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      Technikprobe: Klimawandel und Rebzucht

      19:00 -22:00
      22.07.2021

      Herr Antes von der Rebveredelung Antes wird uns über die Auswirkung des Klimawandels berichten Was sind die Maßnahmen im Weinberg und wie kann die Rebzucht dabei mit angepassten Sorten helfen.

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Archiv für die 'Probenberichte 2010' Kategorie

15.04.2010 Weingut Hugo Brennfleck aus Sulzfeld

Erstellt von Dieter am 26. April 2010

Probe vom 15.04.2010 mit dem Weingut Hugo Brennfleck

 

Der Winzer Hugo Brennfleck begann mit einer ehrfurchtgebietenden Mitteilung: Die Familie betreibt Weinbau seit dreizehn Generationen (die 14. ist im Vormarsch). Ebenso beeindruckend der Ort des Geschehens: Ein100415-brennfleck-foto-p10100311 500 Jahre alter Gutshof mit Gewölbekellern im fränkischen Sulzfeld, ein pittoresker mittelalterlicher Weinort, 2009 mit dem Titel „schönster Ort Bayerns“ geehrt. Die zauberhafte Idylle darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Produktion von anständigem oder gar hochklassigem Wein moderne Kellertechnik erfordert. Deshalb steht neben dem Gutshof ein „postmodern“ genanntes Kelterhaus, dass zum Beispiel ein stressförderndes Pumpen des Traubengutes durch Ausnutzen der Schwerkraft unnötig werden lässt.

Der Schwerpunkt im Traubensortiment liegt nach guter alter Tradition im Silvaner. Und das nicht nur quantitativ (angebaut auf über 50 % der Rebfläche), sondern wie ein Blick auf die Bepunktung zeigt, auch hinsichtlich der Güte. Die weiteren Eintragungen im Sortenspiegel sind: Müller-Thurgau, Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder und als „ Exoten“ die Scheu- und Huxelrebe. Rote Rebsorten: Spätburgunder, Dornfelder und die frankentypische Domina. Das Weingut besitzt Lagen am Maindreieck und im Steigerwald – am Steilhang des Escherndorfer Lump, in Sulzfeld, Iphofen und Rödelsee. Es gibt 18ha eigene Weinberge, erweitert durch Bewirtschaftungsverträge auf insgesamt 30ha.

Der erste Wein war ein nichtangereicherter QBA (12,5 alc) aus der traditionellen Rebsorte Müller-Thurgau, ein Erzeugnis der 1996 gegründeten Winzergruppe „Frank und Frei“, der Brennfleck angehört. Ziel der Gruppe war und ist die Verbesserung des Müller-Thurgau – Weins, wesentlich verbunden mit einer Änderung der überkommenen Stilistik. Statt des breiten, „altfränkischem“ Tons ein schlanker, rassiger, säure -und fruchtbetonter Typ. Interessant auch wie das damalige Qualitätsmerkmal – der zarte Muskatton im Abgang – heute eher als Fehlton gewertet wird und einer nachhaltigen Fruchtigkeit gewichen ist. Erzielt wird der modernere Stil durch geringere Erträge, selektive, zeitgenaue Lese, Kaltvergärung und Verwendung spezieller Hefen. Eine besondere Maßnahme wurde uns noch von Hugo Brennfleck mitgeteilt: Die Entblätterung des Laubes wurde je nach geographischem Sonnenstand vorgenommen, sodass auf Strahlungsdauer und -intensität Rücksicht genommen werden konnte. Der von „Frank und Frei“ herausgegebene Wein soll von möglichst gleichbleibendem Stil sein, daher wird er mehrfach intern verkostet – im Falle des Weins Nummer 1 fünfmal -, sodann muss eine mindestens 75 prozentige Zustimmung erfolgen; der Wein der Gruppe erhält grundsätzlich kein Prädikat.

Der Wein Nummer 2 (auf Keuper gewachsen) war herzhaft, knackig, sortentypisch und ausgesprochen mineralisch. Zur Zeit steigt die Nachfrage nach Weinen mit betonter Mineralik, sie kann übrigens durch spezielle Hefen gesteigert werden. Der Anteil Wein – zu Äpfelsäure beträgt 50/50 und ist sicher auch ein Grund für die Rassigkeit des Weins. Nummer 3, auf Muschelkalk gewachsen, besaß weniger Mineralik und eine vergleichsweise weiche Säure (WS/AS 70/30). Nur der Vorlauf goldgelber, entrappter Beeren wurde verwendet. Die Meinungen hierzu waren geteilt (wiewohl die hohe Qualität nicht in Zweifel gezogen wurde). „Nicht so spannend“ meinten die einen, während die anderen die lebendige Fülle und Komplexität betonten. Der nächste Wein, der erste der beiden Silvaner Spätlesen, stammt aus der besten Lage des Weingutes. Tiefgründiger Boden aus grauem Keuper, das Lesegut des Jahrgangs 09 zeigte sich besonders gut (wen wundert`s), die Beeren von goldgelber Farbe. Die harmonische Säure verband sich mit einem ausgeprägten Kräuterton, die starke Mineralität offenbarte sich als wohlschmeckender Salzton.

Es folgte die zweite Silvaner Spätlese, ein eleganter, intensiver Wein, ebenfalls auf grauem Keuper gewachsen. Die Intensität ist gefördert worden mittels einer Mengenreduzierung auf 35 -55 hl /ha, bewirkt durch einen speziellen Rebschnitt.

Nummer 6: Ein in SO Lage gewachsener, einfacher, dank der Gunst des Jahrgangs aber durchaus kräftiger Riesling. Bei Nummer 7 handelte es sich ebenfalls um einen Riesling, diesmal jedoch Spätlese und ein Jahr älter. Neben einer guten Säure (Wert 7,0) schmeckten wir salzige Mineralität, über einen deutlichen Honigton konnte sich die Reife nicht verbergen. Etwas Belüftung tat ihm gut.

Der nachfolgende Riesling war wieder aus Jahrgang 09, bei sehr geringem Ertrag (40hl/ha) und hohem Mostgewicht (110° OE) präsentierte er sich im Alkohol geschmacklich etwas zu stark (15). Nunmehr folgte aus dem jungen Cyriakusberg (Kalkfelsen mit Löss – Lehm Auflage) ein schlanker Weißburgunder mit geringem Extraktwert. Vorteil der Lage: Stark windig, daher geringe Fäulnisgefahr. Aus der gleichen Lage verkosteten wir einen Grauburgunder, er besaß einen deutlich höheren Extrakt, stellte sich etwas fülliger dar, ließ jedoch für manch einen mehr Vollmundigkeit und Schmelz erwarten.

Die Weißweine werden grundsätzlich im Stahltank ausgebaut, Spontanvergärung wird vorzugsweise beim Riesling angewandt, seine höhere Säure verringert das Risiko.

 

100415-probe-brennfleck-21Zum Schluss erwarteten uns zwei Rotweine, eine frankentypische Domina (meistens angebaut wegen der intensiven Farbe) im großen Holzfass ausgebaut mit einem Anteil von 4% Barrique. Daher wurde der recht strenge geradlinige Geschmack unterlegt mit einem Hauch Vanille.

Es gab im Anschluss eine kurze, kontroverse Diskussion über Bedeutung und Wert dieser Rebsorte.

Die Probe wurde beendet mit einer Cuvée aus Domina und Spätburgunder (5 Fässer Domina, 3 Fässer Spätburgunder). Sie lagerten 12-14 Monate hintereinander in fränkischer und französischer Eiche. Wenn auch die Bewertung recht ordentlich war, so gingen doch die Ansichten über die Einordnung dieser eigenwilligen Cuvée auseinander.

 

Als Resümee kann festgehalten werden: Insgesamt war die Begeisterung über das Ergebnis der Ausbauart des Silvaners groß und die Spannbreite in der Bepunktung diesmal gering (vielleicht hat die berechtigte Schelte meines Kollegen im letzten Protokoll ihre Wirkung getan).

 

Verfasser: Lothar Grellmann

 

 

Probenergebnis 15.04.2010: Weingut Hugo Brennfleck (PDF)

 

 

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11.03.2010 Weine aus Würzburg

Erstellt von Dieter am 7. April 2010

Weine aus Würzburg – Probe vom 11.03.2010

 

Als Einstiegsprobe zu unserem diesjährigen Themenschwerpunkt „Fränkische Weine“ präsentierte uns unser Schatzmeister Axel Daub eine vergleichende Silvanerprobe von den 4 in Würzburg ansässigen wichtigsten Weingütern, nämlich dem Bürgerspital, dem Juliusspital, dem Staatlichen Hofkeller und dem Weingut am Stein der Familie Knoll.

 

Ganz durchgängig vergleichbar konnte diese Probe jedoch nicht angelegt werden, da nicht jeder der Betriebe einen Silvaner als „Großes Gewächs“ im Sortiment hatte und so zum guten Schluss doch noch ein Riesling ins Rennen ging. Hierzu nachher mehr.

 

Auch beim Jahrgang mussten zweimal Zugeständnisse gemacht werden und zwar bezeichnenderweise beim Staatlichen Hofkeller, der im Spätlesebereich und bei den „Großen Gewächsen“ seine 2008er Weine noch nicht abgefüllt hatte. Hier kamen zwei Weine aus 2007 zur Anstellung.

 

Auch war es schwierig, wie Axel Daub erläuterte, von jedem Betrieb einen aus derselben Einzellage stammenden gleichwertigen Wein derselben Qualitätsstufe zu finden. So konkurrierten in der Qualitätsstufe Kabinett drei Weine aus der Einzellage „Am Stein“ mit zwei Weinen jeweils aus der Einzellage „Innere Leiste“ und „Abtsleite“, was den Vergleich aber nicht uninteressant machte. Im Gegenteil.

 

Bei den Spätlesen begegneten uns gar drei Silvaner aus ganz unterschiedlichen Lagen, nämlich dem „Stein“, der „Inneren Leiste“ und dem „Pfaffenberg“.

 

Diese sollten anschließend noch getoppt werden durch vier „Große Gewächse“, von denen nun wirklich drei aus ein und derselben Lage, dem „Würzburger Stein“, stammten – nur der Letzte, der Riesling nicht. Siehe oben! Dieser kam aus der Einzellage „Innere Leiste“.

 

Welches Weingut würde uns wohl mit seiner Vorstellung von einem typischen Silvaner überzeugen können? Würde es vielleicht einer der leichteren Kabinettweine sein?

Obwohl: zwei der fünf Kabinettweine kamen schließlich auch schon mit 13% Vol. Alkohol daher. Und auch bei den anderen Kabinettweinen war sicher die ein oder andere abgestufte Spätlese darunter.

Oder können doch nur die „Großen Gewächse“ überzeugen?

 

Zu den Weingütern selbst sind allerdings auch noch ein paar Anmerkungen erforderlich, denn schließlich haben wir es hier beim Bürgerspital, beim Juliusspital und beim Staatlichen Hofkeller mit drei Giganten des deutschen Weinbaus zu tun.

 

Beim „Weingut Bürgerspital zum Heiligen Geist“ –so heißt es genau- handelt es sich mit 110 ha immerhin um das viertgrößte Weingut Deutschlands. Gegründet 1316 durch eine private Stiftung des Würzburger Patriziers Johann von Steren, der sein Anwesen in der Semmelstraße 2 für die Aufnahme von Pflegebedürftigen, von an Gebrechen Leidenden und von hungernden Armen -alle mussten christlichen Glaubens sein- öffnete. Zunächst „Neues Spital“ genannt, hieß es ab dem 16. Jahrhundert „Bürgerspital zum Heiligen Geist“. Die Schenkung von Weinbergen an das Stift ist bereits seit 1321 beurkundet, wobei zunächst noch für den eigenen Bedarf produziert wurde. Doch schon bald konnte das Stift mit den Reberträgen, den Erträgen aus der sonstigen Landwirtschaft und den Erträgen aus Vermögensverwaltungen seine wohltätigen Unternehmungen finanzieren.

 

850 Seniorinnen und Senioren leben heute in neun bürgerspitälischen Wohn- und Pflegeheimen. Sie lassen sich betreuen, pflegen und geriatrisch therapieren und täglich wird ihnen noch heute ¼ ltr Wein zugestanden.

 

Der Rebsortenspiegel dieses Weingutes setzt sich wie folgt zusammen: 33% Riesling, 29% Silvaner, 12% Müller-Thurgau, 6% Kerner, 4% Bacchus und 15% weiße und rote Burgundersorten (1% sonstige). Von den 110ha liegen allein 28ha in der Top-Einzellage „Würzburger Stein“ (Muschelkalk-/Gipskeuperboden). Der Durchschnittsertrag beläuft sich auf 61 hl/ha und die Produktion auf ca. 850.000 Flaschen. Da dieses Weingut schon früher als „primus inter pares“ unter den Würzburger Weingütern gehandelt wurde, waren wir besonders gespannt, ob die Weine auch heute noch diesem hohen Anspruch gerecht würden, zumal bei den Weinen aus 2007 –zwar nicht in der Spitze, aber bei den einfacheren Gewächsen- von der Weinöffentlichkeit ein paar Durchhänger festgestellt wurden.

 

Denn große Konkurrenz in weinbaulicher Hinsicht ist dem Bürgerspital durch das Weingut Juliusspitals erwachsen, mit 172 ha Rebfläche noch größer als das Bürgerspital und damit eines der größten Weingüter Deutschlands. Die Grundsteinlegung des Stifts geschah laut Urkunde vom 12.03.1576 durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Reiner Zufall, dass wir genau einen Tag vor diesem „Geburtstag“ u.a. mit Weinen des Juliusspitals unsere Probe von Weinen aus Würzburg abgehalten haben; immerhin schon 434 Jahre nach Gründung des Spitals. Man wird nachdenklich bei solchen Zeitzahlen… .

 

Heute, in Form einer Stiftung des öffentl. Rechts mit dem gleichen Widmungszweck wie das Bürgerspital, betreibt das Juliusspital neben dem Weinbau auch noch anderweitig Landwirtschaft auf ca. 1000 ha und besitzt zudem noch 3.500 ha Wald. Um beim Rebbau zu bleiben: der Sortenspiegel des Weingutes setzt sich hier wie folgt zusammen: 43% Silvaner, 20% Riesling, 17% Müller-Thurgau, 4% Spätburgunder, 16% sonstige Rebsorten. Der jährliche Durchschnittsertrag liegt bei 63 hl/ha und die Produktion bei ca. 1 Mill Flaschen. Die Böden der Weinberge bestehen je nach Einzellage aus Muschelkalk bzw. Gipskeuper (s.o. Bürgerspital), sowie aus Buntsandstein und humosem Lehm.

 

Zu den weiteren großen Weingütern aus Würzburg muss man auf jeden Fall den Staatlichen Hofkeller Würzburg zählen, zumal es sich hier um das älteste Weingut Deutschlands handelt. Hier passt der Superlativ, geht doch die Entstehung des Weinkellers auf das Jahr 1128 zurück, in dem der amtierende Erzbischof Embricho als Gegengabe zu einer Schenkung seinerseits in den Besitz eines Hofes und von „Weinbergen am Stenbach“ kam. Über die Säkularisierung (1814: „Königlich Bayrischer Hofkeller“) und das Ende der Monarchie (1918) wandelte sich das Anwesen zum „Staatlichen Hofkeller Würzburg“. Mit 120 ha Rebfläche gehört dieses Weingut sicherlich heute zu den ganz Grossen in Deutschland, zumal 1952 darin noch die Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt Veitshöchheim mit der Bayr. Hauptstelle für Rebenzüchtung und das Staatsweingut aufgegangen sind.

 

Der eigentliche Weinkeller befindet sich unterhalb des Würzburger Residenzschlosses -Stichworte: Balthasar Neumann (Treppenaufgang); Tiepolo (Fresken); Weltkulturerbe seit 1981 – und hat einen Holzfasslagerraum für ca. 600.000 ltr Dabei umfasst er eine Gesamtgrundfläche von 4557 qm. Auch bei diesem Weingut dürfen wir nicht den Rebspiegel vergessen, der sich wie folgt zusammensetzt: 27% Silvaner, 25% Riesling, 15% Müller-Thurgau, 9% Spätburgunder, 5% Rieslaner, 4% Domina und 15% sonstige Sorten. der Boden seiner Einzellagen umfasst Urgestein, roter Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Löss und Terrassensande des Mains. Der Durchschnittsertrag. liegt bei 60 hl/ha und die Jahresproduktion bei ca. 850.000 Flaschen.

 

Der „Kleinste“ im Bunde mit seinen hier angestellten Weinen war schließlich das „Weingut Am Stein“ der Familie Knoll. Mit „nur“ 24 ha Rebfläche kann es wirklich als klein bezeichnet werden im Vergleich zu den drei anderen Weingütern. Ursprünglich als Küferei gegründet (1890), wandelte der Betrieb sich im Laufe der Jahre in einen Winzerbetrieb um und bewirtschaftet seine Rebberge seit 1981 nach den Richtlinien zur Erzeugung ökologischer Trauben. Zitat: „Wir unterstützen die Biodiversität, indem wir eine Vielfalt von Begleit-Pflanzen wieder in unseren Weinbergen ansäen. Dadurch besiedeln mehr Nützlinge den Weingarten und die Bodenfruchtbarkeit wird gefördert. Dies erzeugt eine harmonisierende und belebende Wirkung auf die Lebensprozesse im Boden und in den Pflanzen. Die Vitalität der Reben wird gestärkt. Sie sind dadurch resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten. Das biologische Gleichgewicht im Weinberg stellt sich ein. Und diese harmonische Balance zeigt sich auch im Wein.“Der Rebspiegel dieses Weingutes sieht wie folgt aus: 28% Silvaner, 18% Müller-Thurgau, 15% Riesling 12% Spätburgunder, 8% Grauburgunder, 8% Scheurebe, 6% Weissburgunder und 5% sonstige Rebsorten. Der Durchschnittsertrag beträgt 64 hl/ha und die Produktion liegt bei ca. 190.000 Flaschen.

 

  

Neben der Mitgliedschaft im VdP, was auf alle vier hier vorgestellten Weingüter zutrifft, ist das Weingut Am Stein auch noch Mitglied in der Winzervereinigung „Frank und Frei“, die sich besonders einem neuen Erscheinungsbild des Müller-Thurgau verschrieben haben.

 

 

Heute ging es uns allerdings um den Silvaner als vergleichbare Rebsorte und so starteten wir mit den ersten 2 Kabinettweinen im Glas, einem „Würzburger Stein“ vom Bürgerspital und einem Silvaner aus derselben Lage vom Weingut Am Stein, beide aus dem Jahr 2008.

 

Beim ersten Wein hatten die meisten Teilnehmer nicht unbedingt den Eindruck, dass dieser Wein zu den sog. fränkisch-trockenen Weinen gehörte, obwohl nach der Analyse dieser Tropfen mit nur 3,5 g/RZ daher kam. Bei nur 5,9 g/S bescheinigten ihm viele Teilnehmer eine gewisse Cremigkeit und vom Gesamteindruck her tauchte schon hier zum ersten Mal die Frage nach einer abgestuften Spätlese auf. Analytisch mit nur 11,5% Alk ausgestattet, hätte man diesen Wein eher als sog. Leichtwein eingestuft und er wäre somit zumindest von daher als Kabinettwein anzusehen gewesen. Aber wir trinken ja nicht die Analyse…..

 

Demgegenüber stand ein schöner duftiger und im Abgang fruchtbetonter (weiße Früchte; Apfel, Birne) und mineralischer (Feuerstein) Silvaner vom Weingut Am Stein im Glas. Ausgebaut im Stahltank, hatte er seine Frische bewahrt und kam sogar etwas reduktiv rüber; kaltvergoren? War es vielleicht auch die unterschiedliche Verschlussart der Flaschen –der erste mit klassischem Korken der zweite mit Glasverschluss- die hier eine unterschiedliche Entwicklung der Weine in der Flasche andeutete? Schließlich hatten beide Weine ja schon ein Jahr auf der Flasche hinter sich.

Als Single passierte der Silvaner vom Staatlichen Hofkeller die Runde. Er überraschte gegenüber den Vorgängern mit mehr Biss, wurde aber im Glas zunehmend glatter und runder und präsentierte sich außerdem mit etwas weniger Mineralik als die vorangegangen Weine. Analytisch besaß dieser Wein zwar die bisher höchste Säure von 6,3 g/ltr, im Gegenzug allerdings auch den höchsten Restzuckergehalt von 6,0 g.

 

An dieser Stelle erstirbt die –nachträgliche- Weinansprache für das Probenprotokoll schon in der Feder… .

 

Denn bei diesen ersten 3 Weinen deutete sich an, wie sehr die Einschätzung der Weine unter den Teilnehmern auseinander driftete. Schwankungen bis zu 3 Punkten wurden bereits jetzt ausgemacht – und es kam noch schlimmer! War den einen der Wein zu duftig, ja parfümiert, straften andere ihn ab weil: zu cremig, alkoholisch süß, sättigend. Es ging hin und her. Bei drei weiteren Weinen lagen die Unterschiede in den Punkten bei 3,5, bei 7 weiteren Weinen betrug der Unterschied zwischen 2,5 und 3 Punkten und den Vogel schoss das „Große Gewächs“ Riesling, Jhg. 2008, aus der Lage „Würzburger Innere Leiste“ vom Weingut Am Stein ab, bei dem eine Punktedifferenz von sage und schreibe 5 Punkten festgehalten wurde, eine Differenz, die seit Protokollierung unserer Proben noch nie ausgemacht wurde – die Fälle mal ausgenommen, in denen jemand einen Wein überhaupt nicht bewertete, weil er mit diesem Wein mangels Erfahrung nichts anfangen konnte.

 

Lag es vielleicht an dem fränkischen Silvanertypus, der von uns nicht richtig eingeschätzt wurde oder was war der Grund für die starken Bewertungsunterschiede? Vielleicht sind wir zu sehr am Rheinhessen Silvaner ausgerichtet. Sicher nicht am „RS“, aber wir erinnern uns vielleicht noch an die vor Jahren stattgefundene Vergleichsprobe von Selektionsweinen mit Silvaner zwischen Rheinhessen und Franken, gesponsert vom Silvaner-Forum. Auch hier ging –wenn auch nur knapp- der Rheinhessen-Silvaner als Sieger aus dem Verkostung hervor… .

 

Die 5-Punkte-Differenz –auch wenn sie an einer Einzelbewertung aufgehängt werden muß- ist fast nicht hinzunehmen, bei aller Wertschätzung des Betroffenen. Aber das Gesamtproblem bei der Benotung in dieser Probe wird dadurch nicht besser, wenn wir diesen absoluten Ausreißer unberücksichtigt lassen. Denn auch dann bestand bei diesem „Großen Gewächs“ immer noch eine Punktedifferenz von ganzen 3,5 Punkten.

 

Gehen wir alle noch einmal in uns und lernen wir den Umgang mit fränkischen Weinen im Allgemeinen und mit fränkischem Silvaner im Besonderen im Laufe dieses Jahres. Schon bei der nächsten Probe mit einem Gastwinzer darf uns dies nicht noch einmal passieren.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen für die kommenden Tage eine umfangreiche Vermehrung der sensorischen und theoretischen Weinkenntnisse – sei es auf der ProWein oder auch privat zuhause-, auf dass Herr Hugo Brennfleck mit guten Eindrücken ins Frankenland zurückkehren kann.

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Wer dennoch rückblickend die Weinansprache noch einmal vor seinem geistigen Auge revuepassieren lassen möchte, der vergleiche doch bitte mal seine eigenen Notizen mit den Anmerkungen aus den von Axel Daub so fleißig zusammengestellten Unterlagen, in denen zu fast jedem Wein eine Anmerkung –sei es vom Erzeuger selbst, der Presse oder anderen Dritten- zu finden ist.

 

Deckungsgleich?..Oder: „Paßt scho!“……

 

Vielleicht sollten wir noch nachtragen, dass die Weine Nr. 4 und 5 –beides Weine des Juliusspitals- wenigstens nach dem Preis-Genuss-Verhältnis einhellig die Nase vorne hatten, egal wie die Einzelbewertungen jetzt ausgefallen waren. Damit und auch im Folgenden wurde die Frage (s.o.) beantwortet, wer denn heute als der „primus inter pares“ unter den Würzburger Weinbaubetrieben anzusehen ist.

 

PS: Lieber Axel, gib nicht auf!

 

 

Verfasser: Wolfgang Klug

 

 

 

Probenergebnis 11.03.2010: Weine aus Würzburg (PDF)

 

 

 

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14.01.2010 Silvanerprobe mit dem Winzer Joachim Heger

Erstellt von Dieter am 26. Januar 2010

Wir befinden uns im Jahre 2010. Ganz Baden ist bewachsen von Burgunder- und Riesling-Reben. Ganz Baden ? Nein ! Das von unbeugsamen Winzern bevölkerte Dorf Ihringen im Kaiserstuhl hört nicht auf, diesen „neumodischen” Rebsorten Wider­stand zu leisten und hält eisern am Silvaner fest. Und einer ihrer Häuptlinge ist Joachim Hegerix.
Das klingt nach Asterix und Obelix und weniger nach einer Weinprobe. Aber an die­sem Abend ist der Winzer Joachim Heger trotz Schnee und Eis zu uns gekom­men, um uns zu zeigen, welches Potential in dieser – inzwischen etwas verkannten -Rebsorte steckt.

So war keinem von uns bekannt, dass die Gemeinde Ihringen immer noch die größte Anbaufläche an Silvaner in Deutschland hat und dass die dortige Winzergenossen­schaft der größte deutsche Silvaner-Erzeuger ist. Der Ruf des Silvaners hat sicher in der Vergangenheit gelitten, da er lange als Verschnitt-Komponente dazu diente, saurem Riesling die schlimmste Säure zu nehmen und ihm wenig Eigenständigkeit zugebilligt wurde..

In Franken und Rheinhessen haben intensive Bemühungen der dortigen Winzer inzwischen dazu geführt, dass sich sein Ruf verbessert hat, in Gesamt-Baden ist das nicht unbedingt der Fall. Er ist hier nicht so stark verbreitet und hat mit Riesling und den Burgunderreben eine sehr starke Konkurrenz. Um das wenigstens im Kleinen zu ändern, war Joachim Heger zu uns gekommen.heger011

Die Rebsorte bietet am Kaiserstuhl recht gleichmäßige Qualität über gute und schlechte Jahre, aber einfach ist sie trotzdem nicht. Sie braucht gute, nicht zu leichte Lagen, die aus­reichend Nährstoffe bieten, aber auch gut entwässert sind, da die Reben sonst zu Chlorose neigen. Wenn die Rebe – später als die meisten anderen Rebsorten – sich doch noch entscheidet, eine Laubwand auszubilden, erfordert sie intensive Laubarbeit, damit die Erträge nicht zu hoch werden und ärgert den Winzer danach durch vermehrte Bildung von Geiztrieben. Und dann will sie auch noch lange reifen, wenn ihre Weine nicht unreife, grasige Töne bekommen sollen.

Aber genug der Theorie, schließlich muss der Wein auf der Zunge seine Qualitäten zeigen.

Unsere Probe begann mit zwei Silvanern aus der Basis-Linie „Oktav” vom Weinhaus Heger. Für diese Linie werden neben eigenen Trauben auch die von Vertragswinzern bezogen. Sie stammen von Lössböden aus der Lage Ihringer Fohrenberg.

Der 2007’er zeigte sich schon reifer, runder, der 2008’er dagegen konnte durch Frucht und Frische punkten. Mit 6,5 g/l besitzt er für einen Silvaner eine recht hohe – aber angenehme – Fruchtsäure.

Dagegen standen zwei Silvaner Kabinettweine vom Ihringer Winklerberg der Winzer­genossenschaft. Da die Reben dort seit der Flurbereinigung in den siebziger Jahren stehen, sind ihre Erträge niedriger und die Mineralität ist höher, was beides der Qualität gut tut.

Hier gefiel der 2007’er durch eine recht runde, harmonische Art, während der  2008’er einen unsauberen Esterton zeigte.

Nach der Basis-Qualität kamen wir zu den „Parade-Silvanern” aus dem  Ihringer Winklerberg und Achkarrer Schlossberg. Beides sind Kernlagen und wurden glücklicherweise in den siebziger Jahren nicht mehr flurbereinigt. Die Rebstöcke stehen hier in steilen Terrassen auf Vulkangestein.heger05

Den Auftakt machten zwei Kabinett-Weine vom Ihringer Winklerberg aus der alten Kernlage Bönischberg.

Der 2007’er wurde mit wilden Hefen in 600l-Fässern vergoren, und zeigt sich jetzt schon recht abgerundet. Der 2008’er wurde dagegen mit Reinzuchthefen und im großen Holzfass ausgebaut. Er wirkte etwas klarer und frischer. Die Meinungen, welcher Wein sich besser präsentiert, waren diesmal uneinheitlich. Allerdings fand der 2007’er etwas mehr Befürworter.

Dann kam eine 2008’er „3-Sterne-Spätlese” vom Winklerberg. Die drei Sterne stehen hier als Kennzeichnung für alte Reben. Dieser Weinberg wurde 1962 bepflanzt und in der Parzelle, aus der die Trauben stammen, hat der Weinberg 55% Steigung.  Noch etwas jung mit leichten Bittertönen, zeigte er sich aber als komplexer, mine­ralischer Silvaner. Ein Spitzenwein, den wir in dieser Qualität nicht  erwartet hatten.

Wer gedacht hatte, solch ein Silvaner lässt sich nicht übertreffen, der wurde jetzt positiv überrascht. Das schaffte die nachfolgende 2008’er „3-Sterne-Spätlese” vom Achkarrer Schlossberg. In dieser Parzelle  sind die Reben noch älter: 1949 gepflanzt und damit aus dem ältesten Weinberg Badens.

Eine derartige Mineralik, Dichte und Komplexität war erstaunlich. Anfangs noch ver­schlossen, öffnete er sich an der Luft immer stärker. Das war der Top-Wein des Abends.

Der ein Jahr ältere 2007’er Achkarrer Schlossberg zeigte ebenfalls diese ausge­präg­te Mineralik und Komplexität. Im Vergleich zum 2008’er war schon sehr ab­ge­rundet und reifer und kam nicht ganz an die Komplexität und Mineralität des 2007’er heran.

heger04 Bedauerlicherweise werden   das  die letzten Jahrgänge bleiben. Durch den Befall vieler Weinstöcke in dieser Parzelle mit der Pilzerkrankung „Esca” traten so starke Ausfälle im Weinberg auf, dass eine sinnvolle Bewirtschaftung nicht mehr möglich war und der Weinberg deshalb gerodet werden musste.

Den Beweis, dass Silvaner gut altern können, blieb uns Joachim Heger nicht schuldig. Der 2003’er Silvaner aus dem Ihringer Winklerberg (die „normale” Spätlese und kein „Dreisterne” Wein) präsentierte sich erstaunlich schlank und keinesfalls fett und breit. Alterstöne waren nicht zu erkennen. Für den Problemjahrgang 2003, der in Baden sehr oft fette, breite und alkohollastige Weine hervorgebracht  hat, ein erstaunliches Ergebnis.

Und man kann Silvaner auch mit Restsüße ausbauen:

Die 2004’er Spätlese vom Achkarrer Schlossberg sollte eigentlich trocken vergoren werden, ist aber bei 11,7 g Restzucker/l  stehen geblieben. Ein leicht süßer, recht dichter Silvaner, der aber nicht an die Finesse und Struktur der vorher­ge­hen­den trockenen Weine herankam.

Der letzte Wein war eine 2001’er  Spätlese aus der gleichen Lage, diesmal gezielt restsüß vergoren und mit 26 g/l Restzucker deutlich süßer, konnte die „Trocken-Fraktion” nicht so überzeugen, während die „Süßfraktion” diesen Wein sehr hoch bewertete.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ihringer Winzer weiter unbeirrt an ihrem Silvaner fest­halten und nicht ihre Reben dem modernen Trend zu Burgundersorten opfern. Es wäre ein Verlust für die Geschmacksvielfalt der badischen Weine. heger02

Als im Vorfeld bekannt wurde, dass in dieser Probe nur Silvaner – und nur von einem Winzer –  vorgestellt werden sollten, haben viele gefragt, ob das nicht langweilig sei. Nach der Probe sind diese Stimmen verstummt. Allein die Paarung zwischen den jun­­­gen, frischeren 2008’er und den reiferen, runderen und weicheren 2007’er Sil­vanern brachte Spannung in die Probe, und die großen Unterschiede der Lagen taten ihr übriges dazu.

Für uns war dieser Abend ein sehr gelungener Probenauftakt des Jahres 2010. Die nachfolgenden Referenten werden es schwer haben, mit dieser Probe gleich­zu­zie­hen.

Verfasser: Dieter Ockelmann

Probenergebnis: 14.01.2010 Silvaner (pdf)

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