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Blindprobe mit Chardonnays aus aller Welt am 20.09.2018

Erstellt von Dieter am Sonntag 9. Dezember 2018

Chardonnay ist im Burgund beheimatet, hat aber durch seine hohe Anpassungsfähigkeit in den letzten Jahren immer mehr Anbaugebiete in der Welt erobert. Weltweit sind mittlerweile ca. 175.000 Hektar Rebfläche damit bestockt.
In der Rangliste der meist angebauten Rebsorten liegt Chardonnay auf Platz 8, was die enorme Verbreitung dieser Rebsorte demonstriert. Entsprechend groß ist auch die qualitative Vielfalt der Chardonnay Weine. Vom Spitzenweinen aus dem Burgund über oft dicke, alkohollastige, buttrige Weine aus den USA bis hin zum glattgebügelten und belanglosen Industriewein ist alles zu finden.
Wir haben in unserer Blindprobe Chardonnays aus Australien, Chile, Deutschland, Frankreich, Italien, Neuseeland, Österreich, Spanien. Südafrika und den USA verkostet.
Die Weine lagen alle in einer Preisklasse von etwas 10 -15 Euro, um nicht über die Qualitätsunterschiede einzelne Regionen zu bevorzugen.
Die Probe wurde deshalb auch nicht wie bei anderen Proben nach Qualität aufsteigend sondern nach der Holzlastigkeit geordnet.
Da keine deutliche Holz-belasteten oder dicke, fette Weine dabei waren, fiel es den Anwesenden sehr schwer auf die Herkunft zu schließen, denn auch die „Neue Welt“-Weine“ hatten nur dezente Holznoten und waren dadurch kaum als solche zu erkennen. In der Bepunktung lagen die Weine sehr dicht zusammen, von 14,04 bis 15,31 Punkten.

1.      Chardonnay aus Deutschland, Rheinhessen
        2017  Chardonnay, Weingut St.Antony

Jugendliches Blassgold in der Farbe: ein klarer, schlanker, weniger mineralischer aber sehr fruchtiger Chardonnay, etwas Zitrone und Holunderblüte und etwas Eichenholz.
Oberhalb und an den Kuppen des Roten Hangs wurde dieser Chardonnay angebaut und nach Spontanvergärung in gebrauchten, burgundischen Fässern vergoren, in denen zuvor der Pettenthal Großes Gewächs ausgebaut wurde.

2.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund, Puilly Fuissé
          2016  Pouilly Fuissé, „Pierre Chanau“, Morin Père & Fils

Jugendliches Blassgold in der Farbe: ein ordentlicher , etwas breiter Chardonnay mit exotischen Noten, aber auch leichtem Bonbonton. Er hat etwas mehr Mineralik, aber wenig Substanz und Länge.
Der Chardonnay wurde als In-House-Brand für die französische Supermarket-Kette Auchan abgefüllt. Das Weinhaus Morin Père & Fils wurde 1822 gegründet und gehört heute zum Firmenagglomerat der Familie Boisset

3.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund
          2016  Bourgogne Chardonnay, Domaine Agnes Paquet,        

Etwas blasses Grüngold in der Farbe:  ein leicht gemüsiges Bukett, wenig Frucht mit einem leichten Citrus- und Ingwer-Ton, im Mund dann aber sehr salzig-mineralisch mit guter Säure, Länge und etwas Eichenholz.
Dieser Bourgogne Blanc stammt aus zwei Weinbergen. Einer in Volnay, der andere von 40- bis 45-jährigen Reben der Hautes-Cotes de Beaune. 15% neues Holz, der Rest ist im Stahltank ausgebaut. Diese Chardonnay-Reben sind auf uralte Rotweinreben aufgepfropft, sodass man durch das alte Wurzelmaterial kleine Erträge und hohe Mineralität wie bei alten Reben erhält.
Agnes Paquet hatte nach dem Abitur erst Wirtschaft studiert und erst als Ende der 90er Jahre ein Verkauf des elterlichen Weingut anstand, beschloss sie Winzerin zu werden. Heute zählt sie zu den Geheimtipps in dieser Region

4.      Chardonnay aus Frankreich, Burgund, Chablis                 
          2016 Chablis, Domaine Daniel Dampt    

Glänzendes Grüngold in der Farbe, ein klarer, gradliniger, recht straffer Chardonnay mit leicht exotischer Citrusfrucht, hat mehr Süße als der Bourgogne Chardonnay (Nr.3). Er wirkt füllig, rund und kraftvoll bei mittlerer Länge. Das Holz ist gut eingebunden.
Dieser Chardonnay wurde überwiegend im Stahl ausgebaut. Die Domaine Daniel Dampt zählt zu den kleineren Chablis-Produzenten.

5.      Chardonnay aus Österreich, Steiermark
          2017  Chardonnay, „Mariengarten“, Weingut Muster Gamlitz

Helles Blassgold, in der Farbe: der Chardonnay hat ein duftiges Bukett mit Blüten und Birne. Im Mund ist er dann leicht nussig, weinig und recht rund mit einer weichen Säure.
Benannt nach dem Marienkreuz in der Gemeinde Schlossberg in der Steiermark.
Die Weine werden durch das sogenannte illyrische Klima mit den Alpen im Norden und der Adria im Süden stark beeinflusst. Mediterrane Sonnenstunden mit hohen Tages- und durch die Alpen kühlen Nachttemperaturen prägen die Aromatik. Der kühle, alpine Wind führt nach Regenfällen zu raschem Abtrocknen und schützt die Reben so vor Krankheiten.

6.      Chardonnay aus Italien, Südtirol                                                             
          2016  Chardonnay, „Schwarzhaus“, Weingut Strobelhof 

Blassgrün in der Farbe: der Chardonnay hat viel Fülle, Alkohol und deutlich Eichenholz, aber wenig Aroma, und wirkt etwas glatt und gefällig.
Der Weingut Stroblhof wurde schon vor 1600 urkundlich erwähnt. Von 5,5 Hektar Anbaufläche am Eppaner Berg in ca. 500 m Höhe auf kalk- und porphyrhaltigen Böden werden jährlich etwa 40.000 Flaschen produziert,. Davon sind etwa die Hälfte Weißweine der Rebsorten Weissburgunder, Sauvignon blanc und dieser Chardonnay                                                                                 .

7.      Chardonnay aus Spanien
          2016  Chardonnay “Dehaza de Carrizal”, Finca Dehaza de Carrizal           

Kräftiges Grüngold in der Farbe: wir haben hier einen sehr exotischen Chardonnay mit üppiger Frucht und Gewürznoten. Im Mund hat er viel Schmelz, nicht so viel süßliche Würze, aber deutlich Holz.
Das Weingut liegt ca. 150 km südwestlich von Madrid und ca. 70 km südwestlich von Toledo in den „Montes del Toledo“.‘ 2006 wurde dem Weingut der Status „Vino de Pago“ zuerkannt. Die Reben sind auf 28 ha auf kargen Böden angepflanzt. Dort gibt es große Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, viele Sonnenstunden, ausreichend Regen und kühlen Wind.

8.      Chardonnay aus Australien
          2016  Chardonnay „Koonunga Hill“ , Penfolds   

Helles Grüngold in der Farbe: ein ordentlicher, recht runder Chardonnay, aber der Wein hatte einen leicht, reduktiven, schwefligen Stinker in der Nase und schmeckte auch so. (Beide Flaschen) Der Wein hatte einen Schraubverschluss und wahrscheinlich nicht genug Luft durch den Verschluss bekommen, um die Entwicklung reduktiver Schwefelnoten zu verhindern. Zwei Monate früher waren diese reduktiven Schwefelnoten noch nicht schmeckbar.
Die Trauben stammen aus dem Barossa Valley, McLaren und Adelaide. Dieser Chardonnay sollte einen mittelkräftigen Typ und kein Barrique-Holz-Monster sondern mehr einen fruchtgeprägten Wein darstellen, was durch den reduktiven Stinker nicht mehr so richtig zu erkennen war.

9.      Chardonnay aus Südafrika, Stellenbosch            
          2017  Chardonnay, „Sutherland“, Thelema Mountain Vineyards

Helles Blassgold in der Farbe: ein sauberer Chardonnay mit leichten Zitrusnoten, viel Fülle und Schmelz. Er war durchaus sehr rund, harmonisch und wirkte nicht fett. Allerdings zeigte er mehr Eichenholz-Noten und viel Eichenholz-Süße.
Das 42 ha große Familienweingut Thelema Mountain Vineyards liegt auf dem spektakulären Helshoogte Pass in Stellenbosch.
Die Vergärung und der malolaktische Säureabbau erfolgte in französischen Barriques. Anschließend reifte der Wein 10 Monate auf der Hefe unter regelmäßigem Aufrühren der Hefe (Batonnage)

10.    Chardonnay aus Neuseeland
          2016  Chardonnay „Kumeu Village“, Kumeu River Wines     

Kräftiges Grüngold in der Farbe: ein erdig duftiger, sehr gradliniger Chardonnay mit frischer Säure, Die Holz-Noten waren geringer als beim südafrikanischen Chardonnay (Nr.9).
Normalerweise wird dieser Chardonnay zu 75% in Stahl vinifiziert. Da ein Frühlingsfrost die Ernte deutlich redukziert hatte, konnte der Wein komplett in alten französischen Holzfässern gären mit anschließender malolaktischer Fermentation.
Trotz des reinen Holzfaß-Ausbaus ist der Chardonnay  in der Stilistik aber unerwartet sehr europäisch, ohne die sonst deutliche Übersee-Parfümierung.

11.   Chardonnay aus den USA, Washington                               
          2016  Chardonnay Chateau Ste.Michelle

Helles Blassgold in der Farbe: ein einfacher, glatter, gefällig gemachter Chardonnay, traubige Nase, etwas Bananenton und viel Holz, Karamellton und Süße.
1934 wurde Château Sainte-Michelle in Woodinville nordöstlich von Seattle gegründet und ist damit das älteste Weingut der Region.
Dieser Chardonnay aus dem Columbia Valley wurde unverkennbar im Barrique ausgebaut.

12.   Chardonnay aus Chile, Limari Valley,   
          2016  De Martino, Chardonnay, „Legado“, Reserva, Soc. Agr. Santa Teresa Ltd    

Etwas trübes Blassgold in der Farbe: der Chardonnay war recht füllig, hatte etwas vollreife Frucht mit etwas kräutrig erdigen Noten dazu etwas Sesam- und Gemüse-Aromen. Im Mund war er dann etwas breiter und das Eichenhoz kam erst im Abgang stärker durch.
Die Reben dieses Chardonnays wachsen in dem Anbaugebiet D.O. Limari, das 400 km nördlich von Santiago liegt. Die dort vorherrschenden kalkhaltigen Tonböden geben dem Chardonnay eine mehr Eleganz und Mineralität als in anderen chilenischen Gebieten.

Die Verkostung zeigte, dass der Stil der Chardonnay-Weine in dieser Qualitätsklasse doch recht ähnlich war, die fetten, holzbetonten Chardonnays mit Karamellton waren nicht mehr dabei und die beiden Chardonnays aus Südafrika bzw. Neuseeland waren sogar recht schlank und etwas mineralisch. Der Chardonnay aus Chile und vor allem der aus den USA haben den Vorurteilen schon eher entsprochen. (Vielleicht haben aber auch die Importeure der Neue Welt-Weine schon eine entsprechende Vorauswahl getroffen.)

So war nach dem Aufdecken der Etiketten doch die Überraschung groß, da man mit der jeweiligen Herkunft nicht unbedingt gerechnet hatte.

Verfasser: Dieter

2018_09_Blindprobe Chardonnay Probenergebnis

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