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Archiv für die 'Probenberichte 2015' Kategorie

Weinprobe Rote Cuvees aus Südafrika am 17.12.2015

Erstellt von Dieter am 1. März 2016

Eine Verkostung mit Rotwein-Cuvees aus Südafrika beendete unser diesjähriges Probenprogramm. Diesmal wurde es schwierig, eine nachvollziehbare Reihenfolge für die Weine zu finden, da die Südafrikaner sich bei den Cuvees recht kreativ zeigten und auch an keine Vorgaben der Zusammensetzung gebunden sind, wie z.B. bei französischen oder italienischen Appellationen. Nach einigen Überlegungen ergab sich dann eine Probenfolge die mit Bordeaux-Cuvees (aus Cabernet Sauvignon, Merlot und anderen Bordeaux-Rebsorten begann und sich dann mit den Rhone-Cuvees aus Grenache, Syrah, Mourvedre und anderen Mittelmeer-Rebsorten fortsetzte.

Den Anfang machte das 2009’er Cabernet Sauvignon-Merlot Cuvee vom Weingut Dornier aus Stellenbosch. Es war ein ordentlicher, sauberer Wein, der eine weiche, aber auch etwas breitere Frucht hatte und bereits eine leichte Reife zeigte.

Mit dem 2012  Warwick Estate, „First Lady“ folgte eine ungewöhnliche Rebsorten-Kombination aus Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Der Wein hatte eine kühlere Frucht und war aufgrund seiner Jugend noch sehr hart im Tannin. An der Luft wurde er dann weicher, aber das reichte nicht, ihm eine bessere Bewertung zu verschaffen. So wurde er das „Kellerkind“ der Probe.

Die Nummer 3, der 2009’er Klein Constantia „Marlbrock“ war dann von der Zusammensetzung mit Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot und Petit Verdot schon eher ein Bordeaux-Cuvee  Der Wein präsentierte sich recht dichte, mit festem Tannin und leichter Reife.

Auch der 2009’er Stony Brook „The Max“ war ein gewohntes Bordeaux-Cuvee aus Cabernet Sauvignon und Merlot mit kleinen Anteilen von Petit Verdot und Malbec. Insgesamt zeichnete sich dieser Wein durch eine festere, straffere Struktur aus und wurde deshalb einen halben Punkt höher bewertet.

Der 2005’er Grangehurst Cabernet Sauvignon-Merlot lag auf einem leicht höheren Niveau, der Wein war aber trotz 4 Jahren mehr Reife noch immer etwas kantig. Zusätzlich hatte er eine leichte Bretanomyces-Note (Geruch nach Pferdeschweiß oder Pferdesattel)

In fast gleicher Güte zeigte sich der 2012’er Nitida, „Caligraphy“, ein Merlot-geprägter Wein mit Anteilen an Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Aufgrund seiner Jugend war er noch kantig, aber der hohe Merlot-Anteil hatte ihn auch schon etwas weicher und umgänglicher gemacht.

Der letzte Wein der Bordeaux-Cuvees war dann der 2011’er Beau Constantia „Aidan“, ein Cuvee aus Malbec, Merlot, Petit Verdot und Cabernet Sauvignon, der sich dicht und mit fester Struktur präsentierte. Für einen 2011’er Wein war er schon recht reif und zugänglich Das bescherte ihm die beste Bewertung der Bordeaux-Cuvees.

Der 2013’er Van Loveren Cabernet-Shiraz „Blackberry“ brachte dann den Übergang zu den Rhone-Cuvees. Leider hatten wir hier einen Wein vor uns mit grünem, adstringierendem Tannin und Holznoten, die von einer Aromatisierung im Stahltank mit Holzlatten (Stave-Verfahren) stammten. Es war mehr oder weniger nur ein  einfacher „Reparatur- oder Übergangswein“

Das erste echte Rhone-Cuvee, der 2011’er Shiraz-Mourvedre-Viognier aus der Serie „Vineyard Selection“ vom Weingut Kleine Zalze wusste dann deutlich besser zu gefallen.

Es folgte der 2013’er Eikendal „Charisma“, ein recht exotisches Cuvee aus Syrah, Petit Verdot und Sangiovese. Durch seine Jugend war der Wein noch sehr herb und adstringierend und strahlte trotz seines Namens nicht viel Charisma aus.

Mit dem 2010’er Guardian Peak „SGM“ hatten wir wieder ein typisches Rhone-Cuvee vor uns. Wie der Name SGM schon andeutet, besteht das Cuvee aus Syrah, Grenache und Mourvedre. Es wirkte noch etwas kantig, besaß aber eine dichtere Struktur und war in sich sehr stimmig. Wenn nicht noch ein letzter Wein in der Probe gefolgt wäre, hätten wir den bestbewerteten Wein des Abends gehabt.

So musste dieser Wein sich knapp dem 2011’er Radford Dale „Black Rock“ geschlagen geben, der ebenfalls ein typisches Südfrankreich-Cuvee war, diesmal aus Carignan, Cinsault, Mourvedre und Syrah. Er war recht weich und rund, aber auch etwas gefällig und „weichgespült“. Im Hintergrund war eine Spur Bretanomyces zu erkennen, was für viele Weingüter in Südafrika noch immer charakteristisch ist. So wurde der Wein mit seiner weichen, süßen Art zum besten Wein des Abends gekürt. Dass die Einzelwertungen stärker voneinander abwichen als beim Vorgänger, zeigte allerdings dass er nicht für alle der beste Wein war. .

Im Verlauf dieser Probe hatten wir nur eine kleine Auswahl an Rotwein-Cuvees verkosten können, die uns nach den Weißweinen und den reinsortigen Rotweinen hoffentlich einen kleinen Einblick in die Vielfalt der südafrikanischen Weine gegeben haben.

Verfasser : Dieter

 

Angaben zu den Weingütern:
(die Angaben zur Weingutsgröße und –Produktion sind bereits etwas älter und können daher schon überholt sein)

1.         Dornier Wines aus dem Anbaugebiet Stellenbosch wurde 2002 gegründet von Christoph Dornier (als Maler ein musisch veranlagter Abkömmling aus der eher technisch geprägten Flugzeugbauer-Dynastie Dornier). Die Produktion beträgt ca. 120.000 Flaschen, 85% Rotweine, 15% Weißweine. Die Reben stehen auf stark verwittertem den roten und gelben Granit, Tukulu (gelb) und Oakleaf (rot) Böden. in einer Höhe von 100 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel.

2.         Warwick Estate, 1964 gegründet. Besitzer ist die Fam. Ratcliff. Das Gut verfügt über eine Anbaufläche von 56 Hektar und produziert ca. 145.000 Flaschen, 85% Rotweine, 15% Weißweine

3.         Klein Constantia, aus dem Anbaugebiet Constantia wurde 1823 gegründet. Eigentümer sind seit 1980 Fuggie & Lowell Jooste. Auf ca. 150 ha werden etwa  480.000  produziert. Klein Constantia liegt auf einer schmalen Halbinsel, die in den südatlantischen Ozean hineinragt, lediglich ca. 20 km von Kapstadt entfernt. Die Reben stehen auf Granitverwitterungsgestein

4.         Stony Brook aus dem Anbaugebiet Franchhoek wurde 1995 gegründet. Die Besitzer sind Nigel und Joy McNaught. Es werden ca. 66.000 Flaschen, 60% Rotweine, 40% Weißweine produziert

5.         Das Weingut Grangehurst aus dem Anbaugebiet Stellenbosch wurde 1992 gegründet. Der Eigentümer ist Jeremy Walker Es werden auf 13 ha ca. 42.000 Flaschen, zu 100% Rotweine produziert

6.         Das Weingut Nitida aus dem Anbaugebiet Durbanville wurde 1992 von der Familie Veller gegründet- Auf 15 ha werden etwas 80.0000 Flaschen,  45% Rotweine 55% Weißweine produziert.

7.         Das Weingut Beau Constantia aus dem Anbaugebiet Constantia wurde 2002 gegründet. Das Gut ist 22 ha groß, von denen 11,5 ha mit Reben bepflanzt sind. Höhe etwas 350 m über dem Meeresspiegel. Besitzer sind Pierre und Cecily Du Preez

8.         Van Loveren, Das Weingut aus dem Anbaugebiet Robertson im Breedetal wurde 1937 als Teil einer größeren Farm gegründet. 1963 wurde ein neuer Keller gebaut, bis 1980 wurde der Wein komplett lose verkauft. Auf 220 ha wird Wein angebaut. Alter der Reben: 10 Jahre , Böden: Sandstein; Karoo, Erziehungssystem: Drahtrahmen, Tröpfchenbewässerung

9.         Weingut Kleine Zalze aus dem Anbaugebiet Stellenbosch. Das Gut wurde schon 1695 gegründet, aber erst seit 1997 wird auf ca. 100 ha Wein produziert. Zusätzlich zum Weingut wird auch noch ein Ferien-Ressort mit Hotel, Ferienwohnungen und Golfplatz betrieben.

10.      Weingut Eikendal aus dem Anbaugebiet Stellenbosch  Das Gut wurde 1981 gegründet und produziert auf 65 ha ca. 420.000 Flaschen, 65% Rotweine 35% Weißweine
Die Weinberge liegen ca. 170m über dem Meeresspiegel. Die Böden bestehen aus „Koffieklip“ Boden mit einer 1 m dicken Tonschicht. Die Reben sind zwischen 10 -12 Jahre alt und werden bewässert

11.      Weingut Guardian Peak aus dem Anbaugebiet Stellenbosch. Das Gut wurde 1998 gegründet und produziert ca. 420.000 Flaschen  zu 100% Rotwein.
Guardian Peak ist eine 1998 vom Weingut Rust en Vrede geschaffene Weinlinie

12.      Winery of Good Hope mit der Produktlinie Radford Dale aus dem Anbaugebiet Swartland wurde 1998 gegründet Die Trauben stammen von alten „bushvine“-Weinbergen auf Granitformationen verstreut in Swartland. Hier wachsen die Reben ohne Stützen o.ä. über den Boden. Die Cinsault und Carignan Reben sind ca. 40 Jahre alt, die Syrah Reben durchschnittlich etwa 20 Jahre.

2015_12_Probenergebnis_Rotweincuvees aus Südafrika

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Weinprobe „Natural Wines“ mit Surk-ki Schrade am 19.11.2015

Erstellt von Dieter am 1. März 2016

In der Weinwelt tauschen stets neue Trends auf, so z.B. das Thema „Natural Wines“ (Natur Weine, Vin Nature).
Da in vielen Spitzenrestaurants einige dieser Weine auf der Karte stehen, müssen sie auch eine entsprechende Qualität haben, um dort gelistet zu werden.
Wie bei vielen neuen Trends ist die Bezeichnung „Natural Wines nicht allgemein definiert. Im eigentlichen Sinne sind es Weine die ohne Zusatz von erlaubten  Hilfsstoffen wie Schönungsmitteln, Reinzuchthefen, Schwefel-(dioxid)-Zusatz etc. hergestellt werden. Schwefel-(dioxid)-freie Weine haben natürlich für Menschen mit einer Schwefeldioxid-Unverträglichkeit den Vorteil, dass sie wieder Wein trinken können.
Für die Herstellung wird normalerweise keine hochtechnisierte Kellerausrüstung verwendet, da die Winzer der Meinung sind, dass die Weine ohne äußere Eingriffe ihren Weg finden.

Schon länger gibt es Weine, die unter deutlichen Einschränkungen hergestellt werden, wie z.B. koschere Weine, aber Bio-Weine nach den Demeter-Vorgaben. Andere damit verknüpfte Trends sind Orange-Weine, bei denen Weißweine längere Zeit beispielsweise in Amphoren auf der Maische vergoren werden und dadurch eine dunkelgelbe bis bräunliche Farbe annehmen. Eine weiterer Trend sind vegane Weine, die nur rein pflanzliche Bestandteile haben dürfen, einschließlich des vegan verklebten Etiketts. Das hat dann aber nichts mehr mit dem Wein zu tun hat sondern ist nur noch ideologisch bedingt.

Um für uns etwas Licht in das Dunkel zu bringen, haben wir uns eine Probe zum Thema „Natural Wines“ vorgenommen.
Dazu konnten wir Surk-ki Schrade als Referentin gewinnen, die sich schon länger mit diesem Thema befasst hat und in Köln auch einen kleinen Laden mit „Vins nature“, vor allem aus Frankreich, betreibt.
Und so lag unser Focus auf französischen „Natural Wines“. Die meisten dieser Weine haben ein deutlich anderes Geschmacksbild und bestehen oft nicht aus den vorgeschriebenen Rebsorten der Appellationen. Deshalb werden sie nur als „Landweine“, (Vin de France) vertrieben.

Den Anfang der Verkostung machten zwei reinsortige Weißweine.

Der 2014’er Sauvignon blanc „Chasse aux Pappilons“ vom Weingut Jerome Jouret besaß für einen Sauvignon blanc eine etwas adstringierender Herbe und recht verhaltene Frucht, war aber für diese Weinart noch relativ fruchtig. Die Einzelwertungen streuten von 10 bis zu 15 Punkten. Das Weingut liegt an der oberen Ardeche in der Höhe von Montelimar

Der 2014’er Viognier „Les Fleurs Sauvages“ vom gleichen Weingut war ebenfalls recht verhalten und wenig fruchtig, was aber für einen Viognier normal ist. Neben der leicht adstringierenden Herbe zeichneten diesen Wein ein Hauch Holz und leicht oxidierte Noten aus. Insgesamt wurde er besser als der Sauvignon blanc bewertet.

Der dritte Weißwein, der 2014’er „Vin nu blanc“ vom Weingut Les deux Terres, ebenfalls im Ardeche-Gebiet gelegen, war ein Cuvee aus Ugni blanc und Chardonnay und hatte eine stärkerer Maischegärung durchlaufen. Demtsprechend zeigte der Wein mehr Herbe und war wenig fruchtig. Die Wertung lag deutlich unter den beiden vorherigen Weinen.

Unser vierter Wein, ein 2014’er Aramon, „La Prairie“ vom Weingut La Banjouliere, kam aus dem Languedoc. Hier hatten wir einen extremeren Naturwein. Für einen Rotwein war sehr hell in der Farbe – eher wie ein heller Rose – und da er nicht filtriert worden war recht trüb. Im Geschmack war er herb adstringierend und etwas säuerlich. Lag das an der Machart oder auch an der Rebsorte Aramon, die als minderwertig verschrien ist ? Kaum einer konnte mit diesem Wein etwas anfangen und so wurde es der Wein mit der niedrigsten Bewertung des Abends. Die Einzelwertungen reichten von fehlerhaft mit 7 Punkten bis zu befriedigend mit 14 Punkten.

Dann aber ging es aber für die Verkoster wieder aufwärts, denn wir kamen zu den Rotweinen. Hier sind Tannine von einer Maischegärung normal und das Geschmacksbild entsprach eher den gewohnten Weinen

Wir setzen die Probe mit dem 2013’er „Cacous“, einem Cuvee aus 70% Grenache und 30% Syrah vom Weingut Mouressipe aus dem nördlichen Languedoc fort. „. Herbes Tannin und eine breitere Frucht zeichneten ihn aus, aber an der Luft konnte sich der Wein positiv entwickeln und wurde weicher und runder. Das schlug sich auch in einer besseren Bewertung nieder und die Einzelwertungen differierten nicht mehr so deutlich

Es folgte der 2011 Grenache, „Cuvee Briande“ der Domaine Le Mazel aus dem Ardeche-Gebiet. Für einen ewtas älteren Grenache war der Wein noch recht kantig und zeigte neben herbem Tannin auch mehr Säure. Die gewohnten pflaumigen Noten waren sehr schwach ausgeprägt. In der Wertung konnte dieser Wein seinen Vorgänger nicht ganz erreichen.
Es ging zurück in das Languedoc mit dem 2013’er „Sauve de la Citerne“ von der der Domaine Mas Coutelou, einem Cuvee aus 70% Mourvedre und 30% Syrah, Durch den hohen Anteil an Mourvedre und aufgrund seiner Jugend präsentierte sich dieser Wein noch recht herb und kantig, entsprach aber eher den Vorstellungen der Verkoster und wurde daher besser bewertet als seine Vorgänger.

Dann folgte wieder ein Sprung in das Ardeche-Gebiet mit dem 2012’er Cabernet Sauvignon, „Vent d’Ouest“ von Les Vigneaux. Durch die Mazeration Carbonique war der Wein sehr kirsch-fruchtig, aber immer noch etwas krautig und sehr kantig durch sein herb adstringierendes Tannin. Dennoch wurde er nur wenig schlechter als sein Vorgänger bewertet.

Zu einer Probe mit Weinen aus dem Languedoc gehören natürlich auch Weine aus der Carignan-Traube. In den Vorgaben für die Cuvees der Appelationen ist der Carignan als früherer Massenträger stark reduziert und durch „Qualitätsrebsorten wie Syrah, Grenache und Mourvedre ersetzt worden, aber bei Ertragsbegrenzung und vor allem wenn er von alten Reben kommt zeigt er Struktur und Charakter.

So probierten wir zuerst den 2013’er Carignan „Avanti Popolo“ vom Weingut

Le Temps de Cerises. Er war zwar recht kirschfruchtig, wusste aber doch nicht so recht zu gefallen, da ihm etwas Länge und Dichte fehlten und leicht krautige Noten störten. Der 2013’er Carignan, „La pointe“, vom Weingut La Banjouliere dagegen gefiel deutlich besser. Er hatte keine Ähnlichkeit mit dem am Anfang verkosteten Aramon von gleichen Weingut, denn er besaß eine gute, klare Frucht und deutlich mehr Struktur als der Carignan davor.

Zum Abschluss der Probe wurden die Weine deutlich konventioneller und entsprachen mehr dem gewohnten Geschmacksbild.

Der 2013’er Merlot „Silene“ vom Weingut Les deux Terres besaß eine recht dichte, klare Frucht und gute Struktur. Auch er kam aus dem Gebiet der Ardeche, war aber deutlich gefälliger als die anderen Weine. Damit wurde er zum zweitbeste Wein des Abends gekürt.

Den Abschluss unserer Probe macht der 2011’er Clos Fantin „Tradition“ vom gleichnamigen Weingut. Es war ein Cuvee aus Mourvedre, Carignan und Grenache und der einzige Wein, der die Einstufung als AOP-Wein hatte. Er zeigte noch ein festes, härteres Tannin, hatte aber eine dichte, weiche Frucht. Insgesamt präsentierte er sich deutlich konventioneller und wurde daher nicht unerwartet mit Abstand der beste Wein des Abends.

Damit endete eine Verkostung mit Weinen, die fast alle ein ganz anderes, ungewohntes Geschmacksbild hatten. Die Weine aus dem Gebiet der Ardeche waren insgesamt etwas extremer, kantiger und ruppiger als die aus dem Languedoc, was sicher dem etwas raueren, kühleren Klima geschuldet ist.
Im Laufe des Abends stiegen die Bewertungen für die Weine. Hier stellt sich die Frage, lag das daran, dass sich alle in den ungewohnten Weinstil eingetrunken hatten oder waren die letzten Weine deutlich konventioneller und daher gewohnter im Geschmack ?

Egal, was der Grund dafür ist, es war ein interessanter Abend, der unseren Horizont erweitert und uns in eine andere Weinwelt geführt hat. Es hat (fast) nicht wehgetan.

Dafür möchten wir unserer Referentin Surk-ki Schrade danken, die das Sortiment für uns zusammengestellt und die Probe sehr eloquent moderiert hat.

Verfasser: Dieter

2015_11_Probenergebnis_Natural Wines

 

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Weinprobe mit dem Weingut Robert Weil am 22.10.2015

Erstellt von Dieter am 8. November 2015

Das Weingut wurde von Dr. Robert Weil 1875 gegründet, der die ersten Weinberge im Kiedricher Berg schon 1867 erworben hatte. Eine Riesling Auslese vom Gräfenberg aus dem Jahrgang 1893 machte dann das Weingut in der Weinwelt bekannt. Und bis heute ist es dem Weingut gelungen, jedes Jahr eine edelsüße Trockenbeerenauslese zu erzeugen. 1907 wurde das Weingut eines der ersten Mitglieder im VDP.
Heute wird es von Wilhelm Weil in der vierten Generation geleitet, der das Weingut 1987 nach der Erkrankung seines Vaters übernahm. 1988 wurde eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Bier- und Whiskyriesen Suntory eingegangen, die es ermöglichte, notwendige Investitionen im Weingut zu tätigen. Von 18.5 ha Rebfläche ist das Weingut auf 90 ha gewachsen und produziert heute ca. 650.000 Flaschen, von denen ca. 50% auf die Gutsweine entfallen. Diese Basisweine werden im Edelstahl ausgebaut, die höheren Qualitäten im Holz und mit Spontan-Vergärung.
Die besten Lagen sind Kiedricher Gräfenberg (9,2 ha von 10,4 ha), Kiedricher Turmberg (3.8 ha im Alleinbesitz) und Kiedricher Klosterberg (2,5 ha von 9 ha). Die mittel- bis tiefgründigen, steinig-grusigen Böden der Südwestlage weisen Bunte Schiefer, Phyllite und Seritzgneis sowie kiesige Lösse auf.
Für ein Weißweingut recht ungewöhnlich startete unsere Probe mit einem 2011‘er Spätburgunder, einem jetzt „historischen“ Wein. 2011 war der letzte Jahrgang, in dem das Weingut einen Rotwein produziert hat. Nur 2% der Fläche war mit Spätburgunder bestockt gewesen und die Ernte der roten Trauben sowie die Maischegärung fielen immer in die Zeit, in der auch der Hauptteil der Riesling-Trauben für die Gutsweine gelesen wurde. Das störte den Betriebsablauf sehr stark und daher hat man sich auf die Kernkompetenz Riesling besonnen und die Erzeugung von Spätburgunder-Weinen eingestellt.
Dem 2011’er Jahrgang geschuldet war der Wein etwas fülliger, aber auch noch ruppiger mit einem noch immer stumpfem Tannin
Nun folgten die Gutsweine. Die Trauben dafür kommen aus eher flachen Lagen im Umkreis von 3 km um Kiedrich, ihr Ausbau erfolgt in Edelstahl.
Der 2014’er Robert Weil Riesling in der Liter-Flasche war ein leichter, aber sehr fruchtiger Wein und zeigte dem Jahrgang entsprechend eine kräftigere Säure.
Sein Pendant, der 2014‘er Robert Weil Riesling in der 0,75 l-Flasche  stammte nicht aus demselben Lesegut, sondern war eine eigene Abfüllung und so er zeigte sich auch etwas voller als der Literwein.
Gemäß der der VDP-Qualitätspyramide folgte ein Ortswein, der 2014’er Kiedricher Riesling, der deutlich mehr Finesse als die Gutswein zeigte.
Eine Stufe höher ging es dann mit den Lagenweinen. Der 2014’er Kiedricher Klosterberg, 1.Lage nach VDP, war dichter als der Ortswein und besaß eine feine, weichere Säure. Von den probierten Lagenweinen war er der z.Z. gefälligste und zugänglichste Riesling, was nicht unbedingt verwundert, da der Klosterberg die wärmste der drei Lagen ist.
Der 2014’er Kiedricher Turmberg, 1.Lage nach VDP, – die Lage schließt direkt an die Lage Gräfenberg an,- war deutlich mineralischer, gradliniger, präziser und dichter, fast wie ein Riesling aus dem Gräfenberg.
Als Krönung der trockenen Weine folgte der 2013’er Kiedricher Gräfenberg, Großes Gewächs nach VDP. Er zeigte noch mehr Fülle, Struktur und eine weichere,  sehr gut integrierte Säure. Trotzdem wirkte er aufgrund seiner Jugend noch recht verschlossen.
Der 2012’er Kiedricher Gräfenberg, Großes Gewächs nach VDP konnte von einem Jahr mehr Reife profitieren. Er war inzwischen weniger fruchtbetont, aber schon viel harmonischer und vielschichtiger.
Danach wechselten wir zu den fruchtsüßen Weinen.
Zum Eingewöhnen begannen wir mit dem 2014’er Gutriesling Kabinett, der einen „Leichtwein“ darstellt. Vom Alkohol ist das auch so, von der Frucht aber ist er kein Leichtgewicht mit einem feinen Säure-Süße-Spiel und zarter Citrus-Noten.
So vorbereitet konnten wir uns an die süßen Spezialitäten aus dem Gräfenberg wagen.
Für die Spätlesen wird versucht, reife und gesunde Trauben ohne Botrytis zu ernten. Das Ergebnis schmeckte man dann auch bei der 2012’er Gräfenberg Riesling Spätlese, die sich als elegante, frische, typische Spätlese präsentierte.
Die 2006’er Gräfenberg Riesling Spätlese zeigte dagegen ein etwas anderes Bild. Diese Spätlese stammte aus dem Problemjahr 2006 und hatte trotz aller Bemühungen schmeckbare Botrytis-Noten und viel Süße. Dazu hatte sie altersgemäß auch schon mehr Reife und  wirkte eher wie eine Auslese. Für das Jahr 2006 war sie aber dennoch sehr gut gelungen und hatte eine angenehme Reife.
Eine echte Auslese folgte mit der 2006’er Gräfenberg Riesling Auslese. Noch mehr Botrytis und Süße, aber trotzdem Eleganz und eine feine Fruchtsäure.
Die nächste Steigerung war die 2005’er Gräfenberg Riesling Auslese. Sie war noch etwas voller und dichter als die 2006‘ Auslese und hatte vielleicht etwas weniger Botrytis. (Allerdings hatte eine der beiden Flaschen einen recht weichen Korken, durch den sie wahrscheinlich mehr Luft bekommen hatte, denn ihre Säure war weniger präsent und ihre Frucht schon leichter. Aber das ist leider das Problem bei 10 Jahre alten Flaschen, dass die Reife von Flasche zu Flasche deutlich unterschiedlich sein kann.)
Als krönenden Abschluss gingen wir noch ein Jahr zurück und verkosteten die 2004’er Gräfenberg Riesling Auslese. Hier stimmte alles, sie war perfekt gereift: vielschichtig, vollreif, aber auch elegant und sie zeichnete ein feines Süße-Säure-Spiel aus. Das war eine edelsüße Auslese wie sie sein soll!
Damit war leider diese tolle Probe am Ende, Sie hatte uns einen Überblick über die Weine des Weinguts gegeben und gezeigt, warum das Weingut international  so hoch eingestuft ist. Von den blitzblanken, klaren Basisweinen über die Großen Gewächse bis zu den höchsten edelsüßen Spitzen sind alle Weine von untadeliger Qualität.
Obwohl der Jahrgang 2006 damals nach der Ernte sehr skeptisch gesehen wurde, muss man anerkennen, dass sich die Weine hervorragend entwickelt haben.
Dafür, dass wir nicht nur die Spitzenweine sondern auch ältere Wein aus der Schatzkammer verkosten durften, möchten wir uns ganz herzlich bei Wilhelm und  Matina Weil  bedanken. Wann hat man schon diese Gelegenheit ?
Unserem Weinbruder Uwe Lommertin, der das Weingut schon seit den 80’er Jahren kennt, möchten wir für die gelungene und kenntnisreiche Präsentation danken.

Verfasser: Dieter

2015_09_Probenergebnis_Weingut Robert Weil

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Weinprobe mit dem Weingut Prinz von Hessen am 17.09.2015

Erstellt von Dieter am 8. November 2015

Das Weingut gehört dem Hessischen Adelsgeschlecht der Prinzen und Landgrafen von Hessen. 1957 wurde das Weingut von Phillip Landgraf von Hessen für die Familienholding „Hessische Hausstiftung“ erworben. Am Rande von Johannisberg gelegen, hatte dieses Weingut anfangs nur 7 ha Weinbergsfläche, wurde dann aber nach und nach bis auf 45 ha erweitert. Im Rahmen von Umstrukturierungen wurde die Fläche dann aber wieder auf ca. 34 ha verkleinert und einfachere oder ungünstig gelegene Flächen abgegeben. Auch das Rebsortiment wurde auf Riesling und etwas Weissburgunder und Spätburgunder konzentiert. Die früher allgegenwärtige Scheurebe ist als Verschnittpartner nicht mehr vorhanden, was den Riesling-Weinen sehr gut bekommen ist.
Der Ausbau der Riesling-Weine erfolgt in Edelstahl, für die gehobenen Qualitäten werden auch große Holzfässer wie 1200 l Stückfässer verwendet, um die Weine abzurunden und zu reifen. Basisweine und Lagenweine werden seit 2011 alle mit Schraubverschluss, die Premiumweine und die edelsüßen Weine weiterhin mit Kork verschlossen.
Die Produktion beträgt etwa 200.000 bis 250.000 Flaschen, von denen ca. 20 % in die USA exportiert werden. Seit 2005 ist Dr. Clemens Kiefer für das Weingut verantwortlich und er ließ es sich auch nicht nehmen, uns die Weine persönlich zu präsentieren.
In gewohnter Manier starteten wir mit einem trockenen Gutswein, dem 2014’er Riesling Prinz von Hessen. Ein sauberer, klarer und fruchtiger Riesling mit zarter Herbe, der –  Jahrgang geschuldet – mehr Säure zeigte.
Ein halbtrockener Wein, der 2014’er Riesling Classic folgte. Für den Chronisten hatte der Wein eine etwas spitze Säure, die durch eine etwas dienliche Süße überdeckt wurde – aber den meisten der Verkoster gefiel dieser Riesling etwas besser als der trockene Riesling. Erstaunlich war die Tatsache, dass sich im Sortiment immer noch ein Classic-Wein befindet, denn bei den meisten VDP-Weingütern ist sind Classic- und Selektions-Weine als Qualitätseinstufung verschwunden.
Im nächsten Flight  bekamen wir zwei Ortsweine:
Der 2013’er Johannisberger Riesling besitzt eine sehr exotische Frucht, feine Säure, aber auch eine zarte, dezente Herbe im Hintergrund. Die Bewertung war deutlich höher als bei den Gutsweinen.
Wie bei dem Pärchen davor folgte ein feinherber Wein, der 2013’er Winkler Riesling. Die Restsüße lag über der offiziellen Einstufung für einen halbtrockenen Riesling, daher seine Einstufung als feinherb. Er wirkte etwas fülliger und zeigte erwartungsgemäß deutlich mehr Süße, aber auch viel frische Säure. Es verwundert nicht, dass dieser Typ sehr stark nach Japan verkauft wird, denn er passt recht gut zu asiatischem Essen. Da wir ihn aber solo getrunken hatten, wurde er von uns etwas schwächer als der trockene Ortswein eingestuft.
Mit dem 2013’er Riesling Dachsfilet konnten wir dann eine kleines „Großes Gewächs“ verkosten. Der Wein stammt von alten Reben aus dem ca.3 ha großen Filetstück der Lage Dachsberg und da die Lage nicht als Großes Gewächs eingestuft ist, wird er unter diesem Phantasienamen verkauft. Der Ausbau erfolgte mit Spontanvergärung und Maischestandzeit. Sein Etikett sorgte vor der Erstvermarktung für größere Diskussionen im Hause Hessen, da ein Dachs das fürstliche Wappen im Maul trägt. Ein Sakrileg ! Der Erfolg des Weines hat dann aber weitere Diskussionen beendet.
Die Verkostung wurde dann mit dem 2013’er Johannisberger Klaus als echtem „Großen Gewächs“ fortgesetzt. Trotz seines jungen Alters war der Wein schon recht weich, rund und harmonisch. Insgesamt ein würdiger Vertreter für ein „Großes Gewächs“.
Das i-Tüpfelchen für die trockenen bis feinherben Weine war dann der 2002’er Winkler Hasensprung „Erstes Gewächs“ Er zeigte uns, wie gut diese Weine reifen können. Zarte Herbe mit feiner Säure und sehr dezenter Reife – aber noch ohne Firne. Es war erstaunlich, wie frisch dieser Wein trotz 12 Jahren Reife war.
Für die Liebhaber junger, frischer, fruchtiger Weine, konnte dieser Riesling allerdings das Große Gewächs nicht übertrumpfen.
Dann wurde die Probe mit fruchtsüßen Weinen fortgesetzt. Der 2013’er Riesling „Steckenpferd“ machte den Anfang. Ein eleganter, recht filigraner Riesling mit dezenter, nicht aufdringlicher Süße.
Eine Steigerung stellte der 2011’er Winkler Hasensprung dar, der eine zur Spätlese abgewertete Auslese war. Er hatte deutlich mehr Süße, die aber durch eine zarte Herbe und frische Säure gut eingebunden war und somit nicht aufdringlich wirkte.
Mit dem 2004’er Johannisberger Klaus bekamen wir dann eine echte Auslese. Sie zeigte uns, wie gut derartige restsüße Weine reifen können: Er hatte immer noch eine elegante Frucht mit feiner Säure und daneben einen Hauch Karamellton.
Dennoch gab es eine weitere Steigerung mit dem etwas jüngeren 2009’er  Johannisberg Klaus. Diese elegante Auslese, mit feiner Süße, Säure und zarter Botrytis wäre vor 60 Jahren noch als „feine Auslese“ bezeichnet worden.
Und als allerletzte Steigerung konnten wir die 2011’er Riesling Beerenauslese „Goldstück“ verkosten, die ihrem Namen alle Ehre machte. Diese Beerenauslese verkörperte einen ganz anderen Stil: Sie war weniger die bekannte fruchtbetonte Riesling-Beerenauslese dafür mehr der volle, aber filigrane Sauternes. Der Wein war – welch Sakrileg –2 Jahre im neuen Barrique ausgebaut worden und hat wie ein Sauternes etwas mehr Alkohol. Aber es passte alles zusammen und er schmeckte so gut, dass er unangefochten die höchste Bewertung des Abends bekam.
Damit endete eine vielschichtige Probe, die neben jungen Weinen auch gereifte Wein präsentierte und uns so zeigte, welches Potential in diesen Weinen stecken kann.
Dr.Clemens Kiefer möchten wir für die hervorragende Auswahl der Weine und seine kompetente Präsentation danken.

Verfasser: Dieter

2015_09_Probenergebnis_Weingut Prinz von Hessen

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Weinprobe mit dem Weingut Schloss Johannisberg am 20.08.2015

Erstellt von Dieter am 8. November 2015

Schloss Johannisberg gehört zu den ältesten Weingütern Deutschlands und ist zugleich auch die älteste Riesling-Domäne. So war es für uns eine besondere Freude, Herrn Doktor als Repräsentanten der Weingüter Schloss Johannisberg und G.H. von Mumm begrüßen zu dürfen.
Das traditionsreiche Weingut wurde unter Napoleon enteignet und nach der Niederlage Napoleons an Österreich und die Habsburger vergeben. Diese übertrugen es dann auf den Fürsten Metternich, dessen Familie das Weingut bis 1980 besaß.
Seit 1865 gab es eine Verbindung zur Sektkellerei Söhnlein in Wiesbaden, die später zur Oetker-Gruppe kam. Um die Versorgung mit Sekt-Grundweinen zu sichern, wurde 1974 ein Anteil am Weingut von der Oetker-Gruppe erworben und 1980 schließlich das gesamte Weingut übernommen. Die Verwaltung und der Ausbau der Weine des Weinguts vom G.H. von Mumm, das sich bereits im Besitz der Oetker-Gruppe befand, wird seitdem auch auf Schloss Johannisberg durchgeführt. Die Sektkellerei „von Mumm“ wurde 1958 vom Weingut abgetrennt und gehört heute nicht mehr zur Oetker- sondern zur Rotkäppchen-Gruppe.
Schloss Johannisberg hat 35 ha Rebfläche als Monopol-Lage, das Weingut G.H. von Mumm 65 ha mit 24 Einzellagen von Assmannshausen bis Kiedrich.
Schloss Johannisberg verkauft zu je einem Drittel an Direktabnehmer, an andere Inlandskunden wie Fachhandel und Gastronomie und zu einem Drittel an ausländische Kunden.
Der Absatz von G.H. von Mumm geht je zu einem Drittel an den LEH, an den Fachhandel und an Direktabnehmer.
Seit Fürst von Metternich hat Schloss Johannisberg sein eigenes System, die Qualitätsstufen durch die Farbe der Kapseln zu kennzeichnen.
Nun zur Probe, die uns einen Querschnitt über die beiden Weingüter brachte.
Unser erster Wein, der 2014’er Gutswein „Berglagen“ kam vom Weingut G.H. von Mumm. Die Trauben stammen von weniger bekannten Lagen um das Schloss Johannisberg herum, der Ausbau erfolgte nur im Edelstahl. Es war ein sauberer, klarer, leichter Riesling.
Das Gegenstück war der 2014’er Schloss Johannisberg Riesling „Gelblack“, der mehr Dichte und Struktur als die Berglagen hatte. Der Ausbau erfolgte hier zu 85% im Stahl, zu 15% in großen Holzfässern.
Mit der Qualitätsstufe der Ortsweine ging es weiter (obwohl Schloss Johannisberg keiner Ortslage zugeordnet ist, da Schloss Johannisberg eine eigene, ortsfreie Lage ist.)
Der 2014’er Rüdesheimer Riesling vom Weingut G.H. von Mumm stammt aus verschiedenen Lagen um Rüdesheim. Daher zeigte er, diesen Rüdesheimer Lagen entsprechend, mehr Dichte, Fülle und Struktur, hatte gleichzeitig aber auch eine kräftige, gut integrierte Säure. Die Vergärung erfolgte nach 12-stündiger Maischstandzeit im Edelstahl.
Der 2014’er Schloss Johannisberg“ Rotlack kam weicher, harmonischer und eleganter als der Rüdesheimer aus dem Glas – er wird noch immer als Kabinett deklariert , um die filigranere Art herauszustellen. Der Alkohol liegt bei  geringen 11,5%, ohne dass der Wein dünn oder blass wirkt. Der Ausbau  erfolgte zu 40% im großen Holz.
Die nächste Qualitätsstufe stellten die Lagenweine dar.
Der 2014’er Johannisberger Schwarzenstein, „1.Lage nach VDP“  von G.H. von Mumm besaß deutlich mehr Finessen. Elegant und dichte Struktur, eine zarte Mineralik und eine gute Säurestruktur. Er war für einen Weine  der Qualitätsstufe „1.Lage“ würdiger Vertreter.  Ganz anderes als die Weine, als die wir davor probieren konnten.  Die Verkosten waren sich bei der Bewertung recht einig, denn sie wichen nur um maximal einen Punkt vom Mittelwert von 15.53 Punkten ab.
Die Lage Schwarzenstein schließt sich direkt an den Hang von Schloss Johannisberg an und besitzt eine vergleichbare Bodenformation aus Taunusquarzit, ist aber nicht mehr so steil. Versuchsweise werden die 3,5 ha im Minimalschnitt bewirtschaftet. Der Ausbau erfolgte nicht wie bei den anderen Weinen im Edelstahl, sondern im großen Holzfass.
Das Gegenstück war der 2013’er Schloss Johannisberg „Silberlack“, Großes Gewächs nach VDP. Das war ein dichter, komplexer Riesling mit einer sehr weichen Säure, der ein Jahr älter, aber immer noch recht verschlossen war. Trotzdem konnte man erahnen, welches Zukunftspotenzial in ihm steckt. Er erhielt mit 16,42 Punkten die beste Bewertung des Abends für einen trockenen Wein und auch hier waren sich die Teilnehmer wieder sehr einig. Die Trauben stammen von einer Parzelle mit reiner Südwest-Lage. Nach einer 24-stündigen Maischstandzeit ohne Kühlung wurde der Most abgepresst und ohne Klärung spontan vergoren. Anschließend erfolgte eine 4 monatige Reife im Holzfass. Diese Weine haben den Ruf der trockenen Rieslinge  von Schloss Johannisberger begründet.
Ein reiferes „Schmankerl“ folgte mit dem 2011’er Rüdesheimer Berg Rottland, „Erstes Gewächs“ vom Weingut G.H. von Mumm. Die Lage besteht je zur Hälfte aus Taunusquarzit und Schiefer mit einer dünnen Lehmauflage.
Wie es für die Rüdesheimer Lagen charakteristisch ist, war der Wein etwas fülliger, zeigte viel gelbe Früchte. Altersbedingt hatte er schon mehr Reife und einen Hauch Petrolton. Insgesamt war es ein sehr interessanter Wein, auch wenn er nicht ganz an das Große Gewächs herankam.
Mit zwei feinherben Weinen wurde die Probe fortgesetzt.
Zuerst der 2014’er Schloss Johannisberg  „Rotlack“ Kabinett. Die Trauben stammen aus dem oberen Drittel der Lage, wo die Reben auf Taunusquarzit mit einer dünnen Lehmauflage  stehen. Der Ausbau erfolgt zu 40% im Holz. Viel Frucht mit guter Säure und zarter Mineralik, die dafür sorgt, dass die Säure gut abgepuffert wird. Im Gegensatz zu vielen süßlastigen feinherben Rieslingen hatten wir hier einen sehr harmonischen Wein mit dezenter, kaum schmeckbarer Süße im Glas.
Der zweite feinherbe Riesling stammte wieder vom Weingut H.G. Von Mumm, der 2014’er Riesling „Eilfer“. Das Besondere an diesem Wein ist das erste Teil der Trauben normal abgepresst wird und der zweite Teil abgebeert und dem Most bei der Vergärung zugesetzt wird. Auch hier hatten wir einen klaren, fruchtigen und dichten Wein, der aber im Gegensatz zum Vorgänger mehr und gefälligere Süße hat. Dadurch wurde er etwas schwächer bewertet.
Zu einer Rheingauer Rieslingprobe gehören natürlich auch restsüße Weine. Der 2013’er Johannisberger Mittelhölle Kabinett vom Weingut G.H. vom Mumm, war ein klarer, gradliniger, typischer Rheingau-Kabinett mit feinem Süße-Säurespiel und zeigte im Hintergrund ein Hauch Walderdbeeren.
Mit der 2013’er Schloss Johannisberger Riesling  Spätlese „Grünlack“ bekamen wir das Gegenstück. Ein eleganter, filigraner Riesling mit feinem Süße-Säurespiel und einem Hauch Botrytis. Dieser elegante Weinstil hat den deutschen Riesling in aller Welt bekannt gemacht. In unserer Verkostung wurde er dann auch noch etwas höher bewertet als das Große Gewächs.
Zum krönenden Abschluss kam dann eine 2011’er Schloss Johannisberger Auslese „Rosalack“.
Trotz des sonst etwas fülligen, reifen Jahrgangs war diese Auslese erstaunlich elegant, filigran und vielschichtig. Im Hintergrund zeigte sich zarte Botrytis. Das war mit 17.08 Punkten der höchstbewertete Wein des Abends.
Insgesamt konnten wir eine hochwertige Probe genießen, die allen sehr gut gefallen hat. Das lag sicher nicht nur an den tollen Weinen sondern auch an der packenden Art, die Weine zu präsentieren. Dafür und für diese großartige Kollektion möchten wir Herrn Doktor recht herzlich danken.

Verfasser: Dieter

2015_08_Probenergebnis_Weingut Schloss Johannisberg

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Weinprobe mit dem Weingut Spreitzer am 30.07.2015

Erstellt von Dieter am 8. November 2015

Das Weingut Spreitzer gehört zu den ältesten Weingütern in Oestrich und kann auf eine Weintradition zurückblicken, die 1641begann. Seit 1997 wird das Weingut von den Brüdern Andreas und Bernd Spreitzer geführt. Die Rebfläche von ca.20 Hektar ist mit den beiden klassischen Rheingauer Rebsorten Riesling (97%) und Spätburgunder (3%) bestockt. Die Jahresproduktion beträgt etwa 150.000 Flaschen. Die besten Lagen des Weinguts sind  Oestricher Lenchen und Doosberg, Winkeler Jesuitengarten und Hattenheimer Wisselbrunnen.
Die Weinbergsböden bestehen aus  tiefgründigem Lehm und Löss, teilweise mit Quarzit-Einlagerungen. Schon 2005 stieg das Weingut mit der vierten Gault Millau Traube in Deutschlands Weinmacher-Elite auf.
Den Anfang unserer Probe machte ein 2014’er Blanc de Noir, genau richtig zum Beginn. Ein sauberer, gradliniger und fruchtiger Rosé mit feiner Säure.
Der erste Weißwein war der 2014’er Riesling „Josef Spreitzer“, der die Linie der Gutsweine nach VDP vertrat. Fruchtig, leicht cremig mit zarten Citrus-Noten und feiner, gut integrierter Säure.
Mit einem Lagenwein wurde die Probe fortgesetzt. Der 2013’er Oestricher Doosberg zeigte sich als gradliniger Riesling mit etwas mehr Säure, die aber weicher als beim später verkosteten Oestricher Lenchen war. Daher wurde der Wein auch deutlich höher bewertet als seine beiden Vorgänger.
Es folgte der 2013’er Oestricher Doosberg, „Alte Reben“, der eine deutliche  Steigerung brachte und mit Mineralität und Finesse punkten konnte.
Die zweite Oestricher Lage war das 2014’er Oestricher Lenchen, die im Vergleich zum Doosberg etwas komplexer wirkte und daher dann deutlich höher bewertet wurde.
Der Vorläufer vom Großen Gewächs im Rheingau war der Charta-Wein. Ähnlich den VDP Großen Gewächs Regularien darf auch der CHARTA Riesling erst im folgen Jahr ab dem 1. September zum Verkauf freigegeben werden. Die Voraussetzungen für eine Zulassung sind: vollreifes Lesegut aus besten Weinbergen, eine Ertragsreduzierung, ein rassiger, würziger, geschmacklich trockener, fruchtbetonter Stil und mit maximal 12 Gramm pro Liter Zucker, als klassischer Rheingauer Riesling wiedererkennbar und ein guter Speisenbegleiter. Dazu dürfen die Trauben aus verschiedenen Lagen stammen und daher kommt der Wein ohne Lagenbezeichnung.
Der 2014’er Riesling „Charta“ war recht dicht, und weicher, runder als seine Vorgänger und mit einem Hauch Muskat im Hintergrund.  Er hatte mehr Fülle, allerdings fehlte den meisten der Verkoster die Finesse eines Oestricher Lenchens und so wurde der Wein auch nur wie der Doosberg Alte Reben bewertet.
Die Krönung der trockenen Weine war der 2013‘ Hattenheimer Wisselbrunn, Großes Gewächs nach VDP, der deutlich dichter und voller als die anderen trockenen Rieslinge war, aber trotzdem eine feine Mineralik zeigte. Leider war die zweite Flasche nicht so brillant. Trotzdem wurde er der bestbewertete Wein des Abends.
Zwei halbtrockene Weine folgten. Der 2014’er Winkeler Jesuitengarten präsentierte sich als klarer, fruchtiger und harmonischer Riesling mit sehr dezenter Süße.
Der zweite Wein, das 2014’er Oestricher Lenchen, „Alte Reben“ stach durch eine schlanke, filigrane Frucht und zarte Mineralik hervor. Auch hier war die Süße sehr dezent und nicht aufdringlich.
Der erste fruchtsüße Wein kam mit dem 2014’er Riesling „101“ , der sich sehr klar, sauber und etwas fülliger präsentierte. Die zarte Süße war gut eingebunden. Dieser Riesling kam allerdings nicht an die beiden halbtrockenen Weine heran. Das gelang dann dem 2014 Oestricher Lenchen, das sich als typischer fruchtsüßer Rheingauer Riesling  mit eine feinen, nicht aufdringlichen Süße zeigte.
Den Abschluss der Probe machte das 2014’er Oestricher Lenchen „303“ Es besaß auf der einen Seite Dichte, auf der anderen aber auch eine feine Eleganz und Mineralik bei einem feinen Süße-Säure-Spiel.
So konnten wir einen interessanten Querschnitt über das Sortiment des Weinguts probieren. Herrn Bernd Spreitzer sei noch herzlich für die gekonnte Präsentation gedankt.

Verfasser: Dieter

2015_07_Probenergebnis_Weingut Spreitzer

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Weinprobe mit dem Weingut Heinrich Vollmer am 25.06.2015

Erstellt von Dieter am 8. November 2015

Das Thema unserer Probe war diesmal ein Deutscher Winzer der sowohl ein Weingut in Deutschland und wie auch ein weiteres im Ausland besitzt. Für uns war das Heinrich Vollmer, der sowohl in der Pfalz in Ellerstadt wie in Argentinien im Valle de Uco ein Weingut betreibt.

Die Lebensgeschichte von Heinrich Vollmer hätte allerdings für mehrere Proben gereicht. In Durbach geboren, sollte er nach der Schule das elterliche Weingut übernehmen. Deshalb absolvierte er ein Volontariat bei Bouchard in Beaune und studierte auch in Frankreich. Dann aber gab es Streit mit seinem Elternhaus und er beschloss ein eigenes Weingut zu erwerben, das er dann in der Pfalz in Ellerstadt fand. Als unbekannter, kleiner Winzer ohne finanziellen Rückhalt war das schon mutig. Damals war die Bankenkrise aber noch weit weg und so erhielt er ein Darlehn der Sparkasse – heute fast undenkbar. Das Weingut, das er übernommen hatte, produzierte damals nur Fassweine und hatte daher keine Vertriebsschiene für Flaschenweine. So war es eine glückliche Fügung, dass damals die Lufthansa einen neuen Lieferanten für Weine suchte. Und tatsächlich konnte er den Vertrag die Lufthansa zu beliefern, erhalten. Aus dem kleinen Weingut wurde schnell ein großer Betrieb mit heute etwa 105 ha Weinbergsfläche.1983 war das Weingut dann aber fast wieder am Ende. Bei seiner zweiten Leidenschaft, dem Bergsteigen, wurde er in Südamerika am Annaconagua von einer Eislawine verschüttet. Er wurde von Indios gefunden und gesundgepflegt und überlebte als einziger der Bergsteigergruppe. Ohne Pass und Geld schaffte er es wieder nach Deutschland zu kommen, wo er in der Zwischenzeit für tot erklärt worden war.

Als Dank für seine indigenen Retter kaufte er in Argentinien im Valle de Uco (Mendoza) ein Weingut.

In Deutschland ging es mit dem Weingut weiter bergauf. Heinrich Vollmer war überzeugt, dass auf den Böden am Fuße des Mittelhaardt-Gebirges nicht nur Spätburgunder oder Neuzüchtungen wie Dornfelder, sondern auch andere rote Rebsorten wie Merlot und vor allem Cabernet Sauvignon gedeihen würden, obwohl sie damals vom deutschen Gesetzgeber verboten waren.

So plante er – ganz in der Tradition seiner französischen Lehrjahre – den international geschätzten, in Deutschland aber damals verbotenen Cabernet Sauvignon anzupflanzen Er stellte einen Antrag für den Versuchsanbau und besorgte sich im Bordeaux tausend Rebstöcke aus der Appellation St.Emilion. Wegen des 1985 hochbrodelnden Glykol-Skandals blieben die zuständigen Genehmigungsbehörden jedoch untätig. So hatte er zwar seine Lieferung Cabernet-Reben, aber keine Zulassung für den Anbau. Deshalb pflanzte er sie ohne Genehmigung aus, aber nicht auf einer bestimmten Parzelle, sondern verteilt über seinen gesamten Besitz und nach einem geheimen Plan. Zwei Jahre später wurde dann der ersten Jungfernwein – etwa 40 l –gekeltert. Leider denunzierte ihn ein örtlicher Winzer und so standen daraufhin morgens um sechs Uhr die Polizei und Vertreter der Weinkontrolle auf seinem Hof. Die gerade abgefüllten Flaschen Cabernet mussten vor den Augen des Gesetzes vernichtet werden, und der Winzer wurde angeklagt. Bei der Verhandlung im Frühjahr 1987 wurde er zu 72 Tagen Haft oder 72 Tagessätzen zu je 100 Mark und der sofortigen Rodung der Cabernet-Reben verurteilt. Er ging in Berufung, grub die Reben unter Polizeiaufsicht aus – und nutzte die Zeit bis zur nächsten Verhandlung, um die kostbaren Stöcke nach Argentinien auszufliegen. Wie er sie dort am Zoll vorbei zu seinem gerade erworbenen Weingut im Valle de Uco in der Region Mendoza schaffen konnte, ist eine weitere, heute kaum wiederholbare-Geschichte. In zweiter Instanz wurde er nur noch zu einer symbolischen Geldstrafe verurteilt und damit praktisch freigesprochen. Und weil er nur drei Tage nach dem Freispruch vom 11.Mai 1987 dann plötzlich doch noch die Genehmigung für den Versuchsanbau von Cabernet Sauvignon bekam, konnte er neue Rebstöcke pflanzen und wurde so der erste Winzer, der in Deutschland Wein aus Cabernet Sauvignon erzeugt hat.

Nach diesen Geschichten eines  abenteuerlichen Lebens, nun die Ergebnisse unserer Weinprobe:

Den Start der Verkostung machte der 2013’er Auxerrois, ein Wein aus einer weniger bekannten Rebsorte. Das war ein sauberer, ordentlicher, etwas breiterer Wein, der allerdings für diese Rebsorten eine etwas hintergründige, spitze Säure hatte. Mit 14,16 Punkten erhielt der Wein eine recht ordentliche Bewertung.
Aus dem argentinischen Weingut folgte der 2012’er Cabernet Sauvignon Rosado, ein einfacher, recht leichter, etwas breiter Rosé, mit mehr Süße. Mit seiner einfacheren Struktur fiel dieser Rosé mit 13,66 Punkten  gegenüber seinem Vorgänger auch ab.Weiter ging es mit einem deutschen Weißwein, dem 2013’ER Grauburgunder „Altum“ einem ordentlichem sauberem Wein, mit leichter Herbe, aber auch etwas spitzer Säure. Dennoch konnte er sich mit 14,66 Punkten deutlich vor den Auxerrois setzen.
Aus der Burgunderfamile kam auch der nächst Wein; der 2012’er Weissburgunder „50 hl“. Die Ertragbegrenzung auf 50 hl – daher der Name für diese Serie, – führte zu einer höheren Qualität. So zeigte sich der Wein als ein recht klarer, dichter und auch eine Spur cremiger Weissburgunder mit kräftiger Säure und dichterer Struktur.
Der nachfolgende Riesling aus der gleichen 50 hl-Serie zeigte sich sehr fruchtig mit guter Säure und ebenfalls dichter Struktur, allerdings hatte er auch eine etwas breitere und fülligere Frucht. Auch hier zeigte sich der Erfolg der Ertragsbegrenzung in der Bewertung.
Als letzten Weißwein konnten wir einen 2014’er Gewürztraminer „50 hl“ verkosten. Für einen Wein dieser Rebsorte, zeigte er sich recht zurückhaltend und nicht aufdringlich. Seine frische Säure hielt ihn schlank. Damit wurde er der bestbewertete Weißwein des Abends.
Die Hälfte der Wein war geschafft, nun folgten noch die Rotweine.
Den Anfang machte ein 2012’er Blauer Portugieser „50 hl“. Obwohl der Portugieser, als einfacher Massenträger verschrien ist, wusste dieser Wein mit einer sauberen, klaren Frucht und einem festem, reifem Tannin zu gefallen. Im Hintergrund klang ein leichter Ton nach Bretanomyces (Pferdedecke) an. Damit zeigte dieser Wein, dass die verkannte Rebsorte Portugieser deutlich mehr leisten kann als man ihm normalerweise zubilligt.
Ein Spätburgunder als deutscher „Edelwein“ gehörte ebenfalls in die Probe. Der 2008’er Ellerstadter Kirchspiel „Altum“ In der Frucht zeigte er sich etwas verhalten und mit leichterer Struktur, wusste aber durch seine Klarheit und zarte Fruchtsüße zu gefallen.
Nach den Abenteuern des Weingutes mit der Rebsorte Cabernet Sauvignon durfte natürlich ein entsprechender Wein nicht fehlen.  Der 2010’er Cabernet Sauvignon „Altum“ besaß eine feine, gut strukturierte Frucht bei angenehmer Säure. Dem kühleren Jahrgang entsprechend war der Wein noch etwas kantig, ließ aber das Alterungspotential erahnen. Und das verhalf ihm zur besten Bewertung des Abends.
Mit seinem argentinischen Pendant, dem 2013‘er Cabernet Sauvignon der Bodegas Enrice Vollmer aus dem Valle de Uco ging es weiter. Hier zeigte sich, dass der Wein noch drei Jahre jünger war. Er besaß eine dichte, kräftige Struktur aber auch ein noch festes, hartes Tannin und konnte daher sein deutsches Gegenstück in der Bewertung nicht erreichen.
Ein Malbec als Argentiniens nationale Parade-Rebsorte wurde als nächster Wein vorgestellt. Dieser 2013’er Malbec war im Gegensatz zum Cabernet Sauvignon schon deutlich weicher und runder, was auch mit einer höheren Punktzahl honoriert wurde.
Ein Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, das 2013’er Cuvee „Les Cazadorens“, brachte dann den Abschluss. Gute Frucht mit zarter Süße, eine dichte Struktur und ein festes Tannin zeichneten diesen Wein aus. Damit konnte dieser Wein fast den Cabernet Sauvignon „Altum“ in der Bewertung erreichen.
Damit ging unsere Probe zu Ende.
Was war nun interessanter gewesen, die Lebensgeschichte von Heinrich Vollmer oder seine Weine? Egal, es war ein sehr interessanter Abend, der sich in dieser Form sicher nicht so schnell wiederholen lässt. Und dafür möchten wir Heinrich Vollmer herzlich danken.

Verfasser: Dieter

2015_06_Probenergebnis_Weingut Vollmer

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04. bis 07.06 2015 Weinreise in den Rheingau

Erstellt von Dieter am 22. Juni 2015

Nach dem Einchecken der Teilnehmer in unserem Hotel war der erste Treffpunkt am Abend der Gutsausschank des Weingut Koegler, der in einem wunderschönen Garten in der Altstadt von Eltville liegt.
Das Weingut hat 36 ha in Eltville, Walluf und Kiederich, davon sind 70% der Lagen mit Riesling, 20 % mit Spätburgunder und je 5% mit Grüner Veltliner und bestockt. Im Gault Millau Weinführer hat sich das Weingut schon seit längerer Zeit 2 Trauben erkämpft.
Hier konnten alle etwas essen – das Speiseangebot war sehr gut –  und dazu die Weine des Hauses probieren. Allerdings war bei den trockenen Weinen schnell das Angebot auf der Weinkarte des Gutaus­ausschankes erschöpft. Durch etwas intensiveres Nachhaken, gab es dann aber doch noch zwei weitere Weine für uns.

Die nachfolgend aufgeführten Weine haben wir im Laufe des Abends verkostet:
2014  J.Koegler, Rheingau Riesling, QW, trocken
2013  J.Koegler, Riesling „1467“, QW ,feinherb
2013  J.Koegler, Riesling, „Alta Villa“, QW, trocken
2011  Eltviller Sonnenberg, „Erstes Gewächs“, QW, trocken
2010  Eltviller Sonnenberg, „Erstes Gewächs“, QW, trocken
2007  J.Koegler, Riesling, „Johannes G. Koegler“, QW, trocken
2014  J.Koegler, Grüner Veltliner, QW, trocken
2014  J.Koegler, Blanc de Noir, QW, Spätburgunder, trocken

Nachdem diese Weine verkostet waren, wollte ein Teil der Teilnehmer noch weiter zusammen sitzen und ein andere Weine verkosten. Mit dem Anleger 511 direkt am Rheinufer fand sich dann eine Location, die auch eine interessante Weinauswahl hatte. Leider war um 22:30 Uhr schon die letzte Bestellung und danach gab es nichts mehr. Da augenscheinlich nach 23:00 Uhr in Eltville „die Bürgersteige hochgeklappt wurden“, blieb uns nur noch der Rückweg zum Hotel.
Nach einem reichlichen und ausgiebigen Frühstück ging es am nächsten Morgen per Taxi zum Weingut Leitz in Rüdesheim und von dort in die Weinberge bis zur Kapelle am Berg Rottland, Von hier aus hat man eine gute Aussicht auf den Rhein, die Rüdesheimer Lagen, das Niederwald-Denkmal und die Abtei St.Hildegard.  Zu Fuß ging es dann bei bestem Sonnenschein an den Weinberglagen des Weingutes vorbei zurück zum Weingut.

Hier gab es für uns eine Weinprobe mit 8 Weinen:
2013 Leitz, Riesling, „Eins, Zwei, Dry,“ QW, trocken
2014 Leitz, Riesling, „Eins, Zwei, Dry“, QW, trocken
2014 Rüdesheimer Riesling, QW, trocken
2014 Rüdesheimer Riesling, „Magic Mountain“, QW, trocken
2013 Rüdesheimer Berg Rottland, Hinterhaus, Großes Gewächs, QW, trocken
2013 Rüdesheimer Berg Schloßberg, Ehrenfels, Großes Gewächs, QW, trocken
2014 Rüdesheimer Kirchenpfad, Kabinett, feinherb
2014 Rüdesheimer Magdalenenkreuz, Spätlese, fruchtsüß

Das Weingut hat 43 ha fast ausschließlich in Rüdesheimer Lagen, davon sind 98% mit Riesling und die restlichen 2% mit Spätburgunder bestockt. Seit Jahren gehört es im Gault Millau Weinführer zu den mit vier Trauben ausgezeichneten Weingütern im Rheingau. Und auch bei anderen Weinführern ist es so hoch eingestuft. Wir konnten das gut nachvollziehen, denn auch für uns war es das beste Weingut der gesamten Tour. Die meisten Weine gehen allerdings ins Ausland, das Weingut verkauft 85% seiner Produktion dorthin.

Nach eine kleinen Vesper ging es per Taxi zum Bio-Weingut Jakob Peter Kühn in Oestrich.
Als Demeter-Weingut wird hier eine andere Philosophie gelebt. 2002 wurde das Weingut auf biologischen Weinbau umgestellt und ist inzwischen ein zertifizierter Demeter-Betrieb. Durch diese Umstellung hat sich der Stil deutlich geändert. Und seitdem gehen die Urteile über das Weingut deutlich auseinander von fast untrinkbar bis hervorragend. So wurde kürzlich die Klassifikation zum „ersten Gewächs“ für einen Wein verweigert, der später in der Szene als einer der größten trockenen Rieslinge Deutschlands gefeiert wurde. Sicher sind diese Weine nicht so einfach zu trinken, da sie oft recht eigenwillig und nicht so vordergründig fruchtig sind, aber wir waren sehr zufrieden mit der Qualität der Weine.
Auch dieses Weingut ist im Gault Millau Weinführer mit 4 Trauben eingestuft.
Das Weingut hat 20 ha, die zu 90% mit Riesling und zu 10% mit Spätburgunder bestockt sind. Die Lagen sind in Oestrich und angrenzend in Mittelheim und Hallgarten.

2011 Peter Jakob Kühn, Rheingau Riesling, Sekt, brut
2014 Peter Jakob Kühn, Riesling, „Jacobus“, QW, trocken
2012 Peter Jakob Kühn, Riesling, „Quarzit“, QW, trocken
2013 Mittelheimer St.Nikolaus, „Großes Gewächs“, QW, trocken
2014 Oestricher Lenchen, Große Lage, Kabinett, fruchtsüß
2011 Oestricher Lenchen, Große Lage, Spätlese, fruchtsüß
2013 Mittelheimer St.Nikolaus, Auslese, fruchtsüß

Abends folgte dann der Besuch in Martinsthal im Weingut Diefenhardt, Das Weingut hat 18 ha, zu 85% mit Riesling und zu 15% mit Spätburgunder bestockt. Der Gault Millau Weinführer führt das Weingut mit 2 Trauben. Hier begrüßte uns Peter Seyfardt, der z.Z. Vorsitzender des Rheingauer Weinbauverbandes ist und zeigte uns seinen Keller. Eine  kleine Weinprobe gehörte natürlich auch noch dazu. Anschließend konnten wir im Restaurant etwas essen und noch weitere Weine aus dem Sortiment probieren.

Diefenhardt, Riesling, brut, SektbA, Riesling, brut
2014 Diefenhardt, „Estate Riesling“, QW, trocken
2014 Diefenhardt, Riesling, „JS, Alte Reben“, Riesling, QW, trocken
2005 Martinsthaler Langenberg, 1.Gewächs, Riesling, QW, fruchtsüß
2013 Diefenhardt, Riesling, „Charta“, Riesling, QW, trocken
2014 Martinsthaler Wildsau, Riesling, Kabinett, trocken
2013 Rauenthaler Rothenberg, Riesling, QW, trocken
2012 Martinsthaler Wildsau, Großes Gewächs, Spätburgunder, QW, trocken

Am Samstagmorgen führte uns unser erster Besuch zum Weingut Allendorf. Das Weingut gehört mit 70 ha zu den größten des Rheingaus. Der Rebspiegel ist 72% Riesling, 25% Spätburgunder und 3% übrige Sorten. Auch dieses Weingut wird mit 2 Trauben eigestuft. Heute war hier der Tag des offenen Kellers – es wäre also Selbstbedienung bei der  Verkostung angesagt gewesen. Aber Fritz Allendorf ließ es sich nicht nehmen, uns nach einem Begrüßungssekt persönlich in den Farbenraum und danach in den Keller zu führen. Es war interessant und auch überraschend, wie sich das Aroma des Weins (2014 Riesling, „Save Water Drink Riesling“), in Abhängigkeit von der Beleuchtungsfarbe – bei dem einen mehr und bei dem anderen etwas weniger – veränderte.
In blauem und grünem Licht wurde der Wein als würziger empfunden als in weißem Licht, Das blaue Licht ließ den Wein bitterer erscheinen.
Danach ging es in den Barrique-Keller für eine kleine Probe mit 3 weiteren Weinen.
2013 Allendorf, Riesling, brut, „Rafinesse“, SektbA, Riesling
2014 Winkler Hasensprung, QW, Roter Riesling, trocken
2014 Allendorf, Riesling, „Save Water Drink Riesling“, QW, trocken
2014 Winkeler Jesuitengarten, Großes Gewächs, QW, Riesling, trocken
2012 Assmannshäuser Höllenberg, QW, Spätburgunder, trocken

Die Verkostung dauerte dann doch länger als geplant, so dass nur noch kurze Zeit für die freie Verkostung der anderen Weine zur Verfügung stand und der Mittagsimbiss deshalb ausfallen musste.

Um 15 Uhr stand die nächste Probe im Schloss Reinhardshausen an. Dieses Weingut hat 76 ha Rebfläche, davon etwa 25 ha in der Monopol-Lage „Insel Mariannenaue“. Bestockt ist die gesamte Fläche zu 80% mit Riesling, 7% Weissburgunder, 5% Spätburgunder, 3% Sauvignon blanc und 5% anderen Sorten. Über viele Jahre wird das Gut mit 3 Trauben im Gault Millau Weinführer eingestuft. Im März 2013 erfolgte ein Besitzerwechsel und seitdem gehört das Weingut der Familie Lergenmüller, die damit der größte private Weinproduzent in Deutschland ist.

Nach einem Begrüßungs-Secco ging es zum Rheinufer, um mit dem kleinen Fährboot zur Insel Mariennenaue überzusetzen. (Die Insel steht unter strengem Naturschutz und ist nur unter besonderen Auflagen zu besuchen)  Unser Fährboot war schon ein altes Schätzchen aus den 50’er Jahren, als Auto hätte es sich ein „H-Kennzeichen“ verdient. Trotzdem erreichten wir nach kurzer Fahrt und wohlbehalten – ohne Seekranke –die Insel und wanderten dort um die östlichen Rebanlagen mit Silvaner Reben. Herr Lergenmüller – der für uns seit unserer Südpfalzreise (Weingut St.Annaberg) ein kein Unbekannter ist – ließ es sich nicht nehmen, uns zu führen. Der Rebenspiegel ist hier auf der Insel anders als auf dem Festland, mehr Burgunder-geprägt (Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay). Dazu kommen noch Silvaner und Sauvignon blanc Am neu renovierten Gutshaus gab es im Schatten einer kleinen Halle dann eine Probe mit zwei Inselweinen und zwei Festlandsweinen.

Schloss Reinhardshausen, Riesling Secco, „Von der Insel Mariannenaue“, Perlwein
2014 Schloss Reinhardshausen, Grüner Silvaner, „Von der Insel Mariannenaue“, QW Silvaner, trocken
2014 Schloss Reinhardshausen, Inselsatz, „Von der Insel Mariannenaue“, QW Weissburgunder, Silvaner, Sauvignon blanc, trocken
2013 Hattenheimer Wisselbrunnen, Kabinett, Riesling, fruchtsüß
2012 Erbacher Schloßberg, Spätlese, Riesling, fruchtsüß

Nach unserer Rückkehr zum Schloss, bestand die Möglichkeit in der Vinothek noch einige Weine aus dem Sortiment zu verkosten.

Dann mussten wir uns wieder sputen, denn für den Abend war die Teilnahme an der festlichen Weinprobe des Rheingauer Weinkonvents im Rahmen seiner Großen Konventstage geplant.

Der Transport erfolgte wieder mit zwei Großraumtaxis ins Kloster Eberbach. Im Mönchs-Refektorium gab es zur Stärkung vor der Weinprobe noch ein rustikales Büfett. Dann folgte die kommentierte Weinprobe unter dem Thema „Der Wein in der Bibel“. Die Referentin hatte Weinbau gelernt und dann ein theologisches Studium abgeschlossen. So war sie bibelfest genug, um alle Stellen zu zitieren, in denen Wein und Weinbau erwähnt wurden. Leider zog sich die Moderation aber etwas in die Länge und zuletzt war es mehr eine Sonntagspredigt mit leichtem Bezug zu Wein als eine Weinprobe mit Bezug zur Bibel. Unterstützt wurde sie von der amtierenden Rheingauer Weinkönigin. Neben zwei Spätburgundern und einem israelischen Rotwein von den Golan-Höhen folgten Riesling-Weine aus dem Rheingau. Nach der Qualität aufsteigend 6 jüngere Wein vom Kabinett bis zum Ersten Gewächs und dann 7 ältere Riesling Weine aus der Schätzkammer des Weinkonvents .Wie befürchtet  waren die Kabinett-Weine aus 1991 und 1994 doch schon etwas gezehrt und morbide, während sich die beiden nachfolgenden Spätlesen aus dem östlichen Teil des Rheingaus gut gehalten hatten. Auch die beiden Auslesen konnten noch punkten. Nicht ganz unerwartet wurde dann die 2002’er Beerenauslese der Höhepunkt des Abends.

2015_06 Weine Rheingauer Weinkonvent

Bei der  Rückfahrt war dann unsere Gruppe zweigeteilt. Der erste Teil wurde vom bestellten Taxi zügig zurückfahren, der zweite Teil wartete vergebens auf das Taxi, denn es war von anderen Besuchern vorher abgefangen und umgeleitet worden. Daher kam es auch nicht mehr dazu, gemeinsam am Rhein am Anleger 511 noch weitere Weine zu probieren, denn um 22.30 Uhr wird dort schon Schluss gemacht.
Am nächsten Morgen nahm noch der Teil der Gruppe, der noch nicht nach Hause wollte, an einer geführten Altstadtbesichtigung teil. Nach dem Mittagessen im Restaurant Krone war dann endgültig Schluss und auch restlichen Teilnehmer fuhren nachhause.
Es war eine sehr interessante Fahrt, die von unserem Weinbruder Wilfried hervorragend organisiert worden war. Dafür möchten wir ihm danken. Und natürlich beim Wettergott. dass das Wetter bei dieser Tour auch mitgespielt hat.

Verfasser: Dieter

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28.05.2015 Weinprobe mit dem Weingut Flick aus Flörsheim-Wicker

Erstellt von Dieter am 22. Juni 2015

Unser deutsches Jahresthema ist für 2015 der Rheingau und heute ist bei der ersten Probe auch der Winzer persönlich anwesend: Rainer Flick vom gleichnamigen Weingut aus Flörsheim Wicker. Nur wo liegt Flörsheim-Wicker ? Das ist schon tief im Osten – nein nicht so weit, es liegt immer noch westlich von Frankfurt. Aber hier ist der Wein eigentlich kein Rheinwein mehr, hier ist es „Main-Wein“. Wenn man dann allerdings einen Ort weiter nach Westen sieht, nach Hochheim, findet man das bekannte Weingut Künstler. Also scheint es hier doch guten Wein zu geben.

Während seines Studiums wurde Rainer Flick von vielen seiner Kommilitonen ebenso ungläubig wie von uns angesehen – denn damals war das Weingut noch sehr klein und hatte gerade auf Selbstvermarktung umgestellt. Heute bewirtschaftet das Weingut 19,5 ha. 80% davon sind mit Riesling bestocket, 8% mit Spätburgunder und den Rest teilen sich Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und Sauvignon blanc. 1994 wurde der heruntergekommene Guthof „Strassenmühle“ erworben, liebevoll restauriert und ist seit 1997 der neue Sitz des Weingutes. Neben der Produktion und dem Verkauf wird das Anwesen auch für verschiedene Events genutzt. Seit 1992 ist das Weingut Mitglied  in der Rheingauer Charta-Vereinigung, seit 1999 auch Mitglied  im VDP.
Trotz der Lage am Rande dieses Anbaugebietes zeigte uns Herr Flick, dass man auch hier erfolgreiches ein Weingut führen kann.

Unser erster Wein ist der 2014‘er Riesling „F. vini et vita“, die Kombination aus Gutswein und Ortswein. Ein sauberer, fruchtiger und schlanker, recht gradliniger Wein. Das als Einstieg war schon gut – und dann noch der günstige Preis ! Hier scheint der Rheingau noch bezahlbar zu sein.
Als zweiter Wein folgt ein 2014’er Sauvignon blanc . Ebenfalls ein sauberer, klarer Wein, allerdings weniger Sauvignon blanc-typisch, was vielleicht dem Jahrgang geschuldet ist.
Aber dann geht es mit Riesling weiter. Zwei Jahrgänge aus der Monopol-Lage Wickerer Nonnberg.
Eine Monopol-Lage ist nicht automatisch sehr gut, aber da diese Lage im Rheingau offiziell als 1.Lage eingestuft ist (der Rheingau hat im Gegensatz zu den anderen Weinbaugebieten und zum VDP bei entsprechender Eignung eine offizielle Einstufung als 1.Lage). Der Boden besteht aus kalkhaltigem Tonmergel. Diese Lage ist bereit 1281 urkundlich erwähnt, und kommt so auf burgundische Alters­verhältnisse.
Der 2013’er Wickerer Nonnberg ist ein sauberer, klarer nachhaltiger Riesling mit Biss, der 2014’er Wickerer Nonnberg ist etwas weicher und leichter, wurde aber etwas besser bewertet.
Auch eine zweite Monopol-Lage kann das Weingut aufweisen, den Hochheimer Königin Victoriaberg, ebenfalls eine klassifizierte 1.Lage. Diese Lage hat leichte sandige Lössböden auf Kalkstein und entstand aus dem Aushub der Taunus-Bahnlinie Wiesbaden – Frankfurt. Der Weinberg kam zu seinem Namen als 1845 sich Königin Victoria von England auf einer Rheinreise fand. Sie schätzen den Hochheimer Wein („Hock“)und der damalige Besitzer des Weinberges, Georg Michael Papstmann, benannte daraufhin den Weinberg nach Viktoria, was auch dazu führte, dass der Wein am englischen Königshof beliebt ist. Seit 2010 ist der Weinberg vom Weingut Hupfeld an Rainer Flick verpachtet. Das historisch nachempfundene Etikett inklusive Queen-Wappen wird auch heute noch benutzt. Nach diesem Ausflug in die Historie des Weinbergs wieder zu den Weinen. Auch hier konnten wir wieder 2 Jahrgänge verkosten.
Der 2013’er Hochheimer Königin Victoriaberg zeigte sich etwas weicher, fülliger mit einer vollreifen Frucht-Note, der 2014’er Hochheimer Königin Victoriaberg war etwas zarter, gradliniger und ohne die vollreifen Frucht-Noten. Hier wurde der 2013’er besser bewertet.
Noch eine weitere Hochheimer Lage besitzt das Weingut. Aus ihr konnten wir die 2013’er Hochheimer Hölle verkosten. Das war ein sehr mineralischer, eleganter Riesling. Vielleicht etwas weniger Frucht und noch etwas verhalten, aber sehr charaktervoll. Deshalb wurde er noch etwas höher als der 2013’er Hochheimer Königin Victoriaberg bewertet.
Das waren jetzt die „einfacheren“ Weine, denn nun folgten zwei Große Gewächse (nach VDP) aus den beiden Monopol-Lagen.
Der 2012’er Wickerer Nonnberg, „Großes Gewächs“ zeigte sich recht harmonisch, war aber noch immer etwa eckiger, kantiger, trotz seines ein Jahr höheren Alters. Er wurde noch einmal deutlich besser bewertet als seine „einfacheren“ Vorgänger.
Der 2013’er Hochheimer Königin Victoriaberg „Großes Gewächs“ wurde noch etwas höher bewertet und schaffte es damit zum bestbewerteten Wein des Abends. Wie seine „einfacheren“ Vorgänger zeigte er sich etwas mehr vollreif, war aber ebenfalls wie das andere Große Gewächs noch etwas kantig und eckig. Damit kann er noch lange reifen.
Aus der Lage Victoriaberg kamen dann zwei junge, fruchtsüße Rieslinge. Der 2014’er Hochheimer Königin Victoriaberg Kabinett war ein fruchtiger, saftiger Wein mit zarter Süße, der 2014’er Hochheimer Königin Victoriaberg, Spätlese hatte noch mehr Dichte und wurde entsprechend höher bewertet.
Aber auch Spätburgunder gehört zum Portfolio des Weinguts. Als Abschluss durften wir den 2012’er Wickerer Nonnberg verkosten. Ein sauberer, klarer und dichter Spätburgunder der 12 Monate im Tonneau (ca. 1000 l Volumen) ausgebaut worden war. Nach den beiden hervorragenden Riesling-Weinen hatte er es schwer zu einer neutralen Bewertung zu kommen – aber auch er wurde recht gut bewertet.
Mit dieser Probe hat und Herr Flick gezeigt, dass im östlichen Teil des Rheingaus ebenfalls tolle Wein produziert werden können und das zu sehr zivilen Preisen.
Vielen Dank für diese Überraschung !

PS.  Wer persönlich zum Weingut fahren möchte, der sei gewarnt. Bei Google Maps liegt die Strassenmühle an eine längeren, kleinen Straße, in der Realität aber erscheint urplötzlich eine schmale, geschotterte Straße, die zum Weingut führt. Also nach dem Ortende von Wicker langsam fahren, um nicht über das Ziel hinaus zu schießen.

Verfasser:  Dieter

2015_05_Probenergebnis_Weingut Flick

 

 

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16.04.2015 Vergleichsprobe Vernatsch gegen Trollinger

Erstellt von Dieter am 22. Juni 2015

Vernatsch und Trollinger sind verschiedene Namen für die gleiche Rebsorte, deren Vorkommen sich fast vollständig auf Südtirol und Württemberg beschränkt. In Südtirol werden aus der Vernatschtraube der „Kalterer See“ und der „St.Magdalener“ gekeltert. In Württemberg heißt die Vernatsch-Traube Trollinger (wahrscheinlich aus „Tirolinger“ entstanden). In beiden Gebieten erzeugt man aus ihnen saubere, unkomplizierte Trinkweine, die im Jahr nach der Ernte auch getrunken werden sollten und nicht zum Lagern gedacht sind. Typisch ist das ausgeprägtes Fruchtaroma und der Bittermandelton.

Da in den 60iger und 70iger Jahren die Devise galt „Masse statt Klasse“ ist die Rebsorte etwa in Verruf geraten. Heute bemüht man sich verstärkt um Qualität und versucht z.B. in Südtirol dem Vernatsch durch die „Kalterer See Charta“ wieder breitere Anerkennung zu verschaffen.

Von der Vernatsch-Rebe sind viele Variationen bekannt; in Südtirol ‘Großvernatsch’ (‘Schiava Grossa’), ‘Mittervernatsch’, ‘Grauvernatsch’ und ‘Tschaggelevernatsch’.
Die ‘Großvernatsch’, die ihren Namen von den für eine Weintraube ungewöhnlich großen Trauben ableitet, wird unter dem Namen „Black Hamburg“ oder „Meraner  Kurtraube“ auch als Tafeltraube verkauft
In Württemberg ist der Trollinger der Inbegriff des schwäbischen Viertele-Weines, ebenso wie der Vernatsch in Südtirol zur  Vesper oder im Herbst zum „Törgelen“ getrunken wird.
Deshalb wollten wir in einer Vergleichsprobe (natürlich als Blindverkostung) die Weine aus den beiden Ländern gegeneinander stellen und prüfen, ob qualitative und geschmackliche Unterschiede zu erkennen sind.

Der erste Wein war ein 2013’er Trollinger vom Weingut Drautz Hengerer aus der Serie „Der Trollinger“. Er lief etwas außerhalb der Probe, da er doch sehr leicht war und durch die Maischeerhitzung auch einen leichten Kochton zeigte. Und vielleicht lag es nicht nur daran, sondern zusätzlich daran, dass der Wein als erster in die Verkostung ging: er bekam die schwächste Wertung des Abends.
Ein weiterer Trollinger aus Württemberg folgte, diesmal der 2013’er Helfenberger Schloßberg vom Weingut Golter, ebenfalls aus der Serie „Der Trollinger“ Er war wie der vorherige Wein leichter strukturiert, aber präsentierter sich trotzdem recht süffig. Er hatte eine kurze Maischerhitzung und dann noch eine kurze Maischstandzeit hinter sich.
Ein Südtiroler Wein, der  2013’er Vernatsch aus Gschleier, Alte Reben folgte. Für die Winzergenossenschaft Girlan ist er das Aushängeschild ihrer Vernatschweine. Bei der Bewertung blieb er auf der Höhe seines Vorgängers, obwohl er durch eine 14-tägige Maischestandzeit mehr Struktur, mehr Tannin und eine frische Säure zeigte.
Der fünfte Wein – wieder ein Trollinger aus Württemberg, der 2012’er Trollinger „S“ vom Weingut Kistenmacher & Hengerer war eine qualitative Überraschung, denn er war etwas verschlossen und nicht so fruchtig, hatte dafür aber mehr Struktur und festeres Tannin –  eben ein Rotwein.
Aus Südtirol folgen zwei Vernatschweine aus der jeweiligen Top-Linie der beiden rivalisierenden Kalterer Genossenschaften
Der 2013‘er Kalterersee Auslese aus der Puntay-Serie der Ersten und Neuen Kellerei überzeugte mit zarter, runder Frucht, hatte aber auch eine leichte Herbe und ein festes Tannin.
Der 2013’er Kalterersee Auslese aus der Pfarrhof-Serie von der Kellerei Kaltern ähnelte seinem Rivalen, war aber noch etwas verschlossen. Erst nachdem er längere Zeit an der Luft gestanden hatte, konnte zeigte er seine Qualitäten.
Wir wechselten wieder nach Württemberg. Der 2012’er Trollinger „Tradition, von alten Reben“ vom Weingut St.Annagarten war eine positive Überraschung: Ein sauberer runder, fruchtiger und gut strukturierter Trollinger.
Danach war wieder Südtirol am Zug. Die nächsten Vernatschweine kamen nicht mehr vom Kalterer See sondern von den Berghängen direkt hinter Bozen, aus dem Gebiet um St.Magdalena. Diese Weine sind meist etwas kräftiger, da sie bis zu 15% Lagrein oder Spätburgunder enthalten dürfen. (Die Rebsorten werden meist im gemischten Satz mit dem Vernatsch angepflanzt).
Der 2013’er St.Magdalener „Huck am Bach“ aus der Toplinie der Winzergenossenschaft Bozen überraschte mit dichter Frucht und gutem Tannin und entsprach damit dem Rotwein-Verständnis der Verkoster deutlich besser. Das verhalf ihm zur besten Bewertung  bis hierhin.
Dann aber kam noch der 2013’er St.Magdalener vom Weingut Waldgrieshof, Dieses Weingut ist eher für seinen Lagrein Riserva oder den süßen Rosen­muska­teller bekannt ist.  Aber hier zeigte es, dass man auch einen dichten, fruchtigen, gut strukturierten Vernatsch produzieren kann. Es war der bestbewertete Wein des Abends.
Auch die nächsten beiden Trollinger aus Württemberg zeigten, dass noch mehr geht.  Der 2013er Trollinger „Von Alten Reben“ vom Weingut Wolf Peter Leiss war der erste Beweis dafür. Mit leichter Maischeerhitzung, danach aber  mit Maischestandzeit über Nacht war dieser Wein erzeugt worden. Keine merkbaren Kochtöne aber eine gute Frucht und ein festes Tannin zeichneten diesen Wein aus. Allerdings auch er musste sich seinem Landeskollegen geschlagen geben.
Dieser 2013’er Trollinger „Goldadler“ vom Weingut Friedrich Zimmerle hatte vier Wochen Maischestandzeit hinter sich  und dadurch eine herbe Frucht und ein festes, leicht adstringierendes Tannin. Das war nicht unbedingt ein typischer Trollinger, aber eben ein Rotwein. Und er stellt die schwäbische Ehre wieder her, denn er bekam die zweitbeste Bewertung des Abends.
Zum Abschluss blieb noch ein Vernatsch aus dem St.Magdalener-Gebiet, der 2013’er St.Magdalener Classico,  „Pfannenstielhof“ vom Weingut Pfannenstielhof. Dieser Wein war Sieger im Vernatsch-Cup 2014 geworden – allerdings war die Meinung unter den Verkostern, dass die beiden Vernatsch-Weine davor doch besser waren. Nur süffig und rund zu sein reichte nicht.

Für die Anwesenden war es schwer die Herkunft – Südtirol oder Württemberg – zu erkennen, es fehlte einfach die Erfahrung mit diesen Trollinger- oder Vernatsch-Weinen.
Wenn die Südtiroler Weine in der Wertung etwas höher lagen, kann das daran liegen, dass man sich dort schon länger bemüht, den Ruf der Vernatsch-Weine wieder zu verbessern. Vernatsch oder Trollinger werden nie dicke, kräftige Weine sein sondern, bleiben eher recht leichte, eher süffiger Weine, aber sie gehören wie die lokalen Speisen zur jeweiligen Landschaft.

Verfasser: Dieter

2015_04_Probenergebnis_Vernatsch gegen Trollinger

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