• Veranstaltungen

    < 2021 >
    November 26
    • 26
      Keine Veranstaltungen
  • Neuigkeiten abonnieren!


     

Archiv für die 'Probenberichte 2021' Kategorie

Weinprobe Istrien, Teil 1: Malvazija (Malvasier) am 24.06.2021

Erstellt von Dieter am 5. Oktober 2021

Auf der ersten von 2 geplanten Verkostungen mit den istrischen Weinen haben wir versucht etwas Licht in das noch nicht ganz klar definierte Wissen über die weiße Sorte Malvazija zu bringen. Schon da fängt es an, da wir die sogenannte istrische Malvazija verkostet haben, die, wie die istrische Winzer betonen, zu unterscheiden ist von den übrigen Sorten mit dem gleichen Namen, die in vielen Weingebieten (meist im Mittelmeer) zu finden sind.

Viele Weinbegeisterten behaupten, dass das Istrien als Weingebiet ein von den interessantesten noch nicht ganz entdeckten Weingebieten nicht nur in Kroatien, sondern in ganz Europa ist. Zuerst Dank der zwei autochthonen Sorten: weißem Malvasier und rotem Teran.

Für den Moderator der Probe und Verfasser dieser Zeilen hat die Tatsache, dass der Termin um fast 1 Jahr in die Zukunft verschieben werden musste, eine gewisse Spannung gebracht: wie werden sich die „einfacheren“ Weine mit dem ungeplanten zusätzlichen Alter präsentieren?

Die Probe begann mit einem Paar:

  • Alba 2018 von Matosevic (14,5 Punkte)

Der Wein hat sich wie erwartet gezeigt als ein typischer und immer zuverlässiger Vertreter der Sorte und in verschiedenen Jahrgängen mit konstanter  Qualität (in einer unprätentiösen Art):

Herb, frisch (immer noch) – fruchtig – blumig (typisch), leicht herb (Heu), Pfirsich
Trocken, schöne, interessante (und für Malvazija typische!) Salzigkeit; spürbarer Alkohol

und

  • Malvazija von Benvenutti  (14,0 Punkte)

Nicht ganz saubere Nase (Traubengut ?), undefiniert
Auch salzig, mittlere Säure, viel „Stoff“, Alkohol, besser im Geschmack
Für den Verfasser leichte Enttäuschung für einen Wein aus hoch gelegenen Lagen.

Das nächste Paar war ein „blindes“: die Idee war, eine andere, möglicherweise ähnliche mediterrane Sorte mit Malvazija zu vergleichen:

  • Malagouzia 2019  Alpha Estate  (15,0 Punkte)

Eine Sorte, nach Meinung des Verfassers nicht nur mit dem ähnlichen Namen aus
Nord Griechenland. Der Wein zeigte sich überzeugend, expressiv, herb – blumig, intensiv in der Nase und am Gaumen auch mit viel Extrakt und kräftigerer Säure. Modern gemacht und, da doch ein Jahr jünger als der nächste, von meisten als Pirat erkannt.

Ähnlich wie der Wein von Matosevic (Salzigkeit)

  • „4 Terre“ – Siva zemlja (grau Erde) 2018  Cattunar  (15,5+ Punkte)

Der erste von 4 Weinen von Cattunar in der Probe

(In dieser Verkostung für den Verfasser der überzeugendste Winzer mit allen  Weinen!)

Schöne gelb-goldene Farbe. Konzentriert, fruchtig, schon in der Nase „cremig“
Überzeugend und klar, Orange, herbe Blumen, Linde.
Kompakte Struktur, viel Stoff, dicht, fruchtig-mineralisch, cremig

Bei dem Wein spürt man Terroir (dieses Mal „flisch“, ein kalkiger Löß, typisch für Istrien), was auch das „Thema“ von Cattunars 4 Malvazier von 4 verschiedenen Bodentypen ist.

  • „4 Terre“ – Crvena zemlja (rote Erde) 2018  Cattunar  (15,5+ Punkte)

Die Nase ist ein bisschen „robuster“ als bei dem Wein davor; man spürt wieder das Terroir und die eisenhaltige rote Erde – metallisch, würzig

Wieder viel Stoff, schöner „Gripp“, leicht bitter. Schöne „rustikale“ Idee.

  • „4 Terre“ – Crna zemlja (schwarze Erde) 2018  Cattunar  (16,5 Punkte)

Reifere Farbe; sehr tief, interessant und eigenartig: Löwenzahn, Orange, Konzentriert, sehr viel Extrakt, schöne Säure, wieder Eisen.

Viel Charakter, toller  Wein!

  • Grand Cru 2018 Marijan Arman (15- Punkte)

Farbe schon sehr reif. Honig, Melone, etwas breiter, schon leicht oxidiert.
Viel Stoff, trocken, leicht phenolisch, Birnenschale, matt.

(auch eine leichte Enttäuschung, diesem Wein hat das zusätzliche Jahr leider geschadet)

  • Alba Robinia 2018 Matosevic  (16,5 Punkte)

Blasses Gold. Konzentrierte Nase, Zoo, bittere Kräuter, überzeugend und interessant
Am Gaumen salzig, konzentriert und doch zurückhaltend, frisch, schöne Säure, langer Abgang.
Ähnelt einem guten Szürkebarat aus Ungarn. Noch jung; Potenzial.

Ein Wein ausgebaut in Barrique aus Akazien!

  • Alba Antiqua 2015  Matosevic  (16,5 Punkte)

Kräftigeres, dunkleres Gold

Riecht „cremig“, konzentriert, Orange-Wine-Richtung, Gewürze, Orangenschale, Gewürznelken. Am Gaumen spannend, die Komponenten halten sich schwer zusammen, kräftige Säure.

Einige Tage Mazeration und 30 Monate in Barrique aus zwei Holzarten geben dem Wein Charakter und Noten, die nicht jedem gefallen müssen.

  • Rezerva 2015 Marijan Arman  (16+ Punkte)

(Auf dieser Stelle wurde der Wein Nr. 11 verkostet)

Sehr schöne, goldene Farbe. Zurückhaltend, schön nussig, Honig, animalische Note.
Am Gaumen konzentriert, salzig, Zitrone, leicht phenolisch, Kalk.

In einem schönen Alter, gutes Handwerk. Zu Trüffel-Gerichten!

  • „Colina“ 2016 Cattunar  (16,5 Punkte)

Kräftiges schönes Gold. Konzentriert, Honig, Rauch, geröstete Mandeln.
Gripp, phenolisch, Barrique, kalkig, sehr salzig; Alkohol.

Charakter.

  • Grimalda  2017  Matosevic  (16,5 Punkte)

Eine Cuvee aus Chardonnay, Malvazija und Sauvignon blanc, aus einer besonderen Lage. Schöne gelb-goldene Farbe. Kräftige, schöne und überzeugende Kräuter (Sauvignon!), Feuerstein (Boden!), Schießpulver. Frisch, cremig und saftig. Harmonisch in Balance. Sehr gutes Handwerk! Noch jung. Wein mit Charakter.

Resümee: einige Gemeinsamkeiten zeigen die verkosteten Weine sowohl als Sortentypizität als auch das „istrische“ Handwerk- und Terroir: herbe blumige Noten eher als eine bestimmte Fruchtigkeit.  Deutliche Salzigkeit, gute Präsentation der verschiedenen Terroirs und gute Essensbegleiter (was dem Probenleiter als weitere Aufgabe zur Vertiefung des Themas in der Zukunft gerne entgegenkommen darf)

Verfasser: Ceca Madzarevic

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »

Virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Reibold, Freinsheim am 27.05.2021

Erstellt von Dieter am 5. Oktober 2021

Da uns die Corona-Pandemie weiterhin im Griff hatte, haben wir versucht, auch für den Mai eine virtuelle Weinprobe zu organisieren. Im südlichen Teil der Nordpfalz, in Freinsheim, sind wir dann fündig geworden . Bisher machten dort nur die Brüder Steffen und Andreas Rings von sich reden, allerdings hatten sie bei uns schon  im Juli 2017 ihre Weine vorgestellt.
Aber fast unbemerkt haben sich daneben die Brüder Philipp und Johannes Reibold nach vorne gearbeitet und sind vom Weinführer Vinum zu den Aufsteigern der Pfalz 2021 gewählt worden. Glücklicherweise waren die Brüder auch kurzfristig bereit, für uns eine Weinprobe zusammen zu stellen. Drei Weine aus ihrem Spitzensegment könnten wir im Mai verkosten.

Zum Weingut

Das Weingut wurde von der Familie als  landwirtschaftlicher Mischbetrieb betrieben.
1976 stellte der Vater Hans-Dieter Reibold den Betrieb auf reine Weinherstellung um und begann auch die Selbstvermarktung. Seine Söhne Philipp und Johannes haben eine Winzerausbildung bei renommierten Weingütern wie Knipser und Fuhrman Eymael gemacht und danach ihr Wissen bei zahlreichen Reisen durch Kalifornien, Kroatien und Georgien erweitert. 2012 sind sie als Mitinhaber und Kellermeister beim Weingut eingestiegen, 2014 wurde auf biologischen Weinbau umgestellt und 2017 bekam das Weingut das Zertifikat als ökologisch arbeitender Betrieb.
Das Weingut besitzt  15 Hek­tar Weinberge in den Lagen Freinsheimer Musikantenbuckel, Großkarlbacher Burgweg und Herxheimer Honigsack. Die Fläche ist zu 60 % mit weißen und zu 40 % mit roten Sorten bestockt. Die Pfälzer Sortenvielfalt wurde deutlich reduziert auf Riesling, Chardonnay und Sauvignon blanc sowie kleine Mengen Grauburgunder, Weissburgunder und Scheurebe bei den Weißweinen, bei den Rotweinen auf Spätburgunder, St.Laurent und etwas Merlot und Cabernet-Neuzüchtungen. Als Besonderheit kommt noch Grenache Noir dazu. Hier sind die Brüder Reibold die ersten Winzer in Deutschland, die diese Rebsorte anbauen.
Und eine weitere Besonderheit: am Neuleininger Schlossberg, der vor 140 Jahren noch mit Reben bestockt war, wurde das Gestrüpp gerodet und dort etwa 600 Chardonnay-Setzlinge gepflanzt. Die Lage im roten Kalk geht bis auf 330 m Höhe und ist damit eine der höchsten in der Pfalz. Durch die extrem steile Lage (68% Hangneigung) und durch den sehr felsigen Untergrund mussten die Reben in Einzelstockerziehung gepflanzt werden. Das Ergebnis werden wir in einigen Jahren sehen.

Aus dem Weinguts-Sortiment haben wir drei Weine verkostet:

2019 Riesling Großkarlbacher Burgweg „Im großen Garten“

Der Wein ist noch etwas verschlossen in der Nase, mit Steinobst, Stachelbeere, Birne, Zitrusfrucht, im Mund ebenfalls noch etwas verhalten, aber kompakt, mit guter Struktur und Dichte, dazu kommen eine feine, salzige Mineralik, Grapefruit, Guave und feine Kräuter-Noten. Die Säure ist noch etwas dominant, aber gut eingebunden. Ein langer Nachhall mit dezenten, feinen Tanninen bildet das Finale.

Die Lage Großkarlbacher Burgweg ist 60 ha groß, liegt auf 137 – 190 m Höhe und ist  zu 70% hängig, 30% flach, die Böden sind Löß, teilweise auch tertiärer Kalksteinverwitterungsboden. „Im großen Garten“ ist die beste Parzelle in diesem Weinberg, die auch als Große Lage beim VDP zertifiziert ist. Mitbesitzer ist z.B. das Weingut Knipser und Phillip Kuhn. Und wie die Zeiten sich ändern:
1981 war der Weinberg mit Portugieser zu 35%, Müller-Thurgau zu 30% und Silvaner zu 15% bestockt, heute dürften dort fast nur noch Edelsorten wie Riesling, Chardonnay und Spätburgunder stehen.
Die Parzelle des Weingutes war seit 1985 nur als Acker genutzt und erst vor einiger Zeit neu bepflanzt. Der Riesling wurde mit hoher Pflanzdichte gesetzt.
Im Weinberg wurde die Begrünung nicht gemulcht, sondern nur gewalzt um den Boden vor der Hitze zu isolieren und Wasser zu sparen. (Außerdem kann das Mulchen zum falschen Zeitpunkt größere Mengen Stickstoff freisetzten)
Die Weißweine werden nur morgens von 5:30 bis 12:00 Uhr geerntet, damit sie noch kühl bleiben und nicht schon eine Maischegärung beginnen. Einfachere Qualitäten werden mit dem Vollernter nachts eingebracht.

2019 Chardonnay  aus dem Freinsheimer Musikantenbuckel.

Ein würziges Bukett nach Apfel, Birne, Holzapfel, Mirabelle und zarten Röstnoten. Im Mund dann auch noch getrocknete Früchte und feine Nussaromen mit einem Hauch Süße und einer feinen, gut gepufferten Säure.
Ein gradliniger, eleganter Chardonnay mit feiner Holzwürze, noch etwas verschlossen, aber er gewinnt deutlich an der Luft.

Die Lage Freinsheim Musikantenbuckel ist 180 ha groß, liegt auf  114 – 163 m Höhe, und ist zu 10% steil, 75% hängig, 15% flach, Es sind leichte, lehmige Sandböden, vereinzelt auch mit Löß durchzogen. Für die Burgunder-Sorten wird mit einer hohen Pflanzdichter von 7000 – 7500 Stock pro Ha und einem Pflanzabstand von 70 cm gearbeitet. Es wurden  hand-selektierte Trauben aus dem Musikantenbuckel verwendet, die spontan in 2.und 3. belegten Barriques vergoren wurden. Die 5-monatige Reife erfolgte in gebrauchtem Holz bei nur kurzer Lagerung auf der Hefe.

2018 Spätburgunder Großkarlbacher Burgweg „Im großen Garten“

In der Nase sehr rotbeerig und Kirsch fruchtig mit rauchigen Holznoten. Im Mund elegant mit feiner Mineralik und  zarten Himbeer-Noten. Eine frische Säure, mittleres Tannin und stärkere Holznoten runden den Wein ab. Ein eleganter Spätburgunder mit sicher großem Reifepotential, der aber jetzt noch etwas vom Holz geprägt ist.

Die Edelreiser für den Spätburgunder stammen von einer Selektion burgundischer Reben des Weinguts Knipser, die im Großkarlbacher Burgweg 1993/94 gepflanzt wurden. (Das Rebmaterial enthält unterschiedliche Klone, wie es im Burgund oft üblich ist).
Die Reben wurden 2018 nicht mehr entblättert, um einen Sonnenbrand der Trauben und damit zusätzliche Bittertöne zu verhindern. Nach einer Vorlese wurde dann der Rest in einem Lesegang geerntet und für diesen Wein verwendet.
Nach selektive Handlese, Maischegährung und 18-monatigem Ausbau in neuen und 2. belegten Barriques erfolgte anschließend eine unfiltrierte Abfüllung auf die Flasche.

Herrn Philipp Winkler, der für das Weingut die virtuelle Probe moderiert hat, möchten wir für die die umfassende und kurzweilige Information über ein für uns noch weitgehend unbekanntes Weingut danken. Die drei präsentierten Wein waren der Beweis, dass das Weingut nicht  ohne Grund vom Weinführer Vinum zum Aufsteiger der Pfalz 2021 gewählt worden ist.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »

Virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Matthias Gaul Teil 2 – Spätburgunder am 29.April 2021

Erstellt von Dieter am 13. Mai 2021

Da durch den verlängerten Lockdown weiterhin keine normalen Proben möglich waren, haben wir auch für den April 2021 die geplante virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Matthias Gaul aus Asselheim durchgeführt.
Näheres zum Weingut und zum Ort Asselheim findet sich im Bericht der letzten Probe vom 25.05.2021.
Da das Weingut eine Liebe zu den Rotweinen, vor allem zum Spätburgunder, hat, haben wir diesmal drei Pinot Noirs verkosten.
Wie beim letzten Mal hat uns Tobias Müller als technischer Betriebsleiter und Kellermeister durch die Probe geführt.

Der Hof vom Weingut

Folgende Spätburgunder, die vom Weingut alle als Pinot Noirs bezeichnet werden, um die Nähe zum burgundischen Vorbild zu demonstrieren, haben wir verkostet:

2018  Pinot Noir                                      
In der Nase zeigt sich rotbeerige Frucht mit floralen Noten. Im Mund dann eine zart mineralische Frucht mit roten Beeren, viel Kirsche, etwas Himbeere und Kräutern.
Ein weicher, seidiger und burgundischer Körper mit einer samtigen Tannin Struktur und sehr zarten Holznoten.
Ein klarer, gradliniger, sehr kirschfruchtiger etwas  leichterer Spätburgunder, der viel Spaß macht und dabei nicht belanglos ist.

Die Reben stehen auf steinigen Kalkböden im unteren Hang der Asselheimer Weinberge. 40% stammen von kleinbeerigen Geisenheimer Klonen und 60% von Spätburgunder-Klonen aus dem Burgund. Zur Ertragsreduzierung wird auf einen Trieb zurückgeschnitten und vor und während der Lese sorgfältig selektioniert, um nur gesundes und reifes Lesegut zu bekommen. Die Trauben werden entrappt und nach einer zweitägigen Kaltmazeration erfolgt die traditionelle Maischegärung, wobei der Tresterhut regelmäßig von Hand untergestoßen wird. Danach reift der Wein für etwa 9 Monate in gebrauchten französischen Barriques. Um die Farbe zu stabilisieren, wurde mit etwas mehr Gärungskohlensäure abgefüllt.

2018  Asselheimer Pinot Noir                
Im Bukett ist eine deutliche Beerenfrucht mit sehr feinen Gewürznoten zu erkennen. Am Gaumen folgten dann eine elegante, weiche Frucht von Kirschen, etwas Erdbeere und rote Beeren, dazu kommen eine zarte Mineralik, eine frische, belebende Säure und seidige Tannine. Feine Gewürznoten und ein Hauch Vanille runden den Wein ab. Das ist keine breiter, pflaumig-überreifer Spätburgunder, sondern ein Wein, der sich nicht vor den französischen Burgundern verstecken muss und das zu einem sehr fairen Preis.

Die Reben von Spätburgunder-Klonen aus dem Burgund sind rund 30 Jahre alt und stehen auf steinigen Kalkböden mit Lehmanteil in Asselheim Lagen auf etwa 200 m Höhe mit südlicher Ausrichtung.
Die Trauben werden am Stock halbiert, um eine lockere Traubenstruktur zu bekommen und vor und während der Lese wird sorgfältig selektioniert, um nur gesundes und reifes Lesegut zu bekommen. Die Erntemenge wurde mit ca. 3000 kg/ha sehr niedrig gehalten, um eine entsprechend gute Traubenqualität zu bekommen. Es folgt eine traditionelle Maischegärung, wobei der Tresterhut regelmäßig von Hand untergestoßen wird und eine dreitägige Nachmazeration. Danach reift der Wein für etwas 12 Monate in neuen und in gebrauchten, bis zu 5 Jahre alten französischen Barriques.

2018  Pinot Noir “Steinrassel”                
In der Nase deutliche Beerenfrucht mit Kirsche und Himbeere, dazu dezente Holzaromen
und feine Gewürznoten, Vanille und Zimt. Im Mund dann vielschichtige, dichte und trotzdem elegante Frucht, rote Beeren, Kirsche, Pflaume, etwas Himbeere und Walderdbeere, dazu eine feine Mineralik und frische Säure. An der Luft werden die weichen, reifen Tannine durch zarte Schokoladen- und Mocca Noten und ein dezentes, abgestimmtes Holz ergänzt. Der Pinot Noir “Steinrassel” ist eine weitere Steigerung zum Asselheimer Pinot Noir.

Die Reben von Spätburgunder-Klonen aus dem Burgund sind rund 30 Jahre alt und stehen auf steinigen Kalkböden einer ausgewählten Asselheimer Parzelle in fast 300 m Höhe mit südlicher Ausrichtung. Gerade in einem so heißen Jahr wie 2018 konnten die Reben von der kühlen Lage profitieren.
Die Trauben werden am Stock halbiert, um eine lockere Traubenstruktur zu bekommen und vor und während der Lese wird sorgfältig selektioniert,. So erhält man ein gesundes und reifes Lesegut. Es folgt eine traditionelle Maischegärung, wobei der Tresterhut regelmäßig von Hand untergestoßen wird. Danach reift der Wein für etwas 18 Monate in neuen französischen Barriques.

Das Jahr 2018 aus Sicht des Weinguts
Für das Weingut startete das Weinjahr recht gut. Vom Winter waren genug Wasserreserven im Boden und das Frühjahr startete ohne Frost. Im Mai gab es während der Blüte etwas Regen, sodass die Blüten etwas verrieselten. Das war aber sogar positiv, da es dadurch zu einer lockeren Beerenstruktur kam. Ab Juli wurde es dann heiß. Da die Traubenzone nicht entblättert worden war kam es nicht zu einem Sonnenbrand der Trauben und auch nicht zu einem „Verkochen“ der Beeren durch die Hitze.
Mitte August waren die Reife so weit fortgeschritten, dass die Trauben für den Asselheimer Pinot Noir mit 88 – 90°Oechsle und ausreichend Säure gelesen werden konnten. Trotz des Ausdünnens konnte eine sehr gute Erntemenge eingebracht werde.
Ende September war es noch bis zu 30° warm, sodass eine Riesling-Trockenbeerenauslese mit 340°Oechsle gelesen werden konnte. (Normalerweise produziert das Weingut keine süßen Weine, aber diese Gelegenheit wollte man sich nicht entgehen lassen.)

Zum Terroir und der Reberziehung
Die Rebzeilen am Asselheimer Hang sind so ausgerichtet, dass die stetigen Winde aus dem westlich gelegenen Tal über die Reben hinweg ziehen können, Sie sorgen für ein kühleres Klima und damit für die langsamere Reifung der Trauben. Zusätzlich lassen sie die Reben nach Regenfällen schnell wieder abtrocknen, sodass Pilzkrankheiten kaum auftreten.
Da die in Deutschland übliche hohe Laubwand zu höheren Zuckerwerten der Trauben und damit auch zu höheren Alkoholgehalten führen, werden die neuen Spätburgunder-Anlagen nach dem burgundischen Vorbild mit deutlich niedrigerer Laubwand und engerem Zeilenabstand (80 cm) angelegt. Dadurch wird die Photosynthese Leistung der Reben geringer, es wird weniger Zucker gebildet und die Trauben reifen später. Durch die engeren Zeilenabstände werden die Trauben weniger besonnt und sind so nicht der Gefahr eines Sonnenbrandes ausgesetzt.
Um den Ertrag pro Stock niedrig zu halten, wird die Stockdichte von 5.000 auf bis zu 15.000 Reben pro Hektar erhöht.
Der Nachteil dieser Pflanzung ist, dass die üblichen Traktoren nicht mehr zwischen die Rebzeilen passen. Deshalb hat das Weingut einen französischen Überzeilen-Traktor angeschafft, der die Rebzeile in die Mitte des Traktors nimmt und so rechts und links mit den 80 cm breiten Zeilen auskommt.
Nach den Spätburgunder-Pflanzungen wurde auch ein Chardonnay-Weinberg auf diese Art angelegt.
Mit diesen Maßnahmen soll die Qualität der Spätburgunder weiter erhöht werden. Die drei verkosteten Weine zeigten deutlich die Auswirkungen dieser Philosophie. Vom Gutswein über den Ortwein zum Selektionswein konnten wir die Steigerung der Qualität schmecken. Tobias Müller hat uns wie beim letzten Mal umfassend und kurzweilig mit den nötigen Informationen versorgt.

Dafür vielen Dank.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »

Virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Matthias Gaul Teil 1 – Weißweine am 25.März 2021

Erstellt von Dieter am 1. April 2021

Da durch den verlängerten Lockdown weiterhin keine normalen Proben möglich waren, haben wir auch für den März und den April 2021 je eine virtuelle Weinprobe organisiert, diesmal mit dem Weingut Matthias Gaul.
Das Weingut  liegt , in Grünstadt Asselheim, etwa 10 km Luftlinie entfernt südlich vom Zellertal, dem Ort der letzten beiden virtuellen Weinproben.
Da das Haardtgebirge nach Westen bei Asselheim durchbrochen ist, sorgen Westwinde für eine gute Belüftung der Weinberge. Die Reben trocknen nach Regen schnell ab und es besteht kaum die Gefahr von Pilzerkrankungen.
Die drei Ortslagen Goldberg, St.Stefan und Schloss sind nach Süden ausgerichtet und haben Böden aus tertiärem Kalkstein und teilweise Tonmergel. Die beiden erstgenannten Lagen am Asselheimer Berg gehören mit 160 – 300 Höhenmetern zu den höchsten Lagen der Pfalz.
Asselheim galt früher als sehr kühler Weinort, in dem selten reife Trauben geerntet werden konnten, heute hat sich das aufgrund der Klimaerwärmung geändert und nun sind die kühleren Lagen ein großer Vorteil.
Das Weingut wird z.Z. in dritter Generation von Matthias Gaul geleitet. Sein Großvater vermarktete schon 1956 Flaschenweine, sein Vater Werner stellte dann vollständig auf Flaschenwein-Vermarktung um. Matthias Gaul studierte 1990-1995 in Geisenheim und war dann noch in mehreren Weinregionen tätig. Durch die internationale Erfahrung wurden schon früh für Deutschland neue Rebsorten angepflanzt (1990 Chardonnay, 1996 Cabernet Sauvignon, 1998 Cabernet Franc und 2005 Tempranillo.)
Das Weingut bewirtschaftet 35 ha und produziert jährlich etwa 280.000 Flaschen, je zur Hälfte Weiß- und Rotweine. Spätburgunder ist die bevorzugte Rebsorte und steht auf 8 ha in den kühleren Lagen. (Eine Besonderheit ist eine Parzelle, in der der Spätburgunder in Einzelstockerziehung mit 15.000 Stöcke pro Hektar extrem eng gepflanzt wurde)
Die Liebe zu den Rotweinen, vor allem zum Spätburgunder hat sich ausgezahlt. 2015 und 2017 hat das Weingut den Deutschen Rotweinpreis für Spätburgunder gewonnen, 2020 für einen Cabernet Franc Wein.
Zu den Rotweinen werden wir am 29.04.2021 im zweiten Teil der virtuellen Weinproben mit dem Weingut Matthias Gaul kommen.
Ausgebaut werden heute die Weine mit dem Kellermeister und Betriebsleiter Tobias Müller, Hierfür stehen im Keller etwa 120 Edelstahltanks und 550 Barriques zur Verfügung stehen.

Das Weingut Matthias Gaul

Tobias Müller stammt von der Mittelhaardt und hat eine Ausbildung im Weingut Müller Catoir mit dem bekannten Betriebsleiter Hans-Günter Schwarz abgeschlossen. Danach absolviert er ein Studium in Geisenheim und ging für zwei Jahre zum Weingut Laibach in Südafrika. Nach weiteren Zwischenstationen war er Betriebsleiter im Rheingauer Weingut Chat Sauvage, dass sich auf Spätburgunder und Chardonnay spezialisiert hat. Von da aus war es dann ein einfacher Schritt, zurück in die Pfalz zum Weingut Matthias Gaul zu wechseln, zumal man ebenfalls eine Vorliebe für Spätburgunder pflegt.
Er hat uns bei dieser virtuellen Weißweinprobe begleitet, bei der wir mit ihm folgende Weine verkoste haben:

1. 2019  Matthias Gaul, Riesling “Terrain calcaire”
In der Nase intensive Frucht nach Apfel, Stachelbeere, etwas Mirabelle, Kräuter und nur einem Hauch Pfirsich. Im Mund neben den Kräuternoten anfangs etwas breite Fruchtaromen, die dann  aber an der Luft verschwinden. Dafür drängt sich  eine intenensive Mineralik nach vorne und es entwickeln sich mehr Apfel- und Zitrusnoten. Gelber Pfirsich ist kaum noch zu schmecken. Eine kräftige, aber weiche, gut gepufferte Säure stützt den Wein. Im Abgang kommen dann zart herbe Noten. Es ist erstaunlich, wie sich der Wein an der Luft entwickelt und seinen Charakter verändert.
Der Wein stammt von bis zu 50-jährigen Reben die auf steinigem Muschelkalkboden stehen. Der Wein wurde spontan vergoren und dann der letzte Rest Zucker mit neutraler Hefe zu Ende vergoren.

2. 2019  Matthias Gaul, Grauer Burgunder                                                
Im Bukett zart exotische Frucht, Birne Stachelbeere, Apfel,ein Hauch Haselnuss und Kräutern.
Am Gaumen dann recht dicht, aber nicht fett, wieder Birne Stachelbeere, Apfel,ein Hauch Kräuter.
Die klare Säure gibt ihm Eleganz und einen Frische-Kick, sodass der Wein einen guten Trinkfluß hat, aber nicht belanglos wird wie mancher Pinot Grigio.

3. 2018  Matthias Gaul, “Cuvee Pas de deux”       
Dieses Cuvee aus 90% Chardonnay und 10% Weißburgunder zeigt ein würziges Bukett nach Apfel, Birne, Holzapfel, etwas Mirabelle, Melone und Hauch exotischen Früchten, dazu kommt ein dezenter, leicht rauchiger Barrique-Ton. Im Mund zeigt er neben Apfel und Birne auch florale Noten. Auch hier ist eine frische, weiche, gut eingebundene Säure und dann stärkere, aber nicht unangenehme Holznoten. Wir haben hier einen runden, harmonischen, recht cremigen Wein, der sich als vielseitiger Essensbegleiter empfiehlt.
Der Ausbau der beiden Rebsorten erfolgte getrennt, jeweils zu in 100 % im Barrique. Der Chardonnay wurde einer Battonage (regelmäßiges Aufrühren der Hefe nach der Vergärung) unterzogen und hat so seine Cremigkeit erhalten. Beim Weißburgunder wurde darauf geachtet, dass der Wein keinen malolaktischen Säureabbau durchmachte. So sorgen die 10% Weißburgunder dass das Cuvee eine feine, frische und elegante Säure auszeichnet.
Dieser Wein ist in der Gastronomie sehr erfolgreich.

Nach diesen drei Weinen wurde noch kurz über allgemeinere Themen gesprochen und um 22:30 die Probe beendet, damit auch noch genug Themen für die Rot­weinprobe im April übrigbleiben.
Die Teilnehmer der Proben haben einen sehr umfangreichen Überblick über das Weingut und die Weine bekommen. Wir möchten Herrn Tobias Müller dafür danken, dass er sich die Zeit für uns genommen hat.

Verfasser: Dieter


Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »

Virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Schwedhelm am 25.Februar 2021, Teil 2 Riesling Weine

Erstellt von Dieter am 1. April 2021

Nach der erfolgreichen virtuellen Weinprobe Teil 1 mit Burgunderweinen haben wir uns jetzt den Rieslingweinen zugewandt.
Informationen zum Weingut finden sich bereits im Bericht der Probe vom Januar 2021.
Während bei Burgunderweinen bekannt ist, dass sie von stark kalkhaltigem Boden profitieren, ist das bei Riesling Weinen nicht unbedingt der Fall, da der Kalk die Säure stark puffert und bei wenig Säure dann zu breiten, nicht eleganten Weinen führt.
Aufgrund der hohen, kühlen Lagen im Zellertal sollten die Weine aber ausreichend Säure besitzen, um frisch und elegant zu bleiben.

Georg Schwedhelm hat uns drei Riesling Weine aus dem Weingut präsentiert:

2019  Zellertaler Riesling         
Ein würziges Bukett mit exotischen Früchten, Pfirsich, Mirabelle, Apfel, Birne, Citrus, im Mund kommt dann eine salzige Mineraltät zum Vorschein, gepaart mit einer packenden, frischen Säure.
Ein gelungener, eleganter, frischer Ortswein mit einem sehr guten Preis-Leistungs­verhältnis.
Die Trauben wachsen mit reiner Südausrichtung in jungen Parzellen aus dem Kreuzberg und dem Schwarzer Herrgott. Der Boden besteht hier aus Ton und Mergel mit massiven Kalkeinschlüssen.
Nach kurzer Maischestandzeit wurden die Trauben abgepresst und im Edelstahltank spontan vergoren. Nach 7 Monaten auf der Hefe erfolgte die Abfüllung.

2018  Zellertaler Kreuzberg                    
In der Nase exotische Früchte, Pfirsich, Mirabelle, Apfel, Birne, aber auch schon eine leichte Reife, im Mund präsentiert sich dann eine dichte, fülligere Struktur und eine sehr zarte Mineralik.Dem Jahrgang geschuldet, ist es ein dichter, vollreifer Riesling mit recht weicher Säure und stärker adstringierender Herbe
Die Trauben stammen aus dem Zeller Kreuzberg, Die Parzellen auf einer Höhe von etwa 240 Metern Höhe liegen in reiner Südlage und haben eine Hangneigung bis zu 27%. Der Boden besteht aus Kalkstein und tonigem Lehm.
Die vollreif gelesenen Trauben machten eine Maischestandzeit von 8 Stunden durch, wurden abgepresst und der Most im Edelstahl spontan vergoren. Um den Wein trocken zu vergären wurde mit Reinzuchthefen nachgegoren und bis Ende Mai auf der Hefe gelassen..

2019  Zellertaler Schwarzer Herrgott             
In der Nase ist dieser Wein noch etwas verschlossen, zarte Aromen von Apfel, Pfirsich, Mirabelle, Birne, Citrus. Auch Gaumen ist der Wein noch recht verschlossen und öffnet sich dann langsam an der Luft. Eine extreme, salzige Mineralik, eine kräftige, aber durch den Kalkstein im Boden gut integrierte Säure und feine Cremigkeit zeichnen ihn aus. Schon jetzt macht er Druck am Gaumen und läßt sein Potential erahnen.
Das ist ein toller, komplexer Riesling, der in ein paar Jahren sein Potential voll ausspielen wird. Mit seiner kräftigen Säure und salzigen Mineralik würde man so einen Riesling eher an der Mosel erwarten.
Die Trauben stammen aus der 9,8 ha großen Lage Zeller Schwarzer Herrgott, die beim VDP als Große Lage eingestuft ist. Der Boden ist geprägt von massivem Kalkstein mit Tonmergel.  Die reine Südausrichtung und eine Neigung von über 30 Prozent bieten hier hervorragende Bedingungen, um einen großen Riesling zu erzeugen. Die Trauben für den Riesling Schwarzer Herrgott wachsen in der ältesten Weinbergs-Parzelle im Zellertal, die noch heute von zwei Seiten mit Kalksteinmauern und einer christlichen Gebetsnische umgeben ist.
Nach zweifacher Vorselektion wurden die vollreifen Trauben einer Maischestandzeit von 18 Stunden unterzogen. Der abgepresste Most wurde dann in einem älteren Tonneau und in einem Edelstahltank spontan angegoren, danach mit Reinzuchthefe beimpft und kühl zu Ende vergoren. Nach mehrmaliger Batonnage reifte der Wein bis Mai auf der Hefe.

Noch eine kleine Information zur Weinbergslage Schwarze Herrgott:
Die Weinbergslage zählt zu den ältesten urkundlich erwähnten Lagen in Deutschland. Des Heiligen Philipp von Zell, ein irischer Mönch. christianisierte um 700 n. Chr. diese Region und gründete ein Kloster bei Zell (cellular). Im frühen Mittelalter war Zell einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Deutschlands. Philipp pflanzte in dieser Lage, die nicht weit von seinem Kloster entfernt lag, seinen Messweinberg. Damit die Mönche nicht jedes Mal für ihre Gebete zum Kloster zurücklaufen mussten, errichteten sie dort ein Kreuz, das mit der Zeit schwarz verwitterte und der Lage seinen Namen gab.
Mitten durch die Lage Schwarzer Herrgott verläuft die Grenze zwischen Rheinhessen und der nördlichen Pfalz, wobei der rheinhessische, östliche Teil heute „Zellerweg am schwarzen Herrgott“ heißt.

Mit dem letzten Wein war dann unsere virtuelle Weinprobe beendet. Georg Schwedhelm konnte uns zeigen, dass die kühlen Lagen im Zellertal tatsächlich zu kräftiger, frischer Säure führen, die durch den hohen Kalkgehalt aber nicht zur Belanglosigkeit reduziert wird, sondern frisch und animierend bleibt und durch die gute Pufferung auch angenehm und nicht aggressiv wird.

Georg Schwedhelm möchten wir nochmals für die Führung durch die Probe herzlich danken und hoffen, dass es ihm gelingt, die Weine aus dem Zellertal wieder zu altem Glanz zu helfen.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »

Virtuelle Weinprobe mit dem Weingut Schwedhelm am 28.Januar 2021, Teil 1 weiße Burgunderweine

Erstellt von Dieter am 1. April 2021

Wir hatten gehofft, dass wir im neuen Jahr wieder unsere normalen Proben abhalten könnten. Leider ist das zumindest für Januar und Februar nicht möglich gewesen, sodass wir auf zwei virtuelle Weinproben umplanen musstenUnser deutsches Leitthema für 2021 ist die Nordpfalz.
Hier fanden wir mit den Brüdern Schwedhelm vom Weingut Schwedhelm im Zellertal jemanden, der bereit war mit uns virtuelle Proben durchzuführen. Aus logistischen und organisatorischen Gründen haben wir zu einer Doppelprobe mit je 3 Weinen entschieden:
Im Januar eine Probe mit Burgunder-Weinen und
im Februar eine Probe mit Riesling-Weinen.

Zum Weingut:

Das Weingut Schwedhelm im Zellertal liegt am nördlichsten Rand vom Weinbaugebiet Pfalz. Das Gebiet ist nur wenig bekannt, aber es hat die kühlsten und höchsten Lagen der Pfalz. Das Zellertal grenzt an der Nord- und Ostseite an das Weinbaugebiet Rheinhessen, entsprechend herrschen hierebenfalls Ton- und Kalksteinböden vor.
Auf rheinhessischer Seite sind in nächster Nähe (5-10 km entfernt) mehrere Spitzenwinzer zuhause. In Dalsheim-Flörsheim das Weingut  Keller und das Sekthaus Raumland, im etwa 10 km entfernten Hohen Sülzen das Weingut Battenfeld Spanier.
Letzteres Weingut produziert auch wie das Weingut Schwedhelm einen Riesling aus der Lage Schwarzer Herrgott als Großes Gewächs. Warum sollte man im Zellertal also nicht auch hervorragende Weine produzieren können? Durch die Klimaerwärmung werden hier inzwischen die auch Trauben regelmäßig reif, sind aber wegen der höheren, kühleren Lagen nicht so stark der Gefahr ausgesetzt, überreife und damit säurearme Weine zu liefern.
Das Weingut besteht schon über 100 Jahre und wird jetzt von den Brüdern Stephan und Georg geführt. Stephan hat Weinbau studiert, Georg Betriebswirtschaft und entsprechend sind die Aufgaben im Weingut aufgeteilt.
Im Umkreis von etwa 1,5 km um das Weingut werden ca. 17 ha bewirtschaftet. Die Reben stehen auf 150 – 300 m Höhe am Südhang mit einer Neigung bis zu 35 Grad.
Wie schon oben angeführt, können aufgrund der hohen, kühlen, sehr kalkhaltigen Lagen hier sehr mineralische und elegante Weine mit einer frischen, präsenten Säure erzeugt werden. Deshalb hatten vor etwa 100 Jahren die Weine aus dem Zellertal einen sehr guten Ruf. Durch die Nachkriegszeit mit plumpen, süßen Weinen und unzähligen Neuzüchtungen, die nur hohe Öchslegrade bringen sollten ist der gute Ruf verloren gegangen. Die beiden Brüder Schwedhelm wollen aber die Weine aus dem Zellertal wieder ganz nach oben bringen.

Für die Probe hatten wir 2 Ortsweine und einen Lagenwein aus dem Sortiment der Burgunder-Rebsorten ausgewählt:

2019  Zellertaler Weissburgunder                                              
In der Nase  etwas exotische Frucht, Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, Zitrus, im Mund kommt dann noch eine feine Mineralik und eine kräftige, gut integrierte Säure dazu. Ein klarer, gradliniger, mineralischer und recht eleganter Weissburgunder.
Die Trauben für diesen Weissburgunder stammen aus mehreren Parzellen am Südhang unterhalb von Zell. Dort findet sich ein Kalk-Ton-Gemisch mit etwas Lehmeinschlüssen. Die Trauben wurden so gelesen, dass sie noch ausreichend Säure behalten haben. Nach einer 8-stündigen Maischestandzeit wurde der Saft abgepresst und kühl vergoren. Danach blieb der Wein noch 5 Monate auf der Hefe.

2019  Zellertaler Chardonnay                 
Im Bukett viel Birne, etwas Apfel, Stachelbeere und exotische Früchte, dazu ein Hauch  Röstaromen. Am Gaumen entwickelt sich eine  leicht salzige Mineralik mit zarten Feuerstein-Noten. Eine kraftige, gut eingebundene Säure sorgt für Frische, dazu kommt dann in Abgang eine zarte Herbe.
Ein klarer, zart mineralischer, recht eleganter Chardonnay mit frischer Säure.
Die Trauben für diesen Chardonnay stammen aus einer Parzelle auf 220m Höhe am Südhang unterhalb von Zell. Dort findet sich ein Kalk- Ton-Gemisch mit einzelnen Lehmeinschlüssen. Die Trauben wurden so gelesen, dass sie noch ausreichend Säure behalten haben. Nach einer 6-stündigen Maischestandzeit wurde der Saft abgepresst und über 2 Monate kühl vergoren. Der Ausbau erfolgte zu 30% im Tonneau.

2018  Zellertaler Karlspfad                       
In der Nase würzige Aromen nach Birne, Apfel, Mirabelle, Stachelbeere, etwas exotische Frucht, Ananas, Kräuter und zarte Röstaromen, am Gaumen dann Dichte, Eleganz, cremiger Schmelz, dazu eine frische, animierende Säure und dezente Röstaromen.
Ein vielschichtiger Weißburgunder mit cremigem Schmelz und feiner Säure.
Die Trauben für diesen Weißburgunder stammen aus der Lage Karlspfad, der Bezeichnung für einen alten Gewanne-Namen am Fuße des Zeller Berges. Der Boden zeichnet sich dort durch einen hohen Kalksteinanteil, durchsetzt mit Ton und Lehm, aus.
Die Trauben wurden vollreif, aber mit noch guter Säure gelesen und nach einer Maischestandzeit von 14 Std. wurde der Most im Stückfass vergoren, nach mehrmaliger Batonnage reifte der Wein bis Juni auf der Vollhefe.

Hier endete der erste Teil unserer Doppelprobe. Alle drei Weine zeigten, wie sich das kühlere Klima positiv auf die Wein ausgewirkt hat. Keine breiten, fülligen oder überreifen Weine, sondern sehr mineralische mit deutlicher Mineralik und eleganter Fruchtausprägung.
Mit solchen Weinen sollte es den Brüdern Schwedhelm gelingen, die Weine aus dem Zellertal wieder in vorderste Position zu bringen.

Georg Schwedhelm möchten wir für die Führung durch die Probe herzlich danken. Wir freuen uns auf den zweiten Teil im Februar.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte, Probenberichte 2021 | Keine Kommentare »