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      Rueda ist inzwischen die Spanische Region für Weißweine. Jahrelang
      wurden nur unbedeutende Weißweine produziert. Erst als in den 1970er
      Jahren der Weinerzeuger Marqués de Riscal aus der Rioja mit Unterstützung
      vom französischen Önologen Emile Peyaud die Rebsorte Verdejo pflanzte
      und nach modernen Verfahren Weißwein produzierte, begann der große
      Aufstieg. Unser Weinbruder Uwe Lommertin hat vor Ort für uns eine Auswahl
      getroffen.

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Weinprobe mit dem Weingut Heinrich Vollmer am 25.06.2015

Erstellt von Dieter am Sonntag 8. November 2015

Das Thema unserer Probe war diesmal ein Deutscher Winzer der sowohl ein Weingut in Deutschland und wie auch ein weiteres im Ausland besitzt. Für uns war das Heinrich Vollmer, der sowohl in der Pfalz in Ellerstadt wie in Argentinien im Valle de Uco ein Weingut betreibt.

Die Lebensgeschichte von Heinrich Vollmer hätte allerdings für mehrere Proben gereicht. In Durbach geboren, sollte er nach der Schule das elterliche Weingut übernehmen. Deshalb absolvierte er ein Volontariat bei Bouchard in Beaune und studierte auch in Frankreich. Dann aber gab es Streit mit seinem Elternhaus und er beschloss ein eigenes Weingut zu erwerben, das er dann in der Pfalz in Ellerstadt fand. Als unbekannter, kleiner Winzer ohne finanziellen Rückhalt war das schon mutig. Damals war die Bankenkrise aber noch weit weg und so erhielt er ein Darlehn der Sparkasse – heute fast undenkbar. Das Weingut, das er übernommen hatte, produzierte damals nur Fassweine und hatte daher keine Vertriebsschiene für Flaschenweine. So war es eine glückliche Fügung, dass damals die Lufthansa einen neuen Lieferanten für Weine suchte. Und tatsächlich konnte er den Vertrag die Lufthansa zu beliefern, erhalten. Aus dem kleinen Weingut wurde schnell ein großer Betrieb mit heute etwa 105 ha Weinbergsfläche.1983 war das Weingut dann aber fast wieder am Ende. Bei seiner zweiten Leidenschaft, dem Bergsteigen, wurde er in Südamerika am Annaconagua von einer Eislawine verschüttet. Er wurde von Indios gefunden und gesundgepflegt und überlebte als einziger der Bergsteigergruppe. Ohne Pass und Geld schaffte er es wieder nach Deutschland zu kommen, wo er in der Zwischenzeit für tot erklärt worden war.

Als Dank für seine indigenen Retter kaufte er in Argentinien im Valle de Uco (Mendoza) ein Weingut.

In Deutschland ging es mit dem Weingut weiter bergauf. Heinrich Vollmer war überzeugt, dass auf den Böden am Fuße des Mittelhaardt-Gebirges nicht nur Spätburgunder oder Neuzüchtungen wie Dornfelder, sondern auch andere rote Rebsorten wie Merlot und vor allem Cabernet Sauvignon gedeihen würden, obwohl sie damals vom deutschen Gesetzgeber verboten waren.

So plante er – ganz in der Tradition seiner französischen Lehrjahre – den international geschätzten, in Deutschland aber damals verbotenen Cabernet Sauvignon anzupflanzen Er stellte einen Antrag für den Versuchsanbau und besorgte sich im Bordeaux tausend Rebstöcke aus der Appellation St.Emilion. Wegen des 1985 hochbrodelnden Glykol-Skandals blieben die zuständigen Genehmigungsbehörden jedoch untätig. So hatte er zwar seine Lieferung Cabernet-Reben, aber keine Zulassung für den Anbau. Deshalb pflanzte er sie ohne Genehmigung aus, aber nicht auf einer bestimmten Parzelle, sondern verteilt über seinen gesamten Besitz und nach einem geheimen Plan. Zwei Jahre später wurde dann der ersten Jungfernwein – etwa 40 l –gekeltert. Leider denunzierte ihn ein örtlicher Winzer und so standen daraufhin morgens um sechs Uhr die Polizei und Vertreter der Weinkontrolle auf seinem Hof. Die gerade abgefüllten Flaschen Cabernet mussten vor den Augen des Gesetzes vernichtet werden, und der Winzer wurde angeklagt. Bei der Verhandlung im Frühjahr 1987 wurde er zu 72 Tagen Haft oder 72 Tagessätzen zu je 100 Mark und der sofortigen Rodung der Cabernet-Reben verurteilt. Er ging in Berufung, grub die Reben unter Polizeiaufsicht aus – und nutzte die Zeit bis zur nächsten Verhandlung, um die kostbaren Stöcke nach Argentinien auszufliegen. Wie er sie dort am Zoll vorbei zu seinem gerade erworbenen Weingut im Valle de Uco in der Region Mendoza schaffen konnte, ist eine weitere, heute kaum wiederholbare-Geschichte. In zweiter Instanz wurde er nur noch zu einer symbolischen Geldstrafe verurteilt und damit praktisch freigesprochen. Und weil er nur drei Tage nach dem Freispruch vom 11.Mai 1987 dann plötzlich doch noch die Genehmigung für den Versuchsanbau von Cabernet Sauvignon bekam, konnte er neue Rebstöcke pflanzen und wurde so der erste Winzer, der in Deutschland Wein aus Cabernet Sauvignon erzeugt hat.

Nach diesen Geschichten eines  abenteuerlichen Lebens, nun die Ergebnisse unserer Weinprobe:

Den Start der Verkostung machte der 2013’er Auxerrois, ein Wein aus einer weniger bekannten Rebsorte. Das war ein sauberer, ordentlicher, etwas breiterer Wein, der allerdings für diese Rebsorten eine etwas hintergründige, spitze Säure hatte. Mit 14,16 Punkten erhielt der Wein eine recht ordentliche Bewertung.
Aus dem argentinischen Weingut folgte der 2012’er Cabernet Sauvignon Rosado, ein einfacher, recht leichter, etwas breiter Rosé, mit mehr Süße. Mit seiner einfacheren Struktur fiel dieser Rosé mit 13,66 Punkten  gegenüber seinem Vorgänger auch ab.Weiter ging es mit einem deutschen Weißwein, dem 2013’ER Grauburgunder „Altum“ einem ordentlichem sauberem Wein, mit leichter Herbe, aber auch etwas spitzer Säure. Dennoch konnte er sich mit 14,66 Punkten deutlich vor den Auxerrois setzen.
Aus der Burgunderfamile kam auch der nächst Wein; der 2012’er Weissburgunder „50 hl“. Die Ertragbegrenzung auf 50 hl – daher der Name für diese Serie, – führte zu einer höheren Qualität. So zeigte sich der Wein als ein recht klarer, dichter und auch eine Spur cremiger Weissburgunder mit kräftiger Säure und dichterer Struktur.
Der nachfolgende Riesling aus der gleichen 50 hl-Serie zeigte sich sehr fruchtig mit guter Säure und ebenfalls dichter Struktur, allerdings hatte er auch eine etwas breitere und fülligere Frucht. Auch hier zeigte sich der Erfolg der Ertragsbegrenzung in der Bewertung.
Als letzten Weißwein konnten wir einen 2014’er Gewürztraminer „50 hl“ verkosten. Für einen Wein dieser Rebsorte, zeigte er sich recht zurückhaltend und nicht aufdringlich. Seine frische Säure hielt ihn schlank. Damit wurde er der bestbewertete Weißwein des Abends.
Die Hälfte der Wein war geschafft, nun folgten noch die Rotweine.
Den Anfang machte ein 2012’er Blauer Portugieser „50 hl“. Obwohl der Portugieser, als einfacher Massenträger verschrien ist, wusste dieser Wein mit einer sauberen, klaren Frucht und einem festem, reifem Tannin zu gefallen. Im Hintergrund klang ein leichter Ton nach Bretanomyces (Pferdedecke) an. Damit zeigte dieser Wein, dass die verkannte Rebsorte Portugieser deutlich mehr leisten kann als man ihm normalerweise zubilligt.
Ein Spätburgunder als deutscher „Edelwein“ gehörte ebenfalls in die Probe. Der 2008’er Ellerstadter Kirchspiel „Altum“ In der Frucht zeigte er sich etwas verhalten und mit leichterer Struktur, wusste aber durch seine Klarheit und zarte Fruchtsüße zu gefallen.
Nach den Abenteuern des Weingutes mit der Rebsorte Cabernet Sauvignon durfte natürlich ein entsprechender Wein nicht fehlen.  Der 2010’er Cabernet Sauvignon „Altum“ besaß eine feine, gut strukturierte Frucht bei angenehmer Säure. Dem kühleren Jahrgang entsprechend war der Wein noch etwas kantig, ließ aber das Alterungspotential erahnen. Und das verhalf ihm zur besten Bewertung des Abends.
Mit seinem argentinischen Pendant, dem 2013‘er Cabernet Sauvignon der Bodegas Enrice Vollmer aus dem Valle de Uco ging es weiter. Hier zeigte sich, dass der Wein noch drei Jahre jünger war. Er besaß eine dichte, kräftige Struktur aber auch ein noch festes, hartes Tannin und konnte daher sein deutsches Gegenstück in der Bewertung nicht erreichen.
Ein Malbec als Argentiniens nationale Parade-Rebsorte wurde als nächster Wein vorgestellt. Dieser 2013’er Malbec war im Gegensatz zum Cabernet Sauvignon schon deutlich weicher und runder, was auch mit einer höheren Punktzahl honoriert wurde.
Ein Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, das 2013’er Cuvee „Les Cazadorens“, brachte dann den Abschluss. Gute Frucht mit zarter Süße, eine dichte Struktur und ein festes Tannin zeichneten diesen Wein aus. Damit konnte dieser Wein fast den Cabernet Sauvignon „Altum“ in der Bewertung erreichen.
Damit ging unsere Probe zu Ende.
Was war nun interessanter gewesen, die Lebensgeschichte von Heinrich Vollmer oder seine Weine? Egal, es war ein sehr interessanter Abend, der sich in dieser Form sicher nicht so schnell wiederholen lässt. Und dafür möchten wir Heinrich Vollmer herzlich danken.

Verfasser: Dieter

2015_06_Probenergebnis_Weingut Vollmer

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