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      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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14.08.2014 Felsengartenkellerei Besigheim e.G.

Erstellt von Dieter am Freitag 5. September 2014

Die Abschlussveranstaltung zum Schwerpunktthema Württemberg in 2014 -sieht man einmal von der noch für Dezember ausstehenden Vergleichsprobe Lemberger-Blaufränkisch ab- wurde ausschließlich mit Weinen der Felsengartenkellerei Besigheim e.G. mit Sitz in Hessigheim bestritten, was bei einer Auswahl von 12 Weinen für unsere Verkostung kein Problem darstellte, denn die Angebotspalette ist wirklich groß.

 

Dass der insgesamt gute Eindruck der Probe stark beeinflusst wurde durch die unter der Bezeichnung bzw. unter der Edition „Schwarzer Rappe“ vermarkteten Weine der ehemals selbständigen „Weingärtner Ilsfeld“, einem Zusammenschluss der Weinerzeuger aus Ilsfeld, Abstatt, Auenstein, Helfenberg und Schozach, die sich im April 2010 der Felsengartenkellerei Besigheim angeschlossen haben, darf nicht unerwähnt bleiben.

 

Der Pleonasmus „Schwarzer Rappe“ als doppelte Hervorhebung des Qualitätsniveaus der hierunter fallenden Weine leitet sich ab von der außerordentlich guten Lage „Ilsfelder Rappen“ und verweist damit im Rahmen des Gesamtsortiments der Felsengartenkellerei auf seine besondere Herkunft und deren hohen Qualitätsstandart, auch wenn die Weine inzwischen von den Besigheimer Kellermeistern vinifiziert werden.

 

Umso mehr verwundert es den Weininteressenten, dass die Vermarktung der unter der Edition „Schwarzer Rappe“ produzierten Weine über eine gesonderte Angebotsliste geschieht und ein Hinweis in den jeweiligen Listen auf die jeweils anderen Weine nicht erfolgt. In den Vinotheken jedoch stehen beide Produktpaletten einträchtig nebeneinander, woran sich der Chronist aus eigener Anschauung in Besigheim erinnern kann.

 

Überhaupt lohnt sich ein Besuch der Stadt Besigheim nicht nur der Weine wegen: sie wurde schon vor Jahren als schönster Weinort Deutschlands gekürt. Ihre Lage am Zusammenfluss von Enz und Neckar, an deren Steilhänge hier der Weinbau in exponierten und gut ausgerichteten Lagen betrieben wird, beeindruckt durch ein historisch-romantisches Stadtbild, das den Betrachter zum Träumen in eine vergangene Zeit zu versetzen scheint.

 

Aus dieser Stadt heraus, aber besonders außerhalb der Stadt, fällt immer wieder der Blick auf die umliegenden, durch den Bau von Trockenmauern terrassierten Steillagen. Schon bei diesem Anblick erahnt man die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Weinbergs- und Rebenpflege, welche die Mitglieder der Genossenschaft aber sicher gerne in Kauf nehmen, da diese Anbauform andererseits nicht zu leugnende Vorteile mit sich bringt: die Terrassierung macht die Bewirtschaftung dieser Steillagen erst mit einem zumutbaren Aufwand möglich und –ganz wichtig- verhindert die Erosion der jeweiligen Böden, die ihren Charakter an den Wein weitergeben sollen.

 

Darüber hinaus hat man festgestellt, dass terrassierte Steillagen bis zu 5° Celsius wärmere Kleinklimata ausbilden können als normale Weinbergslagen ohne Steinmauern, nicht zu vergessen die sich dadurch an diesen Orten sammelnde besondere Flora und Fauna. Man denke z.B. an die Mauereidechse, die auch die Flaschenverschlüsse und einen Teil der Etiketten ziert.

Die im Dezember 1938 mit 239 Weingärtnern gegründete Genossenschaft umfasst heute ca 1.600 Mitglieder, die aus 10 Gemeinden stammen und eine Fläche von 650 ha bewirtschaften. Die Vielzahl der Rebsorten teilt sich dabei wie folgt auf:

 

24% Trollinger, 17% Schwarzriesling, 16% Lemberger, 9% Blauer Spätburgunder, 3% Acolon, 2% Samtrot, 1% jeweils für Muskat-Trollinger und Cabernet Dorsa. Bei den weißen Rebsorten dominiert eindeutig der Riesling mit 14%. Danach folgen Kerner: 4%, Müller-thurgau: 3% und mit jeweils bis zu 1% Grauer Burgunder, Weißer Burgunder, Chardonnay, Traminer und Sauvignon Blanc – alle Sorten jeweils mit leicht schwankenden Anteilen.

 

 

Eine Skizze der Qualitätspyramide erleichtert die Zuordnung der Weine zum Qualitätsniveau:

FG QualitätspyramideFG Eidechse

 

 

 

 

Ergänzend sei nachfolgend noch die Beschreibung der einzelnen Weinklassifikationen aufgeführt:

 

 

Composition: Composition XL und XXL sind Cuvées aus besonders ausgewählten Rebsorten. Die Composition XXL wird dabei ausschließlich aus exzellenten Jahrgängen erzeugt.

 .

Fels und Justinus K.:

Die körperreichen, trockenen Weine der Edition Fels und Justinus K bestechen durch ausgeprägte, vielfältige Fruchtaromen und zarten Schmelz. Das ertragsreduzierte Lesegut stammt aus besten, mit überwiegend alten Reben bestockten Weinbergslagen

 

Fas(s)zination:

Die im kleinen und großen Holzfass gereiften, trockenen Weine höchster Güte brillieren durch ihre Komplexität mit einem Hauch zarter Röst- und Vanillearomen. vinifiziert aus streng selektioniertem Lesegut, aus unseren besten Weinbergslagen

 

Weine aus Steillagen:

Das besondere Mikroklima unserer Steillagen beeinflusst diese Weine nachhaltig und verleiht ihnen nicht nur eine besondere Qualität, sondern auch einen eigenen Reiz

 

 

 

LacTerra:

Weine aus Trauben, die auf qualitativ hochwertigem Terroir reifen und streng nach den ökologischen Richtlinien von BIOLAND angebaut werden

 

 

 

 

Halbtrockene Weine:

Die halbtrockenen Qualitäts- und Prädikatsweine erhalten durch die Kreativität und Feinsensorik des Kellermeisters ein ausgewogenes Süße-Säure-Spiel mit zartem Schmelz und harmonischer Fruchtnote.

 

 Terra S:

Die harmonisch trockenen Weine der Edition Terra S sind geprägt von Lebendigkeit, frischer Frucht und klarer Stilistik. Das selektierte Lesegut stammt aus ausgesuchten, ertragsreduzierten Weinbergen

 

Kastellan:

Riesling-Weine, geprägt von mineralisch exotischen Fruchtnoten, spritzig eleganter Weinsäure und saftiger Restsüße. Vom Qualitätswein bis zur Auslese

 

Der Vertrieb der Weine geschieht zu einem Drittel an Privatverbraucher, zu einem weiteren Drittel an die Gastronomie und das letzte Drittel wird über eine in der Rechtsform der GmbH bestehende Tochtergesellschaft des Genossenschaftsbetriebes an den Grosshandel und auch an den LEH verkauft.

 

Nun aber zu den von uns verkosteten Weinen im Einzelnen, vorgestellt von Frau Hilde Seitz, Mitarbeiterin des Verkostungsteams der Felsengartenkellerei Besigheim e.G.

 

Wir begannen mit einem Riesling aus der Serie „Terra S“ des Jahrgangs 2012.

Dieser mit Reinzuchthefen kaltvergorene Riesling, von Jura–Schiefer-Gestein stammend, blitzte mit gelb-grünen Reflexen im Glas und begegnete einem auf den ersten Schluck mit Apfelnoten, beim Nachschnuppern auch mit Aprikosennoten, zeigte wenig Mineralik, dafür aber eine fruchtbetonte und doch erdige Art eines Riesling, wie er eigentlich typisch für das Neckartal ist. Widersprüche gab es bei einigen Verkostern, die ihm eine Tendenz zum halbtrockenen Geschmackstypus vorhielten, andere wiederum, die ihn zwar als Schmeichler mit etwas Bitterton im Abgang bezeichneten, ihm dabei aber einen schönen Schmelz bescheinigten. Nicht vergessen: es war ein 2012er!

Alles in allem aber ein guter Wein zur Feinjustierung unserer Geschmackspapillen für die kommenden Weine.

 

Als nächstes folgte ein Ilsfelder Wein, nämlich ein trocken ausgebauter Muskateller des Jahrgangs 2013 aus der Edition „Schwarzer Rappe“, ein typischer Vertreter seiner Art. Über eine mineralische Säure beförderte er verschwenderische Aromen von Blütenduft, Holunder, Zitrusfrüchten, aber auch einen Hauch Honignuancen an den Gaumen. Die Trauben schienen im Glas eingefangen zu sein. Frage: trotz Bukettsorte ein ausdrucksvoller Sommerwein, wie angemerkt wurde?? Jawohl, das geht, denn mit 11% Alc und gut herunter gekühlt hat er gute Voraussetzungen hierfür.

 

Darauf folgte ein 2013er Sauvignon Blanc, ebenfalls aus der Edition „Schwarzer Rappe“, diesmal von jungen Reben (aus Neu-Seeland reimportiert), die erst vor 4-5 Jahren gepflanzt wurden. Bei der ersten Nase: verhalten, Frau Seitz stellte eine Verbindung zu Riesling her. Beim zweiten Versuch: grüne Noten, Heu, grüne und gelbe Stachelbeeren, wird immer opulenter und liefert damit den Gesamteindruck eines guten Sauvignon Blanc. Es herrschte etwas Verwunderung über die für diesen Jahrgang untypisch geringe Säure in diesem Wein. War bei diesem Wein ein gezielter Säureabbau vorgenommen worden? Frau Seitz versicherte, dass es hier durch die lange Lagerung auf der Hefe und die damit verbundene späte Abfüllung. sowie durch das Kalkgestein, auf dem diese Reben stehen, nicht zu der sonst so ausgeprägten Säurebildung gekommen sei. Nicht zuletzt sei es der Süd- und Südwestausrichtung mit voller Sonnenausbeute zu verdanken, dass sich dieser Wein so rund und harmonische ausbilden konnte.

 

Als nächstes bekamen wir einen Wein ins Glas, der nicht nur von der Substanz her diskussionswürdig war sondern auch im Hinblick auf die mit ihm verbundene Vermarktungsmethode der Genossenschaft: ein 2013er „Justinus K“ aus der Linie „Fels“. K steht in diesem Fall –leicht zu erraten- für Kerner, da es sich bei Justinus Kerner um einen bekannten Weinsberger Arzt, Dichter und auch Wein- und Medizinliteraten handelte, nach dem diese Rebsorte benannt wurde. Gezüchtet wurde sie allerdings durch August Herold (!) in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (1929; Rebsortenschutz in 1969). Nun gibt es ihn also schon relativ lange und man kann sagen, dass er in den etwas zurückliegenden Jahren einmal zu Württembergs Mitfavorit bei den Weißweinen zählte. Leider wurde er immer mehr in einen Strudel hinab zur Mittelmäßigkeit gezogen, woraus er sich mit fortgeschrittenen Jahren auch nicht mehr befreien konnte mit der Folge, dass sich beim Auftauchen des Rebsortennamens Kerner die Stirn der Konsumenten krauste und Konsumverweigerung eintrat. Kerner war in dieser Form nicht mehr an den Mann oder die Frau zu bringen. Also musste ein neues Konzept her, dass die Felsengartenkellerei glaubt, nunmehr in der Vermarktung dieses Weines unter dem Namen „Justinus K“ gefunden zu haben. Und tatsächlich: es scheint zu funktionieren, weil das württembergische „Unwort“ Kerner dem Weinkonsumenten vom Etikett her nicht mehr plakativ ins Auge springt. Man kann hier eine Parallele zur Entwicklung der Weinbezeichnung von Müller-Thurgau zu Rivaner erkennen.

 

Zum Wein selbst: dieser hier stammte von 40-jährigen Reben; in 50kg-Lesekisten geerntet bei einer Ertragsreduzierung auf 70kg/ar; nachselektioniert durch die Kellermeister persönlich mit dem Ergebnis: es kommt nur reifes und total gesundes Lesegut als Ausgangsmaterial zusammen. Von daher bescherte uns dieser Wein ausgeprägte Aromen von Quitten, Birne und Aprikosen, ferner noch eine leichte Muskatnote (sehr verhalten), das alles transportiert auf der Grundlage einer milden fruchtigen Säure, erinnernd an einen Riesling der milderen Art….Aber dann kam sie, diese seltsame dialektverfärbte sensorische Beschreibung: „Da isch ja Bodengfährdle drin….“ ( Geht auch durch als „Bodagfährdle“ oder „Bodegfährdle“) War das jetzt im positiven Sinne von: man spürt oder schmeckt den Bodentyp, auf dem die Reben gestanden haben oder eher in der Version: „Da ist was drin im Wein, aber ich weiß nicht genau was“ ? Hier war wohl eher die zweite Variante gemeint denn es kamen aus dem Kreis der Verkoster Hinweise auf einen vorhandenen Bitterton.

Insgesamt aber kam dieser Kerner in unserer Runde sehr gut an – und zwar: vorurteilsfrei !

 

Weiter ging die Verkostung mit einem Wein aus der Edition „Fas(s)zination“, nämlich mit dem 2013er Grauburgunder. Hierzu fiel uns als Assoziation nur das Stichwort „Hozkeule“ ein: neues Barrique, kurz getoasted, wie Frau Seitz uns aufklärte. Das einzige, was an Fruchtnoten hinter dem stark dominierenden Holzton noch erkennbar war, war eine gewisse Birnenaromatik. Das war‘s dann auch schon, sonst nur Holz. Viel zu jung zum Probieren. Geben wir ihm noch eine Chance zu einem –viel- späteren Zeitpunkt….vorausgesetzt, die Frucht hält sich so lange. Einen Versuch ist es wert, denn Anlagen hierzu hatte dieser Wein von tiefgründigen Böden in der Gemeinde Walheim.

In diesem Zusammenhang drängte sich selbstverständlich das Thema Wein als Essensbegleiter auf, stark favorisiert durch Frau Seitz (Zitat: „Eine kapriziöse Diva, die eigentlich nur beim Essen beliebt ist“), die aber auch die Ansicht akzeptierte, dass Wein darüber hinaus oder auch vorrangig sich selbst tragen muss.

 

Erheiterung herrschte bei der Frage eines Weinbruders nach der Lagerfähigkeit solcher Weine: „Haben Sie da Erfahrungswerte oder ist das in den Nebel geschossen?“ Man sieht also, es geht ganz entspannt zu bei unseren Proben und unsere gut aufgelegte Gastmoderatorin Hilde Seitz nutzte diese Atempause in der Probe zu einem eleganten Übergang zur „Milch der Schwaben“, wie es hieß :

 

Wir verkosteten nämlich den ersten Rotwein, einen Trollinger der Edition „Fels“ aus dem Jahrgang 2012. Ein toller Einstand für den Rotwein-Flight: so kann also Trollinger auch sein. Von wegen Weißwein mit roter Farbe. Hier begegnete uns Substanz, die sich mit längerer Standzeit im Glas noch verbesserte und die anfänglich kritischen Stimmen, dass der Wein zu kalt ins Glas komme, erstummen ließ. Dieser süffige, mit Maischeerhitzung bearbeitete Wein bescherte uns leichte Röstaromen in einer feinen Struktur, Johannisbeeren und Kirschen als Fruchtkomponenten, tolles Echo auf der Zunge und insgesamt stimmig. Der Ausbau in grossen 500 Ltr. Fässern und kleinen mehrfach belegten Barriques tat diesem Wein außerordentlich gut. Im Gegensatz zum oben erwähnten Grauburgunder unterstützten hier die Holznoten den Wein zum Positiven hin.

 

Dem Trollinger folgte dann ein 2011er Pinot Meunier der Edition „Schwarzer Rappe“. Dieser Wein aus der auch so genannten Müllerrebe – oder auch als Schwarzriesling bekannt – beeindruckte uns leicht rauchig, aber ohne jegliche Holznoten, dafür mit schöner Fruchtigkeit und ausgeprägter Würze. Von Frau Seitz erfuhren wir jedoch, dass es dieser Rebsorten heute ebenso ergeht wie seinerzeit dem Kerner. Die Nachfrage sinkt und so setzt man diese Sorte vermehrt dann ein, wenn man einen „Blanc de Noir“ im Sortiment haben möchte oder –wie schon immer, nur jetzt noch verstärkt- bei der Erzeugung von Sekt und Schaumwein, ganz aktuell für die Produktion von Seccos.

 

Unser Augenmerk wurde nun auf die klassische deutsche Rotweinsorte gelenkt, auf einen 2012er Spätburgunder, wieder aus der Edition „Schwarzer Rappe“, also einem weiteren Zugpferd der Ilsfelder Winzer. War der Vorgänger mit 13% Alc. eigentlich noch gewohnt reichhaltig ausgestattet, bewegten wir uns jetzt mit 14,5% Alc schon in höheren Spähren und das Thema Alkoholhaltigkeit im Wein schien näher zu rücken. Rührte die festzustellende leichte Süße im Wein vielleicht doch vom hohen Alkoholgehalt her? Dennoch war dieser Wein erst einmal ein Genuss: es begegnete uns die volle Kirsche und nach längerer Standzeit im Glas auch Kokosaromen und Mandeln. Der Wein an sich: grazil, facettenreich und dicht, was dem Konzept geschuldet wird, dass im Rotweinbereich die Felsengartenkellerei den Barriqueausbau nur im Auslesebereich anwendet. Sogenannte „Blockflötenweine“ –oben reingeschüttet, unten wieder aufgefangen und damit hat der Wein Holz gesehen- sind hier in Hessigheim -Gott sei Dank- nicht der Standard. Nur dichte, dicke Weine setzt man hier den Fasstanninen aus. Das gilt ja –noch einmal- auch für den oben besprochenen Grauburgunder, der deshalb noch seine 2. Chance bekommen sollte.

 

Aber weiter mit Rot: nicht nur im Alkoholgehalt steigerte sich die Probe noch ein weiteres Mal. Wir wurden nun mit den 15 Vol% Alc eines 2012er Merlots der Edition „Schwarzer Rappe“ konfrontiert. Die eindrucksvolle Serie der „Schwarzen Rappen“ wurde mit diesem Wein fortgesetzt. Schmelz, Saft und Frucht (Schwerpunkt Pflaume) an Zunge und Gaumen, betörende dunkelrote Frucht- und Kompottaromen in der Nase –von wegen Merlot als „Frauenversteher“-. Das alles von noch relativ jungen Rebstöcken und zum ersten Mal hier reinsortig ausgebaut. Ein gelungenes Experiment.

 

Es folgte der „Kaiser“ des Rebsortenspiegels, ein Lemberger aus dem Jahrgang 2011 der Edition „Schwarzer Rappe“. Auch mit diesem Wein bestätigten die Ilsfelder Winzergenossen wieder einmal ihren herausgehobenen Standard bei den Rotweinen. Man kann den fusionierten Genossen nur gratulieren, dass trotz des Zusammenschlusses der beiden Genossenschaften die Eigenständigkeit der Ilsfelder Rotweine erhalten geblieben ist und andererseits die Kellermeister der Felsengartenkellerei, in deren Händen inzwischen die Verantwortung für den Ausbau der Weine aus Ilsfeld liegt, diese Eigenständigkeit berücksichtigen und deren Qualitätsniveau weiter verfolgen. Ob sich das Qualitätsniveau durch die Fusion sogar noch verbessert hat, vermag aus unserer Runde mangels Vergleichsmöglichkeit niemand zu sagen. Soweit das vorweggenommene Fazit zu den Roten.

Aber noch einmal zurück zum „Kaiser“. Es wurde in unserer Runde behauptet, dass man sich beim Lemberger „eintrinken“ müsste. Diese Feststellung konnte der Chronist nicht bestätigen, denn ihm gefiel dieser Wein auf den ersten „Blick“ bzw. die erste „Nase“, auch wenn diese deutlich verhaltener ausfiel als beim Vorgängerwein. Gewachsen auf Keuper und Muschelkalkböden, überzeugte er durch dunkle Waldfrüchtearomen, Brombeernoten allerdings verbunden mit einer gewissen Adstringenz am Gaumen. Vollfruchtigkeit bis hin zur Opulenz.. Ein Kandidat für unsere Vergleichsprobe zwischen Lemberger und Blaufränkisch im Dezember diesen Jahres? Immerhin durchstießen bei diesem Wein acht Probanden in ihren Einzelbewertungen die 15-Punkte-Decke. In der Genossenschaft steht ein weiterer Versuch bei diesem Wein für die folgenden Jahrgänge an: man will den Lemberger getrennt nach Bodentypen ausbauen. Die Spannung bleibt also erhalten. Kompliment!

 

Wer aber glaubte, mit diesem Wein hätten wir den Höhepunkt der Rotweine hinter uns gebracht, der wurde eines Besseren belehrt und zwar mit dem letzten Wein aus dem Kreis der Roten, einem 2011er Cabernet Franc Edition „Schwarzer Rappe“, einem sehr raren Wein, der deshalb auch mit diesem Jahrgang bereits ausverkauft ist. Schade! Hat nicht sollen sein.

Um aber diesen Wein beurteilen zu können, musste man alle Assoziationen eines im französischen Stil ausgebauten Cabernet Franc –wie z.B. von der Loire- im Kopf völlig ausblenden. Statt der in jungen Jahren kratzigen und ungeschliffenen Art der französischen Cabernet Francs, die darüber hinaus auch mit nur 12-12,5% Alc auskommen, wurden wir hier mit einem „Maul voll Frucht“, mit einer Opulenz von Himbeeren und Johannisbeeren und mit einem Hauch von weißem Pfeffer (nicht von jedem in unserer Runde nachvollziehbar) überrascht. Summarisch beschrieben handelte es sich um einen wuchtigen, milden und auch weichen, aber mediterranen Rotwein, dem man internationalen Standard attestieren konnte. Gerade wegen seiner Weichheit wurde dieser Wein allerdings auch kritisiert und als für unsere Gaumen weichgespült bezeichnet. Andere ordneten die Pfeffernote dem hohen Alkoholgehalt zu (14,5%). Alle Verkoster mussten allerdings zugestehen, dass dieser Wein die Holznoten aus dem Barriqueausbau am besten eingebunden hatte und damit ein harmonisch rundes Ganzes bildete. Der Wein aus dieser Rebsorte wurde bisher nur in Cuvées verarbeitet und wird nun als Solist in loser Folge mit den nächsten Jahrgängenauf den Markt kommen.

Alles in allem ein würdiger Abschluss des Rotweinreigens, was sich auch in der höchsten Durchschnittsbewertung dieses Weines bestätigte.

 

Nach diesen druckvollen Roten ging eigentlich nur noch ein edelsüßer Wein, der uns in Form eines Riesling Eisweins aus dem Jahr 2012 kredenzt wurde. Dieser Wein mit 212° Oechsle an einem Dezembertag morgens um 04:00 Uhr bei -10° Celsius gelesen, überzeugte durch Quitten und Mangoaromen, begleitet von einer opulenten Süße, die aber sehr gut abgepuffert wurde durch eine deutlich merkbare Säurestruktur. Ein hervorragender edelsüßer Wein ohne den sonst schon mal in diesen Weinen vorhandenen „Eiserl-Ton“ (Eisen), wie Frau Seitz besonders anmerkte. Weiterhin klärte uns unser Gast dahingehend auf, dass die Felsengartenkellerei  –soweit möglich- nur noch Eiswein als edelsüßen Tropfen produziere und keine Beeren- oder Trockenbeerenauslesen mehr. So verfüge man auch hin und wieder über einen Lemberger Eiswein als höchst interessante Variante, sofern die Witterung mitspielt. Sollte es einmal bei der langen Reifezeit der Trauben für einen Eiswein witterungsbedingt schief gehen, so bekommen die davon betroffenen Winzer von der Genossenschaft eine finanzielle Entschädigung. Auf diese Weise lässt man sich schon mal eher auf dieses Risiko ein. Die Genossenschaft macht‘s möglich!

Damit kamen wir zum Ende dieser interessanten und in Bezug auf die Genossenschaftsarbeit lehrreichen Probe.

Bei Frau Hilde Seitz möchten wir uns noch einmal an dieser Stelle besonders herzlich für ihren kurzweiligen Vortrag und ihr persönliches Engagement bedanken und wünschen darüber hinaus der Felsengartenkellerei Besigheim e.G. noch viele gelungene Jahrgänge in ihren Kellern.

Verfasser: Wolfgang Klug

2014_08_Probenergebnis_WG Felsengartenkellerei

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