• Veranstaltungen

  • Unser Newsletter


Weinprobe Rotweine aus Franken vom 16.03.2017

Erstellt von Dieter am Mittwoch 10. Mai 2017

Franken als sechstgrößtes deutsches Weinbaugebiet, hatte 2016 nach der Statistik der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau 6.237 ha. Nimmt man die Rebflächen in ganz Bayern, so kommt man auf 6.310 ha, wovon 6.057 ha im Ertrag sind.
Die Rotweinsorten hatten nur einen Anteil von 18,8 %, ( 1.139 ha).
Das ist für ein eigentlich als Weißweingebiet bekanntes Anbaugebiet doch schon eine ganze Menge.
Dabei wird Spätburgunder auf 4,4% (266 ha) und Domina auf 5,5 % (333 ha) der
Rebfläche angebaut. Andere Rotweinsorten liegen bei 2,4% und weniger je Sorte.
Trotz der leichten Dominanz der Anbaufläche der Domina haben wir uns mit einer Ausnahme auf den Spätburgunder beschränkt.
Die bekanntesten Rotweinlagen befinden sich am Untermain im Mainviereck (Bürgstadt und Klingenberg) sowie im badischen Taubertal (Badisches Frankenland, Tauberfranken).
Randersacker (Sonnenstuhl) im Maindreick und das zum Steigerwald zählende Wiesenbronn können wohl eher als Rotweininseln bezeichnen werden.
Dennoch haben viele Winzer zur Abrundung ihres Angebots etwas Rotwein auf ihrer Weinkarte.

Die Weine wurden auf einer Rundreise im Dezember 2016 eingesammelt. Viele der bekannteren und auch uns eher unbekannten Winzer waren zu diesem Zeitpunkt weitgehend ausverkauft, besonders bei ihren Spitzenweinen, die wir uns im Rahmen unseres Budgets sowieso nicht hätten leisten können.

Nun zu unseren verkosteten Weinen (Angaben zu den Weingütern am Ende des Berichtes):

Nr. 1:  2015 Domina, Weingut Schmitt’s Kinder, Randersacker
Zu Beginn gab es den (wohlweislich) einzigen Nicht-Spätburgunder.
Domina ist eine Kreuzung aus Blauer Portugieser und Spätburgunder; gezüchtet im Geilweilerhof (Pfalz) von Peter Morio. Wegen ihrer guten Frostbeständigkeit hat sie sich besonders in Franken ausgebreitet. Von den 381 ha in Deutschland stehen allein 333 ha in Franken. Es gibt mehr Domina- als Spätburgunderflächen in Franken (s.o.).
Die Domina ergibt Weine mit hohem Gerbstoffgehalt, die gegeben falls auch hohe Säurewerte aufweisen können und eine gewisse Zeit zum Reifen brauchen.
Genau diese Eigenschaften führten bei diesem typischen Dominawein zu einer sehr unterschiedlichen Wertung.
Abgesehen von einem Probenteilnehmer, der den Wein untrinkbar fand (10 Punkte) gab es Wertungen zwischen 12,5 und 15,5 Punkten, wobei die höchsten Wertungen gerade wegen des doch reifen Tannins im Wein vergeben wurden. Im Schnitt ergab das 13,76 Punkte und damit knapp die schwächste Wertung der Probe.
Nr. 2:  2015 Wiesenbronner Spätburgunder, Weingut Roth Wiesenbronn, BioWein
Ein Wein aus klassischer Maischegärung ausgebaut im grossen Holzfass, dessen Holz von Wiesenbronner Eichen stammt, um somit der angestrebten Regionalität Rechnung zu tragen.
Dieser VDP-Ortswein ist ein typischer Spätburgunder mit dunklen Beeren in der Nase, fruchtig und kräftig und nicht breit. Wir werteten ihn mit 14,26 Punkten bei einer Varianz von 3 Punkten.
Nr.3:  2014 Veitshöchheimer Spätburgunder, Weingut Bürgerspital Würzburg.
Ein sauber vinifizierter Spätburgunder, gereift im großen Holzfass, ohne besondere Eigenschaften.
Mit im Schnitt 13,95 Punkten bei einer Varianz von 2,5 Punkten zählte er zu den 3 unter 14 Punkten gewerteten Weinen, im Vergleich zum Qualitätsniveau bei den Weißweinen des Bürgerspitals eine eher schwache Wertung.
Nr.4:  2015 Spätburgunder „Tradition“, Weingut Rudolf Fürst, Bürgstadt

Dieser Spätburgunder ist die Basisqualität des Spitzenweingutes.
Er wird zu 80% in gebrauchten Barriques und zu 20% in Doppelstückfässern ausgebaut.
Die Spätburgunderart war deutlich herausgearbeitet. Unsere Wertung ergab im Schnitt 14,67 Punkte bei 2,5 Punkten Varianz.
Nr.5:  2014 Wiesenbronner Wachthügel, „Pinot Noir“, Weingut Roth Wiesenbronn, BioWein
„Pinot Noir“ heisst der Wein, weil er etwas in Richtung französischen Stils in gebrauchten Barriques ausgebaut ist. Es kann als feinfruchtig mit zart-würzigen Aromen beschrieben werden. Wir bewerten mit 14,79 Punkten bei einer Varianz von 2 Punkten.
Nr. 6:  2014 Spätburgunder „Buntsandstein“, Weingut der Stadt Klingenberg (Benedikt Baltes)

Dieser VDP-Gutswein wurde vom Weingut als betont schlank und mineralisch beschrieben.
Uns störte eine scharfe Note im Wein, was zu einer Wertung von nur 13,81 Punkten im Schnitt führte (bei 3 Punkten Abweichung). Er war der 3. mit weniger als 14 Punkten bewertete Wein des Abends.
Nr. 7:  2014 Spätburgunder Reserve, Weingut Arnold, Randersacker
Auf der Internetseite des Weingutes stand die interessante Information, dass schon Karl der Dicke, der letzte Karolinger, der über das ganze Frankenreich herrschte, den Spätburgunder im Jahre 884 an den Bodensee brachte, von wo aus er in Deutschland seinen Siegeszug als beste deutsche Rotweinrebe antrat.
Der Wein stammt vom Kapellenberg in Eibelstadt, dem Nachbarort von Randersacker, vom fränkischen Muschelkalk. Nach 14-tägiger Mazeration reifte dieser Wein 15 Monate im großen Holzfass.
Obwohl es Stimmen gab, die den Wein als untypisch für einen Spätburgunder bezeichneten, erhielt er mit 15,07 Punkten bei einer Varianz von nur 2 Punkten eine recht hohe Wertung.
Nr. 8:  2013 Randersackerer Sonnenstuhl, „Tradition“, Weingut Schmitt’s Kinder Randersacker
Der Sonnenstuhl ist eine Erste Lage des VDP und zählt zum oberen Muschelkalk. Der Boden ist gut erwärmbar sodass sich Spätburgunder dort besonders wohl fühlt.
Er wurde durchgehend als wirklich guter Spätburgunder bewertet, was sich in der Tageshöchstnote von 15,93 Punkten mit nur 1,5 Punkten Varianz ausdrückte, und das von einem Winzer, der vorwiegend Weissweine erzeugt und nur 8% Spätburgunderflächen hat.
Hier spielte wohl auch der Jahrgang 2013 eine Rolle, der auch in Franken besser war als der 2014er.
Nr. 9:  2012 Randersackerer Ewig Leben, Spätlese, Weingut Bardorf, Randersacker
Dieser Wein war der gereifteste der Probe.
Auch hier empfand der eine oder andere den Wein etwas untypisch für einen Spätburgunder.
Lakritztöne und Anklänge an Merlot wurden entdeckt und es fiel anderseits der Begriff „lecker“.
Aus dieser etwas zwiespältigen Bewertung heraus erhielt der Wein 14,69 Punkte bei 2,5 Punkten Varianz.
Nr.10:  2014 Grossheubacher Spätburgunder, Weingut der Stadt Klingenberg (Benedikt Baltes)
Der Wein stammt aus den besten Grossheubacher Lagen vom Buntsandstein.
Dieser Ortswein wurde trotz unterschiedlicher Meinungen mit 15,10 Punkten (bei jedoch 3,5 Punkten Varianz) deutlich besser bewertet als der Gutswein „Buntsandstein“ des gleichen Weingutes (Nr.6)
Nr.11:  2014 Bürgstädter Spätburgunder, wbu Rudolf Fürst, Bürgstadt.
Auch hier hatten wir einen Ortswein im Glas. Wie schon der Basiswein „Tradition“ von Fürst (Nr.4) wurde er zu 80 % im Barrique und zu 20 % im Doppelstückfass ausgebaut.
Bei den Kommentaren wurde von gut herausgearbeiteter Burgundernote gesprochen, ein Spätburgunder, wie er sein soll. Dennoch wurde er von dem einen oder anderen recht kritisch bewertet, wovon die Varianz von 3,5 Punkten zeugt. Als Mittel kamen 15,38 Punkte heraus.
Nr.12:  2014 Reicholdsheimer First, Spätburgunder „R“, Weingut Conrad Schlör ,Reicholzheim (Baden)
Dieser Wein aus der Ersten Lage „First“ wurde nach klassischer Gärung ca. 18 Monate im gebrauchten Barrique ausgebaut. Seine Frucht wurde von vielen als nicht spätburgunder-typisch bezeichnet, was sich auch in der Varianz der Punktung mit 3,5 Punkten niederschlug. Er erhielt im Mittel ein Punktung von 15,26.
Fazit:
Es mag dem vorherrschenden Jahrgang 2014 geschuldet sein, dass einige im Durchschnitt ihrer gesamten Punktung unter 14 Punkten blieben. Oder aber, dass Spätburgunder aus Franken nicht so ganz ihrem Bild vom deutschen Spätburgunder entsprachen, dass eher von der Ahr, der Pfalz oder dem Kaiserstuhl geprägt war.
Auch konnten wir nicht die Spitzenweine der besten Güter in die Probe nehmen, da das unser Budget bei weitem überschritten hätte. Das beste Traubenmaterial kommt nun einmal in die Spitzenweine. Vielleicht war auch deshalb der Spätburgunder vom Weissweinwinzer Schmitt’s Kinder der beste Wein der Probe, der wohl sein bestes Traubenmaterial in diesen Wein tun konnte.
Bei den Toppwinzern waren die Großen Gewächse oder vergleichbare Weine im Dezember 2016 fast alle ausverkauft, bei Fürst zu Preisen von deutlich über 100 €/Flasche.

Die Weingüter:
Randersacker (Maindreieck)

Weingut Wilhelm Arnold             (Wein Nr. 7)
Rebfläche:             11 ha
Beste Lagen:         Pfülben + Sonnenstuhl
Boden:                    Oberer Muschelkalk
Rotweine:               Spätburgunder, Zweigelt, Cuvées
Vorwiegend Weissweine

Weingut Stefan Badorf    (Wein Nr. 9)
Rebfläche:             3 ha
Beste Lagen:         Teufelskeller, Marsberg, Dabug und Sonnenstuhl
Boden:                    tiefgründiger blauer Muschelkalk
Rotweine:               Spätburgunder, Schwarzriesling, Lemberger, Domina

Weingut Schmitt’s Kinder          (Weine 1 + 8)
Rebfläche:             14 ha
Beste Lagen:         Pfülben, Sonnenstuhl, Marsberg und Teufelskeller
Boden:                    Muschelkalkverwitterungsböden
Rotweine:               8% Spätburgunder,  etwas Domina

Würzburg (Maindreieck)

Weingut Bürgerspital       (Wein Nr. 3)
Rebfläche:             120 ha
Beste Lagen:         Stein, Stein-Harfe, Innere Leiste und Lagen von Veitshöchsheim  bis Randersacker
Boden:                    Muschelkalk
Geschichte:            Stiftung 1316 (700 Jahre Jubiläum 2016)
Rotweine:               10% insgesamt : Spätburgunder, Domina , Blaufränkisch,  Cabernet Sauvignon, Merlot

Wiesenbronn (Steigerwald)

Weingut Roth       (Wein Nr. 2 + 5)

Rebfläche:             23,5  ha
Beste Lagen:         Wiesenbronner Heller Berg, Wachhügel und Geißberg, Abtswinder Altenberg
Boden:                    Keuper
Rotweine 45 %:     15% Spätburgunder, 10% Lemberger, 20 %: Cabernet Colon,  Portugieser, Domina, Regent und Schwarzriesling

Bürgstadt (Mainviereck)

Rudolf Fürst         (Weine Nr. 4 + 11)
Rebfläche:             20,3 ha
Beste Lagen:         Centgrafenberg, Hundsrück, Großheubacher Bischofsberg,  Klingenberger Schlossberg
Boden:                    Buntsandstein mit Lehm- und Tonauflage, Muschelkalk
Rotweine:               50% Spät- und Frühburgunder   (aber auch immerhin  18 % Riesling)

Klingenberg (Mainviereck)
Weingut Benedikt Baltes, (ehem. Weingut der Stadt Klingenberg)
( Weine Nr. 6 + 10)

Rebfläche:             14 ha
Beste Lagen:         Klingenberger Schlossberg, Großheubacher Bischofsberg
Boden:                    roter Buntsandstein aus dem Trias
Rotweine:               80  % Spätburgunder sowie Portugieser   Ziel : 100 % Spätburgunder

Tauberfranken (Baden)

Wertheim-Reicholzheim
Weingut Konrad Schlör 
(Wein Nr.12)
Rebfläche:             6,3 ha
Beste Lage:           Reicholzheimer First
Boden:                   Muschelkalk
Rotweine:             22% Spätburgunder, 20% Schwarzriesling

Verfasser: Wilfried

2017_03_Rotweine aus Franken Probenergebnis

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>