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Archiv für die 'Probenberichte 2016' Kategorie

Weinprobe Sizilien am 15.12.2016

Erstellt von Dieter am 10. Mai 2017

Das regionale Landwirtschafts-Institut IRVOS unterteilt die Insel mit ihren kleinen Weinbauinseln Lipari, Salina oder Pantelleria in 17 Territorien.
Doch sind dies namentlich nicht die DOP-Weinbaugebiete, sondern übergeordnete, geografische Bezeichnungen wie Terre Sicane oder Nebrodi. Das Ganze lässt sich in einem ersten Schritt auf drei kulturell, landschaftlich, historisch und produktionstechnisch maßgebliche Weinwelten reduzieren:
den Westen mit den Orten Palermo, Trapani, Marsala
den Südwesten mit Agrigento, Menfi, Noto, Syracusa
und den Osten mit Messina und dem Etnagebiet.

Auf alle Regionalgebiete näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Proben­berichts sprengen.

Karte der Weinanbaugebiete
(mit freundlicher Genehmigung von Weinwelten,  http://www.wein-welten.com)

 

 

 

 

 

 

Die Rebfläche wird in einer Quelle mit ca. 200.000 ha (d.h. Weintrauben 179.000 ha, Tafeltrauben & Rosinen 21.000 ha), in einer anderen mit 112.700 ha angegeben. Diese Diskrepanzen sind uns auch schon bei anderen italienischen Weinbaugebieten begegnet.
Auf jeden Fall ist die Rebfläche grösser bzw. erheblich grösser als die von ganz Deutschland (ca. 102.000 ha).
Die Gesamt-Produktion wir mit ca. 10 Mio. hl angegeben, das entspricht in etwa der deutschen Weinproduktion (10-Jahresmittel 9,25 Mio hl)
Sizilien ist mit der Insel Pantelleria und den Liparischen Inseln die größte Weinanbauregion Italiens. Der Anteil an der italienischen Weinproduktion beträgt ca. 15 %.
Jahrzehntelang wurde hauptsächlich Menge produziert, aber immer mehr Winzer erkennen das Potenzial Ihrer Weine und setzen auf Qualität statt Quantität. Da das Geschäft mit den anonymen Massenweinen zusammengebrochen ist, setzt die neue Generation auf Qualität.
Meist sind die Weingüter in Familienbesitz, neben Wein werden oft auch Oliven angebaut und nicht selten gehören auch Schafe und Ziegen zu einer Azienda. Heute sind die Söhne und Töchter der Weinerzeuger gut ausgebildet, hoch motiviert und wollen zurecht beweisen, dass Sie im Gegensatz zu Ihren Vätern auch Spitzenweine produzieren können – seit Juli 2005 gibt es sogar den ersten DOCG-klassifizierten Wein auf Sizilien. Noch sind DOC-Weine aber eher selten (nur ca. 3 % der Gesamt-Rebfläche), zudem ist diese Auszeichnung für die „Jungen“ kein Muss, da IGT Weine in Italien aus einen sehr guten Ruf genießen.
Es gibt derzeit
1 DOCG Gebiet
23 DOC/DOP Gebiete, darunter auch die DOP „Sicilia“ in allen Regionalgebieten
7 IGT Weine

Rebsorten auf Sizilien
Trotz des heißen und trockenen Klimas auf Sizilien gibt es deutlich mehr Weißwein als Rotwein. Dafür ist der Marsala verantwortlich, der den sizilianischen Weinmarkt historisch dominierte. Seit Mitte der 1990er Jahre ist jedoch der Rotweinanteil gewachsen, auch weil die einheimischen und neu angekommenen Weingüter internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gepflanzt haben. Diese Neupflanzungen befinden sich fast alle im Inselwesten in Reichweite der Hauptstadt Palermo.
Die bekannteste und beliebteste Rebsorte ist der Nero d’Avola. Zahlreiche andere traditionelle oder autochthone Rebsorten wie Zibibbo, Catarratto, Grillo, Frappato, Perricone, Carricante oder Inzolia werden heute unter ihrem Namen ausgebaut und sind zusammen mit der Nennung der bekannter werdenden Anbaugebiete (z.B. Etna) Symbol für die Vielfalt der Weinregion Sizilien.
An nicht sizilianischen Sorten bringen vor allem der aus der Toskana stammende Trebbiano sowie der französische Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon gute Resultate bzw. wertet die heimischen Tropfen auf.
Eine Klasse für sich sind die sizilianischen Dessertweine, allen voran der berühmte Marsala. Der Moscato, der Passito di Noto und der Malvasia di Lipari sind ebenfalls süße Weine, die in einem aufwendigen Herstellungsverfahren gewonnen werden.
Weißweine:
Bei Weißwein ist Catarratto wegen des reichen Ertrags die wichtigste Rebsorte. Aus ihr werden frische, oftmals aber etwas neutrale Weine gekeltert.
Von Bedeutung sind zudem die süßen, aromatischen Inzolia und Grillo – die klassischen Trauben für den Marsala.
Catarratto
Vor allem die Briten förderten den Aufstieg des in der Regel aufgespriteten Süßweins Marsala.
Dieser Run ist schon lange vorbei, die Traube Catarratto, der Hauptbestandteil des Weins, aber noch immer in Massen vorhanden. Viele Winzer bauen mittlerweile trockene Weine an.
Von der Sorte Catarratto etwa gibt es große, ertragreiche Anbauflächen. Sizilien, insbesondere die DOC-Region Etna, erzeugt mehr davon als die Weißweinregionen Südtirol, Trentino und Friaul zusammen. Aktuelle statistische Erhebungen gibt es nicht. Nach Schätzungen stehen etwa 40.000 Hektar unter Catarratto-Reben.
Mit Hilfe der kühlen, der Frucht dienlichen Gärung ergibt der Catarratto einen fruchtigen Weißwein.
Grillo
Recht gut hingegen verträgt die ehemalige Marsala-Rebsorte Grillo die Hitze, wes­halb dieser als trockener Weißwein von einigen Kellereien erfolgreich im Markt positioniert werden konnte. Andere Weingüter arbeiten lieber mit Insolia (Synonym Ansonica) oder dem Grecanico. Ein einheitliches Bild von sizilianischen Weißweinen existiert aber nicht – außer dass sie aus einer heißen Erde stammen.
Inzolia
Die weiße Rebsorte Inzolia oder auch Ansonica stammt aus Sizilien, von wo sie auch nach Sardinien und in die Toskana gelangte. Heute wird die Weißweinrebe unter der Bezeichnung Inzolia in Sizilien und unter dem Namen Ansonica in der Toskana angebaut.
Typischerweise ergibt sie Sorte trockene, aromatische Weine mit schöner Nussnote. Da es den Weinen manchmal an Säure mangelt, werden sie gerne als Verschnitt­partner verwendet, vor allem Cuvées mit Catarratto Bianco sind äußerst beliebt. Aber auch im Verschnitt mit Grillo macht sie eine gute Figur.

Rotweine

Nerello
ist die rote Traube des Ätna. Da sie sehr helle, würzige Weine mit viel Gerbstoff ergibt, kommt sie nur selten sortenrein in die Flasche.
Frappato
wird hauptsächlich im Südosten angebaut und ist die Grundlage für bouquetreiche Tropfen.
Alicante
ist eine aus Spanien stammende Rebsorte. Er hat nach der Reifung eine rubinrote Farbe mit violett bis granatroten Reflexen, einen Duft von reifen roten Früchten und Gewürzen und einen Nachgeschmack nach Mandeln.
Etna Rosso
Schon die griechischen Einwanderer bauten an den Hängen des Vulkans Wein an. Die landwirtschaftlichen Prioritäten verschoben sich dann aber in der Neuzeit zu Ungunsten des Weinanbaus am Ätna.
Klimabedingt setzt man für Rotweine auf die Rebsorten Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio, die hier traditionell beheimatet sind, auch nur hier wachsen und sich den harten Bedingungen angepasst haben.
Außerhalb von Sizilien ist der Etna Rosso noch wenig bekannt. Das liegt daran, dass nur einige Betriebe auf hochwertigen Flaschenwein setzen und somit nur kleine Mengen auf den Markt kommen.
Nero d’Avola
Bis Ende des letzten Jahrhunderts wurde Nero d’Avola auf Sizilien fast ausschließlich als einfacher Verschnittwein gekeltert, der vor allem möglichst viel Ertrag liefern sollte.
Die Erfolgsstory des Nero d’Avola begann Anfang der 1990er Jahre, als die neu erblühte sizilianische Weinszene das Potenzial der heimischen Rebsorten entdeckte. Nero d’Avola wird oft im Verschnitt mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah aber zunehmend auch sortenrein ausgebaut.
Der Wein ist meist tiefdunkel (daher der Name „Nero=Schwarzer“) und konzentriert, ohne dass ihm die notwendige Säure fehlt. Besonders um Avola und die Barockstadt Noto herum und in der weiteren Region versprühen die Weine Aromen von Kirschen, Brombeeren, Pflaumen. Dazu gesellt sich eine mediterrane Kräuterwürze, auch ein wenig Pfeffer. Der Wein ist auch leicht gekühlt bei hochsommerlichen Temperaturen ein Genuss.
Cerasuolo di Vittoria
In der Nähe von Ragusa und der Stadt Vittoria wird der Cerasuolo di Vittoria (der einzige DOCG) erzeugt – benannt nach der kirschroten Farbe des jungen Weins. Er ist ein aparter, fruchtbetonter Rotwein mit einem angenehmen Säurespiel.
Erzeugt wird er aus den Rebsorten Nero d’Avola (mind. 50…70 %) und Frappato (höchstens 30…50 %). Besonders der Frappato verleiht diesem Wein mit seiner präsenten Säure ein ansprechendes Fruchtspiel und die Eleganz, an der es so manchen Rotweinen des Südens mangelt.

Wir konnten in unserer Probe folgende Weine verkosten:
1 Spumante,
1 Blanc de Noir,
3 Weissweine,
7 Rotweine und
1 Marsala.

Um damit in etwa das Spektrum der sizilianischen Weine abzudecken wurden die wichtigsten autochthonen Rebsorten der weißen und roten Weine Siziliens vor­gestellt.

Da wir die Rebsorten nicht kannten, war eine Aussage, ob ein Wein „typisch“ war, nicht möglich, auch wenn gelegentlich als Verschnittpartner bei den Weißweinen Chardonnay und bei den Roten Syrah auftaucht. Den Marsala (Nr. 13) bewerteten wir in dieser Probe nicht, da uns jeder Vergleich fehlte.

Wein Nr. 1:    Feudi die Bardonaro Jolie “, Spumante, extra dry (ohne Jahrgang)
Casa Vinicola Firriato, Pacco
Rebsorten:    Grillo, Inzolfa, Zibibo
Der Schaumwein präsentierte sich neutral und gefällig ohne besondere Fruchtigkeit.
Die Wertungen lagen zwischen 13,0 und 17,0 Punkte, klafften also mit 4 Punkten Unterschied ziemlich weit auseinander und ergaben einen Mittelwert von 14,26 Punkten.
Zum Weingut:  Casa Vinicola Firriato: 300 Hektar Land, davon 200 Hektar bestockt mit besten Rebanlagen.

Wein Nr. 2:   2015 „Bianco di Morgante”, IGP
Morgante Soc.Agr, Grotte, Agrigento
Rebsorte:      Nero d’Avola
Dieser Blanc de Noir, (ital. Bianco del Uve Nero) war etwas belanglos mit wenig Frucht.
Bei Wertungen zwischen 12,5 bis 14,5 Punkten waren wir uns ziemlich einig, was statistisch zu einem Mittelwert von 13,76 Punkten führte.
Zum Weingut:  Rebfläche: 52 Hektar, Jahresproduktion: ca. 310.000 Flaschen, Konventioneller Anbau

Wein Nr. 3:    2015 „Regaleali Bianco “, Sicilia DOC
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorten:    Inzolia (38%), Grecanico (30%), Cataratto (19%), Chardonnay (13%)
Ein Wein mit schöner, leichter Säure (“Kabinett-Typ”), etwas Citrus-Noten und zarterer Frucht.
Auch hier lagen wir in unseren Wertungen zwischen 13,0 und 15,0 Punkten recht nah zusammen. Im Durchschnitt ergaben sich 13,87 Punkte.
Zum Weingut:  Tasca d’Almerita ist ein 460 ha großes sizilianisches Weinbauimperium im Familienbesitz mit Sitz in Sclafani Bagni, das 1830 von Lucio Tasca gegründet wurde.

Wein Nr. 4:    2015 „Angimbé“, IGT
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorten:    70% Inzolia, 30% Chardonnay
Verblüffenderweise wies der kräftige und füllige Wein grasige Sauvignon-blanc –Noten auf.
Mit 2,5 Punkten Differenz lagen wir auch hier bei Wertungen zwischen 13,5 und 16,0 Punkten noch ziemlich beieinander, wobei als Schnitt 14,66 Punkte herauskamen.
Zum Weingut: Aktuell erstreckt sich das Imperium Cusumano auf stolze 517 ha eigener Weinberge und produziert zwei Weinlinien:.
eine Basis-Linie mit Mono-Rebsortenweine, aus autochthonen Rebsorten hergestellt und auf Fruchtigkeit vinifiziert (Alcano Insolia, Nero D’Avola, Merlot, Syrah),
und eine zweite Linie der Lagenweine, die – durch die alten Namen inspiriert, nach den verschiedenen Weinbergen benannt wurden (Angimbé, Jale, Benuara, Sagana, Noa Cubia).

Wein Nr. 5:    2015 „Cavallo delle Fate “, Grillo Sicilia, DOC
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorte:      100% Grillo
Dieser Wein mit recht angenehmer Nase wurde ähnlich wie sein Vorgänger bewertet.
Die Wertungen lagen zwischen13,0 und 15,0 Punkten schwerpunktmässig eher am oberen Wert, sodass sich auch hier 14,66 Punkte ergaben.
Zum Weingut:  siehe Nr. 3

Wein Nr. 6:    2015 „Etna “
Planeta, Cantina Feudo di Mezzo, Castiglione (CA), DOC
Rebsorte:      Carricante
Ausbau:         Barrique und Edelstahl
Der letzte Weißwein der Probe zeigte Mineralik und leichte Räucheraromen bei wenig Säure.
Er wurde kontrovers mit Werten zwischen 11,0 und 16,0 Punkte, also einer Kluft von 5,0 Punkten Differenz bewertet. Man mag derartige Geschmacksnoten oder nicht. Das wurde hier ganz offensichtlich. Daher sagt der Durchschnittswert von 14,71 Punkten in diesem Fall relativ wenig aus.
Zum Weingut:  Die Familie Planeta blickt seit 1500 im Gebiet zwischen Sambuca di Sicilia und Menfi auf eine lange Tradition in der Landwirtschaft zurück, die durch 17 Generationen hindurch vererbt wurde. Ihre Familienkellerei Planeta betreibt sechs Weingüter mit 363 h Rebflächen.
Mit dem nächsten Wein kamen wir zu den Rotweinen:

Wein Nr. 7:    2013 „Regalali Nero d’Avola”, IGT
Tasca d’Almerita, Tenuta Regalali, Sciafani Bagni
Rebsorte:      100% Nero d’Avola
Ausbau:         In Eichenholzfässern aus Slowenien zu 30 hl und 60 hl, und 5% der Fässer aus französischer Eiche Allier und Tronçais zu 300 l im zweiten Durchlauf für 6 – 8 Monate; in der Flasche für etwa 2 Monate
Bei schöner Fruchtnase präsentierten sich die Tannine etwas kantig.
Das führte mit 3,5 Punkten zu stärkerem Auseinanderklaffen der Einzelwertungen zwischen12,5 und immerhin 16,0 Punkten, was einen Schnitt von 14,24 Punkten ergab.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 3

Wein Nr. 8:    2014 „Benuara “, IGT
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorten:    70% Nero d’Avola, 30% Syrah
Ausbau:         Malolaktische Gärung im Edelstahl, Reifung 80% im Edelstahl, 20% in großen Holzfässern
In der Nase recht zurückhaltend präsentiert sich diese Cuvée mit adstringierenden Tanninen, was wohl auch der Grund für die mit 4,5 Punkten ziemlich weit auseinanderklaffenden Wertungen zwischen 12,0 und 16,5 Punkten war. Den Durchschnittswert mit 14,79 Punkten muss man unter diesem Gesichtspunkt sehen.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 4

Wein Nr. 9:    2015 „Il Passo “, IGT
Vigneti Zabù srl, Sambuca di Sicilia (AG)
Rebsorten:    Nerello Mascalese (85%), Nero d’Avola (15%)
Ausbau         Die hoch reifen Trauben werden eingemaischt und nach ca. 15 Tagen Maischegärung gekeltert. Danach reift der Wein für 6 Monate in kleinen Barrique-Fässern. Nach weiteren 3-4 Monaten kommt er in die Flasche.
Der Il Passo Nerello Mascalese Nero d’Avola leuchtet mit einem purpurroten fast schwarzen Kern im Glas. Neutral in der Nase, aber mit Frucht im Mund verkostete sich dieser Barriquewein.
Er war insgesamt gefälliger, was zu einer gleichmässigeren Wertung mit nur 2,5 Punkten Abweichung zwischen 14 und 17 Punkten bei einem Durchschnitt von 15,47 Punkten führte. 17 Punkte war die höchste Bewertung der Probe, den auch die Weine Nr. 11 und 12 erreichten.
Zum Weingut: Es befindet sich im West-Teil der Insel, in der Provinz Agrigento in der Gemeinde Sambuca di Sicilia, nahe des Lago Arancio und umfasst etwa 30 ha.

Wein Nr. 10: 2014 „Alta Mora Etna Rosso“, DOC
Cusomano, Tenuta Ficuzza, Piana degli Albanese (PA)
Rebsorte:      Nerello Mascalese
Etwas alkoholbetont zeigte sich dieser Rebsortenwein. Er verkraftet das Barrique besser als sein Vorgänger. Auch er wurde ziemlich homogen mit nur 2 Punkten Differenz zw. 14,5 und 16,5 Punkten mit einem Mittelwert von 15,42 Punkten bewertet.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 4

Wein Nr. 11: 2012 „Impari “, IGT
Vigneti Zabù srl, Sambuca di Sicilia (AG)
Rebsorte:      Nero d’Avola
Ein Wein mit Fülle und Kraft, leichter Alkoholsüße, etwas dick, mit Gewürznoten und war 8 Monate im Barrique. Kein Wunder, dass hier die Meinungen auseinandergingen.
Einige lehnten ihn fast ab und gaben nur 12,5 Punkte, andere griffen zu 17,0 Punkten (also 4,5 Punkte Unterschied), weil sie diese Weinart mögen. Im Durchschnitt ergab das 15,68 Punkte.
Zum Weingut: siehe unter Nr. 9

Wein Nr. 12: 2015 „Don Antonio“; DOC
Morgante Soc.Agr., Grotte, Agrigento
Rebsorte:      Nero d’Avola
Ausbau:          Der Most bleibt für 20 Tage auf der Maische. Danach wird der Nero D´Avola für 12 Monate in 225 L Fässern ausgebaut, gefolgt von weiteren 12 Monaten in der Flasche.
Der letzte Rotwein der Probe zeigt uns eine betörende Nase. Auch er war von einer großen Fülle geprägt, zusätzlich gerundet durch 12 Monate im Barrique, das gut eingebunden war.
Hier waren die Unterschiede in der Bepunktung nicht so stark wir beim Vorgängerwein.
14,0 Punkte als Unterwert und 17,0 Punkte als Oberwert, also nur 3 Punkte Unterschied, zeigten, dass er eigentlich fast allen gefiel. Dennoch ergab sich nur ein mit 15,76 Punkten unwesentlich höherer Durchschnittwert.
Zum Weingut:  siehe unter Nr. 2

Wein Nr. 13: “Marsala Fine I.P.” ( ohne Jahrgang)
Carlo Pellegrino & C. S.p.A., Marsala (TP)
Rebsorte       Grillo, Cataratto, Inzolia
Ausbau:        Ein Jahr im Eichenholzfass gelagert.
Marsala war über 200 Jahre lang einer der berühmtesten Weine Siziliens. Er wurde in jüngerer Zeit immer weniger nachgefragt, sodass sein Fortbestand gefährdet war. Bisher gibt es wenig Anzeichen, dass sich der Absatz dieses aufgespriteten Weins mit 17 Vol. % Alkohol erholt.
Dieser Marsala war der krönende Abschluss unserer Probe.
Wie oben schon gesagt, wurde er nicht bewertet. Es wäre sicherlich reizvoll, ihn mit anderen vergleichbaren angereicherten Weinen wie Portwein, Madeira oder Sherry sowie franz. Vins doux naturelles zu verkosten. Für uns sicher eine Herausforderung.
Wie auch bei der Kalabrien-Kampanien-Probe zeigt diese Sizilien-Probe, dass süditalienische Weine für uns ein schwieriges Terrain sind, da sie unserem gewohnten Geschmacksbild nicht unbedingt entsprechen. Man mag sie oder mag sie nicht. Anders sind Wertungsdifferenzen von bis zu 5 Punkten nicht zu erklären. Bei Verkostungen deutscher Weine sind es selten mehr als 2 manchmal 3 Punkte Unterschied in den Wertungen der einzelnen Teilnehmer.
Die oft blumigen Weinbeschreibungen der Händler und Produzenten konnten wir nicht immer nachvollziehen.

Verfasser: Wilfried

2016_12_Sizilien Probenergebnis

 

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Weinprobe mit dem Weingut Matthias Müller, Spay am 19.05.2016

Erstellt von Dieter am 15. Dezember 2016

Bei unserem Thema Mittelrhein haben wir uns sehr gefreut, dass Matthias Müller persönlich gekommen ist, um seine Weine vorzustellen.
Weingut Matthias Müller Eingang
Das Weingut hat eine etwas 300 Jahre alte Geschichte und auch Zeiten erlebt, wo die Weine vom Mittelrhein noch hoch angesehen waren.
Wie damals üblich war das Weingut ein Gemischtbetrieb, der damals besonders mit dem Anbau der Mittelrhein-Kirschen sein Geld verdiente. Durch die billigere Konkurrenz aus Italien oder der Türkei, lohnte sich Ende der 70‘er bis Anfang der 80‘er Jahre der Anbau nicht mehr und man stellte komplett auf Weinbau um. Ende der 70‘er Jahre hatte das Weingut 2,5 bis 3 ha Rebfläche, die dann kontinuierlich erweitert wurde. Anfang der 90’er Jahre war die Fläche auf etwa 9 ha gestiegen, heute liegt sie bei ca. 19 ha, alles in schwer zu bearbeitenden Steillagen. Die meisten Rebanlagen sind im Bopparder Hamm mit den Einzellagen Engelstein, Feuerberg, Mandelstein und Ohlenberg. Vor 7 bis 8 Jahren konnten dann auch noch mit dem Engehöller Goldemund und Bernstein, so wie dem Oberdiebacher Fürstenberg Lagen im Süden von Boppard erworben werden. 1999 hat Matthias Müller das Weingut von seinen Eltern übernommen und wird inzwischen von seinem Sohn Johannes, der in Geisenheim studiert, unterstützt. 2007 wurde das Weingut in den VDP aufgenommen und 2012 kürte der Weinführer Gault Millau Matthias Müller zum Winzer des Jahres. Er ist der einzige Winzer am Mittelrhein, den der Weinführer mit 4 Trauben auszeichnet. 2012 war noch ein weiterer Erfolg zu vermelden: der Kellerneubau mit Kelteranlage, Flaschenlager und moderner Vinothek konnte in Betrieb genommen werden.
Bopparder Hamm
Da in den Steillagen etwa 700 Std / ha Arbeitsaufwand für die Bearbeitung notwendig sind, hat das Weingut viele maschinelle Arbeiten an einen Lohnunternehmer ausgelagert. So z.B. die intensive Laubarbeit, um die Traubenzone schon frühzeitig zu entblättern und die Trauben abzuhärten.
Der Rebsortenspiegel besteht zu 90% aus Riesling, daneben sind noch Burgundersorten vorhanden:  6% Grauburgunder, 2% Weissburgunder und 2% Spätburgunder, letzterer wird aber nur als Blanc de Noir ausgebaut. Dem Most werden 6 – 10 Std. Maischestandzeit gegönnt, die Basisqualitäten werden dann mit Reinzuchthefe, die hochwertigeren Weine spontan vergoren. Der Restzucker der trockenen Weine wird mit 6 – 8 g/l an der oberen Grenze gehalten, um die Säure zu puffern und die Frucht herauszustellen. Bei den feinherben Weinen liegt der Restzucker bei etwas mehr als dem doppelten Säurewert.

Nun zu den verkosteten Weinen:

1          2015 Riesling „Rheinschiefer“, QW, trocken
Dieser Wein ist der trockene Gutswein der mit Lebendigkeit und mineralischer Fruchtigkeit, mit viel Pfirsich und Grapefruit und einer feinen Säure besticht. Ein idealer Sommerwein mit einem sehr guten Preis / Leistungsverhältnis .

2          2015 Weissburgunder Bopparder Hamm, QW, trocken
Weissburgunder ist neu im Rebsortiment und 2014 war die erste Ernte. Der Wein ist fruchtig und saftig, und stellt in der Säure das weichere Gegenstück zum Riesling das. Ausgebaut wurde er nur im Stahl

3          2015 Riesling   Bopparder Hamm, Alte Reben, QW, trocken
Hier hatten wir einen dichten, eleganten, zart mineralischen und sehr exotischen Riesling vor uns von etwa 40 Jahre alte Reben. Durch das höhere Alter und die dadurch tieferen Wurzeln sind die Rebstöcke nicht so empfindlich für Trockenstreß, können mehr Mineralien aus dem Boden aufnehmen und bringen fast jedes Jahr das gleiche Mostgewicht. Leider kam es durch ESCA zu etwas 10% Ausfall bei den Reben.

4          2015 Riesling   Bopparder Hamm Mandelstein,   „Riesling S“, QW, trocken
Ein fruchtiger, eleganter, zart mineralischer Riesling der sich etwas runderer, weicherer als die alten Reben gibt. Die Reben stehen auf fein verwittertem Schiefer mit eingelagerten Kiesel-Gallen. Das „S“ im Namen steht für die Spätlese-Qualität des Leseguts.
MM Steilstück
5          2015 Riesling   Bopparder Hamm, „Steilstück“, QW, trocken
Im Gegensatz zu den anderen Riesling-Weinen wirkt er etwas kantiger, zeigt mehr Säure und einen Hauch Spontan-Vergärungsnoten. Er ist noch recht verschlossen, hat aber ein gutes Potential und braucht sicher nur mehr Zeit zum Reifen.
Die Trauben stammen aus sehr steilem Weinberg, (daher der Name Steilstück) und der Wein ist teilweise spontanvergoren. Im letzten Jahr hieß er noch “Steil vor Lage“. Da die Weinkontrolle Probleme mit dem Wortspiel hatte, musste der neue Wein einen neuen unverfänglicheren Namen bekommen.
 

6          2015 Riesling Bopparder Hamm Ohlenberg,   „Riesling S, Edition MM“, QW, trocken
Ein langer Name für einen Riesling, aber die Edition MM verdient ihn, denn sie ist immer der beste trockene Riesling des Jahrgangs, sozusagen der “kleine Bruder” vom Großen Gewächs nach VDP. Dieser Wein braucht sich vor keinem Großen Gewächs zu verstecken. Ein dichter, zart mineralischer, eleganter und harmonischer Riesling mit einem sensationell günstigen Preis für diese Qualität..

Drei feinherbe Weine folgten. Bei ihnen liegt der Restzucker bei etwa dem doppelten Säurewert, sodass die Süße die Säure gut kompensieren und so zum Trinken animiert.

7          2015 Riesling   Bopparder Hamm, QW, feinherb
Der erste Vertreter dieser Gruppe, der ein etwas herberes Bukett, aber auch eine runde, saftige Frucht mit zarter Süße zeigte

8          2015 Riesling Schloss Fürstenberg, Spätlese, feinherb
Es war der einzige Wein aus dieser Lage. Durch den anderen Boden und dadurch, dass es sich hier um einen kleinbeerige Riesling-Klon handelt, hat der Wein eine deutlich andere Aromatik und zeigt auch mehr Finessen als der feinherbe Riesling aus dem Bopparder Hamm.
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9          2015 Riesling Bopparder Hamm Mandelstein,  „Edition MM“, Spätlese  feinherb
Auch bei den feinherben Weinen kennzeichnet „Edition MM“ immer den besten feinherben Riesling des Jahrgangs. Ein dichter, voller aber auch eleganter, weicher Riesling mit dezenter Süße, der erst nach längerer Reife alle Feinheiten freigeben wird.

Zu Abschluss konnten wir dann noch einige fruchtsüße Weine verkosten:

10       2015 Riesling   Bopparder Hamm Engelstein, Kabinett
So wie man sich einen fruchtsüßen Riesling als Kabinett vorstellt, ein fruchtiger, eleganter, weicher Riesling mit mehr Süße und wenig Alkohol.

11       2015 Riesling   Bopparder Hamm Mandelstein, Spätlese
Auch dieser Riesling war so, wie man sich eine typische fruchtsüße Spätlese vorstellt, er zeigte mehr Dichte und Fülle als der Kabinett, eine sehr zarte Botrytis und dezente Süße Ein vielschichtiger saftiger Riesling mit gutem Süße- / Säurespiel.

12       2015 Riesling   Bopparder Hamm Feuerlay, Auslese
Jetzt kamen wir noch eine Qualitätsstufe höher, zu den Auslesen. Auch dies war ein dichter, voller aber auch recht eleganter und filigraner Riesling mit zarter Botrytis und dezenter Süße, die mit der Säure einen guten Gegenspieler hat.

13       2010   Riesling   Bopparder Hamm Feuerlay, Auslese
Zum Abschluß gab es außer der Reihe noch diese Auslese aus dem Bestand des Bruderschaftsmeisters  Das war ein dichter, eleganter Riesling mit leichten Hanfnoten, zarter Reife und sehr angenehmem Süße- / Säurespiel. Dieser Wein war 2011 ein wahres Schnäppchen, denn es war eine abgewertete Beerenauslese zum Preis einer Auslese.

Damit ging ein hochinteressanter Abend zu Ende, wofür wir Matthias Müller nochmals danken möchten, dass er sich die Zeit genommen hat, uns die Weine vorzustellen.
Wer im nächsten Jahr im Mai Zeit hat, sollte sich vom 11.-14.05. 2017 die Jahrgangspräsentation des Weingutes in der neuen Vinothek gönnen. Es lohnt sich!

Für nähere Informationen zum Weingut : http://www.weingut-matthiasmueller.de/
Weitere Informationen über das Anbaugebiet Mittelrhein finden sich unter http://www.mittelrhein-weinfuehrer.de/

Verfasser: Dieter

PS  Leider konnte der Bericht erst jetzt, nach einem halben Jahr veröffentlich werden. Dafür möchten wir uns bei Matthias Müller entschuldigen.
Der vorgesehene Verfasser hatte leider trotz vielfacher Mahnungen nie den Bericht erstellt und immer neue Entschuldigungen, warum er noch nicht fertiggestellt sei.

2016_05_Weingut Matthias Müller: Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Bio-Weingut Maibachfarm, Ahrweiler am 17.11.2016

Erstellt von Dieter am 6. Dezember 2016

Zum Abschluss unseres diesjährigen Ahrprogramms konnten wir Alexander Weber vom Weingut Maibachfarm begrüßen. Das Weingut wurde 1998 als biologisch arbeitender Betrieb gegründet. In der Anfangsphase wurden im gesamten Ahrtal Flächen zusammengekauft, sehr viel Geld in einen neuen Keller für die Traubenverarbeitung und in einen Barrique-Keller investiert.
2002 gab es dann den ersten Wein. Alles was bio und gut war, wurde gemacht, so z.B. Ziegenkäse aus eigener Käserei, denn neben dem Weingut wurde auch noch eine biologisch arbeitende Landwirtschaft betrieben.
2009 kam dann der große Knall, der Gutsverwalter wurde wegen Veruntreuung entlassen und kam vor Gericht, 2012 erfolgte seine Verurteilung. In dem darauffolgenden Chaos wurde ein neuer Verwalter eingestellt, der aber auch nicht lang blieb und dann kam letztendlich 2013 Alexander Weber als Verwalter und Kellermeister. Er hatte seit Kindheit Kontakt zum Weinbau, da er aus einer Winzerfamilie, die an die Genossenschaft abliefert, kommt. Nach dem Abitur absolvierte er ein Praktikum beim Weingut Meyer Näkel und begann dann ein Studium in Geisenheim. Noch vor dem Abschluss bekam er das Angebot, Betriebsleiter und Kellermeister beim Weingut Maibachfarm zu werden. (Trotz  Doppelbelastung hat er auch sein Studium ordnungsgemäß abgeschlossen.)
Nach dem großen Knall musste das Weingut auf sinnvolle Teile reduziert werden, um wieder rentabel zu arbeiten. Die Käserei wurde eingestellt, das Weingut von ca. 15 ha auf 9,5 ha verkleinert. Dabei konzentrierte man sich auf die rentabler zu bewirtschaftenden Weinberge, die immer noch weit verstreut zwischen Dernau und Heimersheim liegen Auch die Vielfalt der einzelnen Weinetiketten wurde reduziert. Es gibt inzwischen drei Qualitätsstufen, die Gutsweine (Ausbau im Fuder- oder Stückfass), die Ortsweine in denen die kleinen, besseren Lagen aus Ahrweiler verarbeitet sind (sie kommen für ca. 10 Monate in Barriques in Zweit- und Drittbelegung) und dann die Lagenweine, die für 12 – 13 Monte im neuen Holz ausgebaut werden.
Die Flaschenabfüllung erfolgt durch einen Lohnabfüller. In der Landwirtschaft sind 5 Personen fest angestellt, im Weinbau 2 Personen sowie bis zu 8 Zeitarbeiter aus Polen.
Die Kunden sind fast nur Endverbraucher, daneben gibt es noch etwas Fachhandel. Zur Vermarktung stehen neben dem Verkauf in der Maibachfarm noch ein Ladengeschäft in Ahrweiler und der Online-Shop zu Verfügung. Seit drei Jahren ist das Weingut auch auf der Prowein vertreten.

Für unsere Probe begannen wir mit den Weißweinen, Wie bei den anderen Ahr-Weingütern sind auch hier Weißweine in der Sommerzeit sehr gefragt.

Das 2015er Cuvee Blanc, aus Müller-Thurgau, Riesling und Grauburgunder bewies sich als ordentlicher, sauberer und fruchtiger Schoppenwein.
Dann folgte der 2015’er Grauburgunder, der zu einem Drittel im gebrauchten Barriques und zu zwei Drittel im Edelstahl ausgebaut worden war. Ein gut strukturierter, fruchtiger Grauburgunder mit einer zarten Herbe.
Als letzter Weißwein probierten wir das 2015’er Ahrweiler Grauburgunder und Chardonnay-Cuvée. Der Chardonnay war erst 2012 gepflanzt worden und konnte 2015 zum ersten Mal geerntet werden. Da er in das Segment der Ortsweine eingereiht ist, wurde er auch im neuen Barrique ausgebaut. Er zeigt eine kräftige Frucht und trotz der neuen Barriques nur ein dezentes Holz.
Die beiden letzten Weine waren bereits im Mai ausverkauft.

Mit den Rotweinen ging es weiter. Auch hier gibt es ein Cuvee, in dem die Nicht-Burgundersorten Dornfelder, Regent und Portugieser mit Spätburgunder verschnitten sind.
Das 2014‘ er Cuvee Rot zeigt eigentlich schöne Rotweinnoten und ein würziges Bukett, aber in der Frucht und im Tannin konnte das Cuvee den Jahrgang 2014 nicht kaschieren: ein etwas kantiger Wein mit krautigen Noten und einem unreifen, grünen Tannin, was vielleicht auch dem Regent-Anteil geschuldet ist.
Der nachfolgende  2014’er Frühburgunder demonstrierte, dass der Jahrgang speziell bei dieser frühreifen Rebsorte sehr schwierig war. Auf der einen Seite Fäulnisprobleme, auf der anderen Seite unreife, etwas grüne Tannine, das schlug natürlich auch auf den Wein durch. (fast alle Frühburgunder an der Ahr hatten in diesem Jahrgang das gleiche Problem, was wir auch bei anderen Erzeugern feststellen konnten)
Die wahre Qualität konnte dagegen der 2013’er Frühburgunder beweisen. Ein sauberer, runder, saftiger Wein mit weichem, reifem Tannin, so wie ein Frühburgunder sein sollte. Die Bewertung fiel auch deutliche 1,25 Punkte höher aus.
Es folgten die Spätburgunder.
Der 2014’er Spätburgunder konnte natürlich das Jahr auch nicht verheimlichen, aber durch die spätere Reife der Spätburgunder-Trauben blieben hier die negativen Auswirkungen viel geringer als beim Frühburgunder. Auch wenn der Wein etwas kantig war und eine Spur grüne, stumpfere Tannine zeigte, war er insgesamt doch deutlich klarer als der Frühburgunder. Entsprechend war auch unsere Wertung deutlich höher. Ausgebaut wurde er für 9 Monate im gebrauchten Holz (4-6 Jahre alt), Stückfass bzw. Fuderfass. Um die Frucht zu unterstützen, hat man dem Spätburgunder einen etwas höheren Restzucker gelassen.
Wir kamen dann zu den Ortweinen die als Lagencuvees aus den steilen bis hängigen Lagen Ahrweiler Rosenthal, Forstberg, Daubhaus und Silberberg stammen. Hier dominieren Lehm, Löß und Sand die Böden. Der Ausbau erfolgte für 10 Monate in Barriques in 2-3. Belegung.
Der 2013’er Ahrweiler Spätburgunder konnte aufgrund der gesunden Trauben nach leichter Kühlung vergoren werden und es entstand ein fruchtiger, eleganter Spätburgunder mit feiner Säure und zartem Holz.
Da das Lesegut beim 2014’er Ahrweiler Spätburgunder nicht so gesund war wie 2013, musste dagegen wärmer vergoren werden, um die Entstehung flüchtige Säure zu vermeiden. Auch hier hatten wir einen dichten, vollen Spätburgunder, der erstaunlicherweise etwas höher bewertet wurde als der 2013‘er.
Und weiter ging es mit der Kategorie der Lagenweine. Die Walporzheimer Lagen Alte Domlay, Pfaffenberg und Domlay werden zu den Walporzheimer Terrassen zusammengefasst. Nach 10 -15% Saftabzug werden die Trauben für 5 Tage kaltmazeriert und dann 7 -11 Tage  bei 31-32°C vergoren. Der Ausbau erfolgt für 12 -13 Monate in neuen Barrique, abgefüllt wird ohne Filtration.
Der 2014’er Spätburgunder „Terrassen“ präsentierte sich dicht und fruchtig, aber auch jahrgangsbedingt noch etwas kantig mit härterem Tannin. Im Vergleich zu den Guts- und Ortsweinen war hier die Qualität für einen 2014‘er Spätburgunder erstaunlich hoch.
Der 2013’er Spätburgunder „Terrassen“ zeigte dann, was diese Lagen können, wenn der Jahrgang mitspielt: Ein dichter, fast etwas fülliger, weicher Spätburgunder mit einem festeren Tannin. Das wäre der beste Wein des Abends geworden, wenn, ja wenn nicht noch der 2014’er Ahrweiler Silberberg gekommen wäre. Das war die beste Selektion aus dem Problemjahrgang 2014: ein dichter runder, vielschichtiger Wein, noch etwas kantig und ungeschliffen, aber er präsentierte sich so wie ein Spätburgunder sein soll. Daher wurde er unangefochten der höchstbewertete Wein des Abends. (und wir waren mit dieser Bewertung nicht allein, denn bei der AWC Vinenna 2015 war er der drittbeste Spätburgunder !)
Damit ging ein interessanter Probenabend zu Ende. Unser Referent Alexander Weber hat uns demonstriert, dass die ungeordnete Periode der Maibachfarm glücklicherweise vorbei ist und es nun wieder stetig aufwärts gehen sollte .
Als biologisch arbeitendes Weingut hat es die Maibachfarm in 2014 natürlich besonders schwer gehabt, reife und gesunde Trauben zu ernten. Mit viel Aufwand und Mühe wurde das Beste aus dem Jahrgang herausgeholt, was möglich war und die 2013’er bzw. 2015’er Wein zeigten, wozu das Weingut in der Lage ist, wenn das Wetter mitspielt.

Für die Präsentation möchten wir uns ganz herzlich bei Alexander Weber bedanken.

Verfasser: Dieter

2016_11 Bio-Weingut Maibachfarm: Auswertung

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Weinprobe Kampanien und Kalabrien am 27.10.2016

Erstellt von Dieter am 1. Dezember 2016

Als bei der Festlegung des Probenprogramms für 2016 Süditalien beschlossen wurde, meldete sich der Chronist und Probenverantwortliche leichtsinnigerweise für das Gebiet Kalabrien.
Ein erstes Suchen nach kalabrischen Weinen bei Fachhändlern in Köln war ernüchternd.
Da war nicht viel. Auch im Internet wurde er nicht wirklich fündig, um eine interessante Probe mit 12 Weinen bei limitiertem Budget zusammenstellen zu können.
So wurde auf Antrag beschlossen, eine Probe mit Weißweinen aus Kampanien, die der Chronist noch sehr positiv in Erinnerung hatte, und Rotweinen aus Kalabrien zusammen zustellen. Dabei blieb dann leider der berühmteste kampanische Wein, der überragende Rotwein Taurasi außen vor.
Weißweine aus Kampanien
Bereits im antiken Rom wurde Kampanien für seine feinen Weine geschätzt und mit viel Lob bedacht. In der am Tyrrhenischen Meer rund um die Hafenstadt Neapel gelegenen Region gedeihen die Reben in mediterranem Klima auf Vulkan und Schwemmlandböden bestens. Kampanien profitiert vom reichen Erbe an einheimischen (=autochthonen) Rebsorten. Südlich von Neapel liegt die Lacryma Christi DOC (Anm.: wir verzichteten darauf, einen Wein davon in die Probe zu nehmen). Weiter nordöstlich wird rund um Avellino aus der Fiano-Traube der beste Weißwein Kampaniens gekeltert. Und von etwas weiter nördlich kommt sein Rivale Greco di Tufo (Quelle: superiore.de)
Außerdem wurde die dritte bekannte Weißweinsorte Falanghina vorgestellt, aus der in der Antike der bekannte Falerner gekeltert worden sein soll.
Die Rebfläche soll ca. 30.000 ha umfassen bei einer Gesamtproduktion von 183 Mio. Litern, davon 77,6 Mio. Liter Weißwein. Die Anbaufläche stellt ca. 4,1% der gesamten Rebfläche Italiens dar. Kritische Anmerkungen zu den Rebflächenangaben s.u. unter Kalabrien.
Wir haben uns auf zwei Weingüter konzentriert:
1.         Mastroberardino
Ohne den Einsatz der Familie Mastroberardino wären wahrscheinlich viele der alten Rebsorten Kampaniens nach dem 2.Weltkrieg ausgestorben. Durch ihren außergewöhnlichen Einsatz für Forschung und Anbau lebten z.B. die Rebsorten Fiano, Greco und Falanghina, die wir heute probieren konnten, wieder auf. Das Gut gilt als Bewahrer der Biodiversität.
Das in Atripalda (Irpinien) nahe der Provinzstadt Avellino gelegene, 1878 gegründete Weingut verfügt über 200 ha Rebfläche und füllt 2 Mio. Flaschen jährlich ab. Mittlerweile liegt die Zentrale de Weinhauses im Park Radici Resort di Mirabella auf 400 m Höhe, wo auch die Forschungslabors angesiedelt sind, außerdem ein Wellnesscenter, ein Golf Club und die größte zusammenhängende Rebfläche Irpiniens.
2.         Terre Stregate
Die Azienda Terre Stregate der Familie Iacobucci liegt in der malerisch im Telsina-Tal gelegenen Gemeinde Guardia Sanframondi, Provinz Bennevento (früheres Herzogtum der Langobarden, nach denen die Lombardei benannt ist) im Anbaugebiet Sannio, dessen alter Name Samnium ist. Rom führte 3 Kriege gegen die Samniten, die griechischer Herkunft sein sollen. Sie sollen Nachfahren den Sabbiner sein, die durch den „Raub der Sabbinerinnen“ den meisten Lateinschülern bekannt sein sollten. Wir sind also auch hier auf historischem Gebiet.
Schon der Urgroßvater des heutigen Besitzers hat auf seinem Landwirtschaftsbetrieb Wein erzeugt. Später konzentrierte man sich ganz auf die Olivenölherstellung. Erst 2004 wurde die Produktion von Qualitätsweinen von Weinbergen an den Hängen der Monti del Malese wiederaufgenommen. Bei den Weißweinen widmet man sich besonders der Falanghina-Traube, die in den vergangenen 80 Jahren in Benevent eine Große Blütezeit erlebt hat.
Die Rebfläche umfasst 20 ha bei einer Produktion von 50.000 Flaschen.
Rebsorten der Weißweine Kampaniens.
Falanghina
Falanghina ist eine Weißweinsorte, die wahrscheinlich griechischen Ursprungs ist. Sie verdankt ihren Namen dem antiken Weinbausystem „phalange“ (lat.) , d.h. an den Pfahl gebunden. Ein Synonym ist heute noch „Falerno“ (s.o. Falerner). Durch moderne Kellertechnik ist es heute möglich, die süßsäuerlichen Töne des Fruchtfleisches besser zu erhalten. Sie ist u.a. in den DOC/DOP-Gebieten Sannio und auch Capri vertreten.
Fiano
Fiano ist eine sehr alte autochthone Rebsorte, Sie wurde schon von den Römern kultiviert, die sie wegen ihrer Großen Anziehungskraft auf Bienen (lat. Apis) auch Vitis apiana nannten.
Sie erbringt aromatische, würzige Weißweine mit einem Honig- und Nussbouquet und sind lange lagerfähig. Aus der Rebsorte werden z.B. der DOC/DOP Wein Sannio und der DOCG Wein Fiano die Avellino hergestellt, die wir beide vorstellen.
Greco (Bianco)
Die Greco-Traube zählt ebenfalls zu den autochthonen süditalienischen Rebsorten. Auch sie wurde schon von den Römern kultiviert. Der Name Greco weist wider auf griechischen Ursprung hin. Aus ihr werden unter anderem die unten vorgestellten Weine Greco di Tufo DOCG und und der Greco del Sannio DOP hergestellt.
Alle Weißweine haben wir von superiore.de bezogen.
Der Alkoholgehalt aller Wein liegt bei 13 Vol.-%. bis auf No. 1, der 13,5 Vol.-% aufweist.
Säure und Restzuckerwerte lagen uns nur für 2 Weine vor.

Wein No.1:   „Morabianca“ Falanghina Irpina DOC 2015,  Mastoberardino
Der Wein wurde aus 100% Falanghina gekeltert und im Edelstahl ausgebaut
Superiore.de: Schöne Blumigkeit und ein Duft von Ananas und Pfirsich, Salbei und Thymian, leicht mineralisch. Der Name Irpina weist auf das Erzeugungsgebiet hin.
Nicht alle Probanden konnten diese Beschreibung nachvollziehen, wie die Wertungen zwischen 12,5 und 14,5 Punkten, also 2 Punkte Unterschied, bei einem Durchschnitt von 13,45  Punkten zeigte.
Morabianca 2014  erreichte im Gambero Rosso immerhin 2 Gläser und wurde von Parker u.a. zw. 88 und 92 Punkten ( also 16,0 –17,3 Punkte im 100er Schema) bewertet, eine Wertung, die wir nicht annähernd nachvollziehen konnten.
Die starke Differenz zwischen schlechtester und bester Bewertung zog sich durch die ganze Probe, ebenso wie wir die hohen Wertungen der Weinführer nie erreichten.

Wein No. 2:    „Svelato“ Falanghina del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Falanghina, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut.
Superiore.de: Goldgelber Falanghina mit grünlich schimmernden Reflexen und angenehm frischem Ginsterduft. mit ausgewogener Säure und Aromen von Granatapfel und zarten Blumennoten…. „Svelato- offen und unverhüllt wie der (ital.) Name es ankündigt.
Immerhin kamen wir bei diesem Wein, dem der Gambero Rosso den höchsten Status eines 3-Gläser-Weins einräumt, auf 14,02 Punkte im Schnitt, bei einer Varianz von sogar 3 Punkten (12,5 – 15,5 Punkte).
Offenbar lag auch er nicht Erfahrungsspektrum deutscher Weißweinfreunde.

Wein No. 3:    „Genius Loci“ Fiano del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Fiano, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut
Superiore.de:..ein frischer, raffinierter, terroirtypischer Fiana del Sannio. Duftet würzig nach Salbei und Wiesenblumen, komplex im Gaumen mit feiner Frucht und guter Länge.
Auch er mit immerhin 2-Gläsern im Gambero Rosso bewertet erhielt bei uns 14,30 Punkte im Schnitt bei einer Streuung zw. 13,5 und 15,5 Punkten.

Wein No.4:     „Aurora“ Greco del Sannio DOP 2014,  Terre Stregate
100% Greco, 6 Monate in Edelstahl ausgebaut
Der letzte Wein von Terre Stregate in unserer Probe.
Auch dieser Wein lag in der Bewertung mit durchschittlich 14,23 Punkten und 2 Punkten Differenz (13-15 Punkte) im bisherigen Rahmen.

Wein No. 5:    „Novaserra“ Greco di Tufo DOCG 2014,  Mastroberardino
100% Greco,  Edelstahlausbau.
Superiore.de:..Bouquet von Gelben Pfirsichen und Anis, reife aber doch unheimlich frische Frucht am Gaumen…. Im langen Finale finden wir einen Hauch von Karamell.
Wir konnten hier 2 Grecos von verschiedenen Erzeugern nebeneinander probieren
Der Restzucker von 0,8 g/l und die Säure von 7 g/l war vielen doch zu anstrengend.
Es wurde sogar teilweise reklamiert, dass eine der Flaschen fehlerhaft sei.
Mit 13,75 Punkten erreichte dieser Wein die zweitschlechteste Wertung des Abends, wobei volle 4 Punkte zwischen der niedrigsten (11,5 Punkte) und höchsten (15,50 Punkte) Wertung lagen. Dieser teuerste Weißwein der Probe wurde wieder von allen Weinführern recht hoch bewertet (2 Gläser, 89 – 92 = 16,3 –17,3 Punkte in unserem 20er-Schema).

Wein No. 6:    „Radici“ Fiano di Avellino DOCG 2014,  Mastroberardino
100% Fiano, Edelstahlausbau.
Zu diesem Wein haben sich Robert Parker und James Suckling geäußert.
Hier der knappere Kommentar des letzteren (aus dem Englischen):
Dies ist ein sehr dichter Weißer mit grünen Papayas, Limonen und Mineral. Voller Körper, sehr knackig und lebhafte Säure. langes, knackiges Finale.
Wenn man den Kommentar von Parker und superiore.de liest, die ich hier nicht im Detail zitieren möchte, hört sich das ganz anders an.
Geschmack ist wohl doch sehr relativ, auch unter Experten.
Der Fiano di Avellino gilt als d e r   klassische Weißwein Kampaniens.
Hier gefiel der mit 1,1, g/l Restzucker und 6 g/l Säure analysierten Wein doch deutlich.
besser. Es kamen immerhin 14,61 Punkte durchschnittlich zustande und die Varianz hielt sich mit 2,5 Punkten auch in Grenzen ( 13,0 –15,5 Punkte). Die Wertung liegt aber erneut weit von Parker/Suckling entfernt, die umgerechnet 16,7/ 17,7  Punkte gaben.
Als Fazit ist festzuhalten, dass wir uns bei Weißweinen mit anderen Geschmacksnoten wie bei Weinen aus Deutschland und Österreich gewohnt sehr schwer tun.

Rotweine aus Kalabrien
Kalabrien ist das südlichste Weinanbaugebiet auf dem italienischen Festland und ist gleichzeitig eines der ältesten. Schon um 1000 v. Chr. Gründeten griechische Siedler von Sizilien aus hier und in Kalabrien erste Siedlungen und nannten das Gebiet Oinotria, was soviel wie Weinland bedeutet. Gleichzeitig führten sie noch heute bekannte Reben wie die rote Gaglioppo ein, aus der die meisten der von uns probierten Weine gekeltert wurden.
Im Westen ist die Stiefelspitze Italiens vom Tyrrhenischen und im Osten und Süden vom Ionischen Meer begrenzt.
Wenn man versucht, etwas über die Größe des Weinanbaugebiets herauszufinden, findet man ein Wirrwarr von Angaben. Da wird von 35.000 ha gesprochen, von denen aber nur rd. 1/3 unter Ertrag steht aber auch von 13.500 ha, was dem ungefähr entsprechen würde, aber es wird auch die verblüffend genaue Zahl von 24.339 ha aber auch nur 12.716 ha genannt.
Sei es drum, es womöglich ein Anzeichen für die immer noch geringe Wertschätzung des Qualitätsweinbaus in Kalabrien.
Der Weinbau ging in Kalabrien durch Abwanderung qualifizierter Winzer in die USA und nach Italien stark zurück. Seit Ende des 2.Weltkrieges verkam das Gebiet mehr und mehr zum Erzeuger billiger, roter Verschnittweine (90% der Weine), die oft den Weg nach Norden fanden, um dort leichteren Konsumweinen aufzuhelfen. Mittlerweile beginnt sich die Region aber Zug um Zug zu erholen. Fand man in älteren Weinführern nur wenige Qualitätsweinproduzenten, wobei Librandi weit vor allen anderen genannt wurde, sind es mittlerweile ein paar mehr. Die Zeitschrift MERUM stellte bei einer aktuellen Probe fest, dass die besten Weine nach wie vor nur von zwei Weinerzeugern stammen: Librandi und mit Abstrichen Statti. Dazu haben wir uns noch an zwei weitere, nicht so bekannte Weingüter herangewagt.
Die Weine von diesen vier Weingütern mussten wir uns bei drei Lieferanten zusammensuchen.
1.         Librandi
Über den Weinbau Kalabriens zu berichten, bedeutete lange Zeit, vor allem über eine einzige Kellerei zu sprechen: Librandi. Doch inzwischen gibt es immer mehr gründlich arbeitende Winzerbetriebe, die niveauvolle regionaltypische Weine erzeugen und dabei vor allem auf antike einheimische Rebsorten zurückgreifen. Das dem so ist, können wir Nicodemo Librandi verdanken, denn er hat die bedeutensten dieser Rebsorten – etwa Gaglioppo, Magliocco und Mantinoca zu neuem Leben erweckt und anderen Weinbauern vorgemacht, welche hohen Qualitäten in diesen Trauben stecken. (superiore.de).
Das Weingut befindet sich in Cirò Marina nahe der Ferienanlage Punta Alice. Librandi betreibt mehrere Versuchsweingärten, in denen die uralten kalabrischen Rebsorten kultiviert werden.
Das Gut umfasst 232 ha Weingärten und füllt ca. 2,2 Mio.Flaschen Wein ab.
Das Mikroklima ist bestimmt durch das milde Wetter der ionischen Küste und frische Brise aus den Bergen.
2.         Statti
Die Familie des Barons Statti lebt seit 1700 auf den denselben 500 ha Land.  Dabei beträgt die Anbaufläche für Oliven 300 ha (eigene Ölmühle), die Rebfläche 100 ha (andere Angabe: lediglich 35 ha, 300.000 Fl.); der Rest wird für Zitrusfrüchte, Viehzucht (800 Kühe) und Gründüngung verwendet. außerdem wird noch Weintourismus mit Weinkursen angeboten.
In den letzten 15 Jahren wurden keine Kosten und Mühen gescheut, das Weingut zu modernisieren. Es wird ein breites Spektrum von internationalen und einheimischen Sorten angebaut. Letztere werden zum Schluss bis Mitte Oktober gelesen.
Der Komplex befindet sich in Lamezia Terme an der Autobahn Salerno – Reggio Calabria.
Originellerweise sind in der Internetseite die GPS Koordinaten angegeben.
3.         iGreco
Der Name der Fattoria Greco in Cariati, die ihre Weine unter dem Markennamen „iGreco“ (Die Grecos, 7 Kinder der Familie) vermarktet, erinnert wieder an die Griechen (Magna Graecia), die den Oliven und Weinanbau nach Kalabrien brachten.
Die Familie ist schon seit Generationen im Olivenanbau und der Traubenproduktion tätig.
Die neuere Geschichte von iGreco als selbstvermarktendes Weingut beginnt erst in den 1960ern mit dem Bau eine Ölmühle und Kellerei in Cariati. Das Motto des Hauses ist für Öl und Wein „sensa della Calabria/the sense of Calabria“.
Man bietet auch Agritourismus an und unterhält auch ein Öl- und Weinmuseum.
Cariati ist ein modernes Seebad mit einer historischen und geschichtsträchtigen Altstadt.
Das Weingut liegt im Cirò DOC-Gebiet wie auch Librandi.
Die Familie Greco ist heute im Besitz von mehreren hundert Hektar Olivenhainen und einem großzügig angelegten Weingut mit Weinbergen in Cirò, Cirò Marina, Crucoli, Scala Coeli, Camagliatello Silano, Terravecchio und schlussendlich Cariati, wo sich neben der erwähnten Ölpresse auch die Kellerei und die Verkaufsräume befinden.
Die Grösse der Rebfläche war nicht zu ermittleln.
4.         Ferrocinto
Im Nordosten von Kalabrien liegen am östlichen Rand des Pollino-Nationalparks die Weinberge der Tenuta Ferrocinto in Castrovillari. Die Lage genau in der Mitte der italienischen Stiefelspitze, ungefähr gleich weit vom tyrrhenischen Meer im Westen und dem ionischen Meer im Osten schaffen ein ideales Mikroklima mit heißen Tagen und kühlen Nächten. Die ersten Reben wurden bereits 1855 angepflanzt. Im Jahr 2003 wurde das Weingut den modernsten önologischen Verfahren angepasst. Die Weinberge liegen durchschnittlich auf 450m über N.N.
Die Ton- und Kalkböden sind besonders reich an Kalium und die konstante Sonneneinstrahlung sorgt für ideale organoleptische Eigenschaften der Trauben.
Die Größe des Weingutes wird mit 123 ha für Wein und Öl angegeben, andere Quellen berichten von 130 ha nur für Weinberge.
Rebsorten der verkosteten kalabrischen Rotweine
Wir haben fast ausschließlich reinsortige Weine aus authochtonen Rebsorten ausgewählt.
Lediglich Wein No. 11 ist eine Cuvee von Gaglioppo mit Cabernet Sauvignon.
Magliocco
Magliocco oder genauer Magliocco Canino ist eine uralte autochthone Rebsorte, die offenbar ausschließlich in Kalabrien auf nur noch ca.1.500 angebaut wird. Es soll kleinste Bestände auch in der Schweiz geben ( ca. 10 ha).
Sie wird häufig mit der Gaglioppo verschnitten.
Es besteht Unklarheit, ob die Magliocco Canino mit der sehr seltenen Rebsorte Magliocco Dolce (nur 87 ha) identisch ist, aus der nur das Weingut Librandi den hochklassigen  reinsortigen Wein „Magno Megonio“ (s. Wein No. 10) keltert.
Sie ergibt tanninreiche Weine
Gaglioppo
Die Rebsorte soll schon von den Griechen in vorrömischer Zeit eingeführt worden sein.
Sie wird auf rd. 7.000 ha angebaut, auch in den Abruzzen, den Marken und in Umbrien (s. Bemerkungen oben zu den Anbauflächen) und ist auf jeden Fall die wichtigste rote Rebsorte Kalabriens.
Die Sorte gedeiht hervorragend in trockenem Klima und erreicht einen hohen Zuckergehalt und damit hohe Alkoholgrade. Die Weine sind robust und selten subtil. Bei entsprechender Behandlung hat sie jedoch einiges Potential.
Es besteht Unklarheit ob Magliocco mit Galioppo oder gar der Aglianico-Traube verwandt ist.
Nero di Calabria oder Calabrese
In Sizilien heißt diese Rebsorte Nero d’Avola („Principe Siciliano“) und ist dort eine der Hauptqualitätsweinsorten.(ca. 18.000 ha). Vom Namen „Calabrese“ her wird vermutet, dass die Rebsorte aus Kalbarien stammt, obwohl sie in Kalabrien wenig angebaut wird.
Sie hat Fülle und Haltbarkeit und ist gut für den Holzfassausbau geeignet.
Wir werden dieser Rebsorte in unserer Sizilienprobe im Dezember wieder begegnen.

Wein No. 7:    Magliocco 2014,   Ferrocinto
100% Magliocco, Mazeration 24-36 Std. Maischegärung, 10 Mon. Edelstahlausbau mit Mikrooxydation
13 Vol.-% Alkohol, 5,1 g/l Restzucker, 3,3 g/l Säure
Nach einer ersten Vorverkostung waren Zweifel aufgekommen, ob man diesen Wein in die Probe nehmen sollte. Er ist von einfacher Qualität und verliert mit Luft nach relativ kurzer Zeit.
Offenbar fand er dennoch Gnade bei unseren Verkostern, was immerhin eine Höchstpunkt-zahl von 15 Punkten bezeugt. Die niedrigste Wertung lag bei 13 Punkten und der Durchschnitt bei 13,82 Punkten. Er war gefällig, aber   die Beschreibung eines Anbieters „delikat mit Anklängen von Erdbeeren und Sauerkirschen“  war nur teilweise nachvollziehbar.

Wein No. 8:    Catà Gaglioppo Rosso 2013 IGT Calabria Biologico,  IGrecco
100% Gaglioppo, Mazeration 12 Tage, Gärung im Edelstahl, malolaktische Gärung in Barriques, Ausbau 6 Monate in Barriques, 13,5 Vol.-% Alkohol, 5,5 g/l Restzucker, 5,5 g/l Säure
Die Reben wuchsen in einem 5.000 Stock pro ha dicht bepflanzten Weinberg von 15 ha Größe auf 100m Meereshöhe im Cirò-Gebiet.
Rote Früchte und die Vanille vom Barriqueausbau charakterisieren diesen Wein. Dennoch wurde er von einigen mit nur 13,0, in der Spitze jedoch mit 15,5 Punkten bewertet, aber insgesamt im Durchschnitt 0,5 Punkte höher als der Vorgänger, also mit 14,32 Punkten bewertet.

Wein No. 9: Gaglioppo Calabria IGT 2014,  Statti
100% Gaglioppo, 13 Vol.-% Alkohol, traditionelle Maischgärung bei 22 – 26°C
über 7 Tage, Ausbau 3 Monate in Edelstahl
Der Wein weist Spiel auf mit Noten von Sauerkirschen, Pfeffer und roten Früchten.
Lt. Angaben soll er eine Lagerfähigkeit bis 2020 haben.
Bei der Wertung auch hier das gleiche Bild: Wertungen zwischen 13 und immerhin 16 Punkten bei einem Durchschnitt von 14,48 Punkten.
Bei Parker war der Wein mit 90 Punkten im 100er Schema ( = 16,7 Pkte.) bewertet, der Gambero Rosso zeichnete ihn mit 2 Gläsern aus.

Wein No.10,  „Duca San felice“, Cirò Rosso Riserva DOC 2012,  Librandi
100% Gaglioppo, 36 Monate Ausbau im Edelstahl, 14,6 Vol.-% Alkohol
„Von Granatsplittern durchsetztes Rubinrot, das Bouquet intensiv und konzentriert, im Geschmack zeigt sich der erfreulich kraftvolle Extrakt mit schön ausgewogenen Holztönen. Ein hervorragend vinifizierter Cirò, wie ihn der wahre Freund italienischer Weine liebt“
(superiore.de)
Wo bei einem angeblich reinen Edelstahlausbau die Holztöne herkommen sollen, ist etwas schleierhaft. Wir haben sie jedenfalls nicht so gespürt.
Auch hier war offenbar der eine oder andere nicht gerade „der wahre Freund italienischer Weine“, jedenfalls kam auch hier als niedrigste Wertung mal wieder die 13, aber als Spitze auch die 16,5, was einen Durchschnitt von 15 Punkten ergab.

Wein No. 11,  Arvino Calabria IGT 2012,  Statti
60% Gaglioppo mit 40% Cabernet Sauvignon, traditionelle Maischgärung bei 22 – 26°C
über 15 Tage, Ausbau 12 Monate in frz. Barriques und 6 Monate auf der Flasche.
Arvino ist im kalabrischen Dialekt die Bezeichnung für Gaglioppo, der hier gut mit der internationalen Sorte Cabernet Sauvignon harmoniert.
„Diese elegante, charaktervolle Komposition offenbart ein komplexes Aroma von reifen Früchten und einem Hauch von schwarzem Pfeffer und Gewürzen“ (Belvini.de)
Obwohl wir uns hier dem internationalen Geschmack durch die (gelungene) Abrundung mit Cabernet Sauvignon etwas mehr annäherten, klaffte eine Differenz von 4,5 Punkten (zw. 12,50 –als niedrigste Wertung für einen Rotwein in der Probe und 17,0 ) bei der Wertung besonders weit auseinander.

Wein No. 12,  „Magno Megonio” Rosso Val di Nieto IGT 2013,  Librandi
100% Magliocco Dolce (eine bessere Spielart der Magliocco Canino, s.o.), Ertrag 65 Quintals = 40 hl/ha, temperaturgesteuerte Vergärung in Edelstahl mit 15 tägiger Mazeration, Ausbau 16 Monate in Allier-Barriques sowie 6 Monate auf der Flasche, 14,5 Vol.-% Alkohol, 1,0 g/l Restzucker, 4,9 g/l Säure
„„Für Liebhaber autochthoner Weine: Maulbeer-und Pfeffernoten im Duft, am Gaumen kompakt, ausgewogen, Säure und Tannin gut ausbalanciert, lang mir Aromen von reifen Himbeeren und Honig. Ein verführerisch eleganter Wein aus der Magliocco-Traube“
(belvini.de)
Andere Beschreibungen sind noch enthusiastischer.
Dieser Wein gilt als einer der besten süditalienischen Weine und hat die begehrte Auszeichnung mit 3 Gläsern im Gambero Rosso erhalten. Bei seinem ersten Erscheinen galt er als Sensation.
Dennoch gefiel er dem einen oder anderen nicht, was sich in einer Wertung mit 13 Punkten ausdrückte. Liebhaber solcher italienischen Weine gaben bis zu 17,5 Punkte für diesen Wein,
was sich in einem Durschnitt von 15,14 Punkten niederschlug.
Italienische Kritiker gaben 17,0 bis 17,3 Punkte.

Wein No. 13 „Masino“ Nero di Calabria IGT  2014,  iGrecco
100 % Nero di Calabria oder Calabrese (=Nero d’Avola, s.o.), 5,400 Stöcke pro ha, Mazeration auf den Schalen 16-18 Tage, Vergärung in Edelstahl, mololaktische Gärung und Reifung in Barriques sowie 6 Monate auf der Flasche. 14 Vol.-% Alkohol, Restzucker 5,5, g/l, Saure 5,5, g/l.
Dieser tiefrote Wein weist balsamische Noten auf und Aromen von Waldbeere und schwarzen Kirschen. Im Geschmack füllig und saftig mit delikaten Tanninen.
Bei den Wertungen kamen diesmal 14 Punkte als niedrigste und 17,5 Punkte als höchste Wertung heraus.
Fazit:
Fast alle Weine wiesen für einige von uns unbekannte Geschmacksbilder auf.
Nicht umsonst beschränken sich autochthone Rebsorten auf meist eng umrissene Gebiete und haben keinen Siegeszug rund um die Welt gemacht wir Cabernet Sauvignon, Syrah, Chardonnay & Co.
Sowohl bei den Weißen wie bei den roten Weinen waren für den einen oder anderen zu viel fremde Noten im Spiel, die zu niedrigen Werten, fast Ablehnungen führten.
Bei den Weißen war wohl immer den Vergleich mit den deutschen Weißweinen im Hinterkopf, bei den Rotweinen wohl die eleganten französischen Weine oder auch moderne internationale Weine aber auch deutsche Spätburgunder.
Offensichtlich konnten nur Teilnehmer, die sich auf die Besonderheiten italienischer Weine auch aus dem Süden eingelassen haben, diese auch schätzen.

Verfasser: Wilfried

2016_10_Weinprobe Kampanien und Kalabrien Auswertung

 

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Weinprobe Apulien und Basilikate am 19.09.2016

Erstellt von Dieter am 26. Oktober 2016

Bei unserem zweiten Termin italienischer Weingebiete hatten wir eine sehr interessante Verkostung aus zwei benachbarten Gebieten, die aber sehr unterschiedlich sind

Puglia und Basilikata

Puglia (Apulien) hat mit 100.000 ha eine der  größten bestockten Flächen Italiens (oft wird Apulien auch „Weinkeller Italiens“ genannt), während die Basilikata mit 10.000ha die drittkleinste Fläche Italiens hat.
In der Weinproduktion sticht Puglia ebenfalls mit riesigen Mengen hervor, der Ertrag liegt manchmal bei mehr als 100 hl/ha (!), während in der Basilikata der Ertrag mit 24hl/ha deutlich kleiner ist und nur vom Aosta-Tal unterboten wird.
Gemeinsam ist beiden Gebieten, dass hier zum größten Teil Rotweine produziert werden, die oft aus interessanten autochthonen Sorten wie Primitivo, Negroamaro und Nero di Troia (Puglia)  und Aglianico  (Basilikata) bestehen. Weine aus diesen Rebsorten wurden in der Probe vorgestellt.
Zur hohen Qualität der Probe trug bei, dass nur DOC-Weine präsentiert wurden, sie machen in Puglia nur 5% der gesamten Weinproduktion aus. Außerdem zeigte sich eine generelle Qualitätssteigerung, die vor etwa 20 Jahren bei traditionsreichen und vielen neuen qualitätsorientierten Weingütern und Kellereien begann und bis heute anhält.

Die Weine der Probe:

Angegeben sind die Benotungen des Verfassers und der Durchschnitt aller Verkoster der Probe

1.         Basilikata,   2014 Haus Pipoli bianco,  Vigneti Del Vulture
aus Greco und Fiano,  14,0 / 14,05 Punkte

Stroh-gelb, blass, aber nicht jugendlich (mit Reifenuancen)
Riecht „trocken“, zurückhaltend, herb mit Blüten- und Mandelaromen, bisschen matt, wenn auch nicht müde (ähnelt einem Welschriesling)
Am Gaumen dann auch trocken, aber mit einer lebendiger, überraschender Säure, frisch, harmonisch, fruchtig-blumig, sogar saftig. Im Geschmack  besser.

2.         Basilikata,   2013 Haus Pipoli rosso,  Vigneti Del Vulture
             aus Aglianico, 14,5 / 14,10 Punkte

Kräftiges, dichtes, jugendliches Purpurrot, schmaler Rand.
Riecht „weinig“, mineralisch, herb (Rappen?) im etwas kälteren Zustand. Ähnelt sogar einem Cabernet Franc (Loire); zeigt auch Veilchennoten, Brombeeren.
Am Gaumen dann saftig, mit viel Stoff und feinen Tanninen. Relativ viel unvergorener Zucker (stört ein wenig). Mit der Zeit (und Temperatur) kommen schöne Gewürznoten (Zimt) und ein gut dosiertes Barrique dazu.
Ein stimmiger, überzeugender Wein im Aglianico-Einstiegssegment.

3.         Puglia,   2013 Rupicolo,  Az. Vinicola Rivera
             aus Montepulciano, Nero di Troia und Cabernet Sauvignon, 14,0 / 14,15 Punkte

Etwas reifere und nicht so intensive Farbe wie der Wein davor.
Riecht auch „leichter“ mit floralen Noten (von der Nero di Troia?)
Der erste Eindruck ist leicht süßlich mit viel (staubigem) Tannin, erdig.
Einerseits robuster, aber mit 12,5% Alkohol angenehm leicht.
(Wird von den anderen Verkostern besser bewertet)

4.         Puglia,   2010 Vigna Pedale,  Torrevento
             aus Nero di Troia,    15,5 / 14,95 Punkte

Schönes Dunkelrot, jugendlich mit feinem Rand.
Nase sehr interessant: blumige (Veilchen-) Note, herb-fruchtig, verschiedene dunkle Beeren.
Am Gaumen dann sehr harmonisch, würzig, glatte Tannine, mit schöner Fruchtsüße.
Ein interessanter,  stimmiger und sehr gut gemachter Wein (Nero di Troia !), mit gutem Zeitpunkt der Reife.

5.         Puglia,   2012 Bolonero,  Torrevento
             aus Nero di Troia und Aglianico, 14,5 / 14,65 Punkte

Etwas dichter in der Farbe, aber nicht so schön wie der Wein davor.
Nase süßlich, Gewürze, leicht parfümiert, nicht besonders fein, eher „gemacht“.
Am Gaumen auch süßlich, aber harmonisch mit Spiel von Würze und Wärme.

6.         Basilikata,  2010 Teodosio,  Az. Agricola Basilisco
             aus Aglianico, 16,0 / 15,75 Punkte

Schönes, dichtes Rot
Riecht “dicht”, würzig, Trockenobst, später süßlich-animalische Note, überreife Frucht (nicht „astrein“)
Am Gaumen viel Fruchtsüße, aber kräftige Tannine und Säure (Aglianico !)
Konzentrierter, interessanter Wein mit Charakter, der wegen seiner Jugend noch nicht ganz stimmig wirkt. Typischer, noch junger Aglianico.

7.         Basilikata,   2006 Guadarra,  Bisceglia
             aus Aglianico,  17,0 / 15,25 Punkte

Dichtes, leicht trübes, helleres Rot, das Reife andeutet.
Sehr würzig, altes (schönes) Holz, viel Trockenobst (Feigen, Datteln), eingelegte Sauerkirsche, leicht Liebstöckel. Überraschende, kühlende Menthol-Note, die neben dem süßlichen Trockenobst für Spannung sorgt.
An Gaumen wieder schöne Gewürze (Zimt, Gewürznelken) und Haselnüsse. Viel Stoff, bei viel Tannin sehr samtig (Aglianico-Reife !)  Auf dem Höhepunkt.
(Bei einigen Verkostern eigentlich über dem Zenit, bzw. schon am Anfang des Zerfalls. Ein Wein der abhängig von der Herangehensweise des Verkosters polarisiert)
Im Vergleich zu Nr. 6 ein schönes Beispiel, wie ein Aglianico mit 10 Jahre Reife zu seiner Weichheit und Samtigkeit kommt.
Ein „mürber“, reifer Wein mit Charme und Charakter.

8.         Puglia,   2009 Il Falcone,  Az. Vinicola Rivera
              aus Nero di Troia, Montepulciano, 16,5 / 16,20 Punkte

Sehr schönes Rubinrot mit „reifem“ Rand.
Riecht gleichzeitig „warm“, weich-sahnig  und herb-blumig mit klaren Veilchen-Noten (Nero di Troia!)
Sehr harmonisch mit feiner Frucht, glatten Tanninen und zurückhaltenden Barriquearomen.
Ein absolut stimmiger, sehr gut gemachter Wein und erster Wein der Probe mit deutlicher Eleganz.
Gutes Beispiel für die Qualität der Castel del Monte Paradesorte Nero di Troia.

9.         Puglia,   2012 Cinque Autoctoni,  Vigneti del Salento
            aus Montepulciano, Primitivo, Sangiovese, Negroamaro, Malvasia Nera,
16,5 / 16,25 Punkte

Sehr dichtes, jugendliches, dunkles Purpurrot, mit viel Glyzerin-„Tränen“ am Glasrand.
Trockenobst, süßlich, Vanille, Puderzucker.
Erstaunlich viel Extrakt/Stoff am Gaumen. Gewürze (Nelken), süßliche, tolle Frucht die man „kauen“ kann. Sehr viel Tannine, die sehr fein, wenn auch jung sind. Karamell-Sahne-Bonbon.
Ein noch zu junger Wein, der von allem (zu)viel hat und Richtung eigene Karikatur tendiert.
(Kontrovers benotet, was zu verstehen ist je nachdem, ob man den Stil des Weines oder die „reine“ Weinqualität beurteilt)

10.      Puglia,   2012 Sessantanni,  Feudi di San Marzano
            aus Primitivo, 16,0 / 16,60 Punkte

Dicht, fast Schwarz.
Nase: schöne schwarze Kirsche, riecht „weich“, wieder Puderzucker, Gewürze, sehr überzeugend und sauber.
Erstaunliche Kraft, saftig, fleischig, viel schöne Frucht. Säure, die ein bisschen abgetrennt steht (zugegeben?) Abgang lang, Rosinen, sehr süß, nicht nur wegen des hohen Alkohols, sondern auch wegen der Restsüße.
Ein modern gemachter, überzeugender, mächtiger Wein, also typisch Primitivo aus Puglia in der oberen Klasse. Noch jung.

11.      Puglia,   2012 “F”,  Feudi di San Marzano
           aus Negroamaro, 16,5 / 16,65 Punkte

Dicht, auch fast Schwarz, dünner Rand, aber etwas reifer in der Farbe als der Primitivo.
Auch sehr würzig, konzentriert, feine Frucht, deutlich Teer, saftig, Barrique, kräftige Säure, Gewürze.
Mehr Tannin als der Primitivo, Zedernholz.
Auch hier ein typischer, mächtiger Wein aus einer sehr interessanten Sorte, der aber, wie auch die beiden Weine davor, schon bei dem zweiten Glas satt macht.

12.      Basilikata,   2010 Il Sigillo,  Cantine del Notaio,
            aus Aglianico,  17,0 / 16,95 Punkte

Sehr schönes dunkles Rot, klarer Rand.
Nase geradlinig, durchdringend, frisch und sehr mineralisch (auch Teer), Säure schon angedeutet.
Sauber, interessant; Sauerkirsche, Walderdbeeren, Mispeln, lang, tief, konzentriert, sogar irgendwie verschlossen.
Am Gaumen  sirupartig, geschmolzener Stein, wieder kräftig Teer, Barrique. Viel Tannin und Säure (typisch für Aglianico), sehr konzentriert. Kräftiger, langer Abgang, wieder Mispeln.
Ein mächtiger Wein, typisch Aglianico, der  in seiner Jugend noch ohne Eleganz dasteht, der aber viel Potenzial für die Zukunft verspricht.

Verfasser: Ceca

2016_09_Weinprobe Apulien und Basilikata Auswertung

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Weinprobe Ökologischer Weinbau mit Weinen aus dem Weingut Dr.Kauer, Bacharach

Erstellt von Dieter am 26. Oktober 2016

Unsere diesjährige „Technikprobe“ konnte erst in den Semesterferien der Hochschule Geisenheim stattfinden, da Dr.Kauer, Professor für Ökologischen Weinbau an der „Weinuniversität“ erst dann Zeit dafür hatte. Außerdem  betreibt er ein Weingut in Bacharach und ist langjähriger Vorsitzender der „Weinzunft Bacharach Zechgesellschaft Anno 1328 zu Bacharach und Steeg“ und hat dadurch Verständnis für den Weinbildungshunger unserer Weinbruderschaft.

An den Anfang möchten wir die Erklärung des Weingutes auf seiner Homepage zum Thema „Ökologischer Weinbau“ stellen:

„Als wir 1982 gestartet sind, war eines von Anfang an klar: Bioweinbau soll es sei, ohne Wenn und Aber. Richtlinien gab es noch keine, aber die Richtung war klar. Von daher ist Bio-weinbau für uns eine Selbstverständlichkeit. Unser Engagement gilt dabei insbesondere dem Steillagenweinbau.
Der Boden und das Bodenleben sind unser höchstes Gut und die Grundlage für die Qualität der Trauben und Weine. Darum sind während der Winterperiode alle unsere Weinberge mit der natürlichen Standortflora begrünt. Im Frühjahr lockern wir jede zweite Rebgasse auf, um da Bodenleben und die Mineralisation anzuregen. Hierdurch versorgen wir die Reben mit Nährstoffen und verringern auch die zeitweise Wasserkonkurrenz zwischen Reben und Begrünung in den Sommermonaten. Bei Bedarf füttern wir das Bodenleben und unsere Reben zusätzlich mit organischen Materialien. Auch im ökologischen Weinbau müssen beim Anbau von klassischen Rebsorten, wie dem Riesling, Rebschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Zum Schutz der Trauben vor den eingeschleppten Mehltaupilzen setzen wir Gesteinsmehle, Algenextrakte, Backpulver sowie in kleinen Mengen Schwefel und Kupfer ein. Unser Betrieb wird jährlich im Rahmen der EU-BioVerordnung und den ECOVIN Richtlinien zertifiziert. Mit dem Jahrgang 2012 wird die Verwendung des EU BioLogos verpflichtend. Sie finden daher, neben dem ECOVIN Zeichen auch das EU-Gemeinschaftslogo für biologisch erzeugte Produkte auf unseren Etiketten“

Mit diesem Statement ist schon alles Wesentliche zum Ökoweinbau gesagt. Dr. Kauer führte uns jedoch seine einzelnen Elemente anhand seiner umfangreichen Studienunterlagen visuell per Beamer näher aus.

Der Ökoweinbau ist ein Bewirtschaftungssystem.
Heute findet man in unseren Weinbergen den integrierten (konventionellen) Weinbau einerseits und den Ökologischen/ biologischen Weinbau andererseits, letzteren mit einem Anteil von 8-10 % der Rebfläche. Eine Variante ist der biologisch-dynamische Weinbau, der auf dem anthroposophisch-ganzheitlichen Weltbild  von Rudolf Steiner beruht. Die kosmischen Einwirkungen beispielsweise der Mondphasen  können wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, auch nicht die spirituellen Wirkung von biodynamischen Präparaten wie Hornmist und Kräuterpräparaten. Hierfür stehen „Demeter“ und das „Biodyvin“-Label.
Andere deutsche Bio-Anbauverbände sind heute neben ECOVIN z.B. Bioland oder Naturland.

Zum Thema Boden und Bodenleben führte er aus, dass bei der Begrünung  (nicht übertreiben!) ein hohe Biodiversität angestrebt wird mit bis zu 30 Mischungspartnern (u.a. Leguminosen, die Stickstoff in den Boden bringen) und tierische Nützlinge unterstützen. Beim integrierten Weinbau  dominiert dagegen oft „Sportplatzrasen“.
Offene Rebgassen werden mit Holzhäcksel oder Stroh abgedeckt.  Es werden keine Herbizide, auch nicht im Stockbereich, und keine Mineraldünger eingesetzt. Bei Kompost wird kein Kompost aus unbekannten Quellen (z.B. grüne/braune Tonne) verwendet. Ggf. wird bei Trockenheit die Gründüngung gewalzt, um die Pflanzen absterben zu lassen.
Beim Pflanzenschutz muss jedoch mangels Alternativen Kupfersulfat eingesetzt werden. Es wird i.d.R. in 10 Gaben á 300 g/ha (gemessen als reines Kupfer) ausgebracht, also 3 kg pro Jahr. 2016 werden wegen des Peronosperadrucks, der durch die feuchte Witterung ausgelöst wurde, jedoch aufs Jahr gerechnet 4 kg verwendet werden. Viele Winzer, speziell Ökowinzer rechnen 2016 mit hohen Ernteausfällen. Vergleichsweise wurde  in den 20er- und 30er-Jahren 40-50 kg Kupfer pro ha ausgebracht.
Im Keller wird im ökologischen genauso wie im integrierten Weinbau gearbeitet, d.h. Ziel ist die Einschränkung auf die notwendigsten Maßnahmen und Reduzierung von Schwefel.

Bei all diesen Informationen kam dennoch der Wein nicht zu kurz.

Das Weingut Dr.Kauer hat 3,5 ha im Ertrag, davon 95 % Riesling und 5 % Spätburgunder, letzterer nur für Rosé und Sekt. Ziel ist es, das Weingut auf 6 ha zu bringen, damit die mögliche Nachfolgerin das Weingut wirtschaftlich erfolgreich weiterführen kann.
Die Weinberge liegen bedingt durch die Neugründung 1982 ohne Weinbergsbesitz etwas verstreut in Bacharach (Kloster Fürstental, Wolfshöhle), Oberwesel (Oelsberg) und Oberdiebach (Fürstenberg).

Wir konnten einen Sekt und 12 Rieslinge probieren, darunter einen halbtrockenen 2001er.

Wenn man sich die Durchschnittswertungen betrachtet, fällt auf, dass die Punktung vom trockenen Gutswein, über (echte) Kabinetts bis zur Spätlese sich sehr homogen zwischen guten 14,07 und 15,76 bewegt. Lediglich die edelsüße Auslese zum Schluss lag mit 16,33 Punkten darüber.

Wir konnten eine Kollektion verkosten, von der man sagen kann: So muss Riesling schmecken.

Im Einzelnen:

1.         Spätburgunder Rosé Sekt  brut, 2013, Traditionelle Flaschengärung.

Der feinperlige  Sekt wurde im Weingut selbst abgerüttelt und lag bei 10 g. Restzucker.
Bei relativ geringer Schwankungsbreite bewerteten wir den Sekt im Schnitt mit 14,45 Punkten.

2.         2015  Dr. Kauer Riesling Qualitätswein, trocken,.

Der Gutswein, von Dr. Kauer als „Visitenkarte des Betriebs“ bezeichnet,
war ein sauberer, typischer und frischer Riesling.
Wir werteten ihn im Schnitt mit 14,07 Punkten.
Die Kabinettweine insbesondere im trockenen und halbtrockenen (feinherben) Bereich liegen dem Weingut besonders am Herzen. Ziel ist, munter machende, anregende Weine mit moderatem Alkoholgehalte zwischen.10,5 bis 11,5 Vol.% zu erzeugen.

Bei den ersten beiden Kabinettweinen Weinen konnten wir einen Jahrgangsvergleich machen:
3.         2015  Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, trocken, ( 11 % Alk.) und
4.
         2014  Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, trocken,  ( 11 % Alk.)
Beides echte Kabinettweine mit geringem Alkohol, leichtem Körper aber genügend Substanz. Die Nr. 4 schmeckte jahrgangsbedingt gereifter.
Die Wertungen lagen bei 14,61 Punkten für die Nr. 3 und 14,24 Punkten für die Nr. 4, was eigentlich typisch für den Vergleich dieser beiden Jahrgänge ist.

5.       2015 Bacharacher Wolfhöhle Riesling Kabinett, trocken ( 11,5 Alk.)
Ein weiterer typischer Kabinett, etwas kräftiger und mineralischer als Kloster Fürstental 2015 (Nr.3). Wir griffen mit 14,93 Punkten etwas höher.

Die Spätlesen bezeichnet Dr. Kauer als wahre „Terroiristen“, da sie die Herkunft besonders eindrucksvoll widerspiegeln. Die Lese erfolgt erst gegen Ende des Herbstes weit nach den Kabinetten, was der Aromaausprägung besonders dienlich ist. Sie liegen zwischen Mäßigen 11,5 und 13,0% Alkohol bei den trockenen Weinen.
Wir konnten 2 Lagen gegeneinander verkosten:

6.         2015  Oberweseler Oelsberg Riesling Spätlese, trocken und
7.         2015 Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Spätlese, trocken

Beide mit praktisch identischen Alkohol-, Restzucker- und Säurewerten und mit 15,67 bzw. 15,65 Punkten fast identischer Wertung.
Der Oelsberg wies eine deutliche Mineralik und nicht so kräftig schmeckende Säure auf, der Fürstenberg war dafür schmelziger.
Der Oelsberg liegt an einem südorientierten Prallhang des Rheins und gilt als eine der besten Lagen. Er ist früh trinkreif.
Verblüffender weise gingen die individuellen Wertungen bei diesen Weinen deutlicher auseinander, als bei den Kabinettweinen. Es könnte an der mineralischen Note liegen, die dem einen oder anderen nicht so zusagt.

Damit verließen wir die trockenen  Wein und probierten jetzt drei feinherbe Weine. Dabei kam wieder einmal die Diskussion zum Thema „feinherb“ auf.

8.       2015, Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Kabinett, feinherb

Der Wein ist bei der Spontangärung bei 22,3 g / l Restzucker stehengeblieben und weist nur 11,0 Vol% Alkohol auf. Die dezente Süße war schön eingebunden. Mit 14,89 Punkten im Durchschnitt lag er auf dem Level der anderen Kabinetts.

9.       2015 Oberweseler Oelsberg Riesling Spätlese, feinherb
.

Auch dieser Wein ein typischer feinherber Wein mit 20,7 g/l Restzucker, aber deutlich fülliger als sein  Vorgänger. Er lag mit 15,28 Punkten im Bereich der beiden trockenen Spätlesen.
10.     2011 Bacharacher Wolfshöhle Riesling Kabinett, feinherb

Ein schöner und  gereifter Wein mit 23,0 g/l Restzucker, bei dem die Wertungen dennoch weit auseinander gingen. Im Schnitt kamen 15,63 Punkte heraus, wobei er einigen Weinbrüder durchaus auch 16,5 und 17,0 Punkte wert war.

Mit den nächsten beiden Weinen konnten wir gut jung und (schon sehr) alt vergleichen:

11.       2015  Oberdiebacher Fürstenberg Riesling Kabinett und
12.       2001 Oberdiebacher Fürstenberg Riesling Spätlese

Der Oberdiebacher Fürstenberg ist besonders für fruchtige Weine geeignet.
Der 2015er wies 33,2 g/l Restzucker auf und erhielt selbst von uns Trocken-Trinkern 15,28 Punkte.
Beim 15 Jahre alten 2001 gingen die Meinungen weit auseinander, da er einen leichten Petrolton aufwies. Von untrinkbar (und nicht bewertbar) bis wunderschön gereift (17,5 Punkte) gingen hier die Meinungen. Im Schnitt reichte es zu 15,76 Punkten.

Ein rarer edelsüßer Dessertwein machte den Abschluss:

13.      2015 Bacharacher Kloster Fürstental Riesling Auslese edelsüß.

Ein edelsüßer Wein wie er sein soll. Er wurde mit 102°Ö geerntet. Mit 16,33 Punkten erreichte er verdient die Höchstpunktzahl des Abends.

Als Resümee kann festgehalten werden: ein sehr informativer Abend mit dennoch hohem Genusspotential.

Verfasser: Wilfried

2016_08_Weingut Dr. Randolf Kauer Probenergebnis

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Weinprobe Aosta-Tal am 4.08.2016

Erstellt von Dieter am 24. August 2016

Bei unserem ausländischen Thema Italien haben wir gleich mit einem Extrem begonnen, dem Aosta-Tal, das in Italien die kleinste politische Region wie auch das kleinste Wein-Gebiet ist. Das Aosta-Tal ist eine der drei autonomen Regionen Italiens, denn bis 1861 gehörte es zu Savoyen bzw. Frankreich und hat aufgrund dieser Vergangenheit auch Französisch als zweite Amtssprache.

Der Weinbau wurde schon vor den Römern von der dortigen Urbevölkerung betrieben. Allerdings ist aufgrund der klimatischen und geografischen Situation ein Weinbau nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich. So ist auch die Anbaufläche von ca. 3000 ha am Ende des 19.Jahrhunders auf heute etwa 486 ha geschrumpft. Die Weinberge ziehen sich beidseitig am Ufer der Dora Baltea über 90 km entlang auf einer Höhe zwischen 300m und 1200 m.
Das gesamte Aosta-Tal gehört weinbaumäßig zur DOC „Valle d’Aosta“ und wird in sieben Subbereiche untergliedert (von Süden nach Norden).

*          Donnas – Südlichstes Anbaugebiet
*          Arnad-Montjovet – im Südosten
*          Chambave  im Osten
*          Nus – sehr kleiner Anbaubereich im Nordosten
*          Torrette –die größte Region um Aosta
*          Enfer d’Arvier im Nordwesten
*          Morgex-La Salle im äußersten Nordwesten auf 900m bis 1200m

Die Rebsorten:
Weiß:
Petit Arvin
Nus Malvoisie  (lokale Variante von Grauburgunder )
Muscat Blanc
Prie Blanc
Daneben noch Müller Thurgau, Chardonnay u.a.
Rot:
Picotendro  (Nebbiolo)
Petit Rouge
Vin de Nus
Fumin
Cornalin
Mayolet
daneben noch Spätburgunder, Syrah, Gamay, Freisa, Neyret, Dolcetto u.a.

Über Allem tront der Mont Blanc

Unsere Weinprobe startete im äußersten Westen mit Weißweinen und ging dann die Dora Baltea abwärts nach Süden, um mit den Rotweinen wieder nach Norden zurückzukommen.

Daher stammte der erste Wein aus der Unterregion Morgex – La Salle. Hier wir die Prie Blanc als autochthone Rebe angebaut. Aufgrund der kühlen Lageblieb sie von der Reblaus Katastrophe verschont und wird deshalb noch wurzelecht angepflanzt. Vor 20 Jahren wäre die dortige Winzergenossenschaft der einzige Vermarkter dieser Weine gewesen, aber heute vermarkten etwa 5 weitere Winzer ihre Weine selbst. Einer von Ihnen ist Ermes Pavese, von dem der 2014’er Blanc de Morgex stammte. Entsprechend der höhen Lage zeigte dieser Wein deutlich mehr Säure und eine etwas schlankere Struktur. Im Vergleich zu einer Verkostung im Vorjahr war der Wein allerdings schon viel weicher und reifer geworden.

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Die nächsten vier Weine stammten von der Petit Arvin als wichtigster weißer Rebsorte des Aosta-Tals. Auch die Petit Arvin sie ist eine typische Traube des italienisch-schweizer Alpenraumes.

Der erste Wein, der 2014’er Petit Arvin, „Vigne Rovetta“ kam vom Weingut Grosjean. Obwohl er als Lagenwein ausgezeichnet war, präsentierte er sich recht leicht und einfach. Seit seiner Abfüllung im letzten Jahr hatte er schon deutlich an Frische und Klarheit verloren.

Der zweite Wein, der 2014’er Petit Arvin vom Weingut Les Cretes war dann klarer und frischer als sein Vorgänger und zeigte sehr zarte Anklänge an Holz. Das Weingut ist mit 25 h das größte private Weingut im Aosta-Tal.

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Der dritte Wein, ein 2013’er Petit Arvin vom Weingut Chateau Feuilett zeigte mehr Struktur und Fülle aber auch Reife, da der Jahrgang 2013 das bessere Wetter hatte und daher reifere, vollere Wein gab.

Als Abschluss konnten wir den 2014’er Petit Arvin vom Weingut Elio Ottin verkosten. Er hatte die kräftigste Struktur aller vier Weine mit einem leichten Holz-Ton, war aber auch der teuerste dieser vier Weine. Elio Ottin baut erst seit 2007 die Weine selbst aus und gilt inzwischen als einer der besten Winzer im Aosta-Tal.

Mit dem 2012’er Nus Malvoisie der Winzergenossenschaft Crotta de Vergerons schlossen wir die Weißweine ab. Der Nus Malvoisie ist eine lokale Variante des Grauburgunders. Somit hatten wir auch einen recht runden, säurearmen Wein vor uns, der aber als 2012’er schon breitere Reifenoten zeigte und Frische verloren hatte. (Die Winzergenossenschaft scheint diese Weine immer recht spät in den Verkauf zu bringen, denn beim Kauf im Herbst 2015 war der 2012’er Petit Arvin der jüngste Jahrgang im Angebot).

Nun folgten die Rotweine.

Die Unterzone Arnad Monjevet liegt schon deutlich südlicher und tiefer. Daher ist hier der Einfluss des angrenzenden Piemonts deutlich zu spüren, und die Hauptrebsorte für die Rotweine ist der Nebbiolo, dessen lokale Variante Picotendro heißt.

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Auch der nächste Wein war ein Nebbiolo, diesmal mit einem 15%igen Anteil an Freisa und Neyret, aus der südlichsten Subregion „Donnas“. Der 2012’er Nebbiolo „Napoleon“ der Winzergenossenschaft Donnas war deutlich voller und runder. Mit ihm hatten wir allerdings auch der Spitzenrotwein der Winzergenossenschaft vor uns.

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Mit einer weiteren Rebsorte des italienisch-schweizer Alpenraumes, dem Cornalin, zogen wir wieder die Dora Baltea aufwärts. Die Rebsorte Cornalin ist eine natürliche Kreuzung zwischen den beiden Rebsorten Mayolet und Petit Rouge aus dem Aosta-Tal.

Der 2012’er Cornalin der Winzergenossenschaft Crotta de Vergerons war ein leichterer, fruchtiger Wein mit stärkeren Ledernoten und einem leichten Pfefferton.

Ganz anders präsentierte sich der 2013’er Cornalin vom Weingut La Source aus der Unterregion Torrette. Er war kräftiger und sehr fruchtig, was zu der Vermutung führte, dass hier mit der Mazeration Carbonique gearbeitet wurde. Dadurch schmeckte er gefälliger und weicher, was ihm zu einer besseren Bepunktung verhalf.

Aber wir waren mit unseren autochthonen Rebsorten das Aosta-Tal noch nicht am Ende.

Die wichtigste Rebsorte im oberen Teil des Aosta-Tals ist der Petit Rouge, der dunkelfarbene Weine mit reifem, weicherem Tannin und kräftiger Säure ergibt.

Der erste Wein aus dieser Rebsorte, der 2013‘er Torrette Superiore vom Weingut Chateau Feuilett präsentierte sich als frischer, recht weicher und runder Wein mit zartem Holz, während der 2013’er Torrette Superiore vom Weingut Feudo di San Maurizio sehr dicht und kräutrig daher kam. Er war noch etwas kantig, zeigte aber auch mehr Struktur. Dieser Wein wurde mit 10% Syrah verschnitten. (Die Bezeichnung Torrette Superiore steht für Weine die mindestens 1% mehr Alkohol haben als der normale Torrette)

Und noch eine weitere autochthone Rebsorte konnten wir verkosten. Die Rebsorte Fumin steht für dunkle Weine mit kräftiger Säure und härterem Tannin. Sie wurde deshalb früher nur für Cuvees verwendet. Erst seit etwa 10 Jahren hat man die Rebsorte kellertechnisch so im Griff, dass man auch gute reinsortige Weine daraus produzieren kann.

Das konnten wir bei dem 2013’er Fumin vom Weingut Elio Ottin erschmecken. Wir hatten hier einen dichten, gut strukturierten Wein mit zarten Kräuternoten und einem Hauch Süße vor uns. Das war mit Abstand der höchstbewertete Wein des Abends.

Damit waren wir auch am Ende der Probe angekommen. Wir hatten an diesem Abend Extrem-Weine aus einem ungewöhnlichen Gebiet mit eigenwilligen autochthonen Rebsorten verkostet. Die meisten dieser Weine sind so selten, dass sie bei uns in Deutschland nicht zu kaufen sind und mussten deshalb auch im letzten Herbst vor Ort besorgt werden.

Bei den Weißweinen zeigte sich, dass sie deutlich vom gewohnten, fruchtigen Geschmack der deutschen Weine abwichen und so die Bewertung schwer fiel. Bei den Rotweinen waren dann die Unterschiede zu den gewohnten Rotweinen nicht ganz so groß.

Einige Kurz-Informationen zu den Winzern und Winzergenossenschaften:

Pavese Ermes
Strada Pineta, 26, La Ruine; 11017 Morgex (AO)
4 ha, 30.000 Flaschen

Maison Vigneronne Frères Grosjean
Villaggio Ollignan, 1; 11020 Quart (AO)
7 ha

Les Crêtes
Loc. Villetos, 50; 11010 Aymavilles (AO)
25 ha, 200.000 Flaschen

Chateau Feuillet di Fiorano Maurizio
Loc. Chateau Feuillet, 12; 11010 Saint-Pierre (AO)
5 ha, 30.000 Flaschen

Elio Ottin
Fraz. Porossan Neyves, 209; 11100 Aosta (AO)
4 ha, 30.000 Flaschen

La Source
Loc. Bussan Dessous, 1; 11010 Saint-Pierre (AO)
6,5 ha

Feudo di San Maurizio of Vallet Michel
Fraz. Maillod, 44; 11010 Sarre (AO)
7 ha, 40.000 Flaschen

La Crotta di Vegneron
Piazza Roncas 2; 11023 Chambave (AO)
ca. 130 Mitglieder,  34 ha, ca. 220.000 Flaschen

La Kiuva
Fraz. Pied de ville 42; 11020 Arnad (AO)
Ca. 60 Mitglieder,  25 ha, 70.000 – 100.000 Flaschen

Caves Coopératives de Donnas
Via Roma 97; 11020 Donnas (AO)
26 ha, 150.000 Flaschen
Informationen zu diesen und weiteren Winzern: http://www.routedesvinsvda.it/en/index.cfm/producers.html

Verfasser: Dieter

Lageplan der Winzer    Aostatal, Lage der Winzer

2016_07_Probenergebnis Aosta-Tal

 

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Weinprobe „Mittelrhein Riesling Charta“ vom 02.06.2016

Erstellt von Dieter am 12. August 2016

Mit dem Besuch des Mittelrhein Weinbaupräsidenten, Heinz-Uwe Fetz, und dem Vizepräsidenten, Joachim Lorenz, bekam die Probe auch einen wirtschaftlichen und weinpolitischen Hintergrund. Heinz-Uwe Fetz sitzt zudem im Vorstand der „Mittelrhein Riesling Charta“. Deren 38 Mitgliedsbetriebe repräsentieren ca. die Hälfte der Mittelrhein Weingüter.
Beiden Winzer konnte man bei jedem Wort entnehmen, dass sie die Gelegenheit vor der Weinbruderschaft nutzen wollten, um nicht nur Ihre Weine vorzustellen, sondern auch eine Lanze für den Mittelrhein als Kulturlandschaft, deren Winzer und Weine zu brechen. Halt Mittelrheiner mit Herz und Seele.
Daher war der Start in die Probe relativ „trocken“, denn die geplante Vorstellung der Weine trat zugunsten der Plädoyers vorerst in den Hintergrund. Das war auch vollkommen in Ordnung, denn aus den geschilderten Zusammenhängen konnten wir mit einem anderen Wissen den Weinen gegenübertreten.

Als Weinbaupräsident liegt Herrn Fetz natürlich die Gesamtsituation der Winzer am Herzen. Er schilderte die Auflassung von vor allem Steillagen, den schleichenden Verfall der Terrassierung, Von ursprünglich 2.000 ha Anbaufläche werden z. Zt. noch 470 ha bewirtschaftet. Diese Fläche erstreckt sich über 5 Landkreise und hat die größte Nord-Süd-Ausdehnung aller Weinbaugebiete. Dem entsprechend unterschiedlich sind die Böden. Von vulkanischem Gestein, über Bims, zu Verwitterungs- und Ölschiefer; eine zu große Vielfalt. Um die Kulturlandschaft des Mittelrhein zu erhalten, sind verschiedene Aktivitäten um die beiden attraktiven Wanderwege (links Weinburgenweg, rechts Rheinsteig) gestartet worden, um dort auch wirtschaftlich überleben zu können. Eine Initiative plant die Mittelrhein-Kirsche, die früher das zentrale Angebot darstellte, wiederzubeleben. Mit der Mittelrhein Riesling Charta sind wir dann auf das Thema des Abends zurückgekommen.
Die „Mittelrhein Riesling Charta“ ist ein Zusammenschluss qualitätsbewusster Winzer des Mittelrheins mit dem Ziel, die Weinkultur des Anbaugebietes in seiner Gänze zu fördern und weiter zu entwickeln. So soll den Charta-Weinen ein markantes, qualitativ hochwertiges Profil verliehen werden, es soll ein Beitrag zum Erhalt des UNESCO-Welterbes geleistet werden und die wirtschaftlichen Chancen der Region sollen gesteigert werden.
Zentraler Baustein ist der Charta-Fond: Jedes Mitglied entrichtet einen Beitrag (1.000 € / ha und 10 ct pro verkaufter Profilweinflasche), der in den Charta-Fond einfließt. Der Mittelrhein-Wein e.V. verwaltet diesen Fond treuhänderisch und setzt die Mittel für den Erhalt der Kulturlandschaft ein. Auch Fördermittel der Europäischen Union (80.000 €) fließen in das ambitionierte Projekt ein: Die Mittelrhein Riesling Charta ist ein sogenanntes LEADER-Projekt (frz. Liaison entre actions de développement de l’économie rurale, dt. Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Ganz praktisch heißt das, dass in Zukunft zum Beispiel zerfallende Trockenmauern aus Mitteln der Charta erneuert werden können, was die Aufgabe mancher Weinlage verhindern kann. Diese Fakten machen deutlich, dass es bei der Mittelrhein Riesling Charta nicht nur um die Schaffung neuer Weinmarken geht, sondern um die ganzheitliche Förderung des Kulturgutes Riesling in seiner mittelrheinischen Kulturlandschaft.
Vorbild für die „Mittelrhein Riesling Charta“ ist die vor dreißig Jahren ins Leben gerufene Vereinigung Vinea Wachau Nobilis Districtus, kurz Vinea Wachau. Die Parallelen zwischen der Wachau und dem Mittelrhein sind offensichtlich: Beide Weinanbaugebiete sind Flusstäler, UNESCO-Welterbe und bergen das Potential für großartige Rieslinge. Gegründet wurde die Vinea Wachau (3mal so große Anbaufläche wie der Mittelrhein) in einer Situation, in der es um das Image des österreichischen Weines nicht zum Besten bestellt war.
Die Mitglieder der „Mittelrhein Riesling Charta“ haben sich zu einem aus vier Regeln bestehenden Codex verpflichtet. (Die Wachau hat 6 Regeln:  strenges Herkunftsprinzip, keine Anreicherung, keine Konzentrierung, keine Aromatisierung, eine Fraktionierung sowie Natur und sonst nichts)

1.    Strenges Herkunftsprinzip (Erzeugerabfüllung im Gebiet hergestellter Weine).

2.   Rebsorte Riesling zu 100 %.

3.   Keine Konzentrierung, Aromatisierung oder Fraktionierung.

4.   Strenge Qualitätskontrolle durch die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (mindestens drei Punkte von 5 Punkten bei der Qualitätsweinprüfung) und durch die Charta-Kommission.

Wie die Wachau hat sich die „Mittelrhein Riesling Charta“ für 3 Profilweintypen entschieden.

Handstreich:              Handsteich
„Ein moderner, filigraner und feinfruchtiger Riesling, der den Gaumen und die Herzen in kürzester Zeit – im Handstreich – erobert. Ideal für den Genuss zwischendurch, am Mittag oder zum leichten Abendessen.“ Um Leichtigkeit und Frische auszustrahlen darf dieser Wein maximal 12% Gesamtalkohol haben, entsprechend maximal 11 Volumenprozent. Und seine Säure wird von einem Restzuckergehalt von mindestens 15 g/l, aber nicht mehr als das Dreifache des Säuregehaltes, ausbalanciert.

 

Felsenspiel:                           Felsenspiel

„Felsenspiel ist ein ausgewogener, bodenständiger Riesling, der weder polarisiert noch umschmeichelt. Er passt einfach immer.“ Dieser Allrounder vom Classic-Typ darf über maximal 13% Gesamtalkohol verfügen und sein Restzuckergehalt darf das Zweifache der Säure nicht übersteigen.

 

Meisterstück:     Meisterstück
„Ein vollendeter, trockener Riesling, vollmundig und nachhaltig im Geschmack. Ihm wendet man sich bewusst zu. Er verdient die volle Aufmerksamkeit. Er möchte genossen werden. Ein Meisterstück eben.“ Dieser vollreife Riesling muss über mindestens 13% Gesamtalkohol verfügen und analytisch trocken sein.

Alles nachzulesen unter: http://www.mittelrhein-weinfuehrer.de/RieslingCharta.html

Herr Fetz führte zum Abschluss aus, dass der Schrumpfungsprozess, den der Mittelrhein durchgemacht hat, auf andere Weinbaugebiete wie Mosel und Nahe noch zukommen wird.
Nach der Vorstellung der Gesamtsituation kamen die beiden Winzer auf Ihre Betriebe zu sprechen.

Das Weingut Toni Lorenz in Boppard betreibt neben dem Weinbau noch das Weinhotel Landsknecht, was wahrscheinlich in naher Zukunft in unmittelbarer Nähe zu der geplanten Rheinbrücke im Mittelrheintal liegen wird. J. Lorenz bewirtschaftet 3 ha eigene Anbaufläche und erwirbt noch von einem Hektar Trauben dazu. Damit ist er in der Lage 50- 60.000 Flaschen Wein zu produzieren. Seine Lagen ziehen sich von Boppard bis in den Hunsrück (Simmern). Angesprochen auf die angepflanzten Rebsorten, brach J. Lorenz eine Lanze für den Müller-Thurgau. Er baut ihn – obwohl er den Niedergang der Rebsorten verfolgt hat – nach wie vor an und baut ihn als Rivaner aus. H-U Fetz vertrat die Meinung, dass der Müller Thurgau bei ihm die nötige Qualität nicht liefere. „Andere können das besser.“ Beide beschränken Ihr Angebot an Grauburgunder, da es dafür noch keine Züchtung mit lockerbeerigen Trauben gäbe.

Das Weingut Heinz Uwe Fetz in Dörscheid bewirtschaftet 4 ha eigene Anbaufläche. Mit dem Ertrag werden ca. 35.000 Flaschen Wein und zusätzlich 120 verschiedene Destillate produziert, Davon könne er gut leben, betonte Herr Fetz. Seit 2013 verzichtet in seinem Angebot auf die Angabe von Qualitätsstufen.

Die Probe begann mit zwei Grauburgundern.

1.    2015er Grauburgunder   QW (13,5%, 12 RZ, 5,6 S).
Der spontan vergorene, halbtrockene Grauburgunder vom Weingut Fetz blieb irgendwann bei 50% des Prozesses stehen. Auch die Zugabe von Reinzuchthefen half nicht weiter. Ein möglicher Grund könnte die Stickstoffunterversorgung in 2015 gewesen sein. Die typischen Grauburgunder Noten stellten sich, ergänzt von einer Apfelnote, in der Nase ein. Im Mund produzierte er – unterstützt vom Alkohol – Fülle, belegte Zunge und Gaumen mit einer Textur, hatte Länge und auch Schmelz. Der Wein wurde am 3.2.16 von der Vollhefe abgezogen und abgefüllt. Seitdem lagert er in Flaschen und wird im September in den Verkauf kommen.

2.   2015 Bopparder Hamm Grauburgunder  QW (12%, 6.5 RZ, 5.8 S)
Die typischen Grauburgunder-Noten wurden bei diesem Wein vom Weingut Lorenz von Citrus und Stachelbeere begleitet. Schon in der Nase ein deutlich leichterer, feinerer, eleganterer Vertreter. Der nicht angereicherte Most hatte Spätlese Qualität. Er wurde wie der andere Vertreter einem biologischen Säureabbau unterzogen, da die Weine sich dann runder und fülliger präsentieren. Im Mund eleganter, feingliedriger, trockener und weniger Körper was auch dem geringerer Alkoholgehalt geschuldet ist. Ein kleiner Teil des Weines wurde im Holzfass ausgebaut.

3.    2015 Handstreich Riesling   QW  (10,5%, 8 RZ, 8,3 S)
Weingut Fetz stellt seinen 1. Profilwein, einen Handstreich, vor. Der präsentierte sich mit gelben Früchten und Citrus in der Nase. Luft erschlossene weitere Aromen. Im Mund überzeugte der Wein mit einem schönen Frucht Säure Spiel sowie spürbarer Mineralik Der Appetit auf den 2. Schluck wurde jedoch die Restsüsse etwas eingebremst. Ein leichter, unkomplizierter Wein für den täglichen Genuss.

4.   2015 Bopparder Hamm Spätburgunder Blanc de Noir  QW  (12%, 8,5 RZ, 7,8 S)
Bedingt durch die Kirschessigfliege wurde der Spätburgunder als Blanc de Noir ausgebaut. Um nicht mit Aktivkohle nach einer Maischestandzeit die Farbe herausfiltern zu müssen, blieb es bei einer kurzen Standzeit, die im Glas ein leichtes Rot widerspiegelt. Die Spätburgunder typischen Note wurde durch Himbeernoten erweitert. Im Mund hinterließ der Wein wenig Nachhall und Eindruck. Die Süße dominierte.

5.   2015 Riesling Charta QW (12,5%, 9 RZ, 9 S, 85° Oechsle)
Der vom Weingut Fetz präsentierte Charta Riesling wurde chaptalisiert. Er kommt mit einer komplexen Nase mit dichten gelben Früchten rüber. Im Mund zeigt er eine herbe Frucht und eine schöne Säure mit noch nicht eingebundener Mineralik und einem schönen Spiel. Der Wein soll sich vom Meisterstück unterscheiden und ist daher auch eckiger und einfacher.

6.   2015 Bopparder Hamm Feuerlay Riesling ,Spätlese trocken (12,5%, 8,5 RZ, 7,8 S)
Beim Gegenspieler vom Weingut Lorenz handelt es sich um eine Riesling Spätlese Die zurückhaltende Nase gibt gelbe Früchte wieder. Im Mund stehen Frucht (vor allem Citrus) Textur und Säure noch nicht im Einklang miteinander. Obwohl Teile des Weins im Holz ausgebaut wurden, wird der Wein aus der Lage immer erst im September richtig rund. Auch hier wird der Wein bewusst im trockenen Bereich unter dem Meisterstück angeboten.

7.    2015 Meisterstück Riesling QW (13,5%, 9 RZ, 9,6 S und 95° Oechsle)
Der 2. Profilwein der Riesling Charta nennt sich Meisterstück und wird trocken ausgebaut. Das Weingut Fetz produzierte ungefähr 1.500 Flaschen in 2015. Der Wein ist spontan nach 14 Stunden Maischestandzeit vergoren, wurde aber mit Reinzuchthefen unterstützt. In der Nase kommt er kräutrige rüber, mit Luft erschließen sich gelbe Früchte und Apfelnoten. Im Mund dominiert eine spitze Säure. Der Wein wirkt noch nicht rund und trinkreif. Er braucht seine Zeit. Herr Fetz erzählte, dass der Wein im Winter noch intensiv nach Zimt roch.

8.   2015 Meisterstück Riesling, Spätlese trocken (13,5%, 9 RZ, 9,1 S und 100° Oechsle)
Das Meisterstück vom Weingut Lorenz wird normalerweise auf einer ausgesuchten Parzelle ausgebaut. Die 1.000 qm lieferten im Herbst 2015 jedoch 110° Oechsle und damit ließ sich ein trockener Weißwein kaum ausbauen. Er musste daher das Lesegut einer weiteren Parzelle verwenden. Auch diese lieferte gut 100° Oechsle. Die zurückhaltende Nase mit gelben Früchten und Citrus ließ auch hier ahnen, dass der Wein Zeit braucht. Im Mund war Apfel schmeckbar. Die Mineralik zeugt von Qualität. Der fruchtige Abgang lässt eine freudigeZukunft erwarten. Der Wein wurde spontan auf 0 g/l RZ vergoren und später mit Wein aus der 110° Oechsle-Parzelle vermählt. Teile des Weins wurden im Holz ausgebaut.

9.   2015 Felsenspiel Riesling QW (12%, 13,5 RZ, 8,0 S)
Das Flaggschiff der Mittelrhein Riesling Charta heißt Felsenspiel und wird süß ausgebaut. Im vom Weingut Fetz vorgestellten Wein wurde die Erwartung eines fruchtsüßen Weins in der Nase zunächst nicht getroffen. Der Wein präsentierte sich zurückhaltend. Er braucht Luft und Wärme. Dann treten die Riesling typischen Aromen begleitet von Apfel und Birne zu Tage. Den Mund prägt die Frucht nachhaltig, das Frucht-Säure-Spiel überzeugt. Braucht Zeit um zu Reifen.

10.   2015 Felsenspiel Riesling, Spätlese, feinherb (11,5% 15,5 RZ, 7,8 S)
Das Felsenspiel vom Weingut Lorenz braucht auch Luft. Um dann mit dichten Fruchtaromen, so ein bisschen Campino, zu überzeugen. Die auf einer trockenen Parzelle, die fruchtsüße Rieslinge garantiert, gelesenen Trauben können auch im Mund viel. Säure und Süße harmonieren schon jetzt prächtig und passen zueinander. Die Fülle im Mund und das adstringierende Fruchtspiel machen Lust auf den zweiten Schluck.

In der letzten Proberunde konnten die Winzer ihre Lieblinge präsentieren.

11.   2013er Dörscheider Wolfsack  Spätburgunder „B“  QW  (14,5%, 0,2 RZ, 5,4 S)
Weingut Fetz hat sich bewusst entschieden, dem 2013 seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Das gute Rotweinjahr 2013 hat ihm erlaubt, die Trauben seines lockerbeerigen Klons sehr spät zu ernten. Das ergibt auch einen guten Farbeintrag. Bei ca. 45- 50 hl reichte die Ernte für gut 1.000 Flaschen. Nach 12 Tagen Maischstandzeit vergor der Wein im Stahltank. Von der groben Hefe ging es direkt für 5 Monate in neue Fässer aus amerikanischer Eiche, daher nur „B“ und nicht „Barrique“. Das Ergebnis kann sich nicht nur im Glas sehen lassen. Das dichte, dunkle Rot wird von typischen Spätburgunder-Aromen begleitet. Die Mandel kommt gut durch. Im Mund wirkt die Tanninstruktur durch den „molligen“ Charakter nicht unangenehm. Der Abgang ist kantig und wird von Vanille begleitet. Hier ist noch Reifezeit nötig.

12.   2015 Bopparder Hamm Feuerlay Riesling, Auslese (11,5%, 54 RZ, 9 S)
Das Weingut Lorenz präsentierte uns das eigentlich geplante Meisterstück als Auslese. Die geernteten 110° Oechsle mit Botrytisbelastung überzeugen jetzt schon, brauchen aber dazu eine gewisse Vorlaufzeit, denn Luft und Wärme tun ihr gut. Dann entwickeln sich die Aromen in der Nase, die sich dann auch im Mund wiederfinden. Die schöne Säure wird von der Süße gut eingebunden, das Fruchtspiel mit Apfel wiederum lässt die Süße nicht dominieren. Schon jetzt eine runde, überzeugende Vorstellung.

Ein kurzweiliger Abend mit unterhaltenden Geschichten und überzeugenden Wein, die Lust auf mehr Mittelrhein gemacht haben. Danke schön Herr Fetz, Herr Lorenz.

Verfasser: Uwe

2016_06_Probenergebnis Mittelrhein Riesling Charta

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Weinprobe mit dem Weingut Matthias Müller aus Spay am 19.05.2016

Erstellt von Dieter am 12. August 2016

Der Probenbericht ist in Arbeit. Leider hat sich die Fertigstellung schon wieder verzögert.

 

2016_05_ Probenergebnis Weingut Matthias Müller

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Weinprobe mit der Winzerinitiative „Gipfelstümer“ am Mittelrhein am 07.04.2016

Erstellt von Dieter am 17. Juni 2016

Der Mittelrhein ist ein Weinbaugebiet geprägt von Steillagen (60 % mit mehr als 30 % Neigung), Schieferböden und Riesling (75 %).
Die Bewirtschaftung ist sehr arbeitsaufwendig, was sich aber im Preis nicht widerspiegelt.
Logische Konsequenz war, dass sich die Rebfläche von ca. 2.000 ha vor 100 Jahren enorm verkleinert hat. Hier einige Zahlen aus der Literatur:
1979  ca. 900 ha
1994  ca. 700 ha
2001        572 ha
2014       462 ha.
Kleiner ist nur noch die Hessische Bergstraße.

Die Nebenerwerbswinzer verschwinden immer mehr. Deren brachgefallene Rebflächen bedrohen u.a. die zum Weltkulturerbe erhobene Kulturlandschaft, die zu verbuschen droht.
Die verbliebenen Vollerwerbswinzer bewirtschaften im Schnitt um 10 ha.
Der meiste Wein wird am Mittelrhein selbst getrunken vorwiegend auch in den zahlreichen Ausflugsorten

Jetzt soll es wieder aufwärts gehen, der Mittelrhein soll langsam aus seinem Dornröschenschlaf herauskommen. Dafür engagiert sich eine neue, junge und bestens ausgebildete Winzergeneration (Geisenheim-Studium oder Weinbautechniker)
Hierfür stehen beispielhaft die „Gipfelstürmer“, die sich im Untertitel „Winzerinitiative Mittelrhein“, bestehend aus:
–   Felix Pieper vom Weingut Pieper, Königswinter (NRW),
–   Thomas und Martin Philipps vom Weingut Philipps-Mühle, St.Goar,
–   Sebastian Schneider, „Schneider – Das Weingut“, Bad Hönningen,
–   Christina Wagner, Weingut Wagner, Koblenz (inzwischen nach Österreich verzogen und damit ausgeschieden).

Die Winzerinitiative hat sich am 21.9.2009 bei Fischers in Köln gegründet.
Die Schlagworte sind:
–   Der Mittelrhein ist bedroht  (Mittelrhein heißt Steilhang – Steilhang heißt aufwändige Bearbeitung –   Aufwändige Bearbeitung heißt Abbau von Rebfläche (40% in den letzten 30 Jahren)
–   Rettet den Steilhang  (Rekultivierung alter Lagen – Höchste Qualität – Keine Kompromisse)
–   Echte Mittelrhein-Weine (Tiefgründige Mineralität – Vielschichtiges Bukett – Konzentriert Geschmackstoffe)
Wir waren gespannt, ob die Probe dieses selbstgesetzte Programm widerspiegelt und bestätigen kann.

Als Vertreter der Gipfelstürmer präsentierte uns Thomas Philipps seine und die Weine seiner Kollegen.

Wein No. 1   2014er Riesling Sekt brut  vom Weingut Philippsmühle, Qualitätssekt brut.
Der Sekt präsentierte sich sauber und relativ neutral. Er stammt aus einer Extra-„Sektlage“, d.h. einer Kabinett-Lage, die auch bei physiologischer Reife ein gutes Säurespiel bei wenig Alkohol aufweist.
Es wurde Ganztraubenpressung und Ausbau im Edelstahl durchgeführt.
Die Wertungen schwankten zwischen 13,0 und 15,5 und ergaben einen Mittelwert von 14,3 Punkten.
2011 und 2012 wurde noch nur ein Sekt von allen 3 beteiligten Weingütern erzeugt.

Wein No. 2  2014er Loreley Spätburgunder Blanc de Noir, Qualitätswein trocken vom Weingut Philippsmühle.
Die Trauben stammen aus Oberheimbach und St.Goar. Er präsentierte sich als frischer, unkomplizierter Sommerwein. Einige Weinbrüder konnten mit dem Wein wenig anfangen und werteten mit 12,0 Punkten, andere gaben ihm aber auch 15,0 Punkte, so dass eine Durchschnittswertung von 13,9 Punkten herauskam.
Bei den nächsten beiden Weinen wandten wir uns den weißen Burgundersorten, die inzwischen auch vermehrt angepflanzt werden, zu.

Wein No. 3  2015er Weissburgunder Qualitätswein trocken vom Weingut Sebastian Schneider.
Eine saubere, typische Nase mit Birne als Primärfrucht kennzeichnete diesen typisch 2015er Wein.
Die Trauben stammen aus Oberheimbach. Er wurde mit Reinzuchthefe im großen Holzfass ausgebaut. Bei einer Schwankungsbreite zwischen 13 und 15 Punkte ergab der Mittelwert 14,2 Punkte.

Wein No. 4  2014 Hönninger Am Münchberg Grauburgunder „S“,  Qualitätswein trocken vom Weingut Sebastian Schneider.
Der Wein wurde spontan vergoren, was sich in der Nase und auch im Mund bemerkbar machte und einigen nicht so richtig gefiel, andere empfanden ihn als fein und elegant mit allenfalls etwas kurzem Abgang. Daher schwankten die Wertungen zwischen 12 und 15/15,5 Punkten bei einem Mittelwert von 13,8 Punkten.

Wein No. 5  2015er Gewürztraminer & Riesling Königswinterer Drachenfels Qualitätswein trocken vom Weingut Pieper.
Obwohl die übliche Cuvée aus 60% Gewürztraminer und 40% Riesling besteht, fiel bei diesem Wein eine kräftige Rieslingsäure im Vordergrund verbunden mit verhaltenen Traminernoten mehr im Hintergrund auf. Die Wertungsnoten bewegten sich zwischen 12,5 und 15 bei einem Schnitt von ebenfalls 13,8 Punkten.

Wein No. 6  2014er Riesling „Alte Reben“ Qualitätswein trocken vom Weingut Sebastian Schneider.
Bei neutraler, sauberer Rieslingsnase war eine schöne Mineralik zu schmecken.
Die Trauben stammen aus einem 40-59 Jahre alten Weinberg aus Oberheimbach.
Die Wertungen lagen relativ dicht zusammen zwischen 13,5 und 15,5 Punkten, was rechnerisch einen Durchschnitt von 14,3 Punkten ergab.

Wein No. 7   2013er St.Goarer Frohwingert Riesling Qualitätswein trocken vom Weingut Philippsmühle.
Der Wein präsentierte sich sehr reif mit leichten Petrolnoten, was zu einer kontroversen Diskussion führte. Er hatte Frucht und Kraft.
Der Frohwingert ist die beste lokale Einzellage und ist teilweise mit 40-50 Jahre alten Reben, teilweise mit 2005 angepflanzten Reben bestockt. Wer den Petrolton nicht mochte, wertete ihn um die 13,0 Punkte, die Freunde dieses typischen Tons für reife Rieslinge gingen bis 16,0 oder sogar 16,5 Punkte. Der Durchschnitt pendelte sich bei 14,8 Punkten ein.

Wein No. 8  2015er Riesling Königswinterer Drachenfels „Rüdenet“ Qualitätswein trocken vom Weingut Pieper.
Obwohl spontan vergoren gefiel dieser junge Wein doch allgemein. Er spiegelte die Minera-lik des Drachenfels-Trachyts wieder. Rüdenet ist eine alte Gewannbezeichnung, die wieder auflebt. Es ergab sich eine recht harmonische Bewertung zwischen 14,5 und 16,0 Punkten, was mit 15,1 Punkten zur besten Durchschittswertung des Abends führte.

Wein No. 9  2014er St.Goarer Burg Rheinfels Riesling Qualitätswein halbtrocken vom Weingut Philippsmühle.
Der Restzucker von 16,4 gr/L führte zu einer fruchtigen Rieslingnase mit Honignoten.
Die Reben wachsen auf 100% Schiefer. Hier schieden sich die Freunde des etwas lieblicheren Weines, die bis 15,5 Punkte vergaben, von den Trockenliebhabern, die nur mit 13,0 Punkten werteten. Der Durchschnitt ergab 14,4 Punkte.

Wein No. 10  2014er Hönninger Am Münchberg Riesling „S“,  Qualitätswein feinherb vom Weingut Sebastian Schneider.
Feinherb hieß bei diesem Wein 26 gr/L Restzucker. Auch hier gingen die Trockenfans bis auf 12,5 Punkte herunter, wogegen die Liebhaber des auch mal etwas süßeren Tropfens bis 15,0 Punkte vergaben. Im Schnitt kamen 14,2 Punkte heraus.

Wein No. 11  2015er Königswinterer Drachenfels Riesling Qualitätswein Spätlese vom Weingut Pieper.
Ein spontan vergorener Wein mit deutlichen Honignoten, dessen 80,7 gr/L Restzucker deutlich schmeckbar waren. Ein typischer Digesthiev-Wein, von dem man nicht allzu viel trinkt. Die Wertungen zwischen 13,0 und 15,5 Punkten zeigten wieder die Präferenzen auf, wobei eine bemerkenswerte Zahl der Koster mit glatten 15,0 Punkten sehr einheitlich wertete. Der Durchschnitt lag bei 14,6 Punkten.

Zum guten Schluss ein gereifter Rotwein, aber kein „Drachenblut“:
Wein No. 12  2012er Rhöndorfer Drachenfels Qualitätswein Spätburgunder trocken vom Weingut Pieper.
Etwas schwierig nach dem süßen Vorgänger war die Spätburgunder zu verkosten, aber Ehre, wem Ehre gebührt: Dieser 12 Monate im Barrique gereifte Spätburgunder fand seine Würdigung. Mit 15,0 Punkten im Schnitt erzielte er die zweitbeste Wertung des Abends, wobei das Gros der Wertungen zwischen 14,0 und 16,0 Punkten lag.

Als Fazit kann man festhalten, dass alle Weine den selbst gesetzten Anspruch erfüllten. Es ist schön, dass es außer der knappen Handvoll bekannter „Spitzenwinzern“ am Mittelrhein jetzt Nachwuchswinzer gibt, die eine solch hohe Qualität erzeugen und das zu verbraucherfreundlichen Preisen.

Zu den 3 beteiligten Weingütern:

Philipps-Mühle, St.Goar
Das heutige Weingut war ursprünglich eine Mühle, die erst kürzlich nach langen 781 Jahren Betrieb geschlossen werden musste, da mittlerweile keinen der Abnehmerkreis für handwerklich vermahlenes Mehl zu klein geworden ist. Der Vater der Brüder Thomas und Martin Philipps war noch hauptsächlich Müller.
Von ursprünglich nur 0,2 ha für den Eigenbedarf ist das Weingut mittlerweile auf ca. 5 ha Rebfläche in St.Goar und Oberheimbach angewachsen, größtenteils auf Devonschieferböden im Steilhang. Sie sind mit 90% Riesling und 10% Müller-Thurgau bestockt.
Gegen den Trend werden in den kommenden Jahren weiter Weinbergsbrachen rekultiviert, um die jahrtausendealte Weinbautradition der Region zu bewahren.
Im Weingut wird eine Winzerschenke und an der Loreley eine Vinothek betrieben.

Weingut  Sebastian Schneider – Schneider das Weingut, Bad Hönningen
Das Weingut ist eine Neugründung aus 2006. Der elterliche Betrieb, das Stadtweingut Bad Hönningen (8,5 ha) musste aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben werden.
Nach der Lehre im elterlichen Betrieb erweiterte er seine Erfahrungen bei Dönnhoff und arbeitete  u.a. bei Markus Molitor, wo er auch in die Geheimnisse der Spontangärung eindrang. Er machte seinen Abschluss als Weinbautechniker in Bad Kreuznach. Heute arbeitet er als Betriebsleiter in der WG Meddersheim / Nahe.
Ausgehend von 1 ha in Hönningen bewirtschaftet er bzw. lässt inzwischen ein Panoptikum von Flächen in Ober- und Niederheimbach und Boppard bewirtschaften, insgesamt 2,5 ha mit steigender Tendenz. Das Rebsortenspektrum umfasst neben Riesling   Grau- und Weissburgunder sowie Müller-Thurgau (Rivaner) und etwas Spätburgunder. Diese weite Streuung der Lagen zwischen Mäuseturm und Siebengebirge stellen eine logistische Herausforderung dar.

Weingut Pieper, Königswinter („Ihr Siebengebirgswinzer“)
Das Weingut Pieper ist einer von 3 Vollerwerbswinzern in Nordrhein-Westfalen. Von den 24 ha im Siebengebirge in NRW bewirtschaftet das Weingut allein über 9 ha. Bekannt ist die Gutsschänke „Jesuiter-Hof“ mitten in Königwinter, einem Tourismus-Hotspot am unteren Mittelrhein. Dazu gehören zur erweiterten Familie u.a.  das wunderschöne Haus „Drachenloch“ und das „Weinhaus am Domstein“ in Rhöndorf. Bekannt sind der Rotwein „Drachenblut“ und das Cuvee „Guerilla“. Die Weine gedeihen rund um den Drachenfels auf Trachytböden, der Stein, aus dem u.a. die mittelalterlichen Teile des Kölner Doms gebaut sind.
Wer die NRW-Weine verfolgt hat, konnte feststellen, dass speziell das Weingut Pieper einen Qualitätssprung gemacht hat, seit Felix Pieper nach Absolvierung der FH Geisenheim für die Weine verantwortlich ist.
Das Rebsortenspektrum ist recht breit. Neben Riesling werden Burgundersorten und Chardonnay, Sauvignon Blanc, gelber Muskateller, Kerner, Gewürztraminer, Ehrenfelser, Scheurebe und Portugieser angebaut. Chardonnay und Spätburgunder werden auch im Barrique ausgebaut. Auch Sekte werden angeboten.
Die meisten Weine werden in nahen Umkreis von Königswinter vertrieben.

Verfasser: Wilfried

2016_04_Gipfelstürmer Probenergebnis

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