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Weinprobe mit Rosé-Weinen aus der Provence am 20.07.2017

Erstellt von Dieter am Freitag 25. August 2017

Unser ausländisches Thema ist dieses Jahr Südfrankreich und was bot sich da besser an als eine Rosé-Probe im Sommer mit Weinen aus der Provence, dem typischen Rosé-Gebiet Frankreichs. Frankreich ist weltweit das Land mit der prozentual höchsten Rosé-Produktion und auch mit dem größten Eigenverbrauch an Rosé-Weinen. Von 1990 bis 2013 ist ihr Anteil in Frankreich von ca. 10% auf 30% angestiegen und mehr als ein Drittel aller französischen Roséweine stammen aus der Provence.  Entsprechend hoch ist dort der Anteil an der Produktion mit fast 90%.

Als die EU erlauben wollte, Rosé-Weine auch aus weißen Trauben durch Anfärben mit Rotweinen zu produzieren, kam aus der Provence der lautstärkste Protest, sodass dieser Vorschlag wieder in den Schubladen der Brüsseler Bürokratie verschwand.

In der Provence darf Rosé-Wein nur aus Rotwein hergestellt werden: Durch direktes Abpressen der Trauben, durch Abpressen nach einer kurzen Maischstandzeit oder durch das Saignée-Verfahren, bei dem den Trauben für die Rotweinherstellung ein heller Vorlaufmost abgenommen wird. (allerdings darf ein kleiner Anteil an weißen Trauben ebenfalls dem Most zugegeben werden.)‘
Die wichtigsten Rebsorten für Rosé sind Cinsault, Grenache, Mourvédre, Syrah und Tibouren.
Unsere Probe begann mit zwei IGT-Weinen aus der Camargue (die formal schon zum Languedoc und nicht zur Provence gehört)

Nr.1    2015’er Rosé „Tete de Cuvee, Grain de Gris“ der Domaine Listel war ein einfacher, schlichter Rosé, den das eine Jahr Reife nicht positiv verändert hatte, denn im Hintergrund tauchten schon muffige, dumpfe Töne auf und der Wein hatte seine Frische bereits verloren. ( 13,09 Punkte) Listel gehört zur Gruppe Vranken Pommery und produziert eher LEH-Qualität.

Nr. 2   2016’er Rosé „Mas Mellot“ der Domaine le Pive konnte ebenfalls nicht begeistern. Er war auch etwas dumpf und hatte deutliche Bittertöne, konnte aber als 2016’er mit etwas mehr Frische punkten. ( 13,44 Punkte) Die Domaine le Pive gehört zur Gruppe Jeanjean, die in Südfrankreich mehrere Weingüter besitzt.

Nr. 3   2016’er Rosé „M“ vom Chateau Minuty  Dieser Wein war in unserer Verkostung der erste AOP-Wein, aus der Appellation Cotes de Provence und kommt aus dem Hinterland von St.Tropez. Ein einfacher, aber sauberer Rosé mit leichten Eisbonbon-Tönen. ( 13,53 Punkte) Das Weingut verarbeitet zugekaufte Trauben und ist in der französischen Gastronomie stark vertreten.

Nr. 4   2016’er Rosé „Le Galantine“ der Domaine le Galantine. aus der Appellation Bandol.  Die Rotweine dieser Appellation haben sehr einen hohen Mourvedre-Anteil, was auch für die Roséweine gilt. Der Wein war recht dicht und fruchtig, aber durch den hohen Alkoholgehalt von 13,5% wirkte er auch etwas brandig. Dennoch wurde er recht gut bewertet. (14,66 Punkte)

Zwei Rosés der Domaine Jas d’Esclan (nicht zu verwechseln mit dem benachbarten Chateau Jas d’Esclan) schlossen sich an.

Nr. 5   2016’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé besteht aus den vier Rebsorten Grenache 50%, Syrah 25%, Cinsault 15%, Tibouren 10%. Diese Basis-Qualität konnte sich geschmacklich kaum von den Vorgängern absetzen. (13,84 Punkte)

Nr.6    2016’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé „Coeur de Loup“ Dieser Wein war als Selektionswein deutlich dichter und voller, hatte aber auch einen etwas störenden Bitterton. Dennoch konnte er die vorherigen Weine in der Bewertung übertreffen. (14,66 Punkte)

Nr.7    2016’er Sainte Aix, Domaine de la Grand Seouves Rosé „Aix“ war der einzige Rosé aus der westlich gelegenen Appellation Aix en Provence. Seit Jahren ist er einer der weltweit bekanntesten Roséweine. Bei uns konnte er geschmacklich nicht ganz überzeugen. ( 14,09 Punkte) Warum für diesen Wein eine eigene Flasche mit eingeprägten „Aix“, aber als Verschluss aber ein einfacher Presskorken verwendet wird, ist bei einem Wein der mittleren Preisklasse (12 €) nicht ganz verständlich.

Nr. 8   2016’er Chateau de Roquefort, „Rosé Corail“ bestand aus den fünf Rebsorten Grenache, Syrah, Cinsault, Carignan, Vermentino (Rolle). Hier ging es qualitativ wieder aufwärts: Eine klare, saubere Frucht mit zarter Herbe und guter Struktur. (14,66 Punkte)

Nr.9.   2016’er St.André de Figuerère, Rosé „Premiere“, war wieder ein von der Mourvèdre-Traube geprägter Wein. Er zeigte sich sauber und klar in der Frucht, wirkte am Gaumen aber etwas blass und es fehlte ihm etwas an Länge. (14,06 Punkte) So konnte er gegenüber seinem Vorgänger nicht ganz mithalten.

Nr.10  2015’er Chateau Les Valentines, Rosé wird der von der Cinsault-Traube geprägt (Cinsault 50%, Grenache 30%, Syrah 10%). Als 2015’er hatte er schon Frische verloren und war insgesamt zwar sauber, aber recht neutral in der Frucht. (13,38 Punkte)

Nr.11  2016’er Chateau Jas d’Esclans, Rosé „Whispering Angles“ Dieser Wein kommt nicht von der Domaine sondern vom Chateau Jas d’Esclans und wird durch Grenache von bis zu 90 Jahre alten Reben dominiert. Im Mund Schwarze Johannisbeere und eine angenehme Kräuternote. (14,25 Punkte). Das Weingut wurde 2006 von Sacha Lychine (Chtaeau Prieuré-Lichine in Margaux) übernommen mit dem Anspruch, den besten Rosé der Welt zu produzieren. Der Name „Whisperig Angels“ steht für eine moderne Weinlinie im „Neue-Welt-Stil“. Die höhere Qualitätsanspruch zeigte sich auch daran, dass es der erste Wein unserer Verkostung war, dem man einen ordentlichen Naturkorken gegönnt hatte.

Nr.12. 2015’er Chateau Miraval, Rosé „Miraval“, Dieser Wein ist bekannt geworden als der Promi-Wein von Brad Pitt und Angelina Jolie. Bei dem Bekanntheitsgrad dieses (ehemaligen) Pärchens ist zu befürchten, dass außer viel Marketing-Geschrei nichts Herausragendes herauskommt, aber glücklicherweise wird der Wein von der Familie Perrin vom Chateau Beaucastel in Chateauneuf du Pape gemacht, die das Gut nach der Trennung der beiden auch übernommen hat.

Einerseits ein sauberer, recht fruchtiger, kräutriger, zart herber Rosé, andererseits aber etwas international und glatt. Als 2015’er zeigte er schon Reifenoten, und ist eigentlich zu teuer für diese Qualität (14,00 Punkte).

Nr. 13 2015’er Domaine Jas d’Esclans, Rosé „Cuvee de Loup“,
der dritte Wein dieses Weinguts fiel etwas aus dem Rahmen, denn der Rosé wurde für 2 Monate im Barrique ausgebaut. Entsprechend hoch ging es bei der Diskussion her, ob ein Rosé im Barrique ausgebaut werden sollte. Wer den sehr dezenten Holzton mochte, fand hier einen interessanten Rosé vor (14,25 Punkte).

Nr.14  2016’er Les Vignobles Gueissard, Rosé war eine Zugabe unseres Weinbruders Wilfried anlässlich seines Geburtstags (und daher ohne Wertung). Ein Wein aus der Appellation Bandol und somit Mourvèdre-geprägt (Mourvèdre 50%, Grenache 35%, Cinsault 15%).

Ganz anders als die vorherigen Rosés war er sehr fruchtig, würzig, mit interessanten Geschmacksnoten und somit ein guter Abschluss der Probe.

Unser Referent hat sich bemüht, einen repräsentativen Querschnitt über die Rosé-Weine der Provence zusammen zu stellen. Leider ist das bei uns in Deutschland nicht so einfach, da hier nur relativ wenige Rosés aus der Provence vertrieben werden, die meistens auch noch von größeren Handelsmarken stammen (wie die Nr. 1) und von denen auch nicht immer die jüngsten Jahrgänge vorhanden sind. Denn das hat die Probe gezeigt: die meisten dieser Wein altern recht schnell und die Produzenten scheinen sich auch nicht viel Mühe zu geben, um das zu verhindern. Nur die Weine 11 bis 13 hatten einen Naturkorken, alle anderen besaßen einen einfachen Presskorken, ja zwei der Weine waren sogar mit einem geschäumten Kunststoffkorken verschlossen, der kaum noch eingesetzt wird, da dieser Korken sehr Sauerstoff-durchlässig ist. So verlieren die Weine nach einem halben bis einem Jahr schon deutlich an Frucht und bekommen oxidierte Noten.

Der Trend zum Roséweine steigt seit Jahren, wenn man aber unsere Bewertungen ansieht, war die Begeisterung nicht ganz so hoch.
Da aber das Jahresthema Südfrankreich lautet, musste unbedingt auch eine Rosé-Probe dabei sein, um den Wein-Horizont zu erweitern. Und diesen Überblick zu vermitteln,  ist unserem Referenten sehr gut gelungen.

Verfasser:  Dieter

2017_07_Roséweine aus der Provence Probenergebnis

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