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Weinprobe Britzingen im Markgräfler Land am am 11.01.2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 4. April 2018

Das neue Jahr begann mit einer Probe zum Thema Markgräfler Land. Dazu konnten wir Herrn Florian Meier von der Winzergenossenschaft Britzingen begrüßen. Er war dienstlich für drei Tage in Köln und so konnten wir ihn überreden, anschließend an seine Präsentation der Winzergenossenschaft bei uns eine Probe abzuhalten.

Im Markgräfler Land wird schon seit der Römerzeit Wein angebaut. Ab 773 nach Christi ist der Weinbau auch urkundlich nachgewiesen.

Die Weinbereitung war sehr lange recht einfach: die geernteten Trauben abpressen, gären lassen und dann in Gefäße geben die mit etwas Schwefel ausgeräuchert wurden.  Entsprechend war die Qualität auch Verkauf erzeugt. Viel Geld war damit allerdings nicht zu verdienen. Die Arbeit wurde in den evangelischen, markgräflichen Gebieten zusätzlich noch durch die Realteilung erschwert, wodurch die Bauern teilweise nur 100 Stöcke pro Parzelle besaßen. Durch den Bau der Eisenbahn im Rheintal konnte auswärtige, billiger Ware verkauft werden. 1875 war ein sehr kalter, nasse Sommer mit entsprechend katastrophaler Ernte, und die Weinpreise wurden von den Weinkommissionären stark gedrückt, so dass viele Bauern den Weinbau aufgaben.

Als Gegenreaktion ermutigten die örtlichen Pfarrer die Bauern sich zu Genossen­schaften zusammen zu schließen umso Qualität und Preise zu erhöhen. Die heutige Britzinger Winzergenossenschaft wurde 1950 gegründet. Heute hat sie ca. 200 Mitglieder, 190 ha Rebfläche und zählt damit in Baden zu den (zu) kleinen Genossenschaften. Da man sich aber rechtzeitig auf Qualität besonnen hat, kann man auch als kleine Genossenschaft rentabel arbeiten.

Unsere Probe begann mit einem Crémant. Die Winzergenossenschaft hat sich auf Sektherstellung spezialisiert. Während man 2000 vier verschiedene Sekte mit ca. 10.000 Flaschen produzierte, sind es heute 12 Sorten mit einer Menge von 90.000 Flaschen. Für die Sekterzeugung nach Champagner-Vorbild wurden 3,5 ha Schwarzriesling (Pinot Meunier) angepflanzt, von denen 2 ha nur für die Sekterzeugung gebraucht werden.

  1. 2013 Britzinger Crémant, „Rosé“, brut der Winzergenossenschaft Britzingen ist eine Cuvée aus Spätburgunder, Chardonnay und Schwarzriesling. Nach einer Ganztraubenpressung stand der Most 5 Tage auf der Maische. Die zweite Gärung erfolgte dann klassisch als Flaschengärung.

Ein gut gemachter, sauberer, recht fruchtiger, runder, sehr weicher Sekt, eine Spur buttrig und im Abgang etwas herberer.

Es folgte ein Pärchen aus den alten Rebsorten Gutedel bzw. Elbling. Gutedel hat sich seit 5000 Jahren genetisch praktisch nicht verändert, was durch Funde von Traubenkernen in den Grabstätten der Pharaonen in Luxor belegt ist. Im Markgräfler Land war der Gutedel früher stark vertreten, in einer sehr kühlen Wetterphase um 1700 zog sich der Anbau dieser Rebe aber in die südliche Alpenregion zurück, da in Baden die Trauben nicht mehr ausreifen konnten. Erst der Markgraf von Baden förderte um 1800 wieder den erneuten Anbau.

International ist die Rebsorte als Chasselas vom Genfer See bekannt und erzielt dort auch stolze Preise. Im Veneto ist diese Rebe als Marzemino Bianco bekannt, dient aber nur zur Erzeugung einfacher Weine. Eine Weiterzüchtung als Tafeltraube wird unter dem Namen Madeleine Royal vermarktet.

  1. 2016 Britzinger Rosenberg, Gutedel der Winzergenossenschaft Britzingen

Ein sauberer, fruchtiger, etwas verhaltener, weicherer Gutedel mit leichterer Struktur, aber angenehm zu trinken.

Der Gegenpart dazu war ein Roter Elbling, die seltene Mutation des Weißen Elblings

  1. 2015 Hellershof Zilliken, Roter Elbling vom Weingut Hellershof Zilliken aus Nittel an der Obermosel. In Nittel steht der Elbling auf Muschelkalk in einer Lage mit sehr warmem Mikro-Klima.

Ein, etwas herb fruchtiger, leicht adstringierender Elbling, sehr klar mit guter Säure

Als nächstes Pärchen konnten wir zwei Chardonnay-Weine aus Britzingen verkosten. Da der Chardonnay im Markgräfler Land dem Weissburgunder sehr ähnlich werden kann, wird in Britzingen darauf geachtet, dass etwa ein Drittel der wird Fläche mit einem Duftklon bepflanzt wird, um dem Chardonnay eine eigene Würze zu geben.

  1. 2016 Britzinger Chardonnay, Kabinett der Winzergenossenschaft Britzingen wurde mit einem Ertrag von ca. 65 hl/ha geerntet und im Edelstahl ausgebaut.

Ein klarer, fruchtiger, zart blumiger, duftiger Chardonnay mit leichterer Struktur, der aber trotzdem nicht dünn wirkte.

  1. 2015 Badenweiler Römerberg, Chardonnay „Premium“ Spätlese der Winzergenossenschaft Britzingen

Der Wein wurde mit niedrigerem Ertrag von 50 hl/ha geerntet und im Holz ausgebaut (Halbstückfässer und 4- und mehrjährige Barriques).

Ein dichter, etwas fülligerer Chardonnay, mehr Struktur, Extrakt und Länge, aber auch etwas Rauchnoten und Räucherspeck vom Holzfass-Ausbau.

Unser drittes Pärchen waren zwei Grauburgunder, die zeigten wie unterschiedlich die Weine der gleichen Rebsorte durch unterschiedliche Herkunft und Ausbauart sein können.  Beide waren mit einem Ertrag von 40 – 50 hl/ha geerntet worden. der

  1. 2016  Grauburgunder Qualitätswein vom Weingut Hellershof Zilliken aus Nittel an der Obermosel steht wie der Rote Elbling wieder auf Muschelkalk

Ein klarer, zarterer, fruchtbetonter, recht eleganter, leicht mineralischer Grauburgunder mit feiner Säure und mehr Kohlensäure abgefüllt. Im Abgang ist er dann leichter.

  1. Der 2015 Britzinger Sonnhole, „Exclusiv“ Grauburgunder der Winzergenossenschaft Britzingen steht dagegen auf Lößlehm und gehört zur „Exklusiv-Serie“, die 1992 eingeführt wurde, um einen deutlichen Unterschied zum damals breiten, Honig-süßen Ruländer zu zeigen. Es dürfen hier nur Trauben aus alten Anlagen (älter als 25 Jahre) verwendet werden und die Ernte muss manuell erfolgen.

Ein dichter, weicher, runder, weicher Grauburgunder, anfangs etwas zurückhaltende Frucht, dann aber kommt schnell eine würzige Note, die bis zum Abgang bleibt. Insgesamt ein weicher, runder, etwas barocker Wein, der aber trotzdem noch eine frische Säure besitzt.

Als viertes Pärchen verkosteten wir zwei Spätburgunder, wieder mit etwas gleichem Ertrag von 45 -50 hl/ha, aber unterschiedlicher Herkunft und Ausbauart.

  1. Der 2014 Britzinger Rosenberg, Spätburgunder „St.Jacobus“ der Winzergenossenschaft Britzingen                 

wurde zu je einem Drittel in neuem und 1- bzw. 2-jährigen Barriques ausgebaut.

Durch das wärmere Klima hat er mehr Tannine und wurde deshalb mehr in gebrauchtem Holz ausgebaut. Sauberer, recht klarer, kräutrig-fruchtiger Spätburgunder mit feiner Säure, kaum Barrique-Tönen aber auch einem Hauch stumpferer Tannine

  1. Der 2016 Spätburgunder, „Edition Ponsart Nr.27“ der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr wurde nur in neuem Holz ausgebaut. Durch die Verwendung von lockerbeerigen Klonen, die dadurch auch viele kleinbeerigen Trauben haben, zeigt der Wein eine dunklere Farbe. Ein dichter und eleganter, gradliniger sehr kirsch-fruchtiger Spätburgunder mit weicherem Tannin und sehr dezentem Holzton.

Beide Weine gewinnen an der Luft. Beim Vergleich muss man aber auch berücksichtigen, dass der Britzinger Spätburgunder schon mehr Reife zeigt und aus dem schwierigen Jahr 2014 stammt, während der Ahr-Spätburgunder durch seine Jugend noch deutlich mehr Frucht besitzt und aus dem an der Ahr sehr guten Jahr 2016 stammt.

Beim letzten Pärchen konnten wir dann einen Merlot aus Britzingen mit einem Merlot-Cabernet Sauvignon-Cuvee aus Rheinhessen vergleichen.

  1. Der 2015 Hirschhof, „Platzhirsch“, Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon vom Weingut Hirschhof aus Westhofen                

Eine deutliche Beerenfrucht mit weichem, leichterem Tannin, und mehr Holz-Tönen. Der Cabernet Sauvignon-Einfluss ist deutlich erkennbar.

  1. Der 2013 Badenweiler Römerberg, Merlot „St.Paulus“ der Winzergenossenschaft Britzingen              

Dieser Merlot stammt aus einer reinen Kalk-Lage, die zu den wenigen Steillagen im Markgräfler Land gehört. Ein niedriger Ertrag von etwa 50 hl/ha und Handarbeit bei der Ernte haben zu diesem eigenständigen Merlot geführt.

Ein klarer, recht dichter, fruchtiger, leicht pfeffriger Wein, durch den Barrique-Ausbau zeigt er eine recht weiche Frucht, mit festem, noch etwas kantiges Tannin

Zum Abschluss gab es dann noch ein süßes Bonbon.  2015 war ein sehr gutes Jahr in Britzingen, denn von Ende August bis Mitte November herrschte warmes, trockenes Wetter und so konnten die Trauben zum optimalen Zeitpunkt geerntet werden. Diese Gelegenheit hat die Winzergenossenschaft genutzt, eine große Palette an edelsüßen Weinen zu erzeugen. Aufgrund der kleinen Mengen wurde diese Beerenauslese in 90-l Glasballons ausgebaut und bei 13-14°C bis Ende April vergören.

  1. Die 2015 Britzinger Sonnhole, Gewürztraminer Beerenauslese der Winzergenossenschaft Britzingen                 

Ein dichter, nicht fetter Gewürztraminer, mit dezenter, erkennbarer aber nicht überparfümierter Gewürztraminer-Frucht, Die Süße ist trotz des hohen Restzuckers durch die weiche, kräftige Säure gut eingebunden und wirkt nicht pappig

Damit waren wir am Ende unserer Probe angekommen. Herrn Florian Meier müssen wir dafür danken, dass er sich nach seiner Arbeit noch die Zeit genommen hat, uns diese Weine zu präsentieren. Es war eine Probe der „anderen Art“, da er nicht nur Weine aus dem eigenen Hauses vorgestellt hat, sondern geschickt einige Weine aus anderen Anbaugebieten, Rebsorten und mit verschiedenen Herstellarten als Kontrast dagegen gestellt hat. Und es ist ihm gelungen, zu zeigen wie unterschiedlich gute Weine sein können.

Verfasser: Dieter

2018_01_Weinprobe Britzingen Probenergebnis

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