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      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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20.08.2009 – Weiß und Rot aus Latium

Erstellt von Dieter am Sonntag 6. September 2009

Traditionelle Italien-Probe vom 20.08.2009 mit Paul Mangasser: Weiß und Rot aus Latium

 

Die Neugier auf Paul’s letzte Italienprobe unter eigener Regie war ungebrochen und so fanden sich an diesem Donnerstag wieder viele Teilnehmer trotz der feucht-schwülen Witterung in unserem Probierraum im Kolpinghaus-Messe-Hotel, um von Paul’s fundierten Kenntnissen zu profitieren. Auch unsere Gäste auf den „Schnupperplätzen“ bekamen mit dieser Probe vor Augen geführt, was es bedeutet, wenn ein Weinbruder -oder eine Weinschwester- sich mit Engagement und Herz in ein Thema einarbeitet und uns alle anschließend an dem Erfolg teilhaben lässt.

 

Latium – da denkt man zunächst einmal an Frascati und eventuell noch an Est!Est!Est di Montefiasconi, Weine, die man eigentlich als Pizza-Begleitweine in Erinnerung hat. Kann man denn mit solchen Weinen eine Probe in unserer Weinbruderschaft bestreiten? Und überhaupt: welche Rotweine fallen einem denn hierzu ein? Und Paul tut das, was er immer bei diesen Proben getan hat: er hält sich an die Weine aus den raren autochthonen Rebsorten, die nur vor Ort wachsen und mit denen die Winzer vor Ort auch umzugehen verstehen.

 

Die beiden zuerst genannten Weine durften in dieser Probe zwar nicht fehlen, aber der erste Wein, ein 2008er Est!Est!Est!!! di Montefiascone (DOC) vom Weingut Falesco hinterließ tatsächlich nur einen durchschnittlichen Eindruck (zugelassen: 65%Trebbiano toscano; 20% Malvasia bianca toscana; 15% Rossetto). Da hilft es auch nicht, sich an den von demselben Weingut stammenden Rotwein Vitiano von den umbrischen Weinbergen des Gutes zu erinnern, der mit jedem Jahrgang vom Markt sehr gut aufgenommen wird.

 

Der sich anschließende Frascati Superiore (DOC) des Weingutes Villa Simone, Inh.: Piero Constantini, aus 2007 hob sich deutlich von den sonst belanglosen Frascati der römischen Provinz ab. Er war stoffig mit Anklängen von gelben Pflaumen und Quitten und das eine Jahr mehr Reife auf der Flasche hatte ihm überraschenderweise insoweit gut getan als er mit einiger Weichheit beim Abgang ausklang. Ein wirklich überdurchschnittlicher Frascati !

 

Nach Pauls Auffassung durften die nun folgenden Weißweine aus 100% autochthonen Trauben nicht fehlen. Allen voran ein 2006er Alagna bianco (IGT) vom Weingut Marcella Giuliani aus Agnani in der Provinz Frosinone, wo die Passerina del Frusinate, aus der dieser Wein gemacht wird, fast ausschließlich noch vorkommt. Er wurde von den Probenteilnehmern sehr gemischt aufgenommen. Problem bereitete sicherlich u.a. die deutliche Bitternote, die aber bei diesem Wein zum Bestandteil des Geschmacksbildes gehört, die aber eben nicht jeder goutierte. So erklärt sich auch die relativ große Bandbreite bei der Benotung dieses Weines, die nämlich zwischen 11 und 14,5 Punkten von 20 auslief.

 

Es folgte ein Bombino (IGT) aus 2007 von der Az. Agr.L’Olivella/Frascati, der mit seinem Duft nach frischen Blumen und seinem weichen, fruchtigen Abgang schon eher zu gefallen wußte. Dass wir an diesem Abend Raritäten getrunken haben, zeigt sich in Zahlen darin, dass z.B. von diesem Wein nur ca. 3000 Flaschen produziert werden und wenn man dann noch bedenkt, dass 80% der Produktion des Latium vor Ort getrunken werden, grenzt es schon an ein Wunder, dass wir einen solchen Wein überhaupt ins Glas bekommen. Paul hat es möglich gemacht.

 

Beim nächsten Wein, einem Bio-Wein aus 2005 vom Weingut Marco Carpineti, Prov. Latina, handelte es sich um einen Moro Bianco (IGT), der aus zwei fast vergessenen autochthonen Sorten hergestellt wird nämlich aus der Moro- und der Giallo-Traube, die beide von der Greco-Bianco-Traube abstammen. Um das Lesegut dieses Weines möglichst frisch und oxydationsfrei auf die Kelter zu bringen, werden die Trauben nur in der Frühe gelesen, so zwischen 06:00 und 10:00 Uhr. Unser Wein im Glas, aus einem Ertrag von ca. 45 hl/ha, zu 50% im Stahltank und der Rest in 360-ltr.-Eichenfässern ausgebaut, erfreute uns körperreich mit Aromen von Pfirsich und Mandeln und im Abgang auch mit deutlichen Mineralnoten.

 

Wenn wir mit diesem Wein schon im Jahr 2005 angekommen waren, so ging Paul mit dem letzten Weißwein sogar noch einen Schritt weiter zurück in das Jahr 2004, aus dem man unter normalen Umständen einen italienischen Weißwein nur mit Vorbehalt zu sich genommen, noch weniger ihn aus eigener Tasche bezahlt hätte. Risiko!!! Man muß eben wissen, auf was man sich einlässt und mit diesem Grechetto, Latour a Civitella (IGT) vom Weingut Sergio Mottura aus der Provinz Viterbo kam ein eindrucksvoller –weil auch 9-11 Monate in Barriques ausgebaut- Überraschungswein daher, buttrig mit viel Körper, mit Anklängen an Haselnüssen und mit Kräuter- und Gewürznoten. Nicht zuletzt trug auch der für einen Weißwein hohe Alkoholgehalt von 14% Vol. dazu bei, dass dieser Wein so opulent daher kam. Ohne Pauls Zutun wurde dieser Weißwein als Bester des Abends gekürt, kein Wunder, denn wie sich im Nachhinein herausstellte, war genau dieser Wein einer der „Drei-Gläser-Weine“ im Gambero Rosso. Eine Bestätigung also für die richtige Wahl.

 

Mehr Weißwein gab es nicht aus Pauls Hand, obwohl doch das Anbauverhältnis der Weißwein- zu den Roteintrauben im Verhältnis 80 zu 20 steht. Er musste also noch ein paar Rotweinasse im Ärmel haben, sonst hätte er uns mit weiteren Weißweinen versorgt.

 

So begannen wir mit einem 2005er Kron (IGT) des Weinguts Fontana Candida in Monteporzio/Rom, eine Cuvée aus 85% Merlot und 15% Sangiovese. Damit hatten wir einen von zwei Weinen mit international bekannten Rebsorten im Glas. Lag es daran oder was war der Grund, dass dieser Wein bei den meisten Teilnehmern unserer Runde nur den Eindruck eines gelungenen aber belanglosen Alltagsweines hinterließ? Über eine durchschnittliche Bewertung von 14 Punkten kam der Wein nicht hinaus und das sollte auch die niedrigste Punktung unserer Rotweine an diesem Abend bleiben.

 

Schon besser war der Gesamteindruck des sich anschließenden Weins, nämlich einem 2004er Nenfro des bereits oben erwähnten Weingutes Sergio Mottura, der aus 60% Merlot und 40% Montepulciano cuvetiert wurde. Der Ertrag dieses Weines liegt bei unter 40 hl/ha, ausschließlich Handlese ist in diesem Weingut normal und der Wein bekommt seine Reife durch 12-monatiger Lagerung im kleinen Eichenfass und anschließend nochmals durch 12-monatiger Lagerung auf der Flasche. Auch wenn eine der beiden Probenflaschen einen deutlichen Korkschmecker mitbrachte, so reichte doch der Eindruck aus der übrigen „guten“ Flasche, um ihm Anklänge von Sauerkirschen und Brombeeren zu attestieren, mit Noten von Lakritz und einer Ausstattung mit deutlichen Tanninen und Mineralstoffen.

 

Es folgte ein Wein eines noch sehr jungen und noch kleinen Weingutes mit dem Namen Compagnia di Ermes in Olevano in der Provinz Rom. Das Weingut bewirtschaftet zurzeit nur 5,5 ha und widmet sich ausschließlich der Pflege der autochthonen Rebsorte Cesanese di Olevano Romano (DOC), die hier auf kalkhaltigen Böden wächst und sich dafür nur mit einem Minimalertrag von ca. 33 hl/ha bedankt. Der Ausbau des Weines, hier Jahrgang 2006, findet ausschließlich im Stahltank statt. Dadurch überraschte uns der Wein mit floralem und vegetabilem Duft, Aromen von frischen roten Beeren, Kirschen und mit einigen Gewürznoten. Eine deutliche Säure war noch zu spüren und die Tannine waren gegenüber den Vorgängerweinen sehr verhalten.

 

Auf diesen „Newcomer“ folgte ein Wein aus einem altbewährten Betrieb aus 1870, nämlich dem Weingut Marcella Giuliani, von dem wir schon vorher den weißen Alagna getrunken hatten (s.o. Nr. 3). Dieser Wein, der unter dem Namen Dives, Cesanese del Piglio (DOC), vermarktet wird, stammte aus dem Jahrgang 2003 und wird aus der Traube Cesanese d’Affile gekeltert –eine ebenfalls vom Aussterben bedrohte Traubensorte-, wird 4 Monate in Barrique ausgebaut und bekommt dann seine weitere Reife in großen Holzfässern. Er wächst auf Vulkangesteins- und Lehmböden und liegt im Ertrag bei höchstens 45 hl/ha. Ein spärlicher Ertrag, der aber den Verkoster mit einem Duft nach schwarzen Beeren und Kirschen belohnt, der von leichten Röstaromen durch die Ausbaumethode noch unterstrichen wird.

 

Im Jahrgang weiter zurück ging es mit dem nächsten Wein, einer 2001er Cuvée aus 45% Sangiovese und 55% Cesanese (IGT), ein beeindruckender Wein, der sich konzentriert rubinrot präsentierte, an dunkle Früchte und an ein Gewürzbouquet erinnerte, sehr nachhaltig und lang im Abgang zurückblieb. Man hatte wirklich den Eindruck, dass der Wein seinen Titel „Ferro e Seta“ (Stahl und Seide) unbedingt durch sein Auftreten bestätigen wollte, was ihm m.E. auch gelang. Nicht umsonst wurden hier zum ersten Mal als Höchstnote 17 Punkten von den Teilnehmern vergeben. Das Weingut Villa Simone (s. auch o. beim Frascati) kann sich glücklich schätzen, einen solchen Rotwein in seinem Sortiment zu haben.

 

Den Abschluss bildete ein roter Bio-Wein vom Weingut Marco Carpineti, das auch schon beim Durchlauf der Weißweine zu gefallen wusste. Hier handelte es sich um eine Cuvée aus 60% Montepulciano und 40% Nero Buono von durchschnittlich 40-jährigen Rebstöcken. Auch diesem Wein liegt ein maximaler Höchstertrag von 38 hl/ha zu Grunde, so dass er mit konzentrierter Frucht beeindruckte, unterstützt von der aufwendigen Ausbaumethode, die ihn während der Reife durch Fässer verschiedener Größenordnung führt – und das 24 Monate lang. Der als Lazio Rosso mit dem Titel „Dithyrambus“ vermarktete Wein hat es längst zum Kultwein geschafft und auch international Aufsehen erregt. So ganz dithyrambisch (?: schwärmerisch, wild begeistert) reagierten die Teilnehmer der Verkostung nicht. Aber er durfte sich mit nur 2/10-Punkten weniger die Spitze des Abends mit dem Vorgängerwein teilen. Ein solides Ergebnis.

 

Alles in allem war es mal wieder eine erhellende Probe und nicht zuletzt auch wegen des wunderbar aufbereiteten Informationsmaterials danken wir Paul Mangasser für diese –hoffentlich nicht schon wieder – letzte Probe mit herausragenden Vertretern der weniger bekannten italienischen Anbaugebiete.

 

Herzlichen Dank Paul !

 

Verfasser: Wolfgang Klug

 

Probenergebnis 20.08.2009: Weiß und Rot aus Latium (PDF)

 

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