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    Oktober
    • 17

      19:00 -22:00
      17.10.2019
      Pfarrzentrum St.Marien, 3.Stock Kapellenstr.7, 51103 Köln-Kalk

      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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20. / 21. Juni 2009 Weinkulturreise an die Mosel

Erstellt von Dieter am Samstag 4. Juli 2009

Heute ist Sommeranfang, aber bei unserer Abfahrt morgens um 8:00 Uhr war davon noch nichts zu merken, ja es kam noch schlimmer, denn als wir die Ahr in Richtung Mosel überquerten, fielen schon einzelne Regentropfen. Die Außentemperatur wurde auch immer winterlicher und bei unserem Bus wollte die Heizung nur kalte Luft blasen. Es fehlten nur noch Schneeflocken.

An der Raststätte „Eifel“ machten wir eine Zwischenpause und nutzen sie, den Kreislauf mit  übrig gebliebenen Flaschen des Cava-Contests 2008 in Schwung zu bringen. Zumindest die Flaschen waren noch gut gekühlt. Unser Fahrer versuchte unterdessen mit telefonischer Unterstützung durch seinen Chef die Heizung in Gang zu bringen, was dann auch bis zur Weiterfahrt  gelang. Danach wurde allen sehr gut warm, aber wir hatten auch nur noch ein kurzes Stück bis zu unserm ersten Ziel. Pünktlich um 11:00 Uhr trafen wir in Leiwen beim Sektgut St.Laurentius ein. mosel_1

Klaus Herres führt uns durch seinen Betrieb und präsentierte dabei eine kleine Auswahl seiner Sekte, die sogar beim Bundespräsidenten in Berlin bei Empfängen ausgeschenkt werden. Die Sekte fanden solchen Anklang, dass wir uns von der Verkostung losreißen mussten, denn unser Mittagessen im Restaurant Kunz in Köwerich wartete auf uns. Aus einer kleinen, aber feinen Karte konnten wir unser Speisen auswählen und geniessen. Die hervorragende Leistung der Küche zusammen mit dem professionellen Service, führte dazu, dass wir unser Mittagessen in angenehmer Atmosphäre und trotzdem pünktlich beenden konnten..

Satt und zufrieden fuhr uns der Bus – durch diverse Kisten Sekt vom Sektgut St. Laurentius beschwert – nach Piesport zum Aussichtspunkt an der Panoramastraße.

mosel_3Bei einem grandiosen Ausblick über die Moselschleife, wurden die müden Beine schon etwas in Bewegung gebracht .Danach ging es zu Fuß ein längeres Stück durch die Weinberge zum Aussichtspunkt an der  Piesporter „Lorelei“. Auch hier bot sich aus anderer Perspektive ein großartiger Ausblick auf die Lage „Piesporter Goldtröpfen“.

Nächstes Ziel war in Piesport die „Römische Kelter“, die bei der Flurbereinigung 1985/86 entdeckt wurde. Theo Haart, als Mitentdecker, führte uns durch die Anlage mit der rekon­struierten Spindelkelter. Damit es nicht zu trocken wurde, gab es drei Rieslinge vom Weingut zu probieren. Schon deshalb hätte die Fahrt nach Piesport gelohnt. So klare, brillante und mineralische Rieslinge gibt es nicht oft. Nicht ohne Grund gilt Theo Haart als einer der Spitzenwinzer an der Mosel.

Bei trockenem, sonnigen Wetter fuhren wir wieder ein Stück zurück nach Trittenheim zum Hotel „Galerie Riesling“ und bezogen  dort unsere Zimmer.

mosel_5Nach einer kurzen Kellerbesichtigung führte uns Gerhard Eifel durch eine Probe mit Riesling-Weinen des Weinguts Clüsserath-Eifel, vom trockenen Qualitätswein bis zur süßen Auslese.
Eine Spezialität ist der Riesling vom Trittenheimer Fährfels, einer sehr steilen Lage, die nicht flurbereinigt wurde. Mit einem rustikalen Moselteller zum Abendessen schlossen wir unsere Probe ab.

Lag es an Klitschkos  Boxkampf im Fernsehen, am Wetter oder an der Wirtschaftskrise? Nach dem Essen lag über dem Ort ein solch himmlischer Frieden, dass die paar Aufrechten, die nach Weinprobe und Essen noch ein kühles Bier trinken wollten, einfach nicht fündig wurden.

Am nächsten Morgen saßen alle munter beim Frühstück – die einen früher, die anderen später. Pünktlich ging es weiter nach Ürzig zur ersten Weinprobe im Weingut C.H.Berres.

Dort wartete eine Überraschung auf uns: der Winzer war auf und davon, über alle Berge nach Irland. Nach einiger Zeit tauchte ahnungslos ein Mitarbeiter des Weingutes, der dort wohnte, auf. Mit seiner Hilfe gelang es dann, die Eltern des Winzers zu aktivieren, und so doch noch zu einer improvisierten Probe zu kommen. Hinterher stellte sich heraus, dass der Termin unbemerkt beim ihm von Juni auf Juli mutiert war.

mosel_6Auch hier ging es zuerst in den Weinkeller.Da das Weingut früher deutlich größer war, besitzt es aus dieser Zeit noch weiträumige Keller voller uralter – allerdings nicht mehr genutzter – Holzfässer. Hier probierten wir einen sauberen, runden Weißburgunder

Oben auf dem Speicher, der zu einem Veranstaltungsraum umgebauten war, war inzwischen die Weinprobe vorbereitet.

Hier konnten wir einen Querschnitt des Riesling-Sortiments von frischen trockenen 2008’er Kabinett bis zur reifen, edelsüßen 2003’er Auslese verkosteten. Um das leidige Problem mit Korkfehlern zu beseitigen, werden seit 2004 alle Weine des Weingutes mit Schraubver­schluss (Stelvin) abgefüllt.

Da die Zeit schon weit vorgeschritten war, mussten wir auf den letzten Wein verzichten, umunseren Zeitplan halbwegs einzuhalten und unser Mittagessen im Restaurant „Zur Traube“ nicht hinunter zu schlingen.

mosel_7Petrus hatte aber ein Einsehen und gönnte uns Sonnenschein, so dass wir auf der Terrasse unser Essen genießen konnten.

Die Weiterfahrt führte uns über Traben Trarbach durch unzählige Moselschleifen an steilen Weinbergen entlang zur Marienburg bei Alf. Alfons als unser „Bärenführer“ kämpfte tapfer gegen den Mittagsschlaf der Weinbrüder und wusste zu allen Orte etwas zu berichten. Wer nicht gerade beim Mittagsschlaf war, erfuhr Vieles und Interessantes über dieses weniger bekannte Stück der Mosel.

Leider trübte sich der Himmel immer mehr ein und es begann es auch noch kräftig zu regnen. Trotz Optimismus: Dicke Regentropfen, grauer Himmel, das Wetter wurde  auch bei der Auffahrt zur Marienburg nicht besser. Dann versperrte noch ein anderer Bus den Zugang  zur Marienburg. Das war zuviel und so beschlossen wir, den Winzer Dr.Uli Stein in Alf schon eine Stunde früher heimzusuchen.

mosel_81Unser Veranstaltungsort, das Haus Waldfrieden liegt fast wie ein Adlerhorst, hoch oben in den Weinbergen, kurz vor dem Wald – mit einer gigantischen Aussicht über die Mosel­schleife von Zell im Südosten bis Neef im Norden.

Mit Dr. Uli Stein hatten wir einen der schillerndsten Winzer an der Mosel als Referenten. Ein unbeirrbarer Verfechter des typischen Moselrieslings aus Steillagen, der für die Mosel internationale Rebsorten oder fette Rieslinge, die man überall erzeugen kann, ablehnt und sich auch notfalls gegen Behördenwillkür und -Intoleranz zur Wehr setzt. Auf der anderen Seite ist er mit Künstlern wie dem Musiker Wolfgang Niedecken von BAP und war zum Beispiel mit den leider verstorbenen Karikaturisten und Illustratoren  F.K. Wächter und Robert Gernhard befreundet.

mosel_9Aber nun zu den Weinen: als Alltagswein probierten wir den feinherben Riesling „Blau­schiefer“, schlank, gradlinig und mit stärkerer Fruchtsäure.  Dann ein „Leichtwein-Ex­peri­ment“, ein Cuvee aus kurz vor und kurz nach Erreichen der physiologischen Reife gelesene Trauben aus dem St.Adelgunder Himmelreich mit nur 9.6% Alkohol. Dank 80-jähriger wurzelechter Reben ist dieser Riesling trotzdem fruchtig und weder unreif grün noch dünn. Ein interessantes Experiment.

Für uns Kölner musste natürlich dann der „Domwein“ mit einem Künstler-Etikett von Wolfgang Niedecken aus der Lage Sennheimer Vogteiberg kommen. Diese Lage gehörte früher einmal dem Kölner Erzbischof, und auch dessen Verwalter wussten um die Qualität der Lage. Noch etwas kräftiger wurde der „Bremmer Calmont“. Ein Jahr Reife hatte diesem Wein gut getan. Noch etwas fülliger und üppiger wurde es mit der „Alfer Hölle, 4 Sterne“. In dieser Lage direkt unterhalb vom Haus Waldfrieden ist der Boden tiefgründiger und nur reiner Schiefer und es stehen hier keine wurzelechten Reben.Den süßen Abschluß machte eine dichte, frucht-intensive Auslese -eigentliche eine kleine Beerenauslese – aus den St.Adelgunder Palmberg Terrassen. Hier zeigte das Weingut, dass hier nicht nur interessante trockne Weine entstehen können.

Zum Abendessen tranken wird den Riesling „Traubenflüsterer“, dessen kräftige Fruchtsäure gut mit dem rustikalen Mosel-Bufett harmonierte.Den Abschluß machten zwei Rotweine, für deren Anbau Uli Stein lange mit den Behörden gekämpft hatte: Ein Cuvee aus Spätburgunder, Cabernet Sauvignon, und Merlot  und ein schon recht reifer Spätburgunder.

Damit endete unsere letzte Probe der Moselexkursion mit über einer Stunde Verspätung – obwohl wir fast eine Stunde eher angefangen hatten. Vielleicht war es ein Fingerzeig von Petrus, der unseren Spaziergang an der Marienburg ins Wasser fallen lies. So hatten wir mehr Zeit bei Uli Stein und es gab keinen einzigen Mitfahrer, der sich in dieser Zeit langweilte.

Und da kurz vor unserer Abfahrt in Köln der kleine Bus durch einen größeren ersetzt worden war, konnten wir auch  noch reichlich Weine mitnehmen. Schwer beladen fuhr dann unser Bus mit müden, aber zufriedenenen Weinbrüdern und Weinschwestern zurück nach Köln.

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