• Veranstaltungen

    < 2022 >
    September
    • 22

      Grüner Veltliner aus Niederösterreich

      19:00 -22:00
      22.09.2022

      Niederösterreich umfasst die acht Gebiete Carnuntum, Kamptal, Kremstal, Thermenregion, Traisental, Wachau, Wagram und Weinviertel. 2002 erhielt das Weinviertel als erstes Österreicher Gebiet den Qualitätsstatus DAC für Weine aus der Grüner Veltliner-Rebe. 2007 folgten das Traisental und das Kremstal für Weine aus der Grüner Veltliner- und der Riesling-Rebe, dann 2008 das Kamptal.  2020 kam die Wachau hinzu, dieses Mal mit der Einstufung Gebiets- Orts- und Rieden- (Lagen)-Weine für alle zugelassenen roten und weißen Rebsorten. Für das Wagram ist die DAC-Einstufung in Arbeit. Eine Außenseiterrolle spielt das Carnuntum, da es klimatisch eher mit dem Burgenland vergleichbar ist. Seit 2019 gibt es hier eine DAC-Einstufung für Weißweine aus der Rebsorte Grüner Veltliner, Weissburgunder und Chardonnay und für Rotweine aus Blaufränkisch oder Zweigelt.

  • Neuigkeiten abonnieren!


     

Archiv für die 'Probenberichte 2022' Kategorie

Weinprobe Tauberfranken mit Tauberschwarz- und Schwarzriesling-Weinen am 10.02.2022

Erstellt von Dieter am 4. März 2022


Thema für 2022 ist Baden, speziell der nördliche Teil. Deshalb wollten wir uns in dieser Probe mit Tauberfranken beschäftigen. Im Taubertal wird Weinbau zwischen Rothenburg bis zur Mündung in den Main über eine Strecke von etwas 80 km betrieben. Die Weinberge liegen heute in drei verschiedenen Anbaugebieten. Der südlicheste Teil gehört als fränkischer Bereich Mainviereck mit den Orten Röttingen und Tauberrettersheim zu Bayern , der mittlere Teil zum Württemberger Bereich Kocher-Jagst-Tauber und der nördliche Teil gehört als Tauberfranken zu Baden. Er Erstreckt sich von Bad Mergentheim in nordnordwestlicher Richtung flussabwärts bis zur Mainmündung bei Wertheim-Dertingen. Dort trifft das Gebiet wieder auf die Weinberge des fränkischen Bereichs Mainviereck.

Im Bayrischen und Württemberger Teil verlaufen die Weinberge an der Tauber in Süd – Südwestrichtung, Da die Tauber im Badischen Teil in nordnordwestliche Richtung abbiegt, liegen die meisten Weinberge dort in Seitentälern, deren Hänge nach Süden ausgerichtet sind, auf einer Höhe zwischen 150 und 340 m. Das führt zu unterschiedlichen Reifezeiten der Trauben. Zwei überregionale Winzergenossenschaften dominieren das Gebiet: die Becksteiner Winzer und die Tauberfränkische Bocksbeutelkellerei der Winzergemeinschaft Franken (GWF). Daneben gibt es natürlich auch noch einige selbstvermarkende private Winzer. Durch die frühere Zugehörigkeit zur Bayern / Franken darf nicht nur im Bayrischen Teil Tauberfrankens sondern auch im Badischen Teil (wie auch in Teilen der Ortenau um Baden-Baden) in Bocksbeutel abgefüllt werden. Nur die Württemberger dürfen nicht den Bocksbeutel nutzen.

Für unsere Probe haben wir Weine aus dem Bayrischen Teil und aus dem Badischen Teil verkostet und uns auf die beiden gebietstypischen Rebsorten Tauberschwarz und Schwarzriesling beschränkt.

Wir starteten unsere Verkostung mit Weinen aus der regionalen Spezialität
Tauberschwarz.

Der Tauberschwarz ist eine alte, autochthone Rebsorte aus dem Tauber- und dem Vorbachtal in Tauberfranken. Die Abstammung ist unbekannt. Früher wurde die Rebsorte im gemischten Satz angebaut und zählte zu den einfachen Rebsorten, die nicht dem Zehnten unterlagen. In den 50’er Jahren wurden bei Flurbereinigungen fast alle Tauberschwarz-Reben gerodet, so dass die Rebsorte als ausgestorben galt. 1959 wurden dann im Vorbachtal noch 400 alte Rebstöcke wiedergefunden. Die „Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg“ belebte die Sorte züchterisch wieder und 1994 wurde sie in die Offizielle Sortenliste ausgenommen. Seit Oktober 1996 ist die Rebsorte im Regierungsbezirk Stuttgart für den Main-Tauber-Kreis und zwei Gemeinden im Hohenloher Kreis zugelassen. Als „regionaltypische Rebsorte“ wurde der Tauberschwarz von Slow Food in die Arche des Geschmacks aufgenommen. Im Taubertal sind inzwischen wieder ca.16 ha damit bepflanzt. Da die Reben stärker Geiztriebe bilden, erfordern sie mehr Pflegeaufwand im Weinberg. Zusätzlich sind die Beeren recht dünnhäutig und somit empfindlich gegen den Grauschimmel (Botrytis Cinerea). Daraus werden leichte, fruchtige Wein mit heller Farbe und Zartbitter- und gekeltert. Nur bei starker Ertragsbegrenzung und in guten Jahren sind diese Weine dunkel Granatrot. Nach längerer Reife werden sie weicher, runder, verlieren etwas die Bittermandel­töne, dafür nehmen die Wildkirsch-Noten zu.

1.       2018  Becksteiner Winzer, Tauberschwarz, “Kilian, Kulturkirche Schüpfer Grund”    
         Badisches Frankenland,    Becksteiner Winzer eG, Beckstein              

Ein mittleres Kirschrot ziert den Wein, in der Nase zarte Beerenaromatik, im Mund dann eine leichtere Frucht, Sauerkirsche, Brombeere und eine deutliche Säure, aber wenig Tannine. Insgesamt ein leichter, einfacher, etwas gefällig gemachter Wein, aber auch etwas breit und krautig mit buttrigen Anklängen.

2.       2018  Weingut Johann August Sack, Tauberschwarz
         Badisches Frankenland,  Weingut Johann August, Sack, Lauda Königshofen

Helles Rubinrot im Glas, in der Nase etwas krautig und mehr Frucht, vor allem kirschige Noten. Am Gaumen folgt eine etwas dichtere Frucht, Kirsche, Sauerkirsche, dazu eine frische Säure und zarte Bittermandeltöne. Der Wein hat etwas mehr Struktur und Dichte als der Vorgänger.

3.       Pirat:   2019  Helfenberger Trollinger, “Der Trollinger”             
         Württemberger Unterland,  Weingut Golter, Ilsfeld    
                 
Unser Pirat fließt mit hellem Kirschrot ins Glas. Im Bukett etwas Kirsche, Spur Brombeere, Johannisbeere, Erdbeere, am Gaumen dann eine frische Säure und festeres Tannin.

Unter dem Markennamnen «Der Trollinger» haben 7 Winzerinnen und drei Weinfachfrauen eine Initiative gestartet, den Trollinger von seinem Image als einfacher Jausenwein zu befreien. Und in der Tat zeigt er mehr Struktur und strafferes Tannin als gewöhnliche Trollinger-Weine.

4.       2020  Hofmann, Tauberschwarz, “Urrebe des Taubertals”     
         Fränkisches Mainviereck,     Weingut Hofmann, Röttingen       
   
Dieser Tauberschwarz zeigt mit einem dunklen Kirschrot mehr Farbe als die Vorgänger. In der Nase stärker reife, rote Früchte, Kirsche, etwas Pflaume. Am Gaumen eine leichte Mineralik, dichtere Fruchtaromen, frische Säure und hinten ein straffes Tannin. Der Wein ist noch sehr jung, zeigte aber trotzdem viel Frucht und Dichte, gleichzeitig aber auch eine karge Mineralik.

5.       2015  Königshofener Kirchberg
         Badisches Frankenland,  Weingut Johann August, Sack, Lauda Königshofen                                                                                      

Der älteste Wein dieser Probe fließt mit hellem Kirschrot und hellgelbem Rand ins Glas. In der Nase rote Früchte, Kirsche, Sauerkirsche und schon mehr Reife. Im Mund hat er eine weiche Frucht, eine gute Dichte und dazu zarte Reife. Dieser Wein wirkt viel weicher und reifer als die jüngeren Tauberschwarz, er hat aber auch nicht mehr ihre jugendlche Dichte und Fülle.

6.       2019  Röttinger Feuerstein, Tauberschwarz “R”                     
        Fränkisches Mainviereck,   Weingut Hofmann, Röttingen     
      
Der letzte unserer Tauberschwarz-Weine glänzt mit dunklem Kirschrot im Glas. Ein reifes Bukett nach roten Früchten, Kirsche, Pflaume, etwas Tabak und dezente Holznoten in der Nase. Am Gaumen eine dichte, würzige Frucht mit roten Früchtem, viel Kirsche, etwas Brombeere und Pflaume, dazu eine pikante Säure und ein festes, reifes Tannin. Etwas Schokolade und dezente Holznoten runden den Wein ab. Diese Tauberschwarz-Reserve zeigte trotz der Jugend eine  andere Qualitätsklasse. Das ist nicht mehr der einfache Wein, wie er früher im gemischen Satz für den Haustrunk  verwendet wurde.

Es folgten nun die Weine aus der Scharzriesling-Traube (Pinot meunier)

Die Rebsorte ist eine Mutation vom Spätburgunder (oder umgekehrt der Spätburgunder eine Mutation des Schwarzrieslings, was bisher nicht wissenschaftlich entschieden ist) und seit dem 16. Jahrhundert bekannt.
Im Deutschland ist sie auch als Müllerrebe, in Frankreich als Pinot Meunier bekannt, da die stark behaarten Blätter wie mit Mehl bestäubt aussehen.
Scharzriesling stellt geringere Ansprüche an Boden und Klima als der Spätburgunder und ist aufgrund des späten Austriebs recht unempfindlich gegen Spätfröste.  Der Ertrag ist mittelhoch und wegen der späteren Blüte relativ sicher, die Qualität liegt gewöhnlich unter der des Spätburgunders. Er besitzt eine hohe Kalkverträglichkeit (Anbau auf Kreideböden in der Champagne) und ist wegen der dichten weißen Behaarung weniger anfällig für Pilzkrankheiten.
Die Hauptanbaugebiete sind die Champagne, wo die Rebsorte neben Chardonnay und Spätburgunder Hauptbestandteil der Champagner-Cuvees ist, und Deutschland mit Württemberg.

Um den Gaumen von der Tauberschwarz zu reinigen starteten wir mit zwei Schaumweine aus der Scharzriesling-Traube

7.       2018  Unterschüpfer Mühlberg, Pinot Meunier, brut                 
          Badisches Frankenland,   Weingut Johann August Sack, Lauda Königshofen                                                                                       

Der Sekt zeigt sich in hellem Gelb und einem leichten Rosastich. Leider hat er fast keine Perlage.
Das Bukett ist etwas dumpft, Birne, Apfel, etwas Stachelbeere. Auch im Mund zeigt sich eine breite, etwas dumpfe Frucht. Gegen den nachfolgenden Rosé-Sekt von Schlör hat er keine Chance.

8.       2017 Schlör, Pinot Rose, brut
          Cuvee aus Spätburgunder, Schwarzriesling, Weissburgunder       
          Badisches Frankenland,    Weingut Schlör, Wertheim-Reicholzheim               

Der Sekt präsentiert sich mit hellem Gelb und feiner Perlage, im Bukett findet sich Birne, reife Stachelbeere, weiße Johannisbeere und zarte Hefenoten. Am Gaumen ist dicht, finessenreich und frisch mit zarten Hefenoten.
Durch die 4 Jahre Hefelager hat sich der Sekt komplex entwickelt. Unserem Weinbruder Wolfgang Klug möchten wir für diese Spende anläßlich seines Geburtstags herzlich danken.

Nun folgten noch sechs Rotweine aus der Schwarzrieslingtraube:

9.       2019  Becksteiner Winzer, Schwarzriesling
          Badisches Frankenland,    Becksteiner Winzer eG, Beckstein       

Ein mittleres Kirschrot mit einem leicht gelbem Saum ziert den Wein. In der Nase rote Früchte, Brombeere, Kirsche, im Mund setzt sich das fort, aber nur mit leichter Struktur, etwas buttrigen Noten und weichem Tannin. Ein Wein in der Qualitätsklasse wie der Tauberschwarz der Genossenschaft.

10.     2020  Hofmann, Schwarzriesling
          Fränkisches Mainviereck,     Weingut Hofmann, Röttingen      
    
Der 2019’er Schwarzriesling war schon ausverkauft, so konnten wir nur den frisch gefüllten 2020’er verkosten, was sich aber nicht als Nachteil herausstellte.
Ein dunkles, noch etwas bläuliches Rot zeigt sich im Glas. In der Nase rote Früchte, Kirsche, Brombeere, etwas Kräuter. Im Mund geht das mit einer frischen, gut integrierten Säure und recht samtigen Tannin weiter.
Trotz seiner Jugend macht es Spaß, den Wein zu trinken, er hat Dichte, Frucht und eine gute Saftigkeit.
Es war der Wein mit der zweitbesten Bewertung.

11.     2017  Lauda Altenberg
       Badisches Frankenland,   Weingut Johann August, Sack, Lauda Königshofen                                                                                       

Mittleres Rubinrot mit einen gelben Saum, im Bukett rote Früchte, Kirsche, Pflaume, Brombeere, aber auch etwas buttrige Noten. Am Gaumen dann eine breitere Frucht und ein recht straffes Tannin. Der Wein ist nicht so ausgewogen zwischen Frucht und hartem Tannin und zeigt leicht buttrige Noten.

12.     2019  Becksteiner Kirchberg, Schwarzriesling, „Selektion Kilian”     
          Badisches Frankenland,    Becksteiner Winzer eG, Beckstein 

Ein dunkles Rubinrot mit leicht gelben Rändern zeichnet den Wein aus. Viel rote Früchte, Kirsche, Brombeere, Pflaume und etwas süßsaure Holznoten in der Nase. Im Mund eine volle, weiche Frucht, ein reifes, weiches Tannin und dezente, etwas süßsaure Holznoten. Im Vergleich zum ersten Schwarzriesling der Becksteiner Winzer haben wir hier einen Wein aus der Selektionslinie mit viel Dichte und Struktur, aber er wirkt etwas auch gefällig ohne Ecken und Kanten

13.     2019  Schlör, Schwarzriesling    
        Badisches Frankenland,  Weingut Schlör, Wertheim-Reicholzheim
           
Früchte, in der Nase Brombeere, Schwarzkirsche, Pflaume dazu leicht rauchige Holznoten, im Mund eine dichte, aber auch elegante Struktur mit etwas kräutriger Aromatik, Tabak, leichtem Holz- und Vanille-Noten und einem reifen, festen Tannin. Dieser Wein mußte sich dem Schwarzriesling vom Weingut Hofmann nur knapp ggeschlagen geben. Nicht ohne Grund ist das Weingut für die Qualität seiner Schwarzriesling-Weine bekannt.
Der Ausbau erfolgte im großen Holzfass und in gebrauchten Barriques.

14.     2019  Reicholzheimer Fist, Schwarzriesling, “R”, Erste Lage 
         
Badisches Frankenland,  Weingut Schlör, Wertheim-Reicholzheim

Dunkles Rubinrot, im Bukett wieder Brombeere, Schwarzkirsche, Pflaume dazu Kräuter und etwas Zedernholz, im Mund, elegante, komplexe Frucht, dichte Struktur mit etwas kräutriger Aromatik, leichten Zedernholznoten und einem dichten, reifen, gut integriertem Tannin. Es passt alles zusammen und so wurde es der bestbewertete Wein des Abends. Hier beweist das Weingut, dass es die Qualität des «einfachen» Schwarzrieslings nochmals steigern kann.
Der Ausbau erfolgte für 18 Monate in Barriques

Damit hatten wir das Ende der Probe erreicht, in der wir einen breiten Querschnitt der beiden Tauberfränkischen Spezialitäten Tauberschwarz und Schwarzriesling verkosten konnten. Die Qualität reichte von guter genossenschaftlicher Durchschnittsqualität bis zu Spitzengewächsen, besonders beim Schwarzriesling. Leider waren einige bessere Qualitäten bei der Beschaffung der Probe nicht mehr verfügbar. Wir möchten unserem Referenten danken, dass er sich der Mühe unterzogen hat, die Weine für auszuwählen und zu besorgen.

Informationen zu den Winzern:

Becksteiner Winzer eG, Beckstein
Die Becksteiner Winzer eG ist die drittälteste Winzergenossenschaft Badens. Sie wurde 1894 gegründet und hat heute 354 Mitglieder aus 21 umliegenden Weinorten; die Rebfläche beträgt 276 Hektar. In die Linie „Kilian“ sind die besten Weine eingeordnet, die ausgewählten Einzellagen wachsen.

Weingut Johann August, Sack, Lauda Königshofen
Die Familie Sack betriebt schon lange Weinbau, auch wenn es früher hauptsächlich der Sebstversorgung diente. Ab den 1920er Jahren wurde mit der Vermarktung von qualitativ hochwertigen Weinen begonnen. Als eines der ersten Weingüter hat man im Taubertal die Weine auf Bocksbeutel gefüllt. Das Weingut wurde im Laufe der Zeit vergrößert und seit der Übernahme der Rebfläche vom ehemaligen staatlichen Rebgut in Lauda hat man etwas 8 ha Weinbergfläche erreicht. Die Reben in den Weinlagen in Lauda und Oberlauda, Königshofen und Marbach stehen auf Muschelkalkverwitterungsböden. Von den weißen Rebsorten werden Bacchus, Chardonnay, Gewürztraminer, Merzling, Silvaner und Riesling, von den roten Rebsorten werden Acolon, Schwarzriesling, Tauberschwarz und Zweigelt angebaut.

Weingut Konrad Schlör, Wertheim-Reicholzheim
1982 beendet Konrad Schlör die Fachschule für Weinbau in Weinsberg und beginnt im Betrieb der Eltern, die noch einen gemischten Landwirtschaftsbetrieb führten. 1984 tritt das Ehepaar Schlör aus der Genossenschaft aus und gründet das gleichnamige Weingut mit 3 ha Weinbergsfläche. Zusätzlich wurde noch eine Besenwirtschaft betrieben. Der Betrieb wurde im Laufe der Zeit auf einen reinen Weinbaubetrieb umgestellt und die Weinbergsfläche auf 6 ha erweitert. 2010 wurde das Weingut in den VDP aufgenommen.
Die Reben stehen nur in der 19 ha großen Lage Reicholzheimer First, von der das Weingut die erwähnten 6 ha bewirtschaftet. Die typischen Böden dort bestehen aus Muschelkalk mit einem hohen Steinanteil. Die Flächen sind mit 30% Spätburgunder, 15% Schwarzriesling, 15% Weissburgunder, 15% Müller-Thurgau, 10% Riesling und 10% Silvaner bestockt. Die Jahresproduktion beträgt etwa 24.000 Flaschen.

Weingut Hofmann, Röttingen
Alois Hofmann hat 1991 mit 1,3 Hektar Rebfläche begonnen, seine Weine selbstständig auszubauen und zu vermarkten. Noch in der Ausbildung übernahm sein Sohn Jürgen den Weinausbau und beendete auch erfolgreich sein Studium in Geisenheim. Heute werden etwa 9 ha Rebfläche bewirtschaftet, von der etwas 60% mit weißen und 40% mit roten Rebsorten bestockt sind.
Fast alle Reben stehen in der fränkischen Lage Röttinger Feuerstein, wo der Muschelkalkboden von weißen Quarzadern, dem sogenannten Feuerstein, durchzogen ist. Daneben liegt noch eine kleine Fläche im Weinbaugebiet Würtemberger Unterland in der Lage Markelsheimer Probstberg. Zu 60% sind die Lagen mit den weißen Rebsorten Silvaner, Riesling, Bacchus, und Müller Thurgau zu 40% mit den roten Rebsorten Spätburgunder, Schwarzriesling (ca. 1,4ha) , Domina, Tauberschwarz, Merlot und Cabernet Franc bepflanzt.
Die Weißweine werden im Edelstahl, die Rotweine in traditionellen großen Holzfässern ausgebaut, bei den hochwertigen Spätburgunder- und Tauberschwarz-Weinen auch bis zu 22 Monaten im Barrique.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Eigene Veranstaltungen, Probenberichte, Probenberichte 2022 | Keine Kommentare »

Weinprobe mit dem Weingut Wöhrle, Lahr am 20. Januar 2022

Erstellt von Dieter am 5. Februar 2022

2022 ist unser deutsches Thema das Weinbaugebiet Baden. Für unsere erste Probe im neuen Jahr konnten wir glücklicherweise Herrn Markus Wöhrle als Referenten gewinnen, der uns sein Weingut vorstellte.
Das Weingut wurde von vom Vater Hans Wöhrle bis 1979 als Nebenerwerbsbetrieb mit 4 ha Rebfläche betrieben und die Trauben an den badischen Winzerkeller abgeliefert. Dann bot sich die Möglichkeit, das heruntergewirtschaftete Weingut der Stadt Lahr zu pachten und den Betrieb so zu vergrößern, dass die Trauben nicht mehr an die Genossenschaft abgeliefert werden mussten, sondern der eigene Ausbau möglich wurde. 1991 war Hans Wöhrle einer der Ersten in Baden, der auf ökologischen Weinbau umstellte. 1997 ergab sich dann die Gelegenheit, das Weingut der Stadt Lahr auch zu kaufen. Markus Wöhrle studierte nach einer Winzerausbildung in Geisenheim Weinbau und war dann vier Jahre, bis 2001, Mitarbeiter beim Weingut Müller-Catoir in Neustadt unter der Leitung der Pfälzer Kellermeister-Legende Hans-Günter Schwarz. Von dort hat er auch seine Liebe zu Riesling und Rieslaner mitgebracht. Seit 2004 ist das Weingut Mitglied im VDP und 2014 erfolgte die Umbe­nennung von «Weingut der Stadt Lahr» in «Weingut Wöhrle».

Von den insgesamt 60 ha Rebflächen an den Hängen des 287 m hohen Schutterlindenbergs werden heute 18 ha, auf rund 60 Parzellen verteilt, vom Weingut bewirtschaftet.
Die Böden haben eine dünne bis dicke Lößauflage, darunter ist Kalksteinmergel teilweise auch etwas Sandstein. Das Weingut besitzt Parzellen in der VDP Ersten Lage „Lahrer Kronenbühl“ und in den VDP Großen Lagen „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“, „Lahrer Kirchgasse“ (Alleinbesitz) und „Lahrer Herren­tisch“, die zu den besten Lagen in Baden gehören.
Trotz der recht warmen Lagen sorgt ein Kaltluftkorridor dafür, dass nachts die kalte Luft von Schwarzwald durch das Tal der Schutter die Rebhänge kühl hält und so Säure und Frucht erhalten bleiben.
Das Weingut produziert etwa 100.000 Flaschen pro Jahr, die Rebverteilung ist 27% Spätburgunder, 24% Grauburgunder; 17% Weissburgunder, 14% Auxerrois, je 5% Chardonnay und Müller-Thurgau, je 3% Riesling, Muskateller und Rieslaner. Der Anteil an Chardonnay wächst, der Anteil an Riesling geht zurück, da die Burgundersorten in Lahr doch die besseren Qualitäten bringen.
Der erlaubte Maximalertrag beträgt 90 hl/ ha, das Weingut erntet beim Müller-Thurgau als Gutswein 70 hl/ha, beim Weissburgunder oder Grauburgunder als Ortwein nur 50 – 55 hl/ha und bei den Ersten und Großen Gewächsen nochmals weniger.
Es werden die Qualitätsklassen Gutswein, Ortswein und Lagenwein aus Ersten Lagen und Lagenwein aus Großen Lagen erzeugt


Die Lahrer Weinlagen

Als Gutsweine werden ein Müller-Thurgau, das Cuvee Bakat aus diversen Neuzüchtungen, ein Spätburgunder Rosé und ein Spätburgunder vertrieben, die wir aber nicht verkostet haben. Wir starteten mit den Lahrer Ortsweinen

Die Ortsweine erhalten eine Maischestandzeit von 3-4 Std, der klare Most wird dann mit einer neutralen Hefe im Edelstahl bei etwa 22° vergoren, bis der Restzucker unter 1 g/l ist. Die Flaschen werden mir Schraubverschlüssen verschlossen.
Das Ziel des Weinguts ist es, dass bei Ortsweinen die Betriebsstilistik zu erkennen ist.

1.           2020  Lahrer Auxerrois                12,0% Alk.
Im Glas blasses Gelb, in der Nase blumig fruchtige Noten nach Birne, Quitte Mirabelle und etwas Kräutern, am Gaumen gelbes Kernobst, Apfel, Birne, Quitte und eine weiche, aber frische Säure.
Wir haben hier einen zarten, recht eleganten, filigranen und harmonischen Auxerrois mit leicht blumigen Noten.
Das Weingut besitzt seit den 50’er Jahren Auxerrois und ist damit auch bekannt geworden. Inzwischen ist die Weinbergsfläche für Auxerrois bei 2,5 ha, das sind 14% der bewirtschafteten Fläche.

2.           2020  Lahrer Weissburgunder    12,5% Alk.
Der Wein fließt mit blassem, grünstichigem Gelb ins Glas, im Bukett  zeigen sich Apfel, Birne, Mirabelle, Spur Holzapfel und Citrus, am Gaumen hat er leicht mineralische Noten, wieder gelbe Früchte, etwas Nüsse, dazu eine straffe Struktur  und eine dezente Säure.

3.           2020  Lahrer Grauer Burgunder               12,5% Alk.
Der Wein zeigt ein klares, blasses Gelb, in der Nase Stachelbeere, Apfel, reife Birne, Mirabelle, Spur Heu und Wiesenkräuter. Im Mund etwas verhaltene Frucht, aber mehr Fülle und eine leichte Cremigkeit. Kein einfacher Pinot Grigio sondern ein eigenständiger Grauburgunder  mit feiner Säure und Frische.
Das Weingut erzeugt drei Weine aus der Ersten Lage Lahrer Kronenbühl: einen Weissburgunder, einen Grauburgunder und als Rotwein einen Spätburgunder.
Die Erste Lage „Lahrer Kronenbühl“ ist süd- bis südwestlich ausgerichtet, die hier gepflanzten Weissburgunder-Reben sind über 20 Jahre alt. Trauben-Halbierung sorgt für reduziertem Ertrag von etwa 40 hl/ha. Die Trauben-Halbierung erfolgt Anfang Juli, bevor die Trauben weich werden.
Im Gegensatz zu den Ortsweinen erfolgt bei den Lagenweinen eine längere Maischstandzeit über Nacht. Der noch leicht trübe Most wird in gebrauchten Holzfässern (z.B. Tonneaus) spontan vergoren, dann erfolgt ein biologischer Säureabbau und die Weine liegen bis etwas April -Mai auf der Hefe. Nach einer leichten Filtration wird auf Flaschen gefüllt.

Für unsere Verkostung folgten zwei Weißweine aus dem Kronenbühl:

4.           2020  Lahrer Krohnenbühl, Weissburgunder, Erste Lage             13,5% Alk.
Der Wein läuft mit blassem Gelb und grünlichen Reflexen ins Glas. In der Nase Stachelbeere, Apfel, Birne, Mirabelle, Zitrusfrüchte und leicht rauchige Holznoten. Am Gaumen wieder gelbe Früchte, ein wenig Kräuter, dazu eine zarte Mineralik und feine Säure. Wir haben hier einen Weissburgunder der Dichte aber auch gleichzeitig filigrane Struktur aufweist.

5.           2020  Lahrer Krohnenbühl, Grauburgunder, Erste Lage               13,0% Alk.
Im Glas zeigt sich ein blasses Gelb mit einem leichten Rosa-Stich. Ähnlich wie beim Weißburgunder auch hier Fruchtnoten nach Birne, Stachelbeere, Apfel, und Mirabelle, daneben zart rauchige Holznoten. Am Gaumen zeigt der Grauburgunder eine verhaltene Frucht, aber mehr Fülle als der Weissburgunder, eine zarte Cremigkeit und eine gut eingebundene, weiche Säure. Im Abgang sind dann leichte Vanille- und Holznoten zu erkennen.

In der Verkostung stiegen wir die Qualitätpyramide weiter aufwärts mit zwei weiteren Weißweinen aus den Lahrer Große Gewächs-Lagen.

6.           2020  Lahrer Kirchgasse, Grauburgunder, Großes Gewächs        13% Alk.
Auch dieser Grauburgunder zeigt ein blasses Gelb mit einem zarten Rosastich. Leicht rauchiger Duft, gelbes Kernobst, reife Stachelbeeren, Melone, viel Birne und etwas Kräuter, dazu gesellt sich eine leichte Holzwürze. Am Gaumen ist er leicht cremig und nussig, dazu gelbes Kernobst, Mirabelle, viel Birne und etwas Kräuter. Der Wein besitzt Fülle und Struktur, aber auch Eleganz und eine feine Säure. Ein Großes Gewächs, so wie es sein sollte und deshalb erhielt der Wein auch die beste Bewertung des Abends.
Die Große Lage „Lahrer Kirchgasse“ ist nach Süden ausgerichtet. Die Trauben wurden mit 92-93° Oechsle bei physiologischer Reife und mit ausreichender Säure geerntet. Die Weine erhalten eine Maischestandzeit von 18 Std. und werden dann im Holz (Tonneau) spontan vergoren. Nach dem BSA bleiben sie noch länger auf der Hefe und werden danach unfiltriert auf die Flasche gezogen.

7.           2020  Lahrer Gottesacker, Chardonnay, Großes Gewächs           13% Alk.
Ein hellgelber Chardonnay mit einem leicht nussigen und speckigem Bukett, exotischen Früchten, Apfel, Mirabelle und Citrusnoten, dazu zarte Holzanklänge. Im Mund präsentiert er sich komplex mit zarter Mineralik und Eleganz, einer feinen frischen Säure und dezenten Gerbstoffnoten. Dezente Holz- und Karamellnoten bilden dann den Abgang.
Wir hatten hier einen sehr interessanten, vielschichtigen Chardonnay vor uns, der eine dichte, straffe Frucht bei gleichzeitig schlanker Struktur, einer frischen Säure und einem sehr dezenten Holz zeigte.
Damit unterschied er sich deutlich vom bekannten Chardonnay-Stil, der eher eine weiche, füllige Frucht, leicht buttrige Säure und stärkere Barrique-Noten aufweist. Dadurch kam es zu sehr unterschiedlichen Bewertungen. Ein Teil der Verkoster bewertete den Wein sehr hoch und der andere Teil lehnte ihn ab, da er nicht ihrem gewohnten Geschmacksbild entsprach.
Der „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“ ist der beste Teil der Lage Lahrer Kronenbühl und inzwischen als Große Lage anerkannt. Er liegt auf einem kleinen Plateau mit Ausrichtung ist nach Süd-Südwesten und hat tiefgründige kalkhaltige Böden.
Um eine noch höhere Qualität zu erreichen, wird in der Großen Lage „Lahrer Kronenbühl Gottesacker“ die Parzelle „Teufelslochgasse“ für die Qualifikation als weiteres Großes Gewächs vorbereitet. Die Parzelle ist etwa 1 ha groß und mit Burgunderklonen extrem dicht (10.000 Stöcke / ha) bepflanzt. So soll sie noch höhere Qualitäten als die „normale“ Lage Gottesacker bringen. Der Antrag auf Anerkennung als Große Lage beim VDP ist gestellt und in 5 Jahren hat diese Lage hoffentlich nachgewiesen, dass sie die entsprechenden Qualitäten erbringt und als Große Lage eingestuft wird.
Z.Z. wird ein Fass dieser Parzelle mit Chardonnay ausgebaut. Diesen Wein haben wir leider nicht verkosten können.

Nach den Weißweinen folgten zwei Spätburgunder- Rotweine
Der Ertrag wird hier noch stärker reduziert als bei den Weißweinen. Die Bepflanzung erfolgte mit kleinbeerigen Pinot Noir-Klonen aus dem Burgund und bei der Ernte wird darauf geachtet, dass die Trauben nicht überreif werden, um die Frische und die beerige Frucht zu erhalten.
Es erfolgt für 3 Wochen ein Maischestandzeit in der Kälte, zur Maische werden noch etwa 20% ganze Trauben mit Stiel zugesetzt. Dann erfolgt für 2 Wochen die normale Maischegärung mit Unterstoßen des Tresterhuts. Die Flüssigkeit wird abgepumpt und z.B. der Spätburgunder SC 16 Monate in Barriques bei 25°C vergoren.

8.           2019  Lahrer Krohnenbühl, Spätburgunder, “SC”, Erste Lage                      13,0% Alk.
Ein mittleres Kirschrot im Glas, ein feiner Duft nach roten und schwarzen Beeren, Pflaumen, Kirschen, dazu kommen Kräuter und zarte Holznoten. Am Gaumen dann sehr saftig und beerig, mit feiner Tanninstruktur und gut eigebundenem Holz. Ein kraftvoller Wein mit einer guten Struktur, noch etwas jung und verhalten, aber er wird seinen Weg gehen.
Da der Wein sich noch verhalten und nicht ausgereift im Glas präsentierte, hatten einige Verkoster Schwierigkeiten, dem Wein eine höhere Bewertung zu geben, sodass die Benotungen bei diesem Wein wieder stark differierte.

9.           2019  Lahrer Kirchgasse, Spätburgunder, Großes Gewächs                         13,0% Alk.
Hier haben wir den Spätburgunder aus der nächsthöheren Qualitätsstufe vor uns. Im Glas ein mittleres Rubinrot, in der Nase sehr rotbeerig, viel Kirsche und ein Hauch Himbeere, dazu eine zarte Holzwürze und etwas Tabak. Am Gaumen ist er noch sehr verschlossen und zeigte eine verhaltene, aber dichte, vielschichtige, rotbeerige Frucht, etwas Kräuter, Nüsse und Tabak gepaart mit frischer Säure und feinkörnigem Tannin. Noch jung und etwas ungehobelt lässt er sein Potential nur erahnen.
Auch hier variierten die Bewertungen stärker, da der Wein sein Potential noch nicht ausspielen konnte und nicht alle auf die Zukunft setzen wollten.

Zum Abschluss unserer Probe durften wir noch einen Wein verkosten, der für das Breisgau etwas Besonderes ist: eine edelsüße Auslese, den einzigen süßen Wein des Weinguts und der dann noch aus einer für das Breisgau ungewöhnlichen Rebsorte erzeugt wurde:

10.         2020  Lahrer Rieslaner, Auslese                7,5% Alk.
Er zeigt sich in hellem Gelb mit grünlichen Reflexen. In der Nase eine sehr klare Aromatik nach reifer Birne, Mirabelle, Pfirsich und etwas Ananas.  Am Gaumen ist er sehr gradlinig und präzise, viel gelbe Früchte mit einem schönem Süße-Säure-Spiel und sehr klar, da der Weine ohne Botrytis geerntet wurde.
Die vier Jahre der Arbeit beim Weingut Müller Catoir haben bei Markus Wöhrle zum Interesse an der Rieslaner-Rebe für edelsüße Weine geführt. Anfang der 2000’er Jahre wurden die Reben auf leichteren Böden gepflanzt (um die Stiellähme zu vermeiden) und seitdem werden die Trauben zu edelsüßen Weinen ausgebaut. Da die Rebe kaum anfällig für Botrytis ist, bleiben die Weine sehr klar und fruchtbetont – ähnlich wie ein Eiswein.

Damit waren wir am Ende der Probe angelangt, in der wir sehr interessante und hochwertige Weine verkosten durften. Die Befürchtung von Markus Wöhrle, dass er Monologe zu den Weinen halten müsste, hat sich nicht bewahrheitet. Die Stilistik bei einigen Weinen führten zu intensiven Diskussionen, sodass der Abend nicht langweilig wurde. Unserem Referenten möchten wir danken, dass er sich die Zeit genommen hat, bei uns die Weine aus dem Breisgau zu präsentieren.

Er hat mit der ersten Probe des Jahres schon ein Highlight gesetzt hat.

Verfasser: Dieter

Abgelegt unter Allgemeines, Probenberichte 2022, Probenberichte 2022 | Keine Kommentare »