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Erstellt von webmaster am Montag 29. Dezember 2008

Die Ziele der Bruderschaft

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  • Eintreten für die Ehrlichkeit und Sauberkeit des Weins
  • Mittler zwischen Produzent und Konsument
  • Einsatz für den deutschen Wein in den angrenzenden Ländern
  • Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Weinbruderschaften

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Weinprobe mit Weinen aus dem Priorat, Teil 1 mit Weinen aus dem Norden am 06.12.2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Das Priorat (katalanisch, Priorato in Spanischen) ist ein Weinbaugebiet in der gleichnamigen Verwaltungsregion. Es liegt etwa 30 km Luftlinie von der Provinzhauptstadt Tarragona entfernt auf den steilen Hügeln der Serra de Montsant.
Der Name der Region leitet sich ab von dem 1183 gegründeten Priorat de la Cartoixa d’Escaladei.(Priorat des Kartäuser-Klosters der Himmelsleiter). Die Ruine des Klosters existiert noch oberhalb des Dorfes Escaladei.
Eine geologische Besonderheit sind hier die Llicorella-Schieferböden Llicorella ist ein meist kupferfarbener, leicht brüchiger Schiefer, dessen rötliche Farbe durch den hohen Eisengehalt hervorgerufen wird. Das DOQ-Gebiet stimmt ziemlich genau mit den Grenzen dieses Bodentyps überein. Umgeben wird das Priorat fast vollständig durch das  Weinbaugebiet Montsant mit seinen kalk- und kieselhaltigen Böden
Innerhalb von Katalonien ist es das älteste Weinbaugebiet, im Mittelalter zählte die Region zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Spaniens.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Gebiet einen kurzen Boom, den es der Ausbreitung der aus Übersee eingeschleppten Reblaus im übrigen Europa verdankte. Dadurch konnten die katalanischen Winzer ihre Weine in die bereits befallenen Gebiete Europas exportieren. Doch 1894 erreichte die Reblaus schließlich auch das Priorat und beendete damit die exportbedingten Boomjahre schlagartig.
Die Rebfläche, die in diesen Jahren bis zu 10.000 Hektar betragen haben soll, schrumpfte auf weniger als 1.000 Hektar. So wurde das Priorat zum Armenhaus Kataloniens, da es kaum landwirtschaftliche Fläche gibt, die für etwas anderes als Oliven, Mandeln oder Wein geeignet ist.
Noch anfangs der 1980er Jahre war das Priorat eine landschaftlich zwar beeindruckende, aber weinbaulich fast vergessene Region, in der gerade zwei Weingüter und eine Genossenschaftskellerei Weine erzeugten, eher plumpe, alkoholschwere Weine, die fast ausschließlich als Fasswein verkauft wurden.
Die Bevölkerungszahl ging entsprechend bis heute auf ein Drittel zurück und die Landflucht der jüngeren Leute hält weiter an.
Erst Ende der 1980er Jahre begann im Priorat die Renaissance des Weinbaus, als eine kleine Gruppe von Winzerpionieren damit begann, in den steinig-kargen, steilen, vielfach terrassierten Weinbergen komplexe, kräftig-tiefgründige Rotweine mit einem guten Alterungspotenzial zu erzeugen. (z.B. Alvaro Palacio mit dem L’Ermita und Finca Dofi , Clos i Terrasses mit dem Clos Erasmus).
Heute gehören die Rotweine aus dem Priorat, die vor allem aus den beiden traditionellen Traubensorten Garnatxa (Grenache) und Samsó oder Cariñena (Carignan) erzeugt werden, zu Spaniens Vorzeigeweinen und so wurde das Priorat neben der Rioja im Jahr 2001 zur höchsten Qualitätsstufe DOCa erhoben.
Das Anbaugebiet umfasst 1.897 Hektar auf 176 Quadratkilometern in Höhenlagen zwischen 150 und 1000 m u. NN.
Die Erntemenge betrug in den Jahren 2012-2013 nur 9.528 hl, was einen Durchschnittsertrag von lediglich 5 hl/ha ergibt. Allerdings ist der geringe Ertrag den großen Böschungsflächen geschuldet, die sich aus den steilen Hanglagen ergeben.
Die Flächen sind zu ca. 93% mit roten Sorten bepflanzt: Grenache in verschiedenen Varianten, Carignan, etwas Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah uns andere.
Der kleine Rest sind weiße Sorten.
Inzwischen gibt es 99 Weingüter und Kellereien, aber 606 Winzer, von denen die meisten allerdings ihre Trauben an diese Weingüter und Kellereien abliefern.

Zu den Weingütern:
Mas Sinen, Burgos – Porta in Poboleda:
Burgos-Porta ist ein Familienbetrieb mit einer langen Weintradition, die bis ins 19. Jh. zurückreicht und es ist heute ein Gemeinschaftsprojekt von Salvador Burgos und seine Frau Conxita Porta. Bis 2003 waren sie Mitglied der örtlichen Genossenschaft, dessen Vorsitzender Salvador Burgos auch war. Da sie ihre Vorstellungen von biologisch-dynamischem Anbau dort nicht durchsetzen konnten, machten sie sich selbstständig. Auf ca. 16 ha Fläche stehen teilweise 50 Jahre alte Reben auf 300 – 500 m Höhe. Die Produktion beträgt nur 25.000 Flaschen /Jahr, davon sind 97% Rotweine.
Nur vier verschiedene Weine (Mas Sinen Blanc, Mas Sinen Petit, Mas Sinen Negre und Mas Sinen Coster) werden produziert und eine Ausweitung der Produktion ist nicht geplant.

Scala Dei in Escaladei in Escaladei :
Die Bodegas Cellers de Scala Dei sind nach der ehemaligen Kartause «Cartoixa de Santa Maria d’Escaladei» aus dem 12. Jahrhundert benannt.
Nach der Säkularisierung des Kirchenbesitzes durch Mendizabal In den 1830er Jahren haben die Vorfahren der heutigen Besitzer die Ländereien des Klosters von Escaladei erworben und die landwirtschaftliche Gesellschaft Societat Agricola l’Unió gründeten. 1878 wurde der erste Priorat-Wein in Flaschen abgefüllt, der auf der Pariser Weltausstellung vorgestellt und auch gleich prämiert wurde. Nach dem Niedergang durch die Reblaus wurde das Weingut 1974 neu gegründet, und wieder waren es das erste Weingut, das Flaschenweine in der Region abgefüllt hat. Mitte der 2000er Jahre wurde Codorníu Gesellschafter und übernahm die Kontrolle über das Weingut.
Heute werden auf ca. 70 ha Fläche neben etwas Fassweinen etwa 200.000 Flaschen produziert. Die Weinberge (42 verschiedene Parzellen) befinden sich zwischen 400 und 800 m über NN. 95% sind Rotweinreben (davon sind 80% Grenache, der Rest sind Carignan und etwas Cabernet Sauvignon und Syrah. 5% sind Weißweinreben (Grenache blanc, Chenin Blanc) Bereits in den 2000er Jahren wurden neue Produktionstechniken wie die Gärung mit den Rappen oder die Reifung in großen 500- 600 l Fässern im Vergleich zu kleineren Barriques eingesetzt.

Buil & Giné in Viella Baixa
1998 gründete Xavi Buil aus Gratollops das etwas gleichnamige Weingut (der Geburtsname seiner Mutter ist Giné).
Inzwischen besitzt das Weingut etwas 78 ha mit weiteren Flächen in Monsant, Rueda und Toro) und produziert etwa 300.000 Flaschen. Davon sind 90% Rotweine (45% Grenache, 35% Carignan, 25% Merlot sowie Syrah und Cabernet Sauvignon) und 10% Weißweine (60% Grenache blanc, 20% Macabeu, 20% Vognier, Moscatel und Pedro Ximenez).

Wir starteten unsere Verkostung mit einem der seltenen Weißweine aus dem Priorat, hier einem Grenache blanc:

1. 2016 Mas Sinen, Blanco, Celler Burgos Porta,

Ein dichter, in der Frucht sehr verhaltener Wein, dafür aber sehr mineralisch, ja sogar leicht salzig, noch herb adstingierend und knochentrocken. Vergärung und 5 Monate Lagerung im Barrique.
Dann kam als Übergang zu den Rotweinen ein Rosé:

2. 2016 Buil & Giné, Giné Rosat, Bodegas Buil & Giné

Ein klarer, zart kirschfruchtiger, recht würziger Rosé, aber recht herb adstringierende Töne. Kein Vergleich zu den üblichen Sommer-Rosés, auch in der Farbe dunkler. Bis auf den höheren Alkohol eher ein leichter Rotwein.
Im nächsten Flight konnten wir zwei Weine vom Weingut Cellers Scala Dei aus Escaladei verkosten:

3. 2017 Scala Dei, „Garnatxa“, Cellers Scala Dei,

Ein leicht mineralischer Wein mit Waldfrüchten, viel Pflaume und etwas Sauerkirsche. Frische Säure, insgesamt eine einfachere Struktur, aber ein ordentlicher Basiswein.

4. 2015 Scala Dei, “Cartoixa”, Cellers Scala Dei,

Dichter Wein aus der Topselektion mit mehr Struktur und auch harmonischer als der Basiswein Garnatxa, durch den Cabernet Sauvignon Anteil wirkt er etwas straffer. Im Mund Kirschen und Brombeeren, aromatische Kräuter (Rosmarin, Thymian), zartes Holz, in der Nase etwas Veilchen. Noch festes, adstringierendes Tannin.

Nach dem Top-Wein von Scala Dei ging es zurück zur Normalqualität von der Bodegas Buil & Giné mit einem Cuvee aus Grenache und Merlot. Der Ausbau erfolgte nur im Stahl.

5. 2016 Buil & Giné, „GinéGiné“, Bodegas Buil & Giné

Viel Frucht: Plaume, Kirsche, dann etwas Kräuter und eine Spur Lakritze, noch sehr jung und trotz des Merlot-Anteils recht adstringierendes Tannin. Ausbau ohne Holz

Zwei Jahrgänge vom Basis-Wein „Petit“ vom Weingut Celler Burgos Porta folgten. Ein Cuvee aus Grenache, Carignan. Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot Der Ausbau erfolgte für 6 Monate in 500- 600-l Fässern aus französische und amerikanischer Eiche:

6. 2015 Mas Sinen, “Petit”, Celler Burgos Porta

Klare, noch etwas verhaltene Frucht, Kirsche, reife Waldfrüchte wie Blaubeere und Brombeeren, aromatische Kräuter wie Thymian und Rosmarin, etwas Leder, leichte Röstnoten mit leichtem Vanille-Aroma.

7. 2009 Mas Sinen, “Petit”, Celler Burgos Porta

Auch hier klare Frucht, Kirsche, reife Waldfrüchte wie Balubeere und Brombeeren, etwas Kräuter Thymian und Rosmarin), Leder, straffe Struktur, aber schon viel weicher, harmonischer und noch keine Altesnoten. Könnte noch länger liegen.

Im nächsten Flight wurden drei Jahrgänge aus der Mittelklasse-Linie „Negre“ vom Weingut Celler Burgos Porta gegeneinander gestellt. Alle Weine sind ein Cuvee aus Grenache, Carignan, Cabernet Sauvignon und Syrah und reiften 12 Monate in franz. Eichenfässern.

8. 2012 Mas Sinen, „Negre“, Celler Burgos Porta

Mehr Dichte als der Basiswein „Petit“, klare, noch etwas verhaltene Frucht, Schwarzkirsche, reife Waldfrüchte , Brombeere, aromatische Kräuter wie Thymian und Rosmarin, etwas Leder, Schokolade. Noch zu junges, recht kantiges, adstringierendes, etwas ruppiges Tannin.

9. 2009 Mas Sinen, „Negre“, Celler Burgos Porta

Dichte Frucht, dunkle Kirsche und Pflaume, reife Waldfrüchte , Brombeere, mehr würzige, mediterrane Kräuter, Spur Schokolade. Ist etwas weicher und hat schon mehr Reife als der 2012er.

10. 2008 Mas Sinen, „Negre“, Celler Burgos Porta

Dichter, voller Wein mit fester Struktur, dunkle Früche, Kirsche, Pflaume. Zarter Reife, leichte Süße und Spur Hanf. Gut integrierte Säure und Tannine, etwas dunkle Schokolade,
wirkt noch etwas reifer und weicher als der 2009’er.

Und im letzen Flight konnte wir zwei Jahrgänge der Top-Weinlinie „Coster“ vom Weingut Celler Burgos Porta probieren. Beide Weine sind ein Cuvee aus Grenache und Carignan von den ältesten Reben. Ausbau für 12 Monaten Reife in französischen Eichenfässern.

11. 2012 Mas Sinen, „Coster“, Celler Burgos Porta

Ein kräftiges Bouquet nach Kirsche, Pflaume, Brombeere, Zimt, Vanille, im Mund noch sehr frisch, dicht, aber nicht fett, wieder Kirschen, Brombeere, Pflaume mit guter Säure. Tannin und Alkohol sind recht gut eingebunden, aber noch sehr fest und jung, dezentes Holz, etwas Lebkuchengewürze. Der Wein braucht noch viel Zeit, um seine Qualität zu entfalten.

12. 2010 Mas Sinen, „Coster“, Celler Burgos Porta

Wie der Vorgänger sehr präsentes Bouquet nach Kirschen, Pflaume, Brombeere, Gewürzen, am Gaumen noch immer sehr frisch, viele dunkle Früchte, Kirsche, Brombeere, Pflaume. Gute Tannin-Struktur, aber weiterhin recht kantiges, festes, adstringierendes Tannin. Wirkt fast etwas verschlossener als der 2015’er und ist von seinem Höhepunkt noch weit entfernt.

Im Vergleich zu anderen Priorat-Weinen waren die von Mas Sinen deutlich verhaltener in der Frucht mit recht festem, herbem Tannin. Auch die reiferen Jahrgänge hatten noch deutlich harte Tannine und waren noch weit von ihrem Höhepunkt entfernt.
Ein Wermutstropfen dagegen sind die Preise der Weine, die für die gebotene Qualität überproportional hoch sind.
Trootzdem konnten wir sehr interessante Weine verkosten und uns einen ersten Überblick über das nördliche Priorat verschaffen. Da wir von Mas Sinen jeweils mehrere Jahrgänge in der Probe hatten, konnten wir auch einen kleinen Einblick in das Alterungsverhalten der Weine gewinnen.
Alles in Allem eine teure, aber auch sehr interessante Probe. Uwe als Referenten und den beiden Mitsponsoren vielen Dank dafür !

2018_12_Priorat 1 der Norden Probenergebnis

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Weinprobe Ungarn, Villany-Siklos mit Rotweinen am 15.11.2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Die Probe wurde vorbereitet und durchgeführt von unserem Weinbruder Svetislav Madzarevic.
Das ungarische Weinanbaugebiet Villany liegt im Südwesten Ungarns nahe der kroatischen Grenze und hat eine Anbaufläche von ca. 2500 ha. Davon sind ca.10 % Weißweintrauben, der Rest Rotweintrauben, die sich folgendermaßen auf die wichtigsten Rebsorten verteilen: 500 ha Cabernet Sauvignon, 380 ha Kekfrankos (Blaufränkisch), 330 ha Cabernet Franc, 300 ha Merlot. Die Weinberge liegen zwischen 150 und 300m Höhe, die Böden sind Löß/Lehm auf Kalkstein und das Klima ist pannonisch-kontinental. Die heutige Probe besteht ausschließlich aus Rotweinen.
Zu den Weinen:
Wein 1:     2015 Cabernet Sauvignon, Weingut Bock Pince, 14% Alk.,
                   Ausbau im großen Holzfass
Dichtes, dunkles Rubin, etwas Räucherspeck und abgehangenes Fleisch in der Nase, etwas Ätherik, erdig, Zimt, Vanille, eher verhaltene Frucht, im Mund noch etwas ruppiges Tannin, kernige Säure, im Moment durchaus anstrengend, aber gute Ausgewogenheit, mittlere Länge, braucht  noch etwas Zeit.
Wein 2:     2015 Cabernet Franc, Weingut Bock Pince, 13% Alk.,
                   Ausbau im großen Holzfass
Etwas helleres, blaustichiges Rubin, Nase kräuterwürzig, floral, Cassis, duftiger als der Cabernet Sauvignon, schlanker im Mund, etwas pfeffrig, das Tannin feiner und die Säure harmonischer als beim Cabernet Sauvignon, nicht so viel Fülle und Kraft, aber Delikatesse und Eleganz, leicht austrocknend im Abgang, kann reifen.
Wein 3:     2015 „Phoenix Cuvee,  Weingut Weninger Gere Kft, 14% Alk.,
Reifer, mittleres Rubin, erdige, ätherische Nase, rote Frucht, im Mund schlank, kühl, etwas staubig-erdige Noten, trockenes Tannin, wenig Charme und Länge.
Wein 4:     2015 „11“ Cuvee, Weingut Sauska Villany, 14,5 Alk.,
Dunkles, dichtes Blaurot, etwas gekochte Brombeerfrucht, Vanille, Ätherik und erdige, pfeffrige Noten, im Mund saftige Frucht, weiches Tannin, schöne Säure, bleibt trotz des hohen Alkohols trinkig, geradliniger, korrekter, internationaler Wein.
Wein 5:     2012 Cabernet Sauvignon, Weingut Mayer Pinceszete, 14,5% Alk.,
                   Ausbau im großen Holzfass
Reifendes, tiefdunkles Rubin, Nase nach Feigen, Datteln, Laub, Unterholz, Ätherik, etwas Eichenholz, im Mund sämige Frucht, präsentes Tannin, milde Säure, durchaus noch kernig und etwas sperrig, adstringierend.
Wein 6:     2012 Cabernet Franc, Weingut Gere Tamas & Zsolt Pinceszete,
                   13,5% Alk.,
Etwas reifere Farbe als Wein Nr. 5, schon leicht oxidierte, karamellige Nase, Kräuterwürze, leicht balsamische und gekochte Frucht, Unterholz, im Mund etwas straffer als Nr. 5, leicht austrocknend im mittellangen Abgang.
Wein 7:     2012 „Medve“ Cuvee, Weingut Maczko Robert Pinceszete, 13,5% Alk.,
Reifendes, dunkles Rubin, etwas Orangenschale, dunkel säuerliche Früchte, etwas Unterholz, im Mund geschliffeneres Tannin als die Vorgänger, schöne Säure, alles sehr gut ausbalanciert, gute Konzentration, mittlere Länge.
Die Weine ab Nr. 8 wurden am Nachmittag vorab dekantiert und in die Originalflaschen zurückgefüllt.
Bei Kopar handelt es sich um eine Lagenbezeichnung
Wein 8:     2014 „Kopar“, Weingut Szemes Pinceszete, 13,5% Alk.,
Reifende, dunkles Rubin, überreife Frucht, Datteln, Feigen etwas Kaffee, Orangenschalen, Gewürznelken, weihnachtlicher Duft, etwas Ätherik, im Mund Bestätigung der Nase, durchaus samtig, schöne Säure, gute Struktur, mittlere Länge, nicht so rustikal wie einige der Vorgänger, oxidiert aber schnell im Glas.
Wein 9:     2013 „Kopar“, Weingut Maczko Robert Pinceszete, 14,5% Alk.,
Reifendes, dunkles Blaurot, Nase nicht so weihnachtlich und überreif wie Nr. 8, eher säuerlich-schwarze Früchte, etwas Kräuterwürze, im Mund erdig, kraftvoll, viel Stoff, reifes Tannin, milde Säure, mehr Länge als Nr. 8.
Wein 10:   2012 Cabernet Sauvignon Barrique, Weingut Gere Atilla Pinceszete,      14,5% Alk.,
Reifendes, dunkles Rubin, ätherische Nase, dunkle Frucht, Vanille, etwas Unterholz, im Mund viel Kraft, präsentes, gut eingebundenes Tannin, viel Fülle, schöne Säure, gute Länge.
Wein 11:   2015  Cuvee„7“ Weingut Sauska Villany, 14,5% Alk.,
Dichtes, dunkles Blaurot, schwarze, säuerliche Frucht, Vanille, Kaffee, Ätherik, im Mund saftige Frucht, poliertes Tannin, schöne Säure, viel Alkohol, sehr gut gemacht, ausgewogen, aber etwas brandig im Abgang. Trotzdem feiner und komplexer als der Vorgänger.
Wein 12:   2015 Cabernet Franc „Selection“, Weingut Weninger Gere Kft,
                   15% Alk.,
Reifes, leicht bräunliches Rubin, pflaumige, leicht überreife Frucht, Kaffee, Karamell, etwa malzige Noten, Paprikapulver, leichte Kräuterwürze, im Mund viel Fülle, Wucht, süßliche Eichenholzwürze, weiches Tannin, gute Säure, schöne Würze und Länge.

Bruderschaftsmeister Dieter Ockelmann bedankte sich im Namen der Wein­bruder­schaft für die sehr gut zusammengestellte Probe und den kenntnisreichen Vortrag von Weinbruder Madzarevic, der die Reihe seiner drei Ungarn-Proben 2018 damit abschließt.

Verfasser: Bernd

2018_11_Ungarn Villany Rotweine Probenergebnis

 

 

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Weinprobe Ungarn, Tokaj mit trockenen und süßen Furmintweinen am 18.10.2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Das Weinanbaugebiet Tokaj liegt zum großen Teil (etwa 90 %) in Nord-Ungarn, die übrigen 10% der Süd-Slowakei. Namensgebend ist die alte ungarische Stadt Tokaj. Das 87 Kilometer lange und drei bis vier Kilometer breite Tokajer Weingebiet erstreckt sich zwischen den Flüssen Theiß und Bodrog am Fuße des Tokajer Gebirges. Im Jahre 2002 wurde der ungarische Teil des Weinbaugebiets von Tokaj als Kulturlandschaft in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Angebaut werden ausschließlich weiße, spät reifende Rebsorten:
Furmint ist vermutlich eine autochthone Sorte Ungarns. Erstmals in Ungarn erwähnt wird sie 1623. Zu ihrer Herkunft gibt es bisher keine Belege, aber viele Vermutungen und Geschichten. Zu den bekanntesten zählt, dass die Rebe von italienischen Einwanderern unter König Béla IV. im 13. Jahrhundert nach Ungarn gebracht wurde. Eine andere, etwas plausiblere Erklärung besagt, dass sie im 17. Jahrhundert von der venetischen Prinzessin Formentini mitgebracht wurde. Heute stellt der Furmint 70 % der bestockten Rebfläche im Weinbaugebiet Tokaj. Obwohl die jährlich erzielbaren Mostgewichte ausreichend hoch sind, um Weine mit einem Alkoholgehalt von 14 Volumenprozent oder mehr zu erzielen, bewahrt die Rebsorte eine eher kräftige Säure. Die Weine zeigen eine komplexe Aromatik mit Fruchtnoten (Apfel, Birne, Limette Quitte, Pfirsich, Aprikose) aber auch mineralische und kräutige Noten sowie Anklänge von Feuerstein
Die Rebsorte Hárslevelü (Lindenblättriger) bringt ihre Duftigkeit in den Verschnitt ein. Im Tokajer Weinbaugebiet verfügt die Sorte über einen Anteil von fast 25 %. Sie zeigt eine mehr blumige (Holunder, Pollen) Aromatik mit würzigen und rauchigen Noten
Gelber Muskateller: Die früher reifende Sorte wird in Tokaj nur selten sortenrein zum Tokaji Muscat ausgebaut.
Zéta ist eine Neuzüchtung aus Ungarn aus dem Jahr 1951 aus den Sorten Furmint und Bouvier. Bis in das Jahr 1999 wurde die Sorte Oremus genannt. Sie reift früher als der Furmint, wird aber leicht von der Edelfäule befallen. Die bestockte Rebfläche der 1990 zugelassenen Sorte bei nur einem Prozent.
Der trockene Tokaj eine relativ neue Entwicklung in der Region. Seit den 2000ern setzen mutige Winzer auch auf trockene Weine: Ein gereifter Furmint kann international etablierten Sorten wie Riesling oder Chardonnay aus den besten Weißweinen Regionen wie Rheingau, Mosel oder Burgund durchaus die Stirn bieten. Jahre Die Weine zeigen eine große Mineralität, Komplexität, Struktur und sind für ihre Haltbarkeit bekannt.
Neben den trockenen ausgebauten Weißweinen ist Tokaj natürlich für seine außergewöhnlichen Süßweine bekannt. Hier kann man verschiedene Varianten unterscheiden:
Szamorodni: Das Wort Szamorodni (auf deutsch “ebenso wie er gewachsen ist‘), kommt aus dem Polnischen und bezeichnet eine Tokajer Weinspezialität. Im Unterschied zum Aszú werden die Trockenbeeren nicht selektioniert, d. h., es werden die ganzen Trauben verarbeitet. Diese bestehen aus Beeren ohne und mit Botrytis-Pilz, also aus geschrumpften (konzentrierten) und nicht konzentrierten Beeren. Wie bei der Herstellung von Aszú werden die Fässer nur zu etwa vier Fünfteln mit Wein gefüllt, so dass sich ein Hefe-Film bildet, unter dem der Wein reift. Nach zweijähriger Fassreife und anschließender einjähriger Flaschenreifen darf der Wein vermarktet werden.
Late Harvest (késői szüretelésű): Bezeichnung für rebsortenreine Süßweine mit intensiver, konzentrierter Frucht, die nur in besonderen Jahren erzeugt werden. Sie werden entweder gezielt aus Botrytis-Trauben oder bewusst ohne Botrytis-Trauben hergestellt. Der Ausbau erfolgt reduktiv. Solche Spezialitäten sind sowohl in der Süßegradation als auch in ihrer geschmacklichen Komplexität und Dichte (je nach Jahrgang und Mostkonzentration) mit einer Auslese bis Beerenauslese vergleichbar. Der Restzuckergehalt liegt zwischen 50 und 180 g/l.

Tokaji Cuvée: Hersteller wie István Szepsy oder Pstricius produzieren in manchen Jahren hochwertige Premiumweine, die reduktiv, also nicht nach den weingesetzlichen Àszu-Vorschriften hergestellt werden und daher als Tokaji Cuvée vermarktet werden.

Tokaji Aszú (deutsch „Tokajer Ausbruch“): Für die Herstellung des Aszú werden zwei Komponenten verwendet: Grundwein und edelfaule, rosinenartig geschrumpfte Trauben. Der Grundwein wird aus Trauben hergestellt, die nicht von Edelfäule befallen wurden. Er muss einen hohen natürlichen Alkoholgehalt haben, der den Wein auch ohne Schwefelzugabe stabilisiert. Edelfaule, geschrumpfte Trauben bestehen aus Beeren, bei denen der Schimmelpilz Botrytis cinerea die Beerenhaut perforiert hat. Der Prozess der Edelfäule wird durch einen feuchten Sommerausklang gefördert, an den sich, je nach Witterungsverlauf, vier bis fünf sonnige Herbstwochen anschließen können. Während der Lese, die üblicherweise Anfang November stattfindet, werden die edelfaulen Trauben gesammelt und in Behältern aufbewahrt. Anschließend werden sie zu einer süßen teigartigen Masse geknetet, die mit dem Grundwein vermengt und dann 24–36 Stunden gemaischt wird. Dies ist ausschlaggebend für die besondere Qualität und Spezialität eines Tokaji Aszú.
Wie bei der Herstellung von Tokaji Szamorodni, Fino Sherry und Vin Jaune werden die Fässer nur etwa zu vier Fünfteln mit Wein gefüllt, so dass sich ein Hefefilm (Flor) bildet, der den Wein vor Luftsauerstoff weitgehend schützt und die Reifung und Veresterung des Weins beeinflusst.
Puttony (ungarische für Bütten, die ein Fassungsvermögen von 25 kg haben) sind das traditionelle Maß für die Menge an edelfaulen Trauben, die einem Grundwein beigegeben wird. Die Anzahl der „Puttony“ gibt das Verhältnis zwischen edelfaulen Trauben und Grundwein an. Bei 6 Puttonyos beträgt das Verhältnis etwa 1:1. Die Menge an Grundwein, dem ein Puttony zugegeben wird, beträgt 136,5 Liter. An die zweite Vergärung schließt sich normalerweise eine Holzfasslagerung an. Deren Dauer in Jahren entspricht meist der Anzahl der puttonyok, die dem Grundwein zugegeben wurden. Aufgrund veränderter Kellertechnologie werden diese Zeiten heutzutage jedoch oft nicht mehr eingehalten und der Wein deutlich früher verkauft.

* drei Butten = 75 kg Aszú-Trauben auf 136,5 Liter, 60 bis 90 g/Liter Restzucker
* vier Butten = 100 kg Aszú-Trauben auf 136,5 Liter, 90 bis 120 g/Liter Restzucker
* fünf Butten = 125 kg Aszú-Trauben auf 136,5 Liter, 120 bis 150 g/Liter Restzucker
* sechs Butten = 150 kg Aszú-Trauben auf 136,5 Liter, 150 bis 180 g/Liter Restzucker
* sieben Butten = Aszúeszencia, mind. 180–250 g/Liter Restzucker.

Tokaji Aszúeszencia (Tokajer Ausbruch-Essenz): Dies ist die höchste Kategorie von Aszú-Weinen. Das Verhältnis von Trockenbeeren zum Grundwein entspricht etwa einem siebenbuttigen Aszú. Der Restzucker liegt in der Regel bei etwa 200 g/l, also deutlich über dem Restzuckergehalt eines sechsbuttigen Aszú, doch unter den für eine Eszencia vorgeschriebenen 250 g/l. Somit markiert der Aszúeszencia den Übergang vom Aszú zur Eszencia. Neben der großen Süße besitzt der Aszúeszencia eine hohe Säure, die Alkoholwerte liegen zwischen 12 und 13 Prozent. Das ungarische Weingesetz verlangt eine zehnjährige Fassreife mit anschließender fünfjähriger Flaschenreifung, bevor ein Wein als Tokaji Aszúeszencia vermarktet werden darf. Resultat sind sehr ausgeglichene, komplexe Weine, die frühestens 15 Jahre nach ihrer Ernte in den Handel gelangen. Sie werden nur in besonderen Jahren hergestellt und besitzen eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit.

Tokaji Eszencia (Tokajer Essenz): Aus Aszú-Beeren wird nach der Lese der außergewöhnlichste Tokajer gewonnen, die Eszencia. Im Unterschied zum Tokaji Aszú und dem Aszú Eszencia entsteht die Eszencia ausschließlich aus dem Vorlauf von ungepressten Trockenbeeren. Dafür werden Aszú-Trauben in einem Behälter sorgfältig übereinandergeschichtet, wodurch sich allein durch das Eigengewicht der Trauben etwas Saft am Gefäßboden bildet. Dieser Saft hat eine sirupartige Konsistenz, teilweise an Honig erinnernd, mit einer sehr hohen Konzentration, Dichte, Geschmacksfülle und intensiver Säurestruktur, welche die große Süße balanciert. Der Zuckergehalt muss mindestens 250 g/l betragen, liegt aber bei Spitzenerzeugern oft über 600 g/l (bei über 20 Promille Säure). Aufgrund des hohen, konservierenden Süße- und Säuregehaltes ist es sehr schwierig, die Gärung in Gang zu bringen. Sie dauert oft mehrere Jahre und erreicht nur niedrige Alkoholgrade (ca. 6 Prozent). Von einem Hektar Rebland beträgt die durchschnittliche Erntemenge bei Spitzenerzeugern etwa 1 Liter Essenz. Sie wird oft in 0,1 l Flaschen abgefüllt.
Die von Ceca Madzarevic zusammengestellte Weinprobe fokussierte sich in den ersten beiden Dritteln auf die trockenen Weine des Tokaj mit dem Schwerpunkt auf sortenreinen Furmint (mit einen kleinen Ausflug zur Hárslevelü), um im letzten Drittel sich den klassischen, süßen Tokajern in drei Ausprägungen – Szamorodni, Cuvee, Aszú – zu widmen.

Begonnen wurde mit den trockenen Weinen

1.    2016 Chateau Dereszla, Furmint (11,5% alc.)
Schon dieser als Basiswein des Weinguts (30 ha) mit relativ geringem Alkoholgehalt im Stahltank ausgebaute Furmint, zeigt alle typischen Kennzeichen des trockenen Stils: Im Glas leicht gelber Wein mit in der Nase leichten Noten von Feuerstein, grünem Apfel und Zitrusfrüchten. Im Mund crisp, sehr mineralisch mit adstringierender Säure. Ein schöner Einstieg in die Probe

2.    2016 Oremus, Mandolás, Furmint (13,5% alc.)
Das Weingut im Besitz von Vega-Sicilia mit 82 ha Weinberge im Herzen des Tokaj baut den Mandolás – der Name kommt vom gleichnamigen Vulkangestein der Lage – im kleinen, neuen Eichenfass aus. Auch hier zeigt sich im Glas ein zartes gelb und in Mund und Nase deutlich süßliche Holztöne. Darüber hinaus zeigt der Wein Anklänge von Aprikosen und Lakritz. Vielleicht noch ein bisschen zu jung, um sein ganzes Potenzial schon zu zeigen

3.    2015 Bodrog, Várhegyi, Furmint (13,5% alc.)
Kleines Weingut. Die Reben für den Wein sind vergleichsweise jung (6 Jahre) und stehen auf Rhyolithgestein das überwiegend aus Quarz und Feldspat besteht (Daher auch die im deutschen noch gebräuchliche Bezeichnung von Quarzporphyr).Im Glas leichtes gelb und in der Nase wieder deutliche Noten des Feuersteins und leichte Apfelnoten. Ein sehr mineralischer Wein mit deutlich adstringierender Säure

4.    2015 Bodrog, Lapis, Furmint (13,0% alc.)
Bei Lapis stammt der Wein von über 40 Jahre alten Reben. Ein sehr mineralischer Wein, der aber im Mund etwas ölig, pappig wirkt. Deutliche süße Noten allerdings ohne starke Fruchtaromatik.

5.    2015 Royal Tokaji, Dülöválogatás, Furmint (13,0% alc.)
1990 gegründetes Weingut mit Weinpapst Hugh Johnson als Anteilseigner. Insgesamt 107 ha im Tokaj. Der Wein stammt aus zwei Lagen, der Szt. Tamás und der Nyulászó, beides vulkanische Lehmböden. In der Nase zeigt auch dieser Wein wieder deutliche Noten von Feuerstein, deren Intensität mit etwas Luft allerdings nachlassen. Im Mund mineralisch und fruchtig (Apfel, Aprikose) mit einer schönen Säurestruktur, die den Wein sehr harmonisch erscheinen lassen.

6.    2015 Gróf Degenfeld, Zomborka, Furmint (13,5% alc.)
In der Nase Feuerstein, im Mund sehr frisch mit deutlichen Aprikosen und Apfelnoten mit einem Hauch von Passionsfrucht. Schöne Säurestruktur.

7.    2015 Barta, Öreg Király, Furmint (13,5% alc.)
Der Wein wird 9 Monate in leicht bis mittel getoasteten ungarischen Eichenfässern gelagert (Mix aus Erst- Zweit-, Dritt- und Viertbelegung) gelagert und stammt aus einer der bekanntesten und steilsten Lagen des Tokaj. Bei diesem Wein überwiegen die Zitrusnoten (Grapefruit) gegenüber dem Apfel sowohl in der Nase wie im Mund. Dazu starke mineralische, fast schon steinige Noten, die mit etwas „Standzeit“ weicher werden.

8.    2016 Royal Tokaji, Betsek Hársevelü (13,5% alc.)
Laut Ceca ein typischer Vertreter seine Sorte, der 6 Monate im 300l Eichenfass (5te Belegung) gelagert wird. Mandel und Hönig mit Anklängen von Apfel und Johannisbeeren, ja sogar Curcuma.

Danach folgten 4 Süßweine unterschiedlicher Machart:

9.    2011 Megyer, Szamorodni édes (12,5% alc.)
In der Nase wieder deutlich Anklänge an Feuerstein mit süßlichen Noten. Im Mund Honig und Kräuter aber auch eine Schärfe und Bittertöne, wie ein gespritteter Wein. Erinnert an Oloroso Sherry.

10.    2013, Patricius, Tokaji Cuvee Katinka (12,0% alc.)
In der Nase ähnlich dem Megyer, wobei die Honigtöne noch stärker ausgeprägt sind. Die Schärfe und Bittertöne legen sich mit der Zeit, der Wein wirkt dann weicher und zeigt leichte Reifetöne.

11.    2013 Royal Tokaji, Aszú 5 puttonyos (11,0% alc.)
Ein sehr schön gemachter, klassischer Tokaji mit einem wunderbaren Süße-Säure- Spiel und schönen Noten von Rosinen.

12.    2009 Chateau Dereszla, Aszú 5 puttonyos (11,5% alc.)
In der Nase sehr zurückhaltend, im Mund sehr viele reife Noten, die aber etwas von den Alterstönen überdeckt werden. Im Abgang etwas flach.

Verfasser: Roger

2018_10_Tokaj Furmint Probenergebnis

 

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Blindprobe mit Chardonnays aus aller Welt am 20.09.2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Chardonnay ist im Burgund beheimatet, hat aber durch seine hohe Anpassungsfähigkeit in den letzten Jahren immer mehr Anbaugebiete in der Welt erobert. Weltweit sind mittlerweile ca. 175.000 Hektar Rebfläche damit bestockt.
In der Rangliste der meist angebauten Rebsorten liegt Chardonnay auf Platz 8, was die enorme Verbreitung dieser Rebsorte demonstriert. Entsprechend groß ist auch die qualitative Vielfalt der Chardonnay Weine. Vom Spitzenweinen aus dem Burgund über oft dicke, alkohollastige, buttrige Weine aus den USA bis hin zum glattgebügelten und belanglosen Industriewein ist alles zu finden.
Wir haben in unserer Blindprobe Chardonnays aus Australien, Chile, Deutschland, Frankreich, Italien, Neuseeland, Österreich, Spanien. Südafrika und den USA verkostet.
Die Weine lagen alle in einer Preisklasse von etwas 10 -15 Euro, um nicht über die Qualitätsunterschiede einzelne Regionen zu bevorzugen.
Die Probe wurde deshalb auch nicht wie bei anderen Proben nach Qualität aufsteigend sondern nach der Holzlastigkeit geordnet.
Da keine deutliche Holz-belasteten oder dicke, fette Weine dabei waren, fiel es den Anwesenden sehr schwer auf die Herkunft zu schließen, denn auch die „Neue Welt“-Weine“ hatten nur dezente Holznoten und waren dadurch kaum als solche zu erkennen. In der Bepunktung lagen die Weine sehr dicht zusammen, von 14,04 bis 15,31 Punkten.

1.      Chardonnay aus Deutschland, Rheinhessen
        2017  Chardonnay, Weingut St.Antony

Jugendliches Blassgold in der Farbe: ein klarer, schlanker, weniger mineralischer aber sehr fruchtiger Chardonnay, etwas Zitrone und Holunderblüte und etwas Eichenholz.
Oberhalb und an den Kuppen des Roten Hangs wurde dieser Chardonnay angebaut und nach Spontanvergärung in gebrauchten, burgundischen Fässern vergoren, in denen zuvor der Pettenthal Großes Gewächs ausgebaut wurde.

2.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund, Puilly Fuissé
          2016  Pouilly Fuissé, „Pierre Chanau“, Morin Père & Fils

Jugendliches Blassgold in der Farbe: ein ordentlicher , etwas breiter Chardonnay mit exotischen Noten, aber auch leichtem Bonbonton. Er hat etwas mehr Mineralik, aber wenig Substanz und Länge.
Der Chardonnay wurde als In-House-Brand für die französische Supermarket-Kette Auchan abgefüllt. Das Weinhaus Morin Père & Fils wurde 1822 gegründet und gehört heute zum Firmenagglomerat der Familie Boisset

3.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund
          2016  Bourgogne Chardonnay, Domaine Agnes Paquet,        

Etwas blasses Grüngold in der Farbe:  ein leicht gemüsiges Bukett, wenig Frucht mit einem leichten Citrus- und Ingwer-Ton, im Mund dann aber sehr salzig-mineralisch mit guter Säure, Länge und etwas Eichenholz.
Dieser Bourgogne Blanc stammt aus zwei Weinbergen. Einer in Volnay, der andere von 40- bis 45-jährigen Reben der Hautes-Cotes de Beaune. 15% neues Holz, der Rest ist im Stahltank ausgebaut. Diese Chardonnay-Reben sind auf uralte Rotweinreben aufgepfropft, sodass man durch das alte Wurzelmaterial kleine Erträge und hohe Mineralität wie bei alten Reben erhält.
Agnes Paquet hatte nach dem Abitur erst Wirtschaft studiert und erst als Ende der 90er Jahre ein Verkauf des elterlichen Weingut anstand, beschloss sie Winzerin zu werden. Heute zählt sie zu den Geheimtipps in dieser Region

4.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund, Chablis                 
          2016 Chablis, Domaine Daniel Dampt    

Glänzendes Grüngold in der Farbe, ein klarer, gradliniger, recht straffer Chardonnay mit leicht exotischer Citrusfrucht, hat mehr Süße als der Bourgogne Chardonnay (Nr.3). Er wirkt füllig, rund und kraftvoll bei mittlerer Länge. Das Holz ist gut eingebunden.
Dieser Chardonnay wurde überwiegend im Stahl ausgebaut. Die Domaine Daniel Dampt zählt zu den kleineren Chablis-Produzenten.

5.      Chardonnay aus Österreich, Steiermark
          2017  Chardonnay, „Mariengarten“, Weingut Muster Gamlitz

Helles Blassgold, in der Farbe: der Chardonnay hat ein duftiges Bukett mit Blüten und Birne. Im Mund ist er dann leicht nussig, weinig und recht rund mit einer weichen Säure.
Benannt nach dem Marienkreuz in der Gemeinde Schlossberg in der Steiermark.
Die Weine werden durch das sogenannte illyrische Klima mit den Alpen im Norden und der Adria im Süden stark beeinflusst. Mediterrane Sonnenstunden mit hohen Tages- und durch die Alpen kühlen Nachttemperaturen prägen die Aromatik. Der kühle, alpine Wind führt nach Regenfällen zu raschem Abtrocknen und schützt die Reben so vor Krankheiten.

6.      Chardonnay aus Italien, Südtirol                                                             
          2016  Chardonnay, „Schwarzhaus“, Weingut Strobelhof 

Blassgrün in der Farbe: der Chardonnay hat viel Fülle, Alkohol und deutlich Eichenholz, aber wenig Aroma, und wirkt etwas glatt und gefällig.
Der Weingut Stroblhof wurde schon vor 1600 urkundlich erwähnt. Von 5,5 Hektar Anbaufläche am Eppaner Berg in ca. 500 m Höhe auf kalk- und porphyrhaltigen Böden werden jährlich etwa 40.000 Flaschen produziert,. Davon sind etwa die Hälfte Weißweine der Rebsorten Weissburgunder, Sauvignon blanc und dieser Chardonnay                                                                                 .

7.      Chardonnay aus Spanien
          2016  Chardonnay “Dehaza de Carrizal”, Finca Dehaza de Carrizal           

Kräftiges Grüngold in der Farbe: wir haben hier einen sehr exotischen Chardonnay mit üppiger Frucht und Gewürznoten. Im Mund hat er viel Schmelz, nicht so viel süßliche Würze, aber deutlich Holz.
Das Weingut liegt ca. 150 km südwestlich von Madrid und ca. 70 km südwestlich von Toledo in den „Montes del Toledo“.‘ 2006 wurde dem Weingut der Status „Vino de Pago“ zuerkannt. Die Reben sind auf 28 ha auf kargen Böden angepflanzt. Dort gibt es große Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, viele Sonnenstunden, ausreichend Regen und kühlen Wind.

8.      Chardonnay aus Australien
          2016  Chardonnay „Koonunga Hill“ , Penfolds   

Helles Grüngold in der Farbe: ein ordentlicher, recht runder Chardonnay, aber der Wein hatte einen leicht, reduktiven, schwefligen Stinker in der Nase und schmeckte auch so. (Beide Flaschen) Der Wein hatte einen Schraubverschluss und wahrscheinlich nicht genug Luft durch den Verschluss bekommen, um die Entwicklung reduktiver Schwefelnoten zu verhindern. Zwei Monate früher waren diese reduktiven Schwefelnoten noch nicht schmeckbar.
Die Trauben stammen aus dem Barossa Valley, McLaren und Adelaide. Dieser Chardonnay sollte einen mittelkräftigen Typ und kein Barrique-Holz-Monster sondern mehr einen fruchtgeprägten Wein darstellen, was durch den reduktiven Stinker nicht mehr so richtig zu erkennen war.

9.      Chardonnay aus Südafrika, Stellenbosch            
          2017  Chardonnay, „Sutherland“, Thelema Mountain Vineyards

Helles Blassgold in der Farbe: ein sauberer Chardonnay mit leichten Zitrusnoten, viel Fülle und Schmelz. Er war durchaus sehr rund, harmonisch und wirkte nicht fett. Allerdings zeigte er mehr Eichenholz-Noten und viel Eichenholz-Süße.
Das 42 ha große Familienweingut Thelema Mountain Vineyards liegt auf dem spektakulären Helshoogte Pass in Stellenbosch.
Die Vergärung und der malolaktische Säureabbau erfolgte in französischen Barriques. Anschließend reifte der Wein 10 Monate auf der Hefe unter regelmäßigem Aufrühren der Hefe (Batonnage)

10.    Chardonnay aus Neuseeland
          2016  Chardonnay „Kumeu Village“, Kumeu River Wines     

Kräftiges Grüngold in der Farbe: ein erdig duftiger, sehr gradliniger Chardonnay mit frischer Säure, Die Holz-Noten waren geringer als beim südafrikanischen Chardonnay (Nr.9).
Normalerweise wird dieser Chardonnay zu 75% in Stahl vinifiziert. Da ein Frühlingsfrost die Ernte deutlich redukziert hatte, konnte der Wein komplett in alten französischen Holzfässern gären mit anschließender malolaktischer Fermentation.
Trotz des reinen Holzfaß-Ausbaus ist der Chardonnay  in der Stilistik aber unerwartet sehr europäisch, ohne die sonst deutliche Übersee-Parfümierung.

11.   Chardonnay aus den USA, Washington                               
          2016  Chardonnay Chateau Ste.Michelle

Helles Blassgold in der Farbe: ein einfacher, glatter, gefällig gemachter Chardonnay, traubige Nase, etwas Bananenton und viel Holz, Karamellton und Süße.
1934 wurde Château Sainte-Michelle in Woodinville nordöstlich von Seattle gegründet und ist damit das älteste Weingut der Region.
Dieser Chardonnay aus dem Columbia Valley wurde unverkennbar im Barrique ausgebaut.

12.   Chardonnay aus Chile, Limari Valley,   
          2016  De Martino, Chardonnay, „Legado“, Reserva, Soc. Agr. Santa Teresa Ltd    

Etwas trübes Blassgold in der Farbe: der Chardonnay war recht füllig, hatte etwas vollreife Frucht mit etwas kräutrig erdigen Noten dazu etwas Sesam- und Gemüse-Aromen. Im Mund war er dann etwas breiter und das Eichenhoz kam erst im Abgang stärker durch.
Die Reben dieses Chardonnays wachsen in dem Anbaugebiet D.O. Limari, das 400 km nördlich von Santiago liegt. Die dort vorherrschenden kalkhaltigen Tonböden geben dem Chardonnay eine mehr Eleganz und Mineralität als in anderen chilenischen Gebieten.

Die Verkostung zeigte, dass der Stil der Chardonnay-Weine in dieser Qualitätsklasse doch recht ähnlich war, die fetten, holzbetonten Chardonnays mit Karamellton waren nicht mehr dabei und die beiden Chardonnays aus Südafrika bzw. Neuseeland waren sogar recht schlank und etwas mineralisch. Der Chardonnay aus Chile und vor allem der aus den USA haben den Vorurteilen schon eher entsprochen. (Vielleicht haben aber auch die Importeure der Neue Welt-Weine schon eine entsprechende Vorauswahl getroffen.)

So war nach dem Aufdecken der Etiketten doch die Überraschung groß, da man mit der jeweiligen Herkunft nicht unbedingt gerechnet hatte.

Verfasser: Dieter

2018_09_Blindprobe Chardonnay Probenergebnis

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Weinprobe Ungarn Balatonfüred-Csopak mit der Rebsorte Welschriesling am 29. August 2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Bei der heutigen Probe haben wir uns einer Sorte gewidmet, die in Osteuropa und Balkanländern eine wichtige Rolle spielt, aber in anderen Teilen Europas mit Ausnahme Österreichs und Italiens kaum anzutreffen ist:
Olaszrizling, Italienischer Riesling, Welschriesling.
In Ungarn ist der Olaszrizling eine „Butter und Brot“ Rebsorte, die überall zu finden ist, aber dementsprechend oft mäßige Qualitäten hergibt.
Wir haben uns die Aufgabe gestellt, die Sorte aus einer anderen Perspektive kennenzulernen, nämlich in der relativ kleinen Gegend im Norden des Plattensees –
Balatonfüred-Csopak – wo sie auch zu Besserem fähig ist und sehr gute, langlebige, charaktervolle und Terroir betonte Weine liefern kann.
Den Anfang machten Basisweine vom Weingut Figula (Winzer des Jahres in Ungarn 2000) und dem Weingut St.Donat.
Der Figula-Wein zeigte sich als typischer Vertreter der Basislinien, neutral in der Frucht, nicht vielsagend aber „clean“.
Der St. Donat gefiel vielen Weinbrüdern nicht. Vielleicht wegen einiger bissiger und deutlicher „Sponti“ Noten. Sortentypisch war er trotzdem.

Zwei Weine von Jasdi (Basiswein und eine Cuvee aus drei Lagen) waren 2016er, also reifer und zeigten, dass die Weine nicht unbedingt für den schnellen Konsum gemacht wurden. Ein Jahr Reife tat den Weinen gut (das kann der Verfasser behaupten, da er die Weine vor einem Jahr verkostete). Die Weine waren herb, der erste leicht fruchtig (Mirabelle, Pfirsich), blumig und der zweite stoffiger, konzentrierter, mit schöner Limette und Lagen/Terroir Andeutungen (salzig, kalkig)
In den nächsten Flights kamen 6 Lagenweine von Figula und Jasdi.
Die ersten zwei zeigten einen schönen Vergleich der gleichen Lage („Soskut“) aus zwei Jahrgängen (2015 und 2016, beide von Figula). Der jüngere noch etwas „kühler“ und bissiger mit guter Säure und deutlicher Salzigkeit, eisen-metallisch, harmonisch.
Der 2015er war auch sehr salzig (salzige Zitrone, Pfirsich), konzentriert mit schöner Balance und langem Abgang.
Der „Szaka“ (Figula) zeigte sich mineralisch, etwas kräftiger mit herb-exotischer Frucht (Grapefruit) und leicht animalischen Noten, mit guter Säure, deutlichem Alkohol und wieder salzig. (Der bestbenotete Olaszrizling der Probe).
Der nächste Flight gab uns die Möglichkeit, zwei Winzerhandschriften zu vergleichen. Beide Weine gleicher Jahrgang (2015) und gleiche Lage (Löczedömbi – diesmal roter Sandstein) und beide mit dezentem Barriqueeinsatz. Sie waren etwas fruchtiger in der Nase als die Weine davor. Figula, mit Mirabelle und leichten animalischen Noten, der Jasdi wieder mit Limette, etwas blumiger (Akazie) mit Wachs-Honig Nuancen. Sie waren sehr trocken, salzig und wurden mit der Zeit in dem Glas immer schöner. Gut zu Flussfisch (Wels, Zander, Stör…)
Der letzte Olaszrizling („Öreghegyi“ von Figula) zeigte sich auch konzentriert mit cremiger Textur und leichter exotischer Frucht. Wieder salzig, leichter Barriqueeinsatz. Für den Verfasser aber war der Wein (wie er sich heute dargeboten hat) eine leichte Enttäuschung, da er bei den Verkostungen vor zwei Wochen bzw. einem Jahr deutlich überzeugender und einfach besser war. (Woran es liegen kann, ist schwer zu sagen).
Alle 6 Lagenweine waren typische Vertreter der Sorte in einer Terroir betonten (Kalkstein, Mergel bzw. Rotsandstein) und hoher Qualitätsausprägung.

Der letzte Flight war eine Brücke zur nächsten Ungarn-Probe (Tokaj), nämlich ein Furmint  von St. Donat sowie die weiße Cuvee „Ranolder“ von Jasdi.
Der Furmint zeigte sich sortentypisch mit kräftiger Säure, weniger salzig als die Olaszrizlinge, herb, mineralisch (Feuerstein, Eisen-metallisch). Ein überzeugender Vertreter der Sorte und der bestbenotete Wein der Probe.
Der letzte, eine Cuvee aus Furmint und Olaszrizling, zeigte sich etwas matt (und für den Verfasser deutlich schlechter als vor einem Jahr). Leichte Wachs- Vanille und blumige Noten, in der Frucht nicht überzeugend, Schon zu alt nach 3 Jahren? Sollte nicht sein bei einem Wein dieser Preisklasse.

Dass der Furmint der bestbenotete Wein der Probe war, kann auch an der Sortenähnlichkeit mit dem echten Rheinriesling liegen und wiederum an der Tatsache, dass die Lagen-Olaszrizlinge von einigen Teilnehmern nicht als eigentlich gute und vor allem Terroir betonte Weine erkannt wurden. Von einer Sorte, die bestimmt nicht „everybodys Darling“ ist und die Höhen eines Rheinrieslings schwer erreichen kann, aber in den Händen guter Winzer sehr gute und interessante Weine bringen kann.
Der herzliche Beifall der Teilnehmer und Gespräche auch nach der Probe zeigten, dass die Weine und das Thema gefielen. Dem Probenleiter hat die Verkostung in der Runde große Freude gemacht, auch wenn (oder eben weil) die Weine kontrovers diskutiert wurden und er freut sich auf die nächsten Ungarn-Themen: Tokaj und Villany.

Seien Sie eingeladen!

Verfasser: Ceca

2018_08_Ungarn Balaton Welschriesling Probenergebnis

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Weinprobe mit dem Schlossgut Ebringen am 19.07.2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 29. August 2018

Wie viele Weinorte hat auch Ebringen Probleme mit dem Generationenwechsel. Viele Winzer der dortigen Winzergenossenschaft sind zu alt, um die Weinberge alleine zu bewirtschaften und ihre Kinder ziehen es vor, lieber im 5 km benachbarten Freiburg sich eine gut bezahlte Arbeit zu besorgen als bei Wind und Wetter im Weinberg zu arbeiten. So bestand die Gefahr, dass es bald keine Weinberge mehr im Ort geben würde. Deshalb beschloss 2003 eine kleine Gruppe unter dem früheren Bürgermeister, dem Geschäftsführer und dem Kellermeister der örtlichen Winzergenossenschaft ein neues Weingut zu gründen und gute Flächen im Ebringer Sonnenberg von diesen älteren Winzern zu pachten. Mit  Andreas Engelmann fand man auch einen Gutsverwalter und Kellermeister und startete mit 6 ha.  Den alten Schlosskeller konnte man zum Ausbau der Weine nutzen. Inzwischen bewirtschaftet man 7,4 ha, wobei viele der älteren Winzer immer noch bei der Weinbergsarbeit und der Ernte helfen.

Andreas Engelmann hatte nach einer Lehre im Privatweingut Hartmut Schlumberger und im Weingut Klaus-Peter Kessler in Geisenheim ein Studium für Weinbau und Önologie abgeschlossen. Danach arbeitete er beim Weingut Nelles an der Ahr, beim Weingut Freiherr von Gleichenstein in Baden und im Weingut Müller Catoir in der Pfalz. Seit 2003 ist er nun als Betriebsleiter und Kellermeister im Schlossgut Ebringen tätig und hat das Weingut inzwischen an die Spitze der Markgräfler Güter gebracht, was mit 3Trauben im Wein Guide Gault-Millau 2018 und 3½ Sternen im Eichelmann Weinführer honoriert wurde.

Daher  haben wir uns besonders gefreut, ihn als Gast bei uns zu begrüßen zu dürfen. So konnte er  die Weine des Schlossguts und seine Weinphilosophie vorstellen. Seine wichtigste Erkenntnis ist: „Der Boden der Lage entscheidet, er ist immer gleich, auch wenn inzwischen früher geerntet wird als früher“.
Für ihn hat die Lage „Ebringer Sommerberg“ ein hervorragendes Potential, das leider lange nicht genutzt wurde und deshalb auch relativ unbekannt ist.
Der kleine Bergrücken des Sonnenbergs erstreckt sich nicht wie die meisten Markgräfler Lagen von Nord nach Süd sondern von Ost nach West und hat dadurch nicht nur gute Westlagen, sondern auch eine hervorragende Südlage. Die Weinberge befinden sich auf 270 -320 m über Meereshöhe. Der Ebringer Sommerberg besteht meist aus mäßig kalkhaltigen Lößlehmen, tonigen Lehmen oder Mergel- und Kalkverwitterungsresten. Dadurch ähneln die Böden auch mehr der Bourgogne und weniger dem benachbarten Kaiserstuhl.

Das Weingut erzeugt drei Qualitätsstufen:

Gutsweine aus jüngeren Parzellen, der Wein wird im Stahltank ausgebaut, Selektionsweine aus älteren Weinbergen bei denen der Ausbau auch im Holz erfolgt, Lagenweine als oberes Segment, die vom Terroir geprägt sind und auch teilweise im neuen Holz ausgebaut werden.

Für die Lagenweine werden je nach Rebsorte besondere, ausgesuchte Parzellen im Ebringer Sommerberg verwendet, von denen wir vier verkosten konnten: Die Parzelle Schädler, nach Westen ausgerichtet, ebenso wie die Parzelle Klämle, die aber steiler ist, dann die Parzelle Biegarten mit Ausrichtung Südwesten und die Parzelle Leinele als Südhang.

Verkostet wurden die nachfolgenden Weine, die alle trocken ausgebaut sind:

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Cremant Pinot Noir, Rose, brut,

Die Reben haben einen kühlen Standort aus kalkhaltigem Ton am Westhang mit weniger Sonneneinstrahlung und bilden daher auch weniger Zucker, sodass der Alkoholgehalt niedrig bleibt. Die Trauben werden nur für Sekterzeugung geerntet. Nach einer Ganztraubenpressung ohne Maischestandzeit wird der Grundwein vergoren und nach der Flaschengärung 18 Monate auf der Hefe gelassen. Nach dem Degorgieren wurde nur eine kleine Dosage zugegeben.
Ein klarer, herber, gut strukturierter Spätburgunder-Sekt mit fruchtigen Beerenaromen und leichter Erdbeer-Note.

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Gutedel

Die Reben stehen auf Kalkboden mit Lehmauflage, der das Wasser besser hält und sich auch weniger erwärmt.  Der Most wird ohne Klärung im Stahltank vergoren.
Ein dichter,  fruchtiger Gutedel mit voller Struktur, der für einen Gutswein deutlich aus der Masse der Gutedelweine herausragt.

  1. 2017 Schloßgut Ebringen, Weißburgunder

Der Ausbau erfolgte im Stahltank.
Ein mineralischer, weicherer, noch etwas verhaltener Weißburgunder mit leichten Honig- und Zitrusnoten.

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Grauburgunder

Auch hier erfolgte der Ausbau im Stahltank.
Ein klarer, fruchtiger, recht würziger Grauburgunder mit guter Säure. Das Gegenstück zum belanglosen Massen-Pinot Grigio

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Grauburgunder „S“

Hier erfolgte der Ausbau zu 50% im Edelstahl und zu 50% in neuen und in zweitbelegten Barriques. Die Reben sind schon älter und haben dadurch einem geringeren Ertrag.
Ein sauberer, dichter, weicherer, etwas verhaltener Grauburgunder, mehr Fülle und Struktur, zarte Birnenfrucht und leichter Holzton.

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Sauvignon blanc, „S“

Dieser Sauvignon wurde zu 100% im Stahltank ausgebaut, um die frische Frucht zu erhalten.
Ein klarer, recht frisch-fruchtiger, weicherer Sauvignon, nur zart grüne Aromatik und dafür mehr gelbe Früchte. Dieser saftige Sauvignon blanc braucht sich vor der ausländischen Konkurrenz nicht zu verstecken.

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Sauvignon blanc „Klämle“

Die Trauben aus der Parzelle „Klämle“ wurden für diesen Lagenwein abgepresst und sofort im Holzfass vergoren (davon 60% Erst- und 40% Zweitbelegung). Danach erfolgte in den 500 l-Tonneaux eine lange Reife auf der Hefe.
Ein sauberer, sehr dichter, noch verhaltener Sauvignon mit zarter Holz-Note. Er zeigt seine Finessen noch nicht so deutlich und hält auch seine Frucht im Hintergrund, aber man kann sein Potential schon erahnen.

  1. 2016 Schloßgut Ebringen, Chardonnay, „Schädler“

Auch dieser Lagenwein aus der Parzelle „Schädler“ wurde spontan im 500 l-Tonneau vergoren und dann lange auf der Hefe gelassen.
Ein dichter und doch schlanker, mineralischer, fruchtiger Chardonnay mit feiner Säure, und sehr zartem Holz. Er versteckt seine Kraft hinter der feinen Eleganz.

  1. 2014 Schloßgut Ebringen, Pinot Noir, „S“

Die Trauben wurde entrappt, dann erfolgte eine Kaltmazeration und Maischegärung mit 3 Wochen Maischestandzeit; zur Reifung kam der Wein dann in Barriques verschiedenen Alters.
Ein klarer, Beeren-fruchtiger Spätburgunder, der dem Jahrgang 2014 geschuldet noch etwas kantige, eckige Tannine zeigt, für 2014 aber sehr gut gelungen ist.

  1. 2015 Schloßgut Ebringen, Pinot Noir, „S“

Der Ausbau erfolgte wie beim 2014’er Pinot Noir „S“
Ein klarer, weicher, sehr kirschfruchtiger Spätburgunder, mehr Struktur besitzt und  eine festes Tannin hat, das weicher und reifer  als beim 2014’er ist.

  1. 2013 Schloßgut Ebringen, Pinot Noir, „Biegarten“

Klassische Maischegärung von Trauben aus der Parzelle „Biegarten“, Die Maische wird zusätzlich mit Trockeneis gekühlt. Anschließend erfolgt der Ausbau Barriques.
Ein dichter, fruchtiger Spätburgunder mit frischer Säure, feine Kirsch- und Kräuternoten, feste, reife Tanninstrukur und zartes Holz.

  1. 2015 Schloßgut Ebringen, Pinot Noir, „Biegarten“

Ebenfalls klassische Maischegärung und weiterer Ausbau wie der 2013’er Pinot Noir.
Ein klarer, dichter Spätburgunder mit noch deutlicherer Kirschfrucht als der 2013‘er. Sein Tannin ist noch recht hart,  aber man kann sein Potential schon erahnen, das er in ein paar Jahren haben wird.

Damit endete leider unsere Probe, aber Andreas Engelmann hat uns gezeigt, was man mit seiner Philosophie und seinem Können aus dem Ebringer Sommerberg holen kann.

Verfasser: Käthe und Dieter

2018_07_Schloßgut Ebringen Probenergebnis

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Weinreise in das Markgräflerland vom 21. – 24. Juni 2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 29. August 2018

Zur Abrundung unserer Proben der Markgräfler Weine machten wir uns, jeder für sich, auf den Weg nach Müllheim, einige etwas früher, andere blieben etwas länger.
Als Hotel hatten wir uns auf Anraten eines Insiders das Hotel „Altes Spital“ ausgesucht, und das war eine gute Wahl.
Zur Vorbereitung der Reise und unserer Proben hatte sich der Chronist und Organisator der Reise im Mai ins Markgräflerland aufgemacht an den Tagen der offenen Keller die in Frage kommenden Winzer aufgesucht und ihre Weine zu vor zu probieren.
Dabei ist es  wohl gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das die unterschiedlichen Auffassungen  von 5 Winzern vorstellt, wie Markgräfler Wein schmecken soll.

Am Donnerstagabend trafen wir uns ab 18 h im Weingut Hermann Dörflinger in Müllheim.
Vater und Sohn präsentierten uns die gesamte Palette ihrer Weine. Es war uns ein Vergnügen,
die traditionellen, kompromisslos durchgegorenen Wein bis zu den Spätlesen aus seinen Müllheimer und Badenweiler Lagen zu probieren, angefangen natürlich vom Gutedel, über Weiß- und Grauburgunder bis hin zu seinen Spätburgundern. Natürlich gab es vorab einen Winzersekt. Da er ein verbraucherfreundliches Preisniveau pflegt, hat der ein oder andere einige Flaschen mitgenommen.
Danach ging es zu Hotel zum gemeinsamen Abendessen. Manch einer kämpfte da mit den recht großen Portionen.

Freitagmorgen standen um  9:15h mehre Kleinbusse/Groß Taxis eines müllheimer Taxiunternehmens bereit, um uns nach Efringen-Kirchen zum Weingut Ziereisen zu bringen,
dem wohl umstrittensten Weingut der Region, dessen Spitzenweine z.T. Kultstatus erreicht haben. Das Weingut arbeitet ökologisch, ohne einem Verband anzugehören. Es werden auch andere ökologische Produkte ( Äpfel, Gemüse, Kartoffeln etc.) aus eigener Produktion im Hofladen verkauft. Auch verkauft er Rieslinge z.B. Molitor und van Volxem, da er Rieslinge liebt, aber auf seinen Böden keinen zufriedenstellenden erzeugen kann.
Frau Ziereisen zeigte uns kurz den alten Keller. Den neuen Barriquekeller sollten wir zum Abschluss kennenlernen. Danach präsentiert sie uns in ihrem Hof, der auf unprätentiöse Weise den Charakter eines alten Bauernhofs beibehalten hat, in edlen dünnstieligen Weingläsern von Zalto fast ihre ganze Weinpalette. Die Weine, spontan-vergoren und unfiltriert,  werden als Badischer Landwein ohne die Lagenbezeichnung Efringer Ölberg vermarktet, da Hanspeter Ziereisen immer wieder Probleme mit der amtlichen Qualitätsweinprüfung hatte, sind von sehr eigenem Charakter und nicht jedermanns Sache. Aus Erfahrung weiss der Chronist, dass  die Weine bei längerer Reifung enorm gewinnen. Er produziert aus dem Gutedel einen Alltagswein namens „Heugumper“, aber auch den langlebigen Kultwein „Jaspis 10 hoch4“. Außerdem hat er die ganze Palette der weißen Burgundersorten, Spätburgunder sowie Syrah als Zukunftsrebe für die Klimaerwärmung.
Mittlerweile gibt es 17 Winzer die Badischen Landwein erzeugen. Über die jährliche Landweinmesse ist Vinzens Kling der Schirmherr.
Zum Schluss ließ es sich Hanspeter Ziereisen nicht nehmen, sich auf sein Mountainbike zu schwingen und unsere Taxis zu seinem ins freie Feld in die Erde gebauten 100 m langem neuen Barriquekeller zu zeigen.

Die nächste Station war das VDP-Weingut Lämmlin-Schindler in Mauchen bzw. das Gasthaus „Zur Krone“, das dem Weingut angegliedert ist. Neben der Präsentation der Weine führte uns Gerd Schindler in seine angrenzenden, weitgehend begrünten Weinberge, und erläuterte uns den Unterschied zu den angrenzenden Weinbergen anderer konventionell arbeitender Winzer:
Das Weingut betreibt einen konsequent ökologischen Bioanbau ohne Herbizide und Kunstdünger, dafür aber naturnah und resourceschonend. Jede zweite Rebgasse wird  mit Kräutern, Leguminosen und Kleearten eingesät, um Stickstoff in den Boden zu bekommen und Biodiversität und ein optimales Bodenmanagement zu erreichen.
Die Ertragsreduzierung durch diese Maßnahmen nimmt man in Kauf.
Auf den 20 ha Ertragsrebfläche wird vorwiegend Rotwein angepflanzt, neben Spätburgunder auch Merlot und etwas Blaufränkisch. Aber auch eine breite Palette von Weißweinen ist im Angebot, sogar – untypisch für das Markgräflerland – etwas Riesling.
Rosè-Weine stehen stark im Fokus. So gewann der 2017er Rosé Ortswein dieses Jahr in Berlin den 1. Preis beim Rosé Cup 2018. Als einer der wenigen, hat sich der Verfasser einen Karton davon mitgenommen und konnte sich so über den Sommer an dem hervorragenden Wein erfreuen.

Das rustikale Abendessen nahmen wir auf Empfehlung von Hermann Dörflinger in der „Weinstube Klemmbachmühle“. Dazu gab es wenig überraschend nur Dörflinger Weine.

Für unsere Fahrten am Samstag hatten wir einen Bus aus Staufen. In Laufen selbst, unserem nächsten Ziel, gab es nur ein Restaurant der gehobenen Sorte, das uns ab 40 € aufwärts ein Menü servieren wollte. Ein Taxifahrer aus Staufen gab uns gute Restauranttipps und so buchten wir auch direkt einen passenden Bus bei seinem Chef.
Er brachte uns zum VDP Privatweingut Schlumberger in Sulzburg-Laufen.
Wir wurden bei Schlumberger im wunderschönen Innenhof von Ulrich Bernhard empfangen, dem Ehemann von Claudia Schlumberger-Bernhard, der  für Weinberge und Keller verantwortlich ist. Da Herr Bernhard am gleichen Tag in seinen Heimatort Schwaigern in der Pfalz musste, hatte wir die Probe 30 Minuten vorverlegt.
Er stellte uns die breite Palette durchgegorener Weine seines 8 ha-Weingutes vor, wobei das Schwergewicht mit 85% auf Gutedel und  den Burgundersorten liegt. Aber auch etwas Riesling ist im Anbau. Es wird Wert auf geringe Erträge (Gutedel 70-90 hl/ha, Burgundersorten 30-60 hl/ha) und eine naturnahe Bewirtschaftung gelegt. So sind die Weinberge begrünt, man verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel und verwendet  stattdessen nur die aus dem biologischen Weinbau bekannten Mittel Netzschwefel,  Kupfer, Ackerschachtelhalm, Fenchel und Backpulver.
Alle Weine sind ein Aushängeschild für die Region, was in den gängigen Weinführern mit 3 – 4  (von 5)Trauben/Sternen bewertet wird.
Bis unser Bus uns zum Mittagessen in Staufen abholte, konnten wir noch einige Weine nachprobieren.

In Staufen nahmen wir ein hervorragendes Mittagessen im „Löwen“( s.o.: Empfehlung unseres Taxifahrers) ein. Danach schauten wir noch etwas in der historischen Altstadt um,
bis uns der Bus zu unserem nächsten Ziel, dem Weingut Heinemann, Scherzingen brachte.
Leider konnte uns der Besitzer Lothar Heinemann nicht selbst seine Weine präsentieren, aber sein Mitarbeiter hat ihn kompetent und beredt vertreten.
Das Weingut kann auf eine 650-jährige Geschichte zurückblicken. Es gilt als im besten Sinn traditionell arbeitender Betrieb. Nur vollreifes Lesegut wird verarbeitet und die Weine lagern lange auf der Feinhefe. Alle Rotwein haben im Ausbau einmal ein großes Holzfass oder Barrique gesehen.
Der Vater des heutigen Eigentümers hat in den 60ern angebliche Weißburgunderreben aus Chablis beschafft, die sich im Nachhinein als Chardonnay herausstellten. So ist das Weingut eines der ersten, dass nach der Sortenfreigabe die Weine auch unter dem Namen Chardonnay anbieten konnte. Auch die Spätburgunderklone bezieht man aus dem Burgund. Aus ihnen wird nach Meinung einiger Kritiker einer der elegantesten Rotweine der Region erzeugt. Auch hier liegen die Werte der Weinführer zwischen 3-4 (von 5) Trauben/Sterne.
Das konnten wir bei der umfangreichen Probe nur bestätigen. Dem Verfasser hatte es auch ein trockener Muskateller angetan.

Damit hatten wir 5 der besten Weingüter des Markgräflerlands besucht und alle haben uns beeindruckt. Es muss nicht immer Riesling sein.

Abends fuhren wir mit ziemlich reduzierter Mannschaft zum Gutsauschank im Garten des Weingutes Zimmermann, da unsere Fußballfans unbedingt das Weltmeisterschaftspiel unserer leider bekanntermaßen diesmal  erfolglosen Nationalmannschaft im Hotel sehen wollten.
Der Winzer war etwas pikiert, dass wir bei ihm keine Weinprobe machen wollten. Aber verschiedene seiner Weine beim Essen gaben uns doch einen guten Eindruck.

Das Kulturprogramm am Sonntag in Badenweiler war, wie üblich nur schwach besucht.
Das kleine Grüppchen der Teilnehmer besichtigte die Ruinen der Thermen und flanierte etwas im  Kurpark, bevor alle sich nach Hause oder in einen verlängerten Urlaub aufmachten.

Verfasser: Wilfried

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Weinprobe mit dem Weinhaus Büchin am 07.06.2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 18. Juli 2018

Markus Büchin hatte nach seinem Schulabschluss ein Sportstudium begonnen, dass er aber abbrach, da er einen Beruf mit Bezug zur Natur suchte. Deshalb begann er eine Winzerlehre beim Weingut Salwey in Oberrotweil  und beim Weingut Zotz in Heitersheim und ging nach seinem Zivildienst beim Weingut Marienheim (wo er mit geistig Behinderten arbeiten musste) für 1 Jahr nach Südafrika . Bei den Weingütern Katzenberg, Delheim und Laibach konnte er seinen Horizont mit neuen Ideen erweitern. Zurück in Deutschland machte er in Weinberg seinen Weinbautechniker. Bei der kleinen Winzergenossenschaft Haltingen konnte er dann als Kellermeister und Geschäftsführer die Genossenschaft wieder in einen rentablen Betrieb ver­wandeln. In dieser Zeit entstand auch die Idee, irgendwann mal sein eigenes Weingut zu besitzen. Im Jahr 2007 war es dann soweit. Zusammen mit seinem Onkel Manfred Büchin gründete er das Weingut Büchin. 2009 wurden die ersten Weine vermarktet.
Begonnen wurde mit einer Rebfläche von ca. 2,5 Hektar. Seitdem wächst der Betrieb stetig, denn sobald sich eine sinnvolle Möglichkeit ergibt, werden neue Parzellen erworben oder gepachtet. Im Jahr 2011 wurden bereits 7,5 Hektar Weinberge bewirtschaftet. Mittlerweile sind es insgesamt 27 Hektar die sich über 40 km Entfernung von Stauffen bis kurz vor Basel erstrecken. So können die verschiedenen Klima- und Bodenzonen des Markgräfler Landes gezielt genutzt werden, auch wenn der Bearbeitungsaufwand durch die längeren Fahrstrecken höher ist.
Hauptsächlich angebaut werden Burgundersorten und der für das Markgräflerland typische Gutedel.
Das Besondere am Weingut Büchin ist, dass es kein Weingut mit Tradition und entsprechendem Kundenstamm ist, für den auf den bekannten, vorgegebenen Wegen produziert werden muss. Das war anfangs auch ein Nachteil, denn dieser Kundenstamm musste mit großem Aufwand erst geschaffen werden, zum Beispiel durch Weinproben und Events auf dem Weingut. Dafür hat das Weingut jetzt aber viele junge Kunden, die dem ihm auch in Zukunft treu sein werden.
Da man im Markgräflerland anfangs wenig Werbung für das Weingut betrieben hat, ist  Markus Büchin in Hamburg oder Berlin bekannter ist als zuhause.

Das Weingut vermarktet drei Weinlinien:
Sekt mit der traditionellen Flaschengärung (Champagnerverfahren). Der Sekt „Black Pearl“ ist wahrscheinlich der einzige Syrah Sekt Deutschlands.
Die Serie „Weinzigartige Vielfalt“, das sind saubere, fruchtige Weine für jeden Anlass bei denen der Ausbau im Edelstahl erfolgt.
Die Serie „Auszeit“, das sind Weine von gehobener Qualität mit mehr Struktur und Finessen. Die Trauben werden hierfür von Hand mit einem Ertrag von ca. 5 t pro ha geerntet. Der Ausbau erfolgt dann im Barrique.
Eine Erkenntnis aus seinem Südafrika-Aufenthalt ist, im Gegensatz zur in  Deutschland geübten Praxis, die Weine auf einen optimalen pH-Wert einzustellen, um dann mit minimalen Mengen SO2 die Wein abfüllen zu können. Dazu wird, wenn der pH-Wert zu hoch ist, mit Wein- und Äpfelsäure nachgesäuert, so wie das in Südafrika üblich ist.

Nun zu den verkosteten Weinen:

1.          Weinhaus Büchin, Syrah, „Black Pearl“, trocken, rot    

Klarer, herb fruchtiger Syrah-Rot Sekt mit zarter Süße. Die höhere Restsüße fällt durch die Gerbstoffe des Syrah nicht auf. Die Syrah-Trauben wachsen  bei Weil am Rhein in einer heißen Lage.

2.        2017  Weinhaus Büchin, Gutedel      

Sauberer, klarer, sehr fruchtiger und saftiger Gutedel mit feiner, frischer Säure. Leichter Birnenduft, begleitet von exotischen Früchten wie Maracuja. Am Gaumen dann außerordentlich saftig, mit Noten von reifen Äpfeln. Für einen Gutedel langanhaltender Abgang.

3.        2016  Weinhaus Büchin, Roter Gutedel        

Sauberer, fruchtiger, recht runder, schmelziger Gutedel. Durch den biologischen Säureabbau zeigt er eine weichere, mildere Säure.

4.        2017  Laufener Altenberg, „No 3“ Winzergenossenschaft Auggen in Sulzburg-Laufen

Der diesjährige Sieger im Gutedelcup in der Kabinett-Klasse, Ein sauberer, ordentlicher, etwas gefälliger, belangloser Gutedel, durch die Kaltvergärung viel Eisbonbon. Keine Fehler, aber sonst aber auch keine positiven Eigenschaften.

5.        2017  Weinhaus Büchin, Cuvee, „WeinzigArtig“,  aus 70% Gutedel und  30%  Weissburgunder  

Sauberer, dichter, runder Wein, vom Gutedel die Leichtigkeit, vom Weissburgunder mehr Fülle, Schmelz und Würze. Trotz des geringeren Anteils dominiert der Weissburgunder das Cuvee.

6.        2017  Weingut Lämmlin Schindler, Gutedel, „Grüner Markgräfler“      

Sieger im diesjährigen Gutedelcup in der Qualitätswein-Klasse, ein  sauberer, ordentlicher, noch junger, Spur parfümierter Gutedel mit guter Struktur. Durch die Abfüllung mit mehr Rest-Kohlensäure zeigt er eine gute Frische.
Das Label „Grüner Markgräfler steht für eine Gruppe von 9 Winzern, die unter diesem Label frische und fruchtige Gutedel mit wenig Alkohol vermarkten. Eine Anreicherung mit Zucker erfolgt nicht.

7.        2017  Weinhaus Büchin, „Summertine“,  ein Cuvee aus 80% Gutedel und 20% Sauvignon Blanc

Sauberer, fruchtiger, leichterer Wein mit der Leichtigkeit vom Gutedel und der Fruchtigkeit und Würze vom Sauvignon Blanc. Durch die höhere Kohlensäure und höhere Restsüße recht frisch und saftig.

8.        2017  Weinhaus Büchin, Pinot Noir, Blanc de Noir aus Spätburgunder

Ein klarer, frischer und fruchtiger, zart cremiger Blanc de Noir, im Mund, etwas rote Früchte nach Himbeeren und Erdbeeren. Die gelungene Kombination von Frucht und angenehmer Säure verleiht dem Wein ein frisches Aroma.
Die Spätburgunder-Trauben für den Blanc de Noir werden etwas früher als für die Rotweine geerntet, damit der Zucker niedriger bleibt und der Wein nicht so alkoholisch wird. Für das Weingut ist der Blanc de Noir sehr erfolgreich geworden. Waren es bei der ersten Produktion nur 1.400 l, so ist inzwischen die Menge auf 10.000 l gestiegen. Hauptabnehmer sind Gastronomie und der Event-Bereich.

9.        2017  Weinhaus Büchin, Rose,  ein Cuvee aus 60 % Spätburgunder, 30%  Dornfelder und 10% Syrah   

Ein lachsroter, klarer, fruchtiger Rose mit guter Säure, Er wirkt eine Spur breiter und etwas fülliger als der Blanc de Noir.

10.      2016  Weinhaus Büchin, Chasselas   

Klarer, dichter, etwas cremiger Gutedel mit weicher Säure, zarter Süße und sehr leichtem Holz. In einer Blindverkostung würde dieser Wein auch als Grauburgunder, Chardonnay oder Weissburgunder durchgehen. Der stark ertragsreduzuerte Gutedel kommt aus einer kühleren Lage und wird kühl im Barrique vergoren, macht seinen biologischen Säureabbau und bleibt dort noch 1 Jahr auf der Hefe. Es ist erstaunlich, dass dieser Wein trotz seiner geringeren Säure trotzdem so viel Frische besitzt.

11.      2016  Weinhaus Büchin, Syrah, Barrique  aus Syrah 97% und Viognier 3%       

Ein klarer, dichter, sehr fruchtiger und recht eleganter Syrah mit einer Spur Orangenschale, wie ein Côte Rotie mit einem kleine Anteil an Viognier, daneben zeigt der Wein schwarzen Pfeffer, reife Pflaumen sowie dunkle Schokolade. Im Mund besitzt er eine feine Gerbstoffstruktur. Die Syrah-Trauben wurden von Hand gelesen und nach ca. 4 Wochen Maische-Standzeit zu 100% in neuen Barrique-Fässern aus französischer Eiche über 9 Monate ausgebaut.

12.      2015  Weinhaus Büchin, Cabernet Franc, Barrique          

Ein suberer, dichter, sehr typischer Cabernet Franc  mit festem Tannin, der schon deutliche Reife zeigt, aber schon eine Spur oxidiert wirkt. Die Trauben stammen aus Haltingen, bleiben lange aus der Maische  und  kommen dann ins Barrique. Dieser Wein wurde  noch  so bereitet, dass er  früher trinkreif ist und zeigt im Vergleich zum Syrah jetzt schon sein volles Potential.

 

Verfasser: Dieter

2018_06_Weingut Büchin Probenergebnis

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Weinprobe Weisse Burgunder aus dem Markgräfler Land am 03.05.2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 18. Juli 2018

Das Markgräflerland in Baden ist die einzige Anbauregion für Gutedel, aber auch eine typische Region zum Anbau von Burgundersorten in Deutschland. Das sind neben dem  Spätburgunder vor allem die beiden weißen Rebsorten Weiß- und Grauburgunder. Typische Aromen für den Weißburgunder sind Apfel, Birne, Mandel, Quitte, Ananas und Zitrone. Der Grauburgunder kann deutlich unterschiedlich ausgebaut werden: Als leichter und fruchtiger, reduktiv angebauten Alltagswein über den großen Grauburgunder aus oxidativem Ausbau bis zum süßen Ruländer ist die Rebsorte sehr wandlungsfähig.

1.    2014 Nobling Sekt Extra Brut, Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

Unsere Probe beginnt mit einem Nobling-Sekt aus dem Hause Hermann Dörflinger aus Müllheim. Der Nobling ist eine Neuzüchtung aus den beiden Rebsorten Gutedel und Sylvaner aus den 40er Jahren. Die weitgehend unbekannte Sorte wird fast ausschließlich in Deutschland im Markgräflerland auf ca. 50ha angebaut und recht häufig als Grundwein zur Sektherstellung verwendet. Dabei sind die hohe Säure und die gleichzeitig hohen Mostgewichte hilfreich.
Der im Duft sehr fruchtig wirkende Sekt mit Aromen von Pfirsich und Apfel zeigt sich mit lebendiger Perlage als sehr guter Start in die Probe.

2.    2016 Müllheimer Sonnhalde, Grauer Burgunder Kabinett, Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

3.    2016 Müllheimer Reggenhag, Weißer Burgunder Kabinett Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

Das Kabi-Duo aus Grau- und Weißburgunder der beiden Lagen Sonnhalde und Reggenhag war eine spannende Gegenüberstellung. Das Weingut Dörflinger als „Traditionalist“ aus dem Markgräflerland lässt seine Weine komplett durchgären, also (fast) ohne Restzucker. Dabei wird besonders auf die klare und fruchtige Note Wert gelegt. Das Weingut wird mit 2 roten Trauben im Gault Millot bewertet. Der Grauburgunder zeigt sich bei der Probe mit einer sehr ansprechend fruchtigen Nase nach Holunderblüte und gelber Frucht. Auf der Zunge dann deutlich leicht und schlank. Der Weißburgunder zeigt auch leicht metallische Noten. Beide wurden für einen Kabinett mit 13% aber als gehaltvoll notiert.

4.    2016 Weißburgunder, Weingut Zähringer, Heitersheim

5.    2016 Grauburgunder, Weingut Zähringer, Heitersheim

Die beiden Gutsweine vom Weingut Zähringer stammen aus den ertragsreduzierten Lagen Heitersheimer Sonnhöhle, Maltesergarten und Castellberg. Das Weingut ist zertifiziert nach Ecovin und Demeter und baut auf ca. 20ha vorwiegend Burgundersorten an.
Der Weißburgunder war klar und brillant im Glas, die Nase aus Zitrone und Quitte war sortentypisch bei mittlerer Viskosität. Der Grauburgunder zeigte dabei eine leichte Süße auf der Zunge und eine leichte Pfeffernote im Abgang. Beides gut gemachte Gutsweine, wobei der Grauburgunder allgemein höher bewertet wurde.

6.    2016 Weißburgunder, Weingut Jürgen v.d. Mark (Abf.), Bad Bellingen

7.    2016 Grauburgunder, Weingut Jürgen v.d. Mark (Abf.), Bad Bellingen

Jürgen von der Mark war mehr als 10 Jahre als beratender Önologe und Master of Wine in der Welt unterwegs und begann 2003 mit einigen gepachteten Spätburgunderreben den ersten eigenen Wein zu vergären. Die 3 Weinlinien mit Villageweinen, Terrorweinen und „Liedweinen“.
Der Weißburgunder war durchaus sortentypisch in den Aromen, wusste aber vor allem mit einer leichten Mineralik zu überzeugen. Der Grauburgunder hatte eine breite Frucht, war dann leider etwas zurückhaltend und eher flach. Da fehlte leider die Expressivität des Weißburgunders.

8.    2015 Weißer Burgunder, Weingut Ziereisen, Efringen-Kirchen

Hanspeter Ziereisen war eigentlich in einem anderen Beruf unterwegs, doch in den 90er Jahren wandelte er das elterliche Hofgut nach und nach in einen Weinbaubetrieb um. Noch heute verkauft er in einem Hofladen Gemüse aus der Region für Leute aus der Region. Ein  paar andere Weine führt er da mittlerweile auch.
Die Weine vom Weingut Ziereisen unterscheiden sich deutlich von anderen Weinen aus dem Markgräflerland. Das liegt zum einen an den Weinbergen an der Burgundischen Platte zum anderen aber auch an der Arbeit im Keller. Es werden nur natürliche Hefen aus den Weinbergen verwendet und die Weine bleiben sehr lange auf der Hefe im Holzfass.
Diese Hefenoten kommen dann im Duft sehr gut durch, aber auch etwas Vanille durch das Holzfass. Auf der Zunge ist der Wein dann sehr frisch und mineralisch aber auch mit Tiefe und Länge durch das Holz. Vielleicht sogar noch etwas früh für den 15er, da ist durchaus noch Potential.

9.    2015 Müllheimer Sonnenhalde, Grauer Burgunder Spätlese, Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

10.  2015 Müllheimer Reggenhag, Chardonnay Spätlese, Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

Die beiden Spätlesen präsentierten sich wie erwartet deutlich breiter im Mund bei höherer Viskosität. Der Grauburgunder zeigte eine sehr breite Nase mit Butternoten bei einer sehr schönen Länge. Der Chardonnay, strohgelb und brillant im Glas mit Pfefferminznoten.

11.  2012 Badenweiler Römerberg, Weißer Burgunder Spätlese, Weingut Herrmann Dörflinger, Müllheim

Der leicht gereifte Burgunder war im Duft zurückhaltender mit Orangenzeste und leichten Bitternoten im Mund.

12.  2014 Weiler Schlipf, Weißer Burgunder „CS“, Weingut Schneider, Weil am Rhein

13.  2014 Weiler Schlipf, Grauer Burgunder „CS“, Weingut Schneider, Weil am Rhein

Die beiden Burgunder aus dem Hause Weingut Schneider waren in der Runde durchaus kontrovers diskutiert. Für einige waren die Schwefelnoten im Duft stark störend, andere konzentrierten sich auf die geschmacklichen Stärken der beiden Weine.

Verfasser: Carsten

2018_05_Weiße Burgundersorten aus dem Markgräfler Land Probenergebnis

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Weinprobe mit der Rebsorte Gutedel am 22.04.2018

Erstellt von Dieter am Mittwoch 18. Juli 2018

Gutedel ist die wichtigste weiße Rebsorte des Markgräfler Landes. Da wir in unserem Jahresprogramm den Schwerpunkt auf das Markgräflerland gelegt haben, sollte ihr auch eine eigene Probe gewidmet werden.
Sie  ist eine alte Weißwein- und Tafeltraubensorte, die in Frankreich und in der Schweiz Chasselas, im Wallis Fendant genannt wird. Der Anbau für die Wein- und für die Tafeltraubenproduktion ist allerdings weltweit rückläufig.
Für die Herkunft wird publikumswirksam auf Oberägypten verwiesen, wo sie schon vor 5000 Jahren gewachsen sein soll, daneben wird auch das Jordan-Tal als Herkunft zitiert.  Alle diese Angaben beruhen auf Vermutungen, bei denen man mit Hilfe von Ähnlichkeiten im Aussehen (Blattdarstellungen auf Wandmalereien in ägyptischen Gräbern u.s.w.) auf die Sorte geschlossen hat.
Umfangreiche DNA-Analysen an der Universität Neuenburg konnten dagegen keinen Hinweis auf eine Verwandtschaft mit Rebsorten aus dem alten Ägypten oder Palästina finden.
Stattdessen bestehen große Ähnlichkeiten mit autochthonen Rebsorten des westlichen Alpenraumes wie Teroldego, Lagrein und Autesse. Zwar konnten die Elternsorten des Gutedels nicht festgestellt, aber 20 Klonvarianten mit derselben DNA identifiziert werden. Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass der Gutedel seinen Ursprung im Bereich des Genfersees im Kanton Waadt hat.
Im Markgräflerland werden etwa 3000 ha Rebfläche bewirtschaftet. Davon entfallen etwa 40 % auf den Gutedel, der damit die typische Weißwein-Sorte dieser Region ist. Von insgesamt 1146 ha Gutedel in Deutschland stehen 1117 ha, also 97%, im Markgräfler Land.
Um 1780 wurde diese Rebsorte vom badischen Markgrafen Karl Friedrich von Baden aus dem schweizerischen Vevey ins Markgräflerland gebracht.

Weltweit wichtigstes Anbauland für Gutedel ist die Schweiz. Hier sind 3954 ha (Stand 2013) vor allem in der Südschweiz um den Genfer See und an der oberen Rhone damit bestockt. Im Kanton Waadt stehen 2631 und im Kanton Wallis 1643 ha Gutedek (bzw. Chasselas oder Fendant)

Nun zu unseren verkosteten Weinen, von denen 9 aus dem Markgräflerland und 3 aus der Schweiz aus dem Kanton Wallis stammten:

1.        2016  Auggener Gutedel, Kabinett,  Winzergenossenschaft Auggen                                 

Wir hatten hier einen einfachen, breiteren, Spur süßlich parfümierten Gutedel vor uns, der nur wenig Säure zeigte (vielleicht durch malolaktischen Säureabbau) und einen leichten Eisbonbon-Ton durch Kaltvergärung. Dieser Wein ist der Sieger in der Kabinett-Gruppe beim Preis Gutedel-Cup 2017.  Keine Fehler, aber sehr glatt, gefällig und etwas belanglos – zumindest für Riesling-Trinker.

2.        2016  Ballrechten Dottinger Castellberg, Kabinett, Weingut Löffler    

Da gefiel der 2.Preis im Gutedel-Cup doch deutlich besser: Ein sauberer, klarer, fruchtiger Gutedel mit etwas mehr schmeckbarer Säure, die ihm auch die Frische gegeben hat.

3.        2016  Ballrechten Dottinger Castellberg  Roter Gutedel,  QW, Weingut Löffler

Einfacher, etwas breiter Gutedel, nicht so klar wie der Weisse Gutedel vom gleichen Weingut, vielleicht auch, weil er nur ein QW und kein Kabinett ist.

4.       2016  Roter Gutedel, QW, Weinhaus Büchin

Das Weinhaus Büchin hat nur wenig Gutedel und mehr Burgundersorten, aber man kann dort trotzdem mit dem Gutedel umgehen. Von der Stilistik war dieser Wein war deutlich fester srtukturiert und mit strafferer Frucht. Wahrschenlich durch kurze Maische-Standzeit hatte der Weine eine zart Herbe, die ihm mehr Rückgrad und Biss gegeben hat.

5.      2015  Weiler Schlipf, „CS“, QW, Weingut Claus Schneider

Das Weingut ist der Meinung, dieser Gutedel sollte im Gegensatz zu dem 2016’er Jahrgang durch die längere Reife vielschichtiger sein. Leider hat sich das aber nicht bewahrheitet. Im Vergleich zu den anderen Weinen präsentierte er sich zwar knochentrocken, ohne dienliche Süße, hatte aber eine sehr weiche, deutlich buttrige Säure mit unangenehmem Milchsäure-Tönen und  eine recht dumpfe, Spur modrige Frucht – kurzum er war schon viel zu alt.

6.      2016   Gutedel, Kabinett, Privatweingut Schlumberger               

Auch dieser Wein war sehr trocken und ohne dienliche Süße, hatte aber eine sehr klare Frucht mit guter, weicher Säure. So macht ein Gutedel Spaß.

7.      2016  Laufener Altenberg, „Chasslie“, QW, Winzergenossenschaft Laufen- Sulzburg

Chasselie ist eine eine Wortkombination aus „Chasselas“ und „sur lie“ unter der 4 Erzeuger einen  Gutedel vermarkten, der eine längere Lagerung auf der Hefe hatte. Durch diese längere Hefelagerung ist der Wein recht weich, rund und etwas cremig. Abgefüllt wurde dieser Wein mit etwas mehr Gärungskohlensäure, um ihm etwas Frische zu geben .

Das Weingut Ziereisen liegt im Dreiländereck (Deutschland, Schweiz und Frankreich) in Baden. Hans Peter Ziereisen arbeitete früher als Schreiner. Erst als 1991 seine Eltern den Bauernhof aufgaben und keines seiner Geschwister den Hof haben wollte, entschloss er sich, den elterlichen Gemischtbetrieb zu übernehmen. Neben Schweinen und Kühen hatte er 0,5 ha Weinbergsfläche mit dabei, deren Trauben einfach bei der nächsten Winzergenossenschaft abgeliefert wurden.
Er begann also mit 0,5 ha und 6000 Fl. Jahresproduktion und hat nach und nach das Weingut auf 16 ha erweitert. Der Einsatz von Spontanhefen, Maischestandzeit, langer Hefelagerung führte zu „untypischen Weinen“, die öfter bei der amtlichen Weinprüfung abgelehnt wurden, sodass er inzwischen seine Weine als Landweine ohne die amtliche Weinprüfung vermarktet.

8         2015  Gutedel, „Heugumber“, Landwein, Weingut Ziereisen

Das ist die Gutedel-Interpretation für einen Basiswein durch Klaus Peter Ziereisen. Ein sauberer, klarer, gradliniger und gut strukturierter Wein, im Gegensatz zu vielen einfachen Gutedel-Weinen sehr charaktervoll.
Sicher eine Folge von langer Maischestandzeit und Lagerung auf der Hefe.

9.      2014  Gutedel, „Steingrüble“, Landwein, Weingut Ziereisen

Jetzt haben wir den Gutedel aus der gehobenen Selektion vor uns. Im Steilhang auf Kalkstein mit Lössauflage gewachsen, von 30 bis 40 Jahre alten Reben. Nach 6-8 Wochen Maischestandzeit ohne Reinzuchthefen, langer Hefelagerung mit Battonage im alten Holzfass wird dieser Gutedel ohne Filtration abgefüllt. Ein dichter, voller, charaktervoller Wein mit weicher und runder Frucht. Viel Birne, zarte Mineralität mit einem Hauch Thymian und sehr langem Abgang kommt er daher. Das ist kein einfacher Gutedel mehr, man würde eher auf den Burgunder tippen. Das war dann auch unser bestbewerteter Wein des Abends.

Nach den markgräfler Weinen konnten wir dann auch noch 3 Gutedel (Fendants) aus der Schweiz aus dem Kanton Wallis verkosten.

10.      2014  Chasselas en Capitale, „Blanc de Reines“, AOC, Cave Antoine &  Christophe Bertrisey                                                               

Dieser Wein hatte anfangs einen leichten Stinker und vom malolaktischen Säureabbau besaß er nur  wenig Säure , wirkte breit und buttrig mit deutlichem Milchsäure-Ton. Nach einiger Zeit an der Luft verschwanden die Töne aber und eine klare, sauberer Frucht war zu erkennen

11.      2011  Fendant, „Noble Contree“, AOC, Cave Maurice Zuffery                                                      

Nach dem Vinum Weinführer gehört Maurice Zuffery zu den 100 besten schweizer Winzern. Auch dieser Wein hat nach schweizer Art einen malolaktischen Säureabbau hinter sich und daher eine sehr weiche Säure. Er ist weniger Frucht-betont, aber ein sehr sauberer, harmonischer Gutedel (Fendant) mit dichter Struktur. Sein Alter schmeckt man im Gegensatz zu den deutschen Gutedel-Weinen nicht.

12.      2011  Fully, „Plaimont Les Terrasses“, AOC, Domaine de la Rodeline,                                  

Auch dieser Wein hat eine malolaktische Gärung und etwa 7 Monate Hefelagerung hinter sich Wie sein Vorgänger ist er weniger Frucht-betont mit sehr weicher Säure und ebenfalls ohne erkennbare Altersnoten. Er konnte seinen Vorgänger allerdings nicht ganz in der Bewertung erreichen.

Erstaunlicherweise wurden alle drei schweizer Gutedel (Fendants)  trotz ihrer weicheren Säure  und sehr verhaltenen Frucht im Durchschnitt besser bewertet als ihre deutschen Pendants – mit Ausnahme vom 2014‘er  Gutedel, „Steingrüble“ vom Weingut Ziereisen.

Kurze Informationen zu den Weingütern:

Weingut:                 Winzerkeller Auggener Schäf
Ort:                          Auggen
Rebfläche:              340 ha
Beste Lage:            Laufener Altenberg, Auggener Schäf
Rebsorten:             Gutedel, Weissburgunder, Spätburgunder, Chardonnay,  Gewürztraminer, Müller-Th., Muskateller, Regent

Weingut:                 Löffler
Ort:                          Staufen Wettelbrunn
Rebfläche:              14 ha
Beste Lage:            Castellberg, Fohrenberg
Rebsorten:             4,5 ha Gutedel; 3,5 ha Spätburgunder; 1,5 ha Müller-Thurgau; 1,5 ha Weissburgunder; 1,5 Grauburgunder;  0,5 ha Gewürztraminer; 0,3 ha Regent; Sonstige 0,7 ha

Weingut:                 Weinhaus Büchin
Ort:                          Schliengen
Rebfläche:              27 ha
Beste Lage:            Sonnenstück
Böden:                    Lehm, Löss
Rebsorten:             Gutedel, Weissburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder, Syrah

Weingut:                 Ziereisen
Ort:                          Efringen-Kirchen
Rebfläche:              16 ha
Jahresproduktion: 110.000 Fl.
Böden:                    Jurakalk
Beste Lage:            auf Lagenbezeichnung wird verzichtet, auch Weinberge in der angrenzenden Schweiz
Rebsorten:             45% Spätburgunder, 25% Gutedel, 11% Weissburgunder,
8% Grauburgunder, 5% Chardonnay, 5% Syrah, 1% Gewürztraminer

Weingut:                 Claus Schneider
Ort:                          Weil am Rhein
Rebfläche:              12 ha
Jahresproduktion: 80.000 Fl.
Beste Lage:            Weiler Schlipf
Böden:                    tiefgründiger Lehm mit hohem Kalkanteil
Rebsorten:             40% Spätburgunder, 25% Gutedel, 15% Weissburgunder,
13% Grauburgunder, 7% Chardonnay

Weingut:                 Privatweingut H.Schlumberger
Ort:                          Sulzburg-Laufen
Rebfläche:              8,5 ha
Jahresproduktion: 60.000 Fl.
Beste Lage:            Laufener Altenberg, Muggarter Berg
Böden:                    Kalksteinverwitterung mit Löss- und Lehmauflage, Kalk­mergel
Rebsorten:             25% Spätburgunder, 20% Weissburgunder, 20% Gutedel,  15% Grauburgunder 4% Chardonnay, 4% Sauvignon-Blanc, 18% übrige

Weingut:                 Maurice Zuffery
Ort:                          Muraz sur Sierre, Valais, CH
Rebflache:              9 ha
Beste Lage:            rechtes Rhoenufer in Sierre, Venthô und Veyras:Les Grand’Rayes in Venthome, Les Glariers und Maison-Rouge, Viouc in Muraz , Anchettes-Combettas unterhalb von Venthome
Rebsorten:             Gutedel (Fendant), Petit Arvine, Chardonriay, Cornalin, Humagne rouge, Pinot Noir, Syrah

Weingut:                 Cave Antoine & Christophe Bétrisey, Artisans du Vin
Ort:                          Saint-Leonard, Valais, CH
Rebfläche:              10 ha /Öko Label VINATURA
Beste Lage:            unterste Talhänge von St.Leonard und Uvrier, rechtes Rhoneufer zwischen Sitten und Siders, Les Virets, Les Planisses, Plan-Loggier, Combaz-Bernard, Zenaille
Rebsorten:             Gutedel (Fendant), Pinot Noir, Gamay, Johannisberg, Arvine,  Syrah, Humagne Rouge, Ermitage, Muskateller, Cornalin (Landroter), Diolinoir

Weingut:                 Domaine de la Rodeline, Yvon & Claudine Roduit-Desfayes
Ort:                          Fully, Valais, CH
Rebfläche:              6 ha
Beste Lage:            Plamont les Terasses (1ha), Les Claives (1 ha)
Rebsorten:             Gutedel (Fendant,Chasselas, Perlant), Petite Arvine, Humagne Blanc,   Marsanne (Ermitage, Hermitage) Cornalin (Rouge du Pays, Landroter), Gamay, Humagne Rouge, Merlot, Syrah, Pinot   Noir (Klävner)

 

Verfasser: Dieter

2018_04 Gutedel Probenergebnis

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