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      19:00 -22:00
      17.10.2019
      Pfarrzentrum St.Marien, 3.Stock Kapellenstr.7, 51103 Köln-Kalk

      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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19.12.2013 Weinprobe Blaufränkisch aus dem Burgenland

Erstellt von Dieter am Sonntag 19. Januar 2014

Blaufränkischprobe mit Weinen aus dem Burgenland –

und einem „blinden“ Piraten

Die Teilweinanbaugebiete des Burgenlandes

Burgenland                                                             13.840 ha

Neusiedlersee                                                          7.649 ha

Neusiedlersee Hügelland / Leithaberg               3.576 ha

Mittelburgenland                                                      2.117 ha

Südburgenland / Eisenberg                                    498 ha

Charakteristika eines Blaufränkisch: Kirsche, Brombeere, Fruchtfülle, gutes Tannin, Kräuterwürze, Suppenkräuter, Gemüsebrühe, teilweise Pfeffer, Erdigkeit, gutes Tannin.

1. Weingut Gernot Heinrich,     Gols ***** / ****

99% rot,   1% weiß    60 ha / 105 ha

Bio, bekannt für Gabarinza, Salzberg

Gruppe Pannobile

Gernot Heinrich zählt zu den besten Rotweinwinzern. Es ist toll, was der Golser Jahr für Jahr sowohl in der Tiefe als auch in der Breite herausbringt. Genau das zeichnet den Pannobile-Winzer aus und das lässt einen bei Heinrich-Weinen gut aufgehoben wissen. Bei den klassischen Geschichten wie Zweigelt und St. Laurent ist es der frucht­betonte Trinkspaß, der in jedem Schluck steckt. An der Spitze wiederum zeigt Heinrich mit seinen Top-Cuvées Gabarinza und Salzberg, welches Potenzial Gols zu bieten hat. Seit einiger Zeit macht Heinrich auch ausgedehnte Wanderungen am be­nachbarten Leithaberg mit vielversprechenden Ergebnissen, vor allem im weißen Burgunderbereich schwappt viel Spannendes vom Leithaberg ins Heinrich-Sortiment.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch (Basiswein); straff, grün, hart und kurz; gebrauchtes Barrique?;

2. Weingut Leo Hillinger,    Jois *** / **

60% rot, 40% weis  50 ha / 100 ha

In Umstellung auf Bio

Die Optimierung beim Weingartenmanagement und im Keller trägt bei Hillinger schmeck­bar Früchte. Verantwortlich für den merkbaren Qualitätsanstieg ist ein ein-gespieltes und hoch motiviertes Team. „2012 war durchaus eine Herausforderung, nicht unbedingt wegen der Trockenheit, sondern weil sich die übliche Lese­reihen­folge bei den Sorten verschoben hat“, so Kellermeister Edgar Brutler. Im umfang­reichen Sortiment überrascht schon der „normale“ Veltliner heuer mit ungewohnter Vitalität, mit der exotischen Cuvée Hill 2 aus den Sorten Chardonnay und Sauvignon betritt man hochwertige, frankophile Gefilde. Qualitative Steigerungen sind beim „Hillside“ zu bemerken, das liegt wohl auch daran, dass die Merlotpartien nun deut­lich besser zur Geltung kommen; überhaupt ist bei den Roten ein gewisses Fein­tuning bemerkbar, so zum Beispiel dank geringerer Maischebewegung. Bester Rot­wein im Sortiment ist derzeit der Cabernet Sauvignon, ein ungemein saftiges, tannin­betontes Exemplar mit beachtlichem Potenzial. Wenn es der Jahrgang zulässt, keltert das Weingut auch Süßweine: der mit gut 33 °KMW gelesene Traminer-Eiswein steht besonders prächtig da. Hillinger Weine gibt es im Handel und natürlich in den Flagship-Stores, es empfiehlt sich aber durchaus ein Ab-Hof-Einkauf im Stamm­haus in Jois, denn der in den Hang versenkte architektonisch ansprechende Gebäudekomplex mit prächtigen Blickachsen ist immer einen Besuch wert.

Getrunken: 2010er Blaufränkisch; bei seinem Spagat zwischen Top-Cuvées und Kaufhausweinen hatten wir hier wohl die zweite Kategorie im Glas; glatt, beliebig, gefällig, etwas süß

3. Weingut Hans & Anita Nittnaus,     Gols **** / ****

90% rot,  10% weiss  44 ha / 36 ha

Bio, Mitbegründer Gruppe Pannobile, Leithaberg

Hans Nittnaus gilt als der Sir in der burgenländischen Winzerelite. Der ruhige und stets hilfsbereite Golser Winzer ist nicht nur Pannobile-Namensspender und nach wie vor tatkräftiges Mitglied der erfolgreichen Golser Winzergruppe, sondern er setzt seit ein paar Jahren seine Fußspuren zunehmend gekonnt auch auf den benachbarten Leithaberg – und wie! Sein Blaufränkisch 2011 von dort ist heuer bei der Top-Wein-Verkostung mit fünf Sternen geadelt worden – der Wein zeigt sich bereits jetzt gut antrinkbar, hat aber enorme Kraft für ein langes Leben. Überhaupt steht bei Nittnaus‘ Weinen immer Eleganz vor übertriebener Mächtigkeit – was man vor allem bei seinem Pannobile schön schmecken kann. Die bekannte Rotweincuvée vereint übrigens die zwei wichtigsten Rotweinsorten im Weingut und in der Region: Zweigelt und Blaufränkisch. Nittnaus‘ ganz großes Aushängeschild ist der Comondor: Von der Top-Rotwein-Cuvée, die wie der Pannobile den Winzer seit mehr als 20 Jahren be­gleitet, ist aktuell der Jahrgang 2009 am Markt.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Kalk und Schiefer“; auf diesem Boden ist ein interessanter, mineralisch kühler Wein gewachsen, insgesamt elegant.

4. Weingut Marcus Altenburger,     Jois, ***  / ***

80% rot, 15% weiss, 5% edelsüß     / 75% rot, 25% weiss      11 ha

Markus Altenburger präsentiert die bis jetzt beste Serie, die er je gemacht hat. Vor­gezeichnet war der Weg zum Winzer freilich nicht, denn wenn man aus einer altein­gesessenen Winzerfamilie stammt, dann zieht es einen nicht automatisch in die Wein­branche. So hat er auch zuerst einmal internationale Wirtschaftsbeziehungen studiert. Dann folgten aber schon das Schloss Halbturn, damals noch unter Carlo Wolf, und der Entschluss, selber Weine zu keltern. Altenburger verfolgt einen sehr traditionellen Ansatz der Weinbereitung, einmaischen in offenen Bottichen, Spontan­gärung und möglichst lange Hefelagerung sind Eckpunkte der Vinifikation. Auffällig ist die gewonnene Stilsicherheit bei den Weißweinen, vor allem der Jungenberg ist in seiner bodengeprägten, eleganten Art ein echtes Aushängeschild. Hervorragend und noch dazu preiswert: der Neuburger, den Markus Altenburger dieses Jahr wieder als Reserve abfüllt. Blaufränkisch ist das Herzblut des Winzers, schon preiswerte Weine, wie der Ried Satz, überzeugen mit Eigenständigkeit und Trinkvergnügen, von den sechs verkosteten Varianten bestechen Gritschenberg und Jungenberg ganz beson­ders.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch; riecht oxydativ, reif etwas kompottig;

5. Weingut Josef Leberl,     Großhöflein, *** / ***

90.000 Fl. 74% rot, 25% weiss, 1% edelsüß      17 + 5 ha

Nach dem Tod von Gerald Leberl im Vorjahr hat Bruder Alexander den Keller über­nommen. Leberl-Weine zeichnen sich durch die ruhige Handschrift und ein gutes Alterungspotenzial aus; Grundstein für die Struktur und Finesse der Weine sind natürlich die Spitzenlagen am Leithaberg und seinen Ausläufern, aber auch der elegante Holzeinsatz, den Familie Leberl mittlerweile perfektioniert, trägt dazu bei. Schon der Chardonnay Reisbühel ist sehr gelungen, einer der individuellsten Weiß­weine bisher. Bei den Rotweinen gibt es kleine stilistische Optimierungen, so wird die Maischestandzeit – zum Beispiel beim Zweigelt – etwas zurückgefahren. Das Blau­fränkischsortiment wird heuer wieder von einem lagenreinen Satz ergänzt, ein ver­gleichsweise zugängiger Wein, der ungemein saftige Kollege vom Fölligberg ist wieder ein echter Preisknüller. Stilistisch markant herausgearbeitet wirkt der kühl­rauchige Blaufränkisch Reisbühel, der gewohnt pikantmineralische Glorienstein be­schließt das Quartett dann auf tollem Niveau, das Potenzial des 2009ers sollte er locker erreichen. Bester Wein des Betriebs ist heuer der Peccatum, der 2011er wird sich in die Riege der besten Jahrgänge dieser Cuvée stellen. Beachtlich ist auch der schlicht als Cabernet Sauvignon Merlot betitelte Blend. Der qualitativen Kontinuität des Weinguts setzen wir heuer die dritte Krone auf.

Getrunken: 2008er Blaufränkisch „Reisbühel“; Note von Cabernet Sauvignon, runder Wein mit wahrnehmbarer hoher Säure, etwas unharmonisch; Entwicklung abwarten.

6. Weingut Feiler Artinger,    Rust ***** / ****

150.000 Fl, 55% rot, 30% weiß, 15% edelsüß  29 ha

bekannt für edelsüße Weine

Die harmonische wie unaufgeregte Art, mit der Familie Feiler Lese und Bereitung der Jungweine abwickelt, hat in einer ebenso ausgewogenen Weinserie ihren verdienten Niederschlag gefunden. Das gilt bereits für die Weißweine, die 2012 etwas pointierter und kerniger ausgefallen sind als ihre unmittelbaren Vorgänger aus 2011; dies trifft insbesondere auf den mit nussiger Würze und zarter Orangenfrucht glänzenden Neu­burger zu. Aus dem Jahr 2011 gefällt der saftige, vom Holz bloß dezent unter­stützte Gustav. Einen erfreulichen Ausblick auf 2012 hat der pfeffrige und nervige Zweigelt aus diesem Jahr bereits freigegeben. Im großen Rotweinjahr 2011 beweisen bei­spielsweise der Blaufränkische von der Riede Umriss und der Zweigelt & more die Vorzüge ihrer jeweiligen Rebsorte und Herkunft und verstehen beide, dunkelbeerigen Fruchtreichtum mit dichtem Körperbau zu verbinden. In besonderem Maße trifft dies auch auf den Pinot Noir vom Gertberg zu, der so rauchig und pikant wie selten zuvor ausgefallen ist und auch Substanz sowie Länge für die prononcierte Reifung besitzen sollte. An der Spitze steht unverändert der balancierte Bordeaux-Blend, der nunmehr als Cabernet Sauvignon Merlot tituliert wurde, weil sich die mit 999 beginnende „Jahres­bezeichnung“ auf Dauer als zu irreführend herausgestellt hat. Als Primus inter Pares kann wieder der extraktsüße und vor rotbeeriger Frucht nur so strotzende Solitaire gelten, der auch für einen stark Blaufränkischbetonten Blend beispielhaften Fruchtcharme und frühe Balance in die Waagschale legt.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Umriss“; stimmiger Wein, der alle Eigenschaften der Vorgängerweine in sich vereinte.

7. Weinbau Ernst Triebaumer,     Rust **** / ****

100.000 Fl. 75% rot, 20% weiß, 5% edelsüß              20 ha

bekannt für Blaufränkisch Marienthal

Die Rolle des sommerlichen Aperitifs wird im weitläufigen Sortiment der Familie Triebaumer wieder einmal dem schneidigen Rosé sowie dem traubigen und schlan­ken Muskateller zugewiesen; schon etwas darüber hinaus gehen der vitale Sau­vignon von der Ried Vogelsang, aber auch die etwas reduktive Ruster Variante des Veltliners. Bei den Chardonnays stehen einander wieder das klassische, im Stahltank ausgebaute Format sowie die unter der Riedbezeichnung Pandkräften laufende Barrique-Variante gegenüber, die beide recht muskulös und druckvoll ausgefallen sind. Für einen erfreulichen roten Ausblick auf den Jahrgang 2012 sorgt der fokus­sierte und engmaschige Blaufränkische Gmärk, für einen ebenso angenehmen Rückblick auf den – ja nicht unproblematischen – Jahrgang 2010 der straffe und Himbeerfruchtige Pinot Noir. Aus dem großen Rotweinjahr 2011 ist dem Quartett der Premium­-Roten schon in ihrer Jugend hohe Klasse zu attestieren. Diese realisiert bereits der Blaufränkische vom Oberen Wald, dessen Aromenbogen weit aus­schwingt, aber auch der Maulwurf, der ja bekanntlich die jüngeren, sozusagen zweit­besten Anteile der Ried Mariental enthält, gleitet höchst geschmeidig und ausdrucks­voll über den Gaumen. So gut wie selten zuvor ist diesmal der Bordeaux-Blend aus­gefallen, dessen suggestives Duftspiel vom dichten Körperbau bestens ergänzt wird, während der schon legendäre Blaufränkische aus der Lage Mariental bei aller Sub­stanz wieder primär durch feine Linienführung und Eleganz überzeugt und zu einem der größten Exponenten der letzten Jahre heranreifen sollte.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Oberer Wald“; Salonsiegerwein, dunkle Früchte, auch Schattenmorellen, wärmeres und weicheres Tannin als bisher; etwas vanillig. Gegenpol: „…aus dem Gleichgewicht …“

8. Weingut Josef & Anna Hufnagel,     Neckenmarkt

82% rot, 18% weiß,   8 ha

Kleines Weingut, das vor 2 Jahren den Landessieger Blaufränkisch stellte;

Getrunken: 2009er Neckenmarkter Blaufränkisch „Nyek“; ausgewogen und nicht vom Holz erschlagen. Gegenmeinungen: stumpf in der Nase, Fruchtaromaansätze, die aber vom Tannin überdeckt werden; wieder einmal Cab.-Sauvignonanklänge, reife Tannine und kurzer Nachhall.

9) Weingut Juliana & Georg Wieder,     Neckenmarkt ** / **

52.000 Fl., 95% rot, 5% weiß    30 ha    Vereinigung Vitikult

Georg Wieder ist ein naturverbundener Winzer. Er praktiziert naturnahen Weinbau, verzichtet aber bewusst auf eine Zertifizierung als Bio-Betrieb. Bei kritischen Wit­terungsbedingungen habe man so größere Freiheiten, um die gewohnt hohe Qualität zu halten, meint er pragmatisch. Mit dem Zweigelt Selektion hat er einen neuen Wein im Programm. Nicht dass sein Sortiment zu klein wäre, ganz im Gegenteil. Aber die Traubenselektion aus den ältesten Anlagen sei so vielversprechend gewesen, dass sie förmlich nach getrennter Vinifikation verlangt habe. Es kam ein offener Holzgär-ständer zum Einsatz. Ausschließlich in guten Jahren soll es diesen Wein geben. Das Weingut verfügt über ausgezeichnete Lagen in Neckenmarkt. Den Schwerpunkt bil­det ganz klar der Blaufränkisch. In den V-MAX kommt die Auslese der besten Trau­ben. Dieser Blaufränkisch wird nur in Top-Jahren vinifiziert.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Ried Kohlenberg“; tolle Nase, fleischig am Gaumen, schokoladiges Tannin, allerdings nicht so dicht wie Nr.: 5.

10. Weingut Franz Weninger,    Horitschon

28ha + 22 ha in Ungarn (Balf) – Bio

Ein Meilenstein in der Betriebsgeschichte war im Jahr 1996 der Erwerb einer rund einen Hektar umfassenden Rebfläche in der Riede Dürrau. Binnen Kurzem verhalf Weninger dieser Lage zu einem Renommee, wie man es bis dahin im Ort nicht für möglich gehalten hatte. Längst gilt Weningers Blaufränkisch Dürrau als einer der besten Weine Österreichs. Heute ist das Weingut Weninger einer der wirtschafts­mächtigsten Weinbaubetriebe des Mittelburgenlandes. Sowohl dem Weingut in Horitschon als auch jenem im ungarischen Ort Balf bei Sopron steht seit Kurzem Juniorchef Franz Reinhard Weninger als Betriebsleiter vor; Franz Weninger steht ihm als Seniorpartner zur Seite. Dem Blaufränkisch Dürrau wird nun noch mehr Lagerzeit gegönnt als ehedem, weshalb der 2011er Dürrau erst im nächstjährigen Vinaria-Guide aufscheinen wird. Einer der bisherigen Zweitweine, namentlich der Blau­frän­kisch „Alte Reben“, ist ab sofort nicht mehr im Sortiment. Der Großteil der Trauben für diesen Wein stammte aus der Riede Kirchholz.

Getrunken: 2009er Hotitschoner Blaufränkisch „Ried Hochäcker“; ebenfalls fleischig, dicht, konzentriert mit hohem Extrakt – aber nicht fett!

11. Weingut Haus Iby     Horitschon, *** / ***

100% rot,   35 ha / 30 ha  – Bio

Im Jahr 2006 hat die Familie Iby ihren Betrieb auf naturnahe Bewirtschaftung umge­stellt. Mittlerweile hat sich dieser Schritt als absolut richtig erwiesen. Die Reben ha­ben eine beachtliche Vitalität entwickelt, und die Weine sind harmonischer als früher. „Wenn man biologisch unterwegs ist, sind das Bodenmanagement und das Blatt-Frucht-Verhältnis besonders wichtig“, erklärt Anton Iby. Man könne aber die Reb­stöcke nicht sich selbst überlassen. „Bio soll keine Religion sein, im Bioanbau gibt es kein love & peace.“ Das heißt, der Winzer führt einen ständigen Kampf mit den Ele­menten. Durch penibles Beobachten der Natur kann man die Eingriffe des Menschen jedoch auf einem vernünftigen Niveau halten. Die Ibys nennen diese Strategie „mini­male Intervention“. Im Interesse einer sicheren Gärung wird ein eigener Hefeansatz verwendet, was sich auch auf den Herkunftscharakter der Weine positiv auswirkt.

Getrunken: Horitschoner Blaufränkisch“Chevalier“ Reserve; kurz und bündig formuliert: der Schönste an diesem Abend, was sich auch in der Punktung nieder­schlug. Von da an ging es wieder bergab….

12. Weingut Mathias Jalits,     Badersdorf

10,5 ha  80% rot, 20% weiss

Nach Hotelfachausbildung Ausbildung an der Weinfachschule in Eisenstadt.

Die­ses inzwischen wohletablierte Badersdorfer Familienweingut mit ange­schlos­senem Gasthaus wird von Mathias Jalits geleitet, der – unterstützt von seinen Eltern Anna und Alfred Jalits – mittlerweile gut elf Hektar Weingärten bewirtschaftet; be­merkenswert, bedenkt man, dass der „Doch-nicht-Gastronom“ 2001, als er begann, gerade ein Hektar zur Verfügung hatte. Nach seinem Schwenk von der Koch- und Kellnerlehre zum Weinbau, seiner Absolvierung von Weinbauschule und einer Praxis bei Paul Kerschbaum, widmete sich der überaus engagierte und dynamische Baders­dorfer ganz dem Wein. Eben diese Eigenschaften führten zweifellos auch dazu, dass Mathias Jalits im vergangenen Jahr zum neuen Obmann des Vereins Eisenberg DAC gewählt wurde. Die Jalits’schen Rebflächen befinden sich mehrheitlich am Eisen­berg, vor allem in der Ried Szapary, zu einem kleinen Teil aber auch am Csaterberg sowie seit heuer auch rund ein Hektar am nahe gelegenen Hannersberg. Zwar domi­niert mit ca. 70 Prozent Anteil der gebietstypische Blaufränkisch, jedoch gibt es eine Reihe weiterer Rotweine wie Zweigelt und Pinot Noir, in guten Jahrgängen teils auch Cabernet und Merlot, als Cuvée auch noch den Steinberg; daneben natürlich noch den obligaten Welschriesling sowie einen Uhudler-Frizzante. Mathias Jalits fabriziert kräftige, gerbstoffbetonte Rotweine mit frischem, klarem Fruchtausdruck, denen Luft guttut. Als archetypischer Gebietsvertreter tut sich immer der Blaufränkisch Szapary hervor, als Topwein gilt der mächtige Diabas.

Getrunken: 2009er Blaufränkisch „Szapary“ Reserva; ganz typischer Blau­frän­kisch mit fast allen oben erwähnten Charakteristika: kraitig, Gemüsebrühe, grün, pfeffrig, mal keine Röstaromen vom Holz, mehr Mineralität und schlanker als die Vorgängerweine; Gegenmeinung: Kirsche, aber stumpf am Gaumen und „indifferente Gemüsebrühe.

13. Weingut Uwe Schiefer     Welgersdorf *** / ****

48.000 Fl.  95% rot, 5%    13 ha

Uwe Schiefer hatte sich einst vor allem mit dem Blaufränkisch Reihburg, der bei Vinaria-Bewerben Kontinuität auf Top-Niveau bewies, einen Namen gemacht. Im aktuellen Sortiment wird man diesen Wein indes vergebens suchen, weil ihm Schie­fer nun noch mehr Reifezeit gönnen will als ehedem. In den vergangenen Jahren er­schien der Blaufränkisch Szapary mitunter dem Reihburg sogar ebenbürtig. Beide Weine kommen vom Eisenberg, der Szapary ist immer geradliniger, aber dennoch hochelegant. Im aktuellen 2011er-Jahrgang präsentiert sich der Szapary um eine Spur warmfruchtiger, als man es von ihm gewohnt ist; er bringt – bei beachtlichem Tiefgang – reichlich Würze zur Geltung. Immer noch ein Geheimtipp im gehobenen Segment ist der vergleichsweise preisgünstige Blaufränkisch Pala, ein finessen­reicher und zugleich druckvoller Wein mit mineralischer Prägung und bestechendem Trinkfluss. Ein traumhafter Klassik-Wein, der seine ohnedies hochstehenden Vor­gänger noch um einiges übertrifft, ist der 2012er-Blaufränkisch Südburgenland, er kratzt schon verdächtig an der 4-Sterne-Marke.

Getrunken: 2010er Blaufränkisch „Eisenberg“; nur das Stichwort „Mineralität“ ist hängen geblieben; andere Verkostungsanmerkungen der Probenteilnehmer sind untergegangen wegen heißer Debatte über Verkostungskriterien im Allgemeinen

14. Weingut St.Antony     Nierstein,      ***

26 ha

1758 wird die erste Eisenhütte des Ruhrgebietes angeblasen. Heute auch als „Wiege der Ruhrindustrie“ bekannt. Als zu Zeiten des 1. Weltkriegs große Mengen Kalk für die Eisenproduktion benötigt werden, kauft die neue Besitzerin der Eisenhütte – die Gute-Hoffnungs-Hütte (GHH) – eine Kalksteingrube im Süden Niersteins, samt um­liegenden Weingärten – das heutige Weingut.

Nach dem Krieg wird Kalk uninteressant und die Basis für die neue Zukunft wird ge­legt. Erst jetzt wird der „Rotliegende“ interessant, da sein Boden aus Ton und Verwit­terungssandstein für Wein höchst wertvoll ist. Das Ergebnis ist von so erstaunlicher Qualität, dass die Firma sich zur Selbstbewirtschaftung entschließt. 1920 wird der erste offizielle Wein abgefüllt und schnell von den Mitarbeitern schätzen ge­lernt. 1955 wird die Kalksteingrube verkauft und der Erlös in das Weingut investiert. Modernisierungen und Zukauf von Spitzenlagen steigern die Qualität der Weine, die mehr und mehr Freunde finden. 1982 kommen weitere Toplagen hinzu. Im Jahr 1986 bekommt das Weingut seinen traditionsreichen Namen „St. Antony“ und eine neue Eigentümerin: die MAN. Viel wird in Qualität und Lagen investiert. Das Weingut erarbeitet sich einen Stammplatz unter den besten 100 Weingütern Deutschlands und wird Mitglied des Vereins der Prädikatsweingüter VDP.

Im November 2005 verkauft die MAN das Weingut. Familie Meyer, die neuen  Besitzer, setzen vermehrt auf die absoluten Spitzen des Roten Hangs: die Steillagen der berühmten Weinlagen Pettenthal, Ölberg , Hipping und Orbel. Ertragsreiche Plateaulagen wurden gegen arbeitsaufwendige Steillagen getauscht. Ab dem Jahr 2006 übernimmt Felix Peters die Geschäftsführung von St. Antony. Er arbeitet ehrgeizig an dem Ziel, die Weine von St. Antony an die Spitze zu bringen. Die jüngsten Weine belegen dies eindrucksvoll. Die Leidenschaft für Spitzenweine auf St. Antony ist für jedermann spürbar. Daher darf man äußerst gespannt sein, was uns das Weingut in Zukunft noch präsentieren wird.

Getrunken: 2011er Blaufränkisch; vom Rotliegenden, vorhandene Riesling-Reben wurden umge­pfropft auf Blaufränkisch, da die Lage für Riesling zu warm ist. Ein tolles Ergebnis, das sich nicht zu verstecken braucht. Zitat: der Wein atmet Kühle (!)!…und steckt viele Lemberger aus Württemberg weg. Dieser Pirat wurde nicht erkannt! Und das Weingut hat ihn als Blaufränkisch bezeichnet, um den Unterschied zu den meisten Lembergern heraus zu stellen.

Anmerkung: Die Texte zu den Weingütern, seien sie vollständig oder in Auszügen,) sind ausnahmslos Zitate aus dem Vinaria Weinguide2013/2014; LW Werbe und Verlags GmbH, Krems. Ausgenommen ist hiervon der Text zum Weingut St. Antony/Rheinhessen. Alle Angaben zu den Weingütern ohne Gewähr. Die Bewertung der Weingüter nach Falstaff bzw. Vinaria.

Chronist: Wolfgang Klug

probenergebnis-der-weinprobe-blaufrankisch-aus-dem-burgenland-vom-19122013-als-pdf

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