in den siebziger Jahren entschlossen sich die Eltern des heutigen Betriebsleiters und Kellermeisters Boris Kranz, ihren Wein selbst abzufüllen und zu vermarkten. Für den Weinausbau ist seit 1990 ihr Sohn Boris verantwortlich, der mittlerweile mit seiner Frau den Betrieb führt.

Es war maßgeblich das Verdienst von Boris Kranz, dass nach jahrzehntelangem Bemühen die Ilbesheimer Kalmit – die höchste Erhebung im Rheintal vor dem Pfälzer Wald – 2008 als offizielle Einzellage anerkannt wurde.

Die Weinberge Ilbesheimer Kalmit und Rittersberg sowie Arzheimer Seligmacher umfassen 18 ha Rebfläche.

Angebaut werden mit 30% Riesling, je 20% Weißer Burgunder und Spätburgunder, der Rest verteilt sich auf verschiedene Rebsorten, von denen besonderes Gewicht auf Silvaner gelegt wird. Aber auch Chardonnay, Sauvignon Blanc, Auxerrois, Scheurebe und Muskateller sind vertreten.

Die Jahresproduktion beläuft sich auf rd. 100.000 Flaschen.

Die Weinernte erfolgt in reiner Handarbeit mit dem Ziel, Weine mit Authentizität zu erzeugen, die bei glasklarer Frucht ihre Bodenherkunft erschmecken lassen.

Seit Anfang des Jahres 2012 ist das Weingut Mitglied im VDP.

Weingut Siener

Der Inhaber Peter Siener bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau 12 ha Rebland in besten Weinlagen Birkweilers, Kastanienbusch und Mandelberg, sowie im Leinsweiler Sonnenberg.

Produziert werden rd. 80.000 Flaschen pro Jahr.

Der Rebsortenspiegel beinhaltet Riesling mit 45% Anteil, 25% entfallen auf Spätburgunder, jeweils 10% auf Weiß- und Grauburgunder; restliche 10% verteilen sich auf übrige Rebsorten wie Silvaner, St. Laurent, Cabernet Sauvignon und Merlot.

Späte Weinlese ausschließlich von Hand und weitestgehende Spontanvergärung der Weine sind „Markenzeichen“ des Weinguts.

Weingut Gies-Düppel

Das Weingut Gies-Düppel ist ein Familienbetrieb in der vierten Generation. Der heutige Betrieb wurde von Franz und Ulrike Gies im Jahre 1976 aufgebaut. Seit 1999 wird er vom als Weinbautechniker ausgebildeten Volker Gies betrieben.

Es werden 15 ha Rebflächen bewirtschaftet. Die Hälfte seiner Weinberge liegt im Birkweiler Kastanienbusch, wo die Reben unterschiedliche Bodenverhältnisse vorfinden: Teil Buntsandstein, Teil Rotliegendes. Hinzu kommen Flächen im Birkweiler Mandelberg mit Muschelkalk, im Rosenberg sowie seit jüngerer Zeit auch im Ranschbacher Seligmacher ein Teil Muschelkalk, ein Teil Rotliegendes.

Die Jahresproduktion beläuft sich auf etwa 100.000 Flaschen.

Angebaut werden zu 30% Riesling, 20% Spätburgunder, je 15% Weiß- und Grauburgunder; weitere 20% entfallen auf verschiedene Rebsorten wie Auxerrois, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Silvaner, Scheurebe und Viognier.

Im Weinberg wird naturnaher, umweltschonender Weinbau praktiziert. Großer Wert wird auf kurzen Rebschnitt, Entblätterung, Ausdünnen und selektive Lese des reifen Traubenguts gelegt.

Weinhof Scheu

Gegründet wurde der Weinhof 1964 mit damals 2 ha Reben von Günter Scheu und seiner Frau. 1996 hat der Sohn Klaus Scheu den Betrieb übernommen.

Aktuell werden 14 ha Rebland bewirtschaftet. Diese liegen im Schweigener Sonnenberg, der aus klar unterscheidbaren Teillagen besteht, von denen sich der ‚Raedling‘ und der ‚Strohlenberg‘ auf französischem Staatsgebiet befinden.

Angebaut werden zu 30% Riesling, 25% Weißburgunder, 12% Grauburgunder, je 8% Spätbur-gunder, Gewürztraminer und Müller-Thurgau sowie 9% übrige Rebsorten.

Die Jahresproduktion liegt bei rd. 90.000 Flaschen.

Ungeachtet hohen Qualitätsstrebens ist auch hier die Erzeugung unverwechselbarer eigener Weintypen Zielvorgabe. Nach umfänglicher Handarbeit im Weinberg erfolgt über die Rebsorten-abhängige Steuerung der Gärverläufe im Keller die Herausarbeitung von Weinen mit Charakter.

Zahlreiche Auszeichnungen und Preise belegen die hohe Qualität der Weine.

Herr Gies und Herr Scheu als Vertreter der Südpfalz Connexion präsentierten uns die Weine der Weingüter der Südpfalz Connexion.

Unsere Probenweine im Einzelnen:

Nr. 1: 2012 Riesling trocken Handwerk trocken Weingut Leiner, Ilbesheim

In der Nase feine Rieslingfrucht, die von der für Kalkböden typischen Würze begleitet wird. Im Mund straffe Mineraltität, begleitet von der saftigen Säure dieses Jahrgangs.

Boden:  Gehängelehm und Humuscarbonatboden mit Landschneckenkalk durchsetzt

Lage:  Rund um die Kleine Kalmit

Lese:  Mitte Oktober wurde selektiv, nur gesundes Traubenmaterial geerntet

Ertrag:  70 hl/ha

Ausbau:  Nach der schonenden Traubenpressung wurde der frische Most durch Sedimentation leicht vorgeklärt. und im Edelstahl vergoren, wo der Wein bis zur Füllung auf der Vollhefe lagerte.

Alkohol: 12,0 Vol.%

Nr.2: 2012 Scheurebe trocken Ortswein Weinhof Scheu

Feine Mineralik, verspielte Säure und starke Fruchtaromen wie rote Wildbeeren, schwarze Johannisbeere, Stachelbeere, saftige gelbe und rosa Grapefruit. Der intensive Duft berauscht schon vor dem ersten Schluck und besticht bis zum letzten Schluck. Es riecht nach mehr. Eine fruchtige Antwort auf den Sauvignon Blanc.

Boden:  Lehm und Kalksteinverwitterungsboden

Lage:  Die Scheurebe entstammt keinem bestimmten einzelnen Weinberg, sondern ist das Ergebnis einer Assemblage aus Trauben ausgewählter Einzellagen. Durch Abstimmung zwischen Rebsorte und Terroir werden Frucht und Aromen erreicht.

Lese:  Mitte Oktober, selektive Handlese

Ertrag:  70 hl/ha

Ausbau:  Schonende Verarbeitung der Trauben; kontrollierte Gärung; Edelstahltank, Hefelager bis Ende Dezember.

Alkohol. 12,5 Vol%.

Nr. 3: 2012 Viognier trocken Weingut Gies-Düppel

Viognier ist eine weiße Rebsorte, die überwiegend an der nördlichen Rhône angebaut wird. Momentan befindet sich die Traube noch im Versuchsanbau.

Aromen von Orangenzeste, Blüten und Kräutern der Frühlingswiese, Aprikosen, Pfirsiche (rot), Akazienblüten, Rosen, Honig, tänzlerisches Duftspiel in der Nase, glänzt strohgelb im Glas

Alkohol.: 13,5 Vol.% • Säure: 7,0 g/l • Restzucker: 3,7 g/l

Nr. 4: 2012 Silvaner Vom Ton trocken Weingut Kranz

Saftige kräftige Frucht, geprägt von viel Kräuterwürze, gute Struktur, erdig, gediegene Säure, bleibt lange am Gaumen

Boden:  schwerer tönerner Boden, speichert extrem gut Wasser

Lage:  Südhang zwischen Ilbesheim und Ranschbach

Lese:  späte Lese, selektive Handlese

Ausbau:  Schonende Verarbeitung der Trauben, kontrollierte Gärung, lange Hefelagerung, Stahltank, zusätzliche Reife bis zur Abfüllung Mitte Mai

Alkohol 13,5 Vol.%., • Restzucker 2,3 g/l, • Säure 6,4 g/l

Nr. 5: 2012 Weißburgunder Kalkstein trocken Ortswein Weinhof Scheu

Dieser Weißburgunder ist ein sehr typischer Weißburgunder mit leichten Nussaromen. Der Duft – reintönige und dezente Birnenaromen gepaart mit der kühlen Mineralität des Kalksteins. Der Geschmack – ein saftiger, gehaltvoller Burgunder mit sanfter Mineralität und gewinnendem Frucht-Säure Spiel. Am Gaumen wirken besonders die würzigmineralischen Noten.

Boden:  Schichten von Muschelkalk mit Calcit-Einlagerungen. Tiefer im Unterboden folgt eine Tonschicht.

Lage:  Südosthang.

Lese:  Mitte Oktober, selektive Handlese

Ertrag:  50 hl/ha

Ausbau:  Schonende Verarbeitung der Trauben; kontrollierte Gärung; Edelstahltank, Hefelager bis Ende Januar. Erstmalige Filtration bei der Füllung. Maischestandzeit. Alkohol 13,5 Vol.%

Nr. 6: 2012 Weißer Burgunder Birkweiler Mandelberg trocken Weingut Gies-Düppel

Großartige Kombination von Zartheit und Opulenz. Aromen von Ananas, Honig, Akazienblüten, Mandeln, Steine

Alkohol 14,0 Vol.% • Restzucker 2,8 g/l • Säure 6,4 g/l

Nr. 7: 2012 Riesling Rotliegendes-Granit trocken Weingut Gies-Düppel

Eher opulente, saftige Frucht und geschliffene, Leichtigkeit bringende Mineralität. Eindrucksvolle Granit-Prägung. Der Duft intensiv, klar, frisch und Komplexität zeigend. Einerseits kühl und mineralisch, andererseits kraftvolle/ausladende und dichte Frucht. Reifes, süßliches Stein- und Kernobst (Pfirsich, Aprikose, Apfel) sowie Zitrustöne. Die mineralische Würze dezent und geschmeidig. Kräuter und vegetabile Aromen. Am Gaumen schmelzig, saftig, rund, elegant, dicht und fest. Gute Frucht, dezente Würze und eine feine, belebende Säure. Der Abgang sehr gut und sehr lang, salzig und mit langem Zitrusnachhall.

Alkohol 13,0 Vol.% • Restzucker 2,9 g/l, • Säure 8,1 g/l

Nr. 8: 2011 Riesling Rotliegendes trocken Weingut Siener

In den Lagen des „traditionellen“ Kastanienbusch stehen die Weinberge, wo die Trauben für diesen Riesling geerntet werden. Der sehr extreme Boden verlangt viel von den Reben ab. In der Nase duftet der Wein nach dem Fruchtfleisch des wilden Weinbergpfirsichs und zart würzig. Im Geschmack zeigt er sich fruchtig, elegant mit einer feinen Mineralik.

Boden Rotliegendes

Lese Mitte Oktober

Ertrag:  52 hl/ha

Ausbau Spontangärung. Schonender Ausbau im Edelstahlstank bei kontrollierte Gärtemperatur. Lagerung bis Juni auf der Hefe. Im Juli 2011 wurde der Wein gefüllt.

Alkohol 12,5 Vol.%, • Restzucker 1,7 g/l, • Säure 6,6 g/l

Nr. 9: 2011 Riesling Raedling trocken Lagenwein Weinhof Scheu

In der Nase – Zitrus, Pfirsich – anregend. Auch am Gaumen: Fülle und Frucht, sofort Mineralik und Säure, sehr lebendig. Der Boden, Stein und Erde kommen gut durch. Spannung, starke Mineralität, fast salzig.

Boden Schichten von Kalkstein. Tiefer im Unterboden folgt eine Tonschicht.

Lage RAEDLING, Südosthang im Hasselbachtal, einem Seitental zur Lauter (Grenzfluss zwischen Frankreich und Deutschland). Tagsüber: lange und intensive Sonneneinstrahlung. Nachts: gegen Ende des Sommers, wenn die Trauben ausreifen, werden die Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen immer größer. Dies kommt der Weinqualität in Aromenvielfalt und Aromenintensität zugute.

Lese Ende Oktober, selektive Handlese

Ertrag:  45 hl/ha

Ausbau Schonende Verarbeitung der Trauben; kontrollierte Gärung; Holzfass, Hefelager bis Ende Januar. Erstmalige Filtration bei der Füllung. Maischestandzeit

Alkohol 13,0 Vol.% Vol.

Nr. 10: 2011 Gewürztraminer Spätlese edelsüß Weinhof Scheu

Ein nicht zu fetter Gewürztraminer mit typischen Noten nach Rosen, etwas Vanille und winterlichen Gewürzen. Im Abgang etwas Litschi. Ein typischer Vertreter der Schweigener Gewürztraminer.

Boden:  Kalkmergel

Lage;  Sonnenberg, Südhang.

Lese:  Mitte Oktober, selektive Handlese

Ertrag:  50 hl/ha

Ausbau:  Schonende Verarbeitung der Trauben; Gärstopp durch Kühlung; Hefelager bis Ende Dezember. Maischestandzeit 10-12 h.

Alkohol 11,5 Vol.%

Nr. 11: 2011 Spätburgunder Quarz trocken Weingut Gies-Düppel

Dunkelrote Früchte prägen diesen tollen Spätburgunder. Aromen Erdbeeren, Himbeeren, Pfeffer (schwarz), Steine, Wacholderbeeren, Rauchig (Holz) In der Nase Kirsche, sehr würzig im Abgang.

Die Spätburgunderreben wachsen auf einem Buntsandsteinboden im Birkweiler Kastanienbusch. Quarz ist die sichtbare Mineralkomponente in den bewirtschafteten  Spätburgunderböden mit Ausgangsgesteinen, die sich vor allem aus diversen lockeren Sedimenten (Kiese, Sande) entwickelt habe. Nur gesunde Weintrauben werden bei der selektiven Handlese zum Großteil aus dem 30 Jahre alten Siebeldinger Weinberg geerntet und für 12 Monate in mehrfach belegten (Drittbelegung) 300-Liter-Barriquefässern (kein Neues) ausgebaut.

Alkohol 13,5 Vol.% • Restzucker 0,1 g/l, • Säure 5,5 g/l

Nr. 12: 2009 Spätburgunder Gräfenhauser trocken Südpfalz Connexion

„Auch als Weinmacher kann man nur wissen, wo man hin will, wenn man weiß, wo man her kommt.“ Das Projekt Gräfenhauser Edelburgunder führt uns zu den Wurzeln unserer Weinregion, weit zurück ins 14. Jahrhundert, als die Mönche noch Weine machten. Der Gräfenhauser Spätburgunder gehörte einst zu den teuersten Weinen der Pfalz. Angeblich wurde der Wein auf dem Luftschiff Hindenburg ausgeschenkt. (Oder war es die Titanic?) Irgendwann geriet er in Vergessenheit, der Weinberg wuchs zu und wurde Wald.
Gemeinsam suchten die fünf Freunde nach einem geeigneten Stück Land am Gräfenhauser Wingertsberg. Dort, wo heute noch ein wenig Weinbau betrieben wird, war der Edelburgunder zu seiner Glanzzeit sicher nicht heimisch. Früher scheute man sich nicht, steile Lagen mühsam zu bewirtschaften, was auch zur Berühmtheit des Gräfenhausener Weins beitrug. 2002 wurden sie fündig. Sie rangen dem Wald 2000 Quadratmeter ab und bereiteten sie für den Weinbau vor mit der Pflanzung von Reben direkt aus dem Burgund. Mit der Pacht der Nachbarparzelle und ihren fast 40 Jahre alten Burgunderreben haben sie die Rebfläche verdoppelt. In minimalem Ertrag und unter hohem handwerklichen Aufwand bringen sie nun etwas ins Glas, das die Verbindung schafft zwischen einer großen, alten Weintradition und dem modernen Anspruch an ein herausragendes Gewächs: Einen Traditionswein mit Weltruf aus vergangenen Jahrhunderten wieder aufleben zu lassen.

Der Wein strahlt in einem sehr hellen und transparenten Kirschrot. Zunächst  zeigt sich der 2009 Gräfenhauser Spätburgunder noch recht verhalten und primär Rotfruchtig mit leichten Veilchenton. Doch mit etwas mehr Luft öffnet sich der Wein und wirft wunderbar zarte röstige und leicht kräutrige Aromen mit in den Raum. Alles wirkt sehr fein und grazil. Auch am Gaumen zeigt er sich eher als stiller Vertreter seiner Zunft. Ruhig, geschliffen, unaufgeregt und filigran legt er sich um die Zunge. Ganz klar Spätburgunder der „alten Schule“. Riesling wird oft die Eigenschaft „klar und rein wie ein Gebirgsbach“ zugesprochen. Ähnliches lässt sich hier auf den Spätburgunder umlegen. Die Länge wiederum ist sehr ansehnlich und hinterlässt den Gaumen angenehm durstig.
Alkohol 13,5 Vol.

Anmerkung: Die Ausführungen zu den Weinbeschreibungen und den Informationen zu den Weingütern sind in großen Teilen wörtliche Zitate aus den Internetauftritten der Weingüter und der Südpfalz Connexion.

Verfasser: Werner C. Barth

Probenergebnis der Weinprobe mit der Südpfalz Connexion am 13.06.2013 (als pdf)

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11.07.2013 Weinprobe mit dem Weingut Rings, Freinsheim

Erstellt von Dieter am 14. Juli 2013

Was ist nicht schon alles gesagt worden über dieses Weingut: rasanter Aufstieg, im Formel-1-Tempo ab durch die Decke, mit beängstigender Geschwindigkeit einen Erfolg nach dem anderen eingefahren, vom Fassweinerzeuger zum Flaschenweinvermarkter, usw. So ließe sich die Liste fortsetzen.
2007 das erste Mal als Newcomer im Gault-Millau aufgenommen, gehören die Gebrüder Rings – Andreas und Steffen – inzwischen zu den sog. „shooting stars“ der Weinbranche und haben es bereits bis zu den VdP-Spitzentalenten geschafft. Es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, wann der endgültige Schritt zur vollen VdP-Mitgliedschaft getan werden kann. Das Weingut befindet sich nach der Phase als „Spitzentalente“ nunmehr in der Warteschleife zur endgültigen Aufnahme durch den VdP.

Geradlinig, konsequent, harmonisch werden ihre Weinkollektionen Jahr für Jahr beschrieben. Und solche Lorbeeren machen gerade auch uns Weinliebhaber neugierig. Was ist denn dran an dieser ultimativen Lobhudelei? Inzwischen – schon länger her – standen bereits einige Weine als „Wein des Monats“ auf der Karte des Bistros „Bassermännchen“ im Ketschauer Hof in Deidesheim. Da kann man ja gar nicht mehr anders als sich die Weinkollektion selbst vor zu nehmen, um sich ein umfassenderes Bild zu machen.

Unserer Einladung folgten die Gebrüder Rings gerne, doch Andreas Rings (Jahrgang 1986; Weinbautechniker; Lehre bei Wagner-Stempel, Rheinhessen), der die Probe bei uns in Köln abhalten sollte, fiel einer Sommergrippe zum Opfer und sein Bruder Steffen (Jahrgang  1978; ebenfalls Weinbautechniker) war bereits anderweitig verpflichtet, als dass er hätte einspringen können. So wurde das Weingut präsentiert von der sympathischen, im Weingut festangestellten Mitarbeiterin (u.a. verantwortlich für Verkauf und Events) Antonia Platz, der ein besonderes „Danke schön“ gilt, da sie gerade den ersten Tag aus dem Urlaub zurück war und schon wieder „auf Achse“ sein musste.

Nach einigen Informationen zu den Eckdaten des Betriebes – :

24 ha insgesamt, teilweise in Eigentum, teilweise in Pacht; ca 50% weiße und 50% rote Rebsorten; keine Kooperations- oder Lieferverträge mit anderen Winzern bezüglich Lesegut; Ausbau der Weine ausschließlich im trockenen Bereich, mit Ausnahme der edelsüßen Weine; Lagen in Freinsheim, Ungstein und Kallstadt; Mitglied im Pfälzer Barriqueforum; Sortimentsaufbau nach dem Vorbild der ehemals 3-stufigen Qualitätspyramide des VdP mit z.Zt. noch Guts-, Orts- und Lagenweinen (letztere als Premier-Cru-Weine); mit Aufnahme in den VdP kommt dann sicher auch noch das „Große Gewächs“ (Grand Cru) hinzu (?);

– machte uns Frau Platz den Einstieg in die Probe leicht, indem sie dafür sorgte, dass unsere Gaumen mit einem 2009er Sekt Pinot Brut auf die Dinge, die da kommen sollten, vorbereitete. Die Grundweine dieses Sektes bestehen aus Chardonnay und Pinot Noir, die jeweils 6 Monate in südfranzösischen und pfälzer Eichenbarriques (1. und 2. Belegung) gelagert waren, nach der 2.Gärung 3 Jahre auf der Hefe gelegen haben und sich auf diese Weise bei uns mit einer Butterzopf- bzw. einer Brioche- oder Hefezopf-Note in der Nase und am Gaumen bedankten. Versektet wird beim Sekthaus Raumland (Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen), so dass man feststellen kann, dass auch beim Sekt nichts dem Zufall überlassen wird, weil man sich hier eines der führenden Häuser am Markt für die Versektung bedient hat. Für den Pinot-Noir-Grundwein hat man die Trauben – aus Freinsheimer Lagen – etwas früher gelesen um eine gewisse Schlankheit im Wein zu erzielen, die aber durch die Ausbaumethode – Holz und lange Hefelagerzeit – mit dem Chardonnayanteil harmoniert und so einen runden, fülligen aber nicht zu breiten, oder gar opulenten Eindruck hinterlässt.
Ein erfrischender Einstieg in die Probe – und auch punktemäßig in der Bewertung ein beachtenswerter Einstieg!

Als nächstes folgte ein 2012er Riesling Kalkmergel als Gutswein, dessen vorrangige Aufgabe es sein sollte, die jeweilige Rebsorte besonders herauszustellen. Das war auch gelungen, denn das Ausgangsmaterial war ein zwar reifes Traubengut, das erst Ende Oktober/Anfang November gelesen worden war, aber die Trauben stammen -Achtung: understatement- von den jüngsten d.h. in diesem Fall 12 Jahre alten Rebanlagen mit einem Maximalertrag von 70hl/ha. Dennoch brachten sie Würze und Mineralik in den Wein und dieser hinterließ eine geradlinigen, fruchtigen Eindruck (Stahltankausbau) und eine harmonisches Spiel zwischen Süße und Säure. Ein hervorragender Interpret der Rieslingtraube.
Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass alle Rieslinge aus dem Weingut spontanvergoren werden.

Es folgte ein Ortswein mit der Bezeichnung 2012er Riesling Freinsheim von einem Boden aus Löss-Lehm mit Sandsteineinlagen, gelesen ungefähr Mitte Oktober 2012 und einem Ertag von 59 hl/ha. Auch dieser Wein stellte ein komplexes Beispiel für einen Riesling dar mit etwas mehr Extrakt als sein Vorgänger, dafür aber auch mit Steinobstnoten und einen Spritzer Zitrus, gepaart mit deutlicher Mineralik.

Beim dritten Wein nach dem Sekt – also bei der lfd. Nr.4 – handelte es sich um einen Lagenwein (Maximalertrag: 45 hl/ha) und zwar um einen Riesling vom Kallstadter Steinacker aus 2012. Diese 3,2 ha goße Lage, die zwischen 160 und 220 Höhenmeter angesiedelt ist, wird charakterisiert durch Felsabhänge und ansonsten kalkig-steinige Böden, auf denen die Reben um genügend Wasser kämpfen müssen. Fein, schlank und mineralisch werden die Weine aus dieser Lage umschrieben, doch irgendwie war die Meinung unter den Verkostern über diesen Wein gespalten, wie der Punkteunterschied von 3,5 min/max bei 20 möglichen Punkten in der Bewertung verdeutlicht. Während die eine Fraktion den vorgeschilderten Eindruck bestätigte, waren aber auch Kommentare zu hören wie „glatt gemacht“ oder „zu harmonisch, keine Ecken und Kanten“. Letztere Ansprache bestätigt allerdings auch wieder die Aussage, dass die Weine aus dieser Lage früher zugänglich sind als aus anderen Lagen.

Ein weiterer Lagenwein folgte und diesmal handelte es sich um einen 2012er Riesling aus der Lage Ungsteiner Nussriegel (tonhaltiger Lehm und Buntsandstein; 1,9 ha auf einer Höhenlage zwischen 110-130m; Erträge zwischen 44-55 hl/ha), einer Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Toplage des Weingutes („Grand-Cru-Lage“), dem Ungsteiner Weilberg. Die Reben stehen hier auf einer leichten Hanglage mit südlicher Ausrichtung. Dieser Wein wusste mit einer kräftigen Struktur und einer zupackenden Säure zu gefallen, die aber von seiner immensen Fruchtigkeit und seinem Körper aufgefan-gen wurde, so dass er ein insgesamt sehr harmonisches Bild abgab. In der Reihenfolge der Rieslinge vom Gutswein bis zum Lagenwein war dieser Wein auch tatsächlich der Riesling-Topwein des Abends.

Zwischendurch wurde von unserer Seite aus nachgefragt, wie sich die Vermarktung der Weine aufteilt. Hierzu merkte Frau Platz an, dass die Hauptabnehmer aus der Gastronomie stammen, dann kommen die Fachhändler und schließlich die privaten Endverbraucher. Genauere Zahlen standen Frau Platz zu diesem Zeitpunkt leider nicht zur Verfügung. Ferner erfuhren wir, dass Steffen Rings mit dem Weinjahrgang 2001 seinen ersten Jahrgang allein verantwortete und der jüngere Bruder Andreas sechs Jahre später zu seinem Bruder dazu gestoßen ist.

Vom Riesling wechselten wir nun hinüber zu den Burgundersorten und begannen mit einem Gauburgunder als Gutswein, gelesen Mitte bis Ende September 2012 bei einem Ertrag von 69 hl/ha. Die Reben stehen auf Löss und Kiesboden. Dieser Wein war zu 70% im Edelstahltank und zu 30% im großen Holzfass ausgebaut. Mit 13,5% Alc. kein Leichtgewicht. Exotische Früchte wurden angesprochen, Banane und auch Birne wurden konkret genannt. Bei diesem Wein waren sich die Verkoster ziemlich einig in der Bewertung: betrug doch die Divergenz in Punkten nur 1,5 Zähler.

Es folgte nun ein 2012er Weissburgunder Freinsheim als Ortswein, der Anfang Oktober gelesen wurde und auf Löss-Lehm-Boden mit Sandsteineinlagen steht. Ertrag: 58 hl/ha. Bei diesem Wein verteilt sich der Ausbau fifty-fifty auf Stahltank und großem Holzfass. Obwohl nur 1,1 g/RZ und auch noch 6,2 g/S, war eine gewisse Süße am Gaumen nicht zu ignorieren. Vielleicht über den Alkoholgehalt, der auch bei diesem Wein immerhin bei 13,5% Alc lag. Insgesamt hinterließ er jedoch einen besseren Gesamteindruck als der Grauburgunder, weil er durch seinen analytisch geringeren Zuckergehalt aber seiner etwas höheren Säure als der vorausgegangene Grauburgunder eine ansprechendere Art vermittelte. Punktemäßig wurde er jedenfalls noch vor den Grauburgunder gesetzt.
Weissburgunder, ein Wein, der nach rückläufigem Konsum inzwischen wieder mehr nachgefragt wird.

Wir bekamen natürlich auch einen „Trendwein“ zum Verkosten, nämlich einen 2012er Sauvignon Blanc aus Freinsheim und damit wieder aus dem Segment der Ortsweine. Dieser Wein kam noch besser an als sein Vorgänger. Bei mehreren Lesegängen wurde dafür gesorgt, dass auch etwas grüne Noten mit in den Wein hinein kamen, der zu etwa 10% im großen Holzfass – manchmal aber auch im gebrauchten Barrique – und zu 90% im Stahltank ausgebaut wurde (Angaben Frau Platz). Selbst wenn man die Angaben des Datenblattes zu diesem Wein zugrundelegt, wonach der Wein zu 100% im Stahltank ausgebaut wurde (und sagen wir mal vielleicht eine Partie von 10% in großen Holzfässern gelagert wurde für eine spätere Rückcuvetierung?), so hat dieser Sauvignon jedenfalls nicht die aufdringlichen Noten wie ein neuseeländischer Sauvignon, zum Beispiel. Seine Stachelbeernoten kommen ganz leicht daher, gepaart mit Duft von Heu, aber auch mit einem Tick Paprika und Pfeffer, verbunden mit einer hohen Mineralität, die sich lange am Gaumen hält. Dieser Wein, der ein wirklich ansprechender Sauvignon ist, wie er nicht immer in deutschen Anbaugebieten gelingt, machte uns nur neugieriger auf den großen Bruder, den Sauvignon Blanc Reserve. Wie hätte dieser Wein wohl aufgetrumpft?

Den Abschluss der Weißweine bildete ein 2011er Chardonnay aus Freinsheim, also auch wieder aus der Kategorie der Ortsweine. Dieser Wein kam nicht so gut in unserer Runde an und er wurde sehr gegensätzlich diskutiert. Vielleicht war er mit 9 Monaten Barriquelagerung z.Zt. einfach noch zu jung, obwohl aus 2011 stammend. Es wurden ein starker Butterton und Noten von gerösteten Erdnüssen, Röstnoten im Allgemeinen angesprochen. Im „Ist-Zustand“ eigentlich nur als Essensbegleiter zu verkosten, nicht solo. Diesen Wein hätten wir gerne noch einmal im nächsten Jahr probiert. Sicherlich ist er ein „… Wohlfühlwein für die Wintermonate…“, wie ein Mitverkoster anmerkte. Aber auf jeden Fall ein Wein mit Lagerpotential!

Als Übergang zu den Rotweinen präsentierte uns Frau Platz noch einen Roséwein aus 2012 von spätreifem Cabernet Sauvignon und Spätburgunder, hergestellt durch Saftabzug von den vorgenannten Sorten und zwar ohne Pressung. Was früher als Resteverwertung angesehen wurde, gilt heute als Verbesserung der Rotweinmaische. Bei diesem Thema werden „Religionskriege“ – um Glück nur – ausdiskutiert und jeder der sich einmischt (vegetative Noten, bes. Paprika), bekommt ein blaues Auge – um im Bild zu bleiben. Gut gekühlt ein belebendes Getränk, Terrassenwein – aber mehr wollte die Verkosterrunde nicht preisgeben. Und so musste sich dieser Wein in der Punkteskala leider hinten anstellen.

Weiter ging es mit den beiden letzten Weinen, den Rotweinen, und zwar zunächst mit dem 2011er Freinsheimer Spätburgunder, also auch wieder als Ortswein. Der Wein wurde an 3 Tagen gelesen (18.-20.09.2011) mit einem Ertrag 55 hl/ha und in Barriquefässern (30% Erstbelegung und 70% in gebrauchten Barriques) ausgebaut. Er ist mit 0,1 g/RZ so gut wie durchgegoren und hat eine Säure von 5,8g/l behalten. Zuerst wurde man begrüßt von einer wunderbaren Fruchtnote, die typisch für einen Spätburgunder ist. Die Aromen setzten sich am Gaumen fort in Himbeere und Waldbeeren, ein Hauch Kakao kam hinzu und natürlich der Vanilleton der Barriques. Ein insgesamt hochkomplexer Wein, dessen Holzton allerdings einige aus unserer Runde noch zu vordergründig fanden, deutlicher noch als oben beim Chardonnay und dementsprechend in diesem Stadium des Weins zu dominierend. (Anmerkung aus der Runde: „..weniger wäre mehr gewesen….“). Wieder das Problem des zu jungen Weins. Aber warten wir seine Entwicklung ab.

Der Probendurchlauf wurde abgeschlossen von einem Wein mit Bordeauxtypizität: die Rotweincuvée „Das kleine Kreuz“ aus der Freinsheimer Lage Schwarzes Kreuz, ein Lagenwein also, gemacht aus Cabernet Sauvignon (CS), Merlot (M), Cabernet Franc (CF) und St. Laurent (SL). Der 20%-Anteil des CS reichte aus, diese Traube in den Vordergrund zu stellen; der 40% Merlotanteil sorgte im Ergebnis eben nicht für dessen Dominanz, steht aber für Weichheit und Zugänglichkeit zu diesem Wein. Er ordnet sich dem CS unter. Mit dem CF kommt auch noch Würze in den Wein. Allerdings ist dieser Anteil je nach Jahrgang unterschiedlich darin enthalten und zwar in einer Bandbreite von 5-15%. Der aktuelle Anteil des Jahrgangs 2011 war uns leider nicht bekannt. Der Wein wird zu 100% in Barrique ausgebaut, wovon 50% Erstbelegung sind und 50% aus gebrauchten Barriques aus pfälzer und französicher Eiche bestehen. Mit einem Alkoholgehalt von 14,5% Vol. steht der Wein dicht und fest im Glas, mit Würze und kräftiger Struktur. In der Nase und am Gaumen findet man Kirschfrucht und schwarze Waldbeeren – St. Laurent lässt grüßen -, wieder Vanillearomen vom Holz und bereits jetzt weiche Tannine – von der Gegenfraktion als weich = beliebig kritisiert.
Unterm Strich dennoch eine sehr gelungene Rotweincuvée, die deshalb auch den Gewinner des Abends darstellte!

Nochmals Dank an Frau Platz für diese aufschlussreiche Probe und dafür, dass sie unkompliziert für den erkrankten Andreas Rings „in den Ring“ gestiegen ist und uns charmant durch den Abend geführt hat.
Verfasser: Wolfgang Klug

Probenergebnis der Weinprobe mit dem Weingut  Rings am 11.07.2013 (als pdf)

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13.06.2013 Weinprobe mit dem Weingut Wageck-Pfaffmann, Bissersheim

Erstellt von Dieter am 14. Juli 2013

Im Rahmen unserer Probenserie über das Weingebiet Pfalz  stellte uns Thomas Pfaffmann vom Weingut Wageck Pfaffmann aus Bissenheim in der nördlichen Pfalz sein Weingut und die Weine vor.

Das Weingut entstand um die Jahrhundertwende als Gemischt-Betrieb mit Ackerbau, Viehzucht und Weinbau. 1973 wurde das Weingut nach der Heirat zwischen Gertraut Wageck und Gunter Pfaffmann von Wageck  in Wageck Pfaffmann umbenannt. Nach dem Weinbau-Studium in Geisenheim sind die beiden Söhne Frank und Thomas im elterlichen Weingut mit eingestiegen.

Das Weingut umfasst heute 39 ha, davon sind 59% weiße Sorten und 41%  rote Sorten. Aufgrund der kalkhaltigen Böden sind ca. 50% der Fläche mit Burgunder­sorten (davon 10% Chardonnay) bestockt.

90% der Weine werden trocken ausgebaut.

Ähnlich wie der VDP hat das Weingut eine dreistufige Klassifikation:

1 Stern-Weine „*“ sind die Basis-Qualität, stehen also für die Gutsweine. Die Ernte erfolgt normalerweise maschinell

2 Sterne-Weine „**“ sind die Premium-Qualität uns stehen für die Ortsweinen aus sehr guten Lagen der Ortschaften Bissersheim, Großkarlbach und Kirchheim.  Der Ertrag liegt bei max. 70hl/ha. Die Ernte erfolgt normalerweise maschinell.

3 Sterne-Weine „***“ sind die höchste Qualitätsklasse in Form von Lagenweinen aus den besten Parzellen von teilweise  sehr alten Reben. Sie stehen für Terroir und Tradition. Der Ertrag liegt bei max. 45hl/ha und die Ernte erfolgt immer durch selektive Handlese.

Zur Ertragsbegrenzung werden  im Frühjahr die Reben kurz angeschnitten und im Juli und August erfolgt durch Grün-Lese eine weitere Ertragsreduktion.

Vertrieben werden 50% der Weine an Privat-Kunden, der Rest an die Gastronomie, an Fachhändler und ein kleiner Teil auch an ausländische Kunden.

Nun zu unserer umfangreichen Verkostung von 14 Weinen:

Weißweine

Als erstes probierten wir einen 2012 Bissersheimer Chardonnay aus dem 2-Sterne-Segment

Genau der richtige Wein zum Start, er präsentiert sich fruchtig, frisch und elegant. Der Wein wurde im Edelstahl mit Reinzuchthefe vergoren und ist nicht ganz trocken geworden (ca. 6 g Restzucker)

Wesentlich für die Qualitäts der Chardonnays sind die sehr kalkhaltige Böden um Bissersheim, die denen an der Cote d’Or in Burgund sehr ähneln, Daher wurden hier original Burgundische Klone gepflanzt. Sie haben den Vorteil, dass sie den hohen pH-Wert der Kalk-Böden vertragen und nicht so Chlorose-empfindlich sind (Bei hohen pH-Werten ist die Aufnahme von Eisen aus dem Boden gestört und die Blätter bleiben gelb, weil sie nicht genug Chlorophyll bilden können).

Als nächster Wein folgte aus der Burgunder-Familie ein 3-Sterne-Lagenwein, der 2011 Kirchheimer Steinacker  Weißburgunder

Er stammt von alten Reben, die auf kalkhaltigem Ton-Mergel Boden über Kalksteinfels stehen. Der Ausbau dieses Weines erfolgte in einem 600 l  Fass, einem neuen und einem gebrauchten Barrique.

Er machte seiner Einstufung als 3-Sterne-Wein alle Ehre und zeigte sich als dichter, mineralischer Weißburgunder mit dezenter Süße, der trotzdem filigran blieb. Allerdings dominieren die Holzaromen noch stark und erfordern noch etwas Reifung.

Dann wurde die Probe etwas exotischer mit dem 2011 Großkarlbacher Muskateller.

Dieser Muskateller wirkte etwas fülliger, stärker parfümiert  und zeigte eine deutlich Säure. Ein Grund dafür war, dass vor der Ernte die Trauben durch einen Hagelschlag geschädigt wurden. Anschließend folgte glücklicherweise warmes und trockenes Wetter, sodass die angeschlagenen Beeren nicht faulten sondern nur eintrockneten. Dadurch konnten noch gesunde Trauben gelesen werden und der Wein hat so seine eigene Art entwickelt.

Ein weiterer Wein einer Bukett-Sorte folgte mit dem 2012 Bissersheimer Sauvignon blanc. Ebenfalls ein Ortswein, der sich als typischer, dichter Sauvignon blanc mit viel grüner Frucht (Holunder, Brennnessel) auszeichnete. Eine deutliche Säure und ein schönes, fruchtiges Bukett waren weitere positive Eigenschaften. Um eine bessere Spontanvergärung zu erreichen, wurde der Most mit mehr Trübe eingesetzt.

Den Anfangs des Reigens der Riesling-Weine machte ein Basis-Wein, der 2012 Wageck Pfaffmann Riesling.

Ein sauberer, einfacher Riesling, nicht so klar und schlank wie die nachfolgenden Rieslingsweine, aber gut gemacht. Die Säure zeigt sich etwas spitz und weniger in den Wein eingebunden.

Qualitativ eine Stufe höher folgte als nächster Wein ein 2-Sterne-Ortwein, der

2012 Bissersheimer  Riesling

Hier zeigte sich die bessere Qualität der Trauben, denn der Wein war dichter und besser strukturiert als der Basis-Riesling. Die Säure war ebenfalls besser eingebunden.  Ein Hauch reduktiver Noten deuteten auf eine partielle  Spontanvergärung des Mostes

Geerntet wurde mit Maschinenlese in den Weinbergen um Bisserheim

Und zu Abschluss der Weißweine-Runde gab es zwei Lagen-Rieslinge aus gleicher Lage aber unterschiedlichen Jahren. Die Trauben stammten aus einem über 30 Jahre alten Riesling-Weinberg. Nur vollreife Trauben wurden nach Vorlese mit der Hand geerntet (Ertrag l max. 30 hl/ha) und spontan im Halbstück-Fass vergoren.

Der 2011 Bissersheimer Goldberg Schützenhaus

Erwartungsgemäß war es ein dichter, gut strukturierter Riesling mit etwas herberer Frucht, der als junger Wein auch noch ein sehr fruchtiges Bukett besaß.

2007 Bissersheimer Goldberg Schützenhaus

Auch dieser Wein präsentierte sich als dichter, fruchtiger Riesling, der trotz seines Alters noch immer sehr frisch wirkte. Er war weniger offensiv in seiner Frucht als der 2011’er und hatte sehr zarte Reife-Noten und eine sehr weiche Säure.

Beide Weine waren eindeutig die besten Weißweine des Abends. Je nach Vorliebe der Verkoster für frische bzw. reifere Weine  war der 2011’er oder der 2007’er der bevorzugte Wein.

Rotweine

Die Rotweine werden ausschließlich traditionell ausgebaut, es wird auf der Maische bis zu 3 Wochen vergoren, anschließend gepresst und danach ein biologischer Säureabbau durchgeführt.

Der anschließende Ausbau orientiert sich an der Weinqualität

1 Sterne – Weine reifen im großen Holzfass,

2 Sterne – Weine in gebrauchten Barriques

3 Sterne – Weine im Barrique.

Unser erster Rotwein war ein 2011 Bissersheimer  Frühburgunder.

Die Trauben stammten von einem 1 ha großen Weinberg , der 1999 angelegt wurde.

Der Wein präsentiert sich recht rund, pflaumig-fruchtig mit festem Tannin, wirkte aber nicht breit und fett.

Als nächster Wein wurde uns eine Spezialität des Weingutes vorgestellt: der 2010 Wageck Pfaffmann Portugieser HW 31

Die Trauben für den Portugieser HW 31 stammen von im Jahre 1931 wurzelecht gepflanzten Reben. Nachdem der Pächter dieser Anlage mit der Pacht im Verzug war, wurde der Weinberg ab 2006 wieder selbst bewirtschaftet. Es wurde jede zweite Zeile entfernt, damit sich die Zeilenbreite auf 2,20 m verdoppelt und so die maschinelle Bearbeitung erleichtert wird . Die 80 jährigen Reben bringen aufgrund ihres Alters nur noch einen sehr geringen Ertrag von 20  hl/ha. Zusätzlich erfolgte zur Ertragsreduzierung  eine Traubenhalbierung nach der Blüte. Wie bei der 3-Sternen-Weinen üblich, erfolgte der Ausbau in Barriques.

Dieser Wein zeigte uns, was eine mit so einem negativem Image belegte Rebsorte wie der Portugieser bei entsprechendem Aufwand leisten kann:

Wir verkosteten einen sehr dichten, klaren und komplexen Wein mit einer feinen Säure und dezentem, gut eingepasstem Holz. Das war der beste Wein des Abends !

Weiter ging es mit dem 2011 Großkarlbacher Spätburgunder

Ein sauberer, leichterer, aber sehr klarer und typischer Spätburgunder ohne Fehl und Tadel.

Man erkennt hier schon die Zielrichtung für einen guten Spätburgunder. Um wie im Burgund eine kühle, klare Frucht zu bekommen muss man auf den Punkt ernten, dann wenn die Trauben mit etwa 95° Oechsle physiologisch reif sind. Jede spätere Ernte führt zu stärker überreifen und oft marmeladigen Weinen.

Die Steigerung zum Ortswein folgte aber sogleich mit dem 2010 Großkarlbacher Burgweg

Das war ein dichter, klarer Spätburgunder mit einer für 2010 typischen kräftigen Säure und sehr guter  Struktur, nur das Holz war noch nicht ganz integriert, dafür braucht er noch etwas Zeit.

Die Trauben stammen von einem kleinbeerigen Klon, der auf einem südlich ausgerichteten Hang im Burgweg angepflanzt ist.  Der Ertrag liegt bei 20 – 30 hl/ha. Es erfolgt eine selektive Handlese in mehreren Durchgängen, die Maische wird für mindestens 14 Tagen in Bütten und Holzbottichen vergoren. Der Ausbau erfolgt dann für maximal 12 Monaten in Barriques.

Neben den rebsortenreinen Weine baut das Weingut auch zwei Cuvees aus.

Der erste der beiden Weine, das 2009 Wageck Pfaffmann Cuvee Luise

stellt den fruchtigeren Typ dar und ist ein Cuvee aus 50% Frühburgunder mit  Cabernet Sauvignon,  Merlot und Spätburgunder.  Es ist der Zweiwein zum Cuvee Wilhelm, und daher etwas zarter und fruchtiger und wird zu einem günstigeren Preis angeboten.

Der zweite Wein, der 2009 Wageck Pfaffmann, Cuvee Wilhelm

ist ein typisches Bordeaux-Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und etwas Petit Verdot. Dieser Wein als Spitzencuvee ist vielschichtig, dicht und fest strukturiert, aber immer noch etwas hart und verschlossen. Er braucht noch Zeit.

Zusammen mit dem  Frühburgunder war das der zweitbeste Wein des Abends.

Thomas Pfaffmann hat uns mit einer umfangreichen Weinprobe gezeigt, dass auch im nördlichen Teil der Pfalz sehr gute Weine erzeugt werden.

Dafür möchten wir ihm herzlich danken.

Verfasser: Dieter Ockelmann

Probenergebnis der Weinprobe mit dem Weingut Wageck Pfaffmann am 13.06.2013 (als pdf)

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16.05.2013 Weinprobe mit dem Weingut Karl-Heinz Becker, Heuchelheim-Klingen

Erstellt von Dieter am 14. Juli 2013

Ein weiteres Pfälzer Weingut war zu Gast bei der Weinbruderschaft zu Köln – das Familienweingut Karlheinz Becker, das einigen Weinbrüdern und -schwestern bereits aus diversen Kölner Veranstaltungen bekannt ist. Herr Becker mit seiner unterhaltsamen Pfälzer Art ist ein sympathischer und bodenständiger Mensch seiner Zunft, der einen kurzweiligen Abend garantiert.

In dem Familienweingut findet zur Zeit ein Generationswechsel statt und Sohn Dominique, Anfang zwanzig, der seine Winzerlaufbahn in Neustadt/Weinstraße begonnen hat, startet nun zusammen mit Vater Karlheinz Becker durch – hier vereinen sich Tradition und Moderne. Schwerpunkt in dem 12 Hektar großen Weingut bilden die Weißweinsorten Riesling, Silvaner sowie die Burgundersorten  Grau- und Weißburgunder. Darüber hinaus sind 30 % der Rebflächen für Rotwein, vor allem für Spätburgunder, vorgesehen.

Bei der Bezeichnung einzelner Weine  hat sich das Weingut etwas einfallen lassen, damit der Weinfreund die besonderen Weine eines Jahrgangs sofort erkennen kann: spannende und interessante Weines des Jahrgangs werden unter der Bezeichnung „Edition Heuchelheimer Fuchs“ vermarktet. Eine pfiffige Idee, die eine gute Orientierung im Sortiment geben soll.

Schon die ersten beiden Weine- zwei Silvaner- konnten uns von der Qualität der Weine des Pfälzer Weinguts überzeugen. Obwohl die beiden Weine aus dem gleichen Wingert stammen, zeigte sich hier ein geschmackliches Spannungsfeld. 50 Jahre alte Reben – kerngesundes Lesegut (87 Grad Öchsle) beim Wein Nr. 1. Beide Weine wurden mit Reinzuchthefen vergoren und haben danach eine malolaktische Gärung durchlaufen.

Wein Nr. 1 zeigte sich klar, frisch, fruchtbetont und saftig, Wein Nr. 2 mit ca. 100 Grad Öchsle besaß eine reife Frucht, Fülle und eine herrliche Cremigkeit – zwei völlig unterschiedliche Weine, die bereits zum Beginn der Probe hoch bewertet wurden.

Anschließend ging es direkt zu den Grauburgunderweinen Nr.3 und Nr.4. Unterschiedliche Böden und Qualitätsstufen stehen sich hier gegenüber – auf der einen Seite ein Grauburgunder Kabinett vom Lehm-Lößboden und auf der anderen Seite der Grauburgunder S, eine Spätlese aus besten Lagen des Weinguts von kalkhaltigen Böden.  Nr. 3 bestach durch eine duftige Burgundernase mit einer gradlinigen Fruchtnote. Nr. 4 war ein konzentrierter, knochentrockener Wein (Restzucker 1,3 g/l, 5,8 g/l Säure), dem die Fruchtigkeit ein wenig fehlte – was vielleicht auch dem höheren Alkohol geschuldet war – kurz gesagt ein Wein, der für Gesprächsstoff in der Weinbruderschaft sorgte.

In einer Westlage des Weinguts wachsen die Trauben des nächsten Weins (Nr.5), ein Weißburgunder mit der Bezeichnung „Terra Nera“ (Schwarzer Acker) – hier herrscht vorwiegend tonhaltiger Boden mit wenig Kalkanteil vor. Es war eine Spätlese mit 100 Grad Öchsle, ein wunderbar dichter und saftiger Weißburgunder mit reifer Frucht und guter Substanz, der über jeden Zweifel erhaben war. Großen Anklang fand dieser Wein in unserer Runde, ein gelungener Wurf!

Wein Nr. 6 aus der „Edition Heuchelheimer Fuchs“ war ein sortentypischer, fruchtiger Chardonnay  mit reifer Frucht.

Nun folgten die Rieslings-Weine, für die das Weingut die Trauben grundsätzlich später erntet, damit sie möglichst ausgereift sind.

Die Weine wurden je nach Traubenmaterial spontan oder mit Reinzuchthefen vergoren.

Die beiden Rieslingpaare „Buntsandstein“ und „Weißer Stein“ aus den Jahren 2011 und 2012 wurden gegenübergestellt, um den Unterschied der Lagen, den Einfluss des Jahrgangs und das Reifepotential deutlich zu machen. Eine spannende Verkostung !

Wein Nr. 7 aus dem Jahrgang 2012 (50% Spontanvergärung / 50% Reinzuchthefe) zeigte sich saftig mit klarer sauberer Rieslingfrucht. Der Wein hatte Körper und eine jahrgangsbedingt ausgeprägte, knackige Säure, die trotzdem gut eingebunden war.

Wein Nr. 8 war durch den Jahrgang 2011 (100% Reinzuchthefe) mit dezenter Säure und schöner, salziger Mineralität ausgestattet. Im Geschmack konnte man ein wenig Honig erkennen.

Wein Nr. 9 aus dem Jahrgang 2012 (50% Spontanvergärung, 50% Reinzuchthefe) zeigte eine deutlich kräftigere Farbe, mehr Zitrusnoten und noch leichte Töne der Spontanvergärung. Ein junger, noch etwas ungestümer Wein.

Wein Nr. 10 aus dem Jahr 2011 (100% Reinzuchthefe) war dagegen elegant und harmonisch. Der Jahrgang und die Flaschenreife haben diesem Wein sehr gut getan. Ein toller Trinkgenuß!

Wie schon erwähnt, nimmt der Spätburgunder eine Sonderstellung im Weingut Karlheinz Becker ein. Unser nächster Wein (Nr. 11) war ein „Blanc de Noir“. Kein leichtes Stöffchen, sondern ein konzentrierter, weiß gekelterter Rotwein, der viel Schmelz hatte. Er bildet in unserer Probe den Einstieg in die Rotweinwelt des Weinguts.

Herr Becker betonte, wie wichtig der richtige Lesezeitpunkt gerade beim Spätburgunder ist, damit diese hohe Qualität auf die Flasche kommt.

Aus der Lage „Herrenpfad“, einer Lage mit Buntsandsteinverwitterungsböden kamen die beiden Spätburgunder unserer Probe. Obwohl Sie von den Analysewerten her fast gleich waren, unterschieden sich die Weine durch ihren Ausbau und ihre Stilistik.

Wein Nr. 12 (Alkohol 13 %, Restzucker 0,7 g/l, Säure 4,7 g/l) wurde in gebrauchten Barriques, Wein Nr.13 – der Pinot Noir Primus – (Alkohol 13,2%, Restzucker 0,2 g/l, Säure 4,6 g/l) wurde zu 50% in neuem Holz aus grobporiger französischer Eiche, die einen größeren Einfluss auf den Wein hat als feinporiges Holz, ausgebaut. Beide Weine hatten eine gute Konzentration und Fülle, wobei der Premiumwein Primus noch deutlich vom Holz geprägt war und hierdurch viel verschlossener und kompakter wirkte.

Der krönende Abschluss der Probe war schließlich eine Riesling Auslese edelsüß (Wein Nr. 14). Obwohl das Weingut überwiegend trockene Weine ausbaut, versteht man sich auch auf edelsüße Spezialitäten. Es war ein wunderbar eleganter, fruchtbetonter und konzentrierter edelsüßer Wein mit reifer Frucht, guter Konzentration und herrlich langem Abgang.

Fazit der Weinprobe: Das Weingut Karlheinz Becker versteht sein Winzerhandwerk  und kann mit fruchtbetonten, geradlinigen Weinen mit hohem Genussfaktor  überzeugen. Besonders hat  gut hat dem Chronisten der Weißburgunder „Terra Nera, Spätlese“ aus dem Jahr 2012 gefallen.

Das Beste zum Schluss: die gesamte Weinkollektion gibt es zu einem vorzüglichen Preis / Genussverhältnis. Bitte mehr davon….

Probenergebnis der Weinprobe mit dem Weingut K.H.Becker am 16.05.2013 (als pfd)

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11. April 2013 Technikprobe „Hefe ist nicht gleich Hefe“

Erstellt von Dieter am 27. April 2013

Gastmoderator: Achim Rosch, Projektleiter am Steillagenzentrum des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel (DLR Mosel)

Weil die Technik-Probe, wie wir sie nennen, nie so ganz in unser normales Jahresprogramm passt, das wir schwerpunktmäßig mit Weinen aus bestimmten Anbaugebieten oder Weinen von bestimmten Rebsorten abdecken, wird  gerade deshalb diese Probe immer mit viel Spannung erwartet.

Die Verkostung von „normalen“ Weinen aus dem Sortiment eines oder mehrerer Winzer steht dann bei diesen Technikproben nicht so im Vordergrund wie sonst üblich. Diesmal ging es um den Herstellungsprozess des Weines selbst. Von den vielen „Stellschrauben“, an denen man die Weinqualität und den Weinstil beeinflussen kann, hatten wir uns den Gärprozess ausgesucht und in Herrn Achim Rosch hierfür den richtigen Mann gefunden, der uns hierüber mit vielen Informationen versorgen sollte. Schließlich kommt er aus dem sog. Steillagenzentrum des DLR Mosel, in dem die weinbaulichen Kompetenzen für dieses gesamte Anbaugebiet -zzgl. Ahr- an einer Stelle zusammengefasst sind. Nun gut, man unterstützt auch schon mal Winzer oder Verbände jenseits der Grenzen des eigenen Anbaugebietes. Schließlich geht es um ein weites Aufgabengebiet: von der schulischen Ausbildung zum Winzerberuf über die weinbauliche und kellertechnische Beratung von Winzern bis hin zu spezifischen Forschungsprojekten zum Steillagenweinbau im Ganzen. Nicht zu vergessen die touristische Vermarktung des Steillagenweinbaus, eine Idee, die vielen bodenständigen Winzern dieser Region sicher noch schmackhaft gemacht werden muß.

Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass mit der Eröffnung dieses Steillagenzentrums (03.12.2010) gleichzeitig auch die Gründung eines neuen „Staatsweingutes Mosel“ als Lehr- und Versuchsweingut mit derzeit 8 ha Rebfläche einherging. Und so war es umso interessanter für uns, dass Herr Rosch uns bei aller Theorie über Saccharomyceten und Nicht-Saccharomyceten, über Essigsäureethylester und Böckserverbindungen schließlich auch noch durch die Verkostung von 8 Weinen aus seinem „Hexenkeller“ eindringlich demonstrieren konnte, wie unterschiedliche Hefen bei gezieltem Einsatz für den Gärprozess am Ende sehr unterschiedliche Weine aus ein und demselben Most hervorbringen.

Sicherlich konnten wir bisher schon mit Begriffen wie „Spontangärung“ und „Vergärung mit Reinzuchthefen“ etwas anfangen. Diese beiden Verfahren, die bei Winzern immer mal wieder zu einer Art Religion hochstilisiert werden, waren uns schon geläufig. Aber wer bisher davon ausgegangen war, dass es sich dabei um die unvereinbaren Antipoden zweier Verfahrenstechniken handelt, der wurde jetzt eines Besseren belehrt und uns wurden eben nicht nur Schwarz und Weiß vor Augen ( und Ohren ) geführt sondern auch eine Menge Grau in vielen Schattierungen.

Nicht unerwähnt lassen möchten wir in diesem Zusammenhang die beiden Zugabeweine des Saatsweingutes im feinherben und milden Geschmacksbereich, mit denen wir unsere Geschmackspapillen anschließend wieder justieren konnten.

Vorab während des theoretischen Teils des Vortrags hatten wir uns noch 4 Moselweine gegönnt, mit denen wir unsere Aufnahmefähigkeit bezüglich der mikrobiologischen und verfahrenstechnischen Informationen steigern wollten, was wohl auch im Großen und Ganzen gut gelungen ist….hoffentlich !?  Aber wie schon oben erwähnt: diese Weine standen nicht im Mittelpunkt unseres Interesses. Sie waren Programmbeigabe.

Der Chronist bittet an dieser Stelle um Nachsicht, wenn er erst gar nicht versucht, den komplexen Vortrag von Herrn Rosch und die Ansprache der 8 Versuchsweine an dieser Stelle noch einmal zusammen zu fassen. Es wäre ein untauglicher Versuch durch einen Laien.

Da kommt es wie gerufen, dass das Steillagenzentrum im Rahmen seiner allgemein zugänglichen Veröffentlichungen u.a. diesen Vortrag von Herrn Rosch in der letzten Ausgabe des Steillagenreports (Nr.:05/2012 / Stand 21.03.2013) mit aufgenommen hat und so die Möglichkeit für jeden Interessierten besteht, dieses Thema noch einmal nachzulesen und zu vertiefen.

Alle Informationen Zum Steillagenzentrum selbst und zum Projekt von Herrn Rosch über den Einsatz von Hefen für das Gärverfahren findet man auf der Website des DLR Mosel unter der Webadresse  www.dlr-mosel.rlp.de/ , wo auch auf der zweiten Seite unter „Aktuelles“ der Steillagenreport 05/12 als Download geöffnet werden kann. Dort ist dann auch der Projektbericht von Herrn Rosch unter der Überschrift:

Eine Frage des Weinstils!

Spontangärung, Reinzuchthefegärung oder die neue

„imitierte Spontanvergärung“?

auf Seite 37 zu finden.

Der ein oder andere unter uns wird dort sicher auch noch auf andere interessante Projektberichte stoßen (z.B.: Sorbinsäure im Wein; wieviel Bentonit braucht ein Wein; neue Weg der Filtration; etc), so dass allein die Suche nach dem Beitrag von Herrn Rosch neugierig macht auf weitere Neuheiten aus der Forschungsabteilung des Steillagenzentrums.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Herrn Rosch für sein Kommen, insbesondere, dass er seinen Besuch trotz der engen terminlichen Verhältnisse am Steillagenzentrum wahr gemacht hat.

Möglicherweise können wir uns zu einem anderen Thema, mit dem wir dann eine weitere Technikprobe abdecken könnten, wiedersehen.

Verfasser: Wolfgang Klug

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14.03.2013 Weinprobe mit dem Weingut von Winning

Erstellt von Dieter am 27. April 2013

Im Rahmen unserer Probenserie über das Weingebiet Pfalz  besuchte uns im März Stephan Attmann und stellte uns das Weingut „Von Winning“ aus Deidesheim. vor.

Vor allem die zahllosen Auszeichnungen des Guts, seiner Weine und die positiven Besprechungen in der Fachpresse machten uns neugierig. Der Gault Millau ernannte den Betrieb 2012 zum „Aufsteiger des Jahres „ –  schön, dass wir ihn für uns gewinnen konnten.

Das Weingut Leopold von Winning befindet sich in dem malerischen pfälzischen Weinstädtchen Deidesheim, mitten im traditionellen Weinbaubereich Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße, ist eines der größten Weingüter der rheinisch-pfälzischen Kleinstadt und hieß Mitte des 19. Jahrhunderts noch Dr. Deinhard.

Es verfügt über 40 Hektar bepflanzte Weinberge in den bekannten Einzellagen in den Gemeinden Deidesheim, Ruppertsberg und Forst und produziert zu 80% Rieslingweine, der Rest verteilt sich auf Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer, Chardonnay und vor allem Sauvignon.

Das Weingut wurde 1849 von Auguste Jordan und Friedrich Deinhard gegründet. In diese Jahre fällt auch die erste Glanzzeit des Betriebs, man war Gründungsmitglied des Verbandes der Naturwein-Versteigerer, des heutigen VDP, und des deutschen Weinbauverbandes. Später befand sich das Weingut im Besitz der Koblenzer Sektdynastie Deinhard.

Im Jahre 2007 erwarb der Neustädter Unternehmer Achim Niederberger das Weingut, in dessen Besitz es sich nun mit den Weingütern Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan als letztes im Bunde der großen Drei aus Deidesheim befindet.

Das Sortiment wurde in zwei Linien aufgeteilt: Die klassischen Alltagsweine werden unter dem vormaligen Weingutnamen „Dr. Deinhard“ vermarktet. Die Trauben stammten größtenteils von Vertragswinzern, die nach strengen Vorgaben arbeiten.

Die Spitzenweine werden unter dem alten Namen „Von Winning“ vermarktet, der bereits unter den Gründern Emma Deinhard und ihrem Mann, Hauptmann Leopold von Winning, in den Jahren 1907 bis 1918 Verwendung fand.

Um zu verstehen, wie es zu dem kometenhaften Aufstieg des Weinguts seit 2007 kommen konnte, genügt es nicht, allein auf den Besitzer Achim Niederberger zu verweisen, der als Investor die Neuausrichtung des Weinguts in Gang gebracht hatte. Es ist ein weiterer Name, der untrennbar mit der Entwicklung des Gutes in den letzten Jahren verquickt ist: Stephan Attmann, Betriebsleiter und „Weinverrückter“  in des Wortes bester Bedeutung. Seine kompromisslos auf Spitzenqualität ausgerichtete Philosophie ließ ihn die Lesemannschaft von 8 bis 10 auf fast 50 Helfer erhöhen, eine der ersten Dichtpflanzungen nach Vorbild des Burgunds anlegen, Fässer von den besten Küfern Frankreichs beziehen und die Weinbereitung so natürlich wie möglich betreiben, denn: „auf Nummer sicher zu gehen“ war von Anfang an nicht seine Vorstellung. „Hart am Limit“ scheint da schon passender, wie Hendrik Thoma in seinem Weinblog erwähnt .

Die Handlese ist für die Spitzenweine obligatorisch. Da die Weinberge zum großen Teil direkt um das Weingut liegen, sind die Wege zum Keller kurz, was eine rasche Verarbeitung des Traubenmaterials gewährleistet. Nach Vorbild des Bordeaux und anderer renommierter Weinbaugebiete wird am Sortiertisch noch einmal selektioniert. Ebenso verzichtet Stephan Attmann auf  eine (scharfe) Vorklärung, die Moste werden spontan vergoren und nur wenn erforderlich mit Reinzuchthefen nachgeimpft. Die Weine bleiben fast immer bis zur Füllung auf der Hefe und getreu seinem Motto des „kontrollierten Nichtstuns“ werden sie bis dahin auch nicht mehr bewegt, geschweige denn umgepumpt. Die Reifung findet im Edelstahl und Holzfässern verschiedenster Größe und Herkunft statt.

Der Ausbau der Top-Rieslinge in neuen Stückfässern, was im ersten Jahrgang 2008 noch zu deutlichen, ungewohnten Holznoten führte, zeigt nun aber Jahr für Jahr mehr Schliff und Stil. Die „Großen Gewächse“ ( von ca. 10 ha Rebfläche) sind in ihrer eigenwilligen Art, von Holz und Spontangärung geprägt, auffällige, aber hervorragende Sonderstücke.

Wir starteten unseren ersten Flight mit dem  Von Winning „2011er Weißer Burgunder  II „ und  dem Von Winning  „2011er  Weißer Burgunder I „

Die Trauben des „Weißburgunder II“  stammen aus Weinbergen in und um Deidesheim, die des „Weißburgunder I“ aus Ruppertsberger Weinbergen. Hier bestimmen  rotes und gelbes Sandsteingeröll die Böden.

Der „Weisse Burgunder II“ wird zu  20% im Holz und 80% im Stahltank  ausgebaut und kommt nach Filtration auf die Flasche  mit Schraubverschluss; der  „Weisse Burgunder I“ hingegen kommt  zu 100% in Holzfässer aus Burgund (228Ltr), bleibt bis kurz vor Weihnachten auf der Vollhefe und wird dann unfiltriert in Flaschen mit Korkverschluss abgefüllt.

Beide Weissen Burgunder leuchteten mit hellgoldener Farbe und grünem Schimmer im Glas. Die Nase zeigte sich burgundertypisch und mit feinwürzigen, filigranen und eleganten Aromen von Stachelbeeren, Pfirsich, feinen Röstaromen von Vanille, gebrannter Mandel und Rauch. Es folgen mineralische, salzige Aromen unterlegt von getrockneten Aprikosen. Am Gaumen saftig, würzig, viele Zitrusfrüchte.

Der Abgang des „Weißer Burgunder II“ offenbarte jugendliche und konzentrierte Mineralität., wohingegen uns der „Weisse Burgunder I“ mit seinen feineren Röstaromen mehr überzeugte.

Weiter ging es mit der Verkostung der unterschiedlichen Rieslinglagen aus 2011:

Zuerst verkosteten wir zwei trockene 2011’er Kabinett-Weine aus der Serie Dr.Deinhardt,  den „Deidesheimer Paradiesgarten“ und den „Deidesheimer Herrgottsacker“.

Diese Kabinettweine sind mustergültige Beispiele für Lagentypizität. Es ist aber vor allem die brillante Finesse und die nach wie vor vorhandene, eher noch verbesserte feinsalzige Mineralität der Rieslinge, die uns begeisterte.

Der Deidesheimer Paradiesgarten stammt aus einem Südosthang mit kräftigem Lehm und Buntsandsteinböden, aus einer Parzelle in Verlängerung des Langenmorgens.

Im Edelstahl vergoren, ist dieser Riesling kristall-klar, frisch und fruchtbetont. In der Nase verbinden sich würzige und fast rauchige Aromen perfekt mit typisch saftiger Zitrusfrucht und Minze. Lange saftet der Paradiesgarten nach, ist komplex und mineralisch, zeigt vielerlei Facetten, die es unmöglich machen, dass einem dieser Wein langweilig wird.

Im Jahre 1492 wird im Stadtarchiv von Deidesheim erstmals die Weinbergslage Herrgottsacker genannt. Sie galt schon damals wegen des Wärme speichernden, lehmigen Buntsandsteinbodens als bevorzugte Lage für den Rieslinganbau.

Der Deidesheimer Herrgottsacker ist das würziges Gegenstück zum Paradiesgarten. Ebenfalls im Edelstahl vergoren, enthüllt er im Glas eine helle, goldgelbe Farbe und entwickelt Aromen von reifen Früchten. Am Gaumen besticht er durch die Balance von herrlicher Frische und herzhaft würzigen pfeffrigen Nuancen ( Pfeffer, Feuerstein), die ihm eine große Geschmackstiefe verleihen.

Als 5.Wein kam der 2011er „Von  Winning  WIN WIN“, ein Riesling Qualitätswein trocken, ins Glas.

Der „Win Win“ Riesling ist eine Selektion aus den Toplagen rund um Deidesheim: Grainhübel, Mäushöhle, Kalkofen und Kieselberg, die zu einer wunderbaren Cuvee vermählt wurden. Er knüpft an die alte Tradition an, als man Weißweine im Holzfass ausbaute. Hier ist nicht an das Barrique Fass gedacht, sondern an größere Fässer, die bis zu 600 Liter fassen.. Dieser Gutswein, der im großen Holzfass ausgebaut ist, zeichnet sich durch die feine Mineralität –  gepaart mit einer eleganten und tiefen Frucht aus.

Am Anfang meint man nicht wirklich etwas in der Nase zu haben oder man kann es nicht zuordnen. Dieser Riesling ist spontan vergoren worden, das heißt, man hat nicht spezielle Reinzucht-Hefen benutzt, die dem Wein seinen Charakter nehmen können. Weine dieser Ausbauart haben oft eine reduktive, dumpfere Geruchsnote, wie unser „WIN WIN“.

Auf der Zunge hat man einen frischen Riesling mit Eleganz und Klarheit, der ein kleines Meisterwerk darstellt. Wir schmecken Limette, Grapefruit und reifen Pfirsich. Das anregende  Frucht- und Säurespiel hat uns besonders gut gefallen.

Unser nächster Flight offenbarte uns zwei Riesling Qualitätsweine trocken aus 2011, den  Ruppertsberger Reiterpfad und den Ruppertsberger Grainhübel:

Von Winning Riesling „Ruppertsberger Reiterpfad“ Qualitätswein trocken 2011

Die Trauben des „Ruppertsberger Reiterpfad“ stammen aus Lagen entlang des historischen Reiterpfades des „Spätlesereiters“ zwischen der Weinstraße und dem Haardtgebirge. Da die Lage sich in die Länge zieht, wechseln auch die Bodenverhältnisse stark: überwiegend Gehängeschutt, abgeschwemmter Sand und Buntsandstein, dazwischen Kalkmergelzonen und Lößlehmriegel.

Der Ausbau erfolgt zu einem guten Drittel im großen Holz und zwei Drittel im Stahl.

Dieser Wein zeigt gelbe und grüne Birne und stets ein herrliches Zitrusaroma., welches durch schöne würzig-kräutrige Noten und den leichten Holzton ergänzt werden.

Von Winning Riesling „Deidesheimer Grainhübel“ Qualitätswein trocken 2011

Der Grainhübel liegt direkt hinter dem Weingut auf einem urzeitlichen Korallenriff, obenauf liegt feinsandiger Löß und Mergel.

Die außergewöhnliche Bodenzusammensetzung des Deidesheimer Grainhübel verleiht dem Riesling seine erhabene Frucht. Die Reifung des „Deidesheimer Grainhübel“ geschieht zu zwei Dritteln in 500 Liter Holzfässern. Das bedeutet, dass der „Deidesheimer Grainhübel“ mit wesentlich mehr Holz in Kontakt gekommen ist als z.B. der Paradiesgarten oder Reiterpfad. Uns offenbart sich ein abwechselungsreicher Riesling mit außergewöhnlichen Holzaromen – geröstete Haselnüsse und gebrannte Mandel gepaart mit frischen Zitrusnoten von Limetten . Fast „sahnig“, zeigt dieser Riesling seine hohe Reife . Wir erkennen bereits im Glas eine weitere Entwicklung im Verlaufe der Probe: das ist ein Riesling mit Lagerpotential und durchaus zum Dekantieren geeignet. Nur auf wenigen Lagen entstehen Rieslinge von solcher Kraft und Filigranität..

Als nächsten Lagenwein bekamen wir  den 2011er Von Winning „Forster Ungeheuer“ ins Glas:

Das Ungeheuer ist eine weltberühmte Lage mit einer sehr vielschichtigen Bodenstruktur. Auf einem ehemaligen Korallenriff gelegen, ist der Boden von Buntsandstein, Kalk und vulkanischem Basaltgestein geprägt. Die Trauben stammen von einer der wichtigsten Rebflächen des ehemaligen Weinguts Dr. Deinhard.

Der Wein wurde zu mehr als zwei Dritteln in 500 Ltr-Holzfässern spontan vergoren. Der Duft reifer Zitrusfrüchte kombiniert mit einem sehr tiefen, würzigen Aroma; eine schöne hellgelbe Farbe im Glas. Am Gaumen werden fruchtige und würzige Aromen von saftiger Säure und faszinierender Struktur zu großer Länge getragen. Er ist ein ungewöhnlich saftiger und verführerisch duftender Riesling.

Dass dieser Wein sagenhaft schmeckt, bestätigte schon Fürst Bismarck. Bei vielen Tafelrunden lobte er ihn mit folgendem Trinkspruch: „Dieses Ungeheuer schmeckt mir ungeheuer“.

Unser achter Wein war der 2011er Von Winning  „Deidesheimer Kalkofen, Großes Gewächs„:

Der „Kalkofen“ liegt auf einem Plateau über Deidesheim und ist zur Hälfte mit über 60 Jahre alten Reben bestockt. Es ist ein ummauerter, geschützter Weingarten, in dem früher ein Kalkbrennofen stand, daher auch der Name. Das Terroir besteht aus Verwitterungs-Gestein mit Kalk-Mergel-Schichten, die auf einem Korallenriffsockel aus dem Tertiär ruhen.

Der Ausbau erfolgt zu 100% im Holz, zum größten Teil in 500 Ltr-Holzfässern und jedes Fass ist individuell spontan vergoren. Der kalkige Untergrund führt zu einer hochkonzentrierten, salzigen Mineralität und einer tief ineinander verwobenen Dichte, die trotzdem federleicht wirkt.

Ein beeindruckender und komplexer Riesling mit einer höchst ausgeglichenen Aromenvielfalt, reife Pfirsich- und Birnenfrucht  jedoch auch verbunden mit intensiver Kräuterwürzigkeit und zarter Rauchigkeit.

Auch bei diesem Riesling ist das feine Holz perfekt dosiert, schmiegt sich um die noble Frucht und überdeckt sie nie, was ihm noch mehr Klasse in Form von Tiefe und Cremigkeit der Struktur verleiht. Für uns war es der Sieger des Abends.

Unser letzter Flight widmete sich den 2011ern Sauvignon blancs trocken: dem

Von Winning „Sauvignon Blanc  II „ und dem Winning „Sauvignon Blanc  I „:

Die Trauben des „Sauvignon Blanc II “  stammen aus Weinbergen in und um Deidesheim und die des  „Sauvignon Blanc I “ aus den Weinbergen Deidesheimer Paradiesgarten (Dichtpflanzung), Deidesheimer Herrgottsacker und Kallstadter Steinacker. Hier bestimmen Buntsandstein-Verwitterung, Kiesel, Kalkmergel und Kalksteine die Böden und sind für die mineralischen Komponenten in diesem Wein verantwortlich.

Der größte Teil (ca. 70%) des Sauvignon Blanc wird bei in 225 Ltr. und 500 Ltr.  Fässern (50% neues Holz) relativ lange auf der Hefe ausgebaut, der Rest im Stahltank. Das verleiht dem Sauvignon Blanc eine gewisse burgundische, cremige Note.

Der „Sauvignon Blanc II „ trocken leuchtet hellgelb mit brillantem Grünem Schimmer im Glas. Die Nase zeigt Aromen von reifen Stachelbeeren, Cox Orange-Äpfeln, Passionsfrucht und es folgen mineralische Aromen, unterlegt mit einer feinen Kräuterwürze von grüner Paprika. Am Gaumen ist der Sauvignon blanc  knackig, würzig mit erfrischender Säurestruktur und mineralischem Rückgrat. Für einen Einstiegs-Sauvignon Blanc hat er erstaunliche Größe und macht Lust auf mehr.

Auch beim „Sauvignon Blanc I „ bleibt sich Stephan Attmann treu. Es offenbart sich ein komplexes Aromenspiel, dass Zeit braucht, um sich zu zeigen. Hinter dem noch sehr verschlossenem, intensiven Duftspektrum ist eine klare, zart rauchige Duftwolke erkennbar, die tief, frisch und fruchtig ist, rassig-mineralisch unterbaut und mit einer charmanten Würze sowie einer zarten dezenten Holznote. Im Geschmack grasig, mit eleganten Fruchtansätzen.

Es fehlen zum Glück die manchmal störenden Stachelbeeraromen der neuen Welt. Hier geht es vielmehr Richtung Feuerstein, feine Rauch-Aromatik, Quitte, Litschi, Kiwi. Auch im Mund ist er sehr leicht mit einem weißen Pessac Leognan aus dem Bordeaux zu verwechseln und er ist auch feiner, runder und cremiger im Mund als ein Sauvignon Blanc von der Loire oder aus Neuseeland.

Den Regionalentscheid der Pfalz bei der siebten Sauvignon Blanc Trophy hat das Deidesheimer Weingut von Winning mit seinem 2011er „Sauvignon Blanc I „ gewonnen.

Auch unsere Erkenntnis war, dass dieser Sauvignon Blanc aus dem Barrique weltweit mit den besten Weinen dieses Stils konkurrieren kann.

Als kleines Schmankerl zum Schluss hatte Herr Attmann für uns doch noch einen Rotwein mitgebracht:

Der 2011’er „Von Winning Win Win Rotwein“ trocken, eine Cuvee aus Spätburgunder, tiefgründigem Dornfelder, Cabernet Cubin (Cabernet Sauvignon x Merlot) sowie dem relativ unbekannten Acolon, eine Züchtung aus den Rebsorten Lemberger (Blaufränkisch) x Dornfelder.

Bei der Maische wurden die Rebsorten getrennt in großen Holzbehältern vergoren. Anschließend wurde er auf der Feinhefe im großen Holzfass (mit bis zu 500 Litern) und zum Teil in Barrique ausgebaut und letztendlich  ohne zu pumpen und zu filtrieren abgefüllt. (Säure 4,5 g/l, Restzucker 0,2 g/l, Alkohol 13%).

Im Weinglas fanden wir einen dichten schwarzkirschroten Rotwein vor, in der Nase dunkelrote Früchte von Brombeere, Holunder, Kirsche und Cassis. Auf der Zunge wunderbare feine Röstaromen. Eine positive Entwicklung im Glas bestätigte die Empfehlung den Wein 2 Stunden vorher zu dekantieren. Wir empfanden den „Win Win“ rot als kräftigen Rotwein zum Genießen, der mit seiner intensiven Frucht und Würze, der feinen Struktur und Eleganz an die Weine von der Rhône oder dem Bordeaux erinnert.

Vielen Dank für einen geschmackvollen und kurzweiligen Abend durch Ihren leidenschaftlichen Vortrag, Herr Attmann. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Verfasserin: Ulrike Ottersbach

Probenergebnis Weingut von Winning am 14.03.2013 (pdf)

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