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      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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14.04.2011 Das Prinz zu Salm-Dalberg’sche Weingut von der Nahe vertreten durch Prinz Felix zu Salm-Salm

Erstellt von Dieter am Freitag 20. Mai 2011

Nervosität bis kurz vor Beginn der Veranstaltung: einerseits die Spannung auf die zu verkostenden Weine, aber andererseits: kommen diese auch rechtzeitig an, denn ein Anruf beunruhigt uns etwas: Prinz Felix fährt zuhause auf die Autobahn – und voll in einen Stau!

Aber die Aufregung war umsonst: natürlich trafen Wein und Moderator pünktlich ein und nehmen wir es einmal vorweg: es war tatsächlich eine tolle Probe, die Prinz Felix für uns zusammengestellt hatte und die auch repräsentativ war für das Gesamtangebot dieses Weinguts mit Sitz in Wallhausen.
Das Schloss dort bildet den Mittelpunkt der Familie, die nun schon in der 32. Generation dieses Weingut führt und damit das älteste Familienweingut Deutschlands stellt. Dieses Weingut wird einmal an den 11/2 Jahre älteren Bruder Prinz Constantin gehen, der sich derzeit mit der Verwaltung der Finanzen des Betriebes -und der Familie- befasst, während Prinz Felix die Weinbergspflege und die Kellertechnik unter sich hat. In 2007 hat man auch den rheinhessischen Betrieb „Villa Sachsen“ in Bingen, der ausschließlich Prinz Felix zusteht, in den Familienbesitz überführt. Damit hat Prinz Felix keine leichte Aufgabe übernommen, ist doch die Rebfläche der „Villa Sachsen“ mit ca. 20 ha noch einmal größer als die 13 ha Weinland des Stammhauses, das sich nach Abschluss einer noch offenen Flurbereinigung um weitere ca. 3 ha erweitern könnte. Dennoch haben sich schon erste Erfolge eingestellt, so dass die unter dem Etikettennamen „Rheingraf“ vermarkteten Rheinhessen-Weine – ein Titel, der dem Hause Salm-Salm seit dem 15. Jahrhundert zusteht – in der einschlägigen Presse wieder lobende Erwähnung finden. Das Studium in Geisenheim von 2000-2005 und ein Praktikum u.a. im Weingut Heymann-Löwenstein haben Prinz Felix sicherlich die richtige Basis gegeben, um mit den wachsenden Aufgaben fertig zu werden.

Der Rebsortenspiegel des Salm-Dalberg’schen Weingutes belegt die führende Rolle, die der Riesling hier mit 62% Anteil stellt, gefolgt von 15% Spätburgunder, jeweils 4% Grau- und Weiß-Burgunder. Der Rest teilt sich auf in andere Rebsorten, darunter auch 2% Silvaner, der Lieblingswein der Mutter Prinzessin Philippa, die als Fränkin ihre Wurzeln schließlich im Castellschen Weingut im Steigerwald hat.

Als ob man mit dem konventionellen Weinanbau nicht schon genug im Weinberg zu tun hätte, verschrieb man sich mit Leidenschaft seit 1989 dem ökölogischen Weinbau und der Betrieb erreichte schließlich 1995 die Zertifizierung durch den Ökoverband Naturland. Im VdP-Verband Nahe ist man damit bis heute der einzige Bioerzeuger geblieben. Besondere Betonung legt Prinz Felix auf die Tatsache, dass man keine Mineraldünger einsetzt, sondern natürlichen Kompost (Dung mit Grünschnitt kompostiert) von befreundeten Bauern aus der Region, deren ökologisches Umfeld wiederum vom Hause Salm-Salm genau beobachtet wird.

Alle Weine des Weingutes entsprechen dem Qualitätsweinniveau, die aber nur in besonders guten Jahren einen Lagennamen hinzubekommen. Dieses Ausstattungsmerkmal steht in der Regel sonst nur den Weinen aus den Toplagen des Betriebes zu wie z.B. Wallhäuser Johannisberg, Roxheimer Berg und dem Felseneck, auf die später noch einzugehen ist.

Inzwischen kreiste die erste Flasche in unserer Probe, ein 2010er mit dem simplen Titel: „Der Salm“, trocken. Auf diesen süffigen, leichten Wein (11% Alc) mit seinen aufgrund seiner Jugend noch stark ausgeprägten Primäraromen passte typischerweise das Attribut Sommerwein. Diese Cuvée aus Riesling, Kerner und Silvaner -letzterer nur, sofern nicht schon für die Mutter sortenrein ausgebaut – ergab einen unkomplizierten frischen und mit guter Säure ausgestatteten Tropfen, der echt Lust auf Mehr machte und von dem man ein zweites Glas sicher nicht verweigert hätte. Ein guter Einstieg in die Probe also.

Es folgte ein 2009er Silvaner aus einem Lagenkernstück von grünem Schiefer mit ca. 15-jährigen Reben, die aufgrund ihres Alters mehr und mehr die tieferen Gesteinsschichten erreichen und damit die Mineralität im Wein sicherstellen. Mit 6g Restzucker trat dieser Wein zwar analytisch nicht „fränkisch trocken“ auf, aber was bedeutet schon die Analyse, wenn der Gaumen sagt: recht so, dieser Silvaner braucht seine fränkischen Konkurrenten nicht zu fürchten. Man muss ja den Franken nicht alles nachmachen, es geht auch anders. Bei diesem Wein ist man hingegangen und hat den Füllzeitpunkt einfach nach hinten in den Juni/Juli verschoben. Dieses Mehr an Lagerung auf der Hefe hat dem Silvaner sehr gut getan. Er hatte auf der Zunge und am Gaumen richtigen Schmelz, mit dem er sein noch schlummerndes Potenzial andeutete, sich aber dennoch schon jetzt als guter Vertreter seine Klasse darbot. Bei den Literweinen und auch bei dem ersten von uns verkosteten Wein „Der Salm“, liegt der Füllzeitpunkt dagegen im März/April.

Zwischen den einzelnen Flights dieser Probe lieferte Prinz Felix weitere Informationen über das Weingut und den ökologischen Anbau. Zum Beispiel auch zur Kundenstruktur, die sich wie folgt zusammensetzt: 35% Privatkunden stehen hier 50-55% Abnehmern aus Gastronomie und Fachhandel gegenüber. Der Export hat Schwerpunkte in den USA, Belgien und Japan, wobei sich Prinz Felix über ein starkes Wachstum im vergangenen Jahr bezüglich Österreich als Exportland überrascht zeigte; besitzen diese doch eigentlich eine ganze Reihe namhafter Winzer mit einem hohen, ja auch sehr hohen Qualitätsniveau besonders im Weißweinbereich.

Dann folgten als dritter und vierter Wein in der Probe ein Weißer Burgunder und ein Grauer Burgunder, beide ebenfalls aus dem Jahr 2009, einem -wie Prinz Felix sagte- guten Burgunderjahr. Beide Burgunder lagen mit ihrem Restzuckergehalt von 7 bzw. 8 g/ltr am oberen Bereich des analytisch definierten Trockenbereichs. Doch gerade der Weißburgunder behielt durch die ihm belassene Säure seine Spritzigkeit und Ausgewogenheit zur Frucht und zum Körper bei deutlicher Unterstreichung seiner Sortentypizität.
Der Grauburgunder imponierte uns besonders durch seinen schönen Schmelz, den ihm der Ausbau im Holzfass (Stück- und Halbstück-Fässer mit einem Alter von ca. 40 Jahren) und ein langes Hefelager beschert hatten. Und was ist mit der Gefahr eines unkontrolliert einsetzenden BSA-Vorgangs bei längerer Fasslagerung? In 2009 hatte man alles im Griff, versicherte Prinz Felix, aber 2010 hätte man nicht nein gesagt, wenn es denn passiert wäre….Dann sind wir aber mal gespannt auf die 2010er Ausgabe dieser beiden Burgunder!
Im übrigen nahmen wir belustigt die Anmerkung von Prinz Felix zur Kenntnis, dass in 2010 viele Winzer überrascht waren, auch mal wieder Weine unter Spätleseniveau machen zu können. Deshalb ist es fast schon eine Binsenweisheit, dass das Ausgangsmaterial für diese beiden Burgunder aus dem Jahr 2009 ganz deutlich über den Anforderungen für eine Spätlese lag. Bei vielen der als Qualitätswein vermarkteten Weine aus den Jahren vor 2010 handelte es sich vielfach um abgestufte Spätlesen, denn das Image einer Spätlese -zumal noch auf dem Etikett vermerkt- passt einfach nicht zum täglich genossenen Glas Wein. Man braucht im Sortiment auch „einfache“ Qualitätsweine.
Für die Winzer ein Fluch der Klimaveränderungen in unseren Breiten?

Es folgten wieder einige übergreifenden Informationen von Seiten des Prinzen, so z.B. zur Weinproduktion, die früher – Stichjahr 1999, als uns der Vater, Prinz Michael zu Salm-Salm, der noch im Amt des VdP-Verbandsvorsitzenden war, zum ersten Mal in Köln besuchte – zu jeweils 50% aus trockenen und restsüßen Weinen bestand. Heute hat sich das Verhältnis zugunsten der trockenen Weine mit 80% zu 20% (inkl. sog. halbtrockener Weine) verschoben. Von den 20% restsüßen Weinen werden wiederum 90% in die USA exportiert. Man erinnere sich an unsere Champagnerprobe und der Geschichte um die als vermeintliche Konterbande mitversenkte Schiffsladung süßen Champagners (Jhgg. 1907) auf der „Jönköping“, mit „Goût Américain“ gekennzeichnet. Das war 1916. Da scheint sich auf dem amerikanischen Markt nicht viel geändert zu haben….

Zurück zum Wein: es folgte der erste Riesling – und zwar im Alleingang. Ein einfacher Riesling trocken aus 2009. Aber was heißt schon „einfach“. Selbst in Konkurrenz mit den darauffolgenden beiden Rieslingen, einmal vom Grünschiefer und der zweite vom Roten Schiefer -beide übrigens aus dem Jahrgang 2008 – hatte dieser Wein seine Berechtigung als sog. Einstiegsmodell zu den Rieslingen des Hauses Salm-Salm. Herrliche Frucht und eine anspringende Säure öffneten unsere Geschmackspapillen und zeigten uns auch schon jetzt das Potenzial, das in diesem 2009er als einfachem Qualitätswein enthalten war.
Dort waren die beiden folgenden Rieslinge aus 2008 bereits angekommen. Beide Weine fast gleichzeitig gelesen, identisch ausgebaut, abgestochen und abgefüllt – aber von unterschiedlichen Böden, ganz wichtig! Den Grünschiefer gibt’s nur in Dalberg (Felseneck), dem alten Familiensitz, deren Burg auf den älteren Etiketten noch abgebildet war. Und was erzählt uns der Wein hierüber? Mineralisch und schlank, Limonen-/Zitrusaromen und immer noch Ecken und Kanten! Eine Herausforderung für den Weinliebhaber, der diesen Wein sich erarbeiten muss mit Beißen und Kauen.
Dann der Riesling vom Roten Schiefer: runder, weicher, reifer mit leichter Süße im Eindruck und Anklängen von getrocknetem Obst. Bei beiden Weinen keine Spur von Noten der hier angewandten Spontanvergärung (im Gegensatz hierzu die Burgunder -s.o.-: Vergärung mit Reinzuchthefen). Dies ist Prinz Felix Lieblingsriesling…. Alles gleich gemacht, aber dennoch unterschiedliche Nasen und Charaktere. Deutlicher kann man einen Terroirbeweis nicht antreten. Alle sind wir uns einig: dies ist großes Kino und so schlägt sich unser Urteil auch in der Benotung nieder.

Als ob es nicht schon schön genug gewesen wäre, setzte Prinz Felix noch einen oben drauf, in dem er noch ein „Großes Gewächs“ aus dem Roxheimer Berg aus 2009 folgen ließ. Auf rotem Schiefer mit Lehm-Lös-Auflage gewachsen, handelt es sich hier um die wärmste Lage des Weingutes überhaupt und diese ist für Prinz Felix die spannendste Lage, die er betreut. Aus diesem Stück wurde in 2009 alles über Spätleseniveau geerntet und bringt deshalb in diesem Riesling einen Muskelprotz hervor, der voll, harmonisch, dicht und ausgewogen auftritt aber mit deutlichem Biss im Abgang. Exotische Aromen und auch Brotaroma begleiten seinen Abgang mit langem Nachhall.
O-Ton Prinz Felix: „Bei diesem Wein wird nicht groß rumgefummelt. Keine Versuche mit Holz und Edelstahl und Rückverschnitt. Im Herbst wird entschieden, welche Trauben in welches Fass oder welchen Edelstahlbehälter kommen.“
Genau das ist es: Ursprünglichkeit, der Natur ihren Lauf lassen, möglichst wenig in den Entwicklungsprozess eingreifen, soviel wie nötig, sowenig wie möglich; „kontrolliertes Nichtstun“ ist das Stichwort, bis das Produkt perfekt entwickelt ist. Diese Vorgehensweise belegt die Notwendigkeit eines sehr guten Ausgangsmaterials für den Wein als Endprodukt. Dass Prinz Felix hierauf ein Auge hat, belegt sein Eifer bei der Schilderung seiner ökologischen Arbeitsweise im Weinberg. Empfehlung: werfe der Weinliebhaber doch mal ein Auge auf den Preis……

Der Rieslingreigen war jedoch noch nicht zu Ende, denn es folgten noch ein halbtrockener (Qualitätswein) und zwei fruchtsüße Rieslinge (ein Kabinett und eine Spätlese), allesamt aus dem Jahrgang 2009. Nur bei den restsüßen Weinen behält man im Hause Salm-Salm die Prädikatsbezeichnungen bei.
Während der Verkostung ist von einem wunderbaren Säure-Süße-Spiel zu hören, obwohl der Nr. 10, dem Kabinett, ein trockenes Mundgefühl attestiert wird, von Fruchtigkeit und Frische ist die Rede. Die Gruppendisziplin ist erstaunlich hoch, kein Volksgemurmel, alle genießen diese außerordentlichen Tropfen, besonders die Nr. 11! Prinz Felix kommt aus der Deckung und eröffnet uns: die Nr. 10: eine abgestufte Spätlese und die Nr. 11: eine abgestufte Auslese! Letztere: dicht, fest und konzentriert. Nur eine kleine Menge von 200 Flaschen gibt es hiervon. Umso mehr freuen sich die Probanden…Prinz Felix schildert die Sisyphusarbeit: 95% gesunde Trauben wurden selektioniert, die Lage 3 -4-mal begangen, d.h. also Trauben suchen statt Trauben lesen, „Beeren Picking“ ohne Schere! Ein lohnender Aufwand, wie wir zugestehen mussten und ein gelungener Abschluss der Riesling-Serie in unserer Probe.

Was noch fehlte, war ein Rotwein, der uns in Form eines Spätburgunders aus dem Jahr 2008 kredenzt wurde Bei der Herstellung steht ganz eindeutig der Erhalt der Sortentypizität im Vordergrund, weshalb auch nur Barriquefässer zum Einsatz kommen, die eine Zweit- und Drittbelegung hinter sich haben. Auch Mutter Philippa mag keine Barriquenoten im Wein, also darf es nur ein Hauch von diesem Holz sein. Dafür setzt man auf Maischegärung -ohne Erhitzung- und auf eine Maischestandzeit von 8-12 Tagen (Jahrgang 2010 etwas länger). Selbstkritik von Prinz Felix, denn die Begeisterung für diesen Rotwein schwingt nicht so hoch in unserer Runde wie bei den Weißweinen zuvor: dies ist erst der 4.Jahrgang in rot, den er allein zu verantworten hat und er ist froh, dass der Vater bei Problemen im Weingut noch greifbar ist. Unser Spätburgunder zeigt im Glas deutliche Brauntöne, obwohl noch sehr jung. Vielleicht zu spät geschwefelt, grübelt Prinz Felix.?

Aber dieser Moll-Ton zum Schluss vermag den positiven Gesamteindruck der Probe nicht zu verwischen. Beeindruckt von seinen Weinen lässt uns Prinz Felix beim Nachtrunk zurück. Er wird noch seine in Köln lebende Schwester besuchen. Noch einmal schwenkt sein Auge über das von Axel Daub mitgebrachte Jahresprotokoll von 1999 mit der Kurzschilderung des Besuchs seines Vaters bei uns – und der erinnert sich, dass ihm sein Vater in 2010 bei unserer Anfrage für diese Probe ermutigte: „Junge, sag ja!“ Wir können damals also keinen so schlechten Eindruck hinterlassen haben.

Und heute?
Verfasser: Wolfgang Klug

Probenergebnis der Weinprobe vom 14.04.2011 mit dem Prinz zu Salm-Dalberg’schen Weingut (pdf)

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